Downton Abbey – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

Kann es in der aktuellen Situation eine bessere Serie geben als diese? Um das Großprojekt „Downton Abbey“ bin ich schon lange herumgeschlichen und jetzt schien mir der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein. Gut, dass ich gewartet hatte! Diese Serie bietet einfach den perfekten Eskapismus in Zeiten der Corona-Krise. Wenn ihr also für die nächsten paar Wochen in die Vergangenheit abtauchen wollt, in der ganz andere Probleme (von der Episode mit der Spanischen Grippe einmal abgesehen) herrschten, dann ist diese Historienserie perfekt für euch… 🏰

Downton Abbey | © Universal Pictures Germany GmbH

Downton Abbey | © Universal Pictures Germany GmbH

Ich habe den Hype um „Downton Abbey“ nie verstanden. Wirklich nicht. Historische Settings ohne Schlachten oder großes Drama sind nicht so wirklich mein Ding. Aber die positiven Kritiken haben mich dann doch gelockt, ohne dass ich wirklich gehofft hatte, dass die Serie bei mir klickt. Nach der Sichtung der sechs Staffeln, die sich über die letzten eineinhalb Monate gezogen hat (was für mich wirklich schnell ist), bin ich nun großer Fan dieser historischen Seifenoper. Wer hätte das gedacht? 😍

Staffel 1: Willkommen auf Downton Abbey

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell ich in die Welt von „Downton Abbey“ hineingezogen wurde. Durch die zwei Perspektiven ergibt sich eine stets spannende und abwechslungsreiche Dynamik. Die Sprache ist wunderbar verspielt und angenehm altmodisch. Überhaupt wirkt die Serie so ganz anders als vieles, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Eben eine wahrhaftige Historienserie. Ich wurde schnell warm mit den Figuren und den Themen, die sie bewegen. Der Einstieg über den Untergang der Titanic was sehr geschickt gewählt, da jeder Zuschaue dieses Unglück kennt und sich die in James Camerons Film dargestellte Klassengesellschaft auch in der Serie wiederfindet. Die Beziehung zwischen Aristokratie und Bediensteten wird von Julian Fellowes ein wenig zu positiv gezeichnet, was aber auch einen Teil des Charmes der Serie ausmacht. Sie lullt uns Zuschauer durch ihr gemächliches Tempo, die schönen Bilder, den wundervollen Score und die pointierten Dialoge ein. Es werden jedoch auch kritische Dinge angesprochen und ich bin sehr gespannt, wie sich die Serie weiterentwickelt. Die ersten sieben Episoden bieten auf jeden Fall herausragende Unterhaltung und ich kann gut verstehen, warum die Serie so populär geworden ist: 9/10 (9.4) Punkte.

Staffel 2 inklusive „Christmas at Downton Abbey“

Die zweite Staffel springt direkt in den Ersten Weltkrieg. Doch nicht nur an der Front, die wir durch Matthew Crowleys (Dan Stevens, „The Guest“) Augen erleben, sind die Auswirkungen spürbar. Auch in Downton Abbey ändert sich so einiges, wird das altehrwürdige Haus doch zu einem Erholungszentrum für Kriegsheimkehrer. Was diese ungewöhnliche Situation mit den Figuren macht, nimmt einen Großteil der Staffel ein. Gerade die bisher eher im Hintergrund agierenden Töchter Edith und Sybil spüren plötzlich einen Sinn in ihrem Leben und entwickeln sich weiter, was ich für die gesamte Serie enorm wichtig und positiv fand. Auch viele andere Handlungsstränge nehmen ordentlich Fahrt auf. Teils driften die Geschichten hier (noch mehr) in Richtung Seifenoper ab, was schon immer Bestandteil der Serie war, inzwischen aber teils eher übertrieben wirkt. Die erste Spezialepisode in Spielfilmlänge hat mir sehr gut gefallen, da sie sich tatsächlich noch einmal etwas besonderer und größer angefühlt hat und zudem auch inhaltlich einiges bewegt wurde. Eine sehr gelungene zweite Staffel: 9/10 (9.3) Punkte.

Staffel 3 inklusive „A Journey to the Highlands“

Das dritte Jahr fühlt sich nach den Kriegswirren wieder deutlich mehr nach dem „Downton Abbey“ der ersten Staffel an. Doch der Eindruck täuscht. Die Welt hat sich verändert und alle Figuren müssen lernen damit umzugehen. Neben diesen ohnehin spannenden Entwicklungen, geht es um persönliches Glück (ja, Mary und Matthew finden endlich zusammen) und schwere Schicksalsschläge. Damit hätte ich nicht gerechnet, speziell da die Familie relativ glimpflich aus der Spanischen Grippe gekommen war. Plötzlich beginnen die Grenzen zwischen Oben und Unten zu verschwimmen, was der Serie gut tut. Nach der Trauerphase nimmt die Handlung wieder Fahrt auf und die Geschichte entwickelt sich unerwartet versöhnlich und positiv für alle Figuren. Speziell die finale Spezialepisode „A Journey to the Highlands“ ist gar wunderbar verspielt und treibt die Handlung dennoch gekonnt voran. Fast schon zu schön um wahr zu sein. Und natürlich kommt am Ende auch noch ein Schlag in die Magengrube. Puh. Somit deckt die dritte Staffel von „Downton Abbey“ ein breites Spektrum an Emotionen ab, was mir sehr gut gefallen hat: 9/10 (9.4) Punkte.

Staffel 4 inklusive „The London Season“

Die vierte Staffel beginnt inhaltlich konsequenterweise wenig erbaulich, doch auch technisch war ich zunächst abgeschreckt: Anscheinend hat man eine andere Kamera verwendet, denn die ersten beiden Episoden (und das Special) sehen erschreckend digital aus. Ab der dritten Episode hatte ich mich entweder daran gewöhnt oder aber die Macher haben ihre Technik noch einmal angepasst. Vermutlich fällt das sonst auch niemandem auf, doch mich reißt Videolook (siehe auch HFR) jedes Mal aus der Geschichte raus. Hier war es glücklicherweise nicht so schlimm. Inhaltlich hätte ich eigentlich vermutet, dass die Autoren den Figuren nach dem Schicksalsschlag eine kurze Pause gönnen, doch es geht mir dramatischen Ereignissen weiter, die auch erst im weiteren Verlauf der Staffel aufgelöst werden. Dafür wird die Handlung gegen Ende leichter und es gibt ein paar wirklich herzerwärmende Szenen, die sich hauptsächlich im Kreise der Bediensteten abspielen. Insgesamt kann „Downton Abbey“ das hohe Niveau definitiv halten und ich hatte wieder viel Spaß mit dieser famos ausgestatteten und gespielten Seifenoper: 9/10 (9.3) Punkte.

Staffel 5 inklusive „A Moorland Holiday“

Auch das fünfte Jahr in „Downton Abbey“ hat einiges an Drama zu bieten. Dennoch empfand ich die Staffel insgesamt leichter als die beiden davor. Vielleicht weil es keine einschneidenden Todesfälle gibt. Dafür war die Geschichte rund um Edith und Marigold ziemlich anstrengend und auch die beständige Bedrohung von Mr. und Mrs. Bates hätte ich so ausufernd nicht (noch einmal) erleben müssen. Aber das sind eben die Soap-Opera-Bestandteile der Serie. Dafür mochte ich so manche Entwicklung wirklich gerne, besonders was Mrs. Hughes und Mr. Carson angeht oder auch die sich weiter entwickelnde Beziehung zwischen Mrs. Patmore und Daisy. Ja, da war viel fürs Herz dabei. Mit am besten gefallen hat mir abermals die Freundschaft von Violet und Isobel Crawley, welche kongenial von Maggie Smith (Professorin McGonagall aus „Harry Potter“) und Penelope Wilton (die Königin aus „BFG: Sophie & der Riese“) gespielt werden. Das Finale „A Moorland Holiday“ ist, im Vergleich zu so mancher Staffel zuvor, dann auch wieder so versöhnend, dass man das Herrenhaus mit einem guten Gefühl verlässt. Ich hoffe so wird es mir auch nach dem letzten Jahr mit den Granthams und ihren Bediensteten gehen: 9/10 (9.3) Punkte.

Staffel 6 inklusive „The Finale“

Die gesamte finale Staffel fühlt sich an wie ein langer Abschied. Alle losen Fäden werden aufgenommen und für nahezu alle Charaktere gibt es einen versöhnlichen Abschluss. Das ist alles vielleicht nicht sonderlich realistisch, aber doch ganz wunderbar anzusehen. Ich hatte nach jeder Episode das Gefühl, dass ich Downton einfach noch nicht verlassen möchte. Ganz schlimm. So ist es mir schon lange nicht mehr mit einer Serie gegangen. Am unterhaltsamsten fand ich wohl die Darstellung der Ehe zwischen Mrs. Hughes und Mr. Carson. So viele unfassbar lustige Szenen. Aber auch alles rund um Mrs. Patmore und Daisy oder Mr. Molesley war einfach nur großartig. Sehr nahe gegangen ist mir auch die Entwicklung von Thomas Barrow, eine der ohnehin spannendsten Figuren der Serie. Alles was Oben stattgefunden hat war wieder einmal eine große Seifenoper, doch selbst hier wurden schöne Abschlüsse für alle Charaktere gefunden. Ganz besonders die abschließende Weihnachtsepisode „The Finale“ ist in jeder Hinsicht herrliches Wohlfühlkino. Komplett übertrieben auf Happy End gebürstet, doch habe ich eine Serie selten mit solch einem wohligen Gefühl verlassen. Was werde ich „Downton Abbey“ und ihre Bewohner doch vermissen: 10/10 (9.8) Punkte.

Fazit

Nach den 52 Episoden von „Downton Abbey“ bin ich wirklich begeistert von dieser Serie. Nein, sie ist nicht in jeder Hinsicht perfekt oder steht der porträtierten Klassengesellschaft ausreichend kritisch gegenüber, aber das war vermutlich auch nicht der Anspruch. Als Seifenoper mit historischem Setting und großartigen Charakteren sowie Schauspielern hat mich Julian Fellowes‘ Serie jedoch voll und ganz überzeugt. Es ist eine der wenigen Serien, bei denen ich mir vorstellen kann, noch einmal einen kompletten Durchgang anzugehen. Nun freue ich mich jedoch erst einmal auf den abschließenden Kinofilm: 9/10 (9.4) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

14 Gedanken zu “Downton Abbey – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

  1. So wie dir ging es mir auch. Erst musste mich meine Frau ständig nötigen doch endlich die Serie mit ihr zu schauen und dann konnte ich die Finger nicht mehr davon lassen. Downton Abbey ist wirklich gut geschrieben, gespielt und inszeniert.

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  2. Verdammt, da zeigst du mir ganz klar eine Lücke in meiner TV-Serien-Vita auf. Und Ich hätte durchaus Lust auf pointierte Dialoge, mein Bruder wäre bei Downtown Abbey sicherlich auch dabei, zumal darin bestimmt keine Sex- und Pimmelwitzchen oder exzessive Gewaltszenen vorkommen (also, das nehme ich jetzt mal an, sonst wäre mein Eindruck des britischen Königreichs Anfang des 20. Jahrhunderts auf tragische Weise zerstört).

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    • Da kannst du völlig entspannt an die Serie herangehen. Ein verbittert gemurmeltes „Golly!“ ist schon das höchste an Schimpfwörtern. Teils wird es schon sehr überraschend dramatisch und Gewalt gibt es auch, aber nicht auf GoT-Niveau und stets im Kontext der Zeit und Handlung. Insofern sollte es durchaus Bruder-kompatibel sein… 🙂

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    • Läuft ja nicht weg die Serie. Ist auf jeden Fall ein schönes Serienprojekt mit etlichen Episoden, aber auch nicht so endlos wie andere Serien. Wenn du reinschaust: Viel Spaß damit! 🙂

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