Die Schöne und das Biest – OT: Beauty and the Beast (2017)

In der letzten Woche habe ich schon mehr Filme gesehen, als in den zwei Monaten zuvor. Was eine Abkühlung um 15 °C doch ausmacht. Gestern stand mit der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ ein Film auf dem Programm, den wir schon lange sehen wollten. Auch weil mir das Live-Action-Remake von „The Jungle Book“ ausgezeichnet gefallen hat, war ich sehr hoffnungsvoll…

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

How Does a Moment Last Forever

Im Gegensatz zu vielen anderen Disney-Klassikern, habe ich „Die Schöne und das Biest“ in meiner Jugend nicht sonderlich häufig gesehen. Ich kann mich tatsächlich nur an eine oder zwei Sichtungen erinnern. Der Film besitzt für mich demnach keinen überaus großen Stellenwert, wenngleich ich das Zeichentrick-Musical auch sehr mag und die meisten Songs wiedererkannt habe. Im Gegensatz zu „The Jungle Book“ orientiert sich Bill Condons Version sehr nahe am Animationsfilm, weshalb er sich noch mehr als Jon Favreau die Frage gefallen lassen muss: Warum überhaupt ein Remake? (Klar, für Disney ist viel Geld im Spiel.) Wenn man sich für den Film interessiert, sollte man diese Frage jedoch zunächst hintenanstellen. Schon alleine um nicht beständig zu vergleichen. Für mich hat diese neue Version tatsächlich einen Mehrwert geschaffen und das ohne den Zeichentrickfilm abzuwerten:

Auch wenn viel CGI im Spiel ist, so liebe ich den Look des Films. Das Dorf, das düstere  Schloss und speziell seine Bewohner haben es mir wirklich angetan. Auch die Musical-Nummern funktionieren größtenteils extrem gut und die inhaltlichen Erweiterungen geben den Figuren mehr Tiefe. Andere Elemente, wie z.B. die Ausgestaltung von „Be Our Guest“, haben auf mich ein wenig befremdlich gewirkt. Hier hätte der Film für mich besser funktioniert, wenn sich die Inszenierung mehr vom Original gelöst hätte. Die neuen Songs dagegen fügen sich wunderbar in die Geschichte ein.

Beauty and the Beast

Über die Besetzung, gerade von Emma Watson, wurde viel geschimpft. Ich kann das nicht nachvollziehen. Sicher entspricht sie nicht der Belle aus dem Animationsfilm, doch begrüße ich diese Änderung. Der Film bekommt dadurch einen frischen Wind und man löst sich vom beständigen Vergleich. Auch die anderen Schauspieler füllen ihre Rollen gekonnt aus, wobei ich am meisten Zeit benötigt habe, um mich mit Dan Stevens (David, „The Guest“) anzufreunden. Das Duo Luke Evans und Josh Gad fand ich herrlich. Und die CGI-Versionen von Lumière und Cogswort, dargestellt durch Ewan McGregor und Ian McKellen, sind perfekt getroffen.

Fazit

Auch wenn man sich über den Existenzgrund des Films trefflich streiten kann, so konnte ich mich der Magie von „Die Schöne und das Biest“ auch in der Neuverfilmung nicht entziehen. Es ist nicht alles perfekt und eine freiere Interpretation wäre teils wünschenswert gewesen. Davon abgesehen konnte mich Bill Condons Film jedoch überzeugen und ich habe jede (gesungene) Minute genossen: 8/10 Punkte.

La La Land (2016)

Nach einer fordernden Arbeitswoche wäre ich heute am liebsten zeitgleich mit meinen Kindern ins Bett gegangen. Aber wer braucht schon Schlaf, wenn er Kino haben kann? Also habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich „La La Land“ nachgeholt. Ein Film, der nach der Oscar-Verleihung 2017 in aller Munde war und der dennoch sehr kontrovers aufgenommen wurde: entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

La La Land (2016) | © Studiocanal

La La Land (2016) | © Studiocanal

„La La Land“ oder „Nostalgie: Der Film“

Auch wenn das Genre unter vielen Filmfreunden nicht sonderlich beliebt ist, so muss ich mich klar zu den Verfechtern des Film-Musicals zählen. Insofern war ich begeistert, dass Damien Chazelle seinen Film völlig unzweideutig mit einer bombastischen Musical-Nummer eröffnet. Herrlich! Auch im weiteren Verlauf ist „La La Land“ durchzogen von Tanzszenen und Songs, die an das klassische Hollywood-Musical erinnern, aber doch Gebrauch von moderner Inszenierung machen. Überhaupt ist der Spagat zwischen Nostalgie und Moderne der Kernpunkt des Films, sowohl formal als auch inhaltlich. Das ist nicht immer sonderlich subtil inszeniert und wird an manchen Stellen im Drehbuch sogar plakativ ausgesprochen, doch bewahrt sich der Film dadurch eine gewisse Unschuld in seiner bewusst gewählten Verspieltheit.

Die Geschichte von Mia (Emma Stone, „Crazy, Stupid, Love.“) und Sebastian (Ryan Gosling, „Blade Runner 2049“) erzählt eine oftmals kitschige und doch nicht konfliktfreie Liebe, die zuletzt nicht in einem Happy End gipfelt – zumindest nicht im klassischen, nostalgischen Sinne. Hat also die Moderne gewonnen? Das kommt wohl ganz auf die persönliche Perspektive an, denn beide Figuren leben ihren Traum. Nur eben nicht zusammen. Den Unterschied machen, wie so oft im Leben, eher die kleinen, unbewussten Entscheidungen. Somit werden wir auf einer bittersüßen Note aus dem stilisierten Los Angeles entlassen, das durch seine ikonischen Bilder noch lange in der Filmwelt nachhallen wird.

Kein klassisches Hollywood-Musical

Die meisten vehementen Kritiker beschweren sich, dass „La La Land“ nur versucht die großen Musicals der goldenen Ära Hollywoods zu kopieren, ohne dabei jedoch ihre Klasse zu erreichen. Damien Chazelles Film ist dabei aber eher Meta-Kommentar als Hommage: Egal ob ein Mobiltelefon mitten in einer Tanznummer klingelt oder die Traumfabrik in einer Traumszene als fiktive Kulisse inszeniert wird, „La La Land“ ist Ebene auf Ebene. Schicht auf Schicht. Die Nostalgie mag das Fundament sein, doch ist dieses inzwischen kaum mehr erkenntlich. Dem Film gelingt somit gleichzeitig die Dekonstruktion dieses Traums, er schafft es dabei aber auch eine der größten Liebeserklärungen an die Träumer da draußen zu sein.

Fazit

„La La Land“ ist in erster Linie ein technisch beeindruckender, audiovisueller Rausch. Schon alleine in den Bildern zeigt sich, dass der Film seinen Vorbildern huldigt, diese gleichzeitig kommentiert und teils dekonstruiert. Verpackt ist all das in wunderbare Musical-Nummern, die mitreißend gespielt und inszeniert sind. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die mich am Ende sogar eine kleine Träne verdrücken ließ. Alles in allem ein wirklich toller Film, der zum mehrfachen Schauen einlädt: 9/10 Punkte.

Die Eiskönigin: Völlig unverfroren – OT: Frozen (2013)

Nach dem unterhaltsamen Kurzfilm „Get a Horse!“ folgte mit „Die Eiskönigin: Völlig unverfroren“ natürlich noch der zugehörige Langfilm. Nachdem mich Disney mit „Rapunzel: Neu verföhnt“ (auch wieder so ein, ähm, toller deutscher Titel) ziemlich begeistert hatte, wollte ich den Nachfolger natürlich auch sehen. Damit bin ich ziemlich spät dran, doch kam man aufgrund des großen Erfolgs schon allein aufgrund der Merchandising-Produkte nicht um „Frozen“ herum. Wird der Film dem Hype also gerecht?

frozen_3

Bei „Tangled“ war ich begeistert, dass sich Disney der alten Tugenden bedient und tatsächlich einmal wieder einen Märchenfilm mit Gesang und klassischer Handlung auf die Beine stellte. Auch „Frozen“ geht – sorry! – eiskalt in diese Richtung, sprich der Film lebt von viel Gesang, einer Liebesgeschichte und lustigen Sidekicks. Auch der Animationsstil wurde dem Vorgängerfilm entnommen, was nur konsequent ist. Warum auch an der Erfolgsformel herumdoktern? Da Disney vor ein paar Tagen die Fortsetzung ankündigte, scheint der Plan auch finanziell aufgegangen zu sein. Ich hoffe jedoch inständig, dass in den nächsten Jahren nicht noch unzählige weitere Märchenfilme nach Schema F ins Kino kommen, denn dann läuft sich auch diese Formel wieder tot und es muss erst wieder ein „Shrek“ kommen, um für neue Impulse zu sorgen.

Nach diesem Vorgriff wieder zurück in die Gegenwart und zu „Frozen“: Die Handlung ist eigentlich nicht der Rede wert, es wird eben Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ komplett verdisneyfiziert, mit unzähligen lustigen Charakteren angereichert und in kindgerechte Abenteuerform gepresst. Das alles klingt nun eher negativ, doch der Film macht trotz altbekannter Formel unfassbar viel Spaß. Die Dialoge sind schmissig, die Action mitreißend und die Figuren liebenswert. Hinzu kommt eine glaubwürdige Chemie zwischen Anna (toll gesprochen von Kristen Bell) und Kristoff. Ganz so viel Glitzer und Eispaläste hätte ich nicht gebraucht und auch nicht jeder Song zündet, doch konnte ich erstaunlich gut über den Kitschfaktor hinwegsehen und wurde einfach nur zauberhaft unterhalten.

Letztendlich ist „Die Eiskönigin: Völlig unverfroren“ ein wunderbarer Animationsfilm, der Kinder wohl noch besser zu unterhalten weiß als Erwachsene. Wenn man jedoch im Herzen jung geblieben ist und zudem ein Faible für Musicals hat, dann sollte man sich von der kitschigen Glitzerverpackung nicht abschrecken lassen. Mein Zappelinchen hat die Blu-ray heute schon ganz aufgeregt in den Händen gehalten und wollte wissen, wann sie den Film denn endlich einmal sehen kann. Und ich kann nur sagen, ich freue mich auf die gemeinsame Sichtung: 8/10 Punkte.

Rent (2005)

Die Kinder sind immer noch krank. Ich bin müde. Dennoch ist es Freitagabend und somit Zeit für einen Film. Die Wahl fiel heute auf die Musical-Verfilmung „Rent“, welche bereits seit einiger Zeit bei mir im Regal steht. Das Musical war mir zwar ein Begriff, doch ist Chris Columbus‘ Filmversion erst mit der zweiten Staffel der TV-Serie „Smash“ auf meinem Radar erschienen, deren Show-in-der-Show „Hit List“ lose nach dem ungewöhnlichen Broadway-Hit gestaltet wurde…

rent_1

Ich mag Musicals. Auch im Film. Dennoch war es zu Beginn wieder ein wenig befremdlich die Schauspieler in perfekter Choreografie singen zu sehen, besonders da die real wirkenden Sets sehr bühnenhaft eingesetzt werden. Nach ein paar Minuten war ich jedoch drin und mit der Zeit habe ich auch die Kameraarbeit zu schätzen gewusst, die einerseits bewusst filmisch ist, den Schauspielern aber auch genügend Platz für ihre Performance lässt. Hinzu kam die mitreißende Musik und die stets fortschreitende Handlung, die mich auch bald emotional für sich vereinnahmte.

Die Handlung von „Rent“ ist ungewöhnlich für ein Musical: Lose auf Puccinis „La Bohème“ basierend, erzählt Jonathan Larson die Geschichte erfolgloser Künstler, die versuchen ihren Platz in New York City zu finden. Starke Themen sind Homosexualität und Aids, Armut und Selbstaufgabe. Auch vor Todesfällen macht das Musical nicht halt. Es ist nahe am Leben dran und dennoch artifiziell. Eine seltsame Mischung, die aber funktioniert und von den mitreißenden und kraftvoll vorgetragenen Songs lebt.

In manchen Momenten mag der Film ein wenig zu glatt und auf Hochglanz getrimmt inszeniert sein, doch hat man die Stimmung der späten 80er/frühen 90er Jahre samt der damals und auch heute noch relevanten Themen gekonnt und auf recht spezielle Art und Weise eingefangen. Natürlich lebt diese Atmosphäre auch besonders von den Schauspielern, die nahezu allesamt der Originalbesetzung des Musicals entsprechen – inklusive einiger bekannterer Gesichter, wie z.B. Taye Diggs oder Idina Menzel (u.a. „Glee“).

Wenn man über „Rent“ schreibt, muss man natürlich auch den tragischen Tod des Autoren und Komponisten Jonathan Larson erwähnen: Er verstarb mit 35 Jahren am Tag der Premiere. Auch wenn die Filmversion teils etwas zu poliert erscheint, so strahlt sie doch diese besondere und ungewöhnliche Energie aus, die das Musical zu berühmt machte. Musicalfreunde sollten auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Rock of Ages – Extended Cut

Heute hätte ich schwören können, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Zu lange Arbeitstage, zu zermürbende Aufgaben und eine geballte Ladung Kinder am Feierabend. Vielleicht habe ich mich deshalb für die Musical-Verfilmung „Rock of Ages“ (gesehen im Extended Cut) entschieden. Obwohl mich der Film interessierte, waren meine Erwartungen aufgrund ziemlich mieser Kritiken nicht sonderlich hoch – doch was soll ich sagen? Ich bin noch wach und wurde bestens unterhalten…

rock_of_ages_1

Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass man mit „Rock of Ages“ ein Musical sieht. Ein verfilmtes Musical und keine Dokumentation über die Rockmusik der 80er Jahre. Wie bei nahezu jedem Musical-Film sollte man deshalb – besonders wenn etliche Rollen von bekannten Filmstars besetzt sind – über eine gewisse Fremdschäm-Toleranz verfügen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Musicals nimmt sich der Film zu keiner Zeit ernst. Die dargestellten 80er Jahre sind eine überstilisierte Version dieses Zeit. Künstlich, cheesy und larger than life. Eine glorifizierte Erinnerung inklusive aller Klischees, die die 80er Jahre so mit sich bringen.

Was die Musik angeht, kann ich mich auch nicht beschweren. Selbst wenn Gitarrenmusik im weitesten Sinne zu meinen bevorzugten Genres zählt, so bin ich nicht der größte Fan von 80er Jahr Stadionrock. Dennoch kenne ich natürlich all die gespielten Songs und bin größtenteils mit ihnen aufgewachsen. Ja, sie sind überproduziert und natürlich klingen sie im Original besser, doch macht es unglaublich viel Spaß Tom Cruise, Alex Baldwin, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Paul Giamatti usw. all die großen Hits performen zu sehen. Mit DON’T STOP BELIEVIN‘ endet der Film zudem mit einem meiner absoluten Lieblingssongs der Ära, was den Film noch einmal in ein positiveres Licht rückt.

Kritikpunkte gibt es – ganz objektiv gesehen – natürlich zuhauf. So ist das Drehbuch platter als eine Vinylscheibe und der Ausgang der Geschichte ist bereits ab der ersten Szene klar. Die beiden Hauptfiguren sind zudem nicht sonderlich charismatisch, aber weit nicht so schrecklich, wie ich das nach den teils bitterbösen Kritiken befürchtet hatte. Ebenso hat der Film im Mittelteil einige Längen, welche jedoch stets durch eine wunderbar inszenierte Musicalnummer unterbochen werden. Der Film ist somit alles andere als perfekt, doch hat er teils herrliche Dialoge, fantastische Songeinlagen – u.a. zwischen Alec Baldwin und Russell Brand das beste Liebesduett überhaupt – und großartige Darsteller, die sich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.

Auch wenn ich mit dieser Kritik vermutlich wieder Kopfschütteln in der filmischen Blogosphäre hervorrufe, so kann ich den Film doch nur wärmstens empfehlen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Wenn also auch ihr nur annähernd etwas mit der Rockmusik der späten 80er Jahre, Musicals an sich und sowohl kitschigem als auch selbstironischem Pathos anfangen könnt, dann solltet ihr eure Luftgitarren auspacken und „Rock of Ages“ eine Chance geben – das hat der Film mehr als verdient: 8/10 Punkte.

Die Muppets – OT: The Muppets (2011)

In den heutigen Filmgenuss bin ich durch die Jungs von Nerdtalk gekommen, dank deren Gewinnspiel ich heute die brandneue Blu-ray von „Die Muppets“ im Briefkasten vorfand. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Phil, Andy und Lars! Vermutlich wäre ich über kurz oder lang sowieso über den Film gestolpert, da mich Jason Segels Engagement die Muppets wieder auf die große Leindwand zu bringen ohnehin beeindruckt hat. Was hat das 2011er Comeback der bunten Truppe also zu bieten?

Würde ich ich mich als großen Muppet-Fan bezeichnen, dann würde ich lügen. Zwar habe ich in meiner Kindheit bzw. Jugend einige Episoden der TV-Serie sowie die Kinofilme (z.B. „The Muppet Christmas Carol“) gesehen, doch größtenteils sind bei mir wohl ihre kindgerechten Auftritte in „Die Sesamstraße“ hängen geblieben. Folglich bin ich bei Weitem kein Experte, was „Die Muppets“ angeht – auch wenn ich bei meiner USA-Reise 2008 tatsächlich einige der Original-Puppen in der Ausstellung „Jim Henson’s Fantastic World“ sehen durfte. Mein Interesse an dem aktuellen Film liegt tatsächlich hauptsächlich an Jason Segel, den ich in „How I Met Your Mother“ liebe und der bereits im Finale von „Forgetting Sarah Marshall“ seine Vorliebe für das Puppentheater ausleben durfte.

Bereits nach nur wenigen Sekunden von „The Muppets“ war ich dem Charme der Puppen komplett erlegen. Zuvor hatte ich ja so meine Zweifel, ob das Zusammenspiel zwischen Mensch und Puppe für mich als – zumindest größtenteils – erwachsenen Zuschauer noch funktionieren würde, doch diese Sorge war unbegründet. Spätestens bei der ersten großen Musicalnummer hatte ich ein Lächeln auf den Lippen, das bis zum Abspann nicht mehr verschwinden sollte. So verhersehbar die Handlung, so lustig, herzerwärmend und herrlich altmodisch ist der Film inszeniert. Von der Puppentechnik einmal ganz abgesehen. Der Film lebt, hat Charakter und eine Botschaft. Er ist kitschig und völlig überdreht. Es ist ein Film, den ich mir selbst sofort noch einmal anschauen würde und den ich ohne jegliche Bedenken meinen Kindern vorführen könnte.

Besonders für Freunde von US-Serien bietet der Film einige Gastauftritte und Cameos, dass es eine wahre Freude ist. Egal, ob Donald Glover (Troy Barnes, „Community“), Jim Parsons (Sheldon Cooper, „The Big Bang Theory“), Rashida Jones (Ann Perkins, „Parks and Recreation“), Neil Patrick Harris (Barney Stinson, „How I Met Your Mother“), John Krasinski (Jim Halpert, „The Office“) oder Rico Rodriguez (Manny Delgado, „Modern Family“) – hier zeigt sich die unglaubliche Spielfreude und das Engagement jedes einzelnen Schauspielers. Selbstironie und augenzwinkernder Humor sind hier selbstredend.

Schon lange hatte ich keinen solch ungezwungenen Spaß mehr mit einem Film. Vermutlich sollte man nicht der zynischste Mensch auf Erden sein, um das volle Potential aus „Die Muppets“ zu ziehen – doch selbst als solcher wird man nicht umhin kommen freudig im Takt zu wippen und sich an Kermit, Miss Piggy und Co. zu erfreuen. Ein großartiger Filmspaß, dessen Blu-ray garantiert noch öfter im Player landen wird: 9/10 Punkte.

Moulin Rouge – OT: Moulin Rouge! (2001)

Noch heute kann ich mich genau an meine Kinosichtung von „Moulin Rouge“ vor ziemlich exakt 10 Jahren erinnern. Ich war hin und weg. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet. Ein Film, wie ein Rausch. Ich weiß auch noch genau, dass wir es damals beinahe nicht ins Kino geschafft hätten, da wir Möbel für unsere neue Wohnung gesucht hatten. Erst heute kann ich abschätzen, welchen Stellenwert der Film in meiner persönlichen Filmgeschichte einnimmt.

Seit der damaligen Sichtung habe ich „Moulin Rouge“ vergleichsweise oft gesehen und ich kenne kaum einen Film, der bei mir jedes Mal aufs Neue einen solch imposanten audiovisuellen Eindruck hinterlässt. Baz Luhrmann („Australia“) hat hier wirklich alle Register gezogen und ein Meisterwerk geschaffen, an dem sich alle zukünftigen Musicalfilme messen lassen müssen. Normalerweise habe ich ein Problem mit Regisseuren, die sich einer zu artifiziellen Bildsprache bedienen, wie z.B. Jean-Pierre Jeunet oder Tim Burton, doch Luhrmann schafft es trotz der theaterhaften Kulissen und der äußerst lebendigen Montage echte Gefühle zu transportieren und eine mitreißende Geschichte zu erzählen. In meinen Augen eine unglaubliche filmische und künstlerische Leistung.

Natürlich leben Musicals auch immer von ihrer Musik und auch hier hat „Moulin Rouge“ Maßstäbe gesetzt. Der musikalische Streifzug durch die Popgeschichte ist absolut gelungen und kein Song wirkt aufgesetzt oder beliebig platziert. Besonders das ELEPHANT LOVE MEDLEY ist einfach nur grandios und gibt den Inhalt der Szene perfekt wieder, als wäre es nur für diesen Film geschrieben worden. Ich möchte nun gar keine weiteren Stücke hervorheben, denn alle sind absolut hörenswert. Einzig das extra für den Film komponierte COME WHAT MAY hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, wurde es doch von sehr begabten Freunden auf unserer Hochzeit vorgetragen.

Neben Inszenierung und Musik möchte ich noch die Schauspieler erwähnen, die ganz großartig in ihren Rollen aufgehen. Wer hätte Nicole Kidman und Ewan McGregor solch eine gesangliche Leistung zugetraut? Ich nicht, war aber umso positiver überrascht von ihnen. Für mich eine der gelungensten Darstellungen von wahrhafter, poetischer Liebe in einem Film. Auch die Nebendarsteller sind allesamt fantastisch. Von Kulissen, Kostümen usw. fange ich nun am besten gar nicht erst an.

Ihr merkt schon: „Moulin Rouge“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Kritikpunkte habe ich keine und ich bin mir sicher, dass ich den Film auch in 10 Jahren noch gerne schauen werde und er kein bißchen angestaubt wirken wird. Das ist Film, das ist Musik, das ist Kunst. Baz Luhrmann wusste sein Medium perfekt zu nutzen und das spürt man in jeder Einstellung – und sei sie noch so kurz: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mary Poppins (1964)

Mit Walt Disneys Kinderbuchverfilmung „Mary Poppins“ bin ich zu einer nostalgische Reise aufgebrochen. Einerseits weil ich den Film seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe und andererseits, weil er wunderschöne Erinnerungen an das Broadway Musical heraufbeschwört, das ich vor zwei Jahren während meiner Hochzeitsreise gesehen habe.

Man kann wirklich sagen, was man will, doch Disneys Klassiker sind einfach wunderbare Filme. Sie mögen teils naiv erscheinen, es wird viel gesungen, die Geschichte samt ihrer Botschaft ist leicht zu durchschauen und doch verströmen sie unwiderlegbar eine ganz eigene Kinomagie. Mir persönlich fällt es ziemlich leicht diese Filme mit staunenden Kinderaugen zu betrachten. Besonders im heutigen Kino, in dem es besonders angesagt ist der Welt mit möglichst großem Zynismus zu begegnen, finde ich diese Art von Film einfach nur erfrischend und herzerwärmend.

Mit „Mary Poppins“ hat Regisseur Robert Stevensen unter der Aufsicht von Walt Disney ein ganz besonderes Meisterwerk geschaffen. Julie Andrews und Dick Van Dyke spielen ihre Rollen so ungezwungen, dass es eine wahre Freude ist. Die Geschichte wird durch kunterbunte Bilder erzählt, welche man so vorher noch nie auf der Leinwand gesehen hatte. Doch am meisten wissen wohl Richard M. und Robert B. Shermans Songs zu begeistern, welche sich aus der Musicalgeschichte heute nicht mehr wegdenken lassen.

Wie in jedem Disneyfilm gibt es auch hier eine Botschaft, die allerdings – zumindest wenn man sich auf den Film einlassen kann – erfreulich unaufdringlich daherkommt. Überhaupt finde ich es wunderbar, wie viel man auch als Erwachsener aus dem Film mitnehmen kann und komplett auf schwarzen Humor hat man hier schließlich auch nicht verzichtet. Ein wunderbar zeitloser Film, der sich umfassend wohl nur mit dem Wort Supercalifragilisticexpialidocious beschreiben lässt. Absolutes Pflichtprogramm für alle Disney- und Musicalfreunde: 10/10 Punkte.

Das Phantom der Oper – OT: The Phantom of the Opera

2001 hat Baz Luhrmann mit „Moulin Rouge“ bewiesen,  dass Musicals das Medium Film voll und ganz ausnutzen können. Drei Jahre später hat Joel Schumacher versucht, Andrew Lloyd Webbers Musicalklassiker „Das Phantom der Oper“ ähnlich aufwendig und filmisch auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis kommt zwar nicht an Luhrmans Meisterwerk heran, weiß aber dennoch zu begeistern.

Mit Musicals ist das so eine Sache. Entweder man kann ihnen etwas abgewinnen, oder nicht. Ich gehöre zu der ersten Gruppe. „Das Phantom der Oper“ habe ich bis jetzt allerdings noch nicht auf der Bühne gesehen. Doch kenne ich die meisten Songs in und auswendig, da ich als Kind Heimorgelunterricht hatte, in dem ich alles von Andrew Lloyd Webber – von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, über „Cats“ und „Starlight Express“, bis hin zu „Das Phantom der Oper“ – rauf und runter gespielt habe. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Seitdem sind viele Jahre vergangen und doch habe ich bei der gestrigen Sichtung die meisten Stücke wiedererkannt.

Joel Schumachers Film beginnt – ähnlich wie „Moulin Rouge“ – mit einem Bilderrausch. Wirklich beeindruckend, was da auf die Leinwand gezaubert wird. Der weitere Verlauf ist ähnlich bunt und aufwendig, wenngleich er auch viele klassischere Szenen beinhaltet. Man merkt teils eben doch, nur eine Bühnenadaption zu sehen. Auch – oder gerade – in den gesungenen Sequenzen. Meist sind diese wirklich gelungen und überzeugen mit einer tollen Choreographie und Inszenierung. Zu Musicals gehört einfach eine epische larger than life Inszenierung, weshalb der Gesang gerade in den einfachen Szenen etwas befremdlich wirkt. Auch manche Handlungen sind übertrieben theatralisch und zeugen von der Bühnenherkunft.

Insgesamt ist Schumachers „Das Phantom der Oper“ – trotz einiger Schwächen – wirklich gelungen. Ein audiovisueller Bilderrausch, der meist voll und ganz zu überzeugen weiß. Natürlich sollte man etwas für Musicals übrig haben, denn wenn man die Musik und die überschwängliche Inszenierung wegnimmt, bleibt nicht mehr viel übrig. Doch dafür ist es schließlich ein Musical: 8/10 Punkte.