Viel Lärm um nichts – OT: Much Ado About Nothing (2012)

Solch einen drögen Samstag hatten wir schon lange nicht mehr. Alle angeschlagen bis krank und zu nichts zu gebrauchen. Da ich heute eh nur rumgelegen bin (von ein paar Brettspielen mit den Kindern einmal abgesehen), habe ich mich noch fit genug für einen Film gefühlt und „Viel Lärm um nichts“ in Joss Whedons Inszenierung in den Player geschoben. Eine gute Wahl?

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Wenn Buffy auf Shakespeare trifft

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Ja, ich bin ein Whedon-Fanboy. Ich liebe seine Serien „Buffy the Vampire Slayer“ und „Angel“. Bis heute zählt „Firefly“ zu meinen absoluten Serien-Highlights und selbst „Dollhouse“ konnte ich einiges abgewinnen. Kein Wunder also, dass mich seine Shakespeare-Adaption, die er zusammen mit befreundeten Darstellern aus oben genannten Serien innerhalb von zwei Wochen in seinem Haus in Santa Monica abgedreht hat, ziemlich begeistert hat. Dabei ist es mir am Anfang eher schwer gefallen, mich auf den nahezu unveränderten Originaltext einzulassen, was mir allerdings auch schon bei Baz Luhrmanns „Romeo + Julia“ so ging. Nach ein paar Minuten hat es aber geklickt und ich hatte extrem viel Spaß mit dem Stoff.

Über die Qualität der Adaption kann ich nicht viel sagen, kenne ich doch weder das Stück noch Kenneth Branaghs bekannte Verfilmung aus dem Jahr 1993. Die Verlegung der Handlung in die heutige Zeit hat für mich recht gut funktioniert, doch hätte ich mir fast gewünscht, dass Whedon den Text an gewissen Stellen ebenfalls modernisiert. Das wäre natürlich ein Frevel gewesen, doch die Ansprache mit Graf usw. hat nicht wirklich gepasst. Auf der anderen Seite schafft Whedon sehr stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die er teils mit Songs unterlegt, die auf Shakespeares Texten basieren. Das fand ich wiederum ziemlich großartig. Ebenso wie die bewusst ausgespielte Comedy (u.a. durch Nathan Fillion), die schon fast an Slapstick erinnert.

Fazit

Mir hat diese moderne Inszenierung von „Viel Lärm um nichts“ sehr viel Freude bereitet. Allerdings besitze ich auch keine Kenntnis vom Original und sehe die Inszenierung bewusst durch die Fan-Brille (der Film könnte auch eine Alternative-Universe-Episode von „Angel“ sein, in der Winifred und Wesley ein Happy-End gegönnt wird). Wenn ihr Joss Whedon mögt und Shakespeare nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Chappie (2015)

Die wohl kälteste Woche des Jahres liegt hinter uns. Gerade jetzt, da es wieder wärmer wird, hat mich eine Erkältung niedergestreckt. Alle großen Laufpläne für das Wochenende sind dahin. Also lieber auf das Sofa und einen Film schauen: Mit „Chappie“ fiel die Wahl auf den jüngsten Neuzugang in meine Sammlung. Allerdings hatte ich schon länger ein Auge auf Neill Blomkamps Sci-Fi-Actioner geworfen…

Chappie (2015) | © Sony Pictures Home Entertainment

Chappie (2015) | © Sony Pictures Home Entertainment

Nummer 5 lebt!

Manchmal ist es schon komisch mit der Erwartungshaltung: Ich hatte im Vorfeld vermutet, dass mir die eher komödiantischen Ansätze in der Gangster-Storyline recht schnell auf die Nerven gehen würden. Und dass mich die an „RoboCop“ erinnernde Rahmengeschichte rund um den Rüstungskonzern Tetravaal zu begeistern vermag. Letztendlich kam es dann genau andersrum, denn mir hat Chappies Lernprozess und Initiation in das Gangsterleben tatsächlich sehr viel Spaß gemacht. Die südafrikanische Rap-Gruppe Die Antwoord verkörpert dabei Chappies Zieheltern, was zu Beginn ein wenig anstrengend ist, mit der Zeit jedoch erstaunlich gut funktioniert.

Genau andersherum hat es sich mit der Geschichte rund um Tetravaal und den Konkurrenz-Roboter Moose verhalten: Der von Hugh Jackman (zuletzt gesehen in „Logan: The Wolverine“ und „Eddie the Eagle“) gespielte Gegenspieler ist ein wenig zu klischeehaft böse und der actionreiche Endkampf beinahe schon ermüdend. Da hätte ich lieber mehr Dialogszenen zwischen Chappie und seinem Erschaffer bzw. seiner Ersatzfamilie gesehen. Das Finale hat für mich dagegen wieder recht gut funktioniert und erinnerte mich sehr an so manche verrückte Versatzstücke aus Neill Blomkamps vorherigen Filmen „District 9“ und „Elysium“.

Fazit

Auch wenn „Chappie“ nicht der ganz große Wurf ist, so ist er doch weit gelungener als sein Ruf vermuten lassen würde. Emotional hat er mich an so manchen Stellen unerwartet gepackt und rein audiovisuell ist er, wie bereits Blomkamps frühere Werke, erneut großartig. Man erkennt den Stil des Regisseurs und seine Vorliebe für den wilden Genre-Mix. Hat mir insgesamt gut gefallen: 7/10 Punkte.

Get Out (2017)

Heute habe ich mich wieder einmal einem brandaktuellen Film zugewandt, der spätestens seit seiner Oscar-Nominierung nicht mehr nur auf dem Radar von Genre-Freunden stehen dürfte. Jordan Peeles „Get Out“ stand jedoch bereits vor dem Hype auf meiner Liste, doch jetzt führte kein Weg mehr an einer Sichtung vorbei. Ob die Horror-Satire ihrem Ruf gerecht wird?

Get Out (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Get Out (2017) | © Universal Pictures Germany GmbH

Wahnsinn zwischen Horror und Satire

Zunächst einmal muss ich Jordan Peele loben, wie auf den Punkt „Get Out“ inszeniert ist. Der Mann hat nicht nur ein Händchen für das richtige Timung, er kann auch Spannung und Action erstaunlich effektiv inszenieren. Zudem schreibt er seine Figuren wunderbar glaubhaft – und das obwohl sie unzähligen Situationen ausgesetzt werden, die nicht gerade gewöhnlich sind. In der Summe lassen uns diese rein formalen Merkmale die Realität vergessen und erlauben, dass wir uns als Zuschauer komplett auf den Film einlassen. Selbst als die Geschichte gegen Ende immer abgefahrener wird, war ich bei Chris (Daniel Kaluuya) und habe mit ihm mitgefiebert. Oft ist im Horrofilm nach der Auflösung die Luft raus, doch hier war ich bis zum Ende dabei.

Neben den intensiven Szenen, die von spannend bis surreal reichen, lebt „Get Out“ von seinem subtilen Humor und den ganz bewusst auf den Kopf gestellten Klischees: Alleine die Anfangsszene, in der ein Afroamerikaner durch eine typische Vorstadt mit weißen Gartenzäunen läuft und sich dabei sichtlich unwohl und bedroht fühlt. Herrlich! Auch im weiteren Verlauf des Films gibt es einige humorvolle Elemente, bis hin zum besten Freund unserer Hauptfigur, der die Situation schon bis zur Hälfte des Films durchschaut hat. Beide Elemente, Horror und Satire, passen wunderbar zusammen und ergeben einen der originellsten (und wichtigsten) Horrorfilme der letzten Jahre.

Fazit

Ich hatte mir einiges von „Get Out“ erwartet – und er wird seinem Ruf voll und ganz gerecht. Selbst wenn man am Ende nur einen typischen Horrorfilm mit sozialkritischem Unterton zu sehen bekommt, so überzeugt er doch in gerade in den oft vernachlässigten Details – bis hin zu den famosen Schauspielern: Daniel Kaluuya ist großartig, doch auch der restliche Cast, von Allison Williams („Girls“) bis hin zu Bradley Whitford („The West Wing“), kann überzeugen. Egal ob Genre-Freund oder nicht, der Film ist eine dicke Empfehlung wert: 8/10 Punkte.

The Walking Dead – Season 7

Wie jedes Jahr bin ich pünktlich zur Weihnachtszeit wieder zu den geliebten Untoten zurückgekehrt. Eine, ähm, schöne Tradition. Endlich die Auflösung zu der Frage, wen der neue Bösewicht Negan am Ende der sechsten Staffel umbringt. Insofern war meine Vorfreude auf „The Walking Dead – Season 7“ durchaus hoch und ich habe die erste Hälfte der Staffel auch wirklich verschlungen. Danach jedoch…

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

The Walking Dead – Season 7 | © Twentieth Century Fox

„Lucille is thirsty. She is a vampire bat!“

Ja, Negan ist der Star der siebten Staffel, keine Frage. Die erste Episode ist auch wirklich extrem unangenehm und mitreißend anzusehen. Puh. Danach war ich erst einmal bedient. Wenn die Staffel so weitergegangen wäre, hätte sie eine extreme Tour-de-Force dargestellt. Doch schon kurz darauf begeben wir uns in bekannte Gefilde mit ein paar Episoden, die viele Charaktermomente und das nötige Maß an Brutalität bieten. Speziell die Episoden, in denen wir Negan genauer kennenlernen, sind dann auch ziemliche Highlights. In ihrem letzten Drittel fällt die Staffel jedoch in ein ziemliches Loch und präsentiert uns eine Füllepisode nach der anderen. Hier hat mich die Serie häufig unangenehm an das Spin-off „Fear the Walking Dead“ erinnert, das in seiner zweiten Staffel noch einmal extrem abgebaut hat.

Ich war damals froh, dass man der Serie 16 statt 13 Episoden pro Staffel spendiert hat. Doch inzwischen würde ich mir fast wünschen, dass die Autoren die Handlung nicht so ewig auswälzen und sich auf alte Stärken zurückbesinnen – und das schreibe ich als jemand, der selbst die oft als langweilig angesehene zweite Staffel großartig fand.

Fazit

Insgesamt hat mich auch die siebte Staffel von „The Walking Dead“ sehr gut unterhalten. Leider jedoch hat die zu Beginn extrem dichte Handlung mit dem weiteren Verlauf ziemlich abgebaut und gerade das letzte Drittel war schon fast ärgerlich beliebig. Einzig im Finale kam noch ein wenig Spannung auf, wenngleich es auch kein Vergleich zur vorherigen Staffel war. Insgesamt weiterhin sehenswert, doch mit Abstand die schwächste Staffel bisher: 7/10 (7.3) Punkte.

Game of Thrones – Season 7

Wie lange musste ich warten, bis auch ich endlich in den Genuss von „Game of Thrones – Season 7“ gekommen bin – und dann ist nach sieben Episoden schon wieder alles vorbei. Doch damit bin ich zumindest nicht alleine. So erging es vor knapp einem Jahr auch den Zuschauern, die bereits bei der Pay-TV-Ausstrahlung eingeschaltet hatten. Bis zur Ausstrahlung der achten und finalen Staffel, müssen wir uns nun alle noch ein gutes Jahr gedulden. Bis dahin jedoch, könnt ihr euch noch meine Besprechung zur siebten Staffel zu Gemüte führen…

Game of Thrones – Season 7 | © Warner Home Video

Game of Thrones – Season 7 | © Warner Home Video

Die Herrschaft des Feuers

Dachte ich bereits, die finalen Episoden der sechsten Staffel seien an epischen Bilder nicht mehr zu überbieten, so setzt die Serie in ihrem siebten Jahr die Messlatte noch eine ganze Stufe höher. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man endlich bombastische Drachen-Action zu sehen bekommt, wie es sie ohnehin viel zu selten in Film und Fernsehen gibt. Aufgrund der Produktionswerte kann ich auch verstehen, warum man sich auf sieben Episoden beschränkt hat. Die Effekte stehen denen großer Blockbuster in nichts nach und es ist einfach nur famos, die Drachen endlich im Einsatz zu sehen. Durch die Verdichtung der Laufzeit schreitet die Geschichte auch viel schneller voran, als man dies aus den vorhergehenden Staffeln gewohnt war. Dies sehe ich durchaus als positiven Punkt, wenngleich ich gerne auch mehr Zeit in Westeros verbracht hätte. Gerade die episch angelegt Episoden mit über 70 bis 80 Episoden Laufzeit lassen ein richtiges Kinogefühl aufkommen.

Zusammenführung offener Handlungsstränge

Müsste ich die Staffel mit nur einem Wort beschreiben, dann wäre dies wohl Payoff. Es fügt sich endlich vieles zusammen, was zuvor behutsam aufgebaut wurde. Die Drachen-Action (ich kann es nicht oft genug erwähnen) ist nur ein Teil davon. So treffen endlich Daenerys Targaryen und Jon Snow aufeinander. Arya und Bran finden zurück nach Winterfell und werden mit Sansa wiedervereint. Es kommt zum Zusammentreffen zwischen Tyrion und Cersei, dem auch alle anderen wichtigen Parteien beiwohnen. Der Night King demonstriert seine Macht und die große Bedrohung wird endlich greifbar. Selbst Theon Greyjoy bekommt seinen Erlösungsmoment mit Jon Snow und darf kurz darauf heldenhafte Anwandlungen zeigen. Das alles ist so dicht und packend erzählt, dass kaum eine Verschnaufpause bleibt. Durch die Auflösung dieser detailliert vorbereiteten Handlungsstränge stellt sich laufend ein Gefühl der Befriedigung ein, selbst wenn diese siebte Staffel letztendlich nur der Prolog zum großen Finale ist.

Fazit

Nun liegt bereits die zweite Staffel hinter mir, die über George R. R. Martins Vorlage hinausgeht. Mich würde tatsächlich interessieren, was dabei alles auf der Strecke geblieben ist bzw. ob die Showrunner es erneut geschafft haben, die komplexen Inhalte gekonnt zu verdichten. Ob man es jemals erfahren wird? Eines ist sicher: Auch die siebte Staffel von „Game of Thrones“ bietet famose Fantasy-Unterhaltung und ich kann eine Rückkehr nach Westeros schon jetzt nicht mehr erwarten. Ganz großes Serienkino: 10/10 (9.6) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Black-ish – Season 2

Liebt ihr das auch? Ihr schaut eine Serie, seid so richtig drin – und dann nimmt sie der Streaming-Anbieter aus dem Programm. So geschehen bei meiner Sichtung von „Black-ish – Season 2“ (die Serie wurde einige Wochen später glücklicherweise wieder ins Programm genommen). Ich weiß schon, warum ich immer noch pysische Medien bevorzuge. Doch trotz der unfreiwilligen Pause hatte ich wieder enorm viel Spaß mit den Johnsons…

Black-ish – Season 2 | © ABC Studios

Black-ish – Season 2 | © ABC Studios

Sozialkritische Comedy par excellence

Nachdem ich bei der ersten Staffel noch ein wenig gebraucht habe, um in das Konzept Sozialkritik meets Familien-Comedy reinzufinden, ist mir das im zweiten Jahr deutlich leichter gefallen. Selbst die vieldiskutierte Episode „Hope“ hat mich in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt. Es macht richtig Spaß, die Familie Johnson bei ihrem Kampf mit den alltäglichen Problemen zu begleiten. Die Balance aus Themen, die wohl jeder Elternteil nachvollziehen kann, bis hin zu sehr spezifischen Problemen ist dabei wunderbar ausgeglichen. Hinzu kommt ein selbstironischer Unterton, der gerade Vater Dre Johnson (Anthony Anderson) als jemanden zeichnet, der oftmals über das Ziel hinausschießt. Dass dabei die schmerzhaften Wahrheiten niemals ins Lächerliche gezogen werden, ist eine der großen Leistungen der Serie.

Über den Verlauf der Staffel werden auch die Charaktere und ihre Eigenheiten besser herausgearbeitet, was zu ein paar netten Running Gags führt. Ich mag die Serie sehr gerne, gerade weil sie auch eine der wenigen aktuellen Familien-Comedys ist, die man sich wirklich gut und ohne Fremdschämen anschauen kann. Eben weil sie modern und doch klassisch ist. Und beides in bestem Sinne.

Fazit

Ich habe das zweite Jahr mit den Johnsons sehr genossen und hoffe, dass auch die folgenden Staffeln zeitnah verfügbar sein werden. Bis dahin kann ich euch nur empfehlen, auch einmal reinzuschauen. Ernste und wichtige Themen werden mit Humor und ohne erhobenen Zeigefinger präsentiert. Das macht die Serie sehr sympathisch und tatsächlich auch relevant: 8/10 (8.3) Punkte.

Eddie the Eagle: Alles ist möglich – OT: Eddie the Eagle (2016)

Ein verschnupfter und ziemlich ereignisloser Samstag liegt hinter mir. Der Film am Abend war da noch das größte Highlight. Wir hatten einmal wieder Lust auf etwas Nettes, weshalb ich mich für „Eddie the Eagle: Alles ist möglich“ entschieden habe, der auch erst am Freitag Teil meiner Filmsammlung wurde. Eigentlich interessiere ich mich ja überhaupt nicht für Wintersport, doch die Besprechung des Sneakpods klang so überzeugend, dass ich wirklich positiv gestimmt war…

Eddie the Eagle (2016) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Eddie the Eagle (2016) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Filmgewordener Enthusiasmus

Schon die eröffnende Montage macht „Eddie the Eagle“ unglaublich sympathisch: Es geht um Träume, den olympischen Geist und Durchhaltevermögen. Der Film zeichnet Michael Edwards als überenthusiastischen und tollpatschigen jungen Mann, der eine unfassbare Zielstrebigkeit besitzt. Dabei wird er nicht als Witzfigur dargestellt, sondern als Kämpfer. Auch wenn nur der Kern der Geschichte den historischen Tatsachen entsprechen mag, so überträgt das Drehbuch diese Essenz in eine der unterhaltsamsten Underdog-Geschichten überhaupt. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß mit einem Film und seinen Figuren.

Neben Taron Egerton (bekannt aus „Kingsman: The Secret Service“), der Michael „Eddie the Eagle“ Edwards wahrlich großartig verkörpert, überzeugt Hugh Jackman (u.a. „Logan: The Wolverine“) als dem Alkohol verfallener Skisprung-Trainer. Gerade im Zusammenspiel eine herrliche Kombination. Auf deutscher Seite (ein Großteil des Films spielt in Garmisch-Partenkirchen) darf Iris Berben den Männern zeigen, worauf es tatsächlich ankommt. Und wenn am Ende noch Christopher Walken auftritt, ist das nur noch das i-Tüpfelchen in einem wunderbar aufspielenden Ensemble.

Fazit

„Eddie the Eagle“ erfindet das Rad nicht neu und ist im Prinzip das „Cool Runnings“ (das jamaikanische Bob-Team ist übrigens auch 1988 in Calgary angetreten) der 2010er Jahre. Ein waschechter Feel-Good-Movie, der seine Underdog-Geschichte wunderbar sympathisch und unterhaltsam erzählt. Nichts für Zyniker, aber für alle anderen eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – OT: Fantastic Beasts and Where to Find Them (2016)

Aktualisierung: Ich habe „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind″ am 10. Januar 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einer ruhigen Woche auf meinem Blog, freue ich mich darauf pünktlich zum Wochenende einen neuen Film zu besprechen: Die Wahl ist heute auf „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ gefallen. Wieso? Ich habe die Podcasts der Second Unit zur „Harry Potter“-Reihe zu Ende gehört und nun wieder Lust bekommen, in diese Welt abzutauchen. Die originalen acht Filme wären mir zu zeitaufwendig und diesen ersten Teil der neuen Saga wollte ich ohnehin schon länger schauen…

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016) | © Warner Home Video

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016) | © Warner Home Video

Willkommen bei den amerikanischen Zauberern

Im Gegensatz zu den Filmen der „Harry Potter“-Reihe, spielt „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ in den USA. New York City, um genau zu sein. Und zwar im Jahr 1926. Im Grunde hat man es also mit einem Prequel zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“ zu tun, was wohl in den kommenden Teilen noch weiter ausgebaut werden soll. Hier fand ich es jedoch ganz angenehm, dass die Bezüge zum berühmten Original eher subtil sind. Der Film fühlt sich aufgrund seiner Zeit und seines Schauplatzes auch ganz anders an, als die acht Filme rund um Harry Potter. Dennoch fand ich es herrlich, wieder sich bewegende Bilder sowie herumfliegendes Geschirr zu sehen – gerade in 3D ein visuelles Vergnügen.

Mit Newt Scamander begegnen wir auch einer neuen Hauptfigur, die in unserer Realität der fiktive Autor des titelgebenden Sachbuchs „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist. Eddie Redmayne macht seine Sache zwar durchaus gut, doch kann ich mich mit seiner Art zu schauspielern nicht so richtig anfreunden (siehe auch „Jupiter Ascending“). Am meisten begeistert hat mich wohl Dan Fogler, den ich bereits in „Fanboys“ und der kurzlebigen Comedy-Serie „Man Up!“ sehr mochte, und der hier einen großartigen Auftritt als sympathischer Sidekick hat.

David Yates hat, wie bereits seit „Harry Potter und der Orden des Phönix“, erneut die Regie übernommen und er zeigt, dass er diese magische Welt mühelos inszenieren kann. Gerade die ruhigeren Szenen, oder auch die ausgefallene Nebenhandlung im Koffer, haben mir gefallen. Die Hauptgeschichte jedoch ist leider unfassbar generisch und endet in einem ermüdenden Action-Finale, was viel von der zuvor aufgebauten Atmosphäre kaputt macht.

Fazit

Auch wenn „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ kein perfekter Film ist (oder ein Film, der zu perfekt auf Blockbuster getrimmt wurde), so ist er doch ein großer Spaß für alle Freunde der Zauberwelt. Ich freue mich auf die Fortsetzungen und bin gespannt, für welchen Weg man sich entscheiden wird: Eigenständigkeit oder echtes Prequel. Kann man sich durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

Big – Extended Cut (1988)

Heute ist es mir wieder einmal nicht leicht gefallen, mich für einen Film zu entscheiden. Wie so oft in diesem Fall, habe ich mit „Big“ zu einem persönlichen Klassiker gegriffen, den ich damit zum ersten Mal in der erweiterten Fassung gesehen habe. Ob er heute noch genauso gut funktioniert, wie in meiner Kindheit, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Big - Extended Cut (1988) | © Twentieth Century Fox

Big – Extended Cut (1988) | © Twentieth Century Fox

Eine der nostalgischsten Komödien der 80er Jahre

„Big“ gehört zu den Filmen, die mich durch meine gesamte Kindheit begleitet haben. Es gibt zwischen zehn und zwanzig Filme, die habe ich immer und immer wieder gesehen. Bei jeder TV-Ausstrahlung. Ohne Pause und Ermüdungserscheinungen. Inzwischen lag die letzte Sichtung jedoch bestimmt zwanzig Jahre zurück. Die Blu-ray stand auch schon seit Jahren im Regal und so richtig rangetraut hatte ich mich nicht. Heute jedoch war es soweit und da auch der 25 Minuten längere Extended Cut enthalten war, habe ich mich sogleich für diesen entschieden und den Film somit auch zum ersten Mal im Originalton gesehen. Was hat sich im Vergleich zu damals geändert?

Tatsächlich konnte ich mich noch an viele Szenen erinnern. Besonders die Atmosphäre war mir noch im Gedächtnis. Auch wenn ich inzwischen älter bin als Josh Baskins erwachsenes Ich, konnte ich mich weiterhin ohne Probleme mit ihm identifizieren. Zum ersten Mal ist mir jedoch aufgefallen, wie unglaublich gut Tom Hanks den 13-jährigen im Körper eines Erwachsenen spielt. Früher war es für mich ganz logisch, dass man als Kind eben so rennt, isst und spielt. Heute jedoch muss ich diese großartige schauspielerische Leistung anerkennen. Wirklich fantastisch und ein frühes Zeichen dessen, was in den nächsten Jahren noch so von Tom Hanks zu erwarten sein sollte.

Zoltar says: „Make your wish.“

Die Prämisse des Films ist wunderbar einfach und wurde in Hollywood bereits häufiger umgesetzt (siehe z.B. „30 über Nacht“). Kein Film jedoch bringt die Tragik und Komik, die hinter dem plötzlichen Erwachsenwerden steckt, so wunderbar auf den Punkt wie „Big“. Es ist ein genialer Kniff, Josh in einem Spielzeugunternehmen arbeiten zu lassen, was zu einigen großartigen Szenen führt. Weiterhin ist die Geschichte von Regisseurin Penny Marshall wunderbar unschuldig inszeniert, ohne jedoch in irgendeiner Form verklemmt zu wirken. Selbst den am schwierigsten zu transportierenden Plot Point – die Entführung als vorgeschobene Erklärung für das Verschwinden des Sohnes – kauft man dem Film an dieser Stelle einfach ab.

Noch ein paar Sätze zur erweiterten Fassung: Ich hätte nicht beschwören können, welche Szenen wirklich neu waren. Nach dem Lesen des Schnittberichts kann ich dies nun besser einordnen, jedoch hätte ich keine Sequenz missen wollen, selbst wenn der Film mit einer Laufzeit von 130 Minuten für eine Komödie nun ziemlich lang ist.

Fazit

Ich habe mich heute genauso gut unterhalten gefühlt, wie damals vor gut 25 Jahren. Der Film beschwört das Gefühl meiner eigenen Kindheit in den 80er Jahren herauf, in der ich mir auch manchmal gewünscht hatte, bereits älter zu sein. Heute jedoch kann ich Josh gut verstehen, wenn er zurück will und die Zeit des Heranwachsens nicht missen möchte. Ein wundervoller Film voller Magie und Nostalgie: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Mount St. Elias (2009)

Schon seit einem knappen Jahr habe ich mich nicht mehr von meinem Sofa aus auf einen schneebedeckten Gipfel begeben. Glücklicherweise hat mir Flo Lieb zu Weihnachten den Film „Mount St. Elias“ zukommen lassen, so dass einem weiteren Aufstieg nichts im Wege stand. Heute waren die Bedingungen dann auch endlich so gut, dass ich den Gipfelsturm wagen konnte…

Mount St. Elias (2009) | © STUDIOCANAL

Mount St. Elias (2009) | © STUDIOCANAL

Wenn der Aufstieg noch der einfache Teil ist

Zu Beginn hatte ich noch befürchtet, dass mich der starke Fokus auf das Skifahren abschrecken könnte. Ich hasse Skifahren, was wohl auch meinem mangelnden Talent dafür geschuldet ist. Dennoch waren es gerade diese Szenen, die mir den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Die Leistung von Axel Naglich und Peter Ressmann ist wirklich unfassbar. Und ein wenig verrückt. Ebenso schien mir der Film an manchen Stellen zu effekthascherisch inszeniert zu sein, was eventuell am Produktionsstudio Red Bull Media House liegt, die drei Jahre später auch den Dokumentarfilm „Jäger des Augenblicks: Ein Abenteuer am Mount Roraima“ ins Kino gebracht haben. Doch auch dieser Eindruck legte sich mit der Zeit und ich wurde von den unglaublich imposanten Naturaufnahmen in den Bann gezogen.

Wenn ihr Blogs kommentiert, zahlt sich das in mehrfacher Hinsicht aus:

Neben den imposanten sportlichen Leistungen, fand ich die Kameraarbeit höchst bemerkenswert – und zwar sowohl die kinotauglichen Panoramaaufnahmen als auch das eher intime Handkameramaterial. Man vergisst bei Dokumentationen dieser Art oft viel zu schnell, dass ja auch ein Kameramann dabei sein muss, der hier jedoch recht offen in den Film mit einbezogen wird.

Fazit

Auch wenn „Mount St. Elias“ nicht beeindruckendste Bergfilm ist, den ich bisher gesehen habe (das dürfte wohl nach wie vor „Sturz ins Leere“ sein), so hat er mich jedoch wieder stark mitgerissen. Gerade den Fokus auf das Skifahren fand ich spannend und kann den Dokumentarfilm somit nur jedem Bergfreund ans Herz legen – egal ob das Bergsteigen oder die Abfahrt das Steckenpferd ist: 8/10 Punkte.