Free Solo (2018)

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass ich ein gewisses Faible für Bergsteiger-Geschichten habe. Ob die spannenden Dokumentarfilme „Meru“, „Sturz ins Leere“, „The Summit“, „Mount St. Elias“ oder Bücher wie „In eisigen Höhen“ – die Berge und deren Bezwingung üben eine große Faszination auf mich aus. So war es auch kein Wunder, dass der Oscar-Gewinner „Free Solo“ ganz oben meiner Liste der am meisten erwarteten Filme stand. Übrigens war das auch der erste Film, dem ich eine Sichtung auf Ultra HD Blu-ray zuteil werden ließ. Ehre, wem Ehre gebührt. 🏔

Free Solo (2018) | © Capelight Pictures

Free Solo (2018) | © Capelight Pictures

Die Frage nach dem „Warum?“

Was für ein Film! Ich habe jetzt noch schweißnasse Hände. Dabei steht von Anfang an fest, dass Alex Honnolds Free-Solo-Besteigung des El Capitan erfolgreich sein würde und er demnach nicht abstürzt. Durch den geschickte Aufbau des Dokumentarfilms, der gleichzeitig Making-of-Elemente beinhaltet, ist man Alex, seiner Freundin, seinen Weggefährten und der Filmcrew jedoch so nah, dass ich als Zuschauer so involviert war, als wäre ein Bekannter von mir da oben an der Wand. Gänsehaut.

Dabei geht es nicht nur um die schier unfassbare Leistung, die Alex Honnold vollbringt, sondern auch um die Frage nach dem „Warum?“ – und dieser Aspekt wurde noch in keiner anderen Bergsteiger-Doku so gut herausgearbeitet wie in „Free Solo“. Honnolds Einstellung lässt sich wunderbar, und das ist nur auf den ersten Blick ein wenig weit gegriffen, auf Simon Sineks Golden Circle zurückbeziehen. Die Frage des „Warum?“ ist auch für Alex Honnold zentral und er verfolgt dabei ein so klare und kompromisslose Vision, dass sich das „How?“ und „What?“ danach völlig natürlich ergeben. Man kann Honnolds Drang verstehen und auch das Zugeständnis seiner Begleiter. Die Geschichte ist somit stimmig. Sein Bestreben wahrhaftig und gewissermaßen nachvollziehbar. Unfassbar beeindruckend.

Spannender als jeder Thriller

Neben der sehr persönlichen Geschichte, die extrem authentisch wirkt, haben mich vor allem die Bilder beeindruckt. Damit meine ich gar nicht so sehr das UHD-Erlebnis, bei dem ich nur in manchen Einstellungen einen Mehrwert zu HD ausmachen konnte, sondern die Leistung der mitkletternden Filmcrew. Honnolds Besteigung so perfekt und ohne Interaktion einzufangen ist eine ganz besondere Leistung, die zurecht mit einem Oscar gewürdigt wurde. Wer im letzten Drittel nicht auf der Sofakante sitzt, dem ist nicht zu helfen. Als Alex sein Ziel erreicht hatte, musste ich sogar ein paar Tränen verdrücken. Was für ein Film!

Fazit

Ihr merkt schon, dass ich von „Free Solo“ mehr als begeistert war. Die perfekte Mischung aus persönlicher Geschichte, großer Fragen rund um unterschiedliche Lebensentwürfe sowie packender Kletterszenen. Ich kann den Film wirklich nur jedem Kletter- und Dokufreund ans Herz legen (und allen anderen auch): 10/10 Punkte.

Der weiße Hai – OT: Jaws (1975)

Seit ich in unserem Urlaub in den Niederlanden am Meer war, hatte ich Lust darauf, mir einmal wieder „Der weiße Hai“ anzuschauen. Überhaupt ist die letzte Sichtung schon viel zu lange her und Filme wie „The Shallows“, „47 Meters Down“ oder „The Meg“ sind einfach kein Ersatz. Von unsäglichen Werken wie „Sharknado“ und Co. einmal ganz zu schweigen. Wie konnte es mit dem Genre nur so weit kommen?

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

„We’re gonna need a bigger boat.“

Was wurde über „Der weiße Hai“ noch nicht gesagt? Der erste große Blockbuster, ein Score, der heute noch Gänsehaut bereitet, der widerspenstige Bruce und überhaupt eine unglaubliche Produktionsgeschichte. Kaum zu glauben, dass ich diesen Film bisher noch nicht in meinem Blog verewigt habe! Meine letzte Sichtung liegt folglich mindestens 13 Jahre zurück und ich war gespannt, ob mich „Jaws“ auch heute noch so begeistern kann wie damals. Dies war auch meine erste Sichtung der Blu-ray und ich bin erfreut, wie frisch der Film darauf aussieht. Einfach fantastisch! Man muss sich einmal bewusst machen, dass Steven Spielbergs Blockbuster inzwischen 44(!) Jahre auf dem Buckel hat. Er ist fünf Jahre älter als ich und sieht doch noch so viel besser aus! Und das ist alleine das audiovisuelle Paket. Wären da nicht Mode und Frisuren, man könnte „Der weiße Hai“ heute noch 1:1 so inszenieren wie damals.

Speziell die Dramaturgie des Films sucht heute noch ihresgleichen: Das Drehbuch ist extrem dicht, der Spannungsaufbau bewundernswert und Spielberg nimmt sich (darin ist er ohnehin der Meister) dennoch viel Zeit für seine Figuren. Heute ist mir erstmals die strenge Zweiteilung von „Jaws“ aufgefallen und ich könnte nicht sagen, welchen Teil ich lieber mag: Der ruhige, fast schon an eine Sozialstudie erinnernde Aufbau der Geschichte auf Amity Island oder die actionreiche Hatz auf der Orca. Trotz der gänzlich unterschiedlichen Schauplätze und Handlung sind beide Teile gekonnt miteinander verwoben, was der großartigen Figurenzeichnung zu verdanken ist. Gerade wenn Quint und Hooper sich unter Deck zusammenraufen und am Ende selbst Chief Brody in den schrägen Gesang einstimmt, ist das ein wunderbarer Moment. Wie so viele.

„Farewell and adieu to you fair Spanish ladies.“

Auch wenn es beim Dreh nur Probleme mit dem künstlichen Hai (genannt Bruce) gab, so sind die Effektszenen doch extrem effektiv. Gerade auch weil man die erste Stunde überhaupt nichts vom Hai sieht. Die spätere Kombination aus Filmmaterial echter Haie sowie kurzer Einstellungen von Bruce ist sehr überzeugend. Auch heute noch. Viele Filmemacher könnten sich hier mehrere Scheiben abschneiden, was das Zeigen des Monsters bzw. generell der Bedrohung angeht. Kreative Lösungen, wie die gelben Fässer im letzten Filmdrittel, sind der beste Beispiel, dass technische Einschränkungen die Kreativität fördern, was letztendlich die besten Ergebnisse liefert.

Fazit

Auch nach 44 Jahren ist „Der weiße Hai“ immer noch das Paradebeispiel für einen perfekt geschrieben und inszenierten Blockbuster. Ein Film, den jeder Filmstudent bis ins Detail analysieren sollte. Für alle anderen einfach nur ein großes Vergnügen. Ich bin erneut extrem begeistert und werde mich, nachdem ich ein wenig Zeit mit der fantastischen Making-of-Dokumentation verbracht habe, vielleicht auch erstmalig (und ganz ohne Erwartungen) den Fortsetzungen nähern. Seine Stellung als Meisterwerk hat sich „Jaws“ mit dieser Sichtung weiterhin gesichert: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Der König der Löwen – OT: The Lion King (1994)

Endlich Osterferien! Zumindest für die restliche Familie. Vor mir liegen zwei anstrengende Arbeitswochen, doch um den Kindern einen gelungenen Start in die Ferien zu bieten, habe ich spontan einen Filmabend einberufen. Schon seit ich vor ein paar Tagen den Trailer zur Neuverfilmung (siehe unten) gesehen habe, hatte ich Lust mir einmal wieder den Disney-Klassiker „Der König der Löwen“ anzusehen. Einer der Filme, die mich in meiner Jugend am stärksten geprägt haben. Warum das so ist, und wie die Geschichte bei meinen Kindern ankam, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Der König der Löwen (1994) | © Walt Disney

Für mich als Kind ein magisches Filmerlebnis

An dieser Stelle muss ich ein wenig weiter ausholen: „Der König der Löwen“ war einer der wenigen Filme, die wir damals auf VHS-Kassette besessen haben. Ich weiß gar nicht mehr, warum das der Fall war. Auf jeden Fall kam mein Vater eines Tages mit dem Film an. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahre alt und mein Interesse an Disney-Filmen befand sich nicht gerade auf dem Höhepunkt. Dennoch habe ich den Film mit angeschaut und war so verzaubert, wie selten zuvor. So richtig kam dieses Gefühl erst am folgenden Tag zur Entfaltung und ich weiß noch ganz genau, wie sehr ich in der Welt dieser Geschichte gefangen war. Für diesen einen Tag lebte ich im geweihten Land. Ich saß den ganzen Tag an meinem Schreibtisch, hing in meinen Gedanken dem Film nach, zeichnete und hörte dabei Radio. Und dort kam ein Bericht (oder ein Hörspiel) zu „Der König der Löwen“. Ich könnte mein Glück kaum fassen und wurde noch tiefer in diese seltsam melancholische Stimmung hineingezogen. Dieses Nachtrauern einer fiktiven Welt ist mir seitdem kaum mehr passiert und schon gar nicht so intensiv.

Seit dieser ersten Sichtung habe ich den Film inzwischen noch ein paar Mal gesehen. Zuerst auf VHS, später auf DVD und sogar das Musical in Hamburg haben meine Frau und ich vor langer Zeit besucht. Dieses intensive Gefühl, das ich nach der ersten Sichtung hatte, sollte sich jedoch nie wieder einstellen. Dennoch zählt „Der König der Löwen“ zweifellos zu den für mich wichtigsten Filmen. Ich liebe die Musik und die klassische Animation, die 1994 auf ihrem Höhepunkt war. Für mich insgesamt wohl der rundeste Animationsfilm von Walt Disney. Hier stimmt für mich einfach alles.

Wie hat der Film meinen Kindern gefallen?

Auch wenn „Der König der Löwen“ mit FSK 0 freigegeben ist, so hatte ich befürchtet, dass er zu dramatisch für den Zwergofanten sein könnte. Und ja, gerade in den drastischen und durchaus tragischen Szenen, die der Film vielfach zu bieten hat, war er deutlich mitgenommen. Auch das Zappelinchen war sichtlich angespannt und nach Mufasas Tod rollten auch ein paar Tränen. Das ist jedoch vollkommen verständlich und auch ich hatte selbst nach all den Jahren noch einen dicken Kloß im Hals. So wie ich es beurteilen kann, konnte dieser Animationsfilm-Klassiker auch heute noch Eindruck hinterlassen. Gerade der Tod des alten Königs und der Kreislauf des Lebens werden in den kommenden Tagen noch Thema sein. Und das ist auch gut so.

Übrigens glaube ich, dass uns der Trailer der Neuverfilmung auf eine falsche Fährte führt, denn gerade die vielen Gesangsszenen wird Jon Favreau (ähnlich wie bei seiner Interpretation von „The Jungle Book“) wohl nicht 1:1 übernehmen. Ich schaue der 2019er Version immer noch ein wenig skeptisch entgegen, doch bin ich auch gespannt, welchen Weg der Regisseur letztendlich damit einschlagen wird:

 

Fazit

Keine Frage, auch heute noch zeigt „Der König der Löwen“ beeindruckende Animationskunst und hat mitreißende Songs zu bieten. Ein echter Klassiker eben. Ich freue mich, dass ich meinen Kindern den Film nahe bringen konnte, und bin gespannt wie lange er bei ihnen noch nachwirken wird. Für mich persönlich zweifelsfrei einer der bedeutendsten Filme meiner Kindheit: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990)

Da heute der letzte Ferientag war, haben wir mit den Kindern noch einen spontanen Spieleabend veranstaltet. Auch wenn deshalb recht spät Ruhe eingekehrt ist, wollte ich nicht auf den Film am Freitagabend verzichten. Die Wahl ist aus Gründen, die ich weiter unten erörtern werde, auf „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ gefallen. Was, ihr kennt den Film nicht? Dann schleunigst weiterlesen…

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

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The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2

Es ist passiert: Ich habe die beste Serienstaffel gesehen, seit ich dieses Blog betreibe. Und nein, ich habe nicht noch einmal „The Wire“ oder „The West Wing“ geschaut. Welcher Serie gebührt dann diese Ehre? Nachdem ich schon die erste Staffel großartig fand, hat mich „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2“ voll und ganz überzeugt. In meinen Augen ist es nahezu die perfekte Serienstaffel. Warum das so ist, bringe ich euch in der folgenden Besprechung nahe…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 2 | © Amazon Prime Video

Ein Feuerwerk an spritzigen Dialogen

Schon seit „Gilmore Girls“ wissen wir, dass Amy Sherman-Palladino großartige Dialoge schreiben kann. Auch die erste Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ hat in dieser Hinsicht voll und ganz überzeugt – und ja, die Charaktere und ihre Dialoge sind es auch, welche das zweite Jahr der Serie so überragend machen. Sie sind noch schneller, noch pointierter und werden noch schmissiger vorgetragen. Dabei liegt der Fokus nicht mehr nur auf den beiden famosen Hauptfiguren Midge Maisel (Rachel  Brosnahan) und Susie Myerson (Alex Borstein), sondern auch die Nebenfiguren bekommen deutlich mehr Zeit und Tiefe spendiert. Allen voran natürlich die Eltern, welche ganz famos von Marin Hinkle und Tony Shalhoub verkörpert werden.

Die Staffel startet mit einem Ausflug nach Paris, der nicht nur eben schnell in einer Episode abgehandelt wird, um Schauwerte zu schaffen, sondern der essenziell für die Beziehungen der Figuren (speziell von Rose und Abe Weissman) untereinander sowie ihre Charakterentwicklung und Motivation in der weiteren Staffel ist. Dieser äußerst unterhaltsame Auftakt wird im weiteren Verlauf noch durch die drei in den Catskills spielenden Urlaubsepisoden übertroffen, die in ihrem Mikrokosmos einfach nur herrlich absurd sind. Auch in der zweiten Hälfte der Staffel weiß die Serie durch kunterbunte Tour-Erlebnisse und TV-Auftritte unserer Comedienne zu überzeugen.

Eine wunderbare Ensemble-Serie

Wie bereits erwähnt, bekommen auch die Nebenfiguren mehr Platz eingeräumt, was vermutlich auch den zwei zusätzlichen Episoden zu verdanken ist. Gerade Miriams Vater Abe Weissman muss hier einiges durchmachen, das sein Weltbild gehörig durcheinander würfelt. Tony Shalhoub spielt die Figur so stoisch, dass es eine wahre Freude ist – zumindest bis er dann doch einmal explodiert. Wirklich großartig. Doch auch Joel, seine Eltern oder Neuzugang Benjamin (gespielt von Zachary Levi, bekannt aus der TV-Serie „Chuck“) bekommen alle genügend Screentime, um ihre Charaktere zu entwickeln. Hier hat das Autorenteam rund um Amy Sherman-Palladino wirklich eine gute Balance gefunden.

Neben den inhaltlichen Vorzügen, weiß die Serie vor allem durch ihren Look zu überzeugen. „The Marvelous Mrs. Maisel“ sieht einfach unfassbar gut aus! Etliche Cold-Openings starten mit an Musicals erinnernden Sequenzen, die wunderbar pompös inszeniert sind. Doch auch die restliche Ausstattung, Kostüme, Kamera- und Lichtarbeit sucht ihresgleichen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der in Kombination mit den inhaltlichen Aspekten wahrlich den Eindruck einer perfekten Serie hinterlässt.

Fazit

Die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ setzt für mich neue Maßstäbe, was serielles Erzählen angeht. Eine der wenigen Serien, an denen ich nichts aussetzen kann. Ich habe jede einzelne Szene genossen und mag einfach nicht glauben, dass ich Mrs. Maisel schon wieder verlassen muss. Bis zur nächsten Staffel vergeht bestimmt noch ein Jahr und ich vermisse sie jetzt schon. Ganz große Serienliebe: 10/10 (9.8) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit – OT: Bill & Ted’s Excellent Adventure (1989)

Der letzte lange Urlaubsabend, der vorerst letzte Film. Doch welchen? Nachdem im Keanu-Reeves-Podcast von Radio Nukular erst wieder meine Erinnerungen an „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ aufgefrischt wurden, hatte ich enorm Lust darauf, nach langer Zeit einmal wieder nach San Dimas zurückzukehren. Ob der Film heute noch genauso gut funktioniert, wie in meinen eigenen Jugendjahren?

Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit (1989) | © STUDIOCANAL

Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit (1989) | © STUDIOCANAL

Bunt ist das Dasein und granatenstark!

Kaum ein zweiter Film hat bei uns damals so eingeschlagen, wie „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“. Die Dialoge sind in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen: „Volle Kanne, Hoschi!“ wurde zum geflügelten Wort und wir haben einzelne Szenen über das normale Maß hinaus zitiert. Umso ungewöhnlicher war es heute auch für mich, die Originalfassung des Films zu hören. Diese ist nicht minder gelungen, aber in ihrer Albernheit doch etwas zurückgenommen. Dafür funktionieren etliche Wortspiele deutlich besser, was der Natur der Sache geschuldet ist. In meinem Herzen werden Bill und Ted aber immer alle als Hoschi bezeichnen.

Volle Kanne, Hoschi!

Die Geschichte ist extrem simpel, wird aber dennoch durch etliche Zeitreiseparadoxen aufgewertet, welche mit viel Humor in die Geschichte eingearbeitet wurden. Auch wissen die exzellenten Abenteuer an sich zu überzeugen, denn mit Bill und Ted stolpern zwei zwar völlig ignorante und doch grundsympathische Helden durch die bunte Weltgeschichte. Ich hätte übrigens nicht sagen können, ob „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ oder „Wayne’s World“ die erste große Rock-Komödie war. Beide Filme besitzen für mich eine ähnliche Atmosphäre und es freut mich, dass unsere beiden Hoschis noch vor Wayne und Garth die alberne Rock-Komödie in den Mainstream gebracht haben (so sehr ich auch „Wayne’s World“ liebe).

Der zweite Teil „Bill und Ted verrückte Reise in die Zukunft“ befindet sich seit heute übrigens auch endlich in meiner Sammlung (diesen werde ich dann aber ohne meine Frau anschauen müssen):

Die aus heutiger Sicht trashigen Effekte unterstreichen die Wirkung des Films inzwischen umso mehr. Wirklich sehr unterhaltsam. Ich hatte auch nicht mehr in Erinnerung, dass der Film in der letzten halben Stunde so komplett abdreht: Die Reinigung des Hauses und Napoleon im Erlebnisbad sind einfach herrlicher Schwachsinn!

Fazit

Ja, mich hat „Bill & Ted’s Excellent Adventure“ heute noch genauso so gut unterhalten wie damals. Der Film ist so sehr ein Produkt seiner Zeit, dass man ihn auch wunderbar als Zeitdokument betrachten kann, inklusive seiner Schwächen. Für mich überstrahlen der Humor, die Schauspieler und ja, auch die Zeitreisegeschichte alles andere. Einer meiner großen persönlichen Klassiker: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS9)

Mein Urlaub steht kurz bevor. Der perfekte Zeitpunkt also, von der ersten richtig fiesen Erkältung des Jahres heimgesucht zu werden. Somit habe ich den ersten Schnee des Jahres nicht für einen Lauf genutzt, sondern den Nachmittag dösend auf dem Sofa verbracht. Der krönende Abschluss war die Sichtung von „Schöne Bescherung“, worauf sich der Großteil der Familie schon sehr gefreut hat. So früh vor Weihnachten haben wir den Film selten gesehen. Ob das der Weihnachtsstimmung zuträglich war?

Schöne Bescherung (1989) | © Warner Home Video

Schöne Bescherung (1989) | © Warner Home Video

Ein Besuch bei den Griswolds lohnt sich immer!

Lustigerweise hat es sich so ergeben, dass ich mit diesem Film nach „Ein Ticket für Zwei“ und „Allein mit Onkel Buck“ im Dezember nun schon den dritten Film aus der Feder von John Hughes gesehen habe. Eigentlich fehlen nur noch „Kevin: Allein zu Haus“ und „Kevin: Allein in New York“, um die Hughes’schen Feiertagskomödien vollzumachen. Doch werde ich diese zeitlich wohl nicht mehr unterbringen. Insofern warte ich damit lieber noch ein paar Jahre, bis dann auch die Kinder bereit sind, um Kevin bei seinen Abenteuern zu begleiten.

Wie bereits im letzten Jahr hat sich das Zappelinchen bei den Slapstick-Szenen förmlich weggeschmissen. Auch der Zwergofant wurde mutiger und hat inzwischen den größten Teil des Films gesehen. Ich liebe diese Familientradition schon jetzt und freue mich darauf, sie mit vielen weiteren Filme auszubauen. Das Highlight wird dann irgendwann die Reise nach Mittelerde, doch das wird noch ein paar Jahre dauern.

Fazit

Auch meine zehnte Sichtung von „Schöne Bescherung“ in den letzten zwölf Jahren hat mir sehr viel Freude bereitet. Die Weihnachtsstimmung ist bei mir nun zudem deutlich gesteigert und ich freue mich sehr auf den Urlaub. Weihnachten kann also kommen: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Wie ist es bei euch? Welche Filme plant ihr dieses Jahr noch zu sehen und ist dieser Klassiker dabei? Schaut ihr Weihnachtsfilme alleine oder mit eurer Familie?

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Ratatouille (2007) (WS2)

Nach einem Samstag, den wir trotz des durchwachsenen Wetters größtenteils draußen verbracht haben, stand abends natürlich ein Film auf dem Programm. Speziell die Kinder haben sich darauf gefreut, denn wir haben die Abwesenheit der polternden Mama für einen Filmabend genutzt. Die Wahl des Films war gar nicht so einfach, da der Zwergofant immer recht schnell Angst hat. Daher dachte ich mit „Ratatouille“ eine gute Entscheidung getroffen zu haben, doch ob dem auch so war?

Ratatouille (2007) | © Walt Disney

Ratatouille (2007) | © Walt Disney

Man sollte „Ratatouille“ nicht hungrig sehen

Tatsächlich ist „Ratatouille“ der Pixar-Film, den ich in den letzten Jahren am häufigsten gesehen habe. Ich kann mir gar nicht erklären warum. Das heißt, inzwischen schon, denn die Geschichte rund um die Ratte Remy, die in Paris Erfüllung als Koch findet, ist einfach großartig erzählt. Trotz der für einen Animationsfilm ungewöhnlich langen Laufzeit sowie der unspektakulär klingenden Geschichte, ist „Ratatouille“ unfassbar unterhaltsam und die Bilder scheinen teils von der Leinwand bzw. dem Fernseher zu springen. Das fiktive Paris vibriert und die Gerichte aus Gusteaus Küche wirken zum Anbeißen lecker. Wo kann ich einen Tisch reservieren?

Auch wenn „Ratatouille“ eher dezent Spannung verbreitet und selbst der Antagonist nur wenig furchteinflößend ist, hat der Zwergofant den Film nur mit Unterbrechungen genießen können. Ich hoffe wirklich, dass dieses Jahr noch kein Kinobesuch in der Schule ansteht, denn das könnte wirklich schwierig werden. Das Zappelinchen war dagegen wieder einmal begeistert, doch von welchem Film ist sie das nicht?

Fazit

Auch wenn „Ratatouille“ von allen Pixar-Filmen vielleicht am gewöhnlichsten oder am wenigsten ausgefallen wirken mag, so besitzt er doch einen ganz eigenen Zauber, dem ich mich immer wieder gerne hingebe. Schon alleine für dieses Zitat liebe ich den Film:

„In many ways, the work of a critic is easy. We risk very little, yet enjoy a position over those who offer up their work and their selves to our judgment. We thrive on negative criticism, which is fun to write and to read. But the bitter truth we critics must face, is that in the grand scheme of things, the average piece of junk is probably more meaningful than our criticism designating it so. But there are times when a critic truly risks something, and that is in the discovery and defense of the new. The world is often unkind to new talent, new creations. The new needs friends.“

Anton Ego, „Ratatouille“ (2007)

Auch während dieser inzwischen schon dritten Sichtung habe ich viele neue Details entdeckt. Ich bin mir zudem sicher, dass dies nicht der letzte Besuch im Gusteau’s gewesen ist: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Findet Nemo – OT: Finding Nemo (2003) (WS1)

Nach unserem Urlaub an der Nordsee sind unsere Kinder voll auf dem Meerestrip. Kein Wunder, haben sie doch das Wattenmeer erkundet und dort Krebse, Krabben und Seesterne in der Hand gehalten. Schon seit Beginn der Ferien steht der Wunsch nach einem Kinoabend auch ganz oben auf der Liste, allerdings war das Wetter immer zu gut. Nun hat es abgekühlt und somit stand der gemeinsamen Sichtung von „Findet Nemo“ nichts mehr im Wege. Natürlich stilecht in 3D, um die komplette Immersion in die bunte Unterwasserwelt zu ermöglichen…

Findet Nemo (2003) | © Walt Disney

Findet Nemo (2003) | © Walt Disney

Ein 15 Jahre altes Animationswunder

Erst bei Beginn der Sichtung wurde mir klar, dass „Findet Nemo“ inzwischen auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hat. 15 Jahre! Kann das sein? Ich weiß noch, dass ich den Film im Kino gesehen habe, als wäre es gestern gewesen. Einfach unfassbar. Die Zeit ist nicht spurlos an mir vorübergegangen, schließlich saß ich mit zwei Kindern vor dem Fernseher, doch was ist mit dem Film? Er sieht auch heute immer noch unfassbar gut aus. Die Unterwasserwelt lebt, die Geschichte ist emotional mitreißend und die Entwicklung der Figuren glaubhaft. Nicht sonderlich komplex, aber bis ins kleinste Detail durchkomponiert und liebevollst ausgestaltet. Herrlich!

Wie ist der Film bei unseren Kindern angekommen? Das Zappelinchen war begeistert und ist komplett in das Abenteuer eingestiegen. Unser Zwergofant jedoch hatte bei den spannenderen Szenen sichtlich Angst, was das Filmerlebnis für ihn doch leider getrübt hat. Schließlich wollte er doch unbedingt mitschauen und war stets zwischen Interesse und Furcht hin und hergerissen. Sehr schade, doch einen Filmabend mit „Findet Dorie“ wird es somit erst einmal nicht geben. Ich bin wirklich gespannt, wann der Knoten bei ihm platzt. Bis es soweit ist, werden wir es ab und zu immer wieder versuchen, denn das Interesse an Filmen ist definitiv vorhanden.

Fazit

Pixars „Findet Nemo“ ist nach wie vor ein perfekter Unterhaltungsfilm, der Klein und Groß zu begeistern weiß. Sein inzwischen durchaus reifes Alter sieht man ihm in keinem Frame an und das 3D sieht so aus, als wäre der Film damals bereits dafür produziert worden. Ein echter Mehrwert. Lange Rede, kurzer Sinn: immer noch beste Unterhaltung. Ob die Fortsetzung auch etwas kann? 10/10 Punkte.