Blade Runner – Final Cut (1982)

Gestern Abend habe ich endlich Ridley Scotts Final Cut von „Blade Runner“ gesehen. Mit kaum einem Film verbindet mich mehr. Bereits bevor meine generelle Liebe zum Film ausgebrochen ist, hatte ich diesen Sci-Fi-Meilenstein ins Herz geschlossen. Damals – ich schätze um 1995 – war in meinem Freundeskreis das Rollenspielfieber ausgebrochen. Wir spielten „Shadowrun“ und machten die nahe Zukunft unsicher. Im Zuge dessen hielt ich Ausschau nach Filmen, deren Handlung in einem ähnlichen – von Cyberpunk geprägtem – Universum angelegt war. Ich fand eine VHS von „Blade Runner“ (Director’s Cut Fassung).

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Nach der ersten Sichtung war ich etwas enttäuscht, da ich mir mehr Action und mehr Cyberpunk erwartet hatte. Doch es sollte nicht lange dauern, da zog mich der Film wieder magisch an. In den nächsten Jahren folgten unzählige Sichtungen. Als ich um 1997 die Welt des Internets betrat, führten mich meine ersten Ausflüge auf Fanseiten des Films. Ich las von einem Kinocut und von ausführlichen Theorien. Las von der Vorlage und kaufte mir daraufhin Philip K. Dicks „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ – ich war begeistert. Vor allem davon, was Ridley Scott aus der Vorlage gemacht hatte. Erstmals wurde mein Interesse für Adaptionen geweckt. Für deren Kunst. Vorab kannte ich nur „Die unendliche Geschichte“ und „Jurassic Park“ als mehr oder weniger gelungene Beispiele.

Mit Einführung der DVD hat schließlich die Wartezeit begonnen. Ich wollte „Blade Runner“ in besserer Qualität sehen. Am besten inklusive Kinocut. Da bereits recht früh (um 2000) erste Gerüchte bezüglich einer restaurierten neuen Schnittfassung im Umlauf waren, beschloss ich auf die erste Veröffentlichung des Director’s Cut zu verzichten. Heute (immerhin 7 Jahre später) halte ich endlich die ultimative Fassung – inklusive Kino- und Director’s Cut – in den Händen. Ein wahres Fest für den geneigten Fan.

Nun aber zum Film: Immer noch grandios. Ich kann die meisten Dialoge noch mitsprechen und die Bild- und Tonqualität ist ein Traum. Unterschiede zum Director’s Cut konnte ich – bis auf vielleicht zwei Szenen – allerdings nicht feststellen. Aber das macht nichts, denn meiner Meinung nach war dieser bereits perfekt. Man wird in diese Welt hineingesogen. In diesen Schmelztiegel der Kulturen. Diese düstere Zukunft. Diese Welt, in der sich der Mensch zum Schöpfer erhebt. Zum Herren über Leben und Tod. Die philosophischen Ansätze sind heute aktueller denn je. Ein großer Film. Ein Film für die Ewigkeit.

Besonders herausragend ist die Inszenierung. „Blade Runner“ ist wohl einer der formal perfektesten Filme. Man merkt hier deutlich Ridley Scotts Ursprünge als Art Director und sein Talent für visuelle Gestaltung. Auch der Einfluss des berühmten Industriedesigners Syd Mead ist in jeder Einstellung vorhanden. Vangelis schafft es zudem den bombastischen visuellen Eindruck durch seinen minimalistischen und ungewöhnlichen Score zu verstärken. Bild und Ton bilden eine untrennbare Einheit. Das ist wahre Kunst.

Erwähnen muss ich auch noch die perfekt gecasteten Schauspieler. Allen voran Harrison Ford, der den Blade Runner perfekt verkörpert. Hart und verletzlich zugleich. Mit Rutger Hauer („Hitcher: Der Highway Killer“, „Split Second“) wurde zudem der perfekte Gegenspieler besetzt. Hauer schafft es den Replikanten mit einer derartigen emotionalen Tiefe zu spielen, dass ich bei seiner letzten Szene regelmäßig eine Gänsehaut bekomme. Seine bis heute beste Leistung. Des Weiteren habe ich bei der gestrigen Sichtung festgestellt, woher ich den Darsteller des mysteriösen Gaff kenne: Es ist niemand anderes als Edward James Olmos (Admiral William Adama, „Battlestar Galactica“).

Ridley Scotts „Blade Runner“ ist für mich immer noch einer der besten Filme aller Zeiten – auch im Final Cut. Die Frage ob Deckard nun ein Replikant ist wird weiterhin Generationen beschäftigen. Eine endgültige Antwort liefert auch diese Schnittversion – sieht man einmal von Ridley Scotts direkten Aussagen ab – nicht. Einer der wenigen Filme, die die Bezeichnung Meisterwerk verdienen: 10/10 Punkte.

Roy Batty: ‚I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.‘

Prädikat: Lieblingsfilm

58 Gedanken zu “Blade Runner – Final Cut (1982)

  1. Ich habe erstaunlicherweise noch keines gefunden. Vielleicht lese ich auf den falschen Seiten? 😉

    Auf dein Review bin ich schon sehr gespannt. Die Collector’s Edition ist auf jeden Fall grandios. Endlich alle Fassungen und ein fantastisches Making of – besser geht es nicht!

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  2. Als dem Cyberpunk absolut verfallener Mensch muss ich zugeben, den Film erst zweimal gesehen zu haben. Dabei ist er wirklich super.

    Aber an eine absolut endgültige und ultimativ finale Version glaube ich erst, wenn alle Beteiligten nicht mehr sind 😉

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  3. Ich glaube nicht, dass da noch einmal etwas kommt. Auf der DVD zeigt sich Ridley Scott sehr zufrieden mit dieser Fassung – und das kann er auch sein.

    Welche Filme mit Cyberpunk-Thematik kennst du eigentlich noch? Mir fällt da nur noch „Strange Days“ als positives Beispiel ein.

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  4. Ich glaube, da gibt es leider wirklich nicht so viel. Im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen finde ich die Gibson-Verfilmung Johnny Mnemonic ziemlich gut. Der Cast ist zumindest, ähm, interessant: Keanu Reeves, Ice-T, Dolph Lundgren, Takeshi Kitano, Flipper 🙂 Ist zwar relativ low budget, aber mir gefällt er.
    Matrix I sehe ich unter Ignoranz der Folgeteile auch als astreinen Cyberpunk-Film.

    Hm, und sonst? Die meisten Filme bedienen ja nur einzelne Elemente wie virtuelle Welten, aber das Gesamtfeeling fehlt einfach. Zum Beispiel das Welt am Draht-Remake Thirteenth floor gefällt mir richtig gut.

    Wichtig sind natürlich Ghost in the shell I und II. Faszinierend finde ich, dass sich Teil 1 sehr stark bei Gibson bedient und Teil 2 bei Asimov, aber die beiden Filme trotzdem gut zusammenpassen 😉

    Ansonsten wird man im Game-Bereich viel eher fündig, siehe z. B. hier 😉

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  5. „Johnny Mnemonic“ fand ich in Ansätzen ganz interessant, doch spätestens ab der Ice-T-Schrottplatzparade war irgendwann die Luft raus. Habe ich als B-Movie in der „Split Second“-Liga in Erinnerung.

    „Matrix“, „The 13th Floor“ und „Welt am Draht“ sind dann thematisch doch wieder etwas anders, wenngleich auf ihre Art und Weise in Teilen sicherlich auch gelungen!

    Mir fällt noch „Death Machine“ ein, der allerdings auch wieder eher in Richtung B-Movie geht. Hat aber so seine Momente.

    An Animes habe ich nun gar nicht gedacht und aus dem Game-Bereich bin ich leider schon viel zu lange raus. Habe aber z.B. „Shadowrun“ auf dem SNES geliebt… 😉

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  6. Ich besitze die deutsche 5-Disc-Tin. Der deutsche Koffer war mir dann doch zu teuer und der Import zu langwierig. Bin echt zufrieden. Sehr schöne Box und der Inhalt ist wahrlich ein Traum! Habe selten so eine gelungene und ehrliche Dokumentation zur Entstehung eines Films gesehen…

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  7. Mein 5-Disc-Box ist noch unterwegs (der Koffer war mir auch zu teuer und überkandidelt) und ich freue mich schon drauf (noch dazu, wo ich seit einiger Zeit einen gescheiten, farblich brillanten Monitor und eine kleine 5.1-Surround-Anlage habe, auf der ich das gescheit gucken kann – siehe meinen Crysis vs. Far Cry-Beitrag). Blade Runner zählt auch zu meinen Lieblingsfilmen, obwohl ich mir nich sicher bin, welche Versionen ich bisher gesehen habe, vermutlich aber einmal die „normale alte“ und einmal den Director’s Cut. Die Soundtrack-CD steht sowieso schon ewig bei mir im Schrank.

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  8. Auf die Box kannst du dich auf jeden Fall freuen! Bin heute mit den letzten Extras fertig geworden und bin äußerst begeistert. Es wird wirklich jeder Aspekt des Films beleuchtet – für den normalen Zuschauer sicherlich teils uninteressant, doch für den „Blade Runner“-Fan einfach fantastisch!

    Der Soundtrack läuft bei mir zur Zeit auch wieder ohne Pause und ich bin begeisterter denn je von Ridley Scotts düsterer Zukunftsvision. Ein Meilenstein! Und das kann man gar nicht oft genug erwähnen… 😉

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  9. Ich hoffe nur, dass ich dann auch schnell zum Gucken komme. Habe mir ansonsten noch die Fluch der Karibik-Trilogie und Full Metal Jacket in der Special Edition geleistet. Liegt bisher nur da und ich hatte keine rechte Zeit dafür. Seit einem halben jahr liegt auch BSG – Season 2 da und ich habe hier auch die Audiokommentare noch nicht geschafft. Abgesehen davon stecke ich gerade mitten in der 12. Season von E.R. Herje, wann soll ich das alles schaffen?! 😉

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  10. Ich habe auch noch unmengen ungesehener DVDs hier rumstehen. Es ist wahrlich eine Schande. Inzwischen bin ich sogar schon soweit, dass ich mir viele Extras gar nicht mehr anschaue bzw. auf abgespeckte Versionen zurückgreife. Ich schaffe das zeitlich einfach nicht mehr. Doch bei Filmen wie „Blade Runner“ mit wirklich exquisiten Dokus setze ich mich auch gerne stundenlang hin. Da lohnt es sich wirklich – und man erlebt Filmgeschichte.

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  11. Pingback: Aus dem Leben eines Filmfreunds « Tonight is gonna be a large one.

  12. Ich hatte gerade die Gelegenheit, zum allerersten Mal in meinem Leben „Blade Runner“ zu sehen, und zwar auf der großen Kinoleinwand, in HD: den „Final Cut“. Wie konnte ich diesen Film bloß so lange links liegen lassen?

    Also: Es arbeitet noch ganz gewaltig in mir drin, ganz verarbeitet habe ich das noch nicht und ich könnte jetzt auch unmöglich eine Kritik schreiben; dazu muss ich den Film dringend erst noch ein zweites Mal schauen. Aber es war beeindruckend, es war gerade gen Ende hin unglaublich poetisch und es war tiefgründiger als ich mir das je gedacht hätte; ich entdecke immer noch neue Facetten, da ich mich jetzt seit ca. einer Stunde durch diverse Reviews lese.

    Welche Fassung sollte man sich denn auf DVD zulegen? Mir juckt es da ja schon ganz gewaltig in den Fingern, mir die Ultimate Collectors Edition zuzulegen, nicht einmal der fünf verschiedenen Fassungen des Films, sondern der tollen Extras wegen. Alternative wäre die Special Edition des Final Cut, aber ich habe gerade keine Ahnung, was da an Extras enthalten ist.

    Zu welcher Box würdest du mir raten?

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  13. Freut mich, dass du zu diesem Meilenstein des Sci-Fi-Kinos gefunden hast. Es ist doch immer wieder schön, Filmperlen (neu) zu entdecken!

    Ich würde dir spontan zur Ultimate Collector’s Edition raten. Da hast du – bei Interesse – alle Fassungen und das komplette Bonusmaterial. Ich habe den Kauf nicht bereut, wobei man bedenken muss, dass „Blade Runner“ auch einer der Filme überhaupt für mich ist.

    Die grandiose Doku ist übrigens auch bei der normalen Special Edition des Final Cut enthalten.

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  14. Danke für die schnelle Antwort. Ich werde morgen mal rumschauen, wie viel die Ultimate Edition hier kostet; wenn ich das richtig in Erinnerung habe, kriegt man die hier in UK schon für nicht allzuviel Knete. Ich will mal hoffen, dass meine Erinnerung mir da keinen Streich spielt und ich morgen einen Schock kriege. 😉

    Hab mir deinen Blog mal unter Favoriten gespeichert. Gefällt mir hier.

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  15. Hier in Deutschland habe ich ca. 45 € bezahlt. In UK dürfte er deutlich günstiger sein – und am wichtigsten: Noch zu haben. Die Box ist hier weitgehend schon ausverkauft.

    Dein Blog liest sich auch interessant. Ich schmeiße es einmal in meine Blogroll, damit ich nicht vergesse reinzuschauen… 😉

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