Vinyl – Die komplette Serie (Staffel 1)

Nach dem letzten großen Serienmarathon habe ich mich einmal wieder einer kürzeren Show zugewandt, die mit 10 Episoden auch mehr oder weniger abgeschlossen ist. „Vinyl“ war 2016 neben „Westworld“ einer der großen HBO-Neustarts und konnte mit großen Namen wie Mick Jagger, Martin Scorsese und Terence Winter aufwarten. Letztere hatten mit „Boardwalk Empire“ bereits abgeliefert. Wieso floppte „Vinyl“ also und lohnt sich die Sichtung trotz der frühen Absetzung? 📀🎵🎸

Vinyl | © HBO

Vinyl | © HBO

Sex, Drugs & Rock’n’Roll (and More Drugs)

Bereits die erste Episode sprengt mit knapp 120 Minuten jegliche Grenzen. Wow. Inszeniert von niemand geringerem als Martin Scorsese fühlt man sich sogleich wie in einer musikalischen Variante von „Casino“ versetzt. Obwohl einerseits viel passiert und sich andererseits auch viel Zeit gelassen wird, sind die 10 Episoden wie im Fluge vergangen. Ich habe mich komplett abgeholt gefühlt und jede Sekunde dieser herrlich altmodischen Inszenierung genossen. Auch im weiteren Verlauf hat mich die Serie sehr an das klassische Gangsterkino von Scorsese und Co. erinnert: Erzählt wird eine typische Rise-and-Fall-Geschichte, nur dass wir erst kurz vor dem Fall der Hauptfigur in sie hineingeworfen werden. Es kommt zu einem gewalttätigen Todesfall, verbaler und physischer Gewalt sowie einem völlig übertriebenem Level an Drogenkonsum. Teils war dieser Handlungsstrang schon fast zu viel des Guten und manchmal scheint es schon fast nebensächlich, dass sich die Geschichte in der Musikindustrie der 1970er Jahre abspielt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der Serie ist.

Hauptfigur Richie Finestra wird großartig von Bobby Cannavale verkörpert. Seine Performance lässt Erinnerungen an die großen Scorsese-Darsteller wach werden. An seiner Seite spielen u.a. Olivia Wilde (als Richies Ehefrau Devon Finestra) und Ray Romano in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle als Richies Geschäftspartner Zak Yankovich. Schauspieler und Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben. Hinzu kommen bekannte Musikgrößen der 70er-Jahre-Rock-Geschichte, welche teils durchaus imposante Auftritte hinlegen dürfen (u.a. die New York Dolls, David Bowie oder – weniger imposant – Elvis Presley). Audiovisuell ist „Vinyl“ wahrlich ein Hochgenuss und ich hätte gerne noch viel, viel mehr davon gesehen.

„Vinyl“ wurde leider viel zu früh abgesetzt

Auch wenn die zweite Staffel schon in trockenen Tüchern schien, wurde die Serie letztendlich abgesetzt. Anscheinend gab es Differenzen zwischen Showrunner Terence Winter und HBO. Der erhoffte Erfolg war „Vinyl“ wohl auch nicht. Normalerweise sind Zuschauerzahlen für den Pay-TV-Sender nicht unmittelbar ausschlaggebend (schon gar nicht nach nur einer Staffel), doch ein Wechsel an der Spitze des Senders war letztendlich der Sargnagel für die Serie. Für solch eine ambitionierte Produktion schon fast tragisch. Obwohl die Staffel nicht mit einem großen Cliffhanger endet, so bleibt am Ende doch das unschöne Gefühl, die Figuren gerade an einem Zeitpunkt in ihrem Leben zu verlassen, der große Veränderungen mit sich bringt. Es herrscht ein Gefühl des Aufbruchs – sowohl was die Musikwelt als auch die persönlicheren Entwicklungen angeht. Davon werden wir jedoch leider nichts mitbekommen.

Fazit

Teils als „Mad Men“ der Musikwelt bezeichnet, erinnert „Vinyl“ doch mehr an klassisches Scorsese-Gangsterkino mit weniger Gangstertum und mehr Musik. Die Wurzeln sind aber unverkennbar und diese Mischung ist für mich tatsächlich sehr attraktiv. Gerne hätte ich die weitere Entwicklung verfolgt, doch bin ich sehr froh, dieser zu unrecht viel zu früh abgesetzten Serie eine Chance gegeben zu haben. Wenn ihr ein Faible für Musikgeschichte habt und klassische Rise-and-Fall-Geschichten mögt, dann schaut unbedingt einmal bei American Century Records vorbei. Es lohnt sich: 9/10 (8.9) Punkte.

Misery (1990)

Nachdem ich vor ein paar Wochen meine Top 5 der besten weiblichen Bösewichte aufgestellt habe, wurde ich darauf hingewiesen, dass doch Annie Wilkes fehlen würde. Daraufhin musste ich zugeben, dass ich „Misery“ bisher noch nicht gesehen hatte, was ich mit der heutigen Sichtung jedoch endlich geändert habe…

Misery (1990) | © MGM

Misery (1990) | © MGM

Welch wunderbar schauriges Kammerspiel

Auch wenn ich die Verfilmung des Stephen-King-Romans bisher noch nicht gesehen hatte, so kannte ich jedoch die Versatzstücke ihrer Handlung. „Misery“ gehört eben zu jenen Filmen, die sich zurecht ihren Platz in der Popkultur gesichert haben. Auch das grundlegende Thema des hilflosen Gefangenen, der plötzlich zurückkehrenden Peinigerin und auch viele andere Motive sind weithin bekannt. Rob Reiners Film ist jedoch so etwas wie der Archetyp für Filme nach diesem  Strickmuster. Eben das Original. Mit James Caan und besonders Kathy Bates ist „Misery“ herausragend besetzt. Neben ein paar durchaus wichtigen Nebenfiguren tragen sie die Geschichte auch komplett alleine. Der sich langsam steigernde Horror wird von Rob Reiner perfekt eingefangen und ist neben den großartigen Schauspielleistungen eindeutig seiner stilsicheren Inszenierung zuzuschreiben.

Der gemächliche Spannungsaufbau ist wahrlich Beispielhaft und ich musste häufiger an andere Genre-Klassiker, wie z.B. „Der weiße Hai“, denken. Die schneebedeckten Berge Colorados steuern zudem viel zur dichten Atmosphäre bei. Am Ende war ich doch beinahe überrascht wie positiv der Film doch für den Autoren Paul Sheldon ausgeht. Auch wenn „Misery“ oft fies und hinterhältig ist, so lässt der Film den Zynismus heutiger Genre-Filme vermissen. Für mich durchaus positiv, zumal sich der psychologische Horror auch bei der Hauptfigur bis weit nach dem eigentlichen Ende der Geschichte trägt.

Fazit

Ich bin wirklich froh, diesen Klassiker des Horrorkinos nachgeholt zu haben. Letztendlich ist er ein Kammerspiel, in dem die Spannungsschraube langsam und bedächtig, aber auch stetig und ohne Gnade, angezogen wird. Nun gibt es endlich auch von mir eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Preacher – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Schon seit Mitte August habe ich nicht mehr über Serien geschrieben. Warum die lange Pause? War ich etwa abstinent? Nein, ich habe nur ein weiteres Großprojekt gestartet und die komplette Serie „Preacher“ gesehen. Eigentlich war ich dieser Serie immer eher ein wenig skeptisch gegenübergestanden, doch da mir „The Boys“ des gleichen kreativen Teams ziemlich gut gefallen hatte, wollte ich dem ungewöhnlichen Priester doch eine Chance geben. Warum das eine exzellente Entscheidung war und mir die Serie samt Charakteren doch ziemlich ans Herz gewachsen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… ⛪👼😈

Preacher | © AMC

Preacher | © AMC

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Der weiße Hai 2 – OT: Jaws 2 (1978)

Nach einer ziemlich vollen und beruflich spannenden Woche, bin ich wirklich froh zwei Tage Pause zu haben. Was eignet sich besser zum Entspannen als ein Film? Nichts, korrekt. Also habe ich „Der weiße Hai 2“ in den Player geschoben und war gespannt, was die Fortsetzung zum ersten großen Blockbuster denn reißen kann… 🦈

Der weiße Hai 2 (1978) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der weiße Hai 2 (1978) | © Universal Pictures Germany GmbH

Auf den ersten Blockbuster folgt das erste Sequel

„Ach, wie ist es doch schön, nach Amity Island zurückzukehren!“ Das waren meine Gedanken, während der ersten halben Stunde. Da ich bisher nur den großartigen ersten Teil kannte, hat es sich ein wenig so angefühlt, als würde ich längst verschollenes Material entdecken oder eine Zeitreise unternehmen. Ein seltsames Gefühl. Tatsächlich muss ich sagen, dass Regisseur Jeannot Szwarc die Atmosphäre von „Der weiße Hai“ ziemlich gut einfängt. Auch das Drehbuch ist durchaus kompetent. Zumindest in der ersten Hälfte des Films, die fast schon wie ein Remake des Spielberg-Klassikers wirkt. Allerdings ist Chief Brodys Paranoia ausgeprägter, was wohl der spannendste Teil der Geschichte ist, aus dem man mehr hätte machen können. Danach jedoch verkommt der Film zur Teenie-Hai-Hatz, was umso trauriger ist, wenn man bedenkt, wie großartig sich die zweite Hälfte des Originals gestaltet.

Auch wenn man natürlich nicht mehr auf den Überraschungseffekt setzen konnte, was das Verschleiern des nautischen Monsters durch Musik, Bojen und Co. angeht, so hätte man den Gummi-Hai doch nicht immer so offensichtlich zeigen müssen. Leider sieht der zweite Bruce nicht in allen Szenen wirklich gelungen aus, auch der Spannung ist die sichtbare Bedrohung leider abträglich. Dabei gibt es wahrlich fantastisch inszenierte Szenen, wie z.B. die Wasserski-Szene aus der Perspektive des Hais. Wirklich innovativ gefilmt und mitreißend inszeniert. Das Finale dagegen zieht sich merklich und selbst die Auslöschung des weißen Hais wirkt wie ein blasser Abklatsch des Originals.

Fazit

Selbst wenn hier keinesfalls die Qualität von „Der weiße Hai“ erreicht wird, so ist es doch spannend zu sehen, wie diese Fortsetzung bereits die Regeln für Sequels in Hollywood etabliert hat: halb Remake, halb unnötige Weitererzählung. Schon alleine deshalb lohnt sich ein Blick aus filmhistorischem Interesse. Daneben ist der „Der weiße Hai 2“ kompetent inszeniert und es ist nett, noch einmal nach Amity Island zurückzukehren. Nötig wäre das allerdings nicht gewesen: 7/10 Punkte.

Predator: Upgrade – OT: The Predator (2018)

Die Besprechung zu diesem Film startet, wie immer, mit dem Tagebuchteil. Da müsst ihr durch, liebe Leser: Heute war noch einmal ein richtig schöner Spätsommertag, den wir am inklusivem Kinderfest und dem Tag der offen Tür der Freiwilligen Feuerwehr verbracht haben. Nachdem mich der Zwergofant heute beim Laufen begleitet hatte, habe ich abends noch ein paar Brettspiele mit ihm gespielt. Danach ging es ab aufs Sofa (ohne Kinder natürlich) und mit „Predator: Upgrade“ stand ein Film auf dem Programm, auf den ich schon lange neugierig war…

Predator: Upgrade (2018) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Predator: Upgrade (2018) | © 20th Century Fox Home Entertainment

Wer hätte es gedacht? Eine würdige Fortsetzung

Als damals angekündigt wurde, dass Shane Black den neuen Predator-Film inszenieren würde, war ich extrem positiv gestimmt. Warum auch nicht? Shane Black ist nicht nur ein erfahrener Drehbuchautor (z.B. „Lethal Weapon“), er hat auch schon große und sehenswerte Filme (z.B. „Iron Man 3“) umgesetzt und war 1987 beim ersten „Predator“ als Schauspieler Teil des Ensembles rund um Arnold Schwarzenegger. Dann jedoch kamen die ersten Besprechungen und sie alle waren ziemlich vernichtend. Gerade einmal 5,4 Punkte bei der IMDb sind auch keine Empfehlung, weshalb ich mir mit der Sichtung dann doch Zeit gelassen hatte. Nun war es aber endlich soweit – und was soll ich sagen? Ich wurde blendend unterhalten!

Auch wenn die Technik viel moderner (und deshalb nicht immer passend) ist, fühlt sich „Predator: Upgrade“ wie ein Film aus den späten 1980er Jahren an. Viel Testosteron, machohafte Sprüche, blutige Action und ein angenehm klassischer Score. Zudem hatte ich bei der Action stets das Gefühl, einen genauen Überblick über das Geschehen zu haben. Das ist inzwischen leider viel zu selten der Fall. Ansonsten ist die Geschichte angenehm cheesy (ohne jedoch trashig zu sein), die Militärs sind nicht die strahlenden Helden, sondern ein Haufen kaputter Typen. Hinzu kommen etliche großartige SchauspielerInnen, die man bisher vor allem aus Serien kennt, z.B. Olivia Munn („The Newsroom“), Yvonne Strahovski („Chuck“), Sterling K. Brown („This Is Us“) bis hin zum famosen Kinderschauspieler Jacob Tremblay aus „Raum“. Selbst die Klimakrise wird mehr oder minder sinnvoll thematisiert und all das mündet in einem sehr unterhaltsamen Mix, den man allerdings nicht zu ernst nehmen sollte.

Für mich ist „The Predator“ eine sehr gelungene Fortsetzung, da er die Geschichte des Originals nicht einfach noch einmal 1:1 in der heutigen Zeit nacherzählt, sonder sein eigenes Ding daraus macht. Das kann man mögen oder nicht, aber es ist mutiger als viele anderen späten Sequels. Für mich kaum schwächer als die anderen beiden Fortsetzungen:

  1. „Predator“ (1987) | 9/10 Punkte
  2. „Predator 2“ (1990) | 7/10 Punkte
  3. „Predators“ (2010) | 7/10 Punkte
  4. „Predator: Upgrade“ (2018) | 7/10 Punkte

Fazit

Mich hat Shane Blacks späte Fortsetzung positiv überrascht und ich hatte viel Spaß damit. Sicher kein neuer Klassiker oder ein in irgendeiner Art und Weise relevanter Film, doch um noch einmal dem ikonischen Monster gegenüber zu stehen, gibt  es wahrlich schlechter Filme (hust, „Aliens vs. Predator 2“, hust): 7/10 Punkte.

Der weiße Hai – OT: Jaws (1975)

Seit ich in unserem Urlaub in den Niederlanden am Meer war, hatte ich Lust darauf, mir einmal wieder „Der weiße Hai“ anzuschauen. Überhaupt ist die letzte Sichtung schon viel zu lange her und Filme wie „The Shallows“, „47 Meters Down“ oder „The Meg“ sind einfach kein Ersatz. Von unsäglichen Werken wie „Sharknado“ und Co. einmal ganz zu schweigen. Wie konnte es mit dem Genre nur so weit kommen?

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

„We’re gonna need a bigger boat.“

Was wurde über „Der weiße Hai“ noch nicht gesagt? Der erste große Blockbuster, ein Score, der heute noch Gänsehaut bereitet, der widerspenstige Bruce und überhaupt eine unglaubliche Produktionsgeschichte. Kaum zu glauben, dass ich diesen Film bisher noch nicht in meinem Blog verewigt habe! Meine letzte Sichtung liegt folglich mindestens 13 Jahre zurück und ich war gespannt, ob mich „Jaws“ auch heute noch so begeistern kann wie damals. Dies war auch meine erste Sichtung der Blu-ray und ich bin erfreut, wie frisch der Film darauf aussieht. Einfach fantastisch! Man muss sich einmal bewusst machen, dass Steven Spielbergs Blockbuster inzwischen 44(!) Jahre auf dem Buckel hat. Er ist fünf Jahre älter als ich und sieht doch noch so viel besser aus! Und das ist alleine das audiovisuelle Paket. Wären da nicht Mode und Frisuren, man könnte „Der weiße Hai“ heute noch 1:1 so inszenieren wie damals.

Speziell die Dramaturgie des Films sucht heute noch ihresgleichen: Das Drehbuch ist extrem dicht, der Spannungsaufbau bewundernswert und Spielberg nimmt sich (darin ist er ohnehin der Meister) dennoch viel Zeit für seine Figuren. Heute ist mir erstmals die strenge Zweiteilung von „Jaws“ aufgefallen und ich könnte nicht sagen, welchen Teil ich lieber mag: Der ruhige, fast schon an eine Sozialstudie erinnernde Aufbau der Geschichte auf Amity Island oder die actionreiche Hatz auf der Orca. Trotz der gänzlich unterschiedlichen Schauplätze und Handlung sind beide Teile gekonnt miteinander verwoben, was der großartigen Figurenzeichnung zu verdanken ist. Gerade wenn Quint und Hooper sich unter Deck zusammenraufen und am Ende selbst Chief Brody in den schrägen Gesang einstimmt, ist das ein wunderbarer Moment. Wie so viele.

„Farewell and adieu to you fair Spanish ladies.“

Auch wenn es beim Dreh nur Probleme mit dem künstlichen Hai (genannt Bruce) gab, so sind die Effektszenen doch extrem effektiv. Gerade auch weil man die erste Stunde überhaupt nichts vom Hai sieht. Die spätere Kombination aus Filmmaterial echter Haie sowie kurzer Einstellungen von Bruce ist sehr überzeugend. Auch heute noch. Viele Filmemacher könnten sich hier mehrere Scheiben abschneiden, was das Zeigen des Monsters bzw. generell der Bedrohung angeht. Kreative Lösungen, wie die gelben Fässer im letzten Filmdrittel, sind der beste Beispiel, dass technische Einschränkungen die Kreativität fördern, was letztendlich die besten Ergebnisse liefert.

Fazit

Auch nach 44 Jahren ist „Der weiße Hai“ immer noch das Paradebeispiel für einen perfekt geschrieben und inszenierten Blockbuster. Ein Film, den jeder Filmstudent bis ins Detail analysieren sollte. Für alle anderen einfach nur ein großes Vergnügen. Ich bin erneut extrem begeistert und werde mich, nachdem ich ein wenig Zeit mit der fantastischen Making-of-Dokumentation verbracht habe, vielleicht auch erstmalig (und ganz ohne Erwartungen) den Fortsetzungen nähern. Seine Stellung als Meisterwerk hat sich „Jaws“ mit dieser Sichtung weiterhin gesichert: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

The Terror – Season 1

Mit „The Terror – Season 1“ habe ich mich einmal wieder einer Serie gewidmet, die durch eine Empfehlung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts auf Platz 1 meiner niemals enden wollenden Serienliste gewandert ist. Die bei uns exklusiv auf Prime Video laufende AMC-Produktion war bei mir schon zuvor auf dem Radar (speziell durch Ridley Scott als ausführenden Produzenten), doch ohne die Besprechung hätte ich wohl nicht so zeitnah reingeschaut. Ob sich die Sichtung für mich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

The Terror – Season 1 | © AMC

The Terror – Season 1 | © AMC

Lasst alle Hoffnung fahren

Es gab in meinem Programm wohl schon lange keine Serie mehr, die sowohl formal als auch inhaltlich so monoton und trostlos daherkommt wie „The Terror“. Dies liegt einerseits an der landschaftlichen Ödnis, andererseits aber auch an der repetitiv wirkenden Handlung. Es ist keine eingängige und leichte Serie. Die Verquickung der historischen Expedition der beiden britischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus, die auf der Suche nach der Nordwestpassage im arktischen Eismeer verschollen sind, mit übernatürlichen Horror-Elementen, ist teils schwer zu ertragen. Nicht weil der Horror so hart oder gruselig wäre, sondern weil sich die Trost- und Ausweglosigkeit der Männer auf uns Zuschauer überträgt. Fast schon monochrome Bilder, ein Score, der Unheil verkündet und ausgemergelte Gesichter. Nein, eine Wohlfühlserie ist „The Terror“ definitiv nicht.

Als Kontrast zur tödlichen Arktis werden teils kurze Flashbacks in die Zeit vor der Expedition eingestreut. Hier gibt es Prunk und Wohlstand in London zu sehen. Charaktere werden besser ausgearbeitet und Hintergründe erklärt. Die Rückkehr in die Eislandschaft ist danach umso härter. Tauschen möchte man mit den Männern nicht. Und auch nicht mit den wenigen Frauen der Serie, die zu Hause in London zur Passivität verdammt sind, oder als Inuit zwar ein zentraler Bestandteil der Handlung, letztendlich aber doch durch die äußeren Umstände getrieben werden. Gewinner gibt es am Ende keine.

Leise rieselt das Blut

Wie bereits erwähnt, ist das Gefühl des Horrors weniger dem auftauchenden Monster geschuldet, als dem Wahnsinn, der die Männer nach und nach befällt. Wie so oft ist die Bedrohung dann am größten, wenn sie noch undefinierbar ist. Das Monster letztendlich so explizit zu zeigen, hätte es meiner Meinung gar nicht gebraucht. Die Spannung zwischen den Männern und der Werdegang von Cornelius Hickey (Adam Nagaitis) ist hier deutlich interessanter. Gerade in der finalen Episode fällt die Handlung leider etwas in sich zusammen und ich war irgendwie froh, diese trostlose Umgebung zu verlassen. Insofern hat die Serie ihr Ziel wohl durchaus erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „The Terror“ nicht in letzter Konsequenz überzeugen konnte, so zeigt die Serie doch wunderbar, wie man alleine durch einen Schauplatz und zwischenmenschliche Spannungen enorm viel Atmosphäre kreieren kann. Die Bedrohung von außen ist da nur ein verstärkendes Element. Bestimmt nicht immer eine einfach zu schauende Serie, aber doch eine sehr packende. Die Handlung ist übrigens abgeschlossen und die geplante zweite Staffel soll im Anthologie-Stil weitergeführt werden. Frostige 8/10 (7.9) Punkte.

Frozen: Eiskalter Abgrund (2010)

Immer wenn ich mit einem Sessellift fahre, stelle ich mir die Frage, was ich machen würde, wenn ich unterwegs aussteigen müsste. Geht euch doch auch so, oder? Schon seit einigen Jahren weiß ich um den Film „Frozen: Eiskalter Abgrund“, der genau diese Prämisse zum Thema macht. Da ich vergangenes Wochenende in Bad Tölz erst wieder Sessellift  gefahren bin, war es endlich einmal Zeit für den Film…

Frozen: Eiskalter Abgrund (2010) | © Universum Film GmbH

Frozen: Eiskalter Abgrund (2010) | © Universum Film GmbH

Skiiiiifoarn or Die Tryin‘

Ja, „Frozen“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Disney-Film) ist einer dieser Filme, die mit einer wunderbar fokussierten Prämisse aufwarten, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Drei Freunde werden auf einem Ski-Trip im Sessellift vergessen und müssen um ihr Überleben kämpfen. So einfach und doch so effektiv. Ich liebe Filme dieser Art, auch wenn die meisten ihr Versprechen meist nicht einlösen können. Auch Adam Greens „Frozen“ fängt stark an, doch schon bei der ersten dramatischen Szene musste ich aufgrund der unfreiwilligen Komik lachen. Glücklicherweise besinnt sich der Film danach wieder auf seine Stärken und lässt die Ausweglosigkeit der Situation auf uns Zuschauer wirken. Letztendlich ist der Verlauf der Handlung ziemlich bitter und uns wird kaum ein leichter Augenblick geschenkt.

Inszeniert ist „Frozen“ wirklich großartig. Man merkt, dass die Crew um Adam Green den kompletten Film on location gedreht hat, sprich es gibt echten Schnee, echte Wölfe und echte Berge. Das wirkt und hätte mit Greenscreen und CGI nicht halb so gut funktioniert. Leider können weder die Schauspieler noch das Drehbuch mit den formalen Aspekten mithalten. Die Figuren agieren unlogisch und begeben sich schnell in Klischees, was Dialoge und Aktionen angeht. Mit etwas mehr Fallhöhe – pardon the pun – und mehr Feinschliff, was das Drehbuch angeht, hätte hier ein wirklich intensiver, kleiner Reißer entstehen können. So wird das anvisierte Ziel, als „Der weiße Hai“ für Skifahrer etabliert zu werden, doch nicht ganz erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „Frozen“ nicht wirklich begeistern konnte, so ist mir der Film doch sehr sympathisch. Zudem hat er mir gezeigt, wie ich nicht aus einer hängen gebliebenen Gondel aussteigen sollte. Wer weiß, wann mir das noch einmal helfen wird? Freunde von etwas abseitigeren Genre-Filmen sollten ruhig mal einen Blick riskieren, auch wenn einiges an Potenzial liegengelassen wird: 6/10 Punkte.

Beat – Staffel 1

Nachdem ich von „Bad Banks“ doch ziemlich begeistert war, habe ich mich nach einer weiteren deutschen Serie umgesehen. Aufgrund der durchaus positiven Besprechung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts, habe ich mich für „Beat – Staffel 1“ auf Prime Video entschieden. Dabei hat mich die Serie, als sie angekündigt wurde, eher nicht gereizt: Berliner Nachtleben, die Club-Szene und Techno. Puh. Alles nicht so wirklich meine Themen. Warum mich die Serie dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier…

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

BEAT, POP, BPM, LOOP, BACKSPIN, DROP, CODA

Der Regisseur hinter „Beat“ ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2008 bin ich durch seine Verfilmung des grandiosen Jugendbuches „Krabat“ auf Marco Kreuzpaintner aufmerksam geworden. Auch in dieser Amazon-Produktion schafft er es beeindruckende Bilder zu finden: Berlin, der Techno-Club, der heruntergekommene Bauernhof und auch die anderen Drehorte sehen einerseits larger-than-life aus, andererseits aber auch nicht übertrieben auf international getrimmt. „Beat“ fühlt sich nach einer deutschen Produktion an – und das meine ich durchaus positiv. Gerade die Club-Szenen mit den wummernden Bässen und einprägsamen Lichteffekten fand ich imposant umgesetzt. Doch auch abgesehen davon, zeigt „Beat“ eindrucksvoll, dass sich die deutsche Serie keineswegs hinter US-Produktionen verstecken muss, ohne dass dieser Vergleich bewusst angestrebt wird.

Doch wie sieht es inhaltlich aus? Auch hier haben mich gerade die Szenen rund um den Techno-Club überzeugt. Das hätte ich so nicht erwartet. Vielleicht auch, weil hier der Fokus gegeben ist und alles zusammenpasst. Davon abgesehen tanzt die Handlung auf zu vielen Hochzeiten: Da gibt es den Club samt seiner Angestellten, den verrückten Serienkiller (auch wenn er niemanden umbringt), die Entführung von Flüchtlingen gepaart mit Organhandel, einen übertrieben bösen Geschäftsmann, die Russenmafia, den Geheimdienst und am Ende wird sogar noch der Bogen zur RAF und damit der deutschen Geschichte gespannt. Puh. Da will die Serie ziemlich viel. Norbert Eberleins Drehbuch ist temporeich geschrieben, alle Versatzstücke gehören irgendwie zusammen, aber dann auch wieder nicht. Oft werden zuvor eingeführte Elemente wieder fallen gelassen oder verpuffen in ihrer unspektakulären Auflösung. Ein Payoff ist nach dem aufwändigen Setup nicht immer gegeben. Durch die dichte Erzählung und die mitreißende Inszenierung, bleibt der Unterhaltungswert jedoch konstant auf sehr hohem Niveau.

Die Stärken dieser deutsche Serie

Nach „Bad Banks“ ist dies nun also schon die zweite deutsche Serie, die mich unerwartet gut unterhalten hat. Dies liegt nicht zuletzt an den unverbrauchten und frischen Schauspielern: Jannis Niewöhner bietet als titelgebender Beat eine – im Rahmen des Drehbuchs – glaubwürdige Leistung und ich bin gerne mit ihm auf diese Reise gegangen. Karoline Herfurth ist wohl der größte Star der Produktion und auch sie schafft es ihrer doch recht klischeehaften Rolle (eben eine typische Ermittlerin) interessante Facetten abzugewinnen. Besonders stark fand ich die Besetzung der Nebenrollen und Bösewichte: Von Kostja Ullmann über Alexander Fehling bis hin zu Karl Markovics werden hier teils beeindruckende Leistungen aufgefahren, die alleine durch das leider teils unbefriedigende Drehbuch limitiert werden.

Fazit

Als kleiner, teils reißerischer bis dreckiger Thriller macht „Beat“ eine wirklich gute Figur. Vermutlich nichts, was länger im Gedächtnis bleibt, doch keineswegs unspektakulärer als internationale Genre-Vertreter. Das Drehbuch war mir zwar zu unfokussiert, doch haben Marco Kreuzpaintners Inszenierung und die famosen Schauspieler einiges wett gemacht. Zwar wird die Serie nicht fortgeführt, doch die Staffel ist in sich relativ gut abgeschlossen, so dass ich eine Sehempfehlung aussprechen kann: 8/10 (7.9) Punkte.

Future Man – Season 1

Über die letzten Wochen habe ich einmal wieder eine recht aktuelle Serie nachgeholt. Die Prämisse klang für mich spannend, dennoch hätte ich nach der ersten Episode beinahe abgeschaltet. Warum es sich dennoch lohnt bei „Future Man – Season 1“ dranzubleiben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Future Man – Season 1 | © Hulu

Future Man – Season 1 | © Hulu

„The Terminator“ trifft auf Pups-Komödie

Wenn unser Held (Josh Hutcherson aus „The Hunger Games“) in der ersten Episode eine Ladung Sperma auf die Zeitreisenden (u.a. Eliza Coupe aus „Happy Endings“) ejakuliert, dann fand ich das nicht sonderlich witzig, sondern eher befremdlich. Einzig die vielversprechende Prämisse (quasi die Handlung von „The Terminator“ als Comedy) hat mich dazu gebracht, doch noch in die zweite Episode reinzuschauen. Was soll ich sagen? Obwohl der Humor nicht viel subtiler wird, hatte ich doch viel Spaß mit der Serie. Im weiteren Verlauf der Staffel gewinnen unsere anfangs noch völlig comichaft überzogenen Charaktere an Tiefe, was der gesamten Serie zugute kommt. Nicht jeder Witz zündet und nicht jedes Zeitreiseklischee wird clever eingesetzt, doch insgesamt strotzt „Future Man“ nur vor absurden Ideen, die Genre-Freunden ein Lächeln aufs Gesicht zaubern (können).

Meine Lieblingsepisode war wohl „Pandora’s Mailbox“, in der unsere drei Helden im Jahr 2023 in das Haus von James Cameron eindringen, um den Wundertreibstoff Cameronium zu klauen. Dabei werden sie von einer künstlichen Intelligenz namens SIGORN-E in Schach gehalten, welche eine ganz besondere Beziehung zum bekannten Regisseur und seinen Werken pflegt. Herrlich! Doch auch etliche andere Episoden sind voll von Anspielungen an „Zurück in die Zukunft“ und weitere Klassiker der 1980er Jahre. Da verwundert es auch nicht, dass es unsere Helden selbst in dieses Jahrzehnt verschlägt, wo sie gar wundersame Abenteuer erleben.

Fazit

Auch wenn „Future Man“ eindeutig eine Comedy-Serie ist, so besitzt sie doch auch einen hohen Sci-Fi-Anteil. Auf seltsame Art und Weise ist das Worldbuilding sogar erstaunlich ernsthaft und in sich konsistent. Vermutlich nicht die reifeste Serie, doch auf jeden Fall eine der innovativsten Comedys, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Um herauszufinden, ob man sich mit dem Humor wohl fühlt, solltet ihr der Serie zumindest einmal drei bis vier Episoden geben. Dann besteht durchaus die Chance, dass „Future Man“ richtig bei euch richtig einschlägt: 8/10 (8.0) Punkte.