The Terror – Season 1

Mit „The Terror – Season 1“ habe ich mich einmal wieder einer Serie gewidmet, die durch eine Empfehlung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts auf Platz 1 meiner niemals enden wollenden Serienliste gewandert ist. Die bei uns exklusiv auf Prime Video laufende AMC-Produktion war bei mir schon zuvor auf dem Radar (speziell durch Ridley Scott als ausführenden Produzenten), doch ohne die Besprechung hätte ich wohl nicht so zeitnah reingeschaut. Ob sich die Sichtung für mich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

The Terror – Season 1 | © AMC

The Terror – Season 1 | © AMC

Lasst alle Hoffnung fahren

Es gab in meinem Programm wohl schon lange keine Serie mehr, die sowohl formal als auch inhaltlich so monoton und trostlos daherkommt wie „The Terror“. Dies liegt einerseits an der landschaftlichen Ödnis, andererseits aber auch an der repetitiv wirkenden Handlung. Es ist keine eingängige und leichte Serie. Die Verquickung der historischen Expedition der beiden britischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus, die auf der Suche nach der Nordwestpassage im arktischen Eismeer verschollen sind, mit übernatürlichen Horror-Elementen, ist teils schwer zu ertragen. Nicht weil der Horror so hart oder gruselig wäre, sondern weil sich die Trost- und Ausweglosigkeit der Männer auf uns Zuschauer überträgt. Fast schon monochrome Bilder, ein Score, der Unheil verkündet und ausgemergelte Gesichter. Nein, eine Wohlfühlserie ist „The Terror“ definitiv nicht.

Als Kontrast zur tödlichen Arktis werden teils kurze Flashbacks in die Zeit vor der Expedition eingestreut. Hier gibt es Prunk und Wohlstand in London zu sehen. Charaktere werden besser ausgearbeitet und Hintergründe erklärt. Die Rückkehr in die Eislandschaft ist danach umso härter. Tauschen möchte man mit den Männern nicht. Und auch nicht mit den wenigen Frauen der Serie, die zu Hause in London zur Passivität verdammt sind, oder als Inuit zwar ein zentraler Bestandteil der Handlung, letztendlich aber doch durch die äußeren Umstände getrieben werden. Gewinner gibt es am Ende keine.

Leise rieselt das Blut

Wie bereits erwähnt, ist das Gefühl des Horrors weniger dem auftauchenden Monster geschuldet, als dem Wahnsinn, der die Männer nach und nach befällt. Wie so oft ist die Bedrohung dann am größten, wenn sie noch undefinierbar ist. Das Monster letztendlich so explizit zu zeigen, hätte es meiner Meinung gar nicht gebraucht. Die Spannung zwischen den Männern und der Werdegang von Cornelius Hickey (Adam Nagaitis) ist hier deutlich interessanter. Gerade in der finalen Episode fällt die Handlung leider etwas in sich zusammen und ich war irgendwie froh, diese trostlose Umgebung zu verlassen. Insofern hat die Serie ihr Ziel wohl durchaus erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „The Terror“ nicht in letzter Konsequenz überzeugen konnte, so zeigt die Serie doch wunderbar, wie man alleine durch einen Schauplatz und zwischenmenschliche Spannungen enorm viel Atmosphäre kreieren kann. Die Bedrohung von außen ist da nur ein verstärkendes Element. Bestimmt nicht immer eine einfach zu schauende Serie, aber doch eine sehr packende. Die Handlung ist übrigens abgeschlossen und die geplante zweite Staffel soll im Anthologie-Stil weitergeführt werden. Frostige 8/10 (7.9) Punkte.

Beat – Staffel 1

Nachdem ich von „Bad Banks“ doch ziemlich begeistert war, habe ich mich nach einer weiteren deutschen Serie umgesehen. Aufgrund der durchaus positiven Besprechung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts, habe ich mich für „Beat – Staffel 1“ auf Prime Video entschieden. Dabei hat mich die Serie, als sie angekündigt wurde, eher nicht gereizt: Berliner Nachtleben, die Club-Szene und Techno. Puh. Alles nicht so wirklich meine Themen. Warum mich die Serie dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier…

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

BEAT, POP, BPM, LOOP, BACKSPIN, DROP, CODA

Der Regisseur hinter „Beat“ ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2008 bin ich durch seine Verfilmung des grandiosen Jugendbuches „Krabat“ auf Marco Kreuzpaintner aufmerksam geworden. Auch in dieser Amazon-Produktion schafft er es beeindruckende Bilder zu finden: Berlin, der Techno-Club, der heruntergekommene Bauernhof und auch die anderen Drehorte sehen einerseits larger-than-life aus, andererseits aber auch nicht übertrieben auf international getrimmt. „Beat“ fühlt sich nach einer deutschen Produktion an – und das meine ich durchaus positiv. Gerade die Club-Szenen mit den wummernden Bässen und einprägsamen Lichteffekten fand ich imposant umgesetzt. Doch auch abgesehen davon, zeigt „Beat“ eindrucksvoll, dass sich die deutsche Serie keineswegs hinter US-Produktionen verstecken muss, ohne dass dieser Vergleich bewusst angestrebt wird.

Doch wie sieht es inhaltlich aus? Auch hier haben mich gerade die Szenen rund um den Techno-Club überzeugt. Das hätte ich so nicht erwartet. Vielleicht auch, weil hier der Fokus gegeben ist und alles zusammenpasst. Davon abgesehen tanzt die Handlung auf zu vielen Hochzeiten: Da gibt es den Club samt seiner Angestellten, den verrückten Serienkiller (auch wenn er niemanden umbringt), die Entführung von Flüchtlingen gepaart mit Organhandel, einen übertrieben bösen Geschäftsmann, die Russenmafia, den Geheimdienst und am Ende wird sogar noch der Bogen zur RAF und damit der deutschen Geschichte gespannt. Puh. Da will die Serie ziemlich viel. Norbert Eberleins Drehbuch ist temporeich geschrieben, alle Versatzstücke gehören irgendwie zusammen, aber dann auch wieder nicht. Oft werden zuvor eingeführte Elemente wieder fallen gelassen oder verpuffen in ihrer unspektakulären Auflösung. Ein Payoff ist nach dem aufwändigen Setup nicht immer gegeben. Durch die dichte Erzählung und die mitreißende Inszenierung, bleibt der Unterhaltungswert jedoch konstant auf sehr hohem Niveau.

Die Stärken dieser deutsche Serie

Nach „Bad Banks“ ist dies nun also schon die zweite deutsche Serie, die mich unerwartet gut unterhalten hat. Dies liegt nicht zuletzt an den unverbrauchten und frischen Schauspielern: Jannis Niewöhner bietet als titelgebender Beat eine – im Rahmen des Drehbuchs – glaubwürdige Leistung und ich bin gerne mit ihm auf diese Reise gegangen. Karoline Herfurth ist wohl der größte Star der Produktion und auch sie schafft es ihrer doch recht klischeehaften Rolle (eben eine typische Ermittlerin) interessante Facetten abzugewinnen. Besonders stark fand ich die Besetzung der Nebenrollen und Bösewichte: Von Kostja Ullmann über Alexander Fehling bis hin zu Karl Markovics werden hier teils beeindruckende Leistungen aufgefahren, die alleine durch das leider teils unbefriedigende Drehbuch limitiert werden.

Fazit

Als kleiner, teils reißerischer bis dreckiger Thriller macht „Beat“ eine wirklich gute Figur. Vermutlich nichts, was länger im Gedächtnis bleibt, doch keineswegs unspektakulärer als internationale Genre-Vertreter. Das Drehbuch war mir zwar zu unfokussiert, doch haben Marco Kreuzpaintners Inszenierung und die famosen Schauspieler einiges wett gemacht. Zwar wird die Serie nicht fortgeführt, doch die Staffel ist in sich relativ gut abgeschlossen, so dass ich eine Sehempfehlung aussprechen kann: 8/10 (7.9) Punkte.

Bad Banks – Staffel 1

Nach dem längeren Ausflug in die düstere Welt von „The Leftovers“ habe ich mich, im Gegensatz zu allen anderen Serien-Fans, nicht nach Westeros aufgemacht, sondern nach Frankfurt begeben. Dort finden sich im Rahmen von „Bad Banks – Staffel 1“ beinahe ebenso viele Intrigen und Machtspiele, wie in der momentanen Hype-Serie. Warum dies nicht der einzige Grund ist, der euch dazu bewegen sollte, einmal einer deutschen Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Meine Beziehung zur deutschen TV-Serie

Als ich von der Serie hörte bzw. las, war ich zunächst skeptisch. Deutsches Fernsehen. Damit verbinde ich am ehesten noch den drögen „Tatort“ am Sonntagabend. Ein Phänomen, das sich mir bis heute nicht erschließt. Auch andere hoch gehandelte deutsche Serien, wie „Stromberg“ oder „Pastewka“, haben es bei mir nicht geschafft, sich wirklich als herausragend zu etablieren. Eben auch weil die Originale bzw. deren US-Versionen, sprich „The Office“ und „Curb Your Enthusiasm“, so viel gelungener sind als unsere Ableger. Die letzte originelle deutsche Serie, die ich wirklich regelmäßig verfolgt habe, dürfte Anfang der 2000er wohl „Berlin, Berlin“ gewesen sein. Davor ist mir nur „Das Boot“ aus dem Jahr 1981 als bemerkenswert im Gedächtnis geblieben. Die neue Welle deutscher Serien diverser Streaming-Portale ist bisher an mir vorbei gegangen. Somit war ich umso neugieriger, ob diese Koproduktion des ZDF mit ARTE meine Wahrnehmung der deutschen TV-Serie tatsächlich ändern kann.

In die Abgründe der Finanzbranche

Schon während der ersten Episode wird klar, dass sich „Bad Banks“ zumindest audiovisuell stark an internationalen Serienproduktionen orientiert. Sei es das Color-Grading, die Kameraarbeit oder die Schnittfrequenz. Alles schreit nach modernen Sehgewohnheiten – und das meine ich durchaus positiv. Auch inhaltlich hätte diese Serie wohl in jedem anderen Land entstehen können, jedoch passt diese kühle, abgeklärte Darstellung der Finanzwelt schon ziemlich gut als Thema für eine Serie aus Deutschland – auch wenn dies nur ein weiteres Klischee bestätigt. Am meisten ist mir der Ursprung der Serie bei den SchauspielerInnen aufgefallen. Die Mischung aus bekannten Gesichtern und frischen Newcomern geht voll und ganz auf: Paula Beer ist in der Hauptrolle großartig und schafft es ihren Charakter in etlichen Nuancen einerseits zerbrechlich und sorgenvoll, andererseits machthungrig und kalkulierend darzustellen. Mit Désirée Nosbusch, Tobias Moretti und Jörg Schüttauf ergänzen deutsche Schauspielgrößen das Ensemble, die hier Nebenrollen mit dem nötigen Gewicht ausstatten. Alles in allem wirklich sehr gelungen.

Inhaltlich orientiert sich die Serie am Trend der vergangenen Jahre, eher Antihelden in den Mittelpunkt zu rücken. Klar, eine Jana Liekam ist noch kein Walter White, doch auch sie greift teils zu drastischen Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen. Statt dem Aufstieg zum Drogenbaron sind es natürlich eher White-Collar-Verbrechen, doch sind diese weniger verwerflich? Nur weil man weniger von körperlicher Gewalt gebraucht macht? Hier könnte die Serie noch mehr in die Vollen gehen und die Schicksale der Betroffenen zeigen, die durch Bilanzfälschungen, faule Kredite usw. ruiniert werden. Andererseits wäre das auch sehr plakativ und würde eventuell die bewusst inszenierte Distanz aufbrechen. Potenzial für eine zweite Staffel ist definitiv vorhanden.

Fazit

Ja, die erste Staffel von „Bad Banks“ wird ihrem Ruf tatsächlich gerecht. Auch ich mit meiner eher schwierigen Beziehung zu deutschen TV-Produktionen (siehe oben) muss neidlos zugeben, dass die AutorInnen rund um Oliver Kienle hier einen wirklich sehr sehenswerten Finanz-Thriller in Episodenform geschaffen haben. Selbst Skeptikern kann ich nur empfehlen, hier mehr als einen Blick zu riskieren: 9/10 (8.5) Punkte.

Moonlight (2016)

Das Wochenende schreitet für meinen Geschmack schon wieder viel zu schnell voran. Dabei war der Tag nicht einmal sonderlich spektakulär und ich habe mich schon auf den Film am Abend gefreut: Die Wahl ist heute auf „Moonlight“ gefallen, den Oscar-Gewinner, der 2017 unter anderem „La La Land“ ausgestochen hat. Die Erwartungen waren also entsprechend hoch…

Moonlight (2016) | © DCM (Vertrieb Universum Film)

Moonlight (2016) | © DCM (Vertrieb Universum Film)

„The Wire“ trifft in Miami auf „Boyhood“

Okay, diese Beschreibung ist vermutlich ein wenig zu plakativ. Allerdings musste ich bei der Sichtung tatsächlich mehrfach an die stilprägende Serie „The Wire“ sowie Richard Linklaters Coming-of-Age-Drama „Boyhood“ denken. Auch Barry Jenkins erzählt in „Moonlight“ das Heranwachsen eines jungen Mannes von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Das Setting erinnert dabei durchaus an David Simons Serie, die uns ebenfalls mit der harten Lebensrealität schwarzer Amerikaner konfrontiert. Auch die Tatsache, dass mit Chiron ein homosexueller Gangster im Zentrum der Geschichte steht, hat mich an Omar Little aus „The Wire“ denken lassen. Die Versatzstücke sind somit nicht originell und doch hat es der Film geschafft, mich zu packen.

Die Inszenierung ist sehr naturalistisch und durch den häufigen Einsatz einer Handkamera, sind wir stets nahe am Geschehen dran. Am beeindruckendsten fand ich wohl das erste Kapitel „Little“, was uns auch häufig auf Augenhöhe des jungen Chiron bringt. Der zweite Akt „Chiron“ lässt uns am Schulalltag teilhaben, was bei mir speziell Erinnerungen an die vierte Staffel von „The Wire“ geweckt hat. Am schwächsten fand ich das Finale „Black“, welches gerade die spannende Entwicklung vom unsicheren Jungen zum scheinbar harten Gangster auslässt. Dafür war die letzte Einstellung wahrlich herzzerreißend, macht sie uns doch intensiv bewusst, welch unerfülltes Leben auf Little wartet.

Fazit

Auch wenn ich „Moonlight“ nicht für das erhoffte Meisterwerk halte, so hat mich die Geschichte doch gepackt und mitgerissen. Zu viel davon habe ich jedoch schon besser erzählt in anderen Werken (ja, gerade in „The Wire“) gesehen. Dennoch werden mir viele Bilder und die dichte Atmosphäre noch länger im Gedächtnis bleiben. Sehr empfehlenswert, wenn auch nicht wirklich neu: 8/10 Punkte.

The Leftovers – Season 1 to 3

In den letzten Monaten habe ich mich einmal wieder einem Serien-Großprojekt gewidmet. Groß eher aufgrund des Inhalts und weniger aufgrund der doch recht kompakten drei Staffeln bzw. 28 Episoden. Die Rede ist von „The Leftovers“. Der HBO-Serie eilt der Ruf voraus sehr düster zu sein. Extrem düster. Und ja, das ist sie auch. Was die Serie des „Lost“-Autoren Damon Lindelof sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden, spoilerfreien Besprechung…

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

The Leftovers – Season 1 to 3 | © Warner Home Video

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The Congress (2013)

Eigentlich hätte es mir ein Warnsignal sein sollen, dass ich kurz nach der Arbeit schon auf dem Sofa eingenickt bin. Die hinter mir liegende Woche war einfach anstrengend. Nach dem Abendessen hatte ich jedoch neue Energie und habe somit leichtfertig zur Blu-ray von „The Congress“ gegriffen. Mir war bekannt, dass der Film keine leichte Kost sein soll, doch mit diesem Ausmaß an Irrwitz hatte ich nicht gerechnet…

The Congress (2013) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

The Congress (2013) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Zu viel gewollt, zu wenig erreicht

Man muss Ari Folman für „The Congress“ durchaus Respekt zollen. Das ist nicht 08/15-Kino, wie man es kennt. Nach „Waltz with Bashir“ wagt sich der Regisseur erneut an einen (zumindest teils) animierten Film. Die Handlung und Inszenierung beginnt zunächst jedoch recht nüchtern: Schauspielerin Robin Wright (bekannt aus „Die Braut des Prinzen“ und „House of Cards“) bekommt ein unmoralisches Angebot vorgelegt, das sie nach gewissem Zögern annimmt. Dieses besagt, dass ihre Schauspielerinnen-Persona eingescannt wird und alle vorab definierten Rechte an das Filmstudio übergehen. Eine interessante Prämisse, die schon alleine Stoff genug für einen Film gegeben hätte. Allerdings wird noch Fokus auf den Sohn gelegt, dessen Krankheit ein Spiegelbild der Entwicklung des Kinos abgeben soll. Soweit, so verkopft.

Nach ca. 45 Minuten dreht „The Congress“ erst so richtig auf und wir bewegen uns nach einem Zeitsprung von 20 Jahren zusammen mit Robin Wright in eine sogenannte Animationszone. Durch die Einnahme einer Droge, verändert sich die Wahrnehmung aller Besucher in der Hinsicht, als dass sie ihre Umgebung und andere Personen als Animation wahrnehmen. Ein sehr spannender Aspekt, der audiovisuell eine Freude ist. Toll animiert und mit unzähligen visuellen Gags ausgestattet. Leider verliert sich die Geschichte hier vollkommen in (pseudo-)philosophischen Ideen, welche nur sehr konstruiert mit dem ersten Teil des Films zusammengebracht werden. Am Ende schlägt die Handlung dann noch zu einer eher drögen Dystopie um und lässt, so mein Eindruck, alle vorherigen Fäden fallen, um nur die Mutter-Sohn-Geschichte abzuschließen.

Famose Animation und dröge Real-Szenen

So toll die Animationsszenen anzusehen sind, so billig wirken leider die real gefilmten Szenen. Gerade im letzten Drittel des Films wirken Kostüme, Masken und Drehorte extrem amateurhaft. Soll uns durch die Kulissenhaftigkeit gezeigt werden, dass die Realität auch nicht wirklicher ist, als die Animationszone? Das wäre eine Erklärung, mich hat diese Anmutung jedoch eher aus dem Film gerissen. Neben den formalen Schwächen gegen Ende, hat mich „The Congress“ im Mittelteil jedoch auch inhaltlich verloren. Ari Folman hat hier zu viel gewollt und mindestens drei Geschichten ineinandergewoben, die für mich nicht organisch zusammenpassen wollen. Schade, denn der Einfallsreichtum und Stil ist durchaus bemerkenswert.

Fazit

Vielleicht liegt es an meiner Tagesform, vielleicht ist der Film auch einfach wirklich so überladen, wie ich ihn wahrgenommen habe. In vielen Aspekten ist „The Congress“ ein Kunstwerk mit spannenden Aussagen, in anderen jedoch nur ein überladen wirkender Artsy-Fartsy-Schinken. Sollte man sich als Filmfreund durchaus einmal anschauen. Formal und auch inhaltlich bemerkenswert, doch auf emotionaler Ebene konnte er mich leider nicht packen: 6/10 Punkte.

Downsizing (2017)

Unfassbar, wie schnell diese Woche vorübergegangen ist. Viel Arbeit, viele Termine. Aufgrund des schönen Wetters habe ich heute früher Feierabend gemacht und war noch eine Runde Radfahren. Danach war ich eigentlich viel zu müde für einen Film und dennoch will keine Möglichkeit verschenkt werden. Somit ist „Downsizing“ in den Player gewandert, dessen High-Concept-Prämisse mich sehr gereizt hat…

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Kleine Menschen, große Probleme?

Es ist wirklich erstaunlich. Wenn man sich so umsieht, findet man beinahe nur glühende Besprechungen des Films. Zumindest von den Kritikern. Das Publikum jedoch hat kaum gute Worte für Alexander Paynes „Downsizing“ übrig. Ein echter Kritikerliebling also? Verkopftes Arthouse-Kino, mit dem das gemeine Volk nichts anzufangen weiß? Vielleicht. Aber nur ein bisschen. Die Prämisse, Menschen zu schrumpfen, um der Überbevölkerung und der damit einhergehenden Probleme Herr zu werden, finde ich nach wie vor großartig. Im Film wird diese scheinbar abstruse Idee auch völlig glaubwürdig durchgezogen. Ohne schlechte Witze oder naheliegende Actionszenen. Nein, da gibt es keine riesigen Katzen oder Vögel, die den kleinen Menschen gefährlich werden. Definitiv kein zweiter „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“. Wer solch einen Film erwartet, ist hier an der falschen Adresse.

Das erste Drittel von „Downsizing“ fand ich großartig. Eine perfekte Einführung in diese Welt, wunderbare satirische Spitzen und toll umgesetzt. Fantastisch! Das zweite Drittel, in dem unsere von Matt Damon gespielte Hauptfigur seinen Nachbarn Dušan (einfach herrlich: Christoph Waltz) kennenlernt und durch ihn von der ehemaligen, vietnamesischen Freiheitskämpferin Ngoc Lan Tran, die ihr Geld inzwischen als Reinigungskraft verdingen muss, einen neuen Sinn im Leben bekommt, war teils ein wenig forciert, hat aber schön die ebenfalls geschrumpften Probleme dieser neuen Welt aufgezeigt. Das esoterisch angehauchte letzte Drittel samt unnötiger Liebesgeschichte war mir dann zu plump und dröge. Hier hat sich Alexander Payne in meinen Augen tatsächlich übernommen und zu viel in seinen Film stecken wollen.

Fazit

„Downsizing“ ist leider nicht das proklamierte Meisterwerk, aber bei weitem auch kein schlechter Film. Die spannende Grundidee wird bis zum Ende konsequent durchgezogen und trotz satirischer Elemente, bleibt die Welt stets glaubhaft. Ein Fest für Sci-Fi-Freunde. Die Aussage und Geschichte im weiteren Verlauf können leider jedoch nicht mit der tollen Prämisse mithalten. Somit bleibt am Ende ein äußerst sehenswerter Film, dem es jedoch an Stringenz mangelt: 7/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 8

Jedes Jahr steht ein neuer Besuch bei der Familie Gallagher an. Jedes Jahr erwarte ich, dass die Qualität einbricht. Jedes Jahr werde ich aufs Neue positiv überrascht, was sich die Autoren haben einfallen lassen. Auch „Shameless – Season 8“ bricht nicht aus dem gewohnten Muster aus, was schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr steigert…

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Sex, Drugs & the Church of Gay Jesus

Schon nach ein paar Minuten war ich wieder voll drin in der absurd komischen und doch auch tragischen Welt der Gallaghers. Die in der siebten Staffel begonnenen Handlungsstränge werden konsequent weitergeführt und ich war wieder einmal erstaunt, wie viele unterschiedliche Geschichten die Autoren in den einzelnen Episoden unterbringen. Andere Serien würden damit ganze Staffeln füllen.

Der große Vorteil an dieser Vielfalt ist der enorme Unterhaltungswert. Auch wenn nicht jeder Handlungsstrang perfekt ausgearbeitet ist, und nicht jede Figur eine enorme Entwicklung durchmacht, so ist jeder doch zumindest maximal unterhaltsam:

  • Frank, der eine Turbo-Karriere in der Arbeitswelt durchläuft, dann den Job verliert und über einen Umweg als Schleuser bzw. Fluchthelfer wieder dort ankommt, wo man ihn kennt.
  • Fiona, die ihr neues Leben als Vermieterin genießt und dabei mit ganz speziellen Herausforderungen klarkommen muss.
  • Debbie, die ihre Ausbildung als Schweißerin abschließt und durch einen unglücklichen Job drei Zehen verliert (fachmännisch entfernt durch Frank).
  • Carl, der Junkies entführt, von ihren Familien Geld erpresst, dadurch seine zukünftige Frau kennenlernt, die sich als komplett verrück entpuppt.
  • Lip, der alle wichtigen Personen (außerhalb seiner Familie) verliert und sich dabei selbst findet.
  • Ian, der als YouTube-Star die Church of Gay Jesus ins Leben ruft und damit für enormes Aufsehen sorgt.
  • Kev, der gegen Brustkrebs kämpft und dadurch indirekt mit seiner Hillbilly-Familie wiedervereint wird.

…und das waren weit noch nicht alle Geschichten aus der inzwischen bereits achten Staffel von „Shameless“. Auch wenn es am Ende keinen großen Cliffhanger gibt, so verlasse ich die Gallaghers nur sehr wehmütig und freue mich jetzt bereits auf das neunte(!) Jahr mit dieser chaotischen und doch irgendwie liebenswerten Familie.

Fazit

So schnell ich wieder im Chaos der Gallaghers versunken bin, so schnell sind die 12 Episoden auch schon wieder vorbei. Das ist weiterhin ein extrem gutes Zeichen, haben sich selbst im achten Jahr immer noch keine Abnutzungserscheinungen gezeigt. Die jährliche Frequenz ist vermutlich auch genau die richtige Dosis. Also werte Serienfans, dann packt eure Koffer und quartiert euch bei den Gallaghers ein: 9/10 (9.4) Punkte.

Molly’s Game (2017)

Nachdem wir gestern Nachmittag erst bowlen waren (169 Punkte war meine beste Runde) und danach noch ein Asia-Buffet leer gefuttert haben, waren wir abends eigentlich ziemlich platt. Dennoch wollten wir nicht auf einen Film verzichten. Die Wahl ist auf „Molly’s Game“ gefallen, auf den wir schon länger heiß waren…

Molly's Game (2017) | © Universum Film GmbH

Molly’s Game (2017) | © Universum Film GmbH

Aaron Sorkins famoses Regiedebüt

Genau so habe ich mir Aaron Sorkins (u.a. Drehbuchautor von „The West Wing“ und „The Social Network“) Regiedebüt vorgestellt. Schon alleine die ersten zehn Minuten erfordern eine extrem hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers. Wohl der beste Beweis, warum Voice-overs eben nicht immer ein bequemes Stilmittel sind. Hier wird aus vollen Rohren geschossen und ich hatte mich direkt in den Film verliebt. Das erste Drittel fand ich großartig und war mir sicher, hier einen neuen Lieblingsfilm vor mir zu haben. Der zweite Akt hat ein wenig Fahrt rausgenommen, war dennoch weiterhin sehr faszinierend und ich mochte die Annäherung zwischen Molly Bloom (Jessica Chastain) und Anwalt Charley Jaffey (Idris Elba). Hier hat Aaron Sorkin wahrlich ein Händchen für die Besetzung beweisen, denn beide SchauspielerInnen füllen ihre Rollen perfekt aus und harmonieren großartig miteinander.

Im letzten Drittel wird der Film leider deutlich schwächer, was sowohl an der Geschichte als auch an der Inszenierung liegt. Es wirkt ein wenig so, als hätte Sorkin sein Feuer bereits zuvor verschossen gehabt. Meine Vermutung ist, dass die Geschichte zu sehr aus Molly Blooms Perspektive (kein Wunder, basiert der Film doch auf ihrer Biografie) und damit eben auch sehr einseitig erzählt wird. Gerade in der Konfrontation mit ihrem Vater (Kevin Costner) wird auf Biegen und Brechen eine Erklärung für ihre Charakterzüge und ihre Motivation gesucht (und gefunden). Das Finale ist auch viel zu versöhnlich und Molly Bloom wird beinahe wie eine Heilige in Szene gesetzt. Wirklich schade, denn dadurch wurde in meinen Augen viel Potenzial liegen gelassen.

Fazit

Mir hat „Molly’s Game“ über weite Strecken wirklich extrem gut gefallen. Aaron Sorkin kann nicht nur großartige Drehbücher schreiben, sondern hat auch ein Händchen für eine Inszenierung, welche die Dynamik seiner Worte perfekt einfängt. Auch die Geschichte ist faszinierend, wenngleich sie im letzten Drittel ein wenig ins Straucheln gerät. Dennoch kann ich euch den Film nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

Heute war ein eher ruhiger Samstag. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg in die Stadt, wo ich mir eine neue Brille ausgesucht habe. Auch die Kids brachten ihr Taschengeld unter die Leute und ich verschwendete einige Gedanken daran, welchem Sport ich nachgehen könnte, wenn ich erst einmal nicht mehr laufen kann. Aber ich schweife ab. Für den heutigen Filmabend habe ich mir „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgesucht. Ein Film, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte und auf den ich sehr neugierig war…

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Ein Charakter-Drama mit vielen Wendungen, aber ohne Auflösung

Ich mochte bereits Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ sehr gerne. Der ungewöhnliche Gangsterfilm hat mich damals (ja, die Sichtung liegt tatsächlich schon 10 Jahre zurück) wirklich überrascht. Seinen „7 Psychos“ habe ich jedoch nie gesehen, was ich nach dem grandiosen „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ nun umso mehr nachholen möchte. McDonagh ist ernsthafter geworden und auch weniger im Genre verankert. Vielleicht liegt es an der fantastischen Frances McDormand, doch hat mich der Film teils stark an „Fargo“ von den Coen-Brüdern erinnert. Das kauzige Kleinstadtleben, die skurrilen Charaktere und eine gesunde Portion schwarzer Humor. Die Themen in McDonaghs Geschichte sind jedoch düsterer und es gibt keine wirklichen Helden. Am Ende haben sich, angestoßen durch die drei Werbetafeln, die Positionen der Schachfiguren zwar verändert, die Oberhand gewinnt jedoch niemand.

In erster Linie ist „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ein Schauspielerfilm. Neben der bereits angesprochenen Frances McDormand überzeugen vor allem Woody Harrelson und Sam Rockwell. Gerade ihre Figuren betreffend, gibt es ein paar inhaltliche Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Die knapp zwei Stunden Film sind für mich extrem schnell vergangen und gerade die letzten zehn Minuten haben sich eher so angefühlt, als würde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Als wäre die nächste Episode nur einen Klick entfernt. Verdorben durch die Serienwelt. Und dennoch funktioniert dieses offene Ende auch für diese Geschichte. Die Charaktere haben sich eben doch weiterentwickelt. Der Schritt mag klein wirken, doch in dieser von Schmerz und Alltag geprägten Welt, ist das mehr als ich zu Beginn zu hoffen gewagt hätte. Dennoch hätte ich mir ein – in welcher Form auch immer – konsequenteres Finale gewünscht.

Fazit

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist wahrlich ein packender und mitreißender Film voll interessanter Figuren, die alle spannend genug für eine ganz eigene Geschichte wären. Hier sind sie in einer Zweckgemeinschaft gebunden, welche nicht beneidenswert ist. Ich bin wirklich ziemlich begeistert, auch wenn es für mich bis zum oft proklamierten Meisterwerk nicht ganz gereicht hat: 8/10 Punkte.