Homeland – Season 1

Wie jedes Jahr eroberten auch 2011 etliche neue TV-Serien die heimischen Bildschirme. Mit dem Finale von „Homeland – Season 1“ hat sich der gelungenste Neustart auch schon wieder verabschiedet. Obwohl ich zu Beginn nicht wirklich daran interessiert war noch eine Anti-Terror-Geschichte zu sehen, hat mich die Serie erstaunlich schnell in ihren Bann gezogen. Spannungskino und Charakterdrama auf höchstem Niveau? Gerne mehr davon.

„Homeland“ ist die US-Adaption der israelischen Miniserie „Hatufim – Prisoners of War“ und wirkt dennoch erstaunlich originär. Die behandelten Themen sind erschreckend aktuell und bilden weit mehr als nur die Arbeit der agierenden CIA-Agenten ab. Carrie Matheson wirkt wie die in einer Person gebündelte Psyche der Vereinigten Staaten nach den Terroranschlägen des 11. Septembers: paranoid und gebrochen, doch ebenso willensstark und handlungsbereit. Im Gegensatz zur thematisch ähnlich gelagerten Serie „24“ wird Action hier nur sehr wohldosiert eingesetzt. Handlung und Charaktere werden dagegen groß geschrieben. Kaum zu glauben, dass sich ein Großteil des gleichen Autorenteams für beide Serien verantwortlich zeigt.

Neben der klassisch inszenierten und wirklich höchst spannenden und wendungsreichen Geschichte, können vor allem die vielschichtig geschriebenen Charaktere überzeugen. Zum Leben erweckt werden diese durch hochkarätige Schauspieler, wie Claire Danes, Mandy Patinkin, Damian Lewis oder Morena Baccarin. Besonders Danes und Patinkin spielen famos und hätten sich alle Emmys dieser Welt verdient. Es ist eine wahre Freude ihnen beim Spielen zuzusehen. Großartig!

Mein wohl einziger Kritikpunkt liegt im Staffelfinale begründet, das einerseits die spannendsten 80 Minuten Serienunterhaltung darstellt, die ich dieses Jahr genießen durfte, andererseits aber auch ziemlich ärgerlich ist. Vorsicht Spoiler: Brodys Entscheidung fand ich extrem unglaubwürdig, besonders in Hinsicht darauf in der nächsten Staffel mit seinem Plan weiterzumachen. Man wird ihn als Zuschauer nun nie mehr als echte Bedrohung empfinden. Ich hatte hier den Eindruck als hätten die Macher der Serie nur gefallen an dem Charakter bzw. Schauspieler gefunden und wollten diesen nicht endgültig opfern, was meiner Meinung nach jedoch eine viel stärkere Wirkung gehabt hätte. Mich würde nun sehr interessieren, wie man im Falle von „Hatufim – Prisoners of War“ mit dieser Situation umgegangen ist.

Trotz der leichten Verärgerung über das Finale, hat mich „Homeland“ so gut unterhalten, wie kaum eine zweite Serie in diesem Jahr. Ich hoffe sehr, dass die Autoren einen Kniff finden, um auch die zweite Staffel ähnlich mitreißend zu gestalten und mich als Zuschauer wieder an eine echte Bedrohung glauben zu lassen. Selbst wenn man mit dem Genre nicht so viel anfangen kann – bzw. glaubt mit „24“ schon alles in dieser Richtung gesehen zu haben – sollte man auf jeden Fall mehr als nur einen Blick riskieren: 9/10 (8.8) Punkte.

12 Gedanken zu “Homeland – Season 1

  1. Nette Serie, von mir gibt’s 2 Punkte weniger, war mein Interesse am Anfang relativ groß, hat mich die Serie in der Mitte irgendwann geistig verloren. Das war mir alles zu zäh, da auch Handlungsstränge wie der um Faisal & Aileen irgendwie nirgendwo hinführten. Etwas straffer (à la 10 Episoden von 40 Minuten) vorzugehen hätte hier – wie eigentlich bei den meisten Serien – gut getan.

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  2. Stimmt. Der von dir genannte Handlungsstrang hat nirgendwo hingeführt, doch wurde durch ihn sehr schön Sauls Mentalität gezeigt und man konnte zudem erkennen, wie schwierig es für das CIA ist gewisse Hinweise und Aktivitäten zu bewerten und zu wichten. Ein wenig Straffung hätte sicher nicht geschadet, doch bin ich mit den 12 bzw. 13 Episoden schon sehr zufrieden – kein Vergleich zu Shows mit 22 bis 24 Episoden, die zu 50% aus Fillern bestehen.

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  3. Unterschreibe ich komplett, das Finale hat mich auch etwas enttäuscht. Als wäre ein leitender Angestellter von SHOWTIME in die Autorensitzung gestürmt und hätte gesagt: „Leute, noch nicht einpacken, das Ding läuft gut, da machen wir eine weitere Staffel von“. Der Fluch des Erfolges halt. Ohne Zweifel eine der besten neuen Shows des letzten Jahres.

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  4. Sehr schön beschrieben… 😀

    Mich persönlich stört es gar nicht sonderlich, dass man eine zweite Staffel anstrebt. Allerdings hätte man doch den Fall Brody hier ein für alle Mal abschließen können. Abu Nazir hätte auch ohne Brody bestimmt Ideen für eine neue Bedrohung gehabt. Naja, man kann nicht alles haben. Dennoch hat mich die Serie wunderbar unterhalten und ich freue mich auf Season 2.

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  5. Ja, auch ich war sehr enttäuscht! Hatte sogar Herzklopfen und hätte fast den Monitor angeschrien, dass er endlich abdrücken soll 🙂 Ich fand es auch seltsam/unglaubwürdig, dass Brody plötzlich so panisch wirkt, wo er sich so lange auf diesen Moment vorbereitet hatte und ein gestandener Marine ist.

    Da muss ich nochmal mein Plädoyer für britische Serien halten: im UK wäre sowas nicht passiert, da die Story wichtiger ist als die nächste Staffel.

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  6. Ja, ich hatte mir auch gewünscht, dass er die Bombe zündet. Wäre emotional viel befriedigender gewesen, was gleichzeitig ja auch irgendwie erschreckend ist. So oder so ist der Weg, den die Macher beschritten haben, natürlich der schwächere – gar keine Frage. Mich erinnert das Finale etwas an die US-Adaption von „The Killing“ – da war das Ende ähnlich unbefriedigend.

    UK-Serien habe ich – zumindest im Drama-Bereich – noch zu wenige gesehen, um hier wirklich mitreden zu können. Sollte ich vielleicht mal machen…

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