Don’t Breathe (2016)

Heute war ein herrlicher Frühlingstag samt Musikschulfest und einem Nachmittag voll Kettcar-, Fahrrad- und Rollerfahren. Herrlich! Wenn ich zurzeit nur laufen könnte, wäre der Tag perfekt gewesen. Zum abends draußen Sitzen ist es noch nicht warm genug. Folglich haben wir mit „Don’t Breathe“ einen Film in den Player geschoben, der intensiver kaum hätte sein können…

Don't Breathe (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Don’t Breathe (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Blindekuh auf 11 gedreht

Ich habe schon länger keinen echten Horrorfilm mehr gesehen. Mit echt meine ich Filme, die nicht auch noch in anderen Genres, speziell der Komödie, wildern. Auch „Don’t Breathe“ ist kein klassischer Horrofilm, sondern inhaltlich mehr ein Thriller. Allerdings bedient sich Fede Álvarez großzügig dem formalen Repertoire des Genres, wenngleich er auch auf drastische Gewaltexzesse verzichtet und die Spannung stets das dominierende Element ist. Noch bevor es nervenaufreibend wird, bekommen wir die drei Hauptfiguren jedoch erstaunlich ausführlich vorgestellt. Auch wenn hier keine große Charaktertiefe zu erwarten ist, so hatte ich doch das Gefühl, um ihre Motivation zu wissen und die äußeren Umstände zu kennen, in denen sie aufwachsen. Eigentlich eine Grundvoraussetzung für das kommende Mitfiebern, aber leider gerade in diesem Genre eher eine Seltenheit.

Ab dem Betreten des Hauses, wird die Spannungsschraube beständig nach oben geschraubt. Auch wenn mir von Anfang an klar war, dass der blinde Mann (intensiv gespielt von Stephen Lang) zurückschlagen wird, so wurde ich vom Einfallsreichtum des Drehbuchs und der Inszenierung doch stets am Ball gehalten. Im Grunde bekommen wir einen auf den Kopf gestellten Home-Invasion-Thriller zu sehen, der von seinem, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegneten, Kontrahenten lebt. Ansonsten bleibt die Geschichte ziemlich geradlinig und nimmt so ziemlich den Verlauf, den ich mir auch erwartet hätte. Für mich ist dies durchaus positiv zu bewerten, da der Horror-Thriller somit wunderbar kompakt, klein und dreckig wirkt.

Fazit

Ich kann den Hype, der rund um den Film entstanden ist, durchaus nachvollziehen und blicke jetzt schon mit Sorge der geplanten Fortsetzung entgegen. Der blinde Mann als zweiter Michael Myers? Das ist dann doch zu viel Horror für meinen Geschmack. Wer einen extrem spannenden und kurzweilig inszenierten Horror-Thriller sehen möchte, der sollte „Don’t Breathe“ eine Chance geben: 8/10 Punkte.

Downsizing (2017)

Unfassbar, wie schnell diese Woche vorübergegangen ist. Viel Arbeit, viele Termine. Aufgrund des schönen Wetters habe ich heute früher Feierabend gemacht und war noch eine Runde Radfahren. Danach war ich eigentlich viel zu müde für einen Film und dennoch will keine Möglichkeit verschenkt werden. Somit ist „Downsizing“ in den Player gewandert, dessen High-Concept-Prämisse mich sehr gereizt hat…

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Downsizing (2017) | © Paramount (Universal Pictures)

Kleine Menschen, große Probleme?

Es ist wirklich erstaunlich. Wenn man sich so umsieht, findet man beinahe nur glühende Besprechungen des Films. Zumindest von den Kritikern. Das Publikum jedoch hat kaum gute Worte für Alexander Paynes „Downsizing“ übrig. Ein echter Kritikerliebling also? Verkopftes Arthouse-Kino, mit dem das gemeine Volk nichts anzufangen weiß? Vielleicht. Aber nur ein bisschen. Die Prämisse, Menschen zu schrumpfen, um der Überbevölkerung und der damit einhergehenden Probleme Herr zu werden, finde ich nach wie vor großartig. Im Film wird diese scheinbar abstruse Idee auch völlig glaubwürdig durchgezogen. Ohne schlechte Witze oder naheliegende Actionszenen. Nein, da gibt es keine riesigen Katzen oder Vögel, die den kleinen Menschen gefährlich werden. Definitiv kein zweiter „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“. Wer solch einen Film erwartet, ist hier an der falschen Adresse.

Das erste Drittel von „Downsizing“ fand ich großartig. Eine perfekte Einführung in diese Welt, wunderbare satirische Spitzen und toll umgesetzt. Fantastisch! Das zweite Drittel, in dem unsere von Matt Damon gespielte Hauptfigur seinen Nachbarn Dušan (einfach herrlich: Christoph Waltz) kennenlernt und durch ihn von der ehemaligen, vietnamesischen Freiheitskämpferin Ngoc Lan Tran, die ihr Geld inzwischen als Reinigungskraft verdingen muss, einen neuen Sinn im Leben bekommt, war teils ein wenig forciert, hat aber schön die ebenfalls geschrumpften Probleme dieser neuen Welt aufgezeigt. Das esoterisch angehauchte letzte Drittel samt unnötiger Liebesgeschichte war mir dann zu plump und dröge. Hier hat sich Alexander Payne in meinen Augen tatsächlich übernommen und zu viel in seinen Film stecken wollen.

Fazit

„Downsizing“ ist leider nicht das proklamierte Meisterwerk, aber bei weitem auch kein schlechter Film. Die spannende Grundidee wird bis zum Ende konsequent durchgezogen und trotz satirischer Elemente, bleibt die Welt stets glaubhaft. Ein Fest für Sci-Fi-Freunde. Die Aussage und Geschichte im weiteren Verlauf können leider jedoch nicht mit der tollen Prämisse mithalten. Somit bleibt am Ende ein äußerst sehenswerter Film, dem es jedoch an Stringenz mangelt: 7/10 Punkte.

Tremors 3: Die neue Brut – OT: Tremors 3: Back to Perfection (2001)

Da die Damen des Hauses heute auf einem Konzert von LEA weilen, haben der Zwergofant und ich einen Fernsehabend veranstaltet. Nein, natürlich habe ich nicht mit ihm zusammen „Tremors 3: Die neue Brut“ gesehen, sondern eine harmlose Tierdokumentation. Zu den Raketenwürmern bin ich erst danach zurückgekehrt…

Tremors 3: Die neue Brut (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors 3: Die neue Brut (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Von Graboiden, Kreischern und Arschknallern

Auch wenn viele Fans der Reihe das anders sehen, so habe ich eine Schwäche für diesen dritten Teil. Einer der gelungensten Aspekte von „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ war für mich stets die Kleinstadtatmosphäre von Perfection. Das eher generische Setting des zweiten Teils kam für mich nicht dagegen an. Insofern liebe ich es, dass es zurück in die Kleinstadt geht, die von einigen uns bereits bekannten Charakteren bevölkert wird. Auch die Wirkungsstätte der Graboiden als große Touristenattraktion samt Merchandise und Geländetour aufzuziehen, ist für mich eine Idee, die wunderbar funktioniert. In diesen Momenten macht der Film für mich (fast) alles richtig.

Der Kampf gegen die unweigerlich wieder auftauchenden Graboiden ist erneut ein großes Vergnügen. Leider jedoch wurden die tollen Modelle in „Tremors 3: Die neue Brut“ immer häufiger gegen CGI-Würmer ausgetauscht – und die sehen leider äußerst bescheiden aus. Neben den Kreischern gibt es mit den Arschknallern eine weitere Entwicklungsstufe der Graboiden zu bewundern, die zwar ein wenig albern wirkt, für mich aber inzwischen fest zur Mythologie der Reihe gehört. Bei diesen ist das CGI auch nicht ganz so störend, wie bei den Würmern selbst. Dennoch mag ich, kein Wunder, die klassischen Modellszenen nach wie vor am liebsten.

Fazit

Der von Fans häufig verschmähte „Tremors 3: Die neue Brut“ steht für mich der ersten Fortsetzung in fast nichts nach, auch wenn Michael Gross den Film dieses Mal alleine und ohne großen Co-Star tragen muss. Das kommende Prequel ist mir als deutlich schwächer in Erinnerung, doch immerhin geht es auch darin wieder nach Perfection: 7/10 Punkte.

Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer – OT: Tremors II: Aftershocks (1996)

Eine weitere Woche geht zu Ende. Eine Woche mit viel Arbeit, unbefriedigenden Neuigkeiten und zu viel Schmerzmittel. Eine Woche, die geradezu nach einem entspannten filmischen Abschluss schreit: Nachdem es erst letzte Woche den grandiosen Vorgänger gab, hat heute natürlich „Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer“ den Weg in den Blu-ray-Player gefunden…

Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer (1996) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer (1996) | © Universal Pictures Germany GmbH

Als die Graboiden laufen lernten

Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich damals gefreut habe, als ich erfuhr, dass es eine Fortsetzung von „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ gibt. Tatsächlich habe ich die Nachfolger des Kultfilms erst mit ihrem DVD-Release kennengelernt, doch war ich schon damals positiv überrascht von ihnen. Für eine Direct-to-Video-Produktion konnte „Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer“ wunderbar an den Vorgänger anschließen und hat sogar ganz eigene Elemente in die Reihe eingebracht. Für mich war es damals eine große Überraschung, die nächste Entwicklungsstufe der Graboiden zu sehen – und wie wir heute wissen, sollte dies nicht die letzte gewesen sein.

Auch wenn Kevin Bacon nicht mehr mit von der Partie ist, gelingt es Fred Ward erneut, seiner Figur des ersten Teils ihren typischen rauen Charme zu verleihen. Christopher Gartin als neuer Sidekick nervt zu Beginn ein wenig, jedoch entwickelt sich zwischen den beiden Graboiden-Jägern durchaus eine unterhaltsame Dynamik. Auch Michael Gross ist als Burt Gummer wieder mit von der Partie und legt mit seinem überzogenen Auftritt den Grundstein für seine wiederkehrende Paraderolle.

Fazit

Auch wenn „Tremors II: Aftershocks“ weit nicht mehr der perfekte Monsterfilm ist, wie es der Vorgänger war, so ist er eine wirklich gelungene Fortsetzung. Gerade in diesem Genre ist das wahrlich nicht selbstverständlich. Ich hatte erneut sehr viel Spaß mit der bunten Monsterhatz und freue mich jetzt schon auf die bald anstehende Rückkehr nach Perfection: 7/10 Punkte.

Alita: Battle Angel (2019)

Gestern hat sich für uns Eltern spontan ein freier Abend ergeben. Diese Gelegenheit haben wir natürlich sofort am Schopf gepackt und sind zum ersten Mal seit knapp einem Jahr ins Kino gegangen. Die Wahl ist auf „Alita: Battle Angel“ gefallen, der bei mir früher als James Camerons Traumprojekt durchaus auf dem Schirm war. Seit bekannt wurde, dass Cameron nicht die Regie übernehmen wird, habe ich das Thema nicht mehr weiter verfolgt. Ob sich der spontane Kinobesuch gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Alita: Battle Angel (2019) | © Twentieth Century Fox

Alita: Battle Angel (2019) | © Twentieth Century Fox

„Ghost in the Shell“ trifft auf „Rollerball“

Da sich die Gelegenheit für den Kinobesuch so spontan ergeben hat, habe ich im Vorfeld nicht einmal den Trailer des Films gesehen. Ein paar Stimmen, die ich auf Twitter mitbekommen habe, waren durchaus positiv und ich liebe Sci-Fi-Filme, die große Welten aufmachen. Nicht von ungefähr erinnert „Alita: Battle Angel“ ein wenig an die letzte große Anime- bzw. Manga-Verfilmung „Ghost in the Shell“, die eine ähnliche Thematik hat und ebenfalls mit großem Budget von einem westlichen Studio umgesetzt wurde. Dabei macht die von Robert Rodriguez inszenierte Adaption deutlich weniger philosophische Fragen auf und betont klar die beinahe schon phantastischen Aspekte dieser zukünftigen Welt. Auch die Action kommt nicht zu kurz, was sich speziell in den Sportsequenzen rund um Motorball manifestiert, welche doch sehr an „Rollerball“ erinnern.

Neben der vielfältigen Action, ist der Film in seiner ersten Hälfte erstaunlich ruhig inszeniert und legt einen großen Fokus auf die Beziehung zwischen Alita und ihrem Ziehvater Dr. Ido (Christoph Waltz in einer für ihn ungewohnten Rolle). Wir Zuschauer lernen diese unbekannte Welt durch Alitas große Augen kennen. Der von ihr erlebte Sense-of-Wonder überträgt sich dabei 1:1 auf uns Zuschauer. Zumindest mir ging es so und ich kann guten Gewissens behaupten, dass mich schon lange kein neuer Film mehr so intensiv in seine Welt gezogen hat. Die 122 Minuten sind wie im Flug vergangen und ich war danach hungrig nach mehr. Perfekter Eskapismus.

CGI auf dem nächsten Level

Auch wenn James Cameron die Regie an Robert Rodriguez übertragen hat, so hat er vermutlich das technische Zepter nicht ganz aus Hand gegeben. Die Welt von Iron City wird großartig und extrem lebendig dargestellt. Auch wenn viele Charaktere Cyborgs sind oder zumindest biomechanische Erweiterungen besitzen, so wirken sie doch nicht wie CGI-Figuren. Besonders fällt dies natürlich bei Alita auf bzw. eben auch nicht, denn dieser sehr menschliche CGI-Charakter ist trotz der großen Augen und des mechanischen Körpers einfach eine echte Person. Kein Uncanny-Valley-Effekt, kein seltsam unwirkliches Gefühl. Alita ist ein echter Charakter. Für mich der nächste Schritt in Sachen CGI, denn im Gegensatz zu Gollum und Co. ist Alita sehr nahe an einer menschlichen Figur dran – und dennoch absolut glaubhaft. Die hohe Qualität trifft übrigens auch auf die toll gestaltete Umgebung und die anderen Charaktere zu. Ein wahrer Augenschmaus.

Fazit

Auch wenn „Alita: Battle Angel“ vielleicht keine hohe Kinokunst ist, so hat mich doch schon lange kein aktueller Film mehr so begeistert. Ich würde gerne noch tiefer in diese Welt eintauchen und überlege mir sogar, den Manga zu lesen. Ich hoffe, Cameron und Rodriguez schaffen es die Fortsetzung in kürzerer Zeit umzusetzen, als sie für diesen ersten Teil der Adaption benötigt haben. Für solche Filme gehe ich gerne ins Kino. Ein echtes Erlebnis: 8/10 Punkte.

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990)

Da heute der letzte Ferientag war, haben wir mit den Kindern noch einen spontanen Spieleabend veranstaltet. Auch wenn deshalb recht spät Ruhe eingekehrt ist, wollte ich nicht auf den Film am Freitagabend verzichten. Die Wahl ist aus Gründen, die ich weiter unten erörtern werde, auf „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ gefallen. Was, ihr kennt den Film nicht? Dann schleunigst weiterlesen…

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors: Im Land der Raketenwürmer (1990) | © Universal Pictures Germany GmbH

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Shameless (US) – Season 8

Jedes Jahr steht ein neuer Besuch bei der Familie Gallagher an. Jedes Jahr erwarte ich, dass die Qualität einbricht. Jedes Jahr werde ich aufs Neue positiv überrascht, was sich die Autoren haben einfallen lassen. Auch „Shameless – Season 8“ bricht nicht aus dem gewohnten Muster aus, was schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr steigert…

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Sex, Drugs & the Church of Gay Jesus

Schon nach ein paar Minuten war ich wieder voll drin in der absurd komischen und doch auch tragischen Welt der Gallaghers. Die in der siebten Staffel begonnenen Handlungsstränge werden konsequent weitergeführt und ich war wieder einmal erstaunt, wie viele unterschiedliche Geschichten die Autoren in den einzelnen Episoden unterbringen. Andere Serien würden damit ganze Staffeln füllen.

Der große Vorteil an dieser Vielfalt ist der enorme Unterhaltungswert. Auch wenn nicht jeder Handlungsstrang perfekt ausgearbeitet ist, und nicht jede Figur eine enorme Entwicklung durchmacht, so ist jeder doch zumindest maximal unterhaltsam:

  • Frank, der eine Turbo-Karriere in der Arbeitswelt durchläuft, dann den Job verliert und über einen Umweg als Schleuser bzw. Fluchthelfer wieder dort ankommt, wo man ihn kennt.
  • Fiona, die ihr neues Leben als Vermieterin genießt und dabei mit ganz speziellen Herausforderungen klarkommen muss.
  • Debbie, die ihre Ausbildung als Schweißerin abschließt und durch einen unglücklichen Job drei Zehen verliert (fachmännisch entfernt durch Frank).
  • Carl, der Junkies entführt, von ihren Familien Geld erpresst, dadurch seine zukünftige Frau kennenlernt, die sich als komplett verrück entpuppt.
  • Lip, der alle wichtigen Personen (außerhalb seiner Familie) verliert und sich dabei selbst findet.
  • Ian, der als YouTube-Star die Church of Gay Jesus ins Leben ruft und damit für enormes Aufsehen sorgt.
  • Kev, der gegen Brustkrebs kämpft und dadurch indirekt mit seiner Hillbilly-Familie wiedervereint wird.

…und das waren weit noch nicht alle Geschichten aus der inzwischen bereits achten Staffel von „Shameless“. Auch wenn es am Ende keinen großen Cliffhanger gibt, so verlasse ich die Gallaghers nur sehr wehmütig und freue mich jetzt bereits auf das neunte(!) Jahr mit dieser chaotischen und doch irgendwie liebenswerten Familie.

Fazit

So schnell ich wieder im Chaos der Gallaghers versunken bin, so schnell sind die 12 Episoden auch schon wieder vorbei. Das ist weiterhin ein extrem gutes Zeichen, haben sich selbst im achten Jahr immer noch keine Abnutzungserscheinungen gezeigt. Die jährliche Frequenz ist vermutlich auch genau die richtige Dosis. Also werte Serienfans, dann packt eure Koffer und quartiert euch bei den Gallaghers ein: 9/10 (9.4) Punkte.

Molly’s Game (2017)

Nachdem wir gestern Nachmittag erst bowlen waren (169 Punkte war meine beste Runde) und danach noch ein Asia-Buffet leer gefuttert haben, waren wir abends eigentlich ziemlich platt. Dennoch wollten wir nicht auf einen Film verzichten. Die Wahl ist auf „Molly’s Game“ gefallen, auf den wir schon länger heiß waren…

Molly's Game (2017) | © Universum Film GmbH

Molly’s Game (2017) | © Universum Film GmbH

Aaron Sorkins famoses Regiedebüt

Genau so habe ich mir Aaron Sorkins (u.a. Drehbuchautor von „The West Wing“ und „The Social Network“) Regiedebüt vorgestellt. Schon alleine die ersten zehn Minuten erfordern eine extrem hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers. Wohl der beste Beweis, warum Voice-overs eben nicht immer ein bequemes Stilmittel sind. Hier wird aus vollen Rohren geschossen und ich hatte mich direkt in den Film verliebt. Das erste Drittel fand ich großartig und war mir sicher, hier einen neuen Lieblingsfilm vor mir zu haben. Der zweite Akt hat ein wenig Fahrt rausgenommen, war dennoch weiterhin sehr faszinierend und ich mochte die Annäherung zwischen Molly Bloom (Jessica Chastain) und Anwalt Charley Jaffey (Idris Elba). Hier hat Aaron Sorkin wahrlich ein Händchen für die Besetzung beweisen, denn beide SchauspielerInnen füllen ihre Rollen perfekt aus und harmonieren großartig miteinander.

Im letzten Drittel wird der Film leider deutlich schwächer, was sowohl an der Geschichte als auch an der Inszenierung liegt. Es wirkt ein wenig so, als hätte Sorkin sein Feuer bereits zuvor verschossen gehabt. Meine Vermutung ist, dass die Geschichte zu sehr aus Molly Blooms Perspektive (kein Wunder, basiert der Film doch auf ihrer Biografie) und damit eben auch sehr einseitig erzählt wird. Gerade in der Konfrontation mit ihrem Vater (Kevin Costner) wird auf Biegen und Brechen eine Erklärung für ihre Charakterzüge und ihre Motivation gesucht (und gefunden). Das Finale ist auch viel zu versöhnlich und Molly Bloom wird beinahe wie eine Heilige in Szene gesetzt. Wirklich schade, denn dadurch wurde in meinen Augen viel Potenzial liegen gelassen.

Fazit

Mir hat „Molly’s Game“ über weite Strecken wirklich extrem gut gefallen. Aaron Sorkin kann nicht nur großartige Drehbücher schreiben, sondern hat auch ein Händchen für eine Inszenierung, welche die Dynamik seiner Worte perfekt einfängt. Auch die Geschichte ist faszinierend, wenngleich sie im letzten Drittel ein wenig ins Straucheln gerät. Dennoch kann ich euch den Film nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

Heute war ein eher ruhiger Samstag. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg in die Stadt, wo ich mir eine neue Brille ausgesucht habe. Auch die Kids brachten ihr Taschengeld unter die Leute und ich verschwendete einige Gedanken daran, welchem Sport ich nachgehen könnte, wenn ich erst einmal nicht mehr laufen kann. Aber ich schweife ab. Für den heutigen Filmabend habe ich mir „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgesucht. Ein Film, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte und auf den ich sehr neugierig war…

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Ein Charakter-Drama mit vielen Wendungen, aber ohne Auflösung

Ich mochte bereits Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ sehr gerne. Der ungewöhnliche Gangsterfilm hat mich damals (ja, die Sichtung liegt tatsächlich schon 10 Jahre zurück) wirklich überrascht. Seinen „7 Psychos“ habe ich jedoch nie gesehen, was ich nach dem grandiosen „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ nun umso mehr nachholen möchte. McDonagh ist ernsthafter geworden und auch weniger im Genre verankert. Vielleicht liegt es an der fantastischen Frances McDormand, doch hat mich der Film teils stark an „Fargo“ von den Coen-Brüdern erinnert. Das kauzige Kleinstadtleben, die skurrilen Charaktere und eine gesunde Portion schwarzer Humor. Die Themen in McDonaghs Geschichte sind jedoch düsterer und es gibt keine wirklichen Helden. Am Ende haben sich, angestoßen durch die drei Werbetafeln, die Positionen der Schachfiguren zwar verändert, die Oberhand gewinnt jedoch niemand.

In erster Linie ist „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ein Schauspielerfilm. Neben der bereits angesprochenen Frances McDormand überzeugen vor allem Woody Harrelson und Sam Rockwell. Gerade ihre Figuren betreffend, gibt es ein paar inhaltliche Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Die knapp zwei Stunden Film sind für mich extrem schnell vergangen und gerade die letzten zehn Minuten haben sich eher so angefühlt, als würde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Als wäre die nächste Episode nur einen Klick entfernt. Verdorben durch die Serienwelt. Und dennoch funktioniert dieses offene Ende auch für diese Geschichte. Die Charaktere haben sich eben doch weiterentwickelt. Der Schritt mag klein wirken, doch in dieser von Schmerz und Alltag geprägten Welt, ist das mehr als ich zu Beginn zu hoffen gewagt hätte. Dennoch hätte ich mir ein – in welcher Form auch immer – konsequenteres Finale gewünscht.

Fazit

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist wahrlich ein packender und mitreißender Film voll interessanter Figuren, die alle spannend genug für eine ganz eigene Geschichte wären. Hier sind sie in einer Zweckgemeinschaft gebunden, welche nicht beneidenswert ist. Ich bin wirklich ziemlich begeistert, auch wenn es für mich bis zum oft proklamierten Meisterwerk nicht ganz gereicht hat: 8/10 Punkte.

The Last Ship – Season 1

Normalerweise überlege ich sehr genau, welche Serie ich schaue. Man bindet sich ja doch länger an eine Geschichte und investiert demnach viel Zeit. Die Serie „The Last Ship – Season 1“ habe ich mir jedoch vor allem aufgrund des günstigen Preises zugelegt. Doch auch der Inhalt klang durchaus reizvoll: Postapokalypse, Action und ein Kriegsschiff als Setting – warum nicht? Doch schon Michael Bay als Produzent hätte mich stutzig werden lassen müssen…

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

Action, Militär und übertriebenes Pathos

Warum ich diese Staffel tatsächlich komplett gesehen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vermutlich weil es nur 10 Episoden waren und ich mich ja nicht nur immer lobend über die jüngst gesehenen Serien äußern kann. Letztendlich war es aber schon eine ziemliche Qual sich durch die mit US-Patriotismus, Militär-Glorifizierung, schlechtem Schauspiel und unfreiwillig komischen Drehbüchern vollgestopften Episoden durchzukämpfen. Dabei klingt die Prämisse recht spannend: Ein tödliches Virus hat die Menschheit größtenteils dahingerafft. Wir begleiten die Crew eines Zerstörers, die aufgrund ihrer Mission bei Ausbruch der Pandemie in entlegenen Gewässern unterwegs war. Die Crew ist somit gesund und hat mit einer Mikrobiologin auch das Expertenwissen an Bord, einen möglichen Impfstoff zu finden. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder?

Leider suhlt sich die Serie in einer unangenehme Propaganda-Ästhetik sowie ihren reaktionären Ansichten (z.B. Waffengewalt löst alle Probleme, Transparenz der Crew gegenüber führt zur Eskalation), was mir den Spaß doch ziemlich verleidet hat. Hinzu kommen dröge Drehbücher und leider nur unterdurchschnittlich begabte Schauspieler. Selbst Adam Baldwin, den ich seit „Firefly“, „Serenity“ oder „Chuck“ immer sehr gerne sehe, wirkt hier völlig verschenkt und kann sein Charisma nicht einbringen. Von der weiteren Entwicklung der Geschichte ganz zu schweigen, die in ihrer Dramatik eher an 90er-Jahre-Nachmittags-TV erinnert.

Fazit

Nein, ich kann „The Last Ship“ wirklich nicht weiterempfehlen. Normalerweise wäre ich hier (die magische 6-Punkte-Grenze) schon viel früher rausgewesen, doch eigentlich ist es ganz unterhaltsam, auch einmal einen Serien-Verriss zu schreiben. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch Spaß an der Serie gefunden habe, doch war das eher aufgrund der unfreiwilligen Komik und der teils doch recht actionreichen und ein wenig trashigen Endzeitgeschichte. Das perfekte Sonntagnachmittagsprogramm, doch eben weit entfernt von Qualitätsfernsehen: 5/10 (5.2) Punkte.