Zero Dark Thirty (2012)

Als ich las, dass die Jagd nach Osama bin Laden filmisch aufbereitet werden sollte, war ich zunächst skeptisch. Als sich jedoch Katheryn Bigelow als Regisseurin entpuppte, wusste ich dass sie die richtige Frau für den Job ist. Mit „The Hurt Locker“ hatte sie bereits ein Händchen für militärische Stoffe bewiesen und ich war gespannt, inwiefern sie mit „Zero Dark Thirty“ an den 2010er Oscar-Gewinner anknüpfen konnte. Ein erneuter Erfolg oder ein Schlag ins Wasser?

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„Zero Dark Thirty“ ist anstrengend. Keine Spur von Hurra-Patriotismus oder überstilisierter Militäraction. Wie bereits in „The Hurt Locker“ wählt Bigelow einen eher dokumentarischen Ansatz. In diesem Fall bezieht sich das jedoch nicht nur auf die unmittelbare Inszenierung, sondern vor allem auf die Geschichte. Fragmentarisch wird ein Zeitraum von beinahe 10 Jahren abgedeckt, in dem uns als Zuschauer nur Brocken vorgeworfen werden. Die Jagd nach dem al-Qaida-Führer ist alles andere als unterhaltsam, sondern oft harte, trockene und zermürbende Ermittlungsarbeit. Es dauert Jahre, bis erste Erfolge zu verzeichnen sind – und der Weg bis dahin ist hart und steinig.

Ich war erstaunt, wie nüchtern der Film manche Szenen präsentiert. Folterszenen – selbst das berüchtigte Waterboarding – werden knallhart gezeigt, doch nimmt der Film dazu keine Position ein. Ist es eine effektive Methode um an Informationen zu kommen? Es bleiben nur Vermutungen und die anfängliche Abscheu der Protagonistin. Eine Legitimisierung oder gar Verherrlichung der Folter – wie teils zu lesen war – konnte ich beim besten Willen nicht erkennen. Ebenso überrascht war ich vom finalen Militäreinsatz. Kein Actiongewitter, sondern ein beinahe schon emotionsloses Gemetzel, das bei mir ein unglaublich beklemmendes Gefühl hervorrief. Keine Helden. Kein Gejubel. Nur der nüchtern ausgeführte Auftrag.

Am Ende bleibt nur CIA-Agentin Maya, die – nun gelöst von ihrer Mission – kein Ziel mehr vor Augen hat. Man kennt das ja selbst, wenn man nach einem größeren Projekt in ein Loch fällt. Wie muss das erst nach einer 10-jährigen Mission dieses Ausmaßes sein? Auswirkungen der Aktion auf die Welt der Terrorbekämpfung spricht der Film nicht an. Man kann die Ereignisse nun als bedeutungslos und Ressourcen verschlingend deuten, oder als wichtigen Teilsieg gegen den Terror. Auch hier überlässt der Film dem Zuschauer die Deutung. Er stellt somit in erster Linie ein inszeniertes Zeitdokument dar, das weit weniger Potential zu polarisieren birgt, als ich dies zu Beginn erwartet hätte.

Auch mit „Zero Dark Thirty“ ist Kathryn Bigelow ein mitreißender Film gelungen, der jedoch weniger auf Spannung als auf nacherzählte Geschichte setzt. Natürlich aus Sicht der Amerikaner, doch keinesfalls unreflektiert oder effekthascherisch. Auch wenn ich den Film teils anstrengend fand, so hat er mich tief beeindruckt und lässt mich mit einem bedrückenden Gefühl zurück. Ein Film, den man bei Interesse an der Thematik auf jeden Fall gesehen haben sollte – und sei es nur, weil der diese Woche leider verstrobene, großartige James Gandolfini darin einen seiner letzten Auftritte hatte: 8/10 Punkte.

14 Gedanken zu “Zero Dark Thirty (2012)

  1. Pingback: Zero Dark Thirty (2013) | Film-Blogosphäre

      • Das war meine erste Reaktion, als ich damals aus der Sneak gekommen bin. Vor allem, dass meine einzige Info über den Film war, dass es etwas mit der Jagd nach Osama bin Laden zu tun hat und dass er für Oscars nominiert ist und ich ihn deswegen zur Vorbereitung auf die Verleihung sehen möchte. Und im Speziellen in der Sneak, wo man ja nicht weiß was kommt, packt einen die ersten paar Minuten halt direkt.

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      • Oh ja, das glaube ich dir gerne. Ich hatte im Vorfeld leider schon zu viel darüber gelesen/gehört (u.a. die Intro-Seqzuenz), als dass ich unvoreingenommen an den Film hätte herangehen können. Dennoch ein beeindruckendes Erlebnis!

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  2. Cool, freut mich, dass er dir gefallen hat. Ich habe ihn auch erst vor kurzem gesehen und fand ihn großartig, sofern man das überhaupt so sagen darf.

    Aber mal abgesehen davon: Ich habe ja vorher gewarnt, oder? Gefällt er dir nicht, tu ich dir weh! 😉

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    • Er war auch viel besser, als so mancher Vorabkommentar vermuten ließ. Nachdem mich der Film heute Nacht in Gedanken noch stark beschäftigt hat, kommt mir meine Bewertung auch fast einen Punkt zu niedrig vor…

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  3. Für mich war am Ende des Films auch die Frage, was den USA dieser „Sieg“ unterm Strich gebracht hat. Insgesamt bietet der Film eine überraschend freie Darstellung, die jedem ermöglicht (oder auch zwingt) sein eigenes Urteil zu bilden… das find ich die stärkste Leistung.

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    • Ich glaube ja, dass gerade die faktenlastige Erzählweise und die Auslassung von Deutungshinweisen – z.B. erklärende Dialoge oder ein Voice-over – diesen Interpretationsfreiraum unterstützt. Ein ziemlich genialer Kniff, denn auf andere Art und Weise hätte man die Geschichte auch ziemlich in den Sand setzen können.

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  4. Mir war der Film fast etwas zu dokumentarisch, zu weit von seinen Charakteren entfernt… es ist ein guter Film, bei dem ich aber ein wenig das menschliche vermisst habe, auch wenn Jessica Chastain das hin und wieder gut kompensiert.

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    • Das wäre auch mein Kritikpunkt gewesen, doch andererseits macht dies den Film auch so relevant. Hätte man mehr Drama und vielleicht Action gehabt, hätte man dem Film etliche Vorwürfe machen können. So dagegen ist Bigelow ein bedrückendes Bild dieser Post-9/11-Zeit gelungen.

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