Run, Fatboy, Run (027)

Ich habe es tatsächlich gewagt. Meinen inneren Schweinehund überwunden. Zum ersten Mal dieses Jahr war ich joggen. Anfangs war es noch recht frisch, doch schon bald ist der Motor richtig heiß gelaufen. Beinahe schon zu heiß. War das anstrengend! Und bin ich froh – entgegen der anfänglichen Planung – doch nicht die Abzweigung zur großen Runde genommen zu haben. Da habe ich mich glücklicherweise realistisch eingeschätzt.

Länge: 4,36
Laufzeit: 00:29:00
kCal: 353
min/km: 6:39

Die Laufzeit ist überraschend gut für ein erstes Mal nach über fünf Monaten Pause. Dafür fühlte ich mich direkt nach dem Lauf auch entsprechend kaputt. Doch das war zu erwarten. Mein Ziel ist nun wieder mich ca. zwei Mal pro Woche aufzuraffen. Mal sehen, ob ich das durchhalte.

Franz Ferdinand – Tonight: Franz Ferdinand Tour 2009 – Tonhalle München

Gestern Abend ging es einmal wieder nach München. Genauer gesagt in die Tonhalle, um den bezaubernden Klängen von FRANZ FERDINAND zu lauschen. Nach dem einschlagenden Erfolg ihres aktuellen Albums TONIGHT: FRANZ FERDINAND war die Vorfreude natürlich groß und glücklicherweise absolut angemessen.

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 KISSOGRAM sorgten für gute Stimmung

Als Vorband heizte KISSOGRAM die Stimmung schon einmal recht gelungen an. Der Sound passte ausgezeichnet zu dem der Hauptband und die Melodien luden schon bald zum mitwippen ein. Insgesamt war die Bühnenpräsenz der Berliner jedoch etwas zu verhalten und die Songtexte mit repetitiv zu beschreiben, wäre stark untertrieben. Dennoch insgesamt ein gelungener Auftakt!

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 DO YOU WANT TO und die Menge hüpft

Nach einer ca. halbstündigen Umbaupause betraten FRANZ FERDINAND gut gelaunt die Bühne und feuerten sogleich aus allen Rohren. Die geballte Energie übertrug sich auch direkt aufs Publikum, welches kaum einen Song Zeit benötigte, um ausgelassen mitzuhüpfen. Die Mischung aus Tracks vom neuen Album sowie Klassikern war recht ausgewogen und die Live-Qualität der Schotten machte jeden einzelnen Song zum Hit.

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 ULYSSES ist auch live überragend

Nach einer knappen Stunde verließen die Jungs das erste Mal die Bühne, wobei noch einige Klassiker ausstanden. Glücklicherweise waren sie sogleich zurück, um mit JACQUELINE einen meiner Lieblingssongs zu performen. Ein weiterer Höhepunkt war LUCID DREAMS, den die Band mit Unterstützung von KISSOGRAM zu einem unvergesslichen Live-Event machte. Wunderbar!

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 FRANZ FERDINAND spielen kurz aber intensiv

Nach ca. 80 Minuten war der Spuk dann auch schon vorbei. Die Zeit ist dabei wie im Flug vergangen und da wir aus dem Zenith-Garderoben-Desaster gelernt hatten, sind wir kurze Zeit später völlig durchnässt – das Wetter hatte sich auch in der Nacht nicht gebessert – wieder gen Heimat gefahren. Ein rundum gelungener Abend.

Battlestar Galactica – Season 4

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Abschied von der Menschheit. Abschied von der Galactica. Abschied von den Zylonen. Die finale Episode von „Battlestar Galactica – Season 4“ hatte es wirklich in sich. Demzufolge wird sich der folgende Text auch hauptsächlich mit dem Serienfinale beschäftigen. Spoiler sind zu erwarten.

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Nachdem ich die dritte Staffel zwar nicht schlecht, aber dennoch als deutlichen Rückschritt empfand, konnte mich der Beginn der vierten Staffel wieder mehr begeistern. Leider hielt dieses Hochgefühl nicht sehr lange an und schon bald hat mich der hohe Seifenoperanteil dieser an sich epischen Saga genervt. Besonders gegen Ende dachte ich stets, dass da doch noch etwas kommen müsse. Etwas Besonderes. Etwas Episches. Etwas Herausragendes. Die letzte Episode hat dieses Versprechen – wenn auch nicht frei von Fehlern – glücklicherweise eingelöst.

Die Rückblenden zum Beginn der Reise sind zwar nicht sonderlich originell, schaffen aber eine emotionale Basis, um noch einmal so richtig mitfiebern zu können. Neben den charakterbezogenen Momenten kommt jedoch auch die Action nicht zu kurz und es darf einmal wieder festgehalten werden, dass das VFX-Team hinter „Battlestar Galactica“ wirklich großartige Arbeit leistet. Dreckig, roh und mittendrin. So und nicht anders haben Weltraumschlachten auszusehen. Perfekt!

Erstaunlicherweise ist es den Autoren gelungen nahezu alle unbeantworteten Fragen in den letzten 90 Minuten aufzulösen. Das hätte ich – besonders nach den vorhergehenden Episoden – nicht für möglich gehalten. Für meinen Geschmack sind die Erklärungen zwar alle etwas pseudoreligiös bzw. esoterisch angehaucht, doch wenn man darüber hinwegsieht, bieten die letzten Minuten emotionales Drama vom Feinsten. Schon alleine der Abschied von Admiral Adama ganz großes Kino. Wunderbar gespielt und inszeniert. Das körperlose Duo Baltar/Caprica dagegen… nun gut, gehört eben auch irgendwie zu der Serie. Insgesamt auf jeden Fall ein mehr als nur gelungenes Serienfinale!

Das Staffel-Ranking fällt mir nun – da so viel Zeit seit den vorhergehenden Sichtungen vergangen ist – etwas schwer. Ich möchte es aber dennoch versuchen. Hier unter Vorbehalt die Rangfolge aller bisherigen Inhalte der Saga:

1. „Battlestar Galactica – Season 2“
2. „Battlestar Galactica – Season 4“ & „Battlestar Galactica: Razor“
3. „Battlestar Galactica – Season 1“ & „Battlestar Galactica: Miniseries“
4. „Battlestar Galactica – Season 3“

Insgesamt gesehen gab es leider zu viele schwache Folgen in der dritten und vierten Staffel, als dass die Serie bei mir den Sci-Fi-Serienolymp erklimmen könnte. Dennoch führt für Genrefreunde absolut kein Weg an „Battlestar Galactica“ vorbei. Stilprägendes („Frak!“), großes Serienkino: 8/10 Punkte. Glücklicherweise kann man sich nun noch auf „Battlestar Galactica: The Plan“ und das Spin-off „Caprica“ freuen.

Nie wieder Sex mit der Ex – OT: Forgetting Sarah Marshall

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame, gab es gestern einmal wieder eine Komödie. Doch nicht irgendeine, denn „Nie wieder Sex mit der Ex“ (so der unglaublich kreative deutsche Titel von „Forgetting Sarah Marshall“) stand schon länger auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme. Somit stand einem unterhaltsamen Filmabend nichts mehr im Wege.

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Der Hauptgrund mir den Film anzusehen war eindeutig das Mitwirken von Jason Segel, der bereits in der grandiosen Sitcom „How I Met Your Mother“ eine meiner Lieblingsrollen spielt. Hier verkörpert er nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte auch die Idee und das Drehbuch. Vom Dracula-Musical „A Taste for Love“ einmal ganz zu schweigen. Ergänzt wird der Cast um Kristen Bell („Veronica Mars“ herself), welche die titelgebende Sarah Marshall verkörpert. Erwähnensert ist zudem Jack McBrayer (Kenneth Parcell, „30 Rock“) als verklemmter Ehemann, welcher Nachhilfeunterricht in Sachen Sex bekommt. Ansonsten gibt es unzählige Schauspieler aus Judd Apatows Filmuniversum zu bewundern, welche nahezu jede Szene auflockern. Habe ich nun die hinreißende Mila Kunis  (Jackie, „That ’70s Show“) vergessen? Ebenfalls eine echte Bereicherung des Ensembles.

Wie man sieht lebt der Film stark von seinen Schauspielern. Zudem ist „Forgetting Sarah Marshall“ nicht der Film, den man erwarten würde. Im Vergleich zu „Beim ersten Mal“ (mein letzter Film aus der Apatow-Schmiede) gibt sich der Humor des Films deutlich zurückgenommener und – zumindest etwas – subtiler. Oftmals blitzt sogar echtes Drama durch und man leidet wahrlich mit Segels Charakter, der offensichtlich durch die Hölle geht. Das lässt den Film echt und sympathisch erscheinen und man gönnt seinen Figuren das wohlverdiente – und mehr als fulminante – Happy End.

Frei von Kritik ist der Film natürlich nicht. So ist die Geschichte äußerst durchschaubar und es gibt keine größeren Überraschungen im Handlungsablauf. Sieht man einmal von den diversen Nacktszenen Segels ab. Ob da mehr Feinschliff nötig gewesen wäre? Ich weiß es nicht, denn auch in seiner Aneinanderreihung von unterhaltsamen Einzelszenen kann der Film auf ganzer Linie überzeugen.

„Forgetting Sarah Marshall“ ist wohl die beste Komödie, die ich seit langem gesehen habe. Allein schon aufgrund der herrlichen Parodien auf Crime-TV-Shows und egozentrische Popstars. Einen Bonuspunkt bekommt ganz klar das Dracula-Musical. Für leichte Unterhaltung eine absolut Runde Sache: 8/10 Punkte.

Terminator 3: Rebellion der Maschinen – OT: Terminator 3: Rise of the Machines (2003)

Sturmfrei. Ausgelaugt von der Arbeit. Zeit für einen anspruchslosen Actionfilm, bei dem man das Gehirn getrost auf Sparflamme laufen lassen kann. Zeit für „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ und den damit bislang jüngsten Teil dieser Filmreihe.

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Viel zu sagen gibt es zu Jonathan Mostows („Breakdown“) Werk leider nicht. Eine typische, nachgeschobene Fortsetzung, die sich nicht so recht in das Franchise eingliedern will. Doch wie könnte sie auch? James Camerons Vorgänger wiegen einfach zu stark. Mit „Der Terminator“ hatte er ein düsteres Low-Budget-Meisterwerk mit epischer Tiefe geschaffen und es mit „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ selbst nach allen Regeln der Kunst ins Mainstream-Kino transferiert. Dabei wurde jedes Überraschungsmoment genutzt, das die Geschichte hergibt. Nicht nur höher, schneller und weiter. Eine konsequente und absolut stimmige Fortsetzung.

Was bleibt also noch für den zweiten Aufguss nach über 10 Jahren? Leider nur noch höher, schneller und weiter. Die Actionszenen sind wirklich beeindruckend. Zwar nicht sonderlich inspiriert, doch immerhin kracht es an allen Ecken und Enden. Wenn die beiden Terminatoren aufeinander treffen bleibt wahrlich kein Auge trocken. Unterhaltsam ist der Film ohne jeden Zweifel. Es gibt auch einige nette selbstironische Momente von Herrn Schwarzenegger zu bewundern. Weder er, noch sein Terminator sind eben die jüngsten Modelle. Auch Kristanna Loken hat als Terminatrix so ihren Charme, wenngleich sie einer Summer Glau („Terminator: The Sarah Connor Chronicles“) nicht auch nur annähernd das Wasser reichen kann.

Die Geschichte selbst ist leider eher mau und kann erst gegen Ende Punkte gut machen. Vermutlich liegt das größtenteils an der absolut schwachen Figurenzeichnung. Auch wenn ich Nick Stahl seit der grandiosen TV-Serie „Carnivàle“ sehr gerne sehe, so bleibt er als John Connor doch eher blass. Da hat Claire Danes eine weitaus größere Leinwandpräsenz, wenngleich ihre Rolle großartige Leistungen verhindert. Somit kann keine wirkliche Bindung zu den Figuren entstehen, wodurch der Film seltsam distanziert wirkt.

Das alles liest sich nun viel schlechter, als ich den Film eigentlich aufgenommen habe. Vermutlich bin ich immer noch enttäuscht. Doch wie gesagt: Nach diesen Vorgängern war die Erwartungshaltung natürlich enorm. Somit ist „Terminator 3: Rebellion der Maschinen“ kein schlechter Film. Nur eben auch kein sonderlich guter. Für Freunde der Reihe immerhin überdurchschnittlich gute Unterhaltung: 6/10 Punkte.

Bones – Season 1

Beinahe zwei Monate ist es her, seit ich die letzte Staffel einer TV-Serie beendet habe. Doch nun ist es wieder soweit und die letzten Sekunden von „Bones – Season 1“ sind über den Bildschirm geflimmert. Eigentlich kann ich mit sogenannten crime procedurals à la „CSI“ eher recht wenig anfangen, doch diese Serie überzeugt mit spritzigem Humor und toll geschriebenen Figuren.

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Vermutlich wäre ich auch nie auf die Serie gestoßen, würde nicht David Boreanaz (Angel, „Buffy: The Vampire Slayer“ & „Angel“) die männliche Hauptrolle spielen. Tatsächlich macht das Zusammenspiel zwischen ihm und Emily Deschanel, welche die titelgebende Figur Dr. Temperance ‚Bones‘ Brennan verkörpert, einen Großteil des Charmes der Serie aus. Hier gibt es einige Dialogperlen zu belauschen, welche die oft doch recht ähnlichen Einzelfälle stets äußerst unterhaltsam erscheinen lassen. Auch die weiteren Figuren – hauptsächlich Brennans wissenschaftliche Mitarbeiter – sind kauzige Nerds (hier Squints genannt), die immer wieder für Erheiterung sorgen.

Neben all dem herrlichen Humor fällt zudem die relativ genaue Figurenzeichnung auf. Jede Figur besitzt einen Hintergrund, der mit laufender Episodenzahl immer mehr in den Vordergrund rückt. Von einem umfassenden Handlungsbogen zu sprechen wäre – sieht man einmal vom Staffelfinale ab – vielleicht etwas weit gegriffen, doch die Charakterentwicklung ist ganz klar einer der Grundbestandteile der Serie. Hinzu kommt, dass es alle paar Episoden doch wieder einen recht außergewöhnlichen Fall zu lösen gilt, welcher die Figuren in ein gänzlich anderes Umfeld wirft – und teils auch in einem komplett neuen Licht erscheinen lässt.

Ich bin wirklich erstaunt, wie gut mir diese erste Staffel von „Bones“ gefallen hat. Wahrlich exzellent inverstierte zehn Euro – was für ein Schnäppchen! Da sieht man einmal wieder, wie sehr gut geschriebene Charaktere zum Erfolg einer Serie beitragen. Der Humor gibt den üblichen Kriminalfälle zudem die nötige Würze, was ich zu großen Teilen der Chemie zwischen Deschanel und Boreanaz zuschreiben möchte.

„Bones“ ist genau die richtige Serie um abends einfach einmal abzuschalten. Das Setting in Washington, D.C. bringt zudem so manche Erinnerung zurück. Eine unerwartet positive Serienüberraschung: 8/10 Punkte.

Der Nebel – OT: The Mist (2007)

Bei einem spontanen DVD-Abend haben wir uns gestern Abend Frank Darabonts „Der Nebel“ angesehen. Leider stand ich mit meinem Vorschlag die Schwarzweiß-Fassung (also den Director’s Choice) anzusehen ziemlich alleine da. Doch auch in der farbigen Kinoversion sollte die Sichtung zu einem eindringlichen Erlebnis werden. Spoiler sind zu erwarten.

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Bereits die ersten Einstellungen zeugen von einer dichten Atmosphäre. So dicht, wie der titelgebende Nebel. Dabei beginnt der Film recht unspektakulär mit einer Situation, die jeder von uns kennt: Einkaufen im Supermarkt. Die vermeintliche Normalität wird abrupt unterbrochen, als ein verletzter Mann in den Laden stolpert und von einer tödlichen Gefahr im heraufziehenden Nebel berichtet. Niemand glaubt dem scheinbar halluzinierenden Mann. Kurze Zeit später hat der dichte Nebel den Supermarkt verschlungen – und damit beginnt die Fassade der Normalität zu bröckeln.

Auch wenn in dieser Stephen King-Verfilmung tatsächliche Monster im Nebel lauern, so stehen doch die inneren Dämonen jederzeit im Vordergrund. Wie jede gute Horrorgeschichte handelt der Film weniger von dem offensichtlichen Grauen, sondern wie die betroffenen Charaktere damit umgehen. Gruppendynamik ist hier das Stichwort. Sicherlich wird dieser Aspekt der Geschichte nicht gerade subtil angegangen, doch selbst die plakative Darstellung des Konfliktpotentials lässt einem als Betrachter öfter einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Neben Darabonts ausführlicher Charakterzeichnung und intensiver Inszenierung, ist vor allem das drastische Ende herauszuheben. Nicht das, was man in einem Hollywoodfilm erwarten würde. Auch wenn ich es in letzter Konsequenz nicht hundertprozentig gelungen finde, so lässt es einen doch erst einmal sprachlos zurück. Absolut kein glückliches Ende. Was ich insgesamt besser gefunden hätte? Weniger Erklärung in Bezug auf die Ursache des Nebels. Das hat meiner Meinung nach viel von der Mysterie genommen.

Mich hat Darabonts Verfilmung von „Der Nebel“ absolut positiv überrascht. Nicht der übliche Horrorfilm. In der Schwarzweiß-Fassung zudem bestimmt noch einmal eine ganze Ecke intensiver und ich freue mich jetzt bereits auf die Wiederholungssichtung. Man sollte sich nicht von den unzähligen schlechten Kritiken abschrecken lassen: 8/10 Punkte.

Hellboy 2: Die Goldene Armee – OT: Hellboy II: The Golden Army

Nach einer mehr als nur turbulenten Woche, habe ich mir gestern Abend Guillermo del Toros „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ angesehen. Nach der kürzlichen Sichtung des wunderbaren Vorgängers war ich wirklich heiß auf den Film und meine Erwartungshaltung war entsprechend aufgeheizt. Konnte das Sequel sein Versprechen einlösen?

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Diese Frage kann ich nach der Erstsichtung wohl noch nicht beantworten, was auch zu großen Teilen mit den äußeren Umständen zusammenhängt. So musste ich mich wirklich zusammenreißen nicht einzuschlafen, was ich allerdings weniger dem Film ankreiden möchte, als den energieraubenden letzten Tagen. Inszenatorisch ist die Rückkehr des roten Affen nämlich eine Wucht! Del Toros Handschrift ist deutlich zu erkennen und es wird auf die Leinwand geschleudert, was die Effektetüte so hergibt. Langweile ist insofern etwas, das man dem Film wirklich nicht vorwerfen kann.

Ich hatte teils fast schon damit zu kämpfen eine Verschnaufpause zwischen den Actionszenen zu finden. Besonders die erste Filmhälfte jagt von einem actionbetonten Schauplatz zum nächsten. Hier hätte ich mir sogar etwas mehr Zurückhaltung gewünscht oder besser gesagt mehr Charaktermomente, welche leider oft etwas auf der Strecke bleiben. Im Mittelteil des Films rücken diese glücklicherweise wieder etwas mehr in den Vordergrund und ich hatte eine Gänsehaut, als die grandiosen EELS mit BEAUTIFUL FREAK gespielt wurden – ein Song, den ich wohl seit meiner Jugend nicht mehr gehört habe. Fantastisch!

Die eigentliche Geschichte ist wohl der größte Schwachpunkt des Sequels. Zwar fand ich die Darstellung der Prämisse durch die Erzählung von Professor Broom sehr gelungen und auch die ersten Auftritte von Prinz Nuada konnten wirklich überzeugen, doch so richtig wollte sich der epische und bedrohliche Effekt nicht einstellen. Besonders das Finale fand ich eher schwach. Vielleicht war mir die Goldene Armee auch einfach zu mechanisch und plump dargestellt. Nein, das konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Eine kleine Anmerkung noch für Monsterfreunde: „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ setzt hier wohl neue Maßstäbe. Selbst wenn der Trollmarkt etwas wie eine Mischung aus der Winkelgasse und der Cantina aus „Star Wars“ wirkt, so gibt es hier doch selbst für eingefleischte Kreaturenfreunde einiges zu bestaunen. So viel sogar, dass eine Zweitsichtung wirklich nötig ist!

Für mich kann diese Fortsetzung leider nicht mit dem gelungenen Erstling mithalten. Diesen fand ich eine ganze Spur ausgewogener und auch unterhaltsamer. Dabei ist „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ alles andere als schlecht, ich hatte mir nur einfach mehr erwartet. Potential nach oben ist aber auf jeden Fall vorhanden: 7/10 Punkte.

Eine ganz andere Geschichte (Håkan Nesser)

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Kaum ist man einmal ein paar Tage ans Bett gefesselt, geht das mit dem Lesen gleich wieder viel flotter. So habe ich mir meine krankheitsbedingte Auszeit mit Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ vertrieben. Dass ich das Buch trotz Kopfschmerzen und tränenden Augen nur kaum aus der Hand legen konnte, zeugt dabei eindeutig von dessen Qualität.

Erwartungen hatte ich zu Beginn kaum an das Buch. Da es ein Geschenk war, ging ich auch völlig uninformiert an die Sache heran: Man befindet sich zunächst an der französischen Küste und lauscht einem Mann, der seine Ferienerlebnisse in Tagebuchform aufarbeitet. Es ist das Jahr 2002. Nach einem Sprung in die Gegenwart lernen wir Inspektor Gunnar Barbarotti kennen, der mysteriöse Briefe erhält. Kurz darauf geschieht ein erster Mord. Wie dieser mit den geheimnisvollen Aufzeichnungen aus dem Sommer 2002 zusammenhängt? Das sollte jeder Leser selbst herausfinden.

Aufgrund seiner Struktur erinnert mich Nessers Roman etwas an James W. Nichols Roman „Ausgesetzt“, welcher ebenfalls auf zwei inneinander verstrickten Zeitebenen spielt. Abgesehen davon erscheint „Eine ganz andere Geschichte“ oberflächlich betrachtet eher wie ein behutsamer Krimi aus dem europäischen Norden. Die Sprache ist sehr gewählt und auf anspruchsvolle Art und Weise verspielt. Nesser verliert jedoch nie den Faden und gibt seinen Charakteren eindeutig zuordenbare Stimmen. Wirklich äußerst angenehm zu lesen.

Neben der ruhigen und doch stets mitreißenden Geschichte, gewinnt der Roman vor allem durch seine liebevolle Figurenzeichnung. Selbst Nebencharaktere werden hier mit einem plausiblen Hintergrund ausgestattet. Besonders ans Herz gewachsen ist mir aber Inspektor Barbarotti, der wahrhafter wirkt als die meisten anderen Figuren in Geschichten gleichen Genres. Ein echter Typ eben. Zudem werden durch ihn auch interessante sozialkritische und religiöse sowie philosophische Fragestellungen angeschnitten. Natürlich eher am Rande und oberflächlich, aber dennoch bekommt sowohl der Charakter, als auch die Geschichte dadurch Tiefe.

Insgesamt hat mich Håkan Nessers „Eine ganz andere Geschichte“ mehr als nur positiv überrascht und ich bin mir sicher, den Autor nicht zum letzten Mal gelesen bzw. Inspektor Barbarotti nicht zum letzten Mal besucht zu haben. Große klasse, ganz besonders wenn man dringen Ablenkung benötigt: 9/10 Punkte.

Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie (Max Brooks)

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Wenn ich für ein Buch gute zwei Monate brauche, dann ist das normalerweise ein sehr schlechtes Zeichen. Bei Max Brooks „Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie“ liegt die Sache jedoch etwas anders. Zunächst einmal sollte man sich von dem selten dämlichen Titel nicht abschrecken lassen. Warum kann man aus einem „World War Z“ – so der wunderbare Originaltitel – nicht einfach ein „Weltkrieg Z“ machen? Die Zielgruppe dürfte ja ohnehin eher weniger der Fanfraktion von Marcus H. Rosenmüllers Heimatmärchen angehören.

Auch wenn man es zunächst vermuten würde, richtet sich die fiktive Interviewsammlung nicht zwangsweise an blutdürstende Zombiefanatiker. Es geht weniger darum was die Welt ins Chaos stürzt, als wie ihre Bewohner darauf reagieren. Die fiktiven Gesprächspartner berichten vom ersten Ausbruch der Epidemie, von der Großen Panik nachdem das Ausmaß der Katastrophe bekannt wird, von den offiziellen Maßnahmen der einzelnen Regierungen und von bewegenden Einzelschicksalen. Durch diese Form der Aufarbeitung der Ereignisse wird eine Realitätsnähe erreicht, welche beinahe schon beängstigend ist. Max Brooks greift zudem Ereignisse der jüngeren Geschichte auf und verarbeitet diese geschickt zu einer beißenden Satire, die einem durchwegs das Lachen im Halse stecken bleiben lässt.

So erfrischend der Gedanke hinter der fiktiven Geschichtsstunde auch ist, so ermüdend sind die Texte teils zu lesen. Die meisten Interviews sind wirklich hochspannend und unterhaltsam, andere jedoch haben sich aufgrund ihrer – sicherlich der Authentizität zutragenden – Detailverliebtheit gezogen wie Kaugummi. Ich hätte hier lieber weniger Berichte gelesen, diese dann auch gerne ausführlicher aber von Personen, welche zumindest ein gewisses Identifikationspotential besitzen und – schließlich handelt das Buch von Zombies – mehr persönliche Begegnungungen mit dem großen Z schildern. Vielleicht würde dieser Ansatz aber auch gar nicht funktionieren und die messerscharfe sozialpolitische Beobachtungsgabe des Autors (übrigens Sohn von Mel Brooks) verpuffen lassen.

Für Zombiefreunde ist „World War Z“ wohl Pflichtlektüre, welche das gerne belächelte Genre in einem ganz neuen Licht zeigt. Aufgrund der kleinteiligen Struktur muss man sich teils etwas durch das Buch kämpfen, doch wird man stets mit einer weiteren bizarren Begebenheit belohnt. Ein höchst interessantes und zugleich erschreckendes Lesevergnügen: 8/10 Punkte.