Logan: The Wolverine – OT: Logan (2017)

Wieder einmal geht eine anstrengende Woche zu Ende. Dank eines Elternabends sind wir auch recht spät auf die wohl verdiente Couch gekommen, wo uns schon „Logan: The Wolverine“ auf dem Fernseher erwartete. Eigentlich war ich fast schon zu müde für einen Film, doch man will ja keinen freien Abend ungenutzt verstreichen lassen…

Logan: The Wolverine (2017) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Logan: The Wolverine (2017) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Der Wolverine-Film auf den alle gewartet haben

Ich bin ziemlich begeistert. „Logan“ ist tatsächlich anders als die bisherigen Filme, in denen Hugh Jackman den ikonischen Mutanten verkörpert hat. Es ist bereits sein neunter Auftritt als Wolverine und eine Rolle, die er seit 17 Jahren prägt. Eine wirklich lange Zeit, in der sich die Figur auch deutlich gewandelt hat – auch wenn die größte Charakterentwicklung tatsächlich erst in diesem finalen Film stattfinden durfte. Mir hat der erwachsenere Ansatz sehr gut gefallen. Teils wähnte ich mich auch eher in „Mad Max“ als in einem Superheldenfilm. Und dennoch wirkt wird auch der X-Men-Handlungsstrang zu einem sauberen Ende gebracht. Die Szenen zwischen Professor Xavier und Logan waren teils wirklich herzergreifend.

Trotz des beständigen Gefühls der Endgültigkeit, das dem gesamten Film innewohnt, ist er dennoch hoffnungsvoll und geizt auch nicht mit explosiver Action. Explosiv in dem Sinne, dass Logan und seine Ziehtochter Laura keine Gefangenen machen. Waren die bisherigen Filme eher zahm, so hat sich „Logan“ sein R-Rated-Label wahrlich verdient. Dabei bleibt die Gewalt dennoch comichaft und unterhaltsam. Für mich ein deutlicher Zugewinn, auch wenn ich ja bereits den Vorgänger „Wolverine: Weg des Kriegers“ für seine, zumindest im Extended Cut, härtere Gangart lobte. Innerhalb der X-Men-Reihe spielt James Mangolds Film für mich ganz oben mit – und ich müsste die Reihe wohl noch einmal komplett sehen, um mir ein fundiertes, abschließendes Urteil zu erlauben:

  1. „X-Men 2“ (2003)
  2. „Logan: The Wolverine“ (2017)
  3. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ – Rogue Cut (2014)
  4. „X-Men“ (2000)
  5. „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011)
  6. „Wolverine: Weg des Kriegers“ – Extended Cut (2013)
  7. „X-Men: Apocalypse“ (2016)
  8. „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006)
  9. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009)

Fazit

In meinen Augen hat „Logan“ so ziemlich alles richtig gemacht: Der Film ist hart, konsequent, stilsicher inszeniert und findet einen endgültigen Abschluss. Die Geschichte besteht dafür nur aus bereits bekannten Versatzstücken, was aber kein großes Defizit ist. Da der Film ein finanzieller Erfolg war, bin ich gespannt, ob uns demnächst weitere R-Rated-Comicfilme, von „Deadpool“ einmal abgesehen, ins Haus stehen. Ich würde mich freuen: 8/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 7

Eigentlich wollte ich mich nach dem „Penny Dreadful“-Marathon endlich der siebten Staffel von „Game of Thrones“ zuwenden, doch dann grätschte mir die nette Familie Gallagher mit „Shameless – Season 7“ dazwischen. Keine Frage also, dass ich mich zunächst mit dieser beschäftigt habe, denn was den Unterhaltungswert angeht, kann kaum eine weitere aktuell laufende Serie dieser hier das Wasser reichen…

Shameless – Season 7 | © Warner Home Video

Shameless – Season 7 | © Warner Home Video

Die Gallaghers sind zurück – und wie!

Hatte ich bei der sechsten Staffel noch das Gefühl, die Serie könnte langsam an der nötigen Bodenhaftung verlieren, so fühlte sich das siebte Jahr wieder deutlich geerdeter an. Wobei das bei den Gallaghers natürlich immer noch komplettes Chaos bedeutet. Begeistert haben mich vor allem die teils unerwarteten Wendungen bzw. Entscheidungen der uns ans Herz gewachsenen Figuren. Überraschend und doch absolut glaubwürdig – und dabei im Rahmen einer Weiterentwicklung der Charaktere sinnvoll. Vielleicht hätte sich Rian Johnson diese Serie zur Vorbereitung seiner Drehbucharbeit an „Star Wars: The Last Jedi“ einmal anschauen sollen. Selbst wenn viele bekannte Elemente aufgegriffen werden, so macht jede Figur doch eine konsequente, überraschende und dabei komplett nachvollziehbare Entwicklung durch.

Wenn ich nun meinen Lieblingshandlungsstrang nennen müsste, ich könnte mich nicht entscheiden. Alle sind auf ihre Art und Weise großartig:

  • Frank sucht sich eine Ersatzfamilie und eröffnet – natürlich völlig uneigennützig – ein Obdachlosenheim, kurz bevor ihn der größte emotionale Tiefschlag seines Lebens ereilt.
  • Fiona kapselt sich emotional ab und zieht ihr Ding durch, was konkret bedeutet: Sie wird Geschäftsfrau und kauft einen Waschsalon, dessen ursprüngliche, senile Besitzerin sie danach zusätzlich betreut.
  • Carl lässt sich für seine Freundin beschneiden, wird danach abserviert, verbündet sich mit ihrem Vater und geht letztendlich auf eine Militärschule.
  • Lip arbeitet als unbezahlter Praktikant in einem Hipster-Startup, kommt nicht vom Alkohol los und stürzt komplett ab.
  • Ian geht eine Beziehung mit einem transsexuellen Mann ein und muss sich im weiteren Verlauf zwischen seinem inzwischen geregelten Leben und dem aus dem Gefängnis ausgebrochenen Mickey Milkovich entscheiden.
  • Debbie kämpft um ihre Tochter, heiratet einen geistig und körperlich behinderten Mann und geht aus alldem erwachsener heraus als je zuvor.

…und das war nur ein kleiner Teil der famosen Geschichten, die „Shameless“ im inzwischen siebten Jahr zu erzählen weiß.

Fazit

Was waren die letzten zwölf Stunden mit den Gallaghers für ein Vergnügen. Herrlich! Ich schaue ja wirklich viele Serien, doch so durchgehend unterhaltsam ist kaum eine zweite Show. Dabei schaffen es die Autoren und Darsteller weiterhin perfekt Drama und Humor zu kombinieren, ohne ihre Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben. Brisante Themen werden luftig leicht inszeniert, nur um im nächsten Moment zum emotionalen Tiefschlag auszuholen. Großartig! Im siebten Jahr einer Serie solch eine Qualität abzuliefern, ist eine Kunst für sich: 9/10 (9.4) Punkte.

The Dark Forest (Cixin Liu)

Es ist erschreckend: Nachdem ich von „The Three-Body Problem“ extrem begeistert war und ich das Buch für meine Verhältnisse recht schnell verschlungen hatte, saß ich am Nachfolger „The Dark Forest“ ungefähr ein halbes Jahr. Zwar ist auch der Umfang gewachsen, doch letztendlich bin ich einfach noch weniger zum Lesen gekommen als zu Beginn des letzten Jahres. An der Qualität der Geschichte liegt es glücklicherweise nicht und Autor Cixin Liu baut das von ihm geschaffene Universum konsequent weiter aus. Dennoch, oder gerade deshalb, beschreitet die Geschichte ganz neue Wege, was uns einen faszinierenden Einblick in die Zukunft der Menschheit werfen lässt…

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Life in Pieces – Season 2

Kaum zu glauben, doch ich habe „Life in Pieces – Season 2“ nach über einem Jahr tatsächlich zu Ende geschaut. Manchmal ist es also gar nicht so schlecht, bei Serien eine Pause einzulegen. Warum ich die Sichtung der Comedy-Show doch wieder aufgenommen habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Life in Pieces – Season 2 | © 20th Century Fox Television

Life in Pieces – Season 2 | © 20th Century Fox Television

Comedy-Happen mit teils seltsamem Humor

Im Grunde hat sich im Vergleich zur ersten Staffel nichts geändert: Immer noch bekommen wir eine turbulente Familien-Comedy in ca. fünfminütigen Häppchen serviert. Jeweils vier dieser Häppchen ergeben eine Episode, die meist keinen roten Faden zwischen den einzelnen Segmenten bietet. Nach wie vor sehe ich das als großen Schwachpunkt der Serie, weshalb ich auch nach der achten Episode ausgestiegen bin. Zumindest vorerst. Als uns eine 20-minütige Serie im Programm fehlte, habe ich doch wieder eingeschaltet und bin sogleich bei einer Episode gelandet, die tatsächlich eine Verbindung zwischen den einzelnen Geschichten schafft. Auch den Humor fand ich deutlich angenehmer und für ungefähr acht weitere Episoden war ich der Serie gegenüber erstaunlich positiv eingestellt.

Leider jedoch konnte sich der positive Eindruck nicht bis zum Schluss halten, wobei ich auch sagen muss, dass ich größtenteils zwei Segmente wirklich witzig fand, eines eher durchschnittlich und das vierte dann eher schwach. Wenn es diese strikte Trennung nicht geben würde, wäre der Gesamteindruck wohl auch deutlich besser gewesen. Doch manche Figuren, speziell die WG-Bewohnerin Dougie, sind unglaublich klischeehaft geschriebene Stereotypen, die mir teils den Spaß an den anderen Geschichten verdorben haben, selbst wenn diese deutlich besser waren.

Fazit

Immer noch eine durchaus launige Familien-Comedy, die unter ihrem starren Konzept leidet. Der Humor war mir teils zu flach, doch ein paar Charaktere mag ich inzwischen wirklich gerne. Wenn man die Serie nicht geballt schaut, funktioniert sie als netter Tagesabschluss ziemlich gut. Kein Comedy-Hit, sondern nette Unterhaltung – zumindest drei Viertel der Show: 7/10 (6.9) Punkte.

Star Wars: Die letzten Jedi – OT: Star Wars: The Last Jedi (2017)

Aktualisierung: Ich habe „Star Wars: Die letzten Jedi“ am 14. Oktober 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem ich am Freitag relativ spontan meinen Eindruck zum Vorgänger aufgefrischt hatte, saß ich gestern Nachmittag im Kino und habe mir „Star Wars: Die letzten Jedi“ tatsächlich noch auf der großen Leinwand angesehen. Die Kinder haben bei den Großeltern übernachtet, weshalb wir danach noch gemütlich Essen gehen konnten und einfach einen wundervollen Abend hatten. Wie groß der Anteil des Films daran war, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Star Wars: Die letzten Jedi (2017) | © Walt Disney

Star Wars: Die letzten Jedi (2017) | © Walt Disney

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Star Wars: Das Erwachen der Macht – OT: Star Wars: The Force Awakens (2015) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ am 30. September 2022 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ganz spontan hat es sich doch noch ergeben, dass ich es morgen vermutlich schaffe, mir „Star Wars: Die letzten Jedi“ im Kino anzusehen. Somit habe ich heute, trotz akuter Müdigkeit, den Vorgänger „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ in den Player geschoben, denn die letzte (und bisher einzige) Sichtung liegt inzwischen auch schon wieder zwei Jahre zurück. Was hat sich seitdem verändert?

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht (2015) | © Walt Disney

Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015) | © Walt Disney

Ein nostalgisches Sci-Fi-Abenteuer

Leider habe ich es bisher immer noch nicht geschafft, mir alle bisherigen Teile inklusive „Rogue One: A Star Wars Story“ noch einmal zu Gemüte zu führen. Das war eigentlich mein Plan vor der Sichtung des aktuellen Teils, doch es sollte nicht sein. Wenigstens meine Eindrücke zum direkten Vorgänger wollte ich noch einmal auffrischen – und ja, er wirkt auch heute noch so unterhaltsam, wie beim Kinobesuch vor zwei Jahren. Es ist wirklich bemerkenswert, wie gut J. J. Abrams den Ton der alten Filme trifft. Fast schon zu gut. Mir ist die inhaltliche Verwandschaft zu „Star Wars: Eine neue Hoffnung“ heute noch stärker aufgefallen als damals, gerade was die grobe Handlungsstruktur angeht. Da merkt man, dass Disney wirklich auf Nummer sicher gehen wollte, was einerseits wunderbar funktioniert, andererseits aber auch jegliche Weiterentwicklung oder Innovation vermissen lässt.

Was die Rückkehr bekannter Charaktere (Han Solo, Chewbacca und Leia Organa) angeht, habe ich den Film heute viel versöhnlicher wahrgenommen. Vielleicht weil ich schon wusste, worauf diese Entwicklung hinausläuft. Richtig begeistert war ich erneut von Rey und Finn sowie dem großen Gegenspieler Kylo Ren. Von diesen Figuren erwarte ich mir so einiges in „The Last Jedi“, auch wenn ich inzwischen weiß, dass die Fortsetzung mehr als kontrovers aufgenommen wird. Wenn Rian Johnson („Looper“) es gelingt, den nostalgischen Flair beizubehalten und dabei eine originellere Geschichte zu erzählen, dann bin ich schon zufrieden.

Fazit

Im direkten Vergleich zu Disneys anderem Sci-Fi-Abenteuer-Franchise „Guardians of the Galaxy“ wirkt „The Force Awakens“ fast schon ein wenig altbacken. Das ist nicht zwangsweise schlecht, denn gerade durch die offen ausgespielte Nostalgie-Karte kann J. J. Abrams‘ Film punkten. Es macht einfach Spaß in dieses nur allzu bekannte Universum zurückzukehren und ich freue mich nun schon richtig auf den zweiten Teil. Ob meine Erwartungen daran erfüllt werden, werde ich in den nächsten Tagen berichten. Die Rückkehr zum ersten Teil der neuen Trilogie hat sich auf jeden Fall gelohnt: 8/10 Punkte.

Eine weitere Besprechung des Films habe ich am 7. Februar 2016 veröffentlicht.

300: Rise of an Empire (2014)

Ein langer Tag mit Schnee, fettigem Essen und einem gewissen Maß an Lagerkoller geht zu Ende. Eigentlich zu spät aufs Sofa gekommen und zu müde für einen Film gewesen, habe ich dennoch „300: Rise of an Empire“ in den Player geschoben. Was die Fortsetzung zu Zack Snyders Action-Kracher „300“ zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

300: Rise of an Empire (2014) | © Warner Home Video

300: Rise of an Empire (2014) | © Warner Home Video

Eva Green rettet den Film vor der Belanglosigkeit

Tatsächlich sieht „300: Rise of an Empire“ wieder enorm gut aus. Die comichaften Schlachtszenen wirken noch perfekter und glatter – und das trotz der Hektoliter an CGI-Blut, die hier vergossen werden. Nein, Noam Murros Sequel ist nicht brutal, sondern einfach nur größer, bunter, lauter. Eine typische Fortsetzung eben. Das Übermaß an Gewalt verpufft komplett, da sie keinen Effekt auf unsere Charaktere hat. Es ist egal wer stirbt und wer lebt, was wirklich schade ist, denn so manche Kampfszene bietet wahrlich famos anzusehende Einstellungen.

Neben der fahrigen Erzählweise (im Prinzip eine Aneinanderreihung an Rückblenden), ist wohl die schwache Hauptfigur Themistokles einer der größten Fehler des Films. Hauptdarsteller Sullivan Stapleton bleibt komplett blass. Ihm fehlt jegliches Charisma, das Gerard Butler im ersten Teil noch zu verströmen wusste. Dafür gibt es mit Eva Greens Artemisia eine sehenswerte Gegenspielerin, die den Film auch fraglos dominiert. Eva Green (u.a. bekannt als Vanessa Ives in „Penny Dreadful“) ist sich hier für nichts zu schade und setzt ganz auf den Exploitation-Charme des Films. Leider nimmt sich der Rest des Fantasy-Actioners viel zu Ernst und kann nicht mit ihrer Performance mithalten.

Fazit

Auch wenn „300: Rise of an Empire“ kein wirklich guter Film ist, so hatte ich doch Spaß bei der Sichtung – und das lag vor allem an den teils toll anzusehenden Bilder und Eva Green. Nötig war diese Fortsetzung keineswegs, doch wer „300“ mochte, der kann ruhig einmal reinschauen. Oder eben auch nicht. Heute gesehen, morgen vergessen. Immerhin ein wenig gelungener als der „300“-Klon „Krieg der Götter“: 5/10 Punkte.

La La Land (2016)

Nach einer fordernden Arbeitswoche wäre ich heute am liebsten zeitgleich mit meinen Kindern ins Bett gegangen. Aber wer braucht schon Schlaf, wenn er Kino haben kann? Also habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich „La La Land“ nachgeholt. Ein Film, der nach der Oscar-Verleihung 2017 in aller Munde war und der dennoch sehr kontrovers aufgenommen wurde: entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

La La Land (2016) | © Studiocanal

La La Land (2016) | © Studiocanal

„La La Land“ oder „Nostalgie: Der Film“

Auch wenn das Genre unter vielen Filmfreunden nicht sonderlich beliebt ist, so muss ich mich klar zu den Verfechtern des Film-Musicals zählen. Insofern war ich begeistert, dass Damien Chazelle seinen Film völlig unzweideutig mit einer bombastischen Musical-Nummer eröffnet. Herrlich! Auch im weiteren Verlauf ist „La La Land“ durchzogen von Tanzszenen und Songs, die an das klassische Hollywood-Musical erinnern, aber doch Gebrauch von moderner Inszenierung machen. Überhaupt ist der Spagat zwischen Nostalgie und Moderne der Kernpunkt des Films, sowohl formal als auch inhaltlich. Das ist nicht immer sonderlich subtil inszeniert und wird an manchen Stellen im Drehbuch sogar plakativ ausgesprochen, doch bewahrt sich der Film dadurch eine gewisse Unschuld in seiner bewusst gewählten Verspieltheit.

Die Geschichte von Mia (Emma Stone, „Crazy, Stupid, Love.“) und Sebastian (Ryan Gosling, „Blade Runner 2049“) erzählt eine oftmals kitschige und doch nicht konfliktfreie Liebe, die zuletzt nicht in einem Happy End gipfelt – zumindest nicht im klassischen, nostalgischen Sinne. Hat also die Moderne gewonnen? Das kommt wohl ganz auf die persönliche Perspektive an, denn beide Figuren leben ihren Traum. Nur eben nicht zusammen. Den Unterschied machen, wie so oft im Leben, eher die kleinen, unbewussten Entscheidungen. Somit werden wir auf einer bittersüßen Note aus dem stilisierten Los Angeles entlassen, das durch seine ikonischen Bilder noch lange in der Filmwelt nachhallen wird.

Kein klassisches Hollywood-Musical

Die meisten vehementen Kritiker beschweren sich, dass „La La Land“ nur versucht die großen Musicals der goldenen Ära Hollywoods zu kopieren, ohne dabei jedoch ihre Klasse zu erreichen. Damien Chazelles Film ist dabei aber eher Meta-Kommentar als Hommage: Egal ob ein Mobiltelefon mitten in einer Tanznummer klingelt oder die Traumfabrik in einer Traumszene als fiktive Kulisse inszeniert wird, „La La Land“ ist Ebene auf Ebene. Schicht auf Schicht. Die Nostalgie mag das Fundament sein, doch ist dieses inzwischen kaum mehr erkenntlich. Dem Film gelingt somit gleichzeitig die Dekonstruktion dieses Traums, er schafft es dabei aber auch eine der größten Liebeserklärungen an die Träumer da draußen zu sein.

Fazit

„La La Land“ ist in erster Linie ein technisch beeindruckender, audiovisueller Rausch. Schon alleine in den Bildern zeigt sich, dass der Film seinen Vorbildern huldigt, diese gleichzeitig kommentiert und teils dekonstruiert. Verpackt ist all das in wunderbare Musical-Nummern, die mitreißend gespielt und inszeniert sind. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die mich am Ende sogar eine kleine Träne verdrücken ließ. Alles in allem ein wirklich toller Film, der zum mehrfachen Schauen einlädt: 9/10 Punkte.

Penny Dreadful – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Um die Serie bin ich im vergangenen Jahr schon länger herumgeschlichen und die beständigen Empfehlungen verschiedenster Blogger (ganz besonders mwj) haben ihr Übriges getan, um mich zum Kauf der Komplettbox von „Penny Dreadful“ zu bewegen. Im Vorfeld wusste ich nur, dass die Serie die Horrorgestalten des viktorianischen Englands vereint und Eva Green die Hauptrolle spielt. Was hat „Penny Dreadful“ sonst noch zu bieten?

Penny Dreadful | © Paramount (Universal Pictures)

Penny Dreadful | © Paramount (Universal Pictures)

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Baby Driver (2017)

Was habe ich mich auf den neuen Film von Edgar Wright gefreut. Seit „Spaced“ und „Shaun of the Dead“ liebe ich den innovativen britischen Filmemacher. Selbst seine als schwächer angesehenen Filme, wie „The World’s End“, haben mir ausgezeichnet gefallen. Ich war also bester Dinge, mit „Baby Driver“ einen neuen Geniestreich zu sehen. Warum der Film meine Erwartung nicht erfüllen konnte, versuche ich in der folgenden Besprechung zu erklären…

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Music Was My First Love

Während der Eröffnungssequenz war ich noch der festen Überzeugung, dass „Baby Driver“ das Zeug zu einem neuen Lieblingsfilm hat. Musik, Action und abgefahrene Charaktere. Seit „Ronin“ hatte ich keine so gelungene Autoverfolgungsjagd mehr gesehen. Dann die wunderbare Musical-Sequenz, in der Baby (toll gespielt von Ansel Elgort) durch die Straßen tanzt. Herrlich! Und dann ging es los mit der Geschichte. Die zuvor noch interessant wirkenden Figuren stellten sich ziemlich schnell als nervige Klischees heraus. In der Szene, in der Kevin Spacey allein mit Ansel Elgort im Aufzug zurückblieb hatte ich dann tatsächlich Gänsehaut. Aber aus anderen Gründen. Sehr unangenehm.

Die Musik als eigentlicher Star des Films hat mir gut gefallen, doch konnte keine Sequenz mehr an die Eröffnung anschließen. Sicher waren die Szenen wunderbar choreografiert, die Musik fabelhaft gewählt und die Montage makellos. Aber auf Dauer eben auch eintönig und, nunja, ziemlich selbstverliebt. Wright hat die Kombination aus Musik, Rhythmus und Schnitt ja bereits in „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und Co. verwendet, doch dort gezielter und nicht so inflationär. Ja, ich weiß, dass dies das Konzept des gesamten Films ist und auch inhaltlich mit der Geschichte und der Hauptfigur verknüpft ist, doch irgendwie hat sich all das für mich dennoch künstlich und aufgesetzt angefühlt.

True Natural Born Romance Killers

Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Baby und Debora hat mir in ihren Anfängen sehr gut gefallen, sich danach jedoch ziemlich vorhersehbar und lahm entwickelt. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Film ab der Hälfte unheimlich abbaut und letztendlich in einem antiklimaktischen Finale gipfelt, das einfach nur beliebig ist. Wirklich schade, um den gelungenen Einstieg in die Geschichte. Die Nebenfiguren rund um John Hamm, Jamie Foxx und Co. verkommen im Verlauf der Handlung leider auch immer mehr zu Abziehbildern. Dennoch gibt es ein paar nette Momente und absurde Komik. Wirklich lustig fand ich den Film jedoch nur selten.

Fazit

Wie ihr meiner obigen Besprechung bereits entnehmen konntet, hat mich „Baby Driver“ leider ziemlich enttäuscht. Ich hatte durchaus Spaß mit dem Film, doch konnte er meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Die erste halbe Stunde fand ich famos, doch danach hat sich der Film ziemlich in der Belanglosigkeit verloren. Kein schlechter Film, doch für mich mehr ein langgezogenes Musikvideo, das seine zwei besten musikalischen Sequenzen gleich zu Beginn verschossen hat. So leid es mir tut, doch insgesamt nur knapp überdurchschnittlich: 6/10 Punkte.