Narcos: Mexico – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach den zwei kürzeren und, für den Moment, abgeschlossenen Serien „Squid Game“ und „Midnight Mass“ habe ich mich mit „Narcos: Mexico“ einmal wieder an eine umfangreichere Serie herangewagt. Das Spin-off zu „Narcos“ wollte ich schon länger sehen und mit der erst kürzlich erschienenen dritten Staffel, welche zugleich das Finale der Serie bildet, war der perfekte Zeitpunkt gekommen… ✈

Narcos: Mexico | © Netflix

Narcos: Mexico | © Netflix

Im Gegensatz zur Geschichte rund um Pablo Escobar war mein Vorwissen zu den Geschehnissen in „Narcos: Mexico“ doch eher gering bis nicht vorhanden. Umso spannender fand ich dieses Mal die weltpolitischen Verwicklungen, welche besonders in der finalen Staffel stärker in den Vordergrund treten. Doch von Anfang an:

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Midnight Mass (2021) – Besprechung der Miniserie

Zwar hatte ich schon viel Gutes über die Serie gelesen, doch ohne die vehemente Empfehlung von Dome wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mir „Midnight Mass“ tatsächlich auch anzusehen. Schließlich ist es eine Geschichte von Mike Flanagan, der in den letzten Jahren mit den Gruselserien „Spuk in Hill House“ und „Spuk in Bly Manor“ große Erfolge feierte und der sich auch für die Verfilmung des „Shining“-Sequels „Doctor Sleeps Erwachen“ verantwortlich zeichnet. Ob die Serie für einen alten Angsthasen wie mich geeignet war? Spoiler sind zu erwarten. 👻

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Die perfekte Symbiose aus Drama und Horror

Bereits nach der ersten Episode war ich geplättet und von der dichten Atmosphäre der kleinen Insel, auf der nahezu die gesamte Serie spielt, komplett vereinnahmt. Speziell zu Beginn wusste ich noch gar nicht, in welche Richtung sich die Serie entwickeln würde. Sie schien sich in Richtung Geistergrusel zu bewegen, was in Anbetracht des Prologs auch Sinn zu machen schien. Doch schon bald stellt sich die scheinbare Geistererscheinung als reine Visualisierung der Schuld unseres Protagonisten dar. Dieser wird übrigens von Zach Gilford gespielt, den Serienfreund*innen aus „Friday Night Lights“ kennen dürften. Ihm gegenüber spielt Hamish Linklater die zweite männliche Hauptperson, den Pfarrer Paul. Auch wenn sich Linklater in den letzten Jahren immer mehr dem dramatischen Fach zugewandt hat, so muss ich bei ihm stets an seine Rolle in „The New Adventures of Old Christine“ denken. Wahnsinn, was er seitdem für eine Wandlung durchgemacht hat.

Man of Science, Man of Faith

Inhaltlich macht Mike Flanagan mit „Midgnight Mass“ viele Türen auf: Es geht um Schuld, Sühne und Vergebung. Natürlich steht auch ganz offensichtlich Religion im Zentrum der Geschichte, bis hin zu religiösem Fanatismus. Dazwischen gibt es jedoch unzählige Schichten an Interpretationsmöglichkeiten. Ich warne an dieser Stelle noch einmal vor Spoilern! So kommt unser Pfarrer überhaupt nicht auf die Idee, dass es sich bei dem Wesen, das sich ihm annimmt, um etwas anderes handeln könne, als um einen Engel Gottes. Für uns Zuschauer ist es vom ersten Moment an offensichtlich, es hier mit einem Vampir zu tun zu haben. Vampire scheinen jedoch in der Serienwelt nicht zu existieren, denn kein(e) Protagonist*in spricht je diese Vermutung aus. Im Grunde geht es aber auch nicht um das monsterhafte Wesen, sondern wie Paul und seine Apostel es und seine Wunder auslegen. Wie diese vielleicht schon immer ausgelegt wurden. Für mich wohl der spannendste Aspekt der gesamten Serie.

„Midnight Mass“ ist offensichtlich eine religionskritische Serie, wobei Mike Flanagan seinen Figuren auch nicht abspricht, einen Sinn im Glauben (egal ob Christentum oder Islam) zu finden. Er stellt sich klar gegen extremistische Tendenzen, welche in der Serie erschreckend durch die Figur von Bev Keane (beeindruckend gespielt von Samantha Sloyan) zum Ausdruck gebracht werden. Es steckt jedoch noch so viel mehr in den nur sieben Episoden dieser Serie, dass ich in den nächsten Wochen bestimmt noch viel über sie nachdenken werde. Gerade auch, weil das Finale wunderbar abgeschlossen ist und es demnach bei dieser Miniserie bleiben wird. Eine Serie wie ein gutes Buch.

Fazit

Mich hat „Midnight Mass“ extrem beeindruckt: Die ruhige, bedächtige Erzählweise, die gezielt eingesetzten Schockmomente, die famosen Schauspieler*innen und vor allem der thematische Twist auf bekannte Horrorfiguren. Einfach fantastisch. Definitiv eine der besten Serien, die ich dieses Jahr gesehen habe. Eine dicke Empfehlung, auch wenn ihr sonst keine Horrorserien (ist auch keine) schaut: 9/10 (9.3) Punkte.

Squid Game – Staffel 1

Nachdem ich mit „The Mandalorian“ eine Serie nachgeholt hatte, deren Hype momentan bereits am Abklingen ist, erwische ich „Squid Game“ noch auf dem Höhepunkt der Popularität. Wie ich den Hype einschätze und ob dieser gerechtfertigt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🦑

Squid Game | © Netflix

Squid Game | © Netflix

Der ungewöhnliche Hype um „Squid Game“

Ich wurde tatsächlich erst durch den Hype auf „Squid Game“ aufmerksam. Ein ungewöhnlicher Hype, den ich mir auch noch nicht so richtig erklären kann. Zwar gab es in den letzten Jahren durchaus ein paar südkoreanische Filmproduktionen, die auch bei uns ein größeres Publikum erreicht haben (das prominenteste Beispiel dürfte wohl „Parasite“ sein), doch ein Massenphänomen wie „Squid Game“ waren auch diese Filme nicht. Hinzu kommt, dass die Serie sozialkritisches Drama und Genrekino kombiniert und mit extremer Gewalt paart. Also auch eher Nischenthemen. Woher kommt also der Hype? Extremer Push durch den Netflix-Algorithmus? Hat die Berichterstattung den Hype befeuert oder ihn sogar entfacht? Alles daran wirkt kurios. Auch dass „Squid Game“ nun als alltagstaugliche Hype-Serie wahrgenommen wird. Dabei bietet sie neben dem Unterhaltungsaspekt auch Raum für schwere Themen und erinnert dabei deutlich mehr an „Parasite“ als an die „The Hunger Games“-Reihe, mit der die Serie auch häufiger verglichen wird. Wenn ich Artikel lese, dass die Serie nun selbst von jüngeren Schulkindern geschaut wird, dann hoffe ich, dass dies nur Teil der PR-Maschinerie von Netflix ist. Zumal einige der thematisierten Spiele ja auch bei uns bekannt sind und auch ohne Serienbezug auf dem Schulhof gespielt werden.

Lasset die Spiele beginnen!

Lässt man den Hype außen vor, dann wurde ich von der Serie bestens unterhalten. Und zwar was alle Emotionen angeht: Ich habe gelacht, mitgefühlt und gelitten. Teils konnte ich gar nicht hinschauen, so brutal sie die Tötungsszenen inszeniert. Liest man „Squid Game“ wörtlich, dann ist es eine hochspannende und perfide Serie, rund um verlorene Figuren, die um ihr Leben kämpfen. Richtig spannend wird es jedoch erst, wenn man die wenig subtile Parabel in das Seherlebnis einfließen lässt: Unsere kapitalistische Welt, in der das eine Prozent direkt und indirekt Einfluss auf die Existenz aller Untergeordneten in unserer Gesellschaft nimmt. Samt Zwischenschichten und im Keim erstickter Ausbrechversuche. Letztendlich kann ein(e) einzelne(r) Spieler*in nicht darüber entscheiden, aus dem System auszusteigen. Auch der Fakt, dass Kinderspiele im Fokus stehen, ist spannend. Nicht nur weil diese wunderbar einfach zu erklären sind, sondern auch weil Kinder diese oft ebenso verbissen spielen, als würde es um Leben oder Tod gehen.

Die Beziehungen der einzelnen Spieler*innen untereinander sind ebenfalls spannend. Da wird sich, wie in unserer Gesellschaft, aneinander abgearbeitet und das System selbst, von ein paar fruchtlosen Versuchen abgesehen, nicht weiter in Frage gestellt. Es steckt also mehr in der Serie, als man unter der Oberfläche aus grünen Jogging-Anzügen, pinken Uniformen, Blut und Gedärmen erwarten würde. Einzig der Handlungsstrang um den Polizisten fand ich ein wenig unnötig. An sich durchaus spannend und gelungen in Szene gesetzt, andererseits hätte man diesen jedoch auch komplett weglassen können. In der Parabel funktioniert er zwar als einer der wenigen Aufrechten, die das System zu bekämpfen versuchen, deren Scheitern am Ende jedoch unausweichlich ist. Zudem wird uns durch ihn ein Blick hinter die Kulissen des „Squid Game“ gewährt.

Fazit

Ich war zu Beginn der Serie wirklich skeptisch. Auch aufgrund des großen Hypes, den ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Davon abgesehen hat mich „Squid Game“ aber wirklich begeistert. Die plakative Gesellschaftskritik erinnert an „Snowpiercer“, so manche Wendungen haben mich an „Die Taschendiebin“ denken lassen. Am meisten jedoch hat mich die Serie jedoch an „Parasite“ erinnert, auch wenn das Setting in großen Teilen ein ganz anderes ist. Was auch immer der Grund für den Hype ist, ich finde diesen bemerkenswert und die Entwicklung kann, neben all den reißerischen Schlagzeilen, nur positiv für internationale Serienformate sein. Auch davon abgesehen definitiv eine Serie, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

The Mandalorian – Staffel 1 & 2

Da ich momentan Disney+ teste, stehen neben unzähligen Kinderfilmen, ob Klassiker aus meiner Kindheit oder aktuelle Filme, natürlich auch exklusive Produktionen auf dem Programm: Auf die Serie „The Mandalorian“ hatte ich mich schon sehr gefreut, da die Kritiken alle sehr positiv waren und ich nach „Star Wars: The Rise of Skywalker“ einmal wieder ein gelungenes „Star Wars“-Erlebnis gebrauchen konnte… 👨‍🚀

The Mandalorian | © Walt Disney

The Mandalorian | © Walt Disney

Um zu Beginn kurz auf meine persönliche „Star Wars“-Geschichte einzugehen: Ich liebe die alte Trilogie. Natürlich auch, weil ich mit ihr aufgewachsen bin. Die Prequel-Saga habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, empfinde für sie aber keinen Hass, wie leider viele der alten Fans. Von der Disney-Ära gefällt mir „Rogue One: A Star Wars Story“ am besten und „The Mandalorian“ erinnert mich in vielen Elementen an diesen Film, auch was die Verknüpfungspunkte zur Originaltrilogie angeht:

Staffel 1: Ein seltsames Paar

Für mich schwankt „The Mandalorian“ stets zwischen einem Gefühl von ‚Wow, da gehen sie aber einen ungewöhnlichen Ansatz!‘ und ‚Och nee, das ist jetzt ja Fanservice pur!‘ Wobei der eingeschlagene Weg im Großen und Ganzen schon anders ist, als man von einer typischen „Star Wars“-Serie erwarten würde. Schon alleine, dass die Hauptfigur über die komplette Zeit eine Maske trägt und auch eher wortkarg ist, wirkt ungewöhnlich. Die Beziehung zu dem Kind ist dann auch wieder so eine Sache: einerseits voll das Niedlichkeitsklischee, andererseits aber auch sehr überraschend ausgespielt. Die Geschichte tritt oft auf der Stelle und wirkt teils eher wie eine Planet-der-Woche-Serie aus den 1990er Jahren, nur um im nächsten Moment wieder mit den Erwartungen zu brechen. Insgesamt ist „The Mandalorian“ im ersten Jahr vermutlich nicht die „Star Wars“-Serie, die wir erwartet haben, aber vermutlich die „Star Wars“-Serie, die nötig war, um dem Franchise einen neuen Impuls fernab von Skywalker und Co. zu geben. Für mich noch nicht die Offenbarung, aber zweifellos sehr spannend: 8/10 (7.8) Punkte.

Staffel 2: Mehr Abenteuer, Action und Grogu

Die zweite Staffel dreht noch einmal ordentlich auf, was Action angeht. Gerade im Staffel-Opener wird das ersichtlich, wenn auch das Bildformat von 2,40:1 auf 16:9-Vollbild geöffnet wird. Gigantisch! Da wurden direkt Erinnerungen an „DUNE“ wach. Doch auch abseits der Action hat mir die zweite Staffel noch einmal deutlich besser gefallen: Das Zusammenspiel zwischen dem Mandalorianer und Grogu funktioniert perfekt, wir lernen neue, spannende Figuren kennen und es gibt stärkere Bezüge zum großen „Star Wars“-Universum, ohne jedoch wie ein weiterer Teil der Skywalker-Saga zu wirken. Dabei sind die Geschichten immer noch eher simpel und viele Episoden können fast schon als abgeschlossene Abenteuer betrachtet werden. Gegen Ende nimmt die Handlung dann noch einmal ordentlich Fahrt auf und sowohl Action als auch Gastauftritte stehen den Kinofilmen in nichts nach. Für mich das Beste, seit Disney das Ruder bei „Star Wars“ übernommen hat: 9/10 (8.9) Punkte.

Fazit

Für mich konnte sich „The Mandalorian“ über seine Laufzeit enorm steigern. Gerade das Finale der zweiten Staffel fand ich perfekt und halte es für einen runden Abschluss der Serie. Aber es wird wohl weitergehen. Darüber freue ich mich, zumal ich die Crew um Jon Favreau perfekt dafür geeignet halte, das Universum weiter auszubauen. An dieser Stelle kann ich auch nur die sehenswerte Making-of-Dokumentation empfehlen. Ein echter Zugewinn für das Franchise: 8/10 (8.4) Punkte.

Unterleuten: Das zerrissene Dorf – Die komplette Miniserie (2020)

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen TV-Mehrteiler je anschauen würde. Meine Frau hat jedoch Juli Zehs „Über Menschen“ gelesen. Irgendwie habe ich dann den Titel mit ihrem Roman „Unterleuten“ verwechselt und bin auf die Serienfassung „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ gestoßen, woraufhin die Frau Lehrerin sich auch diesem Roman gewidmet hat. Da die Adaption ohnehin im Raum stand, hat diese auch den Weg in unser Abendprogramm gefunden… 🏘

Unterleuten: Das zerrissene Dorf | © ZDF

Unterleuten: Das zerrissene Dorf | © ZDF

Sprödes TV-Drama als spannende Charakterstudie

Bevor ich mit der Besprechung angefangen habe, musste ich tatsächlich überlegen: Ist das nun eine Miniserie? Oder drei TV-Filme? Aufgrund der zeitlich dichten Ausstrahlung und der Struktur, würde ich „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ eher als Miniserie einordnen bzw. eben als zusammenhängender TV-Mehrteiler, aus dem man auch leicht sechs Episoden à 45 Minuten hätte schneiden können. Ein für mich recht sinnvolles Format für eine Romanverfilmung, das z.B. auch Netflix mit Adaptionen wie „Behind Her Eyes“ verwendet. Während der ersten 20 Minuten war ich ein wenig erschlagen von den unzähligen Figuren, die eingeführt werden und alle auch noch irgendwie miteinander in Verbindung stehen. Erstaunlicherweise hat das ganz gut funktioniert und schon nach einer Stunde konnte ich alle Charaktere ganz gut in der Geschichte verorten (wobei mir auch die Erläuterungen der meiner Frau geholfen haben).

Inhaltlich macht „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ ein Beziehungsgeflecht auf, das eine sozialkritische Komponente besitzt und die Interessen verschiedenster Bewohner*innen eines Dorfes beleuchtet. All das geschieht vor dem Hintergrund des strukturellen Zerfalls ländlicher Regionen in den neuen Bundesländern. Die Idylle, die Unterleuten zu Beginn vielleicht noch ausstrahlt, und die gerade für die zugezogenen Berliner so attraktiv scheint, ist letztendlich nur eine projizierte Wunschvorstellung. Als nun Windräder gebaut werden sollen, entsteht ein Grabenkampf, dessen Wurzeln bis in tiefste DDR-Zeiten zurückreichen. Ein durchaus spannendes Thema, das jedoch immer wieder unter der Oberflächlichkeit krankt, mit der sowohl die Inszenierung als auch die Charakterzeichnung angegangen wird. Ich hatte oft das Gefühl, hier würde eine brutalere und kompromisslosere Geschichte im Hintergrund liegen. Das Buch ist an manchen Stellen wohl auch noch drastischer, doch die – um es böse zu sagen – Vorabendinszenierung lässt so manchen Effekt einfach verpuffen.

Fazit

Insgesamt fand ich es spannend, einmal wieder in deutsche TV-Welten abzusteigen. Doch gerade wenn man die Miniserie mit Produktionen wie dem thematisch durchaus verwandten „Hindafing“ vergleicht, dann fällt diese doch deutlich ab, was Inszenierung und Innovationsgeist angeht. Inhaltlich dennoch stark und gut gespielt. Kann man sich durchaus einmal anschauen: 7/10 (6.7) Punkte.

Hindafing – Die komplette Serie (Staffel 1 & 2)

Nachdem ich schon einiges über die Serie gelesen hatte, habe ich sie letztendlich nicht im BR Fernsehen gesehen, sondern auf Netflix. Verrückt! Die Rede ist von „Hindafing“, einer Politsatire, die wirklich dahin geht, wo es schmerzt. Norddeutsche Zuschauer*innen schmerzt vermutlich auch der Dialekt, doch für mich hat die Serie dadurch noch einmal deutlich gewonnen. Herrlich! 🥩👮‍♂️

Hindafing | © BR Fernsehen

Hindafing | © BR Fernsehen

Was für eine unfassbare Serie. Produziert vom Bayerischen Rundfunk. Unfassbar. Habe ich das schon erwähnt? Und das meine ich in jeder Hinsicht positiv. Ein wahres Kleinod an Unterhaltung. Beißende Satire? Groteske? Oder doch nur eine die Realität abbildende Heimatserie? Lest am besten selbst:

Staffel 1: Willkommen in Hindafing

Man hat ja viele Vergleiche gelesen: Das deutsche bzw. bayerische „Breaking Bad“ oder „Fargo“. Und ja, ich kann die Assoziationen nachvollziehen. Doch ist „Hindafing“ noch einmal etwas eigenes. Eben gefühlt ganz nah dran am kommunalpolitischen Klüngel kleiner bis mittelgroßer Städtchen. Sicher überzogen dargestellt, doch im Grunde vermutlich näher an der Wahrheit dran, als man glauben möchte. Vielleicht minus Gefriertruhen, Crystal Meth und Explosionen, doch die Vetternwirtschaft von Politik, Wirtschaft, Vereinen und Saufkumpanen – diese findet, in abgeschwächter Form, tatsächlich statt. Hier am Land. Und bestimmt nicht nur da. Dabei ist „Hindafing“ keine zarte Satire, sondern geht ziemlich polternd, laut und plakativ vor. Doch das macht auch den Charme aus. Zusammen mit dem bayerischen Dialekt, der viele norddeutsche Zuschauer wohl hart auf die Probe stellen dürfte. Erwähnen sollte ich noch den fantastischen Maximilian Brückner, der hier wirklich aufspielt als würde es kein Morgen geben, was bei seiner Figur Alfons Zischl auch an der Tagesordnung ist. Definitiv eine Empfehlung: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 2: Alfons Zischl in der Landespolitik

In der zweiten Staffel geht es für Zischl von Hindafing in den bayerischen Landtag. Ein steiler Aufstieg, der etliche weitere Katastrophen für den frischgebackenen Abgeordneten mit sich bringt. Es ist unfassbar wie viel in diesen sechs Episoden steckt: Ein versehentliches Attentat, Krebs samt Chemotherapie als Ablenkung von einer Affäre, Reichsbürger in der Bundeswehr, Waffen-Deals mit dem Vatikan, zu Wurst verarbeitete Ukrainer. Des is a Wahnsinn! Also wirklich. Teils hatte ich das Gefühl, als hätten es die drei Autoren nun übertrieben, aber irgendwie hat die Serie trotz der überzogenen Entwicklung weiterhin funktioniert. Die erste Staffel war bestimmt ausgewogener, doch die zweite hätte ein gutes Sprungbrett sein können, um Alfons Zischls Entwicklung hin zum Bundespolitiker zu zeigen. Dazu wird es jedoch vermutlich nicht kommen, da der bayerische Rundfunkrat wohl Beschwerde gegen die Serie eingelegt hat. War wohl doch zu nah dran, an der Wahrheit? 9/10 (8.5) Punkte.

Fazit

Mensch, was war denn das? Solch eine wunderbar böse, absurd komische und hinterhältige kleine Serie. Zudem noch stilsicher inszeniert und wunderbar gespielt. Wenn ihr deutsche Serien immer noch abschreibt, solltet ihr unbedingt einmal in „Hindafing“ reinschauen. Gegebenenfalls unter der Zuhilfenahme von Untertiteln. Es lohnt sich: 9/10 (8.5) Punkte.

This Is Us – Season 4

Nach dem Serienmarathon mit „Bosch“ hat sich nun eine der wenigen Serien, die ich Staffel für Staffel verfolge, in mein allabendliches Programm geschlichen. Die Rede ist von „This Is Us – Season 4“ und ich musste eineinhalb Jahre seit der dritten Staffel auf die Sichtung warten. Warum mir der Abschied auch nach dieser Staffel wieder schwer gefallen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… 😭

This Is Us – Season 4 | © NBC

This Is Us – Season 4 | © NBC

So viele Emotionen in nur 18 Episoden

Die erste Episode der vierten Staffel hat mich stark an die allererste Episode der Serie erinnert: Man lernt drei neue Figuren kennen und kann sie und ihren Bezug zu den bekannten Charakteren lange nicht einordnen. Erst am Ende fallen die Puzzle-Stücke an ihren Platz. Da hatte mich die Serie wieder komplett gepackt und es war auch ein guter Einstieg nach der langen Abwesenheit. Von diesem Punkt aus entspinnt sich erneut ein Geflecht aus unterschiedlichen Geschichten bzw. Handlungselementen, die jeweils durch Ereignisse aus der Vergangenheit (und manchmal auch Zukunft) der Großfamilie Pearson gespiegelt werden. Der narrative Aufbau ist dabei so kunstvoll, dass mir dieser wahrlich Respekt abringt. Und da spreche ich noch gar nicht von den absolut passend besetzten Schauspieler*innen auf allen Zeitebenen. Das ist schon ein kleines bis großes Kunstwerk.

Inhaltlich wird es wieder sehr dramatisch und ja, man kann dem Drehbuch der Serie bestimmt vorwerfen, dass es uns Zuschauer*innen manipuliert. Die Grenze zum Kitsch, und damit zum Tearjerker, ist fließend und ich hatte wirklich auch bei jeder einzelnen Episode Tränen in den Augen. Aber ich sehe das nicht als Negativpunkt, denn jede Serie verfolgt ja das Ziel irgendeine Art von Emotion zu erwecken. Hier ist es eben oft Mitgefühl und Trauer, aber auch Freude und Zuversicht. Ich mochte wirklich jede einzelne Episode. In der zweiten Hälfte der Staffel gab es mit der „A Hell of a Week“-Trilogie und dem Besuch einer alternativen Realität mit „After the Fire“ ein paar fast schon fast experimentell anmutende Episoden, welche aber immer noch sehr in der Handlung der Serie geerdet sind. Das Finale wird dann noch einmal sehr dramatisch, gibt aber erneut einen Ausblick in eine durchaus versöhnliche Zukunft. Ein schöner Schlussakkord, der mich jetzt schon auf die kommende Staffel hinfiebern lässt. Filmfreunde sollten übrigens speziell die Augen offen halten, denn M. Night Shyamalan (Regisseur von u.a. „The Sixth Sense“ oder „The Village“) hat einen Gastauftritt.

Fazit

Spätestens mit der vierten Staffel hat sich „This Is Us“ den Platz unter den besten Familienserien gesichert. Vermutlich ist es für mich sogar die beste Familienserie, da sie sehr aktuell und am Puls der Zeit ist und durch ihre Erzählstruktur doch zeitlos wirkt. Mir ist es wieder sehr schwer gefallen, Abschied zu nehmen. Nun beginnt das Warten auf die letzten beiden Staffeln: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Bosch – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 7)

Nach „4 Blocks“ war es gar nicht so leicht, eine neue Serie zu finden, welche diese Lücke füllen konnte. Letztendlich ist die Wahl auf „Bosch“ gefallen, eine Amazon-Eigenproduktion aus dem Jahr 2015. Eigentlich war ich der Serie gegenüber immer ein wenig skeptisch eingestellt, da sie für mich zu sehr nach einer Fall-der-Woche-Show roch, doch nichts könnte ferner von der Wahrheit sein… 👮‍♂️👮‍♀️🚔

Bosch | © Amazon Prime Video

Bosch | © Amazon Prime Video

Warum „Bosch“ für mich die beste Cop-Show nach „The Wire“ und „The Shield“ ist, könnt ihr in der folgenden Besprechung lesen. Mit Jamie Hector, der in „The Wire“ noch den fiesen Gangster Marlo Stanfield verkörperte, und Lance Reddick gibt es auch zwei Alumni aus David Simons großartiger Cop-Show zu sehen, was bestimmt kein Zufall ist. Doch nun zur Besprechung der einzelnen Staffeln:

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Jurassic World: Neue Abenteuer – OT: Jurassic World: Camp Cretaceous – Staffel 3

Wer hätte gedacht, dass wir nach den ersten beiden Staffeln so schnell eine Fortsetzung bekommen? Die Kinder (und ich) waren darüber ziemlich glücklich und natürlich haben wir „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 3“ nahezu sofort nach der Veröffentlichung verschlungen. Aber wir haben uns Zeit gelassen, denn es gab nur 10 Episoden und diese wollten schließlich genossen werden… 🦕🦖

Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 3 | © Netflix

Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 3 | © Netflix

Rückkehr zur monströsen Dino-Insel

Wie zu erwarten, waren wir sofort wieder in der Serie drin. Hatte ich während der ersten Staffeln noch das Ungleichgewicht zwischen Kinderserie und Dino-Horror bemängelt, so hat „Jurassic World: Neue Abenteuer“ inzwischen den richtigen Ton gefunden. Vermutlich ist Jugendabenteuer die richtige Bezeichnung, denn für die ganz jungen Kids ist die Serie definitiv nichts. Mit dem Auftreten des Scorpius Rex (siehe Bild oben) wird das umso deutlicher, denn dieser ist weniger Dinosaurier als gruseliges Monster. Ein ähnlicher Ansatz wurde ja bereits in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ versucht, jedoch hat mir der Gruseldino hier bedeutend besser gefallen. Doch auch alte Bekannte, wie der Tyrannosaurus Rex haben natürlich ihren Auftritt.

Die Serie lebt größtenteils wieder von der Gruppendynamik und dem Abenteuergefühl, welches wirklich famos eingefangen wurde. Es gibt einige schöne nostalgisch angelegte Szenen, die im Besucherzentrum des originalen „Jurassic Park“ spielen. Klar, das ist etwas gewollt, hat mich aber dennoch gut abgeholt. Weiterhin wird es teils durchaus dramatisch und am Ende steht ein kleiner, aber feiner Cliffhanger. Die Fortsetzung sollte somit in trockenen Tüchern sein. Ich freue mich!

Fazit

Auch wenn die dritte Staffel zwei Episoden länger lief, als die beiden vorhergehenden, so hätten wir drei locker noch weiterschauen können. Die Serie mag nicht perfekt sein, doch bietet sie wunderbare Abenteuerunterhaltung und ist damit momentan gelungener, als das Franchise auf der großen Leinwand: 8/10 (8.1) Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

4 Blocks – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Nach der Hochglanzserie „The Crown“ habe ich mich mit „4 Blocks“ in ganz andere Gefilde begeben. Eine deutsche Gangsterserie, welche gerade in der ersten Staffel noch ziemlich low budget wirkt, unfassbar dreckig und roh daherkommt und eine enorme Sogwirkung entfaltet. Ursprünglich von TNT Serie produziert, könnt ihr „4 Blocks“ übrigens komplett auf Prime Video schauen. 😎

4 Blocks | © TNT Serie

4 Blocks | © TNT Serie

Ich bin mit US-Gangsterfilmen aufgewachsen und kenne die übliche Struktur, die Tropes und die Figuren. Von „Der Pate“ über „Hexenkessel“ und „GoodFellas“ bis hin zu „Carlito’s Way“ oder „The Sopranos“. Ich liebe das Genre und war gespannt, was eine in Berlin-Neukölln verortete Serie dazu beitragen kann:

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