The Three-Body Problem (Cixin Liu)

Zum unserem Jahrestag hat mich meine Frau mit mehreren Büchern bedacht. Darunter befand sich auch der chinesische Sci-Fi-Roman „The Three-Body Problem“ in der englischen Übersetzung (im Deutschen ist das Buch übrigens unter dem Titel „Die drei Sonnen“ bekannt). Ich wusste zuvor überhaupt nichts über den Roman bzw. die Trilogie und war zu Beginn zugegebenermaßen ziemlich skeptisch, hatte ich zuvor doch noch nie chinesische Hard-Sci-Fi gelesen. Meine anfängliche Skepsis sollte jedoch schon bald einer großen Faszination weichen, die Cixin Liu mit seiner epischen Geschichte aufbaut…

Chinesische Kulturrevolution und Virtual Reality

Der Roman beginnt während der chinesischen Kulturrevolution und transportiert auf den ersten Seiten fast das Gefühl eines Geschichtsromans. Ich muss zugeben, davor nicht viel über diese Zeit in der chinesischen Geschichte gewusst zu haben und war erfreut, mehr darüber zu erfahren. Besonders hilfreich waren die Fußnoten des Übersetzers Ken Liu, der viele Hintergrundinformationen ergänzt, die amerikanischen oder europäischen Lesern meist fehlen dürften. Überhaupt ist die Übersetzung, soweit ich das beurteilen kann, sehr gelungen und ich kann die englischsprachige Ausgabe allen interessierten Lesern nur ans Herz legen. Selbst komplexe, wissenschaftliche Themen werden verständlich wiedergegeben und ich hatte nie das Gefühl, nicht mit der Handlung mitzukommen. Allerdings muss ich sogleich eine Warnung aussprechen, denn teils geht Cixin Liu schon sehr in die Tiefe, was mathematische oder physikalische Modelle und Konzepte angeht.

Im weiteren Verlauf des Romans gibt es etliche Wendungen und neue Ausrichtungen, die ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen möchte. Es ist schon ein ziemliches Kunststück, dass am Ende alles zusammenpasst und nicht fragmentiert oder zu konstruiert wirkt. Die Geschichte entspringt ganz persönlichen, kleinen Ereignissen und entwickelt sich zu einer unglaublichen, epischen Größe. Dies hätte ich zu Beginn so nicht erwartet. Das titelgebende Three Body-Problem steht gleichzeitig für eine weitere Handlungsebene, die komplett in einer Virtual-Reality-Umgebung spielt und die ich wirklich faszinierend fand. Natürlich werden dabei Erinnerungen an „Ready Player One“ wach und ich fand es spannend zu lesen, wie unterschiedlich man das Konzept der virtuellen Welten doch umsetzen kann.

Das dritte große Thema ist, wenn man sich erst einmal eingelesen hat, keine große Überraschung mehr. So wie es jedoch in die Geschichte integriert wird, all die wissenschaftlichen Ideen und Konzepte – wow, das habe ich zuvor noch nirgendwo anders gelesen. Der Roman ist dadurch ziemlich komplex und hält uns Leser fast schon ein wenig auf Distanz. Ich fand dies ziemlich ungewohnt, jedoch nicht schlecht – einfach eine andere Art der Unterhaltung, sehr spannend.

Fazit

Auch wenn ich während meines Urlaubs nicht so viel zum Lesen gekommen bin, wie ich mir das gewünscht hatte, so hat mich „The Three-Body Problem“ doch ziemlich für sich vereinnahmt. Dranbleiben lohnt sich, auch wenn es bestimmt nicht das einfachste Buch für den entspannten Feierabend ist. Ich bin nun schon gespannt, wie es mit der Geschichte weitergeht und habe mir noch während des Lesens sogleich die beiden Fortsetzungen „The Dark Forest“ und „Death’s End“ zugelegt. Ungewohnt, fordernd und dabei doch sehr unterhaltsam: 9/10 Punkte.

7 Gedanken zu “The Three-Body Problem (Cixin Liu)

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  2. Mir ging es genau wie Dir. Die Geschichte hat auf mich eine unfassabare Faszination ausgeübt, der ich mich schwer entziehen konnte. Mittlerweile habe ich noch 200 Seiten des letzten Buches vor mir. Ich kann Dir nur sagen: Bisher läuft alles noch mit angezogener Handbremse, ich musste mich zwar durch das erste Drittel des zweiten Buches etwas durchkämpfen, aber dann dreht die Geschichte so dermassen auf. Wenn Du jetzt schon schreibst, dass es episch ist, werden Dir für den weiteren Verlauf der Story vielleicht die Worte fehlen ;).
    Ich bin auf Deine Besprechungen der Teile 2 und 3 gespannt!

    Vielleicht noch ein kleiner Buchtipp für später mal. Die „Poseidon’s Children“-Trilogie von Alastair Reynolds ist ähnlich „abgefahren“.

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    • Danke für deinen Kommentar. Das macht mir tatsächlich Mut, denn aufgrund der gänzlich neuen Charaktere und Schauplätze zieht es sich für mich auch etwas. Zugegebenermaßen habe ich aber auch erst 30 Seiten des zweiten Teils gelesen… 😉

      Danke für den Buchtipp! Werde ich mir definitiv vormerken.

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    • Ja, das habe ich auch schon gelesen. Bin sehr gespannt und hoffe, dass der Film auch eine europäische Auswertung erfährt. Auf YouTube finden sich momentan leider mir Fake-Trailer, ich hoffe aber, dass wir bald schon etwas Offizielles zu sehen bekommen.

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