Die unendliche Geschichte – OT: The Neverending Story (1984)

Eine anstrengende Woche liegt hinter uns. Ich habe für die Arbeit (zu) viele Stunden am Rechner verbracht, die generelle Stimmung zu Hause ist oft angespannt. Die momentane Situation zollt auch bei uns ihren Tribut. Deshalb wollten wir wenigstens entspannt mit einem Filmabend ins Wochenende starten. Dafür habe ich mir „Die unendliche Geschichte“ gewünscht und wider Erwarten konnten sich alle darauf einlassen. Wer am Ende am begeistertsten davon war, hebe ich mir für das Fazit auf…

Die unendliche Geschichte (1984) | © Constantin Film

Die unendliche Geschichte (1984) | © Constantin Film

Der große Fantasy-Film meiner Kindheit

Zunächst ein Rückblick in meine eigene Kindheit: Wir befinden uns in den 1980er Jahren. Unser TV empfängt die öffentlich-rechtlichen Programme, ein VHS-Rekorder sollte erst ein paar Jahre später Einzug halten. In diesen Jahren sind wir nahezu jede Ferien in den bayerischen Wald gefahren und haben stets im gleichen Gasthaus übernachtet. Natürlich freundeten wir uns über die Jahre auch mit der Gastwirtsfamilie an und diese war technisch schon einen Schritt weiter. An einem verregneten Nachmittag habe ich dann erstmals zusammen mit der jüngsten Tochter der Familie „Die unendliche Geschichte“ auf ihrem VHS-Rekorder geschaut. Seitdem sollte das Tradition werden und jedes Mal, wenn wir dort im Urlaub waren (mindestens einmal im Jahr), habe ich um einen weiteren Besuch in Phantásien gebettelt.

Natürlich war ich nach der ersten Sichtung des Films auch auf Michael Endes Vorlage angefixt. Diese habe ich regelrecht verschlungen. Und zwar die schöne Ausgabe mit rotem und grünem Text für die unterschiedlichen Welten. Natürlich habe ich diese stilecht mit Taschenlampe unter der Decke gelesen und mich dabei gefühlt wie Bastian Balthasar Bux höchstpersönlich. Auch wenn ich feststellen musste, dass Wolfgang Petersens Verfilmung nur den ersten Teil des Romans abdeckt und schon alleine deshalb keine besonders gelungene Adaption darstellt, so habe ich doch auch nach Kenntnis der Vorlage den Film stets als eigenständigen Fantasy-Film geschätzt.

Erstaunlich gut gealterte Effekte und Handlung

Bei der heutigen Sichtung nach all den Jahren ist mir aufgefallen, wie gut die praktischen Effekte doch gealtert sind. Sieht man einmal von den auffälligen Bluescreen-Freistellungen ab, dann können Modelle, Masken und Miniaturen immer noch begeistern. Gerade in der neuen und ungefilterten Abtastung, die auf der limitierten Nameless-Veröffentlichung zu finden ist. Großartig gelungen und für Fans des Film unbedingt zu empfehlen. Hinzu kommt Klaus Doldingers eingängiger Score sowie eine Handlung, welche die Zeit einfach wunderbar überdauert hat. Trotz all meiner Liebe für diese 1984er Fassung, wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine werktreue Adaption als Miniserie?

Drei Editionen dieses wundervollen Films. Die Nameless-Edition (rechts oben) sei allen Fans dringend ans Herz gelegt:

Fazit

Ich kann „Die unendliche Geschichte“ nicht objektiv bewerten. Als Adaption ist der Film nur mäßig gelungen, dessen bin ich mir bewusst. Wenn man Wolfang Petersens Werk jedoch für sich betrachtet, dann ist er neben „Willow“ bestimmt der wichtigste Fantasy-Film der 1980er Jahre. Zumindest für mich. Meine Kinder waren durchaus angetan, aber nicht wirklich begeistert. Eine meiner ersten, ganz großen Filmlieben: 10/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte, wohl aber nur weil er gemerkt hat, wie wichtig mir der Film ist.)

Prädikat: Lieblingsfilm

Verachtung – OT: Journal 64 (2018)

Nachdem ich heute Nachmittag das gute Wetter für einen Halbmarathon genutzt habe, war ich abends bereit fürs Sofa. Nachdem die Kinder recht spät ins Bett gekommen sind, hat sich dieses Vorhaben jedoch noch hingezogen. Danach stand mir der Sinn nach bekannter und doch frischer Unterhaltung, weshalb ich mich mit „Verachtung“ für die vierte Verfilmung eines Jussi-Adler-Olsen-Romans entschieden habe. Die Vorlage habe ich vor gut drei Jahren gelesen, weshalb meine Erinnerungen daran (zumindest zunächst) nicht mehr die besten waren…

Verachtung (2018) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Verachtung (2018) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Ein routiniert und spannend erzählter Thriller

Bisher haben mir die Verfilmungen „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ ziemlich gut gefallen. Auch „Verachtung“ ist hier keine Ausnahme. Tatsächlich wird die dichte Atmosphäre der Vorlage ausgezeichnet getroffen, was auch den beiden Hauptdarstellern Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares zu verdanken ist. Es macht wirklich Spaß dem Duo zuzusehen, welches wunderbar durch Johanne Louise Schmidt ergänzt wird. Auch der Fall ist hochbrisant und sehr spannend. Hier jedoch liegt auch die Schwäche der Adaption, denn der Schrecken der Vorlage ergibt sich aus der detaillierten Beschreibung der Verbrechen, die sich in der Anstalt zur Erziehung von Frauen auf der Insel Sprogø abgespielt hatten. Im Film wird dieser Handlungsstrang doch sehr verdichtet dargestellt.

Auch die Auflösung des plakativen Mordfalls rund um die mumifizierten Leichen am Esstisch fand ich ich ein wenig enttäuschend. Hier wird zu viel erzählt und zu wenig gezeigt. Eine Rückblende des Finales von Netes Geschichte hätte dem Film sehr gut getan. Abgesehen davon ist „Verachtung“ allerdings auch als Adaption sehr gelungen und der historische Kern der Geschichte lässt auch in dieser Form einen Kloß im Hals entstehen. Unfassbar bitter und unvorstellbar.

Fazit

Wie bereits die drei Vorgänger, bietet auch „Verachtung“ toll gespielte und sauber inszenierte Krimi-Kost. Kenner der Vorlage finden sich sofort zurecht und es ist ein Vergnügen, die Geschichte noch einmal audiovisuell zu erleben. An die erzählerische Dichte der Vorlage reicht die Adaption jedoch nicht heran. Ein weiterer spannender Fall des Sonderdezernat Q: 7/10 Punkte.

Jojo Rabbit (2019)

Nach einer kurzen Arbeitswoche, die sich aber wie eine komplette angefühlt hat, habe ich mich abends auf einen Filmabend gefreut. Normalerweise brauche ich immer etwas länger, bis ich mich für den richtigen Film entschieden habe, doch heute ist die Blu-ray von „Jojo Rabbit“ sofort in den Player gewandert. Taika Waititis Film wollte ich schon unbedingt im Kino sehen, doch leider lief er nicht mehr, weshalb wir auf „Knives Out“ ausweichen mussten. Doch heute war es endlich soweit… 🐰

Jojo Rabbit (2019) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Jojo Rabbit (2019) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Humor und Grauen in perfekter Kombination

Im Vorfeld gab es viel Gerede, ob man denn über Hitler und das Grauen dieser Zeit lachen dürfe. Mir stellte sich diese Frage gar nicht, denn spätestens nach dem wundervollen „Wo die wilden Menschen jagen“ war mir klar, dass Taika Waititi einer der wenigen Regisseure ist, welche die delikate Balance zwischen Humor und Drama auf den Punkt zu treffen vermögen. Und so ist es auch in „Jojo Rabbit“, in dem Taika Waititi selbst als imaginärer Hitler auftritt. Dieser ist so überzogen angelegt, dass nie Zweifel besteht, dass er nur eine Reflektion der Gedankenwelt des Hitlerjungen Jojo ist und mit der historischen Figur nur wenig zu tun hat. Den selbst erklärten Nazi Jojo sympathisch zu zeichnen, ist wohl das große Kunststück des Films, was in großen Teilen dem jungen Schauspieler Roman Griffin Davis zuzuschreiben ist. Jojos Entwicklung über den Verlauf des Films, ist der emotionale Kern der Geschichte.

Überwiegen im ersten Drittel noch die humorigen Zoten, entwickelt sich im zweiten Drittel ein behutsames Drama. Scarlett Johansson spielt Jojos Mutter und gibt dieser in ihren wenigen Szenen eine solche Tiefe, dass es bemerkenswert ist. Die wichtigste Beziehung im Film ist jedoch die zwischen Jojo und dem jüdischen Mädchen Elsa, gespielt von Thomasin McKenzie, welche seinen kompletten Charakter neu formt. Das letzte Drittel des Films entwickelt sich dann zum bitteren Kriegsfilm, welcher jedoch immer noch von feinem Humor durchzogen ist.

Ein emotionaler Schlag in die Magengrube

Schon lange hat es kein Film mehr geschafft, mir so die Füße unter dem Boden wegzuziehen. Dabei war die Entwicklung völlig absehbar und auch nicht überraschend. Doch die Art und Weise, wie Taika Waititi (auch Regisseur von „5 Zimmer Küche Sarg“) uns Zuschauern und auch Jojo diesen einen verlustvollen Moment präsentiert (Stichwort: Schmetterling), ist einfach nur meisterhaft. Danach ging bei mir erst einmal gar nichts mehr. Dabei war das bei weitem nicht die einzige emotionale Szene des Films. Ich denke hier gerade an Sam Rockwells Figur oder auch Jojos Freund Yorki.

Obwohl Taika Waititi „Jojo Rabbit“ sehr modern inszeniert und die Klischees des Kriegsfilms weitgehend auslässt, so gelingt es ihm famos, uns das Dritte Reich glaubhaft durch die Augen eines zehnjährigen Jungen nahezubringen. Die Botschaften des Films sind weder subtil noch werden sie verkünstelt erzählt, doch sie sind vielfältig, wahrhaft und universell. Lasst uns den Kindern ein Vorbild sein und das heute mehr denn je. An dieser Stelle auch noch einmal danke an den Nerdtalk-Podcast für den famosen Gewinn:

Fazit

Ihr habt es vermutlich schon rausgelesen: Mich hat „Jojo Rabbit“ über die Maße begeistert. Damit konnte sich Taika Waititi bisher mit jedem Film noch einmal steigern. Ich hoffe sehr, dass er neben großen Franchise-Filmen à la „Thor: Ragnarok“ weiterhin kleine Perlen wie diese dreht. Eine dicke Empfehlung: 10/10 Punkte.

Zwei wie Pech und Schwefel – OT: …altrimenti ci arrabbiamo! (1974)

Was für ein Tag. Nachdem der Zwergofant spontan einen Arzttermin bekommen hat, ging es recht schnell und er musste am späten Nachmittag einen kleinen Eingriff über sich ergehen lassen. Es ist alles gut gegangen, doch das alles hat unseren Tag ziemlich durcheinandergewirbelt. Der Zwergofant war auch komplett durch und am Abend durfte er sich noch einen Film aussuchen. Der er nur noch Sicherheit und Unterhaltung wollte, hat er sich mit „Zwei wie Pech und Schwefel“ für einen Spencer/Hill-Film entschieden und war mit dieser Wahl auch sichtlich zufrieden… 🏎🛺🏍

Zwei wie Pech und Schwefel (1974) | © Universum Film

Zwei wie Pech und Schwefel (1974) | © Universum Film

„Hast du Feuerschweif am Heck, spült das Wasser alles weg.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Spencer/Hill-Filmen, gehört „Zwei wie Pech und Schwefel“ nicht zu denen, die ich früher am laufenden Band geschaut habe. Dennoch sind mir heute etliche Szenen wieder bekannt vorgekommen. Nach der großen ersten Action-Szene, dem Autorennen, dauert es recht lange bis zum ersten Mal die Fäuste fliegen. Überhaupt wirkt „Zwei wie Pech und Schwefel“ über weite Strecken erstaunlich geerdet und nicht so übertrieben, wie etliche andere Filme des Prügelduos. Wenn es dann aber zur Sache geht, macht auch dieser Film keine Gefangenen. Die Prügelszenen im Fitnessclub und auf den Motorrädern stellen nach wie vor die wohl besten der gesamten Filmografie von Bud Spencer und Terence Hill dar.

„Steht um zwölf Besuch ins Haus, ruh‘ zunächst im Park dich aus.“

Das Highlight ist aber wohl die Chorszene, bei der sich sowohl der Zwergofant als auch das Zappelinchen vor Lachen überhaupt nicht mehr eingekriegt haben. Das war tatsächlich Balsam für meine Ohren nach all den Tränen des heutigen Tages. Schon alleine deshalb liebe ich den Film gleich umso mehr. Neben dieser rein persönlichen Perspektive fand ich es zudem ungewöhnlich, Donald Pleasence in einer größeren Nebenrolle zu sehen. Der Star aus John Carpenters „Halloween“ hatte hier vier Jahre vor seinem großen Durchbruch eine mehr als absurde Rolle inne.

Fazit

Schon seltsam, wie ein Film am Ende eines konfusen Tages alles wieder geraderücken kann. „Zwei wie Pech und Schwefel“ objektiv zu bewerten ist mir somit nicht möglich. Nun bleiben uns nur noch wenige gemeinsame Filme des Duos. Und danach? Vermutlich beginnen wir, wie früher, einfach wieder von vorne: 8/10 Punkte.

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019)

An Halloween wollte ich endlich einmal wieder einen Horrorfilm sehen. Am besten aus der Gruselecke. Da ich in letzter Zeit viel Gutes über „I See You: Das Böse ist näher als du denkst“ gelesen habe (und das ohne Details zu erfahren), war die Wahl schnell getroffen. Wenn ihr selbst rein schauen wollt, der Film läuft zurzeit auf Prime Video und Spoiler sind im folgenden Text zu erwarten… 🎭

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019) | © Capelight (Alive)

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019) | © Capelight (Alive)

Es wird anders kommen, als du denkst…

Der Film startet als übernatürlicher Gruselfilm. Seltsame Dinge geschehen. Plattenspieler gehen von selbst an, Türen bewegen sich und Schatten schleichen durch das Haus. Dinge eben, wie im klassischen Geisterfilm. Jump Scares bleiben jedoch aus, was ich sehr positiv fand. Dann bereits zur Hälfte des Films der große Twist: Es sind keine Geister, sondern Phrogger (Personen, die sich unbemerkt von den eigentlichen Bewohnern in ein Haus einnisten), die der Familie mehr oder weniger harmlose Streiche spielen. Parallel zu diesem Handlungsstrang treibt noch ein Serienmörder sein Unwesen und ein weiterer Twist enthüllt im letzten Drittel des Films, wer der eigentliche Täter ist. Für mich kamen die Wendungen tatsächlich unerwartet, wenngleich sie auch ziemlich plakativ ausgeführt und inszeniert sind.

Der Gruselfaktor hat für mich über den Verlauf des Films immer weiter abgenommen, da man als Zuschauer immer mehr wusste, als die Figuren. Also weg von klassischer Spannung durch das Unerklärliche, hin zur Suspense. Vom Geisterfilm über einen Thriller hin zum Krimi. Die allerletzte Überraschung hätte es dann nicht mehr gebraucht, denn das hat nicht mehr viel zum Film beigetragen und etliche Dinge rückblickend nur extrem konstruiert erscheinen lassen. Bis dahin war „I See You“ aber ein extrem unterhaltsamer und abwechslungsreiches Erlebnis. Ich bezweifle allerdings, dass er beim zweiten Mal ebenso gut funktionieren würde. A propos nicht gut funktionieren: Ich habe mich ja wirklich gefreut, Helen Hunt einmal wieder zu sehen. Aber ihr Gesicht wirkt durch zu viele chirurgische Eingriffe seltsam entstellt. Ich weiß, das sind nur Äußerlichkeiten, doch es hat auf mich regelrecht ablenkend gewirkt.

Fazit

Wenn ihr euch für einen Abend gut unterhalten fühlen möchtet, dann schaut in „I See You“ ruhig einmal rein. Der Film ist eine ziemliche Achterbahnfahrt (aber Achtung, dabei sehr ruhig erzählt) und hält die Spannung stets aufrecht. Ich mochte den Genre-Mix, werde es aber wohl bei dieser einen Sichtung belassen: 7/10 Punkte.

Borat Subsequent Moviefilm (2020)

Nachdem der Rest der Familie nach unserem Halloween-Filmabend recht schnell ins Bett verschwunden ist, habe ich mir noch „Borat Subsequent Moviefilm“ angesehen. Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut, da mich der Vorgänger „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ erst letzte Woche ziemlich zu begeistern wusste und ich seitdem ein wenig den Sacha-Baron-Cohen-Kosmos auf YouTube abgetaucht bin. 🐒

Borat Subsequent Moviefilm (2020) | © Amazon Prime Video

Borat Subsequent Moviefilm (2020) | © Amazon Prime Video

Witzig, abstoßend und erstaunlich versöhnlich

Der Nachfolger des 2006er Hits ist vor ein paar Wochen ziemlich spontan auf Prime Video gelandet. Das war für mich auch der Auslöser, mich mit der Figur vertraut zu machen. Natürlich kann Borat 2020 nicht mehr so überraschen, wie dies noch 14 Jahre zuvor der Fall gewesen ist. Dies wird im Film auch thematisiert und recht schlau in die Handlung eingebunden. War Cohen 2006 noch mit dem Schauspieler Ken Davitian unterwegs, hat er dieses Mal Maria Bakalova an seiner Seite, die seine Tochter Tutar verkörpert. Sie ist dabei genauso entlarvend wie Borat selbst. Höchster Respekt an die junge Schauspielerin. Wie Cohen selbst geht sie absolut furcht- und schmerzlos vor, was den Film in großen Teilen deutlich voranbringt.

Auch wenn „Borat Subsequent Moviefilm“ vor allem aufgrund seiner Szenen mit Mike Pence und Rudy Giuliani in den Medien ist, so sind diese für mich jedoch eher dazu da, die Geschichte bzw. die Beziehung zwischen Borat und seiner Tochter voranzubringen. Die wirklich entlarvenden Konfrontationen entstehen im Dialog mit der einfachen Bevölkerung und sind auch deshalb wieder so bitter. Doch es ist die Figur von Borat und ihre Entwicklung, die im zweiten Teil fast schon als versöhnlich zu bezeichnend ist. Wenn er und Tutar am Ende gemeinsam vor der Kamera stehen, dann wird einem als Zuschauer warm ums Herz. Bei einem Film mit diesem Konzept absolut erstaunlich, was auch die große Kunst Sacha Baron Cohens ist.

Fazit

Auch wenn „Borat Subsequent Moviefilm“ nicht mehr so frisch wirkt (und auch nicht so wirken kann), wie der Vorgänger, so geht er doch wieder genau dahin, wo es schmerzt. Cohen verpackt aktuelle gesellschaftspolitische Themen so schlau und unterhaltsam, dass es einfach nur großartig ist: 8/10 Punkte.

Hui Buh: Das Schlossgespenst (2006)

Wir starten ins lange Halloween-Wochenende. Die Kinder haben Herbstferien und ich zumindest zwei Tage frei. Das ist auch bitter nötig. Gefühlt sind wir momentan alle ein wenig ausgebrannt. Unternehmen werden wir natürlich nichts, doch zumindest einen Halloween-Filmabend hatten wir den Kids versprochen. Da die Kids natürlich noch zu jung für echten Grusel sind, ist meine Wahl auf „Hui Buh: Das Schlossgespenst“ gefallen. Was die deutsche Produktion zu bieten hatte? 👻

Hui Buh: Das Schlossgespenst (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Hui Buh: Das Schlossgespenst (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Unnötige Computeranimation und nette Gags

Ich habe mir nicht viel von „Hui Buh: Das Schlossgespenst“ erwartet. Durch die prominente Teilnahme von Michael Herbig konnte man schon ungefähr erahnen, was für eine Art von Film einen hier erwarten würde. Die meisten Gags ergeben sich aus überzogenem Slapstick, was besonders den Kindern gefallen hat. Nach dem Prolog wird Michael Herbig durch eine leider ziemlich unnötige Computeranimation ersetzt, was für mich der größte Schwachpunkt des Films ist. Besonders da es nur ein paar wenige Szenen gibt, in denen sich dieses Stilmittel auch auszahlt. Meist jedoch macht Hui Buh nicht mehr, als auch ein Mensch mit Maske hätte tun können.

Am meisten hat mich die Geisterstadt beeindruckt: In dieser gibt es wunderbar handgemachte Effekte zu sehen und tatsächlich nettes Worldbuilding. Mich hat das alles ein wenig an Tim Burtons „Beetlejuice“ erinnert. Gerade hier fällt Hui Buh übrigens besonders unangenehm auf, da nahezu alle anderen Geister einfach Menschen in Maske bzw. Kostüm sind und das so viel besser funktioniert als das CGI. Dabei ist die 3D-Figur nett gestaltet und erinnert stark an Michael Herbig, aber sie wirkt stets deplatziert und wie ein Fremdkörper im Film. Wirklich schade.

Fazit

Insgesamt ist „Hui Buh: Das Schlossgespenst“ ein netter Film, der vor allem durch eine falsche Designentscheidung negativ auffällt. Davon abgesehen hatten die Kinder viel Spaß und das ist schließlich die Hauptsache: 5/10 Punkte.

Parasite – OT: Gisaengchung (2019)

Nachdem ich vergangenes Wochenende bereits den Versuch gestartet hatte, diesen Film zu sehen, war es heute endlich soweit. Zwar nur auf Blu-ray, da die UHD-Scheibe immer noch nicht will, doch wollte ich die Sichtung von „Parasite“ nicht noch länger aufschieben. Was der südkoreanische Oscar-Gewinner wirklich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐜

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Ein bitterböser Blick auf den Kapitalismus

Wie auch schon Bong Joon-hos „Snowpiercer“, oder der kürzlich gesehene „Der Schacht“, ist „Parasite“ ein Kommentar auf unsere heutige Welt. Geprägt von einem starken Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Kapitalismus als zerstörerischen Motor. Im Gegensatz zu den beiden genannten Filmen, wirkt „Parasite“ zunächst ein wenig subtiler in seiner Botschaft. Teils wirkt er wie eine tiefschwarze Komödie, doch viel zu Lachen gibt es nicht. Am ehesten hat mich Bong Joon-hos Film an Jordan Peeles famosen „Wir“ erinnert und das nicht nur aufgrund der Menschen aus dem Keller bzw. dem Untergrund. Die Atmosphäre und ja, auch der ungewöhnliche Score haben diese Assoziation bei mir geweckt. „Parasite“ bleibt jedoch realistischer in seiner Ausgestaltung, auch wenn er häufig künstlerisch überhöht wirkt.

Bong Joon-hos und Han Jin-wons Drehbuch besitzt so viele kluge Aspekte, welche die Probleme unserer Welt wunderbar auf den Punkt bringen. Alleine der Monolog des Vaters, der klar macht, dass man sich auf seiner sozialen Stufe keine Planbarkeit erlauben kann, ist unfassbar bitter. Oder der Fokus auf den Geruch bzw. Gestank von Armut, was an Abfälligkeit kaum zu überbieten ist. Der Punkt, dass sich am Ende der Nahrungskette bis auf das Blut bekriegt wird, nur um ein paar Kuchenkrümel abzubekommen. Dazu der krasse Kontrast zur Familie des Hausherren. Alleine schon die Dekadenz der Geburtstagsfeier. Starke Bilder und, auch gerade im übertragenen Sinne, ebenso starke Motive, die sich durch den kompletten Film ziehen.

Das schöne Mediabook enthält übrigens ein lesenswertes Essay über Paratisen im Film und natürlich speziell in diesem:

Fazit

„Parasite“ ist kein angenehmer Film. Er ist unterhaltsam, aber eben nicht auf entspannte Art und Weise. Und das ist gut so. Er macht einen großen Themenkomplex auf, bietet für diesen keine Lösung, legt den Finger aber schmerzhaft in die Wunde. Und bohrt darin herum. Definitiv ein Film, über den ich noch häufiger nachdenken werde: 9/10 Punkte.

Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan (2006)

Wenn der Rest der Familie im Bett ist, versumpfe ich meist auf YouTube und hole die diversen US-Late-Night-Shows der Woche nach. Doch irgendwie ist das meist das gleiche und trägt auch nicht der Stimmung bei, so lustig die deprimierenden News auch verpackt werden. Gestern habe ich mit „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ (oder auf deutsch „Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“) jedoch noch recht spontan einen Film geschaut. Die gerade erschienene Fortsetzung ist zurzeit ja in aller Munde und ich kannte noch nicht einmal den ersten Teil. 🐔🐻

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Abstoßend, unkorrekt und doch unfassbar witzig

Mir war Sacha Baron Cohens Kunstfigur natürlich ein Begriff und auch die grobe Geschichte des Films war mir im Vorfeld bewusst. Eben auch dieser Mix aus teils improvisierten Spielszenen und dokumentarisch umgesetzten Begegnungen. Die Grenze verschwimmt und ist nie hundertprozentig klar. Am ehesten lässt sich „Borat“ somit als Mockumentary beschreiben und als solche funktioniert der Film tadellos. Er ist oft unfassbar geschmacklos, teils entlarvend und bei all dem doch unfassbar lustig. Ich mochte ja die kleinen Details am liebsten: Wenn Borat z.B. seinen Koffer voller Enttäuschung hinschmeißt und es dann aus dem Inneren gackert. Oder der Kopf des Bären im Kühlschrank, der nur für ein paar Sekunden im Hintergrund zu sehen ist. Da merkt man, mit wie viel Bedacht dieser so spontan wirkende Film doch inszeniert wurde.

Auch wenn „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ natürlich bewusst politisch unkorrekt ist und den Finger oft schmerzhaft in die Wunden legt, so ist die Intention Sacha Baron Cohens jedoch stets klar, nämlich seinem Gegenüber entlarvende Aussagen zu entlocken. Einzig den Umgang mit seinem kasachischen Heimatdorf sehe ich kritisch. Da diese Szenen ohnehin nicht in in Kasachstan gedreht wurden und die Leute den Medienrummel nicht einordnen konnten, hätte ich hier eine fiktive Nation mit Spielszenen als angemessener empfunden. Das trübt den Gesamteindruck etwas, doch der Hauptteils des Films, sprich Borats Trip durch die USA, ist schon großes Kino.

Fazit

Auch wenn ich late to the party bin, so macht „Borat“ auch noch 14 Jahre später enorm viel Spaß. Sacha Baron Cohen ist unfassbar in seiner Rolle. Die brandneue Fortsetzung werde ich bestimmt auch zeitnah sehen. Borat in Trumps Amerika. Wenn da nicht zusammenkommt, was zusammengehört, dann weiß ich auch nicht. Doch auch schon der erste Teil war schmerzhaft unterhaltend: 8/10 Punkte.

Die wilden Hühner und das Leben (2009)

Nach einer anstrengenden Woche mit erschreckend schnell wachsenden Corona-Zahlen, wollten wir den Kindern zum Start ins Woche wenigstens einen Filmabend gönnen. Die Wahl ist heute auf „Die wilden Hühner und das Leben“ gefallen, den letzten Teil der Kinder- bzw. Jugendbuchverfilmungen. Wie uns dieser so gefallen hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐔

Die wilden Hühner und das Leben (2009) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner und das Leben (2009) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ein sympathischer Abschluss der Filmreihe

Hat mich schon im Vorgänger „Die wilden Hühner und die Liebe“ der starke Fokus auf die jugendlichen Beziehungen ein wenig gestört, so nimmt dieser Aspekt nun endgültig überhand. Vielleicht liegt es auch an meinen Erwartungen, die ich nach dem ersten Teil „Die wilden Hühner“ an die Reihe hatte. Hier kam es mir so vor, als könne sich der Film nicht so richtig entscheiden, was er sein will. Aber vielleicht ist dieses Gefühl auch stellvertretend für den Umbruch im Leben unserer jugendlichen Heldinnen. Sie sind keine Kinder mehr und dieser Abschied ist eben nicht immer klar und eindeutig, sondern mit vielen Irrungen und Wirrungen verbunden.

Es war schön, die Figuren noch einmal alle zu sehen. Leider wurde eine Schauspieler ausgetauscht, was immer ein wenig befremdlich wirkt. Das Zappelinchen fand den Film toll, da sie bereits das Buch gelesen hat. Allerdings musste sie sich aufgrund der vielen Kussszenen auch häufig fremdschämen. Der Zwergofant war heute nicht so angetan und die eigentlich ist er auch (trotz FSK-0-Freigabe) noch zu jung für den Film und seine Themen gewesen. Von seiner Seite war weder viel Interesse noch Verständnis vorhanden. Ich selbst mochte einige Aspekte, andere wiederum fand ich zu oberflächlich abgehandelt. Dafür fand ich den symbolischen Bogen zum Anfang der Reihe am Ende des Films sympathisch.

Fazit

„Die wilden Hühner und das Leben“ ist ein netter Abschluss der Filmreihe, die sich über ihren Verlauf deutlich verändert hat. Ich fand es schade, dass es ab dem zweiten Teil fast nur noch um Beziehungen ging. Dennoch ein gut gespielter und durchaus sympathischer letzter Teil der Trilogie: 6/10 Punkte.