Baby Driver (2017)

Was habe ich mich auf den neuen Film von Edgar Wright gefreut. Seit „Spaced“ und „Shaun of the Dead“ liebe ich den innovativen britischen Filmemacher. Selbst seine als schwächer angesehenen Filme, wie „The World’s End“, haben mir ausgezeichnet gefallen. Ich war also bester Dinge, mit „Baby Driver“ einen neuen Geniestreich zu sehen. Warum der Film meine Erwartung nicht erfüllen konnte, versuche ich in der folgenden Besprechung zu erklären…

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Music Was My First Love

Während der Eröffnungssequenz war ich noch der festen Überzeugung, dass „Baby Driver“ das Zeug zu einem neuen Lieblingsfilm hat. Musik, Action und abgefahrene Charaktere. Seit „Ronin“ hatte ich keine so gelungene Autoverfolgungsjagd mehr gesehen. Dann die wunderbare Musical-Sequenz, in der Baby (toll gespielt von Ansel Elgort) durch die Straßen tanzt. Herrlich! Und dann ging es los mit der Geschichte. Die zuvor noch interessant wirkenden Figuren stellten sich ziemlich schnell als nervige Klischees heraus. In der Szene, in der Kevin Spacey allein mit Ansel Elgort im Aufzug zurückblieb hatte ich dann tatsächlich Gänsehaut. Aber aus anderen Gründen. Sehr unangenehm.

Die Musik als eigentlicher Star des Films hat mir gut gefallen, doch konnte keine Sequenz mehr an die Eröffnung anschließen. Sicher waren die Szenen wunderbar choreografiert, die Musik fabelhaft gewählt und die Montage makellos. Aber auf Dauer eben auch eintönig und, nunja, ziemlich selbstverliebt. Wright hat die Kombination aus Musik, Rhythmus und Schnitt ja bereits in „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und Co. verwendet, doch dort gezielter und nicht so inflationär. Ja, ich weiß, dass dies das Konzept des gesamten Films ist und auch inhaltlich mit der Geschichte und der Hauptfigur verknüpft ist, doch irgendwie hat sich all das für mich dennoch künstlich und aufgesetzt angefühlt.

True Natural Born Romance Killers

Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Baby und Debora hat mir in ihren Anfängen sehr gut gefallen, sich danach jedoch ziemlich vorhersehbar und lahm entwickelt. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Film ab der Hälfte unheimlich abbaut und letztendlich in einem antiklimaktischen Finale gipfelt, das einfach nur beliebig ist. Wirklich schade, um den gelungenen Einstieg in die Geschichte. Die Nebenfiguren rund um John Hamm, Jamie Foxx und Co. verkommen im Verlauf der Handlung leider auch immer mehr zu Abziehbildern. Dennoch gibt es ein paar nette Momente und absurde Komik. Wirklich lustig fand ich den Film jedoch nur selten.

Fazit

Wie ihr meiner obigen Besprechung bereits entnehmen konntet, hat mich „Baby Driver“ leider ziemlich enttäuscht. Ich hatte durchaus Spaß mit dem Film, doch konnte er meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Die erste halbe Stunde fand ich famos, doch danach hat sich der Film ziemlich in der Belanglosigkeit verloren. Kein schlechter Film, doch für mich mehr ein langgezogenes Musikvideo, das seine zwei besten musikalischen Sequenzen gleich zu Beginn verschossen hat. So leid es mir tut, doch insgesamt nur knapp überdurchschnittlich: 6/10 Punkte.

21 Gedanken zu “Baby Driver (2017)

  1. Ein Verriss zu einem meiner Lieblingsfilme des letzten Jahres! Wie kannst du nur?
    Nein, natürlich nur Spaß : ) Du hast ja gut begründet warum dir der Film nicht gefällt. Ich fand, dass die Liebesgeschichte mal nicht aufgesetzt wirkt (wie in so vielen anderen Filmen). Es ist im Grunde ein Liebesfilm, das muss man nicht mögen, aber akzeptieren.

    Von der Musik und der Action konnte ich niemals genug bekommen. Dafür war das Ganze viel zu cool inszeniert. Anders wie bei 99% aller anderen Actionfilme, hat sich hier wenigstens jemand mal Gedanken gemacht.

    Super Musik, tolle Darsteller (vor allem Jamie Foxx?) und eine Liebesgeschichte, die den Namen auch verdient. Für mich ist „Baby Driver“ der beste FIlm von Wright seit „Shaun of the Dead“

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    • Ach, ein Verriss sieht anders aus. Filme mit 6 Punkten habe ich immer noch sehr gerne gesehen, doch hier spielt eben die Enttäuschung mit rein, da ich mir etwas gant Großes erwartet hatte. Für Liebesgeschichten habe ich normalerweise eine Schwäche, doch diese hier wirkte auf mich so künstlich, dass ich mich nicht darin fallen lassen konnte. Ich alter Romantiker… 😉

      Cool inszeniert war alles zweifellos und ich erkenne auch neidlos die Kunstfertigkeit an, mit der Wright die Action und den Soundtrack zusammengebracht hat. Selbst inhaltlich gab es ja Verknüpfungen, doch emotional konnte mich das einfach nicht packen.

      Die Darsteller waren auch zweifellos gut, doch haben sie nur Abziehbilder bereits bekannter Charaktere gespielt. Besonders Jamie Foxx war eben Jamie Foxx, wie man ihn bereits aus dutzenden Filmen kennt.

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      • Vielleicht hast du dir nur etwas anderes erwartet? Wolltest du den nochmal ein „Shaun of the Dead“ oder „Hot Fuzz“? Ich fand es sehr gut, das Wright sich hier mit etwas ernsteren Stoff versucht.
        Für mich hat der Film viel von „Blues Brothers“ (außer der Liebesgeschichte). Coole Charaktere, coole Musik, coole Action.
        In anderen Filmen wäre die Liebesgeschichte auch nur irgendeine nervige Nebenhandlung. Hier wurde sich wenigstens mal getraut, den Liebes-Plot in den Vordergrund zu rücken. Und das (fast) ohne Kitsch.

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      • Bestimmt habe ich mir etwas anderes erwartet, sonst wäre die Enttäuschung wohl nicht so groß gewesen. Allerdings keinen weiteren Cornetto-Trilogie-Teil, eher etwas Ernsteres und dafür war mir „Baby Driver“ auch nicht dramatisch genug.

        „Blues Brothers“ ist, wenn du ihn schon nennst, für mich ein weit besserer Musik-Auto-Film. Aber eben auch weil er nicht so mechanisch in seiner Struktur ist und Humor, Musikeinsatz usw. darin nicht so aufgesetzt wirken.

        Wie gesagt habe ich keine Probleme mit der Liebesgeschichte, die ich zu Beginn sogar noch richtig toll fand (erstes Treffen im Diner, dann Laundromat), die im weiteren Verlauf des Films aber, wie auch der Rest, keine gelungene Entwicklung erfährt.

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  2. Hab den Film noch nicht gesehen, aber du bestätigst hier meine Befürchtung, dass sich der Streifen zu sehr auf seiner technischen Idee ausruht und dabei alles andere auf der Strecke bleibt. Schade, denn ich mag bisher auch alles von Wright. Selbst „The Worlds End“, der ja aus irgendeinem Grund nicht so gut wegkam, fand ich ziemlich stark. Das hier wird dann aber wohl bei mir auch nix werden, wenn ich den mal irgendwann angucken sollte.

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    • Ich mochte „The World’s End“ auch wirklich gerne, doch von dem typischen Wright-Charme ist hier leider nicht viel übrig geblieben. Man merkt nur technisch (viele Jump-Cuts, eben der Schnitt auf Musik), dass er hier auf dem Regiestuhl saß – und das war mir leider zu wenig.

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  3. Heia, da wirfst du ganz nonchalant eine Frage auf, der ich mich noch gar nicht gestellt habe: Wie wirken Filme mit Kevin Spacey nach dessen derzeitigem Karriereende? Puh, muss ich mal drüber nachdenken.

    Davon ab fand ich den Film richtig gelungen und der Soundtrack liegt in meinem Auto immer griffbereit.

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    • Ja, das hat mich in dem Moment auch wirklich sehr unangenehm berührt. Wenn Spacey eh einen Arsch spielt, dann mag es noch funktionieren, besonders wenn es eine Nebenrolle ist. Doch was ist mit z.B. „American Beauty“? Puh, das mag ich mir gar nicht ausmalen.

      Ich weiß schon, dass ich mit meiner Meinung ziemlich alleine dastehen werde. Ich fand ihn auch nicht schlecht, doch eben enttäuschend für Wright und die Vorschusslorbeeren.

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  4. 6 Punkte sind hier durchaus ein Verriß 😀 So niedrige Wertungen liest man bei dir ja eher selten.

    Für mich war die Musik ein absoluter Störfaktor, sie wollte nie so recht zum Film passen und wirkte wie ein deutlicher Push seitens des Regisseurs, seinen Musikgeschmack als Soundtrack zu pushen. Der Film ist im Ansatz gut, die Grundprämisse ist in Ordnung, die Inszenierung, aber zum Schluss stellt sich Wright selbst ein Bein, wenn plötzlich sowohl Spacey als auch Hamm drastische Charakterwandlungen durchmachen, die im Fall von Hamm noch halbwegs eine Motivation erhalten, im Fall von Spacey dagegen überhaupt nicht. Hätte man die Musical-Szene zu Beginn gestrichen, die Musik generell rausgenommen und einfach einen Score gewählt (oder originäre Songs kreiert, die man dann Baby in die Schuhe geschoben hätte), hätte man den Wandel von Spaceys Figur etwas geschickter vorbereitet, dann wäre Baby Driver in der Summe nicht derart enttäuschend wie er letztlich ausgefallen ist.

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    • Wenn du die Besprechung liest, siehst du ja, dass es kein Verriss ist. Und natürlich liest man hier niedrigere Wertungen eher selten, da ich mir ja nur Filme anschaue, von denen ich annehme, dass sie mir gefallen – und damit fahre ich meist auch sehr gut. Würde ich größtenteils 6 Punkte oder weniger vergeben müssen, würde ich mir über meinen Auswahlprozess Gedanken machen… 😉

      Die Musik hat für mich durchaus gepasst, doch war sie eben so dominant, dass viele Szenen unglaublich künstlich und forciert wirkten. Ich habe verstanden, was Wright machen will, doch hat das für mich nur in wenigen Szenen (gerade die ersten fand ich toll) wirklich gut funktioniert.

      Die von dir angesprochenen Charakterentwicklungen waren für mich auch unglaubwürdig. In der ersten Filmhälfte haben sie für mich noch gut funktioniert, doch gerade im letzten Drittel war das alles viel zu comichaft und überzogen. Wie gesagt: kein schlechter Film, doch in Bezug auf meine Erwartungshaltung doch sehr enttäuschend.

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  5. Ich mochte den Film deutlich lieber als Du, hatte aber auch meine Probleme. Ich hoffe ein weiteres Ansehen schafft da mehr Klarheit für mich aber mein größtes Problem war, dass im letzten Drittel mindestens ein Charakter (eigentlich aber zwei) völlig gegen ihre Charakterisierung bis dahin gehandelt haben. Das wundert mich insbesondere bei Wright, der normalerweise seine Charaktere zur Perfektion beherrscht.
    Ausführlicher hier: https://filmlichtung.wordpress.com/2018/01/01/baby-driver-2017/

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    • Ja, den Bruch bei den Charakteren fand ich auch sehr störend. Ist mir bei zwei Figuren besonders aufgefallen, doch es wurde eh alles so comichaft überzeichnet, dass ich nicht mehr wirklich mitgegangen bin. Sehr schade, denn was Wright hier teils inszenatorisch leistet, ist durchaus beeindruckend (eben vor allem im ersten Drittel).

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      • Naja, comichaft überzeichnet kann funktionieren, solange es in sich schlüssig ist. Siehe Scot Pilgrim.

        Hier liefert Wright einfach in einer Szene eine Motivation, so dünn wie Butterbrotpapier. Aber genug gemeckert. 😉

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      • Ja, bei Scott Pilgrim war die Welt in sich konsistenter. Hier hatte ich teils das Gefühl, er wisse nicht genau, welche Richtung er einschlagen soll. Von den teils famosen Musikszenen einmal abgesehen.

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  6. Pingback: Media Monday #342 | moviescape.blog

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