Shameless (US) – Season 9

Lange habe ich darauf gewartet, wieder in die verrückte Welt der Gallaghers zurückzukehren. Genau genommen war es nur ein knappes Jahr und dennoch habe ich gemerkt, dass die Zeit für „Shameless – Season 9“ nun gekommen war. Ein wichtiges Jahr für die Serie, die mit Fiona eine ihrer wichtigsten Figuren hinter sich lässt. Wie der Abschied gelingt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Shameless – Season 9 | © Warner Home Video

Shameless – Season 9 | © Warner Home Video

I want more out of life than this

Im Gegensatz zu den vorherigen Staffeln hat es dieses Jahr ein wenig gedauert, bis ich wirklich drin war. Gerade die erste Episode fühlte sich ein wenig wie ein Fremdkörper an, da sie eine sehr isoliert und zotig wirkende Geschichten erzählt. Danach hat sich die Serie wieder in vertrautere Gewässer begeben – und das sowohl inhaltlich als auch insbesondere von der Stimmung her: Die Mischung aus sehr ernsthaften und emotionalen Momenten und völlig absurder Eskalation ist es, was die Serie für mich selbst nach neun Jahren noch auszeichnet. Und natürlich all die wunderbar miteinander verwobenen Erzählstränge:

  • Frank wird Wahlkampfmanager für einen vorbestraften Politiker, befruchtet durch seine eine Samenspende sechs Eizellen seiner nervenkranken Freundin (gespielt von Katey Sagal, „Sons of Anarchy“) und nimmt an einer menschenverachtenden Marketing-Aktion teil.
  • Fiona macht in dieser Staffel wohl die größte Wandlung durch: Sie fällt unglaublich tief, was wirklich schmerzhaft anzusehen ist, nur um am Ende endlich ihr Leben ganz konsequent selbst in die Hand zu nehmen.
  • Bei Lip dreht sich alles um Verantwortung und Vaterschaft, sowohl was seine Ziehtochter Xan angeht als auch seine Rolle als Sponsor bei den Anonymen Alkoholikern.
  • Debbie und Carl haben Liebeskummer wegen der gleichen jungen Frau. Dies sorgt für allerlei Komplikationen.
  • Ian verbringt die Hälfte der Staffel im Gefängnis und hat in dieser Staffel insgesamt wohl am wenigsten zu tun.
  • Kev und Veronica haben unterschiedliche Ansichten zur Familienplanung und erleben auch sonst haarsträubende Abenteuer.
  • Liam bekommt endlich mehr zu tun, fliegt (dank Frank) von der Schule und zieht kurzzeitig aus.

Wie ihr seht, ist auch die neunte Staffel wieder vollgepackt mit verrückten und emotionalen Geschichten. Gerade Fionas Handlungsbogen ist mir sehr nahe gegangen und ihr Abschied, so unprätentiös dieser auch inszeniert war, hat mich doch bewegt. Ich bin gespannt, wie die Serie diese Lücke im kommenden Jahr füllen will. Ihre Rolle innerhalb der Familie übernehmen zwar schon länger Lip und Debbie, doch ihre Figur samt aller Stärken und Schwächen wird definitiv fehlen.

Fazit

Auch wenn „Shameless“ im neunten Jahr durchaus ein paar kleinere Schwierigkeiten hatte, so ist die Serie nach wie vor beeindruckend unterhaltsam. Neun Jahre. Unglaublich. Inzwischen wurde die Serie um zwei weitere Staffeln verlängert und danach ist Schluss. Diese werden wohl auch entscheidend, da wichtige Figuren fehlen werden. Ich freue mich zu sehen, wie es weitergeht: 9/10 (8.5) Punkte.

Bad Banks – Staffel 2

Nachdem ich letztes Jahr fast ungläubig über die gelungene ZDF/ARTE-Koproduktion „Bad Banks“ gestaunt hatte, waren meine Erwartungen für „Bad Banks – Staffel 2“ deutlich höher. Es ist schon eine großartige Zeit für Serienfreunde, wenn man selbst über die ZDF-App, wie im heißen US-Streaming-Portal, qualitativ hochwertigen Serien-Content abrufen kann. Schon alleine deshalb lohnt sich der Blick in die verruchte Finanzwelt… 🤑💰

Bad Banks – Staffel 2 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 2 | © ZDF und ARTE

Wenn Start-ups auf die Finanzwelt treffen

Nach der ersten Staffel hatte ich das Gefühl, die Serie könnte sich in eine bestimmte Richtung entwickeln. Das Trio rund um Jana Liekam war aus den Strukturen der Finanzwelt ausgebrochen und hatte einen Coup gegen das System unternommen. Ich erwartete also Anarchie und Kampf. Umso verwunderter war ich, dass der Status quo wieder hergestellt schien und das Team weiterhin im Umfeld der Deutsche Global Invest tätig war. Das fühlte sich für mich nach einem Rückschritt an, war aber vermutlich nötig, um unsere (Anti-)Helden im Start-up-Umfeld zu positionieren. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Serie auch wieder richtig Fahrt auf und es gibt Intrigen und Machtspiele wie zu besten „24“-Zeiten.

Teils kam mir die Staffel fast schon zu vollgestopft vor, was ein wenig auf Kosten der Charaktere ging. Das Tempo ist wirklich extrem hoch, was der Geschichte einen enormen Zug verleiht. Dennoch hätte ich mir teils mehr Gelassenheit gewünscht. Gerade gegen Ende der Staffel zaubern die Autoren noch so ein paar Wendungen aus dem Hut, die zwar dramatisch sind, aber doch ein wenig Glaubwürdigkeit vermissen lassen. In diesen Momenten wirkt „Bad Banks“ tatsächlich wie eine Möchtegern-Mafia-Serie im Banken-Milieu. Davon abgesehen macht auch das zweite Jahr enorm viel Spaß und die sechs Episoden sind wie im Fluge vergangen.

Fazit

Auch wenn die Qualität der ersten Staffel in meinen Augen nicht komplett gehalten werden konnte, so hat es auch die zweite Staffel von „Bad Banks“ geschafft, mich trotz der scheinbar trockenen Finanzthematik zu packen. Nun bin ich gespannt, wie lange sich das Konzept noch trägt, denn gerade am Ende scheinen viele Charaktere wieder dort angekommen zu sein, wo sie bereits in der ersten Staffel waren: 8/10 (8.3) Punkte.

This Is Us – Season 3

Ich schaue nicht viele aktuelle Shows quasi tagesaktuell. Meist warte ich bis Serien abgeschlossen sind und hole sie dann am Stück nach. Auch wenn ich mich durchaus auf „This Is Us – Season 3“ gefreut hatte, so war es jedoch kein darauf hinfiebern. Schon nach der ersten Episode war ich aber wieder so in dieser Familie drin, dass die restliche Staffel wie in einem Rausch an mir vorbeigezogen ist… ❤

This Is Us – Season 3 | © NBC

This Is Us – Season 3 | © NBC

Die große Familiensaga unserer Zeit

Es gibt etliche Familiensagas da draußen. Auch viele herausragende, wie zum Beispiel „Six Feet Under“ oder „Parenthood“. Fantastische Serien, die zeigen wie spannend es sein kann, scheinbar kleine Geschichten innerhalb einer Familie zu verfolgen. Beide Serien waren mutig und haben Themen wie Homosexualität oder Autismus, ganz so wie es sein sollte, völlig selbstverständlich in ihre Handlung eingebunden. Im direkten Vergleich wirkt „This Is Us“ noch eine ganze Ecke progressiver, was Diversität und soziopolitische Themen angeht. Eben ganz so, wie man es von einer Familienserie im Jahr 2020 erwarten würde. Die Erzählstruktur über mehrere Zeitebenen, bis hin zu zukünftigen Ereignissen, trägt ihren Teil dazu bei, Veränderungen in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Schon beeindruckend, dass eine klassische Network-Serie das so gut hinbekommt. Hut ab vor NBC und Showrunner Dan Fogelman.

Abgesehen von den gesellschaftlich relevanten Themen erzählt „This Is Us“ auch im dritten Jahr vor allem eine höchst emotionale Geschichte. Bei kaum einer Episode sind bei mir die Augen trocken geblieben. Vor allem immer dann, wenn es um Probleme in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern geht. Und vor diesen strotzt die Serie geradezu. Selbst der zentrale Handlungsstrang rund um die Kriegsvergangenheit von Vater Jack und seinem Bruder hat bei mir die richtigen Knöpfe gedrückt und ich konnte wunderbar mit Kevin mitfühlen. Auch aus ganz persönlichen Gründen.

Auch im weiteren Verlauf der Staffel geht es mit der Ehekrise zwischen Randall und Beth (die mich teils an die vierte Staffel von „Black-ish“ denken ließ) ziemlich extrem emotional zu. Hinzu kommen noch eingestreute Ausblicke in die Zukunft, was ich einen extrem interessanten Kniff fand, der zudem bewusst falsche Fährten setzt. Die finale Parallelmontage zwischen Vergangenheit und Zukunft lässt zudem erahnen, dass auch die kommende Staffel in einem Tal der Tränen enden wird.

Fazit

Nachdem ich bereits von der ersten und der zweiten Staffel ziemlich begeistert war, hat es „This Is Us“ im dritten Jahr endgültig geschafft, sich einen Platz unter meinen aktuellen Lieblingsserien zu sichern. Wer gerne Familienserien schaut und offen für viel Gefühl und dramatische Entwicklungen ist, der sollte viel Spaß mit „This Is Us“ haben. Wahrlich die große Familiensaga unserer Zeit: 10/10 (9.5) Punkte.

Narcos – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach ein paar einzelnen Staffeln, habe ich mich wieder einmal einem etwas größeren Projekt gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Netflix-Serie. Habe ich mir nun etwa doch einen Zugang besorgt? Natürlich nicht. Die Serie „Narcos“ gehört zu den Netflix-Produktionen, denen tatsächlich eine klassische DVD- bzw. Blu-ray-Veröffentlichung zuteil wurde. Insofern bin auch ich in den Genuss gekommen und ob es ein solcher war, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Narcos | © Netflix

Narcos | © Netflix

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Game of Thrones – Season 8

Zurzeit habe ich einen Lauf: Erst sehe ich nach acht Monaten endlich „Avengers: Endgame“ ohne davor einen Spoiler gelesen zu haben, dann schaffe ich es tatsächlich zu „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ ins Kino und nun habe ich auch noch „Game of Thrones – Season 8“ abgeschlossen. Ebenfalls ohne Spoiler. Es ist unfassbar. Drei popkulturelle Großereignisse, die mehr oder weniger befriedigend zu Ende gegangen sind. Gerade die achte Staffel von „Game of Thrones“ hat viel Schelte abbekommen. Umso mehr freue ich mich, dass ich das Finale durchaus mochte… ⚔🐉🔥 Spoiler sind zu erwarten.

Game of Thrones – Season 8 | © Warner Home Video

Game of Thrones – Season 8 | © Warner Home Video

Eine Staffel mit beeindruckenden Höhepunkten

Was war das für ein Hype! Selbst bei mir auf der Arbeit gab es ein Tippspiel mit der Frage, wer denn am Ende auf dem Iron Throne sitzen würde. Als ich 2011 mit der ersten Staffel Westeros bereiste, war die Serie außerhalb von Fantasy- und Buch-Fans noch kein sonderlich großes Ding. Ende 2011 hatte ich dann auch George R. R. Martins Vorlage gelesen und der Veröffentlichung von „A Dance of Dragons“ entgegen gefiebert. In der Zwischenzeit ist die HBO-Serie durch die Decke gegangen und hat sogar ihre literarische Vorlage überholt. Ein wahres Phänomen, das inzwischen ein extrem breites Publikum erreicht hat. Für mich hat die Serie ihre Qualität bisher halten können. Umso erstaunter war ich, dass über das Finale kaum ein gutes Wort zu lesen war. Wobei ich auch zugeben muss, mich dem Thema, aufgrund der Angst vor Spoilern, bisher nur sehr vorsichtig genähert zu haben.

Vor dem Start der letzten Staffel, hatte ich mir noch einmal das Finale der siebten Staffel angesehen, um besser in die Geschichte reinzukommen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich richtig heiß darauf, nach Westeros zurückzukehren. Und ja, die Begeisterung sollte anhalten: Die ersten beiden Episoden, noch in Standardlänge, haben wunderbar ruhig und mit vielen Charaktermomenten auf die große Schlacht hingeführt. Speziell die Atmosphäre direkt vor dem Kampf in „A Knight of the Seven Kingdoms“ mochte ich sehr. Dann bricht „The Long Night“ mit einer extremen Wucht auf uns Zuschauer und die Charaktere herein. Selten habe ich eine ausgewälzte Schlacht so gut inszeniert gesehen, ohne dass es langweilig wird. Auch das Ende fand ich befriedigend, denn schließlich wurde schon seit acht Staffeln darauf hingearbeitet. Das Gefühl der Bedrohung und Ausweglosigkeit war stets zu spüren. Zudem gibt es großartig gefilmte Drachenkämpfe. Fantasy-Herz, was willst du mehr? „The Last of the Starks“ stellt schließlich die Schachfiguren für das große Finale auf…

Ein konsequentes und interessantes Finale

Bevor es jedoch soweit ist, gibt es mit „The Bells“ wohl eine der anstrengendsten Episoden der ganzen Serie zu sehen. Alles fällt auseinander. Alle Hoffnungen und Pläne. Gespiegelt wird diese Erkenntnis, gerade bei Tyrion und Jon Snow, durch die tatsächliche Zerstörung, mit der Daenerys mit Drogon King’s Landing in Schutt und Asche legt. Das ist ziemlich bitter und geschieht vielleicht schneller als gedacht, doch wurde dieser Ausbruch an Gewalt bereits über die gesamte Staffel angekündigt. In „The Iron Throne“ liegt dann auch alles in Scherben: Nicht nur King’s Landing, sondern auch die Beziehungen der Charaktere untereinander.

Der Tod von Daenerys‘ kam für mich tatsächlich überraschend und ich hätte mir ein anderes Ende erwartet. Gewünscht sowieso, aber schließlich ist das „Game of Thrones“, so dass ein klassisches Happy End ohnehin undenkbar schien. Ich hätte erwartet, dass Daenerys am Ende tatsächlich auf dem Iron Throne sitzt und das Spiel um eben diesen einfach in die nächste Runde geht. Ein sehr offenes Ende also. Mit Bran the Broken als König von Westeros wirkt das Finale abgeschlossener und ein wenig positiver. Dennoch sitzt Jon Snow nicht als strahlender Held auf dem Thron und wirklich ein Erfolg ist der Tod von Daenerys auch nicht. Am Ende sehen wir die vier verbleibenden Starks in ihren neuen Rollen. Wer hätte das noch vor ein paar Staffeln gedacht? Kein perfektes Finale, doch irgendwie auch konsequent und interessant. Bestimmt hätte man sich mit so mancher Entwicklung mehr Zeit lassen können, doch mochte ich auch die Unausweichlichkeit, mit der die Geschichte in dieser Staffel vorangeschritten ist. Am Ende hat der zögerliche und harmoniebedürftige Jon Snow tatsächlich gehandelt.

Auch wenn ich das Gesehene noch ein wenig verarbeiten muss, so weiß ich jedoch bereits, dass ich auch die finale Staffel von „Game of Thrones“ sehr mochte. Ja, selbst das endgültige Finale:

  1. „Game of Thrones – Season 5“ (9.7 Punkte)
  2. „Game of Thrones – Season 6“ (9.7 Punkte)
  3. „Game of Thrones – Season 2“ (9.6 Punkte)
  4. „Game of Thrones – Season 7“ (9.6 Punkte)
  5. „Game of Thrones – Season 3“ (9.5 Punkte)
  6. „Game of Thrones – Season 4“ (9.5 Punkte)
  7. „Game of Thrones – Season 1“ (9.5 Punkte)
  8. „Game of Thrones – Season 8“ (9.2 Punkte)

Mein Fazit zu 8. Staffel von „Game of Thrones“

Für mich geht mit dieser finalen Staffel von „Game of Thrones“ eine zehnjährige Reise zu Ende. Zumindest so lange, bis George R. R. Martin endlich „The Winds of Winter“ fertig geschrieben hat. Acht Staffeln und fünf Bücher. Das ist eine lange Zeit, um in eine Welt einzutauchen. Auch wenn es nicht perfekt war und meinen Erwartungen im Detail entsprochen hat, so mochte ich das teils epische, teils ruhige Finale doch sehr. Für mich ein äußerst gelungener Abschluss dieser langen Reise: 9/10 (9.2) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3

Eigentlich verfolge ich aktuell laufende Serien nicht mehr so gerne und warte lieber darauf, dass sie komplett abgeschlossen sind, bevor ich mich ihnen widme. Es gibt aber eine aktuelle Serie, deren Start ich jedes Jahr kaum erwarten kann: Ob „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3“ an den Erfolg der Vorjahre anknüpfen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🎙

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 3 | © Amazon Prime Video

Die beste unterhaltsamste Serie aller Zeiten?

Zunächst einmal die schlechten Nachrichten: Im Gegensatz zur zweiten Staffel gibt es im dritten Jahr, wie bereits in der ersten Staffel, nur acht Episoden zu genießen. Das ist einerseits schade, andererseits hätte ich wohl auch nach 24 Episoden das Gefühl, die Figuren und ihre Welt zu früh zu verlassen. Insofern ist es gut, dass die Autoren sich nicht von äußeren Einflüssen leiten lassen, sondern der Geschichte die Zeit geben, die sie brauchen, um sie auf die bestmögliche Art und Weise zu erzählen. Nachdem die ebenfalls von Amazon produzierte Serie „Tom Clancy’s Jack Ryan“ im Vergleich zum Vorjahr ziemlich abgefallen ist, hatte ich ein wenig Sorge, dass auch „The Marvelous Mrs. Maisel“ nicht mehr ihr extrem hohes Niveau halten können würde. Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn was Showrunnerin Amy Sherman-Palladino in dieser Staffel an Dialogwitz und Ausstattung abfeuert ist einfach unfassbar. ❤

Auf Welttournee mit Mrs. Maisel

Hat man sich bereits im zweiten Jahr ein wenig von New York entfernt, so geht es in der dritten Staffel auf Welttournee (auch wenn wir die USA nicht wirklich verlassen). Das sorgt für Abwechslung und schafft zugleich Raum für ganz neue Konflikte sowie komische Situationen. Dabei macht der Handlungsstrang rund um die Tour mit Sänger Shy Baldwin nur einen kleinen Teil der Staffel aus. Weiterhin begleiten wir Midges Eltern Abe und Rose Weissman beim kompletten Verlassen ihrer Komfortzone, was für mich fast schon die amüsantesten Szenen der acht Episoden waren. Doch auch Susies Versuch Sophie Lennon zu managen ist einfach nur ein steter Quell der Freude.

Der präzise geplante Aufbau der einzelnen Episoden hat mich ein wenig an „Seinfeld“ erinnert, speziell was die unglaubliche Dichte an Handlungssträngen und die unfassbar pointierten Dialogen angeht. A propos „Seinfeld“: Mich hat es auch enorm gefreut, Jason Alexander (George Costanza in der Kult-Sitcom) als Abes Jugendfreund in einer doch eher ernsten Rolle zu sehen. Neben den inhaltlichen Vorzügen stechen vor allem die formalen Aspekte heraus, denn „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht und klingt einfach unfassbar gut. Jeder Song ist mit Bedacht gewählt und ich würde am liebsten in diese idealisierten 60er Jahre eintauchen. Großartig!

Fazit

Ja, auch die dritte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ konnte mich von vorne bis hinten überzeugen. Am meisten mochte ich, neben vielen anderen Highlights, vielleicht Midges Date mit Lenny Bruce. Ein kurzer, perfekter Moment. Genauso wie die gesamte Staffel. Schon jetzt steht fest, was die von mir am meisten erwartete Serie 2020 sein wird. Wenn ihr noch nicht reingeschaut habt, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt. Unfassbar gute Unterhaltung: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Good Omens – Die komplette Serie (2019)

Momentan überbrücken wir mit kürzeren Serien die Zeit, bis am 6. Dezember die langerwartete dritte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ anläuft. Damit hat es auch endlich die Miniserie „Good Omens“ auf den heimischen Fernseher geschafft. Die Adaption des Romans von Terry Pratchett und Neil Gaiman ist auf knackige sechs Episoden beschränkt, was ein famoses Format für eine Buchverfilmung ist. Ob sich der typische Humor der Autoren gekonnt auf den Bildschirm übertragen ließ? 👼😈

Good Omens (2019) | © Amazon Prime Video

Good Omens (2019) | © Amazon Prime Video

Ein kunterbunter Weltuntergang

Zunächst einmal muss ich vorausschicken, dass ich die Vorlage nicht kenne. Terry Pratchetts Humor ist mir aber bestens vertraut und ich mochte auch die bisherigen BBC-Verfilmungen seiner Scheibenwelt-Romane. Das wundervolle Pratchett-Gefühl überträgt sich auch in dieser Serie von Anfang an auf uns Zuschauer. Herrlich abgefahren und mit verschrobenem Humor durchsetzt. Am meisten hat mich „Good Omens“ jedoch an die kurzlebige Serie „Pushing Daisies“ erinnert. Weniger inhaltlich, aber inszenatorisch. Sie ist extrem verspielt und es gibt unzählige Handlungssprünge, die plötzlich Nebenfiguren ins Zentrum rücken oder kleine Details erzählen, bevor sich wieder der Haupthandlung gewidmet wird. Das ist zwar alles wunderbar anzusehen, doch hatte ich stets das Gefühl, dass diese formalen Aspekte ein tieferes Eintauchen in die Geschichte verhindern.

Auf dem Papier ist „Good Omens“ eine Serie, die ich lieben müsste. Die bei mir all die richtigen Knöpfe drückt. Ich liebe den Humor in den Einzelszenen, die Schauspieler sind famos und auch das Setting, das mich ein wenig an eine harmlose Variante von „Preacher“ erinnert hat, mag ich sehr. Doch irgendwie hat es nicht geklickt. Vielleicht liegt es an der zerfaserten Struktur, die in Romanform vermutlich besser funktioniert, vielleicht an etwas anderem. Ich kann den Finger nicht genau darauf legen, doch so sehr ich manche Aspekte mochte, so wenig hat mich die Serie in ihrer Gesamtheit leider abholen können. Das Finale der Serie hat sich nach etwas unnötigem und schlecht ausgeführtem CGI-Bombast glücklicherweise größtenteils auf die Beziehung zwischen Aziraphale (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant) konzentriert, dem ohnehin stärksten Element der Serie. Damit hat „Good Omens“ für mich zumindest ein versöhnliches Ende genommen.

Fazit

Ich hatte mich wirklich auf „Good Omens“ gefreut und wurde von der sechsteiligen Miniserie auch gut unterhalten. Allerdings konnte sie mich nicht so packen und begeistern, wie ich mir das erhofft hatte. Dennoch schön, dass es das Werk von Terry Pratchett und Neil Gaiman auf die große, kleine Leinwand in unseren Wohnzimmern geschafft hat: 7/10 (7.3) Punkte.

Chernobyl – Die komplette Serie (2019)

Inzwischen ist der Hype um die Miniserie fast schon wieder verflogen. Höchste Zeit also, dass auch ich mich endlich der Sichtung von „Chernobyl“ widme. Aufgrund der extrem positiven Kritiken, waren die Erwartung hoch. Sehr hoch. Fast schon nicht mehr messbar. Wie die alles zerstörende Strahlung. Ob auch mich die Serie außergewöhnlich stark mitreißen konnte und somit zur besten Serie aller Zeiten wurde, lest ihr in der folgenden Besprechung… ⚡⚛⚡

Chernobyl (2019) | © Polyband

Chernobyl (2019) | © Polyband

Meine persönlichen Erinnerungen an Tschernobyl

Ich kann mich noch recht gut an die Katastrophe von Tschernobyl erinnern. Damals war ich 5 Jahre alt und weiß noch ziemlich genau, wie geschockt meine Eltern waren. Natürlich habe ich die Hintergründe nicht genau verstanden, doch es war für mich das auslösende Ereignis, warum ich Atomkraft bis heute extrem kritisch sehe. Akut hat es für mich damals bedeutet, nicht zum Spielen nach draußen zu dürfen. Schon gar nicht in den Sandkasten. Noch Jahre danach ist das Thema immer wieder dann aufgekommen, wenn Pilze auf dem Speiseplan standen, da gewisse Pilzarten bis heute radioaktiv belastet sind. Das Unglück von Tschernobyl gehört zu meinen spezifischen Kindheitserinnerungen, genauer auseinandergesetzt habe ich mich damit jedoch nie.

Mein Bezug zu der Katastrophe war demnach entsprechend diffus und sehr durch meine persönliche Perspektive geprägt. Spätestens mit dem Unglück von Fukushima sind die Erinnerungen wieder präsenter geworden. Nun also die Katastrophe in einer mehr oder minder leicht verdaulichen Unterhaltungsserie. Wer hätte gedacht, dass dieser Ansatz so gut funktioniert? Und können wir in Zukunft noch mehr Katastrophen in Serienform erwarten? Oder ist „Chernobyl“ besonders, weil die Katastrophe so sehr in unserem kollektiven Bewusstsein verankert ist?

Real wirkender Katastrophen-Horror

Mich erinnert die dramaturgische Aufbereitung der Katastrophe ein wenig an David Simons „The Wire“. Zwar gibt es Personen, die im Fokus der Geschichte stehen, jedoch werden in den unterschiedlichen Episoden stets neue Perspektiven eingebracht. Wenn sich in der zweiten Staffel von „The Wire“ der Fokus z.B. auf den Hafen von Baltimore verlagert, nimmt sich „Chernobyl“ in der vierten Episode den Liquidatoren an, die in der verstrahlten Zone die Tiere erlegen. In einer anderen Episode stehen u.a. die Bergbauarbeiter im Mittelpunkt, welche die Sicherungsmaßnahmen gegen die Kontamination des Grundwassers durchführen. Eine Wahl haben sie nicht.

Durch diese erzählerische Vielfalt bekommen wir als Zuschauer ein gutes Gesamtbild über alle Elemente der Katastrophe. In der letzten Episode läuft schließlich alles zusammen, es gibt endlich Erklärungen und auch emotional wird die Geschichte noch einmal verarbeitet. Gerade die dokumentarischen Aufnahmen der letzte 10 Minuten haben mich so richtig mitgenommen. Wahnsinn. So sehr sogar, dass ich mich gefragt habe, ob eine Doku-Serie nicht der noch gelungenere Weg hätte sein können, um sich dem Unglück von Tschernobyl retrospektiv zu nähern. Gefilmtes Material scheint ja ausreichend vorhanden zu sein.

Fazit

Es ist nicht wirklich überraschend, dass auch mich „Chernobyl“ sehr gepackt hat. Zweifellos eine beeindruckende Serie. Aber die beste Serie aller Zeiten? Soweit würde ich nicht gehen. Einige Szenen schienen mir doch sehr dramaturgisch aufbereitet, was im Rahmen einer TV-Serie natürlich Sinn macht. Gerne hätte ich eine ausführliche dokumentarische Aufarbeitung des Themas gesehen. Jedoch ist „Chernobyl“ auch als inszeniertes Drama eine herausragende Serie, die in ihrem Genre alles aus der tragischen Geschichte herausholt. Sehr empfehlenswert: 9/10 (9.2) Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2

Eine der positivsten Serien-Überraschungen im letzten Jahr war für mich die erste Staffel von „Tom Clancy’s Jack Ryan“. Die Amazon-Produktion hat das ein wenig angestaubte Genre des Spionage-Thrillers gekonnt modernisiert und mit dem neuen Jack Ryan einen frischen Heldentypus etabliert. Folglich habe ich mich sehr auf „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2“ gefreut. Warum die zweite Staffel jedoch nicht an das famose erste Jahr heranreicht, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 2 | © Amazon Prime Video

Rückkehr zu bekannten Genre-Konventionen

Das erste, was mir negativ aufgefallen ist, war das Herausschreiben (oder eben nicht) von Jack Ryans Freundin Dr. Cathy Mueller. Es scheint so als hätte es sie nie gegeben. Keine Erklärung. Nicht einmal in einem Nebensatz. Einfach weg. Das ist schlechter Erzählstil und hat zudem ein seltsames Licht auf den Hauptcharakter geworfen, der bei erster Gelegenheit mit einer Unbekannten ins Bett hüpft. Überhaupt scheint sich Jack Ryan eher zum stereotypen Agenten zurückentwickelt zu haben. Dies mag an der persönlich gefärbten Rachegeschichte liegen, aber auch davon abgesehen ist nur noch wenig vom empathischen Helden der ersten Staffel zu spüren. Dies ist schade, hatte der neue Ansatz die gesamte Serie doch gleich viel zeitgemäßer wirken lassen. Der Jack Ryan der zweiten Staffel ist dagegen viel näher am klassischen Heldentypus der 80er/90er Jahre dran.

Der Fall, um den sich Ryan, Greer und Co. dieses Mal kümmern müssen, ist dagegen ziemlich spannend: Ich mochte das Setting in Venezuela und die politischen Verstrickungen samt Kampfeinsatz im Hinterland. Die Nebengeschichte rund um den deutschen Auftragskiller Max Schenkel sowie die von Noomi Rapace gespielte Femme Fatale war mir dagegen viel zu klischeehaft geschrieben sowie für den eigentlichen Plot zu wenig relevant. All das ist toll inszeniert und sieht wirklich nach großem Kino aus, aber inhaltlich tritt die Serie hier oft auf der Stelle. Sobald sich Ryan wieder nach Venezuela begibt, nimmt auch die Serie wieder Fahrt auf. Hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht und dafür die teils unnötigen Nebenschauplätze gestrichen.

Fazit

Auch wenn ich in meiner Besprechung eher die negativen Aspekte herausgehoben habe, so bietet auch die zweite Staffel von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sehr gute Unterhaltung. Wir haben acht Episoden in nur einer Woche durchgeschaut, was für unsere Verhältnisse wirklich sportlich ist. Ein gutes Zeichen, auch wenn ich mir für die dritte Staffel wieder eine gelungenere Charakterentwicklung sowie ein durchdachteres Drehbuch wünsche: 8/10 (7.7) Punkte.

Vinyl – Die komplette Serie (Staffel 1)

Nach dem letzten großen Serienmarathon habe ich mich einmal wieder einer kürzeren Show zugewandt, die mit 10 Episoden auch mehr oder weniger abgeschlossen ist. „Vinyl“ war 2016 neben „Westworld“ einer der großen HBO-Neustarts und konnte mit großen Namen wie Mick Jagger, Martin Scorsese und Terence Winter aufwarten. Letztere hatten mit „Boardwalk Empire“ bereits abgeliefert. Wieso floppte „Vinyl“ also und lohnt sich die Sichtung trotz der frühen Absetzung? 📀🎵🎸

Vinyl | © HBO

Vinyl | © HBO

Sex, Drugs & Rock’n’Roll (and More Drugs)

Bereits die erste Episode sprengt mit knapp 120 Minuten jegliche Grenzen. Wow. Inszeniert von niemand geringerem als Martin Scorsese fühlt man sich sogleich wie in einer musikalischen Variante von „Casino“ versetzt. Obwohl einerseits viel passiert und sich andererseits auch viel Zeit gelassen wird, sind die 10 Episoden wie im Fluge vergangen. Ich habe mich komplett abgeholt gefühlt und jede Sekunde dieser herrlich altmodischen Inszenierung genossen. Auch im weiteren Verlauf hat mich die Serie sehr an das klassische Gangsterkino von Scorsese und Co. erinnert: Erzählt wird eine typische Rise-and-Fall-Geschichte, nur dass wir erst kurz vor dem Fall der Hauptfigur in sie hineingeworfen werden. Es kommt zu einem gewalttätigen Todesfall, verbaler und physischer Gewalt sowie einem völlig übertriebenem Level an Drogenkonsum. Teils war dieser Handlungsstrang schon fast zu viel des Guten und manchmal scheint es schon fast nebensächlich, dass sich die Geschichte in der Musikindustrie der 1970er Jahre abspielt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der Serie ist.

Hauptfigur Richie Finestra wird großartig von Bobby Cannavale verkörpert. Seine Performance lässt Erinnerungen an die großen Scorsese-Darsteller wach werden. An seiner Seite spielen u.a. Olivia Wilde (als Richies Ehefrau Devon Finestra) und Ray Romano in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle als Richies Geschäftspartner Zak Yankovich. Schauspieler und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommen bekannte Musikgrößen der 70er-Jahre-Rock-Geschichte, welche teils durchaus imposante Auftritte hinlegen dürfen (u.a. die New York Dolls, David Bowie oder – weniger imposant – Elvis Presley). Audiovisuell ist „Vinyl“ wahrlich ein Hochgenuss und ich hätte gerne noch viel, viel mehr davon gesehen.

„Vinyl“ wurde leider viel zu früh abgesetzt

Auch wenn die zweite Staffel schon in trockenen Tüchern schien, wurde die Serie letztendlich abgesetzt. Anscheinend gab es Differenzen zwischen Showrunner Terence Winter und HBO. Der erhoffte Erfolg war „Vinyl“ wohl auch nicht. Normalerweise sind Zuschauerzahlen für den Pay-TV-Sender nicht unmittelbar ausschlaggebend (schon gar nicht nach nur einer Staffel), doch ein Wechsel an der Spitze des Senders war letztendlich der Sargnagel für die Serie. Für solch eine ambitionierte Produktion schon fast tragisch. Obwohl die Staffel nicht mit einem großen Cliffhanger endet, so bleibt am Ende doch das unschöne Gefühl, die Figuren gerade an einem Zeitpunkt in ihrem Leben zu verlassen, der große Veränderungen mit sich bringt. Es herrscht ein Gefühl des Aufbruchs – sowohl was die Musikwelt als auch die persönlicheren Entwicklungen angeht. Davon werden wir jedoch leider nichts mitbekommen.

Fazit

Teils als „Mad Men“ der Musikwelt bezeichnet, erinnert „Vinyl“ doch mehr an klassisches Scorsese-Gangsterkino mit weniger Gangstertum und mehr Musik. Die Wurzeln sind aber unverkennbar und diese Mischung ist für mich tatsächlich sehr attraktiv. Gerne hätte ich die weitere Entwicklung verfolgt, doch bin ich sehr froh, dieser zu unrecht viel zu früh abgesetzten Serie eine Chance gegeben zu haben. Wenn ihr ein Faible für Musikgeschichte habt und klassische Rise-and-Fall-Geschichten mögt, dann schaut unbedingt einmal bei American Century Records vorbei. Es lohnt sich: 9/10 (8.9) Punkte.