Shameless (US) – Season 7

Eigentlich wollte ich mich nach dem „Penny Dreadful“-Marathon endlich der siebten Staffel von „Game of Thrones“ zuwenden, doch dann grätschte mir die nette Familie Gallagher mit „Shameless – Season 7“ dazwischen. Keine Frage also, dass ich mich zunächst mit dieser beschäftigt habe, denn was den Unterhaltungswert angeht, kann kaum eine weitere aktuell laufende Serie dieser hier das Wasser reichen…

Shameless – Season 7 | © Warner Home Video

Shameless – Season 7 | © Warner Home Video

Die Gallaghers sind zurück – und wie!

Hatte ich bei der sechsten Staffel noch das Gefühl, die Serie könnte langsam an der nötigen Bodenhaftung verlieren, so fühlte sich das siebte Jahr wieder deutlich geerdeter an. Wobei das bei den Gallaghers natürlich immer noch komplettes Chaos bedeutet. Begeistert haben mich vor allem die teils unerwarteten Wendungen bzw. Entscheidungen der uns ans Herz gewachsenen Figuren. Überraschend und doch absolut glaubwürdig – und dabei im Rahmen einer Weiterentwicklung der Charaktere sinnvoll. Vielleicht hätte sich Rian Johnson diese Serie zur Vorbereitung seiner Drehbucharbeit an „Star Wars: The Last Jedi“ einmal anschauen sollen. Selbst wenn viele bekannte Elemente aufgegriffen werden, so macht jede Figur doch eine konsequente, überraschende und dabei komplett nachvollziehbare Entwicklung durch.

Wenn ich nun meinen Lieblingshandlungsstrang nennen müsste, ich könnte mich nicht entscheiden. Alle sind auf ihre Art und Weise großartig:

  • Frank sucht sich eine Ersatzfamilie und eröffnet – natürlich völlig uneigennützig – ein Obdachlosenheim, kurz bevor ihn der größte emotionale Tiefschlag seines Lebens ereilt.
  • Fiona kapselt sich emotional ab und zieht ihr Ding durch, was konkret bedeutet: Sie wird Geschäftsfrau und kauft einen Waschsalon, dessen ursprüngliche, senile Besitzerin sie danach zusätzlich betreut.
  • Carl lässt sich für seine Freundin beschneiden, wird danach abserviert, verbündet sich mit ihrem Vater und geht letztendlich auf eine Militärschule.
  • Lip arbeitet als unbezahlter Praktikant in einem Hipster-Startup, kommt nicht vom Alkohol los und stürzt komplett ab.
  • Ian geht eine Beziehung mit einem transsexuellen Mann ein und muss sich im weiteren Verlauf zwischen seinem inzwischen geregelten Leben und dem aus dem Gefängnis ausgebrochenen Mickey Milkovich entscheiden.
  • Debbie kämpft um ihre Tochter, heiratet einen geistig und körperlich behinderten Mann und geht aus alldem erwachsener heraus als je zuvor.

…und das war nur ein kleiner Teil der famosen Geschichten, die „Shameless“ im inzwischen siebten Jahr zu erzählen weiß.

Fazit

Was waren die letzten zwölf Stunden mit den Gallaghers für ein Vergnügen. Herrlich! Ich schaue ja wirklich viele Serien, doch so durchgehend unterhaltsam ist kaum eine zweite Show. Dabei schaffen es die Autoren und Darsteller weiterhin perfekt Drama und Humor zu kombinieren, ohne ihre Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben. Brisante Themen werden luftig leicht inszeniert, nur um im nächsten Moment zum emotionalen Tiefschlag auszuholen. Großartig! Im siebten Jahr einer Serie solch eine Qualität abzuliefern, ist eine Kunst für sich: 9/10 (9.4) Punkte.

17 Gedanken zu “Shameless (US) – Season 7

  1. Hab dir ja neulich gesagt, dass Staffel 6 so eine Art Ausrutscher war. Oder besser gesagt, eher Exposition für die siebte Staffel. Man hat da halt die Figuren erstmal in die richtige Ausgangslage für Staffel 7 gebracht, was dann eben so ein bisschen die Spannung raus nahm. Dafür gibt man hier wieder richtig Gas. Staffel 4 bleibt zwar mein Favorit, aber man kriegt es hier einfach hervorragend hin, die Charaktere zu entwickeln und so fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, dass das alles mit jedem Jahr etwas weniger abgfuckt wirkt. Das passt einfach auch sehr gut dazu, dass die Figuren eben älter werden. Nur Frank ist natürlich wie immer ein Garant für völligen Wahnsinn. Man sollte Macy auch echt langsam mal den Emmy geben. Der ist einfach absolut großartig in der Rolle.

    In dieser Staffel zeigt sich nebenbei auch mal wieder hervorragend, wie gut die Serie mit Themen wie Transsexualität umgeht. Anstatt alles an die große Glocke zu hängen und als was besonderes zu inszenieren, wie es ja gerade in Hollywood üblich ist, wenn man sich mal wieder mit der angeblichen Offenheit schmückt, gliedert sich sowas hier ganz einfach in die Geschichte ein und wirkt nicht im Geringsten wie ein Mittel zum Zweck. Einziger Wermutstropfen für mich nach dieser Staffel ist, dass Mickey wohl jetzt raus sein wird. War immer einer meiner absoluten Lieblinge.

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    • Interessant ist ja auch, dass die 6. und die 7. Staffel beide 2016 veröffentlicht wurden. Davor gab es immer nur eine Staffel pro Jahr. Insofern macht der enge Zusammenhang Sinn. Die 4. Staffel ist nach wie vor auch noch mein Favorit. Da passt einfach alles. Dennoch ist es erstaunlich, dass die Serie nach sieben Jahren immer noch so großartig ist. Und es wird ja mindestens noch zwei weitere Staffeln geben, was mich extrem freut und auch die Chancen für einen Emmy für Macy erhöht.

      Ja, die transsexuelle Beziehung fand ich auch super inszeniert. Zudem hat man einfach einen transsexuellen Darsteller genommen und das Thema ganz offen und doch nicht aufdringlich in die Handlung integriert. Ganz famos, genau so muss das laufen.

      Dass Mickey nun raus ist, fand ich übrigens okay, zumal ich bei „Shameless“ nie etwas ausschließen würden. Er und Monica hatten ihre Storylines schon zu genüge abgearbeitet. Das waren beides runde Enden, zumal sich gerade Ian nun wirklich weiterentwickelt hat. Fand ich super.

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      • Ja, durch den Sendeslotwechsel hatte man sich da vielleicht wirklich gedacht, dass man da ganz gut erstmal so eine „Aufbaustaffel“ zwischenschieben kann. Staffel 8 ist nebenbei auch wieder top.

        Die Serie hat halt einfach ein Händchen dafür, mit solchen Themen umzugehen. Und das, obwohl man ja trotzdem die üblichen Probleme und Vorurteile einbaut, wenn die Figuren mit diesen Dingen konfrontiert werden (wie hier eben bei Ian, der erstmal gar nicht mit der Transsexualität umzugehen weiß). Aber man macht das eben so, dass es nicht gezwungen „offen“ wirkt, nur um zu zeigen, wie modern man doch ist. Wenn man sich dagegen anguckt, was alleine in Hollywood immer für ein Brimborium darum gemacht wird, wenn mal ein Film mit einem weiblichen Cast rauskommt, im Sinne von „jetzt nur mit Frauen“ und solchem Quatsch, der dann quasi als alleiniges Werbemittel dient, liegen dazwischen einfach Welten.

        Ja, vom Storystandpunkt passt das mit Mickey. Aber ich habe ihn halt immer sehr gerne gesehen, weil der Charakter einfach auch super geschrieben ist.
        Das Ende von Monica fand ich nebenbei auch ganz gut. War jetzt eh nie der große Fan der Figur, aber man hat sie eben auch immer sehr gut in die Geschichte integriert.

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      • Du hast völlig recht: „Shameless“ schafft es wirklich gut, schwierige Themen gekonnt in der Serie zu verarbeiten. Das ist eine der großen Stärken. Habe ich in dieser Form auch noch in keiner anderen Serie erlebt, zumindest dass Drama und Komödie so eng beieinander liegen.

        Ich mochte Mickey auch, aber lieber den Handlungsstrang so beendet als ewig gezogen. Das Gefühl hatte ich nämlich bei Monica und war froh, dass nun so ein endgültiges Ende gefunden wurde, welches zudem Frank noch mehr Tiefe gibt. Super!

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