Frozen: Eiskalter Abgrund (2010)

Immer wenn ich mit einem Sessellift fahre, stelle ich mir die Frage, was ich machen würde, wenn ich unterwegs aussteigen müsste. Geht euch doch auch so, oder? Schon seit einigen Jahren weiß ich um den Film „Frozen: Eiskalter Abgrund“, der genau diese Prämisse zum Thema macht. Da ich vergangenes Wochenende in Bad Tölz erst wieder Sessellift  gefahren bin, war es endlich einmal Zeit für den Film…

Frozen: Eiskalter Abgrund (2010) | © Universum Film GmbH

Frozen: Eiskalter Abgrund (2010) | © Universum Film GmbH

Skiiiiifoarn or Die Tryin‘

Ja, „Frozen“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Disney-Film) ist einer dieser Filme, die mit einer wunderbar fokussierten Prämisse aufwarten, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Drei Freunde werden auf einem Ski-Trip im Sessellift vergessen und müssen um ihr Überleben kämpfen. So einfach und doch so effektiv. Ich liebe Filme dieser Art, auch wenn die meisten ihr Versprechen meist nicht einlösen können. Auch Adam Greens „Frozen“ fängt stark an, doch schon bei der ersten dramatischen Szene musste ich aufgrund der unfreiwilligen Komik lachen. Glücklicherweise besinnt sich der Film danach wieder auf seine Stärken und lässt die Ausweglosigkeit der Situation auf uns Zuschauer wirken. Letztendlich ist der Verlauf der Handlung ziemlich bitter und uns wird kaum ein leichter Augenblick geschenkt.

Inszeniert ist „Frozen“ wirklich großartig. Man merkt, dass die Crew um Adam Green den kompletten Film on location gedreht hat, sprich es gibt echten Schnee, echte Wölfe und echte Berge. Das wirkt und hätte mit Greenscreen und CGI nicht halb so gut funktioniert. Leider können weder die Schauspieler noch das Drehbuch mit den formalen Aspekten mithalten. Die Figuren agieren unlogisch und begeben sich schnell in Klischees, was Dialoge und Aktionen angeht. Mit etwas mehr Fallhöhe – pardon the pun – und mehr Feinschliff, was das Drehbuch angeht, hätte hier ein wirklich intensiver, kleiner Reißer entstehen können. So wird das anvisierte Ziel, als „Der weiße Hai“ für Skifahrer etabliert zu werden, doch nicht ganz erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „Frozen“ nicht wirklich begeistern konnte, so ist mir der Film doch sehr sympathisch. Zudem hat er mir gezeigt, wie ich nicht aus einer hängen gebliebenen Gondel aussteigen sollte. Wer weiß, wann mir das noch einmal helfen wird? Freunde von etwas abseitigeren Genre-Filmen sollten ruhig mal einen Blick riskieren, auch wenn einiges an Potenzial liegengelassen wird: 6/10 Punkte.

Meg – OT: The Meg (2018)

Vor gut 13 Jahren habe ich im Internet die Konzeptzeichnung zu einem Film namens „Meg“ gesehen, welche mich dazu brachte das gleichnamige Buch von Steve Alten zu lesen. Der Film sollte vorerst in der Produktionshölle verweilen, bis er 2018 endlich das Licht der Welt erblickte. Somit bin ich nach all den Jahren doch noch zu meinem Filmauftritt des Megalodon gekommen…

Meg (2018) | © Warner Home Video

Meg (2018) | © Warner Home Video

„We’re gonna need a bigger boat!“

Ja, „Meg“ ist ein Sommer-Blockbuster, wie er im Buche steht. Laut, bunt, dumm. Und mit Jason Statham in der Hauptrolle. Er spielt aber auch zu großen Teilen im und unter Wasser und hat einen riesigen Hai als Kontrahenten zu bieten. Da überwiegen doch eindeutig die positiven Aspekte! Zudem ist sich Jon Turteltaubs Film seines Status jederzeit bewusst. Er erzählt die gerade nötige Geschichte mit viel Humor, ohne dabei jedoch zu smart sein zu wollen. Es überwiegt die Action, die dummen Sprüche und die imposanten Unterwasserszenen mit dem Monsterhai. Die Vorlage hat damals eine andere Geschichte erzählt, auch wenn Versatzstücke immer noch vorhanden sind. Vielleicht orientiert sich der Film aber auch einfach an einer vielen der Fortsetzungen. Ich bezweifle es allerdings. Das hier ist einfach ein 08/15-Hollywood-Drehbuch – und als solches funktioniert es wunderbar.

Ich hatte tatsächlich extrem viel Spaß mit „Meg“. Die Bilder sind toll, gerade in 3D. Zwar hätte ich gerne etwas mehr Zeit abseits der Forschungsstation verbracht, doch insgesamt mag ich mich nicht groß beschweren. In seiner übertriebenen Hai-Action hat mich der Film teils an das Finale von „The Shallows“ erinnert, bleibt dabei jedoch konsistenter im Ton. Jason Statham passt perfekt in diese Rolle und mehr gibt es über die Schauspieler auch nicht zu sagen. Doch, eine Sache: Rainn Wilson (bekannt als Dwight Schrute aus „The Office“) ist viel weniger Comic-Relief als ich einerseits befürchtet, andererseits aber auch gehofft hatte.

Fazit

Wie Stammleser meines Blogs vermutlich schon mitbekommen haben, liebe ich Filme, die am, im oder unter Wasser spielen. Sehr sogar. Dazu noch ein riesiger Hai? Count me in! Davon abgesehen ist nichts an dem Film irgendwie besonders. Weder in die eine, noch die andere Richtung. Und dennoch sind die knapp zwei Stunden wie im Flug vergangen. Manchmal reicht das schon: 7/10 Punkte.

Nur noch 60 Sekunden – OT: Gone in 60 Seconds (2000)

Zurzeit häufen sich die beruflichen und privaten Termine. Am Wochenende bedeutet das nun vermehrt liegengebliebene Hausarbeit nachzuholen. Auch davon abgesehen war heute ein nur wenig erfreulicher Tag, so dass der Film am Abend eine willkommene Ablenkung war: Die Wahl ist auf „Nur noch 60 Sekunden“ gefallen. Eine der wenigen Jerry-Bruckheimer-Produktionen der späten 1990er bzw. frühen 2000er Jahre, die ich bisher noch nicht kannte…

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Nur noch 60 Sekunden (2000) | © Touchstone

Vor knapp 20 Jahren war das Kino noch anders

Je häufiger ich Filme aus dieser Ära sehe, desto mehr muss ich zugeben, dass ich ihre Ästhetik sehr mag. Egal ob „Crimson Tide“, „Con Air“ oder „Staatsfeind Nr. 1“ – die Filme wirken zwar unglaublich bombastisch inszeniert, doch zugleich auf fast schon altmodische Art und Weise handgemacht. Diese Wahrnehmung hat sich bei mir aber auch erst in den letzten Jahren des CGI-Overkills ergeben, denn zur Entstehungszeit waren sie mir fast zu schnell geschnitten und zu treibend erzählt. Aus heutiger Sicht ist die Charaktereinführung extrem langsam (und klischeehaft), die Action übersichtlich und die Effekte herrlich analog. So kann sich der subjektive Eindruck ändern. Davon abgesehen bietet „Gone in 60 Seconds“ eine simple Geschichte, dumme Sprüche und viel plakative Action.

Neben der unverkennbaren Inszenierung eines Jerry-Bruckheimer-Films, stechen vor allem die Schauspieler heraus bzw. stehen sinnbildlich für die Ära der Entstehung: Nicolas Cage und Angelina Jolie beide mit blondierten Haaren, der großartige Robert Duvall als typische Vaterfigur und ein junger Christopher Eccleston (erst kürzlich in „The Leftovers“ zu schätzen gelernt) als völlig manischer Gangster mit Ambitionen als Hobby-Schreiner. So schön das Abtauchen in die 90er/00er Jahre auch war, so haben ein paar dümmliche Klischees und verletzende Sprüche über Minderheiten (z.B. die Asiatin, die nicht Autofahren kann) auch gezeigt, dass sich Filme heute in so mancher Hinsicht auch positiv weiterentwickelt haben. Da darf man sich auch von Nostalgie nicht blenden lassen.

Fazit

Nein, ein außergewöhnlich guter Film ist „Nur noch 60 Sekunden“ nicht. Aber ein sehr unterhaltsamer. Selbst für mich, der Autos rein als notwendiges Fortbewegungsmittel sieht. Wenn ihr auch ein Faible für das Action-Kino des frühen Jahrtausends habt, dann könnt ihr durchaus Spaß mit diesem Kracher haben. Für mich war das heute genau der richtige Film: 7/10 Punkte.

Chicken Run: Hennen rennen (2000)

Frau bullion ist einmal wieder strawanzen und somit war der Filmabend mit den Kindern vorprogrammiert. Nur leider konnten sich die beiden nicht auf einen Film einigen. Das Duell zwischen „Ich: Einfach unverbesserlich 3“ (Zappelinchen) und „Asterix in Amerika“ (Zwergofant) wurde nach hartem Kampf letztendlich von mir entschieden: Mit „Chicken Run: Hennen rennen“ landete einer meiner Favoriten im Blu-ray-Player. So einfach. Wie diese Entscheidung bei den Kindern ankam, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Chicken Run: Hennen rennen (2000) | © STUDIOCANAL

Chicken Run: Hennen rennen (2000) | © STUDIOCANAL

„The Chicken Redemption“ oder „Chicken Break“?

Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen: Es war die Zeit nach dem Abi. Ich war knackige 19 und hatte viel Zeit. Wilde Saufgelage, Partys und Frauen. Nicht. Natürlich ging es ins Kino. Die Sneak Preview gegen Mitternacht war ein fester Bestandteil meiner Woche. Wir setzten damals alle Hoffnung in „Pitch Black: Planet der Finsternis“ und bekamen stattdessen „Chicken Run: Hennen rennen“ vorgesetzt. Nach der ersten Enttäuschung und abfälligen Äußerungen, für die ich mich heute schäme, über diesen Kinderfilm wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Dieses Stop-Motion-Abenteuer war ja unglaublich unterhaltsam! Unzählige Referenzen auf Gefängnisfilme, Doppeldeutigkeiten und eine enorme Detailverliebtheit. Wahnsinn! Ein paar Wochen später lief dann tatsächlich das heiß ersehnte Vin-Diesel-Spektakel, doch welcher Film mich letztendlich besser unterhalten hat, ist überhaupt keine Frage. Definitiv eine meiner denkwürdigsten Sneak-Preview-Vorstellungen.

Doch wie hat „Chicken Run“ nun meinen Kindern gefallen? Tatsächlich waren diese anfangs ein wenig skeptisch. Die Atmosphäre und Bilder sind teils durchaus düster und drastisch, was gerade dem Zwergofanten zu schaffen machte. Die Fluchtversuche der Hennen und die absurden Action-Szenen haben beide Kids jedoch sofort wieder für den Film eingenommen. Obwohl das Setting dem von „Shaun das Schaf“ ähnelt, ist diese Aardman-Produktion doch weit erwachsener und filmischer erzählt. Nicht nur deshalb wohl mein Lieblingsfilm des Animationsstudios, obwohl ich auch „Wallace & Gromit“ mehr als gelungen finde. Der Humor, die Referenzen, die Charaktere und ja, selbst die Liebesgeschichte passen hier einfach wie die Faust aufs Auge (der Bäuerin). Ein waschechter Gefängnisfilm. Nur eben mit Hühnern.

Fazit

Das enthusiastische Lachen der Kinder während des großen Finales sagt eigentlich alles: „Chicken Run: Hennen rennen“ ist ein zeitloser Film für alle Generationen. Habe ich schon den wunderbaren Score erwähnt? Und die liebevolle Ausstattung? Ein Film voller Details, die alle wertgeschätzt werden wollen. Deshalb gibt es von mir auch eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Mission: Impossible – Fallout (2018)

Heute war eigentlich ein eher ruhiger Samstag: Die Kinder waren auf einem Geburtstag und wir Eltern hatten frei. Allerdings standen viele Tätigkeiten im Haus an: Von einem neuen Duschschlauch im Bad über einen Leuchtmittelwechsel im Auto bis hin zur Komplettreinigung meines Fahrrads war alles dabei. Somit waren am Abend nicht nur die Kinder ausgepowert, sondern auch wir Eltern. Dass ich bei „Mission: Impossible – Fallout“ nicht eingeschlafen bin, werte ich somit als gutes Zeichen…

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Ist schneller, höher und weiter immer besser?

Wie hat sich diese Filmreihe doch entwickelt. Zwar gab es schon immer einen gewissen Hype um die neuesten Episoden, doch so richtig ging es (meinem Gefühl nach) erst ab „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ in die Vollen. Mit der letztjährigen Auflage ist vorerst auch der Höhepunkt erreicht und ich war erstaunt, in wie vielen Bestenlisten dieser scheinbar schnöde Action-Streifen doch aufgetaucht ist. Und ja, ich muss zugeben, dass „Mission: Impossible – Fallout“ ein unfassbar unterhaltsamer Film ist. Gerade die handgemacht wirkende Action (inzwischen ein Markenzeichen der Reihe) ist extrem gut gelungen. Erinnert ihr euch noch, als Tom Cruise in „Knight & Day“ mit Cameron Diaz vor schlechtem Greenscreen auf dem Motorrad durch Sevilla gefahren ist? Nein? Gut! Denn diese Szenen sind exakt das Gegenteil von der mitreißenden Action in „Mission: Impossible – Fallout“. Hier werden eher Erinnerung an John Frankenheimer und „Ronin“ wach, was ein großes Kompliment ist.

Was die Handlung angeht, so erzählt der Film eine typische Agentengeschichte, die zwar irgendwie an den Vorgänger „Mission: Impossible – Rogue Nation“ anknüpft, letztendlich aber austauschbar ist und auch gut für sich alleine stehen kann. Der Humor wird ein wenig zurückgefahren und die einzelnen Set-Pieces dominieren. Dennoch wird es mir schwer fallen, in ein paar Wochen noch zu sagen, welche der Action-Szenen aus den letzten drei Teilen konkret welchem Film zuzuordnen sind. Die bombastischen Bilder sind teils im IMAX-Seitenverhältnis von 1,90:1 eingefangen, was ein wahrer Augenschmaus ist. Leider gibt es keine 3D-Fassung für das Heimkino, was ich persönlich sehr bedauerlich finde. Gerade die famosen Naturpanoramen des letzten Drittels hätten bestimmt von der zusätzlichen Tiefe profitiert.

Fazit

Wenig überraschend, hat mir „Mission: Impossible – Fallout“ sehr gut gefallen. Tom Cruise spielt hier die Rolle seines Lebens und es ist beeindruckend, wie sehr er sich für diese Filmreihe einsetzt. Inhaltlich ein wenig schwach auf der Brust, kann der inzwischen schon sechste Teil der Reihe mit echten Schauwerten punkten. Sie mag zwar nicht nachhaltig sein, doch satt gesehen habe ich mich an der Action noch nicht: 8/10 Punkte.

Ein Königreich für ein Lama – OT: The Emperor’s New Groove (2000)

Die kurze Arbeitswoche nach Ostern ist wie im Fluge vergangen. Meine Familie war mit Feriendingen beschäftigt und ich habe das Wochenende herbeigesehnt. Zum Abschluss der Osterferien habe ich einen Familien-Filmabend einberufen, bei dem die Wahl auf „Ein Königreich für ein Lama“ gefallen ist. Einen unterschätzen Disney-Film, den ich sogar im Kino gesehen habe…

Ein Königreich für ein Lama (2000) | © Walt Disney

Ein Königreich für ein Lama (2000) | © Walt Disney

Eine Buddy-Slapstick-Comedy in Perfektion

Als „Ein Königreich für ein Lama“ damals im Kino lief, ging meine Zivildienstzeit gerade zu Ende. In der Feriengruppe unseres Behindertenwohnheims hatte ich damals einen netten Jungen betreut, dem ich zusammen mit einer Kollegin einen Kinobesuch zum Geburtstag geschenkt habe. So kam es, dass ich diesen Disney-Film im Kino sah. Heute kann ich mich mehr an die Begleitumstände (wie umständlich doch Bahn fahren mit Rollstuhl war) erinnern, als an den Film selbst. Ich weiß nur noch, dass wir eine gute Zeit hatten und ich den Humor für Disney sehr erfrischend fand. Etliche Jahre später habe ich den Film noch einmal auf DVD nachgeholt, doch „The Emperor’s New Groove“ hat nie zu den Disney-Klassikern gehört, die einen besonders großen Stellenwert bei mir hatten. Mit „Atlantis“ und „Der Schatzplanet“ wurden kurz danach auch die vorerst letzten klassisch animierten Filme des Studios veröffentlicht, die ich überhaupt noch gesehen habe.

Heute fällt „Ein Königreich für ein Lama“ schon alleine durch seinen ungewöhnlichen Look auf: teils sehr artifiziell und überstilisiert, knallbunt und seltsam kantig. Irgendwie frisch und ungewöhnlich. Auch der Humor samt Brechen der vierten Wand wirkt nicht wie typisch Disney. Das Tempo ist extrem hoch und eine Slapstick-Szene jagt die nächste. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Da fällt es auch nicht wirklich ins Gewicht, dass die Geschichte überaus simpel ist. Die ohnehin schon knappen 75 Minuten vergehen wie im Flug. Sowohl meine Kinder als auch ich haben viel gelacht und waren sehr begeistert von diesem seltsamen Lama und seinen Abenteuern.

Fazit

Wenn man von Disney-Klassikern liest, dann wird „Ein Königreich für ein Lama“ meist leider vergessen. Dabei ist es ein wundervoll temporeicher und extrem witziger Film, der wie im Rausch an einem vorbeizieht. Es fehlen die klassischen Songs und der Disney-Kitsch, doch Humor und Stil sind große Klasse! Von mir gibt es dafür eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Das Belko Experiment – OT: The Belko Experiment (2016)

Nach einer Woche mit zweitägigem Strategie-Workshop und einem viel zu vollen normalen Arbeitstag samt anschließendem Arztbesuch (wieder über eine Stunde im Wartezimmer verbracht) war ich heute viel zu spät zu Hause. Und durch. Einfach nur durch. Da ich ich mir bereits morgen einen extra freien Tag gegönnt habe, stand abends natürlich ein Film auf dem Programm: Mit „Das Belko Experiment“ habe ich mich für eine Geschichte entschieden, in der sich die Angestellten eines Unternehmens gegenseitig umbringen müssen. Was will mir das nur sagen? 🤔

Das Belko Experiment (2016) | © MGM

Das Belko Experiment (2016) | © MGM

Wenn „The Office“ auf „Battle Royale“ trifft…

Welch schöner, kleiner Schocker. Eine simple Prämisse, schöner Spannungsaufbau, viel Humor und teils überharte Splatter-Einlagen. Nichts Besonderes und doch ein Film, der viel Spaß macht und bei dem es mich ein wenig wundert, dass er auf diesem Level produziert wurde. Vermutlich hatte James Gunn nach dem Erfolg von „Guardians of the Galaxy“ einfach komplett freie Hand bei seinem nächsten Projekt – und das ist auch gut so. Inszeniert von Greg McLean (bekannt für „Wolf Creek“), macht „The Belko Experiment“ keine Gefangenen, wenn es um die Gewaltdarstellung geht. Dabei fängt alles so harmlos an…

Während des ersten Drittels lernen wir die Belegschaft von Belko Industries kennen. Kollegen, Führungskräfte und Mitarbeiter, wie man sie aus dem eigenen Berufsleben kennt. Klischeehaft und doch nachvollziehbar geschrieben. Der zweite Akt legt den Schwerpunkt auf Psychospiele innerhalb der Belegschaft, welche in den ersten Morden gipfeln. Das große Finale ist dann nur noch ein fieser Splatter-Streifen, der noch einmal an der Gewaltschraube dreht. Die ersten beiden Segmente fand ich wirklich wunderbar: Mit viel satirischem Humor erzählt genau die richtige Menge an WTF?!? bzw. „Wie würde ich hier handeln?“

Was den Film über den 08/15-Horror-Splatter hebt, sind neben dem schmissigen Drehbuch eindeutig die tollen Schauspieler: John Gallagher Jr. (bekannt aus „The Newsroom“ oder „10 Cloverfield Lane“) spielt die Hauptrolle, John C. McGinley (Dr. Cox aus „Scrubs“) einen fiesen Psychopathen und die James-Gunn-Regulars Michael Rooker und Sean Gunn sind ebenfalls mit von der Partie. Ein wirklich runder Cast.

Fazit

Auch wenn ich nur positive Worte für „Das Belko Experiment“ gefunden habe, so ist es letztendlich doch nur ein weiterer Battle-Royale-Streifen, nur eben im Büro-Setting. Die Auflösung am Ende war zudem unnötig erklärend und hat viel von den satirischen Elementen im Vorfeld genommen. Für Genre-Freunde insgesamt aber definitiv einen Blick wert. Macht auf perfide Art und Weise Spaß: 6/10 Punkte.

Moonlight (2016)

Das Wochenende schreitet für meinen Geschmack schon wieder viel zu schnell voran. Dabei war der Tag nicht einmal sonderlich spektakulär und ich habe mich schon auf den Film am Abend gefreut: Die Wahl ist heute auf „Moonlight“ gefallen, den Oscar-Gewinner, der 2017 unter anderem „La La Land“ ausgestochen hat. Die Erwartungen waren also entsprechend hoch…

Moonlight (2016) | © DCM (Vertrieb Universum Film)

Moonlight (2016) | © DCM (Vertrieb Universum Film)

„The Wire“ trifft in Miami auf „Boyhood“

Okay, diese Beschreibung ist vermutlich ein wenig zu plakativ. Allerdings musste ich bei der Sichtung tatsächlich mehrfach an die stilprägende Serie „The Wire“ sowie Richard Linklaters Coming-of-Age-Drama „Boyhood“ denken. Auch Barry Jenkins erzählt in „Moonlight“ das Heranwachsen eines jungen Mannes von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Das Setting erinnert dabei durchaus an David Simons Serie, die uns ebenfalls mit der harten Lebensrealität schwarzer Amerikaner konfrontiert. Auch die Tatsache, dass mit Chiron ein homosexueller Gangster im Zentrum der Geschichte steht, hat mich an Omar Little aus „The Wire“ denken lassen. Die Versatzstücke sind somit nicht originell und doch hat es der Film geschafft, mich zu packen.

Die Inszenierung ist sehr naturalistisch und durch den häufigen Einsatz einer Handkamera, sind wir stets nahe am Geschehen dran. Am beeindruckendsten fand ich wohl das erste Kapitel „Little“, was uns auch häufig auf Augenhöhe des jungen Chiron bringt. Der zweite Akt „Chiron“ lässt uns am Schulalltag teilhaben, was bei mir speziell Erinnerungen an die vierte Staffel von „The Wire“ geweckt hat. Am schwächsten fand ich das Finale „Black“, welches gerade die spannende Entwicklung vom unsicheren Jungen zum scheinbar harten Gangster auslässt. Dafür war die letzte Einstellung wahrlich herzzerreißend, macht sie uns doch intensiv bewusst, welch unerfülltes Leben auf Little wartet.

Fazit

Auch wenn ich „Moonlight“ nicht für das erhoffte Meisterwerk halte, so hat mich die Geschichte doch gepackt und mitgerissen. Zu viel davon habe ich jedoch schon besser erzählt in anderen Werken (ja, gerade in „The Wire“) gesehen. Dennoch werden mir viele Bilder und die dichte Atmosphäre noch länger im Gedächtnis bleiben. Sehr empfehlenswert, wenn auch nicht wirklich neu: 8/10 Punkte.

Der König der Löwen – OT: The Lion King (1994)

Endlich Osterferien! Zumindest für die restliche Familie. Vor mir liegen zwei anstrengende Arbeitswochen, doch um den Kindern einen gelungenen Start in die Ferien zu bieten, habe ich spontan einen Filmabend einberufen. Schon seit ich vor ein paar Tagen den Trailer zur Neuverfilmung (siehe unten) gesehen habe, hatte ich Lust mir einmal wieder den Disney-Klassiker „Der König der Löwen“ anzusehen. Einer der Filme, die mich in meiner Jugend am stärksten geprägt haben. Warum das so ist, und wie die Geschichte bei meinen Kindern ankam, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Für mich als Kind ein magisches Filmerlebnis

An dieser Stelle muss ich ein wenig weiter ausholen: „Der König der Löwen“ war einer der wenigen Filme, die wir damals auf VHS-Kassette besessen haben. Ich weiß gar nicht mehr, warum das der Fall war. Auf jeden Fall kam mein Vater eines Tages mit dem Film an. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahre alt und mein Interesse an Disney-Filmen befand sich nicht gerade auf dem Höhepunkt. Dennoch habe ich den Film mit angeschaut und war so verzaubert, wie selten zuvor. So richtig kam dieses Gefühl erst am folgenden Tag zur Entfaltung und ich weiß noch ganz genau, wie sehr ich in der Welt dieser Geschichte gefangen war. Für diesen einen Tag lebte ich im geweihten Land. Ich saß den ganzen Tag an meinem Schreibtisch, hing in meinen Gedanken dem Film nach, zeichnete und hörte dabei Radio. Und dort kam ein Bericht (oder ein Hörspiel) zu „Der König der Löwen“. Ich könnte mein Glück kaum fassen und wurde noch tiefer in diese seltsam melancholische Stimmung hineingezogen. Dieses Nachtrauern einer fiktiven Welt ist mir seitdem kaum mehr passiert und schon gar nicht so intensiv.

Seit dieser ersten Sichtung habe ich den Film inzwischen noch ein paar Mal gesehen. Zuerst auf VHS, später auf DVD und sogar das Musical in Hamburg haben meine Frau und ich vor langer Zeit besucht. Dieses intensive Gefühl, das ich nach der ersten Sichtung hatte, sollte sich jedoch nie wieder einstellen. Dennoch zählt „Der König der Löwen“ zweifellos zu den für mich wichtigsten Filmen. Ich liebe die Musik und die klassische Animation, die 1994 auf ihrem Höhepunkt war. Für mich insgesamt wohl der rundeste Animationsfilm von Walt Disney. Hier stimmt für mich einfach alles.

Wie hat der Film meinen Kindern gefallen?

Auch wenn „Der König der Löwen“ mit FSK 0 freigegeben ist, so hatte ich befürchtet, dass er zu dramatisch für den Zwergofanten sein könnte. Und ja, gerade in den drastischen und durchaus tragischen Szenen, die der Film vielfach zu bieten hat, war er deutlich mitgenommen. Auch das Zappelinchen war sichtlich angespannt und nach Mufasas Tod rollten auch ein paar Tränen. Das ist jedoch vollkommen verständlich und auch ich hatte selbst nach all den Jahren noch einen dicken Kloß im Hals. So wie ich es beurteilen kann, konnte dieser Animationsfilm-Klassiker auch heute noch Eindruck hinterlassen. Gerade der Tod des alten Königs und der Kreislauf des Lebens werden in den kommenden Tagen noch Thema sein. Und das ist auch gut so.

Übrigens glaube ich, dass uns der Trailer der Neuverfilmung auf eine falsche Fährte führt, denn gerade die vielen Gesangsszenen wird Jon Favreau (ähnlich wie bei seiner Interpretation von „The Jungle Book“) wohl nicht 1:1 übernehmen. Ich schaue der 2019er Version immer noch ein wenig skeptisch entgegen, doch bin ich auch gespannt, welchen Weg der Regisseur letztendlich damit einschlagen wird:

Fazit

Keine Frage, auch heute noch zeigt „Der König der Löwen“ beeindruckende Animationskunst und hat mitreißende Songs zu bieten. Ein echter Klassiker eben. Ich freue mich, dass ich meinen Kindern den Film nahe bringen konnte, und bin gespannt wie lange er bei ihnen noch nachwirken wird. Für mich persönlich zweifelsfrei einer der bedeutendsten Filme meiner Kindheit: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016) (WS1)

Ein seltsamer Tag mit ein wenig Sport und ein wenig unmotiviertem Nichtstun liegt hinter mir. Nachdem das Zappelinchen die letzte Woche im Schullandheim verbracht hat, wollten wir mit den Kindern heute einen Filmabend veranstalten. Nach vielen Diskussionen ist die Wahl letztendlich auf „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ gefallen, den ich mit dem Zappelinchen vor gut zwei Jahren bereits im Kino gesehen habe. Der Zwergofant war zu Beginn nicht so begeistert. Ob wir dennoch einen gelungenen Filmabend hatten, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Der gelungenste Disney-Film der letzten Jahre

Auch ich hätte mich heute nicht unbedingt für „Vaiana“ entschieden, stehen doch noch zu viele ungesehene Kinderfilme im Regal. Doch schon nach ein paar Minuten war ich erneut verzaubert von der herrlichen Inselwelt und dieser mutigen jungen Dame namens Vaiana. Schon alleine der erste Teil des Films, der noch auf Motunui spielt, ist wunderbar erzählt und bringt einem sowohl die Charaktere als auch ihre Motivation spielerisch nahe. Mit Vaianas Aufbruch und ihrem Zusammentreffen mit dem Halbgott Maui bekommt die Handlung plötzlich ein enormes Tempo, ohne dass der Film jedoch seine Figuren aus den Augen verliert. Da stört es auch nicht, dass die Struktur des Films mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und den damit verbundenen Schauplätzen doch ein wenig episodisch wirkt.

Disney ist sich ganz offenbar bewusst, dass sie mit Vaiana ein neues Rollenbild etabliert haben und sprechen sowohl die Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu den klassischen Prinzessinnen an. Das mag alles ein wenig kalkuliert wirken und auch nicht wirklich neu (siehe „Merida: Legende der Highlands“), doch so erfrischend und erfreulich wie in „Vaiana“ wurde mit dem Klischee selten gebrochen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase war übrigens auch der Zwergofant sehr angetan von der idyllischen und geheimnisvollen Inselwelt samt ihrer Bewohner – und allen voran der Abenteurerin Vaiana.

Fazit

Das Zappelinchen hat „Vaiana“ heute bereits zum dritten Mal gesehen und hat in jeder Szene mitgefiebert, mitgelacht oder mitgesungen. Ein größeres Lob kann man dem Film wohl nicht aussprechen. Auch ich bin erneut wirklich begeistert und kann mir nur vorstellen, dass der Film in seiner Originalfassung noch eine Spur gelungener ist. Die 10 Punkte sind in greifbarer Nähe: 9/10 Punkte.