Media Monday #343

Das ging wieder viel zu schnell: In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte es endlich geschneit, Samstagvormittag war ich mit den Kindern im Schnee tollen – und sofort hat sich der Zwergofant einen fiesen Husten eingefangen, der uns in der Nacht auf Sonntag komplett wachgehalten hat. Puh. Auch meine Erkältung hat sich (nach drölftausend mal angehustet werden) verschlechtert, so dass das Laufen erst einmal auf Eis liegt. Raus konnten wir heute nicht und es liegt ein Sonntag mit unzähligen Brettspielen, CDs und Nickerchen hinter uns. Die Fragen des Medienjournals sind somit der krönende Abschluss…

Media Monday #343

  1. Psychopathen in Film und Fernsehen sind spätestens seit Hannibal Lecter nicht mehr aus der Popkultur wegzudenken.
  2. Das Musical „La La Land“ steht schon ewig auf meiner Liste, aber ich habe es erst vergangenen Freitag geschafft, den Film endlich zu sehen.
  3. Im Moment bin ich ja, was TV-Serien angeht, voll und ganz dem Genre viktorianischer Horror verhaftet, zumindest konnte mich „Penny Dreadful“ in dieser Hinsicht ziemlich begeistern.
  4. Anthologie-Serien, die je Folge oder Staffel eine eigenständige Geschichte erzählen habe ich bisher, die erste Staffel von „True Detective“ einmal ausgenommen, noch keine gesehen.
  5. Seit meiner Sichtung von „Beautiful Girls“ hat mich lange nichts mehr so begeistert, schließlich war es der perfekte Film für die Zeit nach Weihnachten.
  6. Lange Bahnfahrten unternehme ich nie. Ich bin ein klassischer Autofahrer und während meiner Fahrten höre ich stets Podcasts, die mir wiederum bei der Filmauswahl helfen.
  7. Zuletzt habe ich den Film „300: Rise of an Empire“ gesehen und das war leider keine gelungene Fortsetzung des Action-Hits „300“, weil er außer Eva Green nichts zu bieten hatte.

Die erste Kalorienbombe des Wochenendes (mehr davon auf Instagram):

Lecker! #pizza #pizzafriday #food #Foodporn

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300: Rise of an Empire (2014)

Ein langer Tag mit Schnee, fettigem Essen und einem gewissen Maß an Lagerkoller geht zu Ende. Eigentlich zu spät aufs Sofa gekommen und zu müde für einen Film gewesen, habe ich dennoch „300: Rise of an Empire“ in den Player geschoben. Was die Fortsetzung zu Zack Snyders Action-Kracher „300“ zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

300: Rise of an Empire (2014) | © Warner Home Video

300: Rise of an Empire (2014) | © Warner Home Video

Eva Green rettet den Film vor der Belanglosigkeit

Tatsächlich sieht „300: Rise of an Empire“ wieder enorm gut aus. Die comichaften Schlachtszenen wirken noch perfekter und glatter – und das trotz der Hektoliter an CGI-Blut, die hier vergossen werden. Nein, Noam Murros Sequel ist nicht brutal, sondern einfach nur größer, bunter, lauter. Eine typische Fortsetzung eben. Das Übermaß an Gewalt verpufft komplett, da sie keinen Effekt auf unsere Charaktere hat. Es ist egal wer stirbt und wer lebt, was wirklich schade ist, denn so manche Kampfszene bietet wahrlich famos anzusehende Einstellungen.

Neben der fahrigen Erzählweise (im Prinzip eine Aneinanderreihung an Rückblenden), ist wohl die schwache Hauptfigur Themistokles einer der größten Fehler des Films. Hauptdarsteller Sullivan Stapleton bleibt komplett blass. Ihm fehlt jegliches Charisma, das Gerard Butler im ersten Teil noch zu verströmen wusste. Dafür gibt es mit Eva Greens Artemisia eine sehenswerte Gegenspielerin, die den Film auch fraglos dominiert. Eva Green (u.a. bekannt als Vanessa Ives in „Penny Dreadful“) ist sich hier für nichts zu schade und setzt ganz auf den Exploitation-Charme des Films. Leider nimmt sich der Rest des Fantasy-Actioners viel zu Ernst und kann nicht mit ihrer Performance mithalten.

Fazit

Auch wenn „300: Rise of an Empire“ kein wirklich guter Film ist, so hatte ich doch Spaß bei der Sichtung – und das lag vor allem an den teils toll anzusehenden Bilder und Eva Green. Nötig war diese Fortsetzung keineswegs, doch wer „300“ mochte, der kann ruhig einmal reinschauen. Oder eben auch nicht. Heute gesehen, morgen vergessen. Immerhin ein wenig gelungener als der „300“-Klon „Krieg der Götter“: 5/10 Punkte.

La La Land (2016)

Nach einer fordernden Arbeitswoche wäre ich heute am liebsten zeitgleich mit meinen Kindern ins Bett gegangen. Aber wer braucht schon Schlaf, wenn er Kino haben kann? Also habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich „La La Land“ nachgeholt. Ein Film, der nach der Oscar-Verleihung 2017 in aller Munde war und der dennoch sehr kontrovers aufgenommen wurde: entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

La La Land (2016) | © Studiocanal

La La Land (2016) | © Studiocanal

„La La Land“ oder „Nostalgie: Der Film“

Auch wenn das Genre unter vielen Filmfreunden nicht sonderlich beliebt ist, so muss ich mich klar zu den Verfechtern des Film-Musicals zählen. Insofern war ich begeistert, dass Damien Chazelle seinen Film völlig unzweideutig mit einer bombastischen Musical-Nummer eröffnet. Herrlich! Auch im weiteren Verlauf ist „La La Land“ durchzogen von Tanzszenen und Songs, die an das klassische Hollywood-Musical erinnern, aber doch Gebrauch von moderner Inszenierung machen. Überhaupt ist der Spagat zwischen Nostalgie und Moderne der Kernpunkt des Films, sowohl formal als auch inhaltlich. Das ist nicht immer sonderlich subtil inszeniert und wird an manchen Stellen im Drehbuch sogar plakativ ausgesprochen, doch bewahrt sich der Film dadurch eine gewisse Unschuld in seiner bewusst gewählten Verspieltheit.

Die Geschichte von Mia (Emma Stone, „Crazy, Stupid, Love.“) und Sebastian (Ryan Gosling, „Blade Runner 2049“) erzählt eine oftmals kitschige und doch nicht konfliktfreie Liebe, die zuletzt nicht in einem Happy End gipfelt – zumindest nicht im klassischen, nostalgischen Sinne. Hat also die Moderne gewonnen? Das kommt wohl ganz auf die persönliche Perspektive an, denn beide Figuren leben ihren Traum. Nur eben nicht zusammen. Den Unterschied machen, wie so oft im Leben, eher die kleinen, unbewussten Entscheidungen. Somit werden wir auf einer bittersüßen Note aus dem stilisierten Los Angeles entlassen, das durch seine ikonischen Bilder noch lange in der Filmwelt nachhallen wird.

Kein klassisches Hollywood-Musical

Die meisten vehementen Kritiker beschweren sich, dass „La La Land“ nur versucht die großen Musicals der goldenen Ära Hollywoods zu kopieren, ohne dabei jedoch ihre Klasse zu erreichen. Damien Chazelles Film ist dabei aber eher Meta-Kommentar als Hommage: Egal ob ein Mobiltelefon mitten in einer Tanznummer klingelt oder die Traumfabrik in einer Traumszene als fiktive Kulisse inszeniert wird, „La La Land“ ist Ebene auf Ebene. Schicht auf Schicht. Die Nostalgie mag das Fundament sein, doch ist dieses inzwischen kaum mehr erkenntlich. Dem Film gelingt somit gleichzeitig die Dekonstruktion dieses Traums, er schafft es dabei aber auch eine der größten Liebeserklärungen an die Träumer da draußen zu sein.

Fazit

„La La Land“ ist in erster Linie ein technisch beeindruckender, audiovisueller Rausch. Schon alleine in den Bildern zeigt sich, dass der Film seinen Vorbildern huldigt, diese gleichzeitig kommentiert und teils dekonstruiert. Verpackt ist all das in wunderbare Musical-Nummern, die mitreißend gespielt und inszeniert sind. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die mich am Ende sogar eine kleine Träne verdrücken ließ. Alles in allem ein wirklich toller Film, der zum mehrfachen Schauen einlädt: 9/10 Punkte.

Run, Fatboy, Run (476)

Heute bin ich richtig stolz auf mich, dass ich mich aufgerafft habe zu laufen. Eigentlich wollte ich schon Anfang der Woche gehen, doch hatten die Kinder jeden Abend etwas, weshalb wir alle erst immer spät verräumt hatten. Heute war es kalt, windig und ich spüre meinen Hals schon wieder. Eigentlich wollte ich nicht laufen, doch irgendwie hat es mich dann doch nach draußen gezogen:

Dunkel, windig, nass. Warum nur laufen?

Dunkel, windig, nass. Warum nur laufen?

Distance: 6.21 km
Duration: 00:42:22
Elevation: 33 m
Avg Pace: 6:49 min/km
Avg Speed: 8.79 km/h
Heart Rate: 157 bpm
Stride Frequency: 147 spm
Energy: 585 kcal

Aufgrund der drohenden Erkältung habe ich es langsam angehen lassen. Sehr langsam. Damit war mein Puls auch endlich mal unter 160 bpm, doch hatte ich teils das Gefühl rückwärts zu laufen. Der gute moep0r ist da 1:22 min/km schneller unterwegs und läuft entspannt mit 121 bpm. Unfassbar. Wie auch immer. Ich war laufen. Mal sehen, ob ich am Wochenende noch einen 10-km-Lauf unterbringe, oder ob mich die nächste Erkältung niederstreckt. Dieser Winter. Hrmpf.

Im Ohr: FatBoysRun – Episode 106: Weihnachtsfolge

5 Bücher, die ich 2018 lesen möchte

Nach Filmen und Serien treibt Gorana auch mit der aktuellen Ausgabe von Die 5 BESTEN am DONNERSTAG unsere Jahresplanung voran. Gut so. Dieses Mal steht wieder einmal das geschriebene Wort im Mittelpunkt und ich bin fast schon erstaunt, dass ich aus dem letzten Jahr nur ein Buch mitgenommen habe. Welche das ist? Lest doch selbst… 🙂

Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #78

Das Thema für Ausgabe #78 lautet:

5 Bücher, die ich 2018 lesen möchte

  1. „Artemis“ (Andy Weir, 2017) – Ich mochte ja Andy Weirs „Der Marsianer“ (samt Verfilmung durch Ridley Scott) sehr gerne und hatte gar nicht auf dem Schirm, dass der Autor ein neues Buch geschrieben hat. Glücklicherweise hat Amerdale „Artemis“ auf ihrem Blog besprochen, so dass der Roman ganz spontan auf meine Liste gewandert ist.
  2. „Death’s End“ (Cixin Liu, 2010) – Der dritte Teil der „Remembrance of Earth’s Past“-Trilogie  wird definitiv mein nächstes Buch. Der erste Teil „The Three-Body Problem“ war 2017 eines meiner Highlights. Aktuell stecke ich noch auf den letzten Seiten des zweiten Teils „The Dark Forest“ und werde danach kaum erwarten können, wie es mit der zukünftigen Geschichte der Erde weitergeht.
  3. „Ragdoll: Dein letzter Tag“ (Daniel Cole, 2017) – Das Buch bekam ich letztes Jahr von meiner Frau geschenkt und bisher habe ich es noch nicht geschafft reinzulesen. Das wird sich dieses Jahr ändern, denn der Thriller scheint mir die perfekte Urlaubslektüre zu sein – und einen Urlaub haben wir dieses Jahr definitiv geplant.
  4. „The Name of the Wind“ (Patrick Rothfuss, 2007) – Mein Dauergast in dieser Liste. Bereits 2016 und 2017 erwähnt, habe ich es immer noch nicht geschafft in Patrick Rothfuss‘ beliebte Fantasy-Reihe reinzulesen. Ich habe die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben.
  5. „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (Philip K. Dick, 1968) – Nach „Blade Runner 2049“ hatte ich unglaubliche Lust, einmal wieder die Vorlage von Philip K. Dick zu „Blade Runner“ zu lesen. Das letzte Mal liegt inzwischen bestimmt 20 Jahre zurück und ich bin mir sicher, dass ich das Buch spätestens zur Heimkinoauswertung des Films zur Hand nehmen werde.

Penny Dreadful – Season 1 to 3

Um die Serie bin ich im vergangenen Jahr schon länger herumgeschlichen und die beständigen Empfehlungen verschiedenster Blogger (ganz besonders mwj) haben ihr Übriges getan, um mich zum Kauf der Komplettbox von „Penny Dreadful“ zu bewegen. Im Vorfeld wusste ich nur, dass die Serie die Horrorgestalten des viktorianischen Englands vereint und Eva Green die Hauptrolle spielt. Was hat „Penny Dreadful“ sonst noch zu bieten?

Penny Dreadful – Season 1 to 3 | © Paramount (Universal Pictures)

Penny Dreadful – Season 1 to 3 | © Paramount (Universal Pictures)

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Media Monday #342

Die erste reguläre Arbeitswoche im neuen Jahr ist schon wieder vorbei. Ich muss gestehen, dass ich mich erst wieder an den geregelten Ablauf gewöhnen musste: das Aufstehen, die Arbeit, die Freizeitaktivitäten der Kinder usw. Das Wochenende war auch eher unspektakulär und außer Hausarbeit, ein wenig Sport und einem Spaziergang haben wir nicht viel gemacht. Dafür haben etliche Filme ihren Weg in meine Sammlung gefunden (siehe unten) und die Fragen des Medienjournals sind somit der perfekte Abschluss dieser Woche…

Media Monday #342

  1. Rollenklischees und Stereotypen habe ich leider vermehrt in „Baby Driver“ gesehen, was auch ein Grund dafür ist, dass mir der Film weit nicht so gut gefallen hat, wie den meisten anderen Zuschauern. Für mich bisher leider Edgar Wrights schwächster Film.
  2. Wenn mein Medienkonsum mich einmal wieder überfordert, schaue ich in meine liebsten Blogs und lasse mich beraten, so wie ich am Freitag Wulfs Besprechung kurz vor meiner Sichtung von „The Great Wall“ gelesen habe.
  3. Zu wenig Zeit wäre einer der Punkte, weshalb man mich bisher nicht für ein Netflix-Abo gewinnen konnte.
  4. Das Ritual, zu bestimmten Anlässen bestimmte Filme zu schauen mag ich sehr: So gehört „Schöne Bescherung“ für mich zu Weihnachten und meinen dieses Jahr leider ausgefallenen Besuch in Mittelerde habe ich sehr vermisst.
  5. Meine Laufgeschwindigkeit (aktuell 6:09 min/km) baut wirklich von Jahr zu Jahr weiter ab, schließlich lief ich 2017 mit einem Schnitt von 5:59 min/km und 2016 noch mit 5:39 min/km (siehe Statistik seit 2008).
  6. Ein Buch, bei dem ich nichts mehr anderes tun konnte als lesen, war Jon Krakauers „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“.
  7. Zuletzt habe ich mit meiner Familie zwei kurze Brettspiele gespielt und das war sehr spaßig, weil das eine Spiel auch eine Bewegungskomponente enthielt.

Eine meiner drei Medienlieferungen vom Wochenende (mehr davon auf Instagram):

Run, Fatboy, Run (475): Spezialausgabe

Heute morgen ist es mir sehr schwer gefallen, mich aufzuraffen. Doch es war mein dritter Lauf diese Woche. Darauf bin ich schon irgendwie stolz. Zudem habe ich endlich wieder einen Schnitt von unter 6:00 min/km auf 10 km erreicht. Knapp aber dennoch. Der Lauf selbst war okay. Mit exakt 0 °C und einem schneidenden Wind war es ziemlich kalt, doch das hat mich wenigstens motiviert, ordentlich Tempo zu machen – also Tempo für meine aktuellen Verhältnisse… 😉

Trocken, aber eiskalt und windig. Brrr.

Distance: 10.44 km
Duration: 01:02:13
Elevation: 79 m
Avg Pace: 5:57 min/km
Avg Speed: 10.07 km/h
Heart Rate: 172 bpm
Stride Frequency: 152 spm
Energy: 954 kcal

Nach dem Lauf ist mir aufgefallen, dass ich wieder einmal 25 Läufe vollgemacht habe. Mit fünfeinhalb Monaten habe ich dieses Mal etwas länger dafür gebraucht, was aber auch meiner beinahe zweieinhalb monatigen Laufpause zuzuschreiben ist:

2008 2009 2010 2011 2012
Länge 130,60 143,53 382,31 426,62 291,15
Laufzeit 15:32:00 15:37:00 38:48:45 41:55:03 28:39:25
kCal 12.416 11.838 32.184 33.147 22.415
min/km 7:05 6:31 6:05 5:53 5:54
2013 2014 2015 2016 2017
Länge 388,03 319,01 243,70 670,52 649,79
Laufzeit 39:02:57 31:23:04 24:24:25 63:12:58 64:56:12
kCal 29.878 24.563 18.930 54.316 53.696
min/km 6:02 5:54 06:00 05:39 5:59
2018  Gesamt
Länge 56,86 3.702,13
Laufzeit 5:50:13 369:22:12
kCal 4.696  298.079
min/km 6:09 5:59

Natürlich hat 2018 erst begonnen und der Januar gestaltet sich schon sehr positiv, was das Laufen angeht.  Jetzt nur nicht wieder krank werden und dran bleiben, damit zu den 9 Tafeln Schokolade bzw. 20 Flaschen Bier noch ein paar weitere hinzukommen, die ich dieses Jahr runtertrainieren werde.

Im ersten Ohr: FatBoysRun – Episode 105: Interview Philipp Pflieger
Im zweiten Ohr: Jimmy Eat World, Fall Out Boy, The Weakerthans, blink-182

Baby Driver (2017)

Was habe ich mich auf den neuen Film von Edgar Wright gefreut. Seit „Spaced“ und „Shaun of the Dead“ liebe ich den innovativen britischen Filmemacher. Selbst seine als schwächer angesehenen Filme, wie „The World’s End“, haben mir ausgezeichnet gefallen. Ich war also bester Dinge, mit „Baby Driver“ einen neuen Geniestreich zu sehen. Warum der Film meine Erwartung nicht erfüllen konnte, versuche ich in der folgenden Besprechung zu erklären…

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Music Was My First Love

Während der Eröffnungssequenz war ich noch der festen Überzeugung, dass „Baby Driver“ das Zeug zu einem neuen Lieblingsfilm hat. Musik, Action und abgefahrene Charaktere. Seit „Ronin“ hatte ich keine so gelungene Autoverfolgungsjagd mehr gesehen. Dann die wunderbare Musical-Sequenz, in der Baby (toll gespielt von Ansel Elgort) durch die Straßen tanzt. Herrlich! Und dann ging es los mit der Geschichte. Die zuvor noch interessant wirkenden Figuren stellten sich ziemlich schnell als nervige Klischees heraus. In der Szene, in der Kevin Spacey allein mit Ansel Elgort im Aufzug zurückblieb hatte ich dann tatsächlich Gänsehaut. Aber aus anderen Gründen. Sehr unangenehm.

Die Musik als eigentlicher Star des Films hat mir gut gefallen, doch konnte keine Sequenz mehr an die Eröffnung anschließen. Sicher waren die Szenen wunderbar choreografiert, die Musik fabelhaft gewählt und die Montage makellos. Aber auf Dauer eben auch eintönig und, nunja, ziemlich selbstverliebt. Wright hat die Kombination aus Musik, Rhythmus und Schnitt ja bereits in „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und Co. verwendet, doch dort gezielter und nicht so inflationär. Ja, ich weiß, dass dies das Konzept des gesamten Films ist und auch inhaltlich mit der Geschichte und der Hauptfigur verknüpft ist, doch irgendwie hat sich all das für mich dennoch künstlich und aufgesetzt angefühlt.

True Natural Born Romance Killers

Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Baby und Debora hat mir in ihren Anfängen sehr gut gefallen, sich danach jedoch ziemlich vorhersehbar und lahm entwickelt. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Film ab der Hälfte unheimlich abbaut und letztendlich in einem antiklimaktischen Finale gipfelt, das einfach nur beliebig ist. Wirklich schade, um den gelungenen Einstieg in die Geschichte. Die Nebenfiguren rund um John Hamm, Jamie Foxx und Co. verkommen im Verlauf der Handlung leider auch immer mehr zu Abziehbildern. Dennoch gibt es ein paar nette Momente und absurde Komik. Wirklich lustig fand ich den Film jedoch nur selten.

Fazit

Wie ihr meiner obigen Besprechung bereits entnehmen konntet, hat mich „Baby Driver“ leider ziemlich enttäuscht. Ich hatte durchaus Spaß mit dem Film, doch konnte er meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Die erste halbe Stunde fand ich famos, doch danach hat sich der Film ziemlich in der Belanglosigkeit verloren. Kein schlechter Film, doch für mich mehr ein langgezogenes Musikvideo, das seine zwei besten musikalischen Sequenzen gleich zu Beginn verschossen hat. So leid es mir tut, doch insgesamt nur knapp überdurchschnittlich: 6/10 Punkte.

The Great Wall (2016)

Ich war gerade dabei, mich etwas unentschlossen vor das Filmregal zu stellen, da schaute ich noch durch mein Feedly und entdeckte auf dem Medienjournal eine Besprechung von „The Great Wall“. Da der Film bei mir ungesehen im Regal stand, nahm ich das als Wink des Schicksals, packte die 3D-Brillen aus und begab mich ins China der Song-Dynastie…

The Great Wall (2016) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Great Wall (2016) | © Universal Pictures Germany GmbH

Monster, Pfeile und Matt Damon

Da uns der Tag (und mir zudem noch der 7-Kilometer-Lauf) in den Knochen steckte, schien der Fantasy-Action-Kracher genau das Richtige für einen entspannten Filmabend zu sein. Und so war es dann auch: Toll anzusehende Landschaftsaufnahmen (ganz besonders in 3D) läuten den Film ein und ehe man sich versieht, steht man mit Matt Damon und Co. auch schon vor der der Chinesischen Mauer. Dann geht es Schlag auf Schlag und wir werden in einen Kampf gegen unzählige fiese Monster geworfen, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Das alles ist sehr turbulent inszeniert und unterhaltsam anzusehen. Speziell die einzelnen Kampftaktiken wirken durchaus innovativ und geben uns ein Gefühl für diese Welt. Leider ist dies auch bitter nötig, denn in den Dialogszenen ist davon nicht mehr viel zu spüren.

Die Stärke des Films liegt ganz eindeutig in seiner audiovisuellen Opulenz und den mitreißenden Kampfszenen. Die Charaktere (u.a. auch Willem Dafoe) bleiben dagegen leider sehr blass und die Geschichte ist zu vernachlässigen. Matt Damon macht seine Sache als Söldner gut, der sich in dieser fremdem Welt zurechtfinden muss und dabei über sich hinauswächst. Besonders hat mir gefallen, dass die Dialogszenen in Mandarin nicht übersetzt waren und man somit noch mehr in das Setting eingetaucht ist. Überhaupt hätte ich gerne mehr über die Hintergründe erfahren, doch das hat man in dem Drehbuch wohl leider nicht vorgesehen.

Fazit

„The Great Wall“ ist, wie zu erwarten, ein bombastischer Actionfilm mit schönen Bildern und nur wenig Substanz. Das stört aber auch nicht, denn für die mal eben 90 Minuten Laufzeit bietet er gute Unterhaltung und nette Monsterkämpfe. Insofern kann ich mich guten Gewissens bei Wulfs Einschätzung einreihen: 6/10 Punkte.