Westworld – Season 1

Jetzt, da es wieder kälter wird, komme ich langsam dazu, den sich bei mir aufgestauten Backkatalog an TV-Serien abzuarbeiten. Einer der großen Serien-Hypes im Jahr 2016 war „Westworld – Season 1“ und nun bin auch ich endlich dazu gekommen, mir selbst ein Bild von der Serie zu machen. Ob die HBO-Produktion Michael Crichtons 70er-Jahre-Film „Westworld“ gerecht wird?

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Do Androids Dream of Electric Sheep?

Als nächstes großes Ding nach „Game of Thrones“ angekündigt, erweist sich „Westworld“ zunächst als deutlich sperriger als der große HBO-Hit. Die Geschichte ist komplex, die Handlungsebenen mehrschichtig und die Chronologie gebrochen. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Zudem sollte man als Zuschauer auch ein gewisses Faible für Sci-Fi-Themen rund um künstliche Intelligenz mitbringen. Wer jedoch Michael Crichtons Original sowie die beiden Filme im „Blade Runner“-Universum mochte, der dürfte mit der Serie rund um den futuristischen Freizeitpark „Westworld“ mehr als nur glücklich werden.

Auf die Handlung mag ich im Detail gar nicht so sehr eingehen, da es ein paar Wendungen gibt, die nicht im Vorfeld verraten werden sollten. Aufmerksame Zuschauer sollten diese aber bereits im Vorfeld erahnen, so dass, zumindest bei mir, die großen Überraschungsmomente ausgeblieben sind. Vielleicht liegt darin aber auch die Stärke der Serie: Jonathan Nolan und sein Team verlassen sich eben nicht auf plumpe Twists, sondern erzählen ein komplexes Gesamtbild. Dieses ist nicht immer komplett schlüssig, erzeugt aber einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Nur selten wollen manche Erzählstränge (z.B. alles um Lee Sizemore) nicht so wirklich zünden. Gerade im Mittelteil der Staffel gibt es kleinere Schwächen, die vom starken Einstieg und Finale jedoch wieder mehr als wett gemacht werden.

Western trifft auf Science-Fiction

Die Inszenierung der Serie ist über jeden Zweifel erhaben. Landschaftsaufnahmen, die einem John-Ford-Western gut zu Gesicht stünden, wechseln sich mit High-Tech-Laboren ab. Alles wirkt extrem hochwertig produziert, was für uns Zuschauer eine reine Freude ist. Auch typisch für HBO ist der hohe Anteil an Sex und Gewalt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt, zumal diese Elemente auch inhärenter Bestandteil der Geschichte rund um den Freizeitpark sind. Zudem fand ich besonders famos, dass die Serie sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch durchaus eine Fortsetzung des 1973er Films sein könnte.

Fazit

Nachdem ich nun das 90-minütige Finale gesehen habe, bin ich umso begeisterter von der Serie und würde am liebsten sofort weiterschauen. Zwar sind die Kritiken zur zweiten Staffel eher verhalten, doch werde ich mir definitiv selbst ein Bild davon machen. Die erste Staffel von „Westworld“ ist unbestreitbar sehr sehenswert, gerade für Sci-Fi-Fans, die mit dem 70er-Jahre-Kino aufgewachsen sind. Wie nicht anders zu erwarten, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 (9.1) Punkte.

Attack the Block (2011)

Nachdem ich heute dem Hungertod nur knapp entronnen war, stand natürlich ein Film auf dem Programm. Da der wirklich (un)gemütliche Teil des Oktobers noch ein wenig auf sich warten lässt, habe ich mir die besonders gruseligen Filmerlebnisse noch ein wenig aufgehoben, mich mit „Attack the Block“ aber zumindest ein wenig in Richtung #Horrorctober bewegt…

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Old Kids on the Block vs. Alien Gorillas

Der Film ist damals alleine durch Nick Frosts (bekannt aus „Spaced“ oder „Shaun of the Dead“) Beteiligung auf meinem Radar aufgetaucht. Zu einer Sichtung konnte ich mich aber nie hinreißen lassen, da mich das restliche Setting nicht sonderlich gereizt hat. Ich befürchtete aufgesetztes Pseudo-Gangster-Gehabe von ein paar Kids und forciert wirkende Coolness. In der Zwischenzeit hatte ich aber so viel Gutes von „Attack the Block“ gehört, dass die Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden, endlich gekommen war. Und was soll ich sagen? Ich bin ziemlich begeistert.

Ja, zu Beginn ist es schon ungewohnt, sich in dieser Welt zu bewegen. Der Jugendslang ist schwer zu verstehen und doch wirkt er nicht aufgesetzt. Selten hatte ich das Gefühl, solch authentisch wirkenden Dialogen zwischen Teenagern beizuwohnen. Auch der Humor, samt popkultureller Anspielungen, wird treffsicher eingesetzt und ich hatte öfter ein Grinsen im Gesicht. Dies mag auch an den unverbrauchten Darstellern liegen. Gerade John Boyega (u.a. „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) hat hier so viel mehr zu bieten, als in seiner Rolle des Finn im letzten „Star Wars“-Streifen. Besonders clever gewählt war zudem das Monster-Design: Man sieht quasi stets nur den Umriss und das leuchtende Gebiss, was einerseits dem Budget zugute kommt, andererseits aber auch einen gewissen Interpretationsspielraum lässt. Toll!

Fazit

Auch wenn „Attack the Block“ weder eine sonderlich originelle noch überraschende Geschichte erzählt, so wirkt der inzwischen bereits sieben Jahre alte Filme unfassbar frisch und dynamisch. Regisseur Joe Cornish hat wahrlich ein Händchen für energetische Inszenierung und ich bin jetzt schon gespannt, welches Projekt er als nächstes auf die Beine stellt: 8/10 Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1

Nach langer Zeit habe ich einmal wieder eine brandaktuelle Serie gesehen. Also so richtig aktuell. Wie ist das möglich? Bei Prime Video ist mit „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1“ eine Serie angelaufen, die tatsächlich mein Interesse geweckt hat. In den letzten Monaten habe ich mich mit „Jagd auf Roter Oktober“ und „Die Stunde der Patrioten“ zu den filmischen Wurzeln dieses Franchises begeben. Zudem sehe ich John Krasinski schon seit „The Office“ und aktuell auch „A Quiet Place“ sehr gerne, so dass ich gespannt war, wie er sich in solch einer actionreichen Serie schlägt…

Tom Clancy's Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

„24“ trifft auf „Homeland“ und etwas „The Office“

Der Serienhit „24“ gehörte damals, Anfang der 2000er, zu den ersten Serien, die ich leidenschaftlich verfolgt hatte. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war das Setting höchst aktuell und hat ein packendes, aber auch recht reaktionäres Bild des Kampfes gegen den Terror gezeichnet. Heute würde das Action-Drama in dieser Form nicht mehr funktionieren. Bereits 2011 hat „Homeland“ gezeigt, dass das Trauma der Ereignisse von vor 10 Jahren tiefere Wunden hinterlassen hat, und Action und Folter nicht die alleinigen erzählerischen Mittel sind. Noch einmal 7 Jahre später steht nun mit „Jack Ryan“ die nächste Serie rund um den Terror in den Startlöchern. Wie bereits erwähnt, basiert sie auf Tom Clancys Romanen, die bereits mehrfach verfilmt wurden. Nun geht es jedoch zurück zu den Anfängen des Charakters und in ein modernes Setting – und das funktioniert auf jeder Ebene famos.

Die Serie verbindet gekonnt große Spannung und harte Action mit gut geschriebenen Charakteren, denen wir uns als Zuschauer nahe fühlen können. Gerade John Krasinski, der wohl nicht die naheliegendste Besetzung ist, bringt für Jack Ryan einen riesigen Sympathiebonus. Sein Charakter zweifelt durchaus auch einmal und ist nicht immer der strahlende Held. Die selbstzerstörerische Natur der CIA-Arbeit hält sich, im Gegensatz zu Carrie Mathison aus „Homeland“, jedoch in Grenzen. Die Serie ist unterhaltsam, scheut aber auch nicht davor zurück, drastische Bilder zu zeigen oder brisante Themen (z.B. Flüchtlingskrise, Einsatz von Drohnen) anzusprechen. In manchen Szenen wurden gar Erinnerungen an „Zero Dark Thirty“ wach. Eine wirklich packende Mischung, die ich so nicht erwartet hatte.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert  von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sein würde. Mit dieser Produktion ist Amazon tatsächlich ein großer Wurf gewonnen. Extrem unterhaltsam und doch auch reflektiert und teils kritisch erzählt. Ein Terror-Thriller für das Jahr 2018. Durch den kompakten Rahmen von acht Episoden, ist das Erzähltempo extrem hoch und man könnte die Serie, wenn man denn die Zeit hat, bestimmt gut an zwei Tagen bingen, wie es die Kids heute so machen. Ein famoser Einstand von John Krasinski als Jack Ryan. Gerne mehr davon: 9/10 (8.8) Punkte.

Bait 3D: Haie im Supermarkt (2012)

Nach einem ungewöhnlich warmen Oktobertag, den wir komplett mit Gartenarbeit verbracht haben, war ich um 20 Uhr das einzige Familienmitglied, das noch wach war. Also habe ich mich mit „Bait 3D: Haie im Supermarkt“ für einen Film entschieden, den außer mir wohl niemand sehen wollte. Ob auch ich diese Wahl bereut habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

„Jetzt sind wir das Schnäppchen!“

So lautet der mehr oder minder originelle Spruch auf dem Blu-ray-Cover. Und ja, in genau solch eine Richtung geht der Film auch. Interessanterweise zieht er seine Prämisse recht konsequent und ohne bewusst eingesetzten Humor durch. Die Komik, die dennoch entsteht, ist eher unfreiwillig. Eine seltsame unausgegorene Mischung. Auch die Inszenierung ist zu professionell, um an „Sharknado“ und Co. zu erinnern, jedoch auch nicht gut genug, um vollends zu überzeugen. Der größte Schwachpunkt sind aber wohl die teils wirklich grottigen Schauspieler. Gerade Xavier Samuel in der Hauptrolle wirkt unfassbar laienhaft.

Was dagegen gut funktioniert, sind die unterschiedlichen Set-Pieces und Angriffsszenen, die wirklich alles aus dem Setting rausholen. Dabei ist „Bait 3D“ angenehm explizit und die Hai-Action weiß tatsächlich zu unterhalten. Selbst vom titelgebenden 3D-Effekt war ich positiv überrascht. Das war es dann aber auch schon.

Fazit

„Bait 3D: Haie im Supermarkt“ gehört zu den Filmen, die wohl niemand braucht. Zu schlecht um mit neueren Hai-Filmen à la „The Shallows“ oder „47 Meters Down“ mithalten zu können, aber zu gut, um Trash-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ich hatte meinen Spaß damit, war mir aber jederzeit bewusst, einen nicht sonderlich guten Film zu sehen. Kann man mal machen, muss man aber nicht: 4/10 Punkte.

Carriers (2009)

Freitagabend, Wochenende. Nach einer kurzen Woche, die sich dennoch wie zwei angefühlt hat. Trotz akuter Müdigkeit (und laufen war ich auch noch) habe ich den dringenden Wunsch verspürt, noch einen Film zu sehen. Auch aufgrund seiner knackigen Laufzeit von knapp über 80 Minuten, ist die Wahl auf „Carriers“ gefallen, der mich aufgrund seines Genres schon länger gereizt hat…

Carriers (2009) | © Splendid Film

Carriers (2009) | © Splendid Film

„Carriers“ ist ein Zombie-Film ohne Zombies

Ja, das beschreibt das post-apokalyptische Roadmovie von Àlex und David Pastor wohl ganz gut. Die Atmosphäre kommt Zuschauern von Zombie-Filmen oder -Serien wohl recht bekannt vor. Aufgrund des nahezu kompletten Ausbleibens von klassischen Horror-Elementen, treten die zwischenmenschlichen Konflikte hier noch stärker in den Vordergrund, als man das aus verwandten Genre-Klassikern kennt. Die Seuche bzw. der Virus ist tatsächlich nur der Aufhänger und wird, bis auf dessen Bedeutung für das Setting, kaum thematisiert.

Ich mochte den Roadmovie-Fokus sehr. Auch die Konzentration auf nur wenige Charaktere und deren Dynamik untereinander haben mir, bis auf wenige zu klischeehafte Ausnahmen, wirklich gut gefallen. Der Film wirkt schön konzentriert und kompakt. Seine wenigen Schauplätze werden zudem sehr effektiv eingesetzt. Durch etliche erzählerische Lücken, wirkt die Welt im Kopf des Zuschauers zudem größer als sie eigentlich ist. Überrascht hat mich auch das trostlose Ende, welches uns mit einem unguten Gefühl in den Abend entlässt. Auch das hatte ich so nicht erwartet.

Fazit

Auch wenn in Àlex und David Pastors „Carriers“ nur wenig passiert, so wusste mich gerade der Minimalismus in der Handlung und der Inszenierung zu überzeugen. Sicher kein großer Film, doch er konzentriert sich auf eine persönliche Geschichte, die ohne viel Action oder Effekte auskommt. Kein neuer Genre-Klassiker, aber durchaus sympathisch. Hat mich etwas an Tim Fehlbaums „Hell“ erinnert: 7/10 Punkte.

Castle – Season 8

Einmal mehr verlässt mich eine Serie, die mich schon länger begleitet. Seit 2009 um genau zu sein. Damals habe ich eigentlich nur aufgrund von Nathan Fillion in die Serie reingeschaut, da ich nach „Firefly“ und „Dr. Horrible’s Sing-Along Blog“ bereits große Stücke auf den sympathischen Schauspieler hielt. Mit „Castle – Season 8“ stand nun mit einiger Verspätung das Finale des Krimi-Procedurals auf dem Programm. Ob der Charme des Hauptdarstellers und seiner Kollegin auch dieses Jahr wieder ausgereicht hat, um die Serie zu tragen?

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Abschied von Castle und Beckett

Nachdem ich die siebte Staffel via Prime Video gesehen hatte, und die Verfügbarkeit mitten in der achten Staffel stoppte, war meine Motivation in diese unterhaltsame Krimi-Welt zurückzukehren doch eher gering. Typisch Streaming eben. Dennoch wollte ich die Serie nicht abschreiben und habe nur auf den richtigen Moment (sprich einen günstigen Preis für die DVD-Box) gewartet, um endgültig Abschied zu nehmen. Das Warten hat sich gelohnt, denn auch wenn „Castle“ im achten Jahr nichts mehr wirklich Neues bietet, so weiß die Chemie zwischen den Darstellern doch nach wie vor zu überzeugen und der Wortwitz, speziell von Nathan Fillions Charakter, ist ein steter Grund zur Freude. Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen, denn mehr als ein recht formelhaftes Krimi-Procedural hat auch das große Finale nicht zu bieten.

Wie bereits in den Vorjahren, haben mir speziell die Einzelepisoden viel Spaß gemacht, die sich ihre Prämisse öfter der Popkultur entleihen (z.B. ein Setting wie in „Saw“ oder die Origin-Geschichte eines Superhelden). Weniger überzeugt hat mich dagegen der große Handlungsstrang rund um LokSat, weil dieser auf mich stets sehr forciert und unnötig ernsthaft wirkte. Somit ergibt sich für die letzte Staffel folgende Eingliederung in das Gesamtbild:

  1. „Castle – Season 4“ (8.8 Punkte)
  2. „Castle – Season 3“ (8.6 Punkte)
  3. „Castle – Season 5“ (8.5 Punkte)
  4. „Castle – Season 2“ (8 Punkte)
  5. „Castle – Season 6“ (7.9 Punkte)
  6. „Castle – Season 7“ (7.8 Punkte)
  7. „Castle – Season 1“ (7 Punkte)
  8. „Castle – Season 8“ (7.4 Punkte)

Fazit

Auch wenn die finale Staffel von „Castle“ keinerlei neue Aspekte bietet, so hatte ich doch wieder enorm viel Spaß mit diesem sympathischen Ermittlungsteam. Leider merkt man an der letzten Episode deutlich, dass eigentlich eine Fortsetzung geplant war und das tatsächliche Finale nur schnell hinterher geschoben wurde. Das hätte die Serie nicht verdient gehabt. Ich werde dieses Krimi-Procedural dennoch als eines der besten seiner Art in Erinnerung behalten: 7/10 (7.4) Punkte.

Meine teuflischen Nachbarn – OT: The ’Burbs (1989)

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche, habe ich mich unglaublich auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da ich in letzter Zeit recht viele Blu-rays gekauft habe, ist die Auswahl der noch ungesehenen Filme enorm – und dennoch habe ich mich mit „Meine teuflischen Nachbarn“ abermals für einen Klassiker der 80er Jahre entschieden. Da weiß man einfach, was man hat…

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Mehr als nur Sardinen und Bretzeln

Wie auch „Geschenkt ist noch zu teuer“ oder „Big“, gehört auch „Meine teuflischen Nachbarn“ zu jenen Tom-Hanks-Klassikern, die ich früher rauf und runter gesehen habe. An die gesamte Geschichte konnte ich mich zwar nicht mehr erinnern, doch so manche Details und Einstellung war mir noch bestens im Gedächtnis. Speziell die eher spannenden Szenen rund um die Familie Klopek. Obwohl Joe Dantes „The ’Burbs“ eine waschechte Horror-Komödie (mit Betonung auf Komödie) ist, habe ich den den Film damals als ziemlich gruselig wahrgenommen: das nächtliche Glühen im Keller, die Buddelei im Garten, die unheimlichen Geräusche. Brr, das alles hat mir damals einen Schauer über den Rücken gejagt. Heute dagegen ist der Grusel verschwunden, dafür sind die satirischen Elemente stärker in den Vordergrund getreten. Schließlich wohne ich inzwischen selbst in einem Neubaugebiet samt unheimlich eingeschworener Nachbarschaft, denen wir bestimmt manchmal auch wie die Klopeks vorkommen.

Es ist wirklich fantastisch wie tempo- und einfallsreich Joe Dante seinen Film inszeniert hat. Der Mann hat einfach ein Händchen für Horror-Komödien, was man ja auch an „Gremlins“ deutlich sieht. Überrascht haben mich auch die vielen bekannten Gesichter. So sind neben Tom Hanks unter anderem Carrie Fisher (Prinzessin Leia, „Star Wars“) und Corey Feldman („Die Goonies“, „Stand by Me“ oder „The Lost Boys“) zu sehen.

Fazit

„Meine teuflischen Nachbarn“ funktioniert auch heute noch famos, was an Joe Dantes völlig überzogener und doch treffsicherer Inszenierung sowie den lustvoll aufspielenden Darstellern liegt. Auch wenn sich meine Wahrnehmung des Films geändert hat, so hatte ich heute noch genauso viel Spaß damit, wie damals vor gut 25 Jahren. Herrlich: 8/10 Punkte.

Die Taschendiebin – OT: Agassi – Extended Cut (2016)

Es hat sich recht spontan ergeben, dass beide Kinder heute außer Haus übernachten. Was also tun? Im Kino läuft zurzeit nichts Interessantes, also sind wir (wie die Rentner um 17:30 Uhr) essen gegangen und waren schon recht bald wieder zu Hause. Viel Zeit für eine passende Abendunterhaltung, weshalb wir uns für die Langfassung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ entschieden haben. Spoiler sind zu erwarten.

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Es kommt ganz auf die Perspektive an

Eigentlich weiß man über den Film bereits zu viel, wenn man die Inhaltsbeschreibung auf dem Cover liest. Die erste Wendung ereilt uns unwissende Zuschauer jedoch bereits nach ca. einer halben Stunde, weshalb das noch zu verschmerzen ist. Danach hält uns der Film mit seinen unterschiedlichen Erzählperspektiven jedoch gehörig auf Trab. Ich wurde wirklich mehrfach überrascht und bin trotz der Laufzeit von beinahe drei Stunden stets aufmerksam am Ball geblieben. Inhaltlich ist „Die Taschendiebin“ wahrlich ergiebig. Zusammen mit der eleganten bis pompösen Inszenierung ergibt sich ein faszinierendes Gesamtbild, das beständig zwischen Arthouse und Exploitation schwankt. Zumindest wenn man den Film auf seine Extreme beschränkt. Dazwischen bietet die Geschichte jedoch etliche ergiebige Details, die viel Freude bereiten.

Während der ersten halben Stunde hat sich „Die Taschendiebin“ für mich noch etwas sperrig angefühlt. Eher nach südkoreanischem Kostümdrama als einem mitreißenden Mystery-Drama. Wie bereits in „Oldboy“ begibt sich Park Chan-wook jedoch auch hier schon bald in Abgründe und bereitet seinen Figuren so manch schmerzhaften Moment. Dabei hält der Film für die beiden Hauptcharaktere ein glückliches Ende parat. Das war für mich letztendlich wohl auch die größte Überraschung an „Die Taschendiebin“.

Erotik als fester Bestandteil der Geschichte

Park Chan-wook inszenierte seinen Film ziemlich explizit, gerade was die Sexszenen angeht. Selten hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese weniger dem Voyeurismus dienen, als ein essenzieller Bestandteil der Geschichte sind. Die Männer spielen in diesem Film, auch wenn es zu Beginn anders wirken mag, eine eher untergeordnete Rolle. Und sie kommen nie zum Zug, was den sexuellen Befreiungsschlag der beiden Protagonistinnen in der Mitte des Films umso eindringlicher wirken lässt. Neben seiner erotischen Komponente, besitzt der Film auch Humor, viel Drama und lässt uns Zuschauer an mehreren Mysterien teilhaben. Eine sehr ungewöhnliche Mischung, gerade wenn man, wie ich, eher Hollywood-Kino gewöhnt ist.

Fazit

Trotz seiner Andersartigkeit, oder gerade deshalb, konnte mich „Die Taschendiebin“ in vielerlei Hinsicht überraschen. Der Genremix ist ziemlich unvergleichlich und führt nicht nur seine Charaktere auf die falschen Fährten. Umso erstaunlicher, dass sich der Film zu keiner Sekunde zäh oder langatmig anfühlt. Für mich ein wahrlich besonderes Filmerlebnis, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 Punkte.

A Quiet Place (2018)

Aktualisierung: Ich habe „A Quiet Place“ am 28. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der letzte Urlaubsabend. Das Wetter ist immer noch trüb und grau. Die besten Voraussetzungen also, um einen Film zu schauen. Nachdem es gestern mit „Die Schöne und das Biest“ eher heiter zuging, habe ich mich heute mit „A Quiet Place“ dem stillen Horror zugewandt. Ob der ziemlich gehypte Genrefilm seinem Ruf tatsächlich gerecht wird, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich habe es schon öfter erwähnt: Ich mag Filme, deren Prämisse sich in einem Satz festhalten lässt und die dennoch so faszinierend ist, dass sie eine komplette Welt eröffnet. Zu diesen Filmen gehört auch „A Quiet Place“: Eine Welt, in der es tödlich ist, Geräusche zu machen. So einfach und doch so genial. Neben seiner Prämisse, hat mich speziell John Krasinski in Personalunion (Drehbuch, Regie, Hauptdarsteller) gereizt, den ich seit seiner Rolle als Jim Halpert in der TV-Serie „The Office“ liebe. An Krasinskis Seite spielt seine Ehefrau Emily Blunt, was auch die perfekte On-Screen-Chemie erklärt. Komplettiert wird das Ensemble durch exzellente Kinderdarsteller, u.a. die gehörlose Millicent Simmonds, was den Film noch einmal sympathischer macht.

Für mich ist Ausgangssituation perfekt aufgegangen: An mögliche Logiklöcher habe ich keinen Gedanken verschwendet, so mitreißend ist die Geschichte inszeniert. Stets steht die Familie im Mittelpunkt und auf billige Schockeffekte wird nur selten zurückgegriffen. Der Film funktioniert einfach. Einzig das durchaus effektive Monsterdesign wirkt ein wenig generisch und ich hätte es noch besser gefunden, wenn man die Kreatur nicht so häufig gesehen hätte. „A Quiet Place“ macht hier schon vieles richtig, doch in so mancher Szene wirkt die Zurschaustellung der ILM-Kreation fast ein wenig selbstverliebt. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt.

Fazit

Auch wenn „A Quiet Place“ letztendlich keine komplett neue Geschichte erzählt, so spielen alle Versatzstücke doch perfekt zusammen. Hinzu kommt, dass Krasinski die Handlung in 90 Minuten unterbringt und nicht auf zweieinhalb Stunden aufbläst, wie es heute so gerne gemacht wird. Ein sympathischer Horror-Thriller, der uns öfter einmal genauer hinhören lässt: 8/10 Punkte.

47 Meters Down (2016)

Am vorletzten Abend unseres Urlaub, haben wir es doch noch geschafft, einmal wieder einen Film zu schauen. Die Wahl fiel auf den Hai-Thriller „47 Meters Down“, der mir damals im Zuge meiner Sichtung von „The Shallows“ empfohlen wurde. Ob das die richtige Wahl war, oder ob wir den vorletzten Urlaubsabend doch lieber wieder auf die Terrasse hätten verbringen sollen, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

47 Meters Down (2016) | Universum Film GmbH

47 Meters Down (2016) | Universum Film GmbH

Klaustrophobische Tauchgänge vs. das Drehbuch

Unter der Voraussetzung, dass ich Hai-Filme bzw. Unterwasserfilme liebe, die kein reiner Trash à la „Sharknado“ und Co. sind, erwartete ich mir durchaus einiges von „47 Meters Down“. Nach der Sichtung muss ich auch zugeben, dass Johannes Roberts den Kern der Geschichte um zwei Schwestern, die mit einem Tauchkäfig in die Tiefe stürzen und von Haien attackiert werden, gekonnt umgesetzt hat. Der Mittelteil des Films gefiel mir wirklich ziemlich gut, da aus der klaustrophobischen Situation einige spannende Szenen und atmosphärische Bilder entstehen. Selbst das (erste) Ende wusste mich zu überzeugen und ich war beinahe schon versöhnlich gestimmt. Beinahe, denn das restliche Drehbuch war leider ein ziemlicher Reinfall.

Es fängt schon mit der Charakterisierung der beiden Schwestern an: Die Vernünftige der beiden (gespielt von Mandy Moore, bekannt aus „This Is Us“) wurde von ihrem Freund verlassen, weil er sie zu langweilig findet. Und was macht sie? Um sich vor ihm zu beweisen, taucht sie in den Haikäfig. Weil sie ja doch so super abenteuerlustig sein kann. Oh man. Das sind doch genau die Vorbilder, die man im Kino sehen will. Am Ende wächst sie dann selbstbestimmt über sich hinaus und rettet ihre Schwester und… ach nein, war doch nur eine Halluzination aufgrund der Taucherkrankheit. In Wirklichkeit sitzt sie jammernd am Grund des Haikäfigs und muss sich retten lassen. Ja, ähm, toll.

Fazit

Ihr merkt schon, „47 Meters Down“ ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits wirklich unterhaltsam und effektiv inszeniert, andererseits aber selten dämlich geschrieben. „The Shallows“ macht all das in vielerlei Hinsicht besser. Hai-Freunde dürfen gerne mal reinschauen, doch mehr als durchschnittliche Unterhaltung springt am Ende nicht dabei heraus: 5/10 Punkte.