Ghost in the Shell (2017)

Da die Kinder noch bis morgen bei den Großeltern untergebracht sind, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und sind einmal wieder ins Kino gegangen. Leider lief nicht der Film, den wir unbedingt sehen wollten. Letztendlich fiel meine unsere Wahl auf „Ghost in the Shell“ und speziell ich war durchaus gespannt, was die Realverfilmung des Animes denn so auf dem Kasten hat: Die Trailer sahen vielversprechend aus, die Kritiken waren jedoch durchwachsen…

Einmal Matrix und zurück

Speziell Fans des Animes scheinen so ihre Probleme mit der Realverfilmung zu haben. Auch ich kenne das Original, wenngleich meine Sichtung inzwischen mindestens 15 Jahre zurückliegt. Es muss irgendwann nach „The Matrix“ gewesen sein, als man alles aufgesogen hat, was für diesen bahnbrechenden Film Pate stand. Ich erinnere mich noch, dass ich die Geschichte faszinierend aber auch verwirrend fand. Heute dagegen, ziemlich genau 18 Jahre nach dem Blockbuster der Wachowski-Geschwister, wirkt die Geschichte doch schon ziemlich vertraut. Was 1995 unglaublich originell gewirkt haben musste, ist heute nur noch die gekonnte Inszenierung einer nur allzu bekannten Routine. Das kann man dem Film nur schwerlich als Fehler anlasten, trübt dessen Wirkung leider dennoch beträchtlich.

Whitewashing oder warum Scarlett Johansson?

Am meisten war „Ghost in the Shell“ im Vorfeld des Kinostarts wohl aufgrund des Whitewashing-Vorwurfs in aller Munde. Ich kann den Punkt durchaus verstehen, doch glaube ich auch, dass man sich bei Hollywood-Produktionen nicht zu viele Illusionen machen sollte: Es geht hier einfach ums Geschäft. Wären die Rechte an ein japanisches Filmstudio gegangen, hätte es die Diskussion ziemlich sicher nicht gegeben. Sind sie aber nicht. Mit Dreamworks steht ein amerikanisches Studio hinter der Produktion und als solches werden natürlich auch amerikanische Stars platziert, um den Erfolg im westlichen Markt zu garantieren. Das mag aus künstlerischer Sicht fragwürdig sein, doch ist es keinesfalls überraschend oder skandalös. Davon einmal abgesehen fand ich Scarlett Johansson tatsächlich gut besetzt und ich habe ihr die Rolle abgenommen.

Mit Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche und Michael Pitt ist der restliche Cast durchaus international und die Schauspieler werden ihren Anime-Pendants auf jeden Fall gerecht. Auch wenn westliche Gesichter dominieren, so wirkt die Welt in „Ghost of the Shell“ dennoch wie ein Schmelztiegel und Erinnerungen an „Blade Runner“ werden wach, nur dass hier alles noch einmal bunter, lauter und leider auch sauberer wirkt. Dennoch hat mich die Gestaltung der nahen Zukunft auf jeden Fall überzeugt und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen.

Fazit

Ohne „The Matrix“ oder auch „Blade Runner“ wäre die Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ ein wirklich beeindruckendes Filmerlebnis gewesen, das bei mir noch lange nachgewirkt hätte. Mit Kenntnis der teils dem Original nacheifernden Vorbilder, lässt Rupert Sanders‘ Film jedoch Originalität vermissen. Die Actionszenen sind toll inszeniert (wenn auch ein wenig blutleer) und der Film sieht insgesamt schon ziemlich fantastisch aus. Leider jedoch wird die Handlung zu vereinfacht wiedergegeben und am Ende wirkt es, als wäre nur eine weitere Superheldin geboren worden. Trotz seiner Fehler auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

27 Gedanken zu “Ghost in the Shell (2017)

  1. Frau Johannsson im körperfarbenen Body ist sicher nett, der Film reizt mich aber nicht so.

    Viel spannender: Ich eröffne die offizielle Raterunde
    „Welchen Film wollten bullion und seine Frau ursprünglich sehen?“:
    (Begründung optional)

    Mein Tipp: Life
    (Den wollte ich nämlich auch noch vor Ostern gucken, läuft in meinem Stammkino aber nur noch ab 23 Uhr. Für den Herrn lockt der Alien-Vibe, für die Dame die Herrschaften Reynolds und Gyllenhaal)

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    • Oh, eine Raterunde! 😀

      Leider hatten wir gar keinen konkreten Film auf dem Radar, denn alles was wir gerne gesehen hätten („La La Land“ oder „Moonlight“) war entweder schon aus dem Kino raus bzw. lief nur noch zu doofen Zeiten und nicht im Originalton oder noch gar nicht im Kino drin („Alien: Covenant“ oder „Blade Runner 2“). Aber wir hatten jetzt Zeit und somit mussten wir die Gunst der Stunde einfach nutzen. „Life“ hätte ich auch gerne gesehen, aber das wäre schwieriger zu verkaufen gewesen. Ich fand aber auch „Ghost in the Shell“ lohnenswert… 🙂

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  2. Ich tippe auf MOONLIGHT als der Film, der nicht lief.

    GITS fand ich optisch nicht wirklich spannend, Johansson auch eher fehlbesetzt (bzw. typecasted) und die Idee des Originals nicht in den „neuen Körper“ transportiert. Aber 7 Punkte sind bei dir meist ja schon eher das untere Spektrum, von daher lass ich das mal als „Verriß“ durchgehen 😀

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    • Ja, „Moonlight“ oder „La La Land“ hätten wir gerne gesehen. Möchte ich aber beide unbedingt im O-Ton sehen und die Filme liefen eh nur noch zu unmöglichen Zeiten und in der Synchro.

      Also ein Verriss ist meine Besprechung ja hoffentlich nicht geworden, denn ich fand den Film wirklich gut, auch wenn er Schwächen hat. Ich mag Cyberpunk als alter „Shadowrun“-Spieler auch sehr gerne und freue mich immer, wenn Filme in diese Richtung gehen.

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  3. Whitewashing. Klaro. Und wenn in der Verfilmung von Kings Dunkler Turm statt einem Clint-Eastwood-Lookalike ein schwarzer Darsteller die Hauptrolle spielt (während die schwarze Figur gestrichen wird), dann bekommen alle feuchte Höschen angesichts der achso fortschrittlichen Diversity?
    Dass ich nicht lache.

    Du sprichst einen Punkt bereits an: Knallhartes Geschäft. Scarlett ist ein Name, der zieht, eine Darstellerin, die sich gut anschauen lässt. Und in diesem speziellen Fall: Sorry, aber in einer Welt, in der so gut wie jeder Mensch kybernetisch optimiert ist, sollen dann aber bitte die Figuren allesamt asiatisch aussehen? Quark. Wäre was anderes bei einem Film zur Shogunzeit, keine Frage. Aber doch nicht bei einer Scifi-Dystopie?!
    Ich sag dir, ich versteh diese Geisteshaltung nicht…

    Aber das klingt insgesamt recht ordentlich, den kann man sich anschauen.

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    • Ach du, ich finde schon auch, dass farbige Darsteller unterrepräsentiert sind. Das ist schade und ein wenig mehr Diversität in Hollywood wäre wünschenswert. Gerade in historischen Setting ist es komisch, wenn dann lauter Weiße auftauchen. Hier allerdings fand ich es weder überraschend noch sonderlich störend, zumal mit u.a. Kitano auch japanische Stars besetzt wurden. Dann hätten die Rechte an ein japanisches Studio gehen müssen, was den Film für den westlichen Massenmarkt wieder uninteressant gemacht hätte. Nun ist es eben ein typischer Blockbuster geworden, nur ohne den großen Erfolg. Schade, dass gerade dieser Film so in der Schusslinie steht…

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      • Im Großen und Ganzen seh ich das ja auch so. 😉
        Und das meinte ich ja mit dem Beispiel, es gibt Settings, wo Weiße absolut keinen Sinn ergeben, aber trotzdem auftauchen. Das ist auch bescheuert.
        Aber eben, es gibt Filme, wo das auffällt und einfach „falsch“ ist, und es gibt Filme wie GitS, wo es deutlich unproblematischer ist.

        Und du sprichst ein weiteres „Problem“ an: Wer im Westen schaut denn groß asiatisches Kino? Also, im großen Stil, dass sich ein Film wie GitS mit rein asiatischem Cast hätte vermarkten lassen?
        Ich denk, wir sind noch weit davon entfernt, dass sich das legt, und ich finde, es werden die falschen Erfolge gefeiert und die falschen Filme angefeindet.

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      • Ich glaube einfach das Problem liegt tiefer als dass es reichen würde bei Filmen wie „Ghost in the Shell“ Whitewashing zu schreien. Warum schaffen es in Hollywood nur wenige farbige Darsteller in den Star-Status? Das liegt am Konstrukt des Systems und ja, es macht auch Sinn das anzuprangern wo es eben Sinn macht. Hier hätte mich eine weniger westliche Besetzung doch sehr verwundert, zumal die Mischung auf jeden Fall gut funktioniert hat. Ein schwieriges und komplexes Thema, keine Frage.

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      • Auch wieder wahr. Wobei es ja schon problematisch ist, dass die meisten erfolgreichen Darsteller (mit ein paar Ausnahmen) allesamt amerikanischer Herkunft sind. So, als ob nur die schauspielern könnten. Aber so ist eben das System, und letztlich reproduziert es den Rassismus und Sexismus, den es ja nicht zuletzt in der amerikanischen Gesellschaft gibt.

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  4. Ich fand den auch deutlich besser als… alle. Tolle Atmosphäre, Johannson war sehr Badass und hat den Major überzeugend gespielt (die unnatürliche Körperhaltung gefiel mir, wobei sie, und auch sonst niemand, natürlich nicht an Vikander’s Meisterleistung der Cyborg-Darstellung in EX MACHINA rankommt) und es wurden einige spannende Fragen zur Existenz angeschnitten. Betonung auf ANGESCHNITTEN. Im Anime werden die tatsächlich weiter in die Tiefe ergründet. Insgesamt muss ich aber derbe Abzüge in der B-Note wegen typischen Hollywood-Klischees und einigen dämlichen Entscheidungen machen.

    Ab hier SPOIIIIILER!
    Und leider widerspricht der Film im letzten Off-Kommentar (der total erzwungen wie der Abschluss einer Superhelden-Origin wirkte) extrem sich selbst. Vorher wird durchweg klar, dass der Major nicht „komplett“ ist, weil die Erinnerungen fehlen und sich trotz menschlichem Hirn immer weiter vom Dasein entfremdet. Das widerlegt komplett Batou’s Aussage, dass „Memories only Noise in the endless stream of data“ sind. Und am Ende wurde es sogar noch stärker klar, dass sie nur durch das Wiederentdecken ihrer Vergangenheit wirklich leben konnte – im Off faselt sie dann aber mit Überzeugung genau Batou’s Satz. Kann zwar sein, dass es so gemeint war, dass sie jetzt nach vorne blickt, wo sie mit der Vergengenheit im Reinen ist, aber trotzdem finde ich das sehr unglücklich.

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    • Hey, freut mich, dass ich anscheinend doch nicht der einzige bin, der dem Film etwas abgewinnen konnte. Stimme dir bei allem zu, was du geschrieben hast – bis hin zu Alicia Vikander in „Ex Machina“.

      Auch den Schluss habe ich ähnlich schwach wahrgenommen, eben weil der Film dadurch wie eine Superhelden-Origin-Geschichte wirkt. Wie war das noch einmal im Original? Ich bilde mir ein, dass sich Motoko immer mehr vom Körper löst und rein ihr Geist weiterlebt. Mag ich mir aber auch einbilden. Ich sollte mir das Original wirklich wieder einmal anschauen. Schade nur, dass die Blu-ray so unfassbar teuer ist.

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      • Genau der Punkt hält mich auch davon ab, mir die mal zu holen. Was hat es eigentlich mit Animes und deren unfassbaren Preisen auf sich? Wundere mich ständig, warum so viele so teuer sind..

        Wie das in der 1995er Variante war, weiß ich gar nicht mehr. Zwar zwei mal gesehen, aber auch sehr lange her. War aber vielleicht für den Kinobesuch dieses Films ganz gut den nicht mehr voll präsent zu haben.

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      • Das verstehe ich auch nicht. Man sollte meinen inzwischen gebe es einen Markt dafür. In UK ist der Film deutlich günstiger, werde ich für meine nächste Bestellung vormerken. Kennst du den zweiten Teil? Gibt damit auch ein Bundle, was vielleicht interessant wäre.

        Ich bin gespannt, ob für den Heimkino-Markt evtl. noch eine härtere Fassung kommt. Das war ja ein doch wichtiger Bestandteil des Animes und die Realfilmfassung war teils schon erstaunlich zahm…

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  6. Pingback: Animes in Hollywood sind immernoch eine schlechte Idee. Kritik – Ghost in the Shell – filmexe

      • Naja… das Original ist halt schwer zu toppen. Obwohl es stärker in der Erinnerung ist als in Wirklichkeit. Ich hab mir den Film vor dem Live-Action-Film noch mal angeschaut. Der Anime lebt ja schon teilweise nur durch die Musik und die Stimmung. Teilweise sind man 5 Minuten lang nur Bilder der Stadt und Musik dazu. Viel Story ist da in dem Sinne auch nicht. Dennoch entwickelt der Film auch gerade dadurch eine ganz eigene Faszination.

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      • Ich kann mich an das Original kaum noch erinnern, habe aber die Geschichte als deutlich komplexer bzw. mehrdeutiger in Erinnerung. Mag mich aber auch täuschen. Der Stil ist natürlich klasse, gar keine Frage!

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    • Ich fand es schade, dass der Film von nahezu jeder Seite nur fiese Kritik bekam. So zumindest mein Eindruck. Ebenso das Whitewashing, da muss man eben auch schauen wohin die Rechte gehen. Der US-„Godzilla“ hatte auch westliche Schauspieler. In anderen Fällen kann man das Argument bestimmt eher anbringen.

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