300 (2007) (WS1)

Nachdem die Fortsetzung „300: Rise of an Empire“ inzwischen schon wieder aus den Kinos verschwunden ist und sich im Heimkino breitgemacht hat, war es für mich an der Zeit mit „300“ noch einmal zu den Ursprüngen der martialischen Fantasy-Geschichtsstunde aufzubrechen. An meine damalige Erstsichtung im Kino habe ich noch gute Erinnerungen und somit war ich gespannt, wie der Film den Test der Zeit überstanden hat…

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Wie zu erwarten war ich erneut von der audiovisuellen Wucht des Films beeindruckt. Um ehrlich zu sein, dachte ich nach den ersten paar Minuten noch, dass ich den Film damals zu streng bewertet hätte. Irgendwann wurde ich jedoch auch dieses Mal der schönen Bilder überdrüssig und wünschte mir ein wenig Handlung als Abwechslung zu den imposanten Schlachtszenen – und siehe da, die gab es auch. Leider jedoch wirkt der gesamte politische Verschwörungsteil dermaßen dröge und einfältig, dass man sich prompt wieder in die Schlacht zurückwünscht. Puh, glücklicherweise hat der Film hier weiterhin Schauwerte zu bieten. Nur nicht von so etwas wie Handlung ablenken lassen. Cinematisches Fast Food für das Auge.

Da Zack Snyder „300“ völlig überstilisiert und comichaft inszeniert hat, und dabei auch inhaltlich keinen Hehl daraus macht, einfach nur ein unterhaltsamer Comicfilm sein zu wollen, kann ich auch nach dieser zweiten Sichtung die Debatte nicht nachvollziehen, die um den Film aufgemacht wurde. Als Ex-Zivi (so etwas kennt man ja heute nicht mehr), kann ich mich ohnehin nicht in die Gedankenwelt des militärischen Drills und Aufopferns einfühlen, doch selbst wenn man für so etwas empfänglich ist, muss einem doch klar sein, dass dieses Macho-Sparta nichts weiter als eine männliche Power-Fantasy ist. Da gibt es wahrlich wichtigere Diskussionen, die man führen sollte.

Letztendlich bleibt „300“ auch beim zweiten Mal ein unglaublich gut aussehender Film, in dem Zack Snyder wirklich zeigen konnte, dass er eine visuelle Sprache besitzt und diese auch einzusetzen weiß: Die Bilder sind zurecht in die Kinogeschichte eingegangen. Der Film macht Spaß, aber nicht satt. Inhaltlich ist er leider recht schwach auf der Brust und auch emotional weiß er nicht mitzureißen; Kino ist allerdings ein visuelles Medium – und dieses weiß „300“ bis zur Perfektion auszunutzen: 7/10 Punkte.

25 Gedanken zu “300 (2007) (WS1)

  1. Schwierig, schwierig. Ich hatte ihn damals gesehen und war nach 10 Minuten vollkommen übersättigt an übermaskulinen, halbnacken, eingeölten Männerkörpern. Damals als ich noch nicht wusste, dass Zack Snyder sich zu meinem Lieblings-Hass-Regisseur entwickeln würde. *lach*

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    • Die Ästhetik ist natürlich völlig übertrieben, passt aber gut in den Film und zu den restlichen Bildern. Das wirkt alles wie aus einem Guss; schade nur, dass die Geschichte nicht mithalten kann, dennoch mag ich den Film als audiovisuelles Gesamtwerk. Er ist einfach toll anzuschauen!

      Da hatte ich mit Snyders „Watchmen“ mehr Probleme. Am liebsten mag ich wohl ohnehin noch sein „Dawn of the Dead“-Remake und auch „Die Legende der Wächter“ fand ich sehenswert. „Man of Steel“ war verschenkt und „Sucker Punch“ habe ich noch vor mir…

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      • Na mensch, da hast du das beste ja noch vor dir. „Sucker Punch“ und „Man of Steel“ haben es sofort auf meine Hassliste geschafft.
        Seit letzterem bin ich auch echt nicht mehr gut auf Christopher Nolan zu sprechen.

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      • Ja, „Sucker Punch“ spaltet wohl die Massen und erhitzt die Gemüter. Habe mich deshalb bisher auch noch nicht rangetraut, da ich Snyders Filme durchaus auch durchwachsen sehe. „Man of Steel“ hatte durchaus seine Momente, doch wurde der komplett falsche Schwerpunkt von Nolan und Snyder gesetzt.

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    • Dabei hätte ich gedacht, dass du den Fantasy-Elementen bzw. dem pseudohistorischen Setting durchaus etwas abgewinnen kannst. Zudem spielt Lena Headey (Cersei Lannister aus „Game of Thrones“) die weibliche Hauptrolle… 🙂

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    • Die letzte Sichtung ist bei mir ja nun auch schon 7 Jahre her, doch könnte ich mir durchaus vorstellen in weiteren 7 Jahren noch einmal reinzuschauen. Ich finde ihn teils beeindruckend, teils doof, doch da er in seiner Einfachheit so übertrieben ist, mag ich dem Film das auch nicht anlasten. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass Snyder und Co. da inhaltlich etwas Tiefschürfendes auf die Beine stellen wollten… 😉

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  2. Als ich damals aus dem Kino ging, dachte ich nur – das ist Kunst auf sehr eindimensionale Weise, aber immerhin. Gibt nicht viele Filme, denen ich das überhaupt zusprechen würde. Diese Schlachtengemälde, die Zynder inszeniert, erinnerten mich riesige Rubensgemälde. Einziger Unterschied: Der drastisch reduzierte Körperfettanteil der Protagonisten. Ich fands gelungen. Sucker Punch dagegen – tja.

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    • Das beschreibt es sehr gut. Für mich ist der Film auch ein gelungenes audiovisuelles Kunstwerk. Aufgrund der Überstilisierung entsteht aber eine enorme Distanz zu den Figuren, was den Film auf inhaltlicher Ebene deshalb ein wenig leer erscheinen lässt. Ich hatte dennoch meinen Spaß damit – sogar schon zum zweiten Mal… 🙂

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  3. So, muss ich mal eine – Achtung: Wortwitz – Lanze brechen für den Film. Der war damals im Kino schon dufte und ist es natürlich noch heute. Eine teils beispielhafte Comicverfilmung, die nur deswegen an der Perfektion vorbeischrammt, weil eben dieser dumpfe Sparta-Subplot mit Headey und West integriert wurde. Ich gebe 8/10 und steh dazu! This. Is. Sparta!

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    • Ich kenne die Comicvorlage zwar nicht, aber es scheint mir so, als hätte Snyder die Vorlage ziemlich gelungen (ähnlich wie Robert Rodriguez mit „Sin City“) auf die Leinwand gebracht. Interessant, dass der dröge Subplot gar nicht im Comic enthalten war. Wäre dieser interessanter geschrieben gewesen, hätte es von mir möglicherweise auch einen Punkt mehr gegeben. 8 Punkte von dir sind auf jeden Fall eine Ansage! 🙂

      Ganz vergessen: Hast du die Fortsetzung auch gesehen? Falls ja, lohnt sich der?

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  4. Der Comic ist ziemlich kurz, eine 1:1-Verfilmung hätte wahrscheinlich 45 Minuten gedauert, deshalb wurde dieser langweilige Subplot noch eingeführt und einige Extra-Szenen. Praktisch alles negative im Film gibt es nicht im Comic 😀

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    • Ich fand es auch, ehrlich gesagt, ganz gut, dass die Action mit Handlung angereichert wurde, nur hätte man diese eben besser schreiben und mit dem Rest verbinden müssen. Vielleicht wäre ein 45-minütiger Kurzfilm auch die bessere Wahl gewesen, wer weiß? 😉

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