Back to the Future: The Ultimate Visual History (Michael Klastorin)

In den letzten Wochen habe ich endlich einmal wieder ein Filmbuch gelesen. Tatsächlich ist „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ genau das, was man bei dem Titel auch erwarten darf: Die ultimative Entstehungsgeschichte dieser wunderbaren Trilogie. Seit ich das Buch letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, konnte ich es bisher nur ein paar Mal durchblättern, was an sich auch schon ein tolles Erlebnis ist. Das Buch enthält unzählige Extras, wie Filmposter, Replika von Requisiten (z.B. das Foto in dem Martys Geschwister sich langsam auflösen als Wackelbild), doch auch inhaltlich hat es einiges zu bieten…

Eine unglaubliche Geschichte

Da ich mich schon länger mit Film beschäftige und „Zurück in die Zukunft“ samt seinen Nachfolgern auch zu meinen Lieblingsfilmen zählt, habe ich mich schon mehrfach mit der Entstehungsgeschichte der Trilogie beschäftigt. Somit war es für mich keine Überraschung, dass zunächst Eric Stoltz unseren zeitreisenden Jugendlichen spielen sollte oder wie aufwändig die Motion-Control-Aufnahmen des zweiten Teils waren. Dennoch war es unfassbar unterhaltsam, die Entstehungsgeschichte noch einmal in geballter Form nachzulesen. Gerade die Entwicklung der Drehbücher samt ihrer unzähligen Iterationen war unglaublich spannend und mir in diesem Detailgrad bisher noch nicht bekannt. Es grenzt aus heutiger Sicht fast schon an ein Wunder, dass Bob Gale und Robert Zemeckis der ersten Teil der Trilogie überhaupt produziert bekommen haben. Ich kann jedem Fan der Filme nur empfehlen, sich ausführlich mit der Produktionsgeschichte auseinanderzusetzen – und besser als mit „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ geht das nicht.

Weit mehr als ein Coffee-Table-Book

Auch wenn das großformatige Buch viele Bilder enthält, so ist es doch keinesfalls nur ein Bildband. Die Texte sind nicht nur inhaltlich wertvoll, sondern auch gut geschrieben und wirklich unterhaltsam. Im Kern steht die tatsächliche Produktionsgeschichte, die Drehwoche für Drehwoche minutiös wiedergegeben wird. Aufgelockert werden diese langen Textpassagen durch aktuelle Interviews mit Bob Gale, Robert Zemeckis, Lea Thompson, Michael J. Fox, Christopher Lloyd und noch mehr beteiligten Personen. Autor von „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ ist übrigens Michael Klastorin, der die Produktion der Filme damals auch als Pressekontakt begleitet hat. Diese Rolle hat ihm fundierte Einblicke samt wertvoller Kontakte gegeben, auf die er beim Schreiben des Buches zurückgreifen konnte. Diesen qualitativen Unterbau merkt man auf jeder einzelnen Seite.

Fazit

Wer Filme und speziell „Zurück in die Zukunft“ liebt, der darf sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Selten habe ich ein so liebevoll aufbereitetes Filmbuch gelesen – und zwar sowohl inhaltlich als auch was die Aufmachung angeht. Aus der Reihe gibt es übrigens noch weitere Bücher, die u.a. „Ghostbusters“ zum Thema haben. Also liebe Filmfreunde, dann lest einmal wieder ein Buch: 10/10 Punkte.

Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 3: Acceptance (Jeff VanderMeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 3: Acceptance (Jeff Vandermeer)Nachdem mich ein fieser Infekt komplett ausgeknockt hatte, war es in der letzten Woche sehr ruhig auf meinem Blog. Die ersten fünf Tage konnte ich aufgrund hohen Fiebers und hämmernder Kopfschmerzen nicht einmal lesen und habe nur geschlafen. Auch wenn ich noch ziemlich angeschlagen bin, so geht es doch deutlich aufwärts, sprich ich habe die neu gewonnene Energie genutzt und mit „Acceptance“ endlich den letzten Teil der Southern-Reach-Trilogie zu Ende gelesen. Nach „Annihilation“ und „Authority“ war ich sehr gespannt, wie Jeff VanderMeer seinen ungewöhnlichen Sci-Fi-Horror abschließt. Ob alle Fragen geklärt werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

„You could know the what of something forever and never discover the why.“

War die Richtung, die VanderMeer mit „Authority“ eingeschlagen hatte, für mich eher eine Abkehr von den Stärken des ersten Teils, so bringt er im Abschluss seiner Trilogie alles zusammen. Ganz bewusst erzählt er die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven weiter, die teils auch in gänzlich unterschiedlichen Zeitebenen verortet sind. So erfahren wir viel aus der Vergangenheit des Leuchtturmwärters Saul Evans, erfahren wie die ehemalige Direktorin des Southern Reach mit ihm in Beziehung steht und begleiten Control und Ghost Bird abermals auf eine Expedition in Area X. In seiner zwar fragmentarischen, aber doch inhaltlich aufeinander abgestimmten Erzählweise, hat das für mich wunderbar funktioniert. Ich hätte mir sogar gewünscht, dass VanderMeer schon früher diese Erzählform gewählt hätte, denn gerade große Teile des direkten Vorgängers wirken nun umso konstruierter und im Rahmen der Geschichte eher ablenkend bzw. nehmen einen zu großen Teil davon ein.

Wer am Ende des Buches die vollständige Aufklärung aller aufgeworfenen Fragen erwartet, der dürfte bitter enttäuscht werden. Es gibt zwar einige Anhaltspunkte bzw. Hinweise für eigene Interpretationen, doch was es mit Area X ganz explizit auf sich hat oder was die agierenden Personen für eine Rolle spielen, bleibt doch stark dem Leser überlassen. Für mich ist das allerdings kein Nachteil, denn ich werde in den nächsten Tagen und Wochen gedanklich bestimmt noch öfter zum Leuchtturm, dem Tunnel, Saul, Ghost Bird und den anderen zurückkehren.

Fazit

Für mich hat Jeff VanderMeer mit „Acceptance“ einen ziemlich perfekten Abschluss seiner Trilogie geschaffen. Besonders erstaunt war ich, wie emotional die Handlung doch plötzlich wird. Gerade die Erzählstränge von Saul Evans und Gloria haben mich doch sehr berührt. Das hätte ich zu Beginn der Reihe nicht erwartet. Nun freue ich mich schon sehr auf die Verfilmung von „Annihilation“ und werde, sobald mein Kopf wieder einen Film durchhält, bestimmt darüber berichten. Wer ungewöhnliche Sci-Fi-Literatur sucht, der sollte unbedingt zugreifen: 9/10 Punkte.

Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 2: Authority (Jeff Vandermeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 2: Authority (Jeff Vandermeer)Während ich „Annihilation“, den ersten Teil der Southern-Reach-Trilogie, noch innerhalb eines Monats verschlungen hatte, habe ich am Nachfolger „Authority“ deutlich länger gelesen. Größtenteils liegt das wohl am famosen Sommer, denn die Zeit für entspannte Lesestunden war aufgrund der Konkurrenz durch Freibad und Co. deutlich reduziert. Doch auch inhaltlich gestaltete sich Jeff Vandermeers sperriger als gedacht, denn die Fortsetzung bewegt sich in eine Richtung, die ich zuvor so nicht erwartet hatte. Ob sich das Weiterlesen dennoch lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

„So long as you don’t tell people you don’t know something, they’ll probably think you know it.“

Alles ist anders. Wir befinden uns nicht mehr in Area X und mit Control wird uns eine komplett neue Hauptfigur vorgesetzt. Puh. Der Handlungsort ist in diesem zweiten Buch das Hauptquartier der geheimnisvollen Organisation The Southern Reach, die bei genauerer Betrachtung wie eine angestaubte Division der CIA der 70er Jahre wirkt. Überall Bürokratie und nur wenig Wissenschaft oder Horror. Zwar setzt der Autor diese Elemente immer noch zielsicher ein und kreiert teils eine Atmosphäre, die von Paranoia und Unwohlsein geprägt ist, jedoch bleibt am Ende ein recht karges und trockenes Gesamtbild übrig. Gerade im letzten Viertel nimmt die Geschichte dann ein wenig mehr Fahrt auf, was ich durchaus positiv wahrgenommen habe. Doch selbst die großen Enthüllen empfand ich nicht als sonderlich überraschend.

Ziemlich begeistert war ich wieder von Jeff Vandermeers Sprache, die – ähnlich zum Vorgänger „Annihilation“ – eine perfekte Spiegelung des Inhalts ist. Man kann sich wunderbar in Control hineinversetzen, der gegen das System und die bedrückende Umgebung des Southern-Reach-Hauptquartiers ankämpft. Dennoch hätte ich mir hier ein wenig mehr Fokus auf die eigentliche Geschichte gewünscht.

Fazit

Inzwischen habt ihr bestimmt bemerkt, dass ich von „Authority“ nicht ganz so begeistert war, wie noch von „Annihilation“. Das Buch ist gut geschrieben und ich verstehe auch, warum Vandermeer diese Richtung eingeschlagen hat. Mir ist es aber zu viel Paranoia-CIA-Thriller und zu wenig Sci-Fi-Horror. Das Finale weckt die Hoffnung, dass es in „Acceptance“ wieder in die andere Richtung geht. Oder in eine ganz andere. Ich bin auf jeden Fall gespannt: 7/10 Punkte.

Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 1: Annihilation (Jeff Vandermeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 1: Annihilation (Jeff Vandermeer)Wer hat nicht von Alex Garlands Sci-Fi-Thriller „Auslöschung“ gehört, dem in Europa ein Kinostart verwehrt blieb und der direkt bei Netflix ins Programm kam? Ich hatte den Trailer gesehen und mich extrem auf den Film gefreut. Kein Wunder, war Garlands Regiedebüt „Ex Machina“ doch ein fantastischer Genrefilm. Aus oben genannten Gründen wurde aus der Sichtung im Kino jedoch nichts, weshalb ich mich vorerst auf die Vorlage konzentriert und mir somit Jeff Vandermeers „Area X – The Southern Reach Trilogy“ zugelegt habe. Das erste Buch „Annihilation“ habe ich inzwischen gelesen und werde mich auch sogleich in die Fortsetzung stürzen…

„What can you do when your five senses are not enough?“

Ich hatte mich vor dem Lesen nicht sonderlich mit der Handlung auseinandergesetzt und wusste nur, was mir noch vom Trailer des Films in Erinnerung war: Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen bricht in eine als Area X betitelte Zone auf, in der es zu mysteriösen Vorfällen kommt. Im Grunde lässt sich das Buch damit auch recht gut beschreiben, zumindest was den reinen Inhalt angeht. Spannender wird es, wenn man sich mit der Form auseinandersetzt. Jeff Vandermeer wählte eine klassische Ich-Erzählerin samt aller damit verbundener Konsequenzen. Sehr kunstvoll baut er eine Gedankenwelt auf, die einerseits wissenschaftlich beobachtend ist (wir nehmen die Rolle einer Biologin ein), andererseits aber auch stark Richtung Wahnsinn driftet. Der Sog, der von Area X, dem Leuchtturm, dem Tunnel und der ungewöhnlichen Flora und Fauna ausgeht, ist unfassbar hypnotisch beschrieben. Gerade weil wir den Bericht der Biologin (wir erfahren ihren Namen nicht) lesen, können wir ihrer Gedankenwelt nicht entfliehen.

„Annihilation“ schwebt irgendwo zwischen Wissenschaftsthriller, Abenteuerroman und Horror, wobei der letzte Aspekt auf mich am stärksten gewirkt hat. Da sich die Biologin selbst nicht sicher ist, was sie eigentlich erlebt, wirkt ihr Bericht umso mysteriöser. Durch die teils minutiöse Beschreibung der in Area X vorherrschenden Tier- und Planzenwelt, ensteht der Eindruck einer organischen Haptik, was eine ganz besondere Art von Horror heraufbeschwört. Ich kann es nur schwer beschreiben, doch sollte damit euer Interesse geweckt sein, dann kann ich euch nur empfehlen, selbst einmal reinzulesen. Vielleicht sind die Werke von David Cronenberg (Stichwort: Body-Horror) eine gute Referenz.

Fazit

Wirkliche Antworten auf die mannigfaltigen Rätsel sollte man im ersten Band der Southern-Reach-Trilogie nicht erwarten. Das macht aber auch nichts, denn mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt. Auch wenn das erste Buch noch ein wenig wie ein Fragment wirkt, so habe ich doch die Hoffnung, dass Jeff Vandermeer auf ein großes Gesamtbild hinarbeitet. Alleine aufgrund des ungewöhnlichen Stils eine dicke Empfehlung für Genre-Freunde: 8/10 Punkte.

Übrigens habe ich mir inzwischen die Blu-ray von Alex Garlands Verfilmung aus den USA importiert, da es in Europa keine physische Veröffentlichung des Films gibt. Eine Schande! 😠

Death’s End (Cixin Liu)

Death's End (Cixin Liu)Zumindest etwas Gutes hat der Magen-Darm-Virus ja, der uns ausgerechnet im Urlaub befallen hat… nein, das stimmt nicht. Er ist absolut nichts Gutes daran. Wirklich nicht. Dennoch habe ich es nach den ersten zweit Tagen, an denen ich mich zu absolut nichts aufraffen konnte, geschafft endlich Cixin Lius „Death’s End“ fertig zu lesen. Der Abschluss der „Remembrance of Earth’s Past“-Trilogie und damit der direkte Nachfolger von „The Dark Forest“ hatte mich trotz seiner Komplexität (oder gerade deshalb) wirklich in seinen Bann gezogen. Noch stärker als bereits in „The Three-Body Problem“ oder dem direkten Vorgänger, schafft es Cixin Liu eine unglaubliche Fülle an an wissenschaftlichen Ideen zu präsentieren und dabei dennoch einen fast romantischen Erzählton beizubehalten…

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The Dark Forest (Cixin Liu)

Es ist erschreckend: Nachdem ich von „The Three-Body Problem“ extrem begeistert war und ich das Buch für meine Verhältnisse recht schnell verschlungen hatte, saß ich am Nachfolger „The Dark Forest“ ungefähr ein halbes Jahr. Zwar ist auch der Umfang gewachsen, doch letztendlich bin ich einfach noch weniger zum Lesen gekommen als zu Beginn des letzten Jahres. An der Qualität der Geschichte liegt es glücklicherweise nicht und Autor Cixin Liu baut das von ihm geschaffene Universum konsequent weiter aus. Dennoch, oder gerade deshalb, beschreitet die Geschichte ganz neue Wege, was uns einen faszinierenden Einblick in die Zukunft der Menschheit werfen lässt…

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The Three-Body Problem (Cixin Liu)

Zum unserem Jahrestag hat mich meine Frau mit mehreren Büchern bedacht. Darunter befand sich auch der chinesische Sci-Fi-Roman „The Three-Body Problem“ in der englischen Übersetzung (im Deutschen ist das Buch übrigens unter dem Titel „Die drei Sonnen“ bekannt). Ich wusste zuvor überhaupt nichts über den Roman bzw. die Trilogie und war zu Beginn zugegebenermaßen ziemlich skeptisch, hatte ich zuvor doch noch nie chinesische Hard-Sci-Fi gelesen. Meine anfängliche Skepsis sollte jedoch schon bald einer großen Faszination weichen, die Cixin Liu mit seiner epischen Geschichte aufbaut…

Chinesische Kulturrevolution und Virtual Reality

Der Roman beginnt während der chinesischen Kulturrevolution und transportiert auf den ersten Seiten fast das Gefühl eines Geschichtsromans. Ich muss zugeben, davor nicht viel über diese Zeit in der chinesischen Geschichte gewusst zu haben und war erfreut, mehr darüber zu erfahren. Besonders hilfreich waren die Fußnoten des Übersetzers Ken Liu, der viele Hintergrundinformationen ergänzt, die amerikanischen oder europäischen Lesern meist fehlen dürften. Überhaupt ist die Übersetzung, soweit ich das beurteilen kann, sehr gelungen und ich kann die englischsprachige Ausgabe allen interessierten Lesern nur ans Herz legen. Selbst komplexe, wissenschaftliche Themen werden verständlich wiedergegeben und ich hatte nie das Gefühl, nicht mit der Handlung mitzukommen. Allerdings muss ich sogleich eine Warnung aussprechen, denn teils geht Cixin Liu schon sehr in die Tiefe, was mathematische oder physikalische Modelle und Konzepte angeht.

Im weiteren Verlauf des Romans gibt es etliche Wendungen und neue Ausrichtungen, die ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen möchte. Es ist schon ein ziemliches Kunststück, dass am Ende alles zusammenpasst und nicht fragmentiert oder zu konstruiert wirkt. Die Geschichte entspringt ganz persönlichen, kleinen Ereignissen und entwickelt sich zu einer unglaublichen, epischen Größe. Dies hätte ich zu Beginn so nicht erwartet. Das titelgebende Three Body-Problem steht gleichzeitig für eine weitere Handlungsebene, die komplett in einer Virtual-Reality-Umgebung spielt und die ich wirklich faszinierend fand. Natürlich werden dabei Erinnerungen an „Ready Player One“ wach und ich fand es spannend zu lesen, wie unterschiedlich man das Konzept der virtuellen Welten doch umsetzen kann.

Das dritte große Thema ist, wenn man sich erst einmal eingelesen hat, keine große Überraschung mehr. So wie es jedoch in die Geschichte integriert wird, all die wissenschaftlichen Ideen und Konzepte – wow, das habe ich zuvor noch nirgendwo anders gelesen. Der Roman ist dadurch ziemlich komplex und hält uns Leser fast schon ein wenig auf Distanz. Ich fand dies ziemlich ungewohnt, jedoch nicht schlecht – einfach eine andere Art der Unterhaltung, sehr spannend.

Fazit

Auch wenn ich während meines Urlaubs nicht so viel zum Lesen gekommen bin, wie ich mir das gewünscht hatte, so hat mich „The Three-Body Problem“ doch ziemlich für sich vereinnahmt. Dranbleiben lohnt sich, auch wenn es bestimmt nicht das einfachste Buch für den entspannten Feierabend ist. Ich bin nun schon gespannt, wie es mit der Geschichte weitergeht und habe mir noch während des Lesens sogleich die beiden Fortsetzungen „The Dark Forest“ und „Death’s End“ zugelegt. Ungewohnt, fordernd und dabei doch sehr unterhaltsam: 9/10 Punkte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (David Levithan)

Schon seit mir „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ bei einer Besprechung der Ergothek aufgefallen ist, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Kurz darauf hatte es meine Frau zufällig gekauft, woraufhin es direkt auf meine Liste der fünf Bücher, die ich 2017 lesen möchte gewandert ist. Nun bin ich damit durch und lasse die Geschichte Revue passieren. Eine ungewöhnliche Geschichte, eine Geschichte mit Konzept. Doch was hat David Levithans Roman tatsächlich über seine außergewöhnliche Prämisse hinaus zu bieten?

Jeden Tag ein anderes Leben

Normalerweise spare ich mir ja die Zusammenfassung des Inhalts und beschränke mich auf den Eindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat. Hier jedoch möchte ich aber wenigstens kurz auf die Geschichte von A eingehen, der jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht und somit jeden Tag ein anderes Leben lebt. Da der Protagonist selbst Jugendlicher ist, sind auch die Personen, in die er Tag für Tag schlüpft, in diesem spannenden Lebensabschnitt verortet. Auch wenn sich die unterschiedlichen Leben in manchen Aspekten durchaus ähneln, so gibt es teils doch eklatante Unterschiede. Interessant wird die Geschichte als sich A verliebt und Rhiannon von seinem unglaublichen Leben erzählt. Der Versuch eine Beziehung aufzubauen, die länger als nur einen Tag andauert, ist der Kern des Romans. Darüber hinaus schneidet David Levithan noch viele andere Themen an, was „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu einem wirklich famosen Jugendbuch macht.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Leben driftet A einerseits ohne Anker durch die Welt, andererseits hat er auch eine wunderbar freie Perspektive auf Sexualität und Geschlechterrollen. A ist weder weiblich noch männlich und fühlt sich in beiden Geschlechtern zu Hause. Ein in dieser Hinsicht wirklich erfrischend unkomplizierter Held, gerade in einem Jugendbuch. Den unzähligen Körpern, die unsere Hauptfigur durchwandert, und von denen jeder einzelne eine ganz eigene Geschichte besitzt, steht der behutsame Aufbau der Beziehung zu Rhiannon gegenüber. Auch hier ist es sehr erfrischend wie anders und gleichzeitig doch bekannt die Liebesgeschichte wirkt. A und Rhiannon haben einerseits mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, als der Standard-Teenager, die emotionale Basis bleibt jedoch stets nachvollziehbar und kann leicht auf die eigenen Erfahrungen transferiert werden.

Fazit

Ich habe „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ wirklich sehr gerne gelesen und A unglaublich gerne bei seinen unsteten Abenteuern begleitet. Am Ende gibt es keine Erklärungen, nur einen vorsichtigen Blick auf eine mögliche größere Geschichte. A bleibt seinen (oder ihren) Prinzipien jedoch treu und handelt entgegen aller erwartbaren Klischees, was mir – trotz des scheinbar unbefriedigenden Ausgangs – ziemlich imponiert hat. Ein tolles Buch: 9/10 Punkte.

Hast du den Nachfolgeroman „Letztendlich geht es nur um dich“ gelesen? Dann freue ich mich ganz besonders über einen Kommentar samt persönlicher Einschätzung… 🙂

Alien the Archive: The Ultimate Guide to the Classic Movies (Mark Salisbury)

Neben viel Fiktion und Bergsteiger-Literatur habe ich endlich einmal wieder ein richtiges Sachbuch in die Hand genommen. Und welches Thema liegt da näher als eine meiner liebsten Filmreihen? Mit „Alien the Archive: The Ultimate Guide to the Classic Movies“ habe ich mich in die Produktionsgeschichte der vier ursprünglichen Alien-Filme begeben und hatte enorm viel Spaß dabei. Da ich meist nur abends im Bett zum Lesen gekommen bin, sollte ich noch eine Warnung aussprechen: Man kann von dem großformatigen Wälzer leicht erschlagen werden…

Zunächst einmal muss ich die Aufmachung loben: Das Buch ist, wie schon erwähnt, wunderbar großformatig, was die unzähligen Fotos und Skizzen hervorragend zur Geltung bringt. Hinzu kommt eine sehr gute Verarbeitungsqualität und wenn man den Schutzeinband entfernt, wird man von einem geprägten Storyboard-Panel überrascht, das einen Alien-Angriff zeigt. Dadurch alleine lädt „Alien the Archive“ schon zum Schmökern ein und man könnte es wahrlich perfekt als Coffee-Table-Book verwenden, gäbe es nicht auf nahezu jeder Seite gruselige Monster und blutige Details. Besonders interessant fand ich hier Konzeptzeichnungen, die belegen wie viele Gedanken sich die Designer gemacht haben. Absolut großartig. Kein Wunder, dass die Reihe bis heute so wunderbar zeitlos ist.

Auch inhaltlich war es schön das Wissen um „Alien“ zu vertiefen bzw. noch einmal in gedruckter Form zu lesen, denn wirklich neu war für mich nicht viel. Gerade die Making-of-Dokumentationen auf der Blu-ray-Edition gehen unglaublich detailliert auf die Entstehungsgeschichte der vier Filme ein und klammern dabei auch kritische Passagen nicht aus. Wer diese kennt, wird von „Alien the Archive“ nur wenig Neues mitnehmen können. Dennoch ist das Buch gut geschrieben und wartet mit den wichtigsten Fakten rund um die „Alien“-Reihe auf. Es gibt ein paar neue Interviews und Informationen zu den alternativen Szenen und Schnittfassungen. Insgesamt also ein rundes Paket für Fans und solche, die es werden wollen.

Aufgrund seiner Aufmachung und den unzähligen Set-Fotos und Skizzen, ist das Buch ein Schmuckstück in jedem Regal. Man bekommt viel für sein Geld, sollte jedoch nicht erwarten neue Einsichten in die Produktionsgeschichte der Filme zu bekommen. Wer damit leben kann, erhält mit „Alien the Archive: The Ultimate Guide to the Classic Movies“ ein famoses Nachschlagewerk rund um das beste Sci-Fi-Horror-Franchise der Filmgeschichte: 9/10 Punkte.

Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2 (Graham Bowley)

Zu unserem siebzehnten(!) Jahrestag hat mir meine Frau ein Buch geschenkt, mit dem ich abermals vom sicheren Sofa aus in die Berge aufbrechen konnte. Graham Bowleys „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ zeichnet sehr detailliert die Tragödie am K2 im Sommer 2008 nach, bei der elf Bergsteiger ums Leben kamen. Dabei erinnert das Buch inhaltlich natürlich stark an „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“, in dem Jon Krakauer eine ähnlich gelagerte Katastrophe nachzeichnet, die 2015 auch Thema des sehenswerten Kinofilms „Everest“ war. Ob mich auch Bowleys Bericht völlig für sich vereinnahmen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Normalerweise lese ich an einem Buch gut ein paar Monate. Grund dafür ist, dass ich tagsüber nicht mehr zum Lesen komme und sich auch abends nur Zeit dafür findet, wenn ich kurz vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten abarbeite. Dabei liebe ich lesen und habe früher locker ein bis zwei Bücher pro Woche verschlungen. Für „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ habe ich 10 Tage benötigt, entsprechend kurz waren meine Nächte. Auch tagsüber habe ich jede freie Minute zum Lesen genutzt. Doch warum faszinieren mich diese Berichte über Katastrophen in den Bergen des Himalajas so sehr? Seit jeher fühle ich mich von den Bergen angezogen, doch bin ich selbst – abseits vom ganz normalen Bergwandern – kein Bergsteiger und Berichte über sonstige Katastrophen oder Tragödien lassen mich eher kalt. So richtig kann ich meine Faszination für das Thema also nicht einordnen, vermute aber dass sie einer Mischung aus Bewunderung, Sehnsucht und morbider Neugier entspringt.

Im Gegensatz zu Jon Krakauer war Graham Bowley nicht an der dokumentieren Expedition beteiligt. Er hat die Tragödie als Journalist aufgearbeitet, viele Interviews geführt und sehr detailliert recherchiert. Im Buch finden sich auch Quellenangaben zu jedem einzelnen Interview und Informationsschnipsel. Der Autor erwähnt auch widersprüchliche Aussagen und zeigt auf, dass sich nicht jede Begebenheit eindeutig rekonstruieren lässt. Dennoch (oder gerade deshalb) ist diese genaue Schilderung des 2008er Unglücks am K2 umso faszinierender.

Nachdem ich in Jon Krakauers Buch einiges über die Geschichte der Bezwingung des Mount Everest gelernt habe, kenne ich dank Graham Bowley nun auch einige spannende Geschichten über die Versuche am K2. Mit „K2: Siren of the Himalayas“ habe ich gestern bereits angefangen, mich auch filmisch auf den K2 zu begeben. Die Dokumentation über die im Buch geschilderte Katastrophe „The Summit“ steht demnächst auf dem Programm. Ich kann das Buch wirklich jedem nur ans Herz legen, der meine Faszination auch nur ein wenig nachvollziehen kann: 10/10 Punkte.