The Crown – Staffel 5

In den letzten Wochen habe ich mich einer Serie zugewandt, die zuletzt von aktuellen Ereignissen eingeholt wurde. Die Rede ist von „The Crown – Staffel 5“, welche vom Tod Elizabeth II. begleitet wurde. Auch wenn ich mich nicht sonderlich für die britische Monarchie interessiere, so haben mir die ersten vier Staffeln doch ausgezeichnet gefallen. Extrem hochwertig produziert und auf den Punkt geschrieben. Konnte die fünfte Staffel diesen positiven Eindruck wiederholen? 👑

The Crown – Staffel 5 | © Netflix

The Crown – Staffel 5 | © Netflix

Neue Besetzung und altbekannte Themen

Wie bereits beim Wechsel von der zweiten auf die dritte Staffel, stand auch im fünften Jahr eine komplette Neubesetzung der Figuren an. Da meine Sichtung der bisherigen Serie schon über ein Jahr zurückliegt, war die Neubesetzung für mich kein so gewöhnungsbedürftiger Schritt, wie  beim ersten Mal als ich die Serie ohne Unterbrechung geschaut habe. Sowohl Imelda Staunton (bekannt als Dolores Umbridge aus „Harry Potter und der Orden des Phoenix“) als auch Jonathan Pryce (bekannt als High Sparrow aus der sechsten Staffel von „Game of Thrones“) sind wirklich toll als Elizabeth II. und Prinz Philip. Ungewöhnlich fand ich zunächst die Besetzung von Dominic West (bekannt als Jimmy McNulty aus „The Wire“) als Prinz Charles, doch passt auch er perfekt auf diese Rolle bzw. ich mag seine Interpretation davon. Abgerundet wird der Cast durch Elizabeth Debicki als Diana, welche mir zum ersten Mal in „TENET“ aufgefallen war.

Inhaltlich sollte ich diese Phase der Geschichte eigentlich recht gut kennen, denn die Serie deckt nun die Jahre 1991 bis 1997 ab. Allerdings habe ich mich nie wirklich für das britische Königshaus interessiert, so dass die meisten Ereignisse tatsächlich neu für mich waren. Im Zentrum steht vor allem die Beziehung bzw. Trennung von Prinzessin Diana und Prinz Charles, was ich teils ganz interessant fand, aber eben auch sehr viel Raum in der Serie einnimmt. Noch besser haben mir die begleitenden Episoden bzw. Handlungselemente gefallen. Speziell die Episode „Mou Mou“, in der Dodi Al-Fayed eingefürt wird, fand ich klasse. Wie ein abgeschlossener, kleiner Film im Rahmen dieser Serie. Auch den erzählerischen Bogen, in dessen Zentrum die Staatsyacht Britannia steht, fand ich elegant, wenn auch wenig subtil. Überhaupt ist die gesamte Staffel sehr stilsicher erzählt und nimmt sich auch Zeit für Nebenfiguren.

Fazit

„The Crown“ hat nach dem Tod Elizabeth II. viel schlechte Presse bekommen. Dabei sollte jedem klar sein, dass dies eine stark fiktionalisierte Version der Geschichte ist. Wenn man die Serie als solche sieht, dann kann man viel Spaß mit ihr haben. Starke Schauspieler*innen, extrem hochwertig produziert und mit gewissen Wiedererkennungseffekten. Da bleibt mir nur noch, mich auf die finale Staffel zu freuen: 9/10 (8.8) Punkte.

Jurassic World: Neue Abenteuer – OT: Jurassic World: Camp Cretaceous – Staffel 5

Es heißt Abschied nehmen von der ersten Serie, die ich komplett zusammen mit meinen Kindern geschaut habe. Natürlich geht es um „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 5“ und damit den Abschluss der Dino-Serie zum bekannten Franchise. Ich kann schon einmal verraten, dass der Abwärtstrend, der in der vierten Staffel begonnen hat, leider fortgeführt wird. 🦖🤖

Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 5 | © Netflix

Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 5 | © Netflix

Ein durchwachsenes und doch schönes Finale

Wir befinden uns weiterhin auf der Insel mit den bösen Robotern und erinnern uns daran, dass Kenjis Vater plötzlich aufgetaucht ist. Er ist das Mastermind hinter all dem Technik-Schnick-Schnack und will, wie wir bald erfahren, ferngesteuerte Dinosaurier erschaffen. Ja, richtig gelesen. Dinos, die sich mit einem Videospiel-Controller steuern lassen. Das war dann auch das Handlungselement, das bei mir für Augenrollen gesorgt hat. Ich mochte ja schon die Roboter aus der vierten Staffel nicht, doch hier ging die Serie dann noch einen Schritt zu weit in die falsche Richtung. Zumindest für mich.

Auf der Habenseite steht weiterhin die Dynamik zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen. Speziell dass Yaz und Sammy ein Paar werden fand ich toll. Für meine Kinder war das auch das Normalste der Welt und ich finde es schön, dass solche Handlungsstränge inzwischen beinahe schon beiläufig erzählt werden (übrigens: boykottiert die WM in Katar, spätestens jetzt). Besonders gelungen fand ich auch die letzte Episode, wenn wir einen Blick auf die liebgewonnenen Charaktere nach einem Zeitsprung von ein paar Jahren werfen. Das hat sich wirklich nach einem runden Abschluss angefühlt und so manches Ärgernis der Staffel in den Hintergrund rücken lassen. Insgesamt für mich dennoch die schwächste der fünf Staffeln:

  1. „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 3“ (8.1 Punkte)
  2. „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 2“ (7.9 Punkte)
  3. „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 1“ (7.5 Punkte)
  4. „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 4“ (7.3 Punkte)
  5. „Jurassic World: Neue Abenteuer – Staffel 5“ (6.7 Punkte)

Fazit

Vermutlich ist es gut, dass die Serie nun ihr Ende findet, auch wenn meine Kinder das anders sehen. Insgesamt war sie für mich eine positive Überraschung, da ich mir davor kein kindgerechtes Jurassic-World-Setting hätte vorstellen können. Aber die Serie hat funktioniert, was vor allem an den tollen Figuren liegt. Ein schöner Abschluss zu einer durchaus sehenswerten Serie: 7/10 (6.7) Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte;  Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – OT: The Lord of the Rings: The Rings of Power – Staffel 1

Endlich ist es soweit, eine der meisterwarteten Serien ist gestartet und inzwischen ist die erste Staffel auch komplett verfügbar. Dabei habe ich das Gefühl, dass der Hype rund um „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ vor ein paar Jahren noch größer war. Schließlich hat sich die Serienwelt seit der Ankündigung drastisch verändert und außer dem Prädikat ‚teuerste Serie aller Zeiten‘ ist wenig geblieben. Da ich großer Fan von Peter Jacksons Filmreihen(!) bin, habe ich mich dennoch auf die Serie gefreut. 💍

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Spektakulär unspektakuläre Mittelerde-Serie

Momentan starten so viele hochwertig produzierte Serien, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinlangen soll. Dennoch hat sich „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ recht schnell in mein Programm geschoben, sprich sobald alle acht Episoden verfügbar waren. In der Berichterstattung im Vorfeld wurde wenig auf mögliche inhaltliche Qualitäten der Serie eingegangen, sondern eher auf die rassistischen Anfeindungen, denen sich die Schauspieler*innen der Serie leider ausgesetzt ausgesetzt sahen. Sehr bitter. Somit ging ich recht unvorbereitet an die epische Fantasy-Serie heran und war gespannt, was sie mir als Fan des filmischen Peter-Jackson-Franchises zu bieten hat.

Um es kurz zu machen: Die erste Staffel von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ ist ein einziger, langer Prolog für das, was da noch kommt. Aufgrund der Lauflänge von gut 70 Minuten pro Episode wirkt diese Erzählweise schon filmisch, wenngleich die Struktur der einzelnen Folgen typisch für Erzählungen in Serienform ist (z.B. wenn in manchen Episoden bestimmte Handlungsstränge ausgelassen werden). Ich mochte die langsame Herangehensweise und doch haben so manche Elemente für mich nicht sonderlich viel Sinn ergeben (z.B. Galadriels gefühlt ewige Schiffsreise). Somit haben sich schnell Handlungsstränge herauskristallisiert, die ich lieber gesehen habe als andere: Speziell Elrond und Durin in Moria fand ich stets extrem unterhaltsam und toll inszeniert. Andere haben für mich dagegen nicht so gut funktioniert, wobei ich auch sagen muss, dass speziell die letzten beiden Episoden qualitativ noch eine Schippe draufgelegt haben.

Fantastische Schauwerte, (teils) blasser Inhalt

Inhaltlich fand ich die Geschichte der Serie durchwachsen und hätte mir teils andere Schwerpunkte gewünscht. Dem entgegen stehen imposante Bilder, die den Kinofilmen in so gut wie nichts nachstehen, zumindest wenn man die „Der Hobbit“-Trilogie im Kopf hat. An Howard Shores großartigen Score kommt Bear McCrearys Variante leider nicht heran. Dabei ist es ihm ganz gut gelungen, das Gefühl für Mittelerde heraufzubeschwören. Einzig die großen Themen des Vorbilds fehlen. Überhaupt ist das recht gut auf den Gesamteindruck übertragbar: „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ spielt in der gleichen Welt wie die Filme, sieht so aus, klingt so und es gibt teils sogar die gleichen Figuren. Aber es fehlt (noch) das Herz.

Fazit

Zu Beginn der Serie war ich noch nicht sonderlich enthusiastisch, doch gegen Ende hatte ich viel Spaß mit „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ und hätte am liebsten direkt weitergeschaut. Leider jedoch werden wir uns bis zur zweiten Staffel noch länger gedulden müssen. Bis dahin kann man, auch abseits des Hypes, einen vielleicht entspannteren Blick auf diese erste Staffel werfen: 8/10 (8.0) Punkte.

Stranger Things – Staffel 4

Nachdem ich die ersten drei Staffeln des Netflix-Hits erst Ende 2020 nachgeholt hatte, war meine Wartezeit auf „Stranger Things – Staffel 4“ gar nicht so lang. Gutes Timing von meiner Seite. Auch die vierte Staffel habe ich nicht zur Veröffentlichung geschaut, sondern den Hype abgewartet. Somit konnte ich die Staffel auch bequem am Stück schauen bzw. quasi jeden Tag einen Mini-Spielfilm, denn die Laufzeiten der einzelnen Episoden sind wahrlich episch. Aber ich greife vorweg… 👹

Stranger Things – Staffel 4 | © Netflix

Stranger Things – Staffel 4 | © Netflix

Freddy Krueger im „Stranger Things“-Universum

Nach dem Finale der dritten Staffel waren die Freunde aus Hawkins über die ganze USA verstreut bzw. die ganze Welt, denn Hopper hat es bis in ein russisches Straflager verschlagen. Deutlich andere Voraussetzungen also, als in den bisherigen Staffeln. Die Protagonist*innen sind auch deutlich älter geworden. Teenager*innen mit entsprechenden Problemen. Teenage Angst ist somit auch eines der Hauptmotive der Staffel. Damit einher geht auch das offensichtlichere Thema, nämlich die spezielle Art des Horrors, der in Hawkins Einzug hält. Pate dafür war zweifellos der 80er-Jahre-Slasher „A Nightmare on Elm Street“, an den ich schon seit den ersten Auftritten des neuen Bösewichts Vecna denken musste. Als dann Robert Englund, der als Vecnas erstes Opfer eingeführt wird, einen großen Auftritt hat, fühlte ich mich in meiner Einschätzung bestätigt, spielt er in Wes Cravens wegbereitendem Slasher doch den ikonischen Traum-Killer Freddy Krueger.

Die inhaltlichen Verlagerung von fast schon kosmischem Horror hin zu einem eher intimen Slasher-Setting, steht diametral der ausgewalzten und episch anmutenden Erzählweise gegenüber. Nicht nur, dass die vierte Staffel eine Episode mehr hat, auch die Laufzeit wurde deutlich nach oben geschraubt. Die Standardlänge beträgt somit nun ca. 80 Minuten und steigert sich bis zum Finale sogar noch auf unfassbare 140 Minuten. Im Grunde sieht man also neun Episoden in Spielfilmlänge bzw. hätten aus den neun Episoden mit Überlange auch 13 einstündige Episoden entstehen können, was mir beinahe lieber gewesen wäre. Dabei legt die Serie dennoch ein unfassbares Tempo vor, vor allem an der spritzigen Montage und den schellen Sprünge zwischen den Handlungssträngen liegt. Langeweile kommt keine auf und doch hatte ich manchmal das Gefühl, als hätte die Geschichte schneller vorankommen können bzw. sich mehr auf die Geschehnisse in Hawkins fokussieren sollen.

Ein sehr persönliches und doch episches Finale

Das Finale ist dann wahrlich ein überbordendes Abenteuer: Die Freund*innen schlagen nicht nur eine epische Schlacht im Upside Down, auch in unserer Welt spitzt sich die Lage zu und Hopper darf in seinem russischen Gefängnis eine ganze Horde an Demogorgons und Demodogs zur Strecke bringen. Erst in den letzten Minuten finden alle Handlungsstränge zusammen und die erneute Bedrohung legt sich wie ein düsterer Schatten über Hawkins. Das ist alles wunderbar effektiv inszeniert und man merkt „Stranger Things“ in jeder Sekunde an, dass die Serie zu dem Zugpferd für Netflix geworden ist. Das Produktionsniveau ist wirklich beeindruckend.

Fazit

Insgesamt hat mir die vierte Staffel von „Stranger Things“ extrem viel Spaß gemacht. Auch wenn das Tempo stets hoch war, so hätte ich mir teils doch ein schnelleres Vorankommen in der Handlung bzw. auch mehr ruhigere Szenen zwischen den Figuren gewünscht. Aber das sind nur Details. Insgesamt machen die Duffer Brothers wieder ziemlich viel richtig und die Serie wirkt in ihrem vierten Jahr beinahe schon zu perfekt. Nach wie vor großartige Unterhaltung: 9/10 (9.4) Punkte.

The Boys – Season 3

Nach dem Finale der fantastischen, familienkompatiblen Serie „This Is Us“ musste ich mich nach einer neuen Serie umschauen. Das Backlog an noch nicht gesehenen, aktuellen Staffeln war groß und somit habe ich mich kurzerhand für das größtmögliche Kontrastprogramm in Gestalt von „The Boys – Season 3“ entschieden. Das war eine gute Wahl, denn die Serie ist wieder mal extrem unterhaltsam. Und das nach wie vor auf recht verstörende Art und Weise. 🦸‍♂️🦸‍♀️

The Boys – Season 3 | © Amazon Prime Video

The Boys – Season 3 | © Amazon Prime Video

Satirisches High-Budget-Superhelden-Gore-Fest

Schon alleine die erste Episode ist an übertriebener grafischer Gewalt, mit sehr unangenehmem Comedy-Einschlag, nicht zu überbieten. Ins Detail möchte ich an dieser Stelle nicht gehen. Das muss man gesehen haben. Oder auch nicht. Ja, auch die dritte Staffel überschreitet die Grenze der Geschmacklosigkeit mehrfach. Doch nimmt sie weiterhin ihre Figuren ernst, so unwahrscheinlich dies auch erscheinen mag. Dabei nimmt die Serie Bezug auf reale, politische Ereignisse, wie z.B. Interviews im Stile von Fox News. Homelander erinnert dabei immer mehr an Donald Trump und das alles wird ganz entspannt auf elf gedreht. Der blanke Wahnsinn.

Die eigentliche Handlung ist erneut nicht sonderlich komplex: Butcher versucht mit Soldier Boy (gespielt von Jensen Ackles, „Supernatural“), einem Superhelden der vergangene Generation, endlich Homelander zu zerstören. Dabei wendet er zweifelhafte Taktiken an und die moralischen Grenzen werden immer weiter verschoben. Dazwischen gibt es ein paar erstaunlich zarte Momente, z.B. zwischen Frenchie und Kamiko, welche im nächsten Moment durch eine völlig überzogene Musicalszene gebrochen werden. Großartig! Weiterhin sorgen Zeichentrickelemente für Überraschung und werden so konsequent durchgezogen, dass es eine wahre Freude ist. Nicht alles funktioniert dabei perfekt, doch insgesamt ist „The Boys“ weiterhin solch ein satirisches High-Budget-Superhelden-Gore-Fest, dass ich mich manchmal wundere, wie das inzwischen völlig im Popcorn-Mainstream angekommen sein kann. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.

Fazit

Die dritte Staffel von „The Boys“ fand ich nur geringfügig schwächer als die zweite Staffel. Einmal im Jahr kompletter Superhelden-Irrsinn. Warum nicht? Die acht Episoden sind wie im Flug vergangen. Da stört es auch nicht, wenn unter der vollgestopften Fassade vielleicht gar nicht so viel Tiefgang versteckt ist. Ein großes, verrücktes Vergnügen: 9/10 (8.5) Punkte.

This Is Us – Season 6

Mit dieser finalen Staffel heißt es Abschied von einer Serie nehmen, die mich über die letzten vier Jahre intensiv begleitet hat. „This Is Us – Season 6“ war eine der wenigen Serien, die ich quasi live verfolgt habe, sprich live zur jeweilige Ausstrahlung (erst auf Prime Video, später auf Disney+). Es war auch eine der letzten, klassischen Network-Serien, die nicht exklusiv für einen Streaming -Dienst produziert wurden. Dennoch (oder gerade deshalb) hat sich die Serie einen Platz unter meinen Lieblingsserien sichern können. Warum das so ist, lest ihr hier… 👨‍👩‍👧‍👦

This Is Us – Season 6 | © NBC

This Is Us – Season 6 | © NBC

Ein schmerzhaft schöner Abschied

Die Autor*innen von „This Is Us“ waren stets darauf bedacht, neue Handlungsstränge möglichst organisch in die Gesamtgeschichte einzuführen. Das war auch bitter nötig, denn jedes neu eingeführte Element läuft aufgrund der detailliert erzählten Zeitebenen Gefahr, wie Retconning zu wirken. Da schon länger feststand, dass die sechste Staffel auch die letzte sein würde, konnten die Autor*innen wichtige Ereignisse bereits frühzeitig integrieren und neue Entwicklungen in Flashforwards anlegen. Dadurch wirkt die sechste Staffel rund, auch wenn durchaus noch neue Handlungsbögen aufgemacht bzw. im Detail auserzählt werden.

Letztendlich läuft in dieser Staffel natürlich alles auf den großen Abschied von Rebecca hinaus. Dieses Thema wird, gerade in den letzten vier Episoden, überaus intensiv zelebriert. Eben auf die hyperemotionale „This Is Us“-Art. Das muss man mögen und funktioniert, wenn dies der Fall ist, auch hervorragend. Die Stärke der Serie, ihre Geschichte über verschiedene Zeitebenen zu erzählen, kommt hier voll und ganz zum Tragen, da es der Rückblick auf ein langes und erfülltes Leben ist. Ich musste hier häufiger an „Six Feet Under“ denken, auch wenn die Schwerpunkte natürlich anders gesetzt sind. Unter uns kann ich es ja sagen: Ich habe die letzten Episoden wirklich durchgeheult wie ein Schlosshund. Dabei hätte ich die finale Episode beinahe verpasst, da diese noch nicht verfügbar war und erst eine Woche später veröffentlicht wurde. Nach sieben langen Tagen des Wartens war es dann endlich soweit und die letzten Minuten mit den Pearsons flimmerten über den Bildschirm.

Hyperemotionale Familien-Fantasy

Nicht alle Fans und Kritiker*innen mochten die finale Staffel. Für mich hat sie sehr gut funktioniert. Sie treibt auf die Spitze, was „This Is Us“ bereits in den vorhergehenden Jahren ausgemacht hat: Es ist eine Fantasy-Serie für Eltern, Geschwister und Kinder. Die Beziehungen der Figuren untereinander sind hyperemotional und nicht realistisch. Doch es fühlt sich so an. Wenn man mit ihnen leidet und lacht. In jeder Phase ihres Lebens, Erinnerungen durchlebt und sich selbst beim Schauen an das eigene Leben erinnert. Gerade ich als Vater mache mir häufig Gedanken, wie sie die Figuren in der Serie aussprechen: Die kleinen Momente, die man festhalten möchte. Die Zeit die viel zu schnell verfliegt und vom Alltag aufgefressen wird. Die Erinnerungen an die eigene Kindheit und was in dieser bereits für zukünftigen Beziehungen angelegt wurde. Der Umgang mit den eigenen Kindern. Die Lebenszeit, die einem wie Sand zwischen den Fingern verrinnt und ein Familienleben, das man nie so zelebrieren kann, wie es in „This Is Us“ dargestellt wird. Wunderbares Erzählkino, ziemlich over the top und doch geerdet. Für mich der krönende Abschluss dieser großartigen Familienserie:

  1. „This Is Us – Season 6“ (9.5 Punkte)
  2. „This Is Us – Season 4“ (9.5 Punkte)
  3. „This Is Us – Season 3“ (9.5 Punkte)
  4. „This Is Us – Season 2“ (9.3 Punkte)
  5. „This Is Us – Season 5“ (9.3 Punkte)
  6. „This Is Us – Season 1“ (9.2 Punkte)

Fazit

In meiner Serienwelt hinterlässt „This Is Us“ eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird. Das dachte ich damals schon bei „Parenthood“, doch dann kam „This Is Us“. Nun habe ich meine Zweifel, dass diese Serie in ihrem Genre noch getoppt werden kann. Sie ist das ultimative Familiendrama. Ich kann sie allen, die jetzt auch nur einen Funken Interesse zeigen, nur dringend ans Herz legen: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Obi-Wan Kenobi – Die komplette Miniserie (2022)

Die nächste „Star Wars“-Serie von Disney. Tatsächlich hatte ich für „Obi-Wan Kenobi“ wohl die größten Hoffnungen aller bisherigen Serien aus dem beliebten Franchise. Eben weil ich Ewan McGregor in der Rolle sehr gerne sehe und ich annahm, dass in seiner Figur noch viel Potenzial steckt. Letztendlich sollte alles ein wenig anders kommen, doch dazu mehr in der folgenden Besprechung… ✨

Obi-Wan Kenobi | © Walt Disney

Obi-Wan Kenobi | © Walt Disney

Inhaltlich leider ziemlich dünn und unnötig

Die Serie beginnt mit einem langen Zusammenschnitt der Ereignisse aus „Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“ und speziell „Die Rache der Sith“. Für mich recht unnötig, da ich die Filme kurz davor erneut gesehen hatte. Für jede(n) andere(n) Zuschauer*in vermutlich auch, denn wer wird sich die Serie „Obi-Wan Kenobi“ ohne Kenntnis der Filmreihe anschauen? Aber sei es drum. Danach begegnen wir der Titelfigur und es war zu Beginn wirklich eine Freude, Ewan McGregor in dieser Rolle wiederzusehen. Teils erinnerte er schon mehr an Ben Kenobi, wie wir ihn aus dem allerersten „Star Wars“-Film kennen. Dann geht es weiter nach Alderaan und wir begegnen der jungen Leia. Damit haben für mich dann auch die Probleme angefangen, denn ich habe sie nicht mit der Leia aus den Filmen zusammenbekommen. Viel zu altklug und zu wenig Kind. Als hätte diese Rolle jemand geschrieben, der noch nie mit Kindern zu tun gehabt hat.

Im weiteren Verlauf der Serie dreht sich alles um einen einzigen Auftrag, der so simpel wie generisch ist: Leia wird entführt und von Obi-Wan gerettet. Dabei muss er in eine Basis des Imperiums eindringen und trifft im weiteren Verlauf natürlich auch auf Darth Vader. Mit den Inquisitoren gibt es auch neue Bösewicht*innen, welche seltsam comichaft überzeichnet wirken. Kein Wunder, entstammen sie doch ursprünglich den animierten Serien. Gerade die Motivation der Third Sister wird so fahrig und plump erzählt, dass es einfach nur bitter ist. In der Geschichte wäre viel Potenzial gewesen, welches leider kaum genutzt wird. Sehr, sehr schade.

Viel „Star Wars“-Look, kaum „Star Wars“-Gefühl

Es ist erstaunlich, wie gut die Serie teils den Look der „Star Wars“-Filme trifft. Gerade die Sets sehen toll aus und auch Vader im Sternenzerstörer weckt Erinnerungen an die Original-Trilogie. Toll anzusehen! Doch irgendetwas stimmt nicht: Die Welt wirkt kleiner, die richtige Stimmung kommt nicht auf. Die Geschichte scheint unbedeutend und selbst die bekannten Figuren kommen nicht an ihren Ursprung heran. Als würde eine unsichtbare Lücke klaffen, welche sich jedoch stark auf das Seherlebnis auswirkt. Somit saß ich größtenteils recht unbeteiligt vor dem Fernseher, habe die teils schönen Bilder bewundert und hätte mir insgesamt einen feingeschliffeneren Film rund um die Figuren gewünscht. Oder eben auch nicht, denn die Geschichte selbst füllt keine Lücke, an der man sich seit „Episode III“ gerieben hätte.

Fazit

Das liest sich nun alles so, als hätte ich gar keinen Spaß mit der Serie gehabt. Das stimmt so nicht, doch für „Star Wars“ war ich seltsam wenig mitgerissen. „The Mandalorian“ spielt da auf einem anderen Level und selbst mit dem ebenso unnötigen „The Book of Boba Fett“ hatte ich mehr Spaß. „Obi-Wan Kenobi“ tut nicht weh und hat ein paar schöne Bilder, doch ist das der Anspruch, den wir an solch eine Produktion haben wollen? Irgendwie nett, aber mehr auch nicht: 7/10 (6.7) Punkte.

Devs – Die komplette Miniserie (2020)

Nach der Herzensserie „The Marvelous Mrs. Maisel“ habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Abendprogramm gemacht. Letztendlich bin ich auf „Devs“ gestoßen, was mir schon öfter begegnet ist. Jedoch konnte ich mir bisher kein so richtiges Bild davon machen. Drama? Komödie? Mystery? Da die Serie inzwischen auf Disney+ läuft, konnte ich mir nun ein eigenes Bild von ihr machen. 👩‍💻

Devs | © Hulu

Devs | © Hulu

Eine seltsame und zugleich faszinierende Serie

Wer steckt hinter „Devs“? Der Name Alex Garland dürfte Genrefans ein Begriff sein. Nicht nur zeichnet er sich für einige Drehbücher von Danny-Boyle-Filmen (u.a. „28 Days Later“ oder „Sunshine“) verantwortlich, er hat mit „Ex Machina“ und „Auslöschung“ auch selbst zwei Werke inszeniert, die bei mir hoch im Kurs stehen. Nun also eine Serie, die Garland komplett(!) alleine geschrieben und inszeniert hat. Es ist auch eine Serie, die komplett Garlands Handschrift trägt. Sie beschäftigt sich mit Technologie und moralischen Fragen und der Inhalt könnte, so meine steile These, auch in einem zweistündigen Film funktionieren. „Devs“ ist unglaublich ruhig erzählt und beinahe schon meditativ. So stark der Tech-Gedanke in ihr auch ist, letztendlich ist es eine Geschichte rund um Verlust, Trauer und Bewältigungsarbeit.

Mit Nick Offerman (bekannt als Ron Swanson aus „Parks and Recreation“) ist der prominenteste Schauspieler wunderbar gegen den Strich besetzt. Die anderen Rollen werden eher durch unbekannte Schauspieler*innen verkörpert, welche allesamt jedoch sehr gut spielen. Neben der eher langsamen Erzählweise, fällt vor allem die elegische Inszenierung auf. Wahrlich ein Erlebnis. Durch die oft fast schon meditative Machart (jedoch nicht ohne Gewaltspitzen) wirkt die Serie recht sperrig, was durch den verschlüsselt erzählten Inhalt noch unterstützt wird. Für mich war dies jedoch ein Zugewinn, da sie so aus dem Muster der sonstigen Unterhaltungsserien ausbricht. Am Ende macht dann alles irgendwie Sinn, jedoch muss man sich als Zuschauer*in auf den Weg einlassen. Eine Fortsetzung ist in meinen Augen eher nicht möglich, auch wenn die Serie nicht dediziert als Miniserie deklariert wurde.

Fazit

„Devs“ hat nie einen großen Hype erfahren und ist bei vielen wohl unter dem Radar gelaufen. Gerade Filmfreund*innen, die mit Alex Garlands Werk vertraut sind, kann ich die Serie nur ans Herz legen. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Erlebnis. Falls ihr die Serie auch gesehen habt, bin ich auf eure Meinung gespannt: 9/10 (8.6) Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4

Nach einer etwas schwächeren Serie habe ich mich einem Highlight in meinem Programm gewidmet, der vermutlich besten aktuell laufende Serie: „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4“. Seit der famosen dritten Staffel sind pandemiebedingt über zwei Jahre ins Land gezogen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ob diese erfüllt werden konnten, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🎙👗

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 4 | © Amazon Prime Video

Der langsame Aufstieg nach dem Fall

Da wartet man über zwei Jahre auf die neue Staffel und dann sind die acht Episoden in knapp zwei Wochen durchgeschaut. Ich prangere das an! Natürlich hätte ich mir mehr Zeit lassen können, doch wie realistisch ist das schon? Das spricht für die hohe Qualität der vierten Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“, auch wenn die Serie rein handlungstechnisch ein wenig auf der Stelle tritt. Zumindest für Midge, denn die meisten anderen Figuren erfahren spannende, urkomische und herausfordernde Entwicklungen. Im Vergleich zur zweiten Staffel, die größtenteils in den Catskills spielt, und der dritten Staffel, in der es mit Shy Baldwin auf Tour geht, befinden wir uns im vierten Jahr ganz schnöde in New York City. Back to the roots sozusagen. Auch im übertragenen Sinne, denn wie bereits in der ersten Staffel muss sich Midge wieder nach oben kämpfen. Allerdings bringt sie inzwischen viel mehr Erfahrung mit, was der Staffel eine neue, selbstbewusste Dynamik gibt.

Noch spannender fand ich jedoch beinahe die Geschichten der anderen Figuren: Gerade Susies hart erkämpfter Einstieg in die Geschäftswelt hat mir ausgezeichnet gefallen. Da liebe ich wirklich alles dran. Auch die Erzählstränge rund um Abe und Rose mochte ich wieder sehr gerne. Unvergessen bleibt Roses Auftritt unter Hypnose. Das war pures Comedy-Gold. Dann natürlich Joel, der aufgrund vieler Änderungen in seinem Leben unter Strom steht, der sich als Figur jedoch positiv weiterentwickelt. Selbst Midge, die ein wenig auf der Stelle zu treten scheint, hat so viele famose Szenen. Schon alleine, wie sie den Stripclub umkrempelt und sich dort neu positioniert. Großartig! Am Ende der Staffel trifft sie erneut auf Lenny Bruce, was für sie sowohl persönlich als auch beruflich eine einschneidende Begegnung ist. Das Finale der Staffel ist damit wunderbar emotional, auch wenn es den Knalleffekt des Vorjahres vermissen lässt. Dieser Abschluss passt allerdings perfekt zu dieser kleiner wirkenden Staffel. Die abschließende fünfte Staffel darf gerne ein paar Episoden länger laufen. Seufz.

Fazit

Auch wenn die vierte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ keine großen, inhaltlichen Sprünge macht, so war ich doch wieder komplett begeistert. Ich mag einfach nicht glauben, dass die Staffel schon wieder vorbei ist und dass die fünfte die letzte sein soll. Das wird ein schwerer Abschied. Für mich nach wie vor die beste Serie, die man sich momentan anschauen kann: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Das Buch von Boba Fett – OT: The Book of Boba Fett – Staffel 1

Nachdem ich spät auf den „The Mandalorian“-Zug aufgesprungen bin, war ich davon letztendlich doch recht begeistert. „The Book of Boba Fett“ hätte ich dagegen nicht unbedingt sehen müssen, fand ich die Figur doch schon in „The Mandalorian“ nicht sonderlich spannend. Aber inhaltlich sollte die Serie wohl sehr mit der Mutterserie verknüpft ein. Und genau so war es letztendlich auch… 🏜

The Book of Boba Fett | © Walt Disney

The Book of Boba Fett | © Walt Disney

All Filler, Almost No Killer oder Mando 2.5

In vielerlei Hinsicht wirkt „The Book of Boba Fett“ auf mich so, als wäre die Entscheidung, diese Serie zu produzieren, recht spontan getroffen worden. Das Writing schwankt oft zwischen platt und befremdlich. Als hätte man ein Kind beim Spielen mit seinen Kenner-Figuren beobachtet. Gerade während der ersten vier Episoden wirkt die Struktur der Serie auch so, als würde man versuchen zwanghaft bekannte Schauplätze/Ereignisse aus „Star Wars“ zu integrieren. Aber das liegt wohl auch in der Natur der Figur Boba Fett. Auch die Erzählung in zwei Zeitebenen wirkt strukturell unbeholfen und forciert. Als hätte man ein paar lose Ideen gehabt und diese zusammengeworfen. All das ist durchaus unterhaltsam und ich hatte meinen Spaß damit, aber so richtig rund wirkt es nicht. Und was sollte das mit dem Spice auf Tatooine? Sollte das ein Crossover mit „DUNE“ werden? (Ja, ich weiß, das wurde schon früher in „Star Wars“ erwähnt, doch so wie es hier dargestellt wird, wirkt es einfach befremdlich.)

Die besten Episoden sind zweifellos die rund um den Mandalorianer. Hier wird deutlich, dass die Serie eigentlich nur ein Vehikel ist, um die Zeit bis zur dritten Staffel  von „The Mandalorian“ zu überbrücken. Gerade die fünfte und sechste Episode fand ich rundum gelungen. Natürlich viel Fanservice, aber schöne emotionale Momente und technisch wirklich beeindruckend. Boba Fett spielt in diesen Episoden nahezu keine Rolle und ich habe ihn und seinen Konflikt auch nicht wirklich vermisst. Im äußerst actionreichen Finale kommen dann beide Erzählstränge zusammen. Mir war es fast schon zu viel Action und auch hier haben mich eher die Szenen um den Mandalorianer gefesselt. Auch handlungstechnisch passiert einiges, das eigentlich Voraussetzung für die Fortführung der Hauptserie ist. Gesehen haben sollte man die Serie als Fan des Franchises also durchaus. Schon allein, um auf dem Laufenden zu sein.

Fazit

Es ist schwierig mit „The Book of Boba Fett“ und mir. Aber ich bin ja nicht der einzige, dem es so geht. Die ersten vier Episoden fühlen sind nicht rund und wie Flickwerk an, danach macht die Serie einen qualitativen Sprung, was vermutlich auch daran liegt, dass hier eher die dritte Staffel von „The Mandalorian“ vorbereitet wird. Vermutlich wäre es sinnvoller gewesen, diese zwei bis drei Episoden direkt vor die dritte Staffel der Hauptserie zu stellen: 7/10 (6.9) Punkte.