Kiss Kiss Bang Bang

Sehr ungewöhnlich. „Kiss Kiss Bang Bang“ ist wahrlich ein sehr ungewöhnlicher Film. Erwartet hatte ich einen Buddymovie im „Lethal Weapon“-Stil, doch gesehen habe ich eine Schwarze Komödie mit starken Film Noir-Anleihen. Ich war wirklich positiv überrascht, wie ideenreich und ungewöhnlich Shane Black sein Regiedebüt inszeniert hat.

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Die Geschichte wird aus der Sicht von Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) erzählt, der nach einer Verwechslung plötzlich mitten im Interesse von Hollywood steht. Dies ist allerdings nur der Auslöser für ein paar wilde Eskapaden, die Harry fortan mit seinem neuen Partner, dem schwulen Privatdetektiv „Gay“ Perry, zu bestreiten hat. Fortan gibt es unzählige Leichen, eine Femme Fatale, sowie diverse Wortgefechte, die an Skurrilität teils nicht zu überbieten sind.

„Kiss Kiss Bang Bang“ macht Spaß, keine Frage. Doch irgendwie verrennt sich der Film meiner Meinung nach etwas in seinen unzähligen Ideen. Die Geschichte wartet mit Wendungen auf, die man aufgrund des hohen Tempos kaum wahrzunehmen im Stande ist. Zudem befindet man sich beinahe im Minutentakt an neuen Locations, die ebenso schnell wieder mit neuen Figuren aufgefüllt werden. Einerseits entsteht dadurch eine wirklich mitreißende Dynamik, doch andererseits kann man das Handeln der Identifikationsfiguren nicht wirklich nachvollziehen, wodurch eine Distanz zu ihnen entsteht. Diese wird durch die gewählt Erzählform noch größer. Harrys Voice Over beschränkt sich nicht nur auf die Geschichte an sich – nein, er spricht den Zuschauer direkt an, spult den Film vor und zurück und macht klar, dass man hier nur einen Film sieht. Einerseits wirklich innovativ und auch amüsant, doch leider wird hierbei völlig die Magie des Eintauchens in die Geschichte zerstört. Ich denke weniger wäre hier mehr gewesen.

Shane Black hat mit „Kiss Kiss Bang Bang“ einen wirklich unterhaltsamen und mit bösen Späßen angereicherten Film geschaffen. Die Figuren – und ihre Darsteller – sind zudem überaus sympathisch. Doch leider hätte man sich mehr auf die Chemie zwischen ihnen und die Geschichte an sich verlassen sollen, dann wäre aus dem Film eine rundere Sache geworden: 7/10 Punkte.

Mando Diao – Ode to Ochrasy

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MANDO DIAO ist eine noch relativ junge Band, die mich bisher mit all ihren Alben überzeugen konnte. Auch ODE TO OCHRASY rockt ohne Ende. Die Band bleibt ihrem Stil treu, doch ist auch eine gewissen Weiterentwicklung bemerkbar. Die Songs sind nicht mehr alle so roh und wild, wie noch auf BRING ‚EM IN – doch das ist nicht unbedingt von Nachteil, denn die Jungs aus Schweden wissen auch in den ruhigeren Stücken ihre ganz eigenen Stil zu transportieren.

Meine bisherigen Favoriten sind die aktuelle Single LONG BEFORE ROCK’N’ROLL, das rockige YOU DON’T UNDERSTAND ME, sowie das eingängige AMSTERDAM. Doch auch bei den restlichen Songs ist kein einziger Ausfall dabei. Gewöhnungsbedürftig ist einzig die abschließende und titelgebende Akkustiknummer OCHRASY – obwohl ich ihr einen gewissen Charme auch nicht absprechen kann.

MANDO DIAO haben mit ODE TO ORCHASY ihr bisher reifestes Werk abgeliefert, ohne jedoch ihre Wildheit zu verlieren. Ich bin mir sicher, dass die Platte den gleichen Langzeitwert besitzt, wie bereits BRING ‚EM IN und HURRICANE BAR. Nun bin ich sehr auf den 17. November gespannt, an dem ich die Jungs live in München sehen werde. Es darf wieder gerockt werden!

Casino

Mit Martin Scorseses „Casino“ verbinde ich eine bestimmte Erinnerung: Ein Freund hatte mir erzählt den brutalsten Film auf VHS zu haben, den er je gesehen hat. Ich weiß nun gar nicht mehr, ob wir uns den gesamten Film angesehen hatten, oder ob er mir nur die – seiner Meinung nach – brutalsten Stellen gezeigt hat. Heute – inzwischen 10 Jahre später – konnte ich mich auf jeden Fall nur noch an die Szene im Maisfeld und an eine kreischende Sharon Stone erinnern. Zeit also die Erinnerungen aufzufrischen.

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Im Gegensatz zu damals kenne ich heute nahezu alle großen Mafia- und Gangsterfilme. Neben der „Der Pate“-Trilogie gehört Martin Scorseses „GoodFellas“ klar zu den wichtigsten Filmen dieses Genres. „Casino“ wirkt etwas wie eine ausgedehnte Version des Mittelteils dieses Klassikers. Erzählt wird folglich die bekannte Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters. Als besondere Elemente sind hier die Hauptrolle, die Las Vegas in dem Film spielt, sowie der Schwerpunkt, der auf die Ehe von Sam „Ace“ Rothstein gelegt wird, hervorzuheben.

Wie bereits in „GoodFellas“ verwendet Martin Scorsese Voice Over als erzählerisches Mittel. In „Casino“ sprechen jedoch zwei Personen, was dieser – von mir ohnehin geschätzten – Erzählform noch eine besondere Note verleiht. Der Zuschauer verfolgt die Geschichte folglich aus zwei verschiedenen Perspektiven, was wichtig ist, da sich die Hauptfiguren im Laufe des Films immer weiter auseinander leben.

Grandios hat mir die erste Hälfte des Films gefallen. Der Aufstieg von Ace und die Abläufe im Casino wurden in den schillerndsten Farben präsentiert und fantastisch inszeniert. Auch die Geschichte wirkt hier stets frisch und unverbraucht. Der Fall der beiden Gangster gegen Ende des Films ist mir in ähnlicher Form allerdings schon zu oft begegnet, als dass „Casino“ hier besonders hätte Punkten können. Zudem hätte der Film meiner Meinung nach um gut eine halbe Stunde gekürzt werden können. Ich habe mich zwar nicht gelangweilt, aber das Timing fand ich nicht so perfekt, wie beispielsweise bei „GoodFellas“.

Schön fand ich es überigens Robert De Niro und James Woods nach Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“ wieder gemeinsam vor der Kamera zu sehen. Wenn auch in gänzlich anderen Rollen. Schauspielerisch und inszenatorisch ist „Casino“ – wie jeder Film von Scorsese – sowieso über jeden Zweifel erhaben. Ein wahres Feuerwerk an Perfektionismus: 8/10 Punkte.

Battlestar Galactica – Staffel 1

Obwohl ich nach Sichtung der Miniserie noch skeptisch war, ob ich mir „Battlestar Galactica – Staffel 1“ ansehen würde, bin ich letztendlich doch froh diese Entscheidung getroffen zu haben. Der Serie gelingt es ihre Stärken auszubauen und über beinahe die gesamte Laufzeit ausgezeichnet zu unterhalten.

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Die Geschichte setzt ungefähr dort ein, wo wir sie am Ende der Miniserie verlassen haben: Die letzte Flotte der Menschheit ist auf der Flucht vor den Zylonen. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen. Nebenbei hat die Crew der Galactica mit Problemen wie Wasser- oder Treibstoffknappheit und einem Schiff voller Schwerverbrecher zu kämpfen. Die Tatsache, dass die Zylonen menschliche Form angenommen haben entwickelt sich auch immer mehr zum Problem und lässt sich nicht länger verheimlichen.

Die Storylines sind größtenteils abwechslungsreich und unterhaltsam. Doch leider nur größtenteils. Die Abenteuer von Helo und der zweiten Sharon auf Caprica fand ich eher nur ermüdend, da hier nichts wirklich aufregendes passiert ist. Allein in den letzten beiden Episoden bekommt dieser Nebenplot einen Sinn. Davor empfand ich ihn eher als störende Unterbrechung der Hauptgeschichte. Auch Dr. Baltars Beziehungprobleme mit seiner Zylonenfreundin fand ich eher nervend, allerdings nicht mehr so schlimm wie in der Miniserie – vermutlich habe ich mich inzwischen einfach daran gewöhnt.

Ansonsten ist alles beim Alten: Grandiose Weltraumszenen, tolle Charaktere und eine „Wing Commander“ ähnliche Atmosphäre auf der Brücke und dem Hangar. In der letzten Episode gibt es zudem noch einen fiesen Cliffhanger, nach dem ich die zweite Staffel auf jeden Fall auch anpacken werde. „Battlestar Galactica“ ist für mich zwar keine Offenbarung, doch nach „Firefly“ die beste Sci-Fi-Serie, die ich kenne: 7/10 Punkte.

Tintenblut (Cornelia Funke)

tintenblut.jpgGerade habe ich den zweiten Teil von Cornelia Funkes Tintenwelt-Saga zu Ende gelesen. Bereits der Vorgänger „Tintenherz“ hat mir ausgezeichnet gefallen und ich konnte die Fortsetzung kaum erwarten. So geht es mir nun auch mit „Tintenblut“. Hier wiegt das Fehlen eines wirklichen Endes noch schwerer, da es sich um den Mittelteil einer Trilogie handelt – dem Teil, der dem Leser den Abschied von einer Geschichte dramaturgisch am schwersten macht.

„Tintenblut“ hat alles, was ich mir von der Fortsetzung erhofft hatte: Alle liebgewonnenen Figuren sind wieder mit von der Partie und der Schwerpunkt der Handlung verlagert sich in die Tintenwelt. Zudem schafft es Cornelia Funke ihren wunderbaren Stil auszubauen. Die Beschreibungen von Fenoglios Welt wirken so lebendig, als wäre man selbst dort. Als könnte man selbst die Feuerelfen tanzen sehen, die Gefahren des Weglosen Walds spüren oder das knisternde Feuer tanzen hören. Wunderschön. Einfach und flüssig zu lesen und doch ist die bildreiche Sprache voller Poesie.

Von der Handlung konnte mich „Tintenblut“ – betrachtet man es als Einzelwerk – nicht so vollständig überzeugen, wie der Vorgänger. Dort war die Dramaturgie runder und der Spannungsbogen ausgewogener. Doch auch das ist typisch für den Brückenteil einer Trilogie. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse jedoch fast und lassen den involvierten Leser voller Trauer und Spannung zurück. Das Warten auf den finalen Roman fällt nun mindestens genauso schwer, wie das Warten auf den letzten Teil einer anderen berühmten Kinderbuchreihe.

Betrachtet man „Tintenblut“ und seinen Vorgänger als Kinderbücher, wird man ihnen nicht gerecht. Wie bereits bei „Harry Potter“ handelt es sich hier um waschechte Fantasyromane: Hier wird geblutet, geliebt und gestorben. Kinder spielen zwar eine große Rolle, doch wird die Geschichte nicht nur durch ihre Augen erzählt. Durch den wechselnden personalen Erzähler schlüpft man als Leser in jede Figur und kann somit jeden Standpunkt nachvollziehen. Der Autorin gelingt dieser Wechsel ganz famos, wodurch jedem einzelnen Charakter ein großer Stellenwert in der Tintenwelt eingeräumt wird. Sehr gelungen.

Cornelia Funkes Trilogie ist vor allem für Menschen, die Bücher lieben. Noch nie habe ich solch liebevolle Würdigungen von anderen Werken der – zugegebenermaßen – Kinder-, bzw. Jugendliteratur gelesen. Das Lesen – und damit das Abtauchen in fremde, unbekannte Welten – wird als eine Kunst gefeiert, die heute leider zu vielen Menschen abgeht. Ich für meinen Teil kann den Abschluss der Trilogie kaum erwarten: 9/10 Punkte.

Übrigens wird gerade an einer Verfilmung von „Tintenherz“ gearbeitet. Cornelia Funke überwacht dabei die Dreharbeiten persönlich, was mir ein gutes Gefühl gibt. Auch Iain Softley, der mich bereits mit „K-PAX“ überzeugen konnte, als Regisseur und Brendan Fraser als Mo lassen die Vorfreude auf den Herbst 2007 steigen.

Jackie Brown (1997)

Der zweite Film gestern Abend ist auch noch nicht sonderlich alt, er konnte sich aber durch etliche Sichtungen bereits den Ruf als persönlicher Klassiker erarbeiten. Die Rede ist von Quentin Tarantinos „Jackie Brown“. Damals bei der Kinosichtung war ich ziemlich enttäuscht vom ersten Tarantino-Film, den ich jemals auf der großen Leinwand gesehen habe. Alle – ich eingeschlossen – hatten einen zweiten „Pulp Fiction“ erwartet. Eigentlich sogar eine Steigerung. Eine Erwartungshaltung, die wohl kein Film auf dieser Welt hätte erfüllen können. Heute jedoch weiß ich „Jackie Brown“ als das zu schätzen, was er ist: Ein ruhiger, eleganter Gangsterfilm mit grandiosen Dialogen und typischen Tarantino-Figuren, der einfach eine unglaublich entspannte Atmosphäre verbreitet.

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Grundlegend für den neuen Stil ist wohl auch, dass hier erstmals nach einer Vorlage gearbeitet wurde: Elmore Leonards „Rum Punch“. Doch glücklicherweise ist auch Leonards Welt bevölkert mit Gangstern und Kleinkriminellen, die sich gar nicht so sehr von denen aus Tarantinos Filmuniversum unterscheiden. Eigentlich auch logisch, da Leonard schon immer eine große Inspirationsquelle für den Meister der pulp fiction war. Der Film ist gleichzeitig Adaption und Hommage – und er funktioniert in beide Richtungen.

Fantastisch ist die Ansammlung an hochkarätigen Schauspielern in teils ungewohnten Rollen. Allen voran Robert DeNiro, der hier den kiffenden Kleingangster Louis Gara gibt. Eine für ihn ungewohnte und schon allein deswegen urkomische Rolle. Samual L. Jackson gibt Waffenschieber Ordell Robbie gewohnt lässig und mit einer Coolness, die ihresgleichen sucht. Pam Grier und Robert Forster – die beiden Altstars des Films – spielen auf, als wären sie nie in der Versenkung verschwunden. Auch hier wieder die Verbindung von Hommage und Eigenständigkeit. Michael Keaton durfte seine Rolle als Ray Nicolette ein Jahr später in einer weiteren Elmore Leonard-Verfilmung – Stephen Soderberghs „Out of Sight“ – sogar wiederholen. Von den Auftritten von Brigdet Fonda, Sid Haig und Chris Tucker fange ich gar nicht erst an. Man sieht auf jeden Fall einmal wieder deutlich: Tarantino kennt die Branche, er kennt die Darsteller und er kennt ihre Filme. Er weiß mit der Erwartungshaltung zu spielen und besetzt teils gezielt gegen das Image – und das stets mit Erfolg.

Neben Geschichte, Darstellern und Dialogen ist natürlich der Soundtrack eine wichtige Größe in jedem Tarantino-Film. Auch in „Jackie Brown“ passt er wie die Faust aufs Auge. Er gräbt stets Perlen aus, die ohne seine Filme wohl nie mehr ein größeres Publikum erreicht hätten. Der Mann hat nicht nur ein Auge fürs Detail, sondern auch ein Ohr.

Mit „Jackie Brown“ hat sich Tarantino 1997 gezielt gegen die Erwartungshaltung seines Publikums gestellt. Mit Abstand betrachtet auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Mit „Pulp Fiction“ oder „Kill Bill“ hätte schließlich auch niemand gerechnet. Der Meister bleibt seinem Stil zwar stets treu, erfindet sich aber auch jedes Mal selbst neu. Er macht seine Filme in erster Linie für sich – und für ein Publikum, das Filme genauso liebt, wie er selbst: 10/10 Punkte.

Garden State (2004)

Gestern war seit langer Zeit einmal wieder ein Video- bzw. DVD-Abend. Am Start hatten wir gleich zwei grandiose Filme. Einen Klassiker und einen noch relativ jungen Film: „Garden State“ von Zack Braff. Normalerweise benötige ich ziemlich viele Sichtungen, um einen Film zu meinen Lieblingsfilmen zählen zu können – was auch erklärt warum meine persönlichen Klassiker meist aus den 80er oder 90er Jahren stammen. Doch „Garden State“ hat mich bereits bei der ersten Sichtung im Kino gepackt und nicht mehr losgelassen.

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Erzählt wird die Geschichte von Andrew „Large“ Largeman. Einem Schauspieler, der bisher nur in einer großen Rolle zu sehen war, und sich seither mit Aushilfsjobs über Wasser hält. Alles ändert sich, als er vom Tod seiner Mutter erfährt: Nach 9 Jahren kehrt er zum ersten Mal zu seinen Wurzeln zurück – nur um zu Erkennen, dass diese Rückkehr eigentlich ein Neuanfang ist. In seiner Heimatstadt trifft er auf Sam (Natalie Portman), die Large durch ihre unkoventionelle Art dazu bringt sein Leben wieder als etwas Wertvolles anzusehen und sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

In der Geschichte gibt es unzählige kleine Episoden, die voller Humor und teils doch voller Melancholie stecken. Mit Large kann ich mich irgendwie wunderbar identifizieren. Es werden Themen angesprochen, die zwar schon in vielen Filmen auf der Leinwand präsent waren, die aber noch nie so ehrlich und aus dem Herzen heraus behandelt wurden. Allein der Monolog zum Zuhause der Kindheit, nach dem man sich sein ganzes Leben sehnt, das aber nur noch in der Erinnerung existiert, weil das echte Zuhause diese Sehnsucht nicht mehr erfüllen kann – einfach nur wunderschön und so wahr. Dabei verliert sich die Geschichte allerdings nicht in solchen – teils schon philosophischen – Nebenplots, sondern bleibt stets interessant, frisch und ist nebenbei mit grandiosen Charakteren bevölkert.

Zu Bewundern ist auf jeden Fall Zack Braff. Der Darsteller des tollpatschigen J.D. aus der tollen Dramedy „Scrubs“ verkörpert hier nicht nur kongenial die Hauptrolle – nein, er hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Da er noch relativ jung ist, trifft er – zumindest für seine Generation – stets genau den richtigen Ton. Den trifft er auch beim Einsatz des Soundtracks, der so gut ist, wie kaum ein zweiter. Die Songs erzielen stets die richtige Wirkung und sind untrennbar mit den Bildern verbunden. Schön ist, dass er auch ohne den Film funktioniert – was ich nach unzähligen Durchgängen aus eigener Erfahrung sagen kann. Ansonsten möchte ich noch Natalie Portman hervorheben, die wie immer einen großen Teil zum gelingen des Films beiträgt. Eine tolle Schauspielerin für einen tollen Charakter.

Zack Braff hat mit „Garden State“ einen Film geschaffen, der es von 0 auf 100 in meine Lieblingsfilme geschafft hat. Ich hoffe, er kann mit einem zweiten Film an seinen Erstling anschließen und freue mich schon sehr darauf. Wer diesen Film noch nicht kennt: Schaut ihn euch an, er kann glücklich machen – man muss es nur zulassen können: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Fotofälscher-Wettbewerb

Beim Surfen bin ich über den Fotofälscher-Wettbewerb auf Spiegel.de gestolpert. Da ich gerade etwas Zeit hatte, hab‘ ich mir gedacht: Machste halt mal mit. Von den zur Auswahl stehenden vier Ausgangsbildern habe ich mich für folgendes entschieden:

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Rausgekommen ist letztendlich dieses Bild:

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Die Idee ist mir sofort gekommen, als ich das Ausgangbild gesehen hatte. Mit dem Ergebnis bin ich zwar nicht 100prozentig zufrieden (u.a. Beleuchtung der Kamele), aber ich denke die Stimmung ist ganz nett und ewig rumwerkeln wollte ich ja auch nicht.

Ich bin auf jeden Fall schon gespannt, was die anderen Teilnehmer so zaubern!

The Lost Boys

Joel Schumachers „The Lost Boys“ gehört wohl zu den Filmen, die ich während meiner Jugend am häufigsten gesehen habe. Die letzte Sichtung ist nun auch bestimmt schon 10 Jahre her. Trotzdem konnte ich mich noch an viele Szenen erinnern und habe mich in Santa Clara sofort wieder zu Hause gefühlt.

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Der Film hat eine ganz besondere Atmosphäre: Er ist zwar eher ein Jugendabenteuer, als ein Horrorfilm – dennoch herrscht stets eine düstere Stimmung vor, die dem Film die nötige Ernsthaftigkeit verleiht. Die Geschichte um die Familie Emerson, die sich mit einem Vampirclan herumschlagen muss, erhält zwar keinen Originalitätspreis, bleibt aber stets spannend und interessant. Zudem besitzt sie einen – wie ich aus langjähriger Erfahrung sagen kann – sehr hohen Wiederanschauungswert.

„The Lost Boys“ ist ein wahres Kind der 80er. Die Frisuren, die Kleidung, die Inszenierung und ganz besonders der Soundtrack sind so typisch für dieses Jahrzehnt, dass mir kaum ein zweiter Film einfällt, der mich so sympathisch in die 80er Jahre zurückversetzt. Hier funktioniert der zeitgenössische Soundtrack tadellos und nervt ausnahmsweise nicht. Ein Manko, mit dem meiner Empfindung nach sonst viele 80er Jahre Filme zu kämpfen haben.

Sehr interessant ist aus heutiger Sicht die Ansammlung an fantastischen Schauspielern. Allen voran sticht natürlich Kiefer Sutherland heraus, der hier den Vampirrocker mit viel jugendlichem Elan spielt. Besonders gefallen hat mir auch wieder Corey Feldman, der – wie bereits zwei Jahre zuvor bei „Die Goonies“ – den jugendlichen Draufgänger spielen darf. Die eigentliche Überraschung war allerdings Richard Gilmore aus den „Gilmore Girls“ (Edward Herrmann) als Obervampir zu sehen.

„The Lost Boys“ gehört zu einer Art Film, wie sie heute leider nicht mehr gemacht werden. Zitatenreich, unterhaltsam, liebevoll ausgestattet, tolle Schauspieler – und all das in einem Big Budget-Jugendfilm. Einer meiner persönlichen Klassiker: 9/10 Punkte.

A History of Violence

David Cronenbergs aktuellster Kinofilm „A History of Violence“ ist mir bereits durch den Trailer aufgefallen. Dieser Film schien so ganz anders zu sein, als seine vorangegangenen Werken, wie „eXistenZ“ oder „Naked Lunch“ – und so ist es tatsächlich: Das heißt in dieser Graphic Novel-Verfilmung gibt es keine Insektenmonster oder organische Implantate, keine Parallelwelten. Nur die brutale Realität.

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Ganz anders als bei den Vorgängern kommt „A History of Violence“ also ohne fantastisch anmutende Geschöpfe und diesbezügliche Effekte aus. Auch die Inszenierung erlaubt sich keinerlei Experimente und bleibt dem Realismus treu. Durch die langsamen Kamerafahrten und die langen Einstellungen verbreitet der Film Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Wenn es dann zur – bereits im Titel angekündigten – Gewalt kommt, bricht diese nicht nur auf den Zuschauer herein, sondern auch auf die Figuren im Film.

Mir hat in „A History of Violence“ besonders der ruhige Spannungsaufbau imponiert. Die geschaffene Atmosphäre ist unheilsschwanger und man weiß, das die Idylle jeden Moment in sich zusammenbrechen kann. Teils sind sogar Erinnerungen an David Lynchs „Blue Velvet“ wach geworden. Auch nach den ersten Gewaltakten bleibt der Film seiner Linie treu und verhältnismäßig realistisch. Leider hat mir die aktive Vergangenheitsbewältigung von Tom/Joey nicht sonderlich gefallen. Hier wirkt alles viel zu comichaft überzogen. Ich hätte mir eine wendungsreicheres oder auch offeneres Finale gewünscht.

Insgesamt ist „A History of Violence“ ein – aufgrund seiner ruhigen Inszenierung und seiner dichten Atmosphäre – toller Film. Die Geschichte ist einfach und realistisch. Leider fast schon zu einfach – und dem Realismus wird gegen Ende zudem etwas die Luft aus den Segeln genommen. Viggo Mortensen und Maria Bello können voll und ganz überzeugen. Ed Harris‘ und William Hurts Charaktere waren mir dagegen zu comichaft angelegt. Vermutlich funktioniert die Vorlage hier besser. Trotzdem sehr sehenswert: 7/10 Punkte.