Devs – Die komplette Miniserie (2020)

Nach der Herzensserie „The Marvelous Mrs. Maisel“ habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Abendprogramm gemacht. Letztendlich bin ich auf „Devs“ gestoßen, was mir schon öfter begegnet ist. Jedoch konnte ich mir bisher kein so richtiges Bild davon machen. Drama? Komödie? Mystery? Da die Serie inzwischen auf Disney+ läuft, konnte ich mir nun ein eigenes Bild von ihr machen. 👩‍💻

Devs | © Hulu

Devs | © Hulu

Eine seltsame und zugleich faszinierende Serie

Wer steckt hinter „Devs“? Der Name Alex Garland dürfte Genrefans ein Begriff sein. Nicht nur zeichnet er sich für einige Drehbücher von Danny-Boyle-Filmen (u.a. „28 Days Later“ oder „Sunshine“) verantwortlich, er hat mit „Ex Machina“ und „Auslöschung“ auch selbst zwei Werke inszeniert, die bei mir hoch im Kurs stehen. Nun also eine Serie, die Garland komplett(!) alleine geschrieben und inszeniert hat. Es ist auch eine Serie, die komplett Garlands Handschrift trägt. Sie beschäftigt sich mit Technologie und moralischen Fragen und der Inhalt könnte, so meine steile These, auch in einem zweistündigen Film funktionieren. „Devs“ ist unglaublich ruhig erzählt und beinahe schon meditativ. So stark der Tech-Gedanke in ihr auch ist, letztendlich ist es eine Geschichte rund um Verlust, Trauer und Bewältigungsarbeit.

Mit Nick Offerman (bekannt als Ron Swanson aus „Parks and Recreation“) ist der prominenteste Schauspieler wunderbar gegen den Strich besetzt. Die anderen Rollen werden eher durch unbekannte Schauspieler*innen verkörpert, welche allesamt jedoch sehr gut spielen. Neben der eher langsamen Erzählweise, fällt vor allem die elegische Inszenierung auf. Wahrlich ein Erlebnis. Durch die oft fast schon meditative Machart (jedoch nicht ohne Gewaltspitzen) wirkt die Serie recht sperrig, was durch den verschlüsselt erzählten Inhalt noch unterstützt wird. Für mich war dies jedoch ein Zugewinn, da sie so aus dem Muster der sonstigen Unterhaltungsserien ausbricht. Am Ende macht dann alles irgendwie Sinn, jedoch muss man sich als Zuschauer*in auf den Weg einlassen. Eine Fortsetzung ist in meinen Augen eher nicht möglich, auch wenn die Serie nicht dediziert als Miniserie deklariert wurde.

Fazit

„Devs“ hat nie einen großen Hype erfahren und ist bei vielen wohl unter dem Radar gelaufen. Gerade Filmfreund*innen, die mit Alex Garlands Werk vertraut sind, kann ich die Serie nur ans Herz legen. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Erlebnis. Falls ihr die Serie auch gesehen habt, bin ich auf eure Meinung gespannt: 9/10 (8.6) Punkte.

Oben – OT: Up (2009) (WS1)

Nach einer anstrengenden Woche und bevor der Zwergofant ins Schullandheim verschwindet, wollten wir noch einen Filmabend veranstalten. Die Wahl ist letztendlich auf Pixars „Oben“ gefallen, dessen Setting die Kinder bereits aus dem Videospiel „Rush: Ein Disney Pixar Abenteuer“ kennen. Höchste Zeit also, ihnen die Geschichte dieses wunderbaren Animationsfilms näherzubringen. 🎈

Oben (2009) | © Walt Disney

Oben (2009) | © Walt Disney

Eine perfekte Mischung aus Drama und Komödie

Ich war abermals überwältigt von der emotionalen Wucht, die „Oben“ uns Zuschauenden entgegenwirft. Die ersten 20 Minuten des Films sind ganz große Kunst und Pixar zieht hier wirklich alle Register, um uns die eine oder andere Träne zu entlocken. Das hat auch dieses Mal wieder geklappt. In dieser Sequenz habe ich gemerkt, dass die Kids noch nicht komplett mitgehen. Ich musste so manche eher subtile Andeutung (z.B. Ellie und Carl können keine Kinder bekommen) erklären. Auch was das Abenteuer als Sehnsucht bedeutet und dass es sich um die geraffte Darstellung eines ganzes Lebens handelt. Hier spricht „Oben“ eher die reiferen Zuschauenden an. Als dann das große Abenteuer startet, waren die Kids auch komplett mit an Bord.

Bei der heutigen Sichtung hat mich am meisten überrascht, wie unfassbar witzig „Oben“ doch in manchen Szenen ist. Die Kinder haben sich teils weggeschmissen vor Lachen und auch ich habe mich sehr amüsiert. Im weiteren Verlauf gelingt Pete Docter (u.a. „Soul“) immer wieder das Kunststück, tief emotionale Szenen mit absurder Action und herrlichem Slapstick zu kombinieren. Das habe ich in dieser Kombination nur selten gesehen. Vermutlich am ehesten in den anderen Filmen des Regisseurs (z.B. „Alles steht Kopf“). Wahrlich kunstvollen Storytelling.

Fazit

„Oben“ hat mir heute mindestens genauso gut gefallen, wie bei der ersten Sichtung. Damals war dies übrigens mein erster Film nach der Geburt des Zappelinchens. Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Heute sitze ich, fast 12 Jahre später, mit beiden Kindern vor dem Fernseher und schaue den gleichen Film. Manchmal kommt es mir so vor, als würde auch mein Leben im Zeitraffer an mir vorüberziehen: 9/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Four Lions (2010)

Der Ostermontag liegt hinter uns und war, zusammen mit dem Geburtstag des Neffen, ein wirklich schöner Tag. Abends sind wir recht spät aufs Sofa gekommen, weshalb ich mich mit „Four Lions“ für einen eher kompakten Film entschieden habe. Das schöne Mediabook (siehe Foto unten) steht seit einer guten Woche im Regal und der Film schon seit Jahren auf meiner Liste. Die besten Voraussetzungen also. 🐢💣

Four Lions (2010) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

Four Lions (2010) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Urkomisch und zugleich abgrundtief bitter

Auf dem Backcover des Mediabooks springen uns Zitate von Filmmagazinen an, welche „Four Lions“ allesamt als funny bezeichnen. Das entspricht durchaus der Wahrheit, denn es ist wirklich urkomisch, wie unfassbar dumm sich unsere Protagonisten anstellen. Doch wirklich interessant wird der Film erst, wenn sich die dramatischen Elemente einschleichen: Omars Familie zum Beispiel, die modern und aufgeklärt wirkt, jedoch in blindem, extremistischem Glauben feststeckt. Sogar der junge Sohn wird mit diesen Gedanken indoktriniert. Das ist unfassbar bitter. Es liegt Regisseur Chris Morris jedoch nicht daran, diesen Aspekt zu analysieren, sondern eben den heiligen Krieg in all seiner Absurdität darzustellen.

Slapstick-Szenen, welche stets in großen Explosionen gipfeln, sind da noch das plakativste Element. Wirklich witzig wird es, wenn die geheime Mission mit der Lebensrealität kollidiert. Hier kann man schön über die Figuren lachen und der Film wirkt beinahe leicht. Im nächsten Moment sterben in „Four Lions“ aber tatsächlich unbeteiligte Menschen, denn auch wenn alle Terrorpläne schiefgehen, so muss der blinde Extremismus am Ende doch in Gewalt gipfeln. Damit macht der Film dann auch alles richtig, wenn er uns den Figuren nahe bringt, uns mit ihrer dummen Naivität einlullt, nur um am Ende die Konsequenzen zu zeigen. Dafür wird mir der Film noch länger im Gedächtnis bleiben.

Fazit

„Four Lions“ ist so ziemlich genau der Film, den ich erwartet hatte. Weniger bitterböse Satire als eine Slapstick-Komödie mit dramatischen Elementen. Hat mir wirklich gut gefallen. Auch die Schauspieler, allen voran Riz Ahmed, fand ich beeindruckend. Somit kann ich für den Film durchaus eine Empfehlung aussprechen: 8/10 Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4

Nach einer etwas schwächeren Serie habe ich mich einem Highlight in meinem Programm gewidmet, der vermutlich besten aktuell laufende Serie: „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4“. Seit der famosen dritten Staffel sind pandemiebedingt über zwei Jahre ins Land gezogen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ob diese erfüllt werden konnten, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🎙👗

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4 | © Amazon Prime Video

Der langsame Aufstieg nach dem Fall

Da wartet man über zwei Jahre auf die neue Staffel und dann sind die acht Episoden in knapp zwei Wochen durchgeschaut. Ich prangere das an! Natürlich hätte ich mir mehr Zeit lassen können, doch wie realistisch ist das schon? Das spricht für die hohe Qualität der vierten Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“, auch wenn die Serie rein handlungstechnisch ein wenig auf der Stelle tritt. Zumindest für Midge, denn die meisten anderen Figuren erfahren spannende, urkomische und herausfordernde Entwicklungen. Im Vergleich zur zweiten Staffel, die größtenteils in den Catskills spielt, und der dritten Staffel, in der es mit Shy Baldwin auf Tour geht, befinden wir uns im vierten Jahr ganz schnöde in New York City. Back to the roots sozusagen. Auch im übertragenen Sinne, denn wie bereits in der ersten Staffel muss sich Midge wieder nach oben kämpfen. Allerdings bringt sie inzwischen viel mehr Erfahrung mit, was der Staffel eine neue, selbstbewusste Dynamik gibt.

Noch spannender fand ich jedoch beinahe die Geschichten der anderen Figuren: Gerade Susies hart erkämpfter Einstieg in die Geschäftswelt hat mir ausgezeichnet gefallen. Da liebe ich wirklich alles dran. Auch die Erzählstränge rund um Abe und Rose mochte ich wieder sehr gerne. Unvergessen bleibt Roses Auftritt unter Hypnose. Das war pures Comedy-Gold. Dann natürlich Joel, der aufgrund vieler Änderungen in seinem Leben unter Strom steht, der sich als Figur jedoch positiv weiterentwickelt. Selbst Midge, die ein wenig auf der Stelle zu treten scheint, hat so viele famose Szenen. Schon alleine, wie sie den Stripclub umkrempelt und sich dort neu positioniert. Großartig! Am Ende der Staffel trifft sie erneut auf Lenny Bruce, was für sie sowohl persönlich als auch beruflich eine einschneidende Begegnung ist. Das Finale der Staffel ist damit wunderbar emotional, auch wenn es den Knalleffekt des Vorjahres vermissen lässt. Dieser Abschluss passt allerdings perfekt zu dieser kleiner wirkenden Staffel. Die abschließende fünfte Staffel darf gerne ein paar Episoden länger laufen. Seufz.

Fazit

Auch wenn die vierte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ keine großen, inhaltlichen Sprünge macht, so war ich doch wieder komplett begeistert. Ich mag einfach nicht glauben, dass die Staffel schon wieder vorbei ist und dass die fünfte die letzte sein soll. Das wird ein schwerer Abschied. Für mich nach wie vor die beste Serie, die man sich momentan anschauen kann: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Sicario 2 – OT: Sicario: Day of the Soldado (2018)

Nach meinem Lauf durch den Schnee war ich heute Abend beinahe etwas platt. Zudem hat die Wahl des Films wieder viel zu lange gedauert. Ich habe einfach viel zu viele Alternativen. Letztendlich habe ich mich mit „Sicario 2“ für eine Fortsetzung entschieden, die ich schon länger sehen wollte. Am liebsten hätte ich davor den ersten Teil noch einmal eingelegt, doch hatte ich ihn noch ungefähr im Kopf und wusste, dass die Fortsetzung nicht darauf aufbaut. Funktioniert der Film auch ohne Villeneuve? 🚁

Sicario 2 (2018) | © Studiocanal

Sicario 2 (2018) | © Studiocanal

Eine durchaus kompetente Fortsetzung

Ich möchte direkt versuchen, die oben gestellte Frage zu beantworten: Ja, „Sicario 2“ funktioniert. Aber man merkt, dass er eben nur auf dem aufbaut, was Denis Villeneuve im Vorgänger angelegt hat und dies auch nicht wirklich erreicht. Am Wichtigsten für mich war jedoch, dass die Atmosphäre des Films wirkt und dies möchte ich zum größten Teil Hildur Guðnadóttirs Score zuschreiben, der die Themen des leider viel zu früh verstorbenen Komponisten Jóhann Jóhannsson aufgreift. Der Score ist der Herzschlag des Films und, selbst wenn die darauf montierten Szenen nicht so kunstfertig sind, wie bei Villeneuve, treibt die Handlung beständig voran.

A propos Handlung: Emily Blunt als Identifikationsfigur geht „Sicario 2“ ziemlich ab. Wir habe nur noch die harten Männer in Form von Josh Brolin und Benicio Del Toro. Letzterer bzw. seine Figur Alejandro darf auch ein wenig Herz zeigen und Vatergefühle andeuten, doch wirkt das alles schon sehr stereotyp und der psychologische Unterbau des Vorgängers fehlt. Die erzählte Geschichte ist dennoch mitreißend und funktioniert auch als Standalone-Thriller ziemlich gut. Außer den Figuren und der Inszenierung gibt es kaum inhaltliche Zusammenhänge. Das hätte auch eine Doppelfolge einer „Narcos: Mexico“-Fortsetzung sein können. Und das ist ja schließlich nicht das Schlechteste.

Fazit

Auch wenn „Sicario 2“ nicht an seinen Vorgänger heranreicht, so hat er mich dennoch sehr gut unterhalten. Regisseur Stefano Sollima lässt die Kunstfertigkeit eines Denis Villeneuve vermissen, doch habe ich schon weit schlechtere Fortsetzungen gesehen. Der Film profitiert davon, eine komplett abgekapselte Geschichte zu erzählen und ich würde mir durchaus eine weitere aus diesem Universum anschauen: 7/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 11

Es ist das Ende einer Ära. Eine der am längsten laufenden Drama-Serien, welche ich komplett verfolgt habe, geht mit „Shameless – Season 11“ zu Ende. Es war definitiv eine Serie, die mich sehr positiv überrascht hat und die mich stets zu unterhalten wusste. Neben „The Office“ somit die zweite US-Adaption einer UK-Serie, welche mir außerordentlich gut gefallen hat. Aber ich greife voraus. Prost, Frank! 🍺🥃

Shameless – Season 11 | © Warner Home Video

Shameless – Season 11 | © Warner Home Video

Ein erstaunlich (un)sentimentaler Abschied

Hat mich in der vorangegangen Staffel Fionas Abschied noch ziemlich gestört, war das im elften Jahr kaum noch der Fall. Nicht weil die Figur nicht fehlen würde, sondern weil ich mich bereits daran gewöhnt hatte. Irgendwie doch schade. Alle anderen Gallaghers bekommen jedoch genug zu tun und somit ist man als Zuschauer*in wieder mittendrin im chaotischen Geschehen. Die Zeichen stehen dabei klar auf Abschied bzw. Veränderung: Lip möchte das Gallagher-Haus verkaufen, Debbie stellt sich quer und Liam hat Angst, alleine auf der Straße wohnen zu müssen. Ian und Mickey wollen gemeinsam in ihre Zukunft starten und suchen sich eine neue Bleibe. Auch für Veronica und Kevin stehen die Zeichen auf Umbruch, selbst wenn dieser eher ungeplant kommt. Carl ist Rookie bei der Polizei und muss mit dieser Situation klarkommen, was für allerlei Trubel sorgt. Und Frank? Frank leidet an alkoholbedingter Demenz, worunter auch seine Familie zu leiden hat. Viele Handlungsstränge also einmal wieder, wobei es noch unzählige kleinere Geschichten gibt.

Das Finale selbst kam für mich nicht überraschend und ist nur konsequent. Allein wie es erzählt wird, mag im Kontext der Serie seltsam erscheinen. Doch für mich hat es funktioniert. Gerade auch weil sich für viele Figuren zwar etwas ändert, aber es kein plötzliches Happy End aus heiterem Himmel gibt (z.B. Hausverkauf). Nein, die Serie bleibt sich und ihren Figuren treu. Auch dass Fiona nicht noch einmal aufgetaucht ist, war nur schlüssig, auch wenn ich es schade fand. Dafür kehrt Frank gedanklich in die Vergangenheit zurück und das war schön inszeniert. Weit nicht perfekt, doch so ist eben „Shameless“. Insgesamt hat mir die finale Staffel überraschend gut gefallen. In die Gesamtbewertung ordnet sie sich folgendermaßen ein:

  1. „Shameless – Season 4“ (9.7 Punkte)
  2. „Shameless – Season 7“ (9.4 Punkte)
  3. „Shameless – Season 8“ (9.4 Punkte)
  4. „Shameless – Season 3“ (9.3 Punkte)
  5. „Shameless – Season 2“ (9.0 Punkte)
  6. „Shameless – Season 5“ (9.0 Punkte)
  7. „Shameless – Season 1“ (8.8 Punkte)
  8. „Shameless – Season 6“ (8.8 Punkte)
  9. „Shameless – Season 9“ (8.5 Punkte)
  10. „Shameless – Season 11“ (8.2 Punkte)
  11. „Shameless – Season 10“ (8.0 Punkte)

Fazit

Ich werde die Gallaghers in den kommenden Jahren vermissen. Diese eine Staffel „Shameless“ war bisher eine feste Konstante in meinem Serienjahr. Aber es ist auch gut, dass es vorbei ist. Was hätte es noch zu erzählen gegeben? Insgesamt eine erstaunlich gut geschriebene Serie mit einem fantastischen William H. Macy, den ich  wohl nie mehr nicht als Frank Gallagher wahrnehmen werde. Wenn die Show bisher an euch vorbeigegangen ist, dann schaut unbedingt einmal rein. Für das Finale gibt es: 8/10 (8.2) Punkte.

This Is Us – Season 5

Nach dem tiefen Eintauchen in „The Expanse“ stehen ein paar Serien auf dem Programm, die ich jährlich verfolge. Das kommt nicht mehr häufig vor, doch sind es Shows, die mir inzwischen wirklich viel bedeuten. Den Anfang macht „This Is Us – Season 5“ und das bedeutet, dass seit Sichtung der vierten Staffel nur fünf Monate vergangen sind. Dies hat den Wiedereinstieg deutlich vereinfacht… 🥰

This Is Us – Season 5 | © NBC

This Is Us – Season 5 | © NBC

Corona ist in der Serienwelt angekommen

Die fünfte Staffel von „This Is Us“ ist die erste Serie, welche die Corona-Pandemie in ihre Serienwelt einbaut. Zumindest die erste, die ich gesehen habe. Das wirkt zugleich höchst aktuell, befremdlich normal und doch seltsam, denn bisher boten Geschichten in Film- und Serienform stets die altbekannte Nähe. Nun ist die Pandemie also auch im fiktiven Erzählen angekommen. Dieses Element wird nicht aufdringlich, aber doch stets präsent in die Handlung eingewoben. Das hat mir gut gefallen. Auch davon abgesehen präsentiert sich „This Is Us“ sehr aktuell und nah dran am soziopolitischen Geschehen und thematisiert unter anderem den Mord an George Floyd. Keines dieser Themen drängt jedoch die Handlung rund um die Großfamilie Pearson in den Hintergrund. Somit stehen weiterhin die persönlichen Geschichten und Konflikte im Familienkreis im  Fokus. Insgesamt ist den Autor*innen damit eine gute Mischung gelungen, welche die Serie über andere Werke dieses Genres hinaushebt.

Inhaltlich bewegt sich „This Is Us“ auch im fünften Jahr auf bekannten Pfaden und entwickelt sich dennoch kontinuierlich weiter. Nur bei Randalls Handlungsstrang rund um seine Geburtsmutter hatte ich den Eindruck der Redundanz. Das Thema wäre für mich eigentlich durch gewesen. Dennoch funktioniert auch dieser Erzählbogen und war am Ende schön emotional inszeniert. Seine Konfrontation bzw. Diskussion mit Kevin fand ich dagegen inhaltlich spannender, weil dieser Aspekt in der Vergangenheit noch nicht so prominent in den Fokus gestellt wurde. Die Hochzeitsfeier am Ende samt erzählerischem Kniff hat mich dann doch wieder überrascht. Ich kann noch nicht genau sagen, wie ich diese Entwicklung finden soll, freue mich aber nun umso mehr auf die Auflösung in der finalen sechsten Staffel.

Fazit

Auch wenn ich die fünfte Staffel von „This Is Us“ nicht ganz so herausragend fand, wie noch das vierte Jahr,  so habe ich die 16 Episoden doch sehr genossen. Die Serie tut mir in vielerlei Hinsicht einfach gut, selbst wenn das gehäufte Drama teils ein wenig übertrieben scheint. Wie es die Autor*innen letztendlich umsetzen, funktioniert für mich nach wie vor großartig: 9/10 (9.3) Punkte.

Der Pate – OT: The Godfather (1972) (WS1)

Ich gehe kaum noch ins Kino. Schon vor der Pandemie nicht und seitdem noch weniger. In den letzten zwei Jahren habe ich es auf zwei Kinobesuche gebracht, welche mehr oder weniger gelungen waren. Auch diesen Kinobesuch hatte ich bereits mehrfach ausgeschlagen, doch die Hartnäckigkeit eines gewissen Herren hat sich ausgezahlt. Also für mich, denn somit bin ich in den Genuss von „Der Pate“ bzw. „The Godfather“ in der restaurierten 4K-Version zum 50. Jahrestag gekommen, welche auf großer Leinwand noch einmal beeindruckender wirkt. 📽

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

„Der Pate“ ist nach 50 Jahren noch großes Kino

Am meisten beeindruckt hat mich tatsächlich, dass der „Der Pate“ nun schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. In meiner Wahrnehmung trifft das eher auf Filme aus den 1950ern zu. Aber ich bin eben auch keine Zwanzig mehr. Es ist unbestreitbar, dass Francis Ford Coppola mit „Der Pate“ Kinogeschichte geschrieben hat und die aktuelle Sichtung hat das für mich noch einmal verdeutlicht: Seien es Handlungsstränge, archetypische Charaktere, Manierismen der Figuren oder auch Kameraarbeit und die Inszenierung von Gewaltausbrüchen. All dies ist heute für uns selbstverständlich, weil alle Mafiageschichten, bis hin zum modernen Gangsterkino, sich aus Coppolas Baukasten bedienen. Von den unzähligen Referenzen und Parodien einmal ganz abgesehen. Das hier ist wahrlich der Film, der mehr als nur sein Genre geprägt hat.

Ein Aspekt, der mir im Kino zum ersten Mal aufgefallen ist, bezieht sich auf die Technik: Nahezu jede Einstellung wirkt so, als wäre sie mit der gleichen Brennweite gefilmt. Der gesamte Film besitzt eine leichte Tele-Optik, Weitwinkel kommt nie zum Einsatz. Eine kurze Recherche zeigt, dass Coppola bzw. sein Kameramann Gordon Willis „Der Pate“ tatsächlich so gut wie vollständig mit einer 40-mm-Linse gedreht hat. Dieser spezielle und konsequente Look hat teils etwas Dokumentarisches (z.B. auf der Hochzeitsfeier) und bringt uns sehr nahe an die Figuren heran. Davon abgesehen ist der Look der neuen Fassung deutlich neutraler in seiner Farbgestaltung als die vergangene Veröffentlichung, welche ich zuletzt vor 12 Jahren gesehen habe.

Die Handlung von „Der Pate“ zieht sich über mehrere Jahre. Coppola arbeitet jedoch nicht mit Texttafeln, welche Zeitsprünge ankündigen, sondern lässt die genaue zeitliche Verortung teils offen, teils legt er diese seinen Figuren in den Mund. Dies hat bei einer befreundeten Kollegin, die den Film zum ersten Mal gesehen hat, für Verwirrung gesorgt, was ich durchaus nachvollziehen kann. Komplett stringent erzählt Coppola die Zeitlinie nicht. Eine weitere Beobachtung: Ich vermute, dass „Der Pate“ auch heute noch deshalb so zeitlos wirkt, weil Coppola den Film, entgegen des Wunsches des Studios, nicht in den 1970ern spielen lässt, sondern die Handlung, wie auch die Vorlage, in den 1940er Jahren verortet.

Fazit

Es war tatsächlich ein Erlebnis, „Der Pate“ im Kino zu sehen. Vielleicht gar nicht so sehr die Tatsache, den Film auf der großen Leinwand gesehen zu haben, sondern die damit verbundenen Umstände, sprich sich über den Film auszutauschen und frische Perspektiven zu entdecken. Ich habe nun tatsächlich Lust bekommen, mir auch die Fortsetzungen einmal wieder anzusehen, doch werde ich damit wohl warten, bis es die neue Restauration auf den Heimkinomarkt geschafft hat. Dann ist das quasi ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann: 10/10 Punkte.

The Expanse – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

In den vergangene zwei Monaten habe ich eine Serie gesehen, die schon ewig auf meiner Liste stand. Doch ich wollte warten, bis sie abgeschlossen ist. Das ist sie seit ein paar Wochen und somit habe ich endlich „The Expanse“ gesehen. Der Serie eilt der Ruf voraus, die Sci-Fi-Offenbarung der letzten Jahre zu sein. Nach der Sichtung kann ich dieser Einschätzung nur zustimmen und schon einmal vorwegnehmen, dass ich euch die Serie, selbst wenn ihr keine Hardcore-Sci-Fi-Fans seid, wirklich sehr ans Herz legen kann. 👩‍🚀🚀

The Expanse | © SyFy & Amazon Prime Video

The Expanse | © SyFy & Amazon Prime Video

Über „The Expanse“ wird auch gesagt, die Serie sei das „Game of Thrones“ im Weltraum. Ich kann dem zu einem gewissen Grad zustimmen, speziell was Politik und den Einsatz von Fantasy-Elementen angeht. „The Expanse“ ist jedoch viel optimistischer, gerade was die Entwicklung der Held*innen angeht. Doch lest selbst und begleitet mich auf auf die Reise durch unser Sonnensystem:

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Hamilton (2020)

Corona hat uns immer noch voll im Griff. Inzwischen sind die Einschläge so nah, wie nie zuvor. Die Inzidenzwerte explodieren. Was also machen an besonderen Tagen? Natürlich könnte man theoretisch essen gehen oder ein Theater besuchen. Doch wäre das mit einem guten Gefühl verbunden? Hat für uns im Sommer schon mit Kino nicht funktioniert. Also habe ich mit den Kindern ein Restaurantbesuch samt anschließendem Besuch des Musicals „Hamilton“ inszeniert. Die Kids hatten in ihren Rollen als Bedienungen, Einlasskontrolleur*innen, Platzanweiser*innen sowie Pausenverkäufer*innen viel Spaß. Und für uns war es zwar kein wirklicher Ausgehabend, aber zumindest nahe dran. Und das Musical? Lest selbst… 🎼

Hamilton (2020) | © Walt Disney

Hamilton (2020) | © Walt Disney

Absolutes Pflichtprogramm für Musical-Fans

Für aufmerksame Leser*innen meines Blogs wird es keine Überraschung sein, dass ich Musicals sehr gerne mag und manchmal sogar liebe. Eigentlich seltsam, dass ich „Hamilton“ bisher noch nicht gesehen hatte. Lin-Manuel Miranda ist mir seit den Disney-Filmen „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ und „Encanto“ ein Begriff und spätestens mit seiner Verfilmung von „tick, tick… BOOM!“ hat er sich in mein Herz gespielt. In „Hamilton“ wird sein unfassbares Talent jedoch erst so richtig greifbar. Dabei ist es das Musical natürlich kein Film, sondern eine abgefilmte Bühnenshow, was das Erlebnis für mich jedoch noch intensiver machte. Man konnte den Theaterboden beinahe riechen und mehrfach bin ich mit dem aufgezeichneten Publikum in Applaus ausgebrochen. Nun verstehe ich auch, warum die Aufnahme ins Programm von Disney+ für den Streaming-Dienst ein Systemseller war. Auch wenn ich aktuell kein anderes Bühnen-Musical wüsste, was ich unbedingt sehen muss, so ist diese Form des Konsums, gerade in Zeiten von Corona, durchaus eine Empfehlung wert.

Inhaltlich hätte mich „Hamilton“ eigentlich nicht gereizt. Die Geschichte eines eher unbekannten Gründervaters der Vereinigten Staaten. Nicht der Stoff, der mich zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Und doch genau der Stoff, dem dies gelungen ist. Lin-Manuel Miranda inszeniert den Stoff unfassbar modern mit Hip-Hop-Beats und großartigen Wortwitz. Nahezu alle Rollen werden von PoC (People of Color) übernommen, was aufgrund des historischen Kontexts zunächst ungewöhnlich erscheinen mag, jedoch die perfekte Wahl für diese moderne Adaption ist. Das Bühnenbild ist extrem reduziert und nur ein Drehscheibe und die Lichtgestaltung sorgen dafür, dass wir uns als Zuschauer*innen zwischen Schlachtgemälden, intimen Dialogen und tödlichen Duellen bewegen. Die knapp drei Stunden sind wirklich schnell vergangen, was auch an den mitreißenden Songs liegt, von denen nahezu jeder einzelne so eingängig ist, dass er im Kopf bleibt. Wenn man nun noch die emotionale Geschichte dazu nimmt, die auch den perfekten Abschluss findet und stets Parallelen zu unserer Gegenwart aufmacht, dann ist es für mich unfassbar, dass all dies Lin-Manuel Miranda Feder entspringt. Was für eine kreative Leistung.

Fazit

Ihr lest es schon raus: Mich hat „Hamilton“ genauso begeistert, wie die meisten anderen Zuschauer*innen, die sich dem Musical zugewandt haben. Auch die formale Präsentation war für mich genau die richtige und ich bin gespannt, ob aufgrund des Erfolgs noch irgendwann eine filmischen Adaption folgen wird. Sollte Lin-Manuel Miranda involviert sein, würde ich auf jeden Fall reinschauen, denn er Mann ist einfach ein Künstler. Für Musical-Fans eine dicke Empfehlung, aber das wisst ihr ja ohnehin schon: 10/10 Punkte.