Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

Ich liebe Edgar Wright. Bereits mit „Spaced“ hat er mein kleines Nerdherz schneller schlagen lassen. So viele Ideen, so grandios umgesetzt. Dann „Shaun of the Dead“, der Traum eines jeden Zombiefans. Mit „Hot Fuzz“ lieferte er einen der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre ab und nun? „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ – erstmals ohne das Duo Simon Pegg und Nick Frost, dafür mit gefeierter Vorlage. Konnte das wirklich gut gehen?

Oh ja! Edgar Wright ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Ein Film, wie ein Rausch. Ein Film, dessen audiovisueller Stil alles zu ersticken droht – und wohl gerade deshalb die stillen Szenen umso mehr hervorhebt. Ein Film, der wohl nur von einer bestimmten Generation verstanden werden wird. Lieben oder hassen – eine Grauzone ist kaum vorstellbar. Mich hatte der Film ja bereits beim 8-bit Universal-Logo und dem „The Legend of Zelda“-Jingle. Man muss kein nerdiger Hipster sein, um der audiovisuellen Flut Herr zu werden. Aber es hilft. Vermutlich.

Die Vorlage kenne ich zugegebenermaßen nicht. Noch nicht. Die Lektüre der „Scott Pilgrim“-Comics steht allerdings schon jetzt ganz oben auf meiner Leseliste. Insofern kann ich die Vorlagentreue nicht beurteilen. Das Mitwirken des Autors lässt aber hoffen. Zudem wirkt der Film als geschlossene Einheit und nicht, wie eine schöne 1:1-Umsetzung der Panels. Die Dialoge sind nahezu perfekt. Zwar nicht immer zum laut Lachen, doch stets zum leise Freuen. Herzerwärmend, witzig und pointiert. Man merkt hier auch immer wieder Edgar Wrights perfektes Gefühl für Timing.

Mein Kritikpunkt? Wohl der starke Schwerpunkt auf die Kämpfe. So bombastisch diese anzusehen sind, so sehr hätte ich mir doch noch mehr Dialoge und zwischenmenschliche Szenen gewünscht. Dennoch sind die Kämpfe natürlich wunderbare Allegorien, die einen bestimmten Lebensabschnitt ziemlich gut einfangen. Wie ihre langfristige Wirkung ist, müssen garantiert folgende Wiederholungssichtungen zeigen. Bis dahin hoffe ich auf weitere Filme. Please, Mr. Wright (and Producers, of course).

Für mich ist „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein fantastischer Film, der ein ziemlich undefinierbares Zeitgefühl ziemlich perfekt einfängt. Videospiele, Musik, Leben. Ja, diesen Themen hat dieser Film gefehlt. Nun ist er da und ich bin hoch erfreut. Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden. Wie hätte es auch anders kommen können? Nicht für jeden, aber für seine diffuse Zielgruppe eben einer dieser speziellen Filme: 9/10 Punkte.

25 Gedanken zu “Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – OT: Scott Pilgrim vs. the World (2010)

  1. Ich oute mich jetzt als nerdiger Hipster, der sich vor lauter Hippigkeit die Blu-ray aus den USA geholt hat. Von mir gibt es die Nominierungen für bestes Universal Logo und bester Song. Die Kämpfe waren auf Dauer wohl übertrieben, aber die Veganer-Polizei dagegen ein echter Brüller. Ich kriege jetzt gerade wieder Lust, den Film anzugucken.

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  2. Ähm, nein 🙂 Total misslungener Film, audiovisuell ganz nett, inhaltlich aber ’ne Pleite.

    Michael Cera hat natürlich abermals seine Rolle gefunden.

    Er beherrscht ja auch nur die eine…

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  3. @Inishmore: Ja, es ist wirklich einer dieser Filme, die man eigentlich sofort noch einmal anschauen könnte. Die Songs waren tatsächlich auch klasse, keine Frage. Die Blu-ray ist auf jeden Fall auch fantastisch und ich kann echt nur hoffen, dass bald ein Sequel folgt.

    @Flo Lieb: Um es mit Scott Pilgrims Worten zu sagen: „Yeah, whatever…“ 😉

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  4. Den folgenden Satz wirst du vermutlich auch nur einmal von mir lesen, aber: Was Flo sagt. 😉

    (Abgesehen von Cera. Der kann durchaus super sein, ist hier aber grandios fehlbesetzt.)

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  5. Pingback: Scott Pilgrim vs. the World (2010) « of bastards and dwarves

  6. @Dr. Borstel: Fehlbesetzt? Sehe ich nicht. Vielleicht wenn man die Vorlage kennt, doch wenn man den Film an sich betrachtet, funktioniert Cera perfekt. Beinahe ebenso gut wie Wright. Aber hey, auch ihr könnt mal falsch liegen… 😉

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  7. Schöner Artikel, der richtig Lust macht den Film zu schauen! Und sehr schön geschrieben, mehr solche Artikel!

    Was macht eigentlich Dein Lauftraining? Lange nichts mehr davon gelesen…

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  8. Hmm, ja das liebe Lauftraining. Gerne würde ich schreiben ich wollte nur meine Leser mit den Berichten verschonen, doch die Wahrheit ist, dass unsere kleine Bazillenschleuder in den letzten zwei Monaten für eine hartnäckige und stete Erkältung gesorgt hat – der Plan ist aber, dass ich mich morgen endlich einmal wieder aufraffe. Danke der Nachfrage… 🙂

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  9. Bei mir hat sich „Scott Pilgrim vs. the World“ gleich ins Herz katapultiert! Nach 3 mal sehen *hust* hat er sich schon zu meinen Top10 hochgearbeitet, und ich krieg immer wieder Lust darauf, ihn anzuschauen. Vor allem wegen Kim Pine… 😉
    Nachdem der Film ja so eingeschlagen hat, hab ich mir die Comics geholt. Die auch wirklich gut sind, aber da man sich manches einfach nicht so gut vorstellen kann (die Musik z.B.), fehlt da schon einiges. Und so richtig an die Vorlage gehalten haben sie sich nicht. Also mit den Fakten schon, aber die Reihenfolge derselben und wer was macht, das weicht schon ganz schön ab.

    Mein neues Lieblingszitat: „If your life had a face, I would punch it.“

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  10. Ich denke auch, dass die Musik einen Großteil der Begeisterung ausmacht, die „Scott Pilgrim vs. the World“ bei mir hervorgerufen hat. Den Soundtrack werde ich mir demnächst wohl auch zulegen. Hinzu kommt die perfekte Montage des Films, die ich mir im Comic – Panelkunst hin oder her – einfach nicht so vorstellen kann. Dennoch werde ich mir, sobald mir einmal wieder der Lesestoff ausgeht, die Comics holen. Gar keine Frage. Ist denn schon etwas von einem Sequel bekannt? Gerade bei der Zielgruppe dürfte sich entsprechende News doch relativ schnell rumsprechen…

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  11. Ich denke man sollte schon eine gewisse Nerdigkeit besitzen bzw. Gefallen an den popkulturellen Errungenschaften der letzten Generation finden, um dem Film wirklich etwas abgewinnen zu können. In der filmischen Blogosphäre scheint er aber – zumindest größtenteils – sehr gut anzukommen…

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  12. Für mich wurde der Film bislang immer besser mit jeder Sichtung. Man entdeckt meist Sachen, die man vorher nicht gesehen hat, bei der Fülle an Gags etc. Aber das ist ja bei fast allen Filmen so 😉

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  13. Stimmt. Man müsste nur mehr Zeit für Wiederholungssichtungen haben bei all den neuen Filmen, Klassikern, TV-Serien usw., die es zu sichten geht. Von anderen Medien einmal ganz zu schweigen… fast schon ein full time job! 😉

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  14. Anscheinend hast du den Film dann schon öfter gesehen. Ich weiß auch noch nicht, wie er bei einer Wiederholungssichtung wirken wird. Im Moment bin ich noch sehr zufrieden mit Scott Pilgrim, Ramona Flowers und Co.

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  15. Pingback: Paul (2011) « Tonight is gonna be a large one.

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