Sieben Minuten nach Mitternacht – OT: A Monster Calls (2016)

Heute war ein wenig erfreulicher, fordernder und emotional anstrengender Tag. Typisch Freitag, der 13. könnte man meinen. Da die Stimmung ohnehin schon ziemlich im Keller war, konnte ich mich auch gleich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ stellen, der ohnehin schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine Frau hat das Buch gelesen und ich habe schon einige positive Stimmen zu den Film gehört. Dennoch hatte ich mich aufgrund der Thematik lange nicht an die Geschichte herangewagt…

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Der personifizierte Schmerz des Abschieds

In den letzten Jahren haben sich Sterbedramen als beinahe schon eigenes Genre etabliert. Oft in Kombination mit einer tragischen Liebesgeschichte, ziehen diese Filme Zuschauer in Scharen in die Kinos. Für mich unverständlich. Auch wenn ich recht nah am Wasser gebaut bin, wenn es um Filme geht, mache ich normalerweise einen großen Bogen um Geschichten dieser Art. Vielleicht weil ich selbst schon zweimal Abschied von mir nahestehenden Menschen nehmen musste. Wieso sich also Filme anschauen, die einzig und allein Krankheit, Schmerz und Tod zum Thema haben? Bei „A Monster Calls“ haben mich jedoch sowohl der Fantasy- als auch der Coming-of-Age-Aspekt gereizt. Dennoch war mir von Anfang an klar, dass es keine einfache Sichtung werden würde – und ich sollte recht behalten…

Den jungen Conor (großartig gespielt von Lewis MacDougall) dabei zu begleiten, wie er den Abschied von seiner sterbenden Mutter verarbeitet, ist mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Zu oft musste ich daran denken, was meine Kinder in einem ähnlichen Fall durchzumachen hätten. Keine schönen Gedanken. Die Geschichte nähert sich dem Thema behutsam und das titelgebende Monster als Allegorie für Conors Schmerz ist ein wunderbarer erzählerischer Kniff. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass die Geschichte unter den großen Effekten leiden könnte, doch das CGI fügt sich nahtlos in die Handlung ein und lässt den Figuren genügend Luft zum Atmen. Neben Lewis MacDougal wissen Felicity Jones als sterbende Mutter und Sigourney Weaver als Großmutter des Jungen zu überzeugen.

Fazit

Regisseur Juan Antonio Bayona (u.a. „The Impossible“) setzt die ergreifende Geschichte in starken Bildern um. Selbst die eingeschobenen Märchen wissen aufgrund ihres besonderen Animationsstils zu überzeugen. Trotz der Effekte werden mir jedoch vor allem die zwischenmenschlichen Szenen in Erinnerung bleiben – und am Ende sind, wie zu erwarten, die Tränen geflossen. Ein starker und ergreifender Film, den ich allerdings so schnell nicht mehr anschauen werde – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen: 8/10 Punkte.

Duell – OT: Duel (1971)

Ein Freund hat mir kürzlich einen Link zu einem Interview, das Edgar Wright mit Steven Spielberg über dessen Film „Duell“ geführt hat, geschickt. Das fand ich so inspirierend, dass ich mir „Duell“ baldmöglichst selbst noch einmal anschauen wollte. Heute war es dann endlich soweit…

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der erste Geniestreich von Steven Spielberg

Mit „Duell“ verbinde ich einiges. Es war der erste Film, den ich damals in der Videoschnitt-Vorlesung meines Studiums detailliert analysieren durfte. Leider befinden sich die Texte von damals auf irgendeiner gut versteckten externen Festplatte, sonst hätte ich sie wunderbar für diese Besprechung verwenden können. Macht aber nichts, denn das intensive Erlebnis wirkt auch ohne Aufzeichnungen bis heute nach. Den Film habe ich damals vor ca. 14 Jahren (OMG!) entsprechend häufig gesehen. Nun stand also erneut eine Begegnung an. Und was soll ich sagen? Ich bin immer noch erstaunt, wie unglaublich modern „Duell“ teilweise inszeniert ist. Man spürt förmlich die Energie, die der 25-jährige Steven Spielberg in den Film gesteckt hat. Und das trotz oder gerade wegen der begrenzten Mittel einer TV-Produktion. Später hat Universal das Potenzial des Films erkannt und eine um 15 Minuten erweiterte Fassung (die wir heute auch nur allzu gut kennen) ins Kino gebracht.

Warum funktioniert „Duell“ so gut? Er ist völlig schnörkellos inszeniert. Das titelgebende Duell macht die gesamte Handlung aus. Man wird mit David Mann (Dennis Weaver) in eine Situation geworfen, die einerseits unglaublich erscheint, andererseits aber auch nah an der Lebensrealität dran ist. Idioten im Straßenverkehr kennt schließlich jeder. Der besondere Kniff ist, dass der Gegner nur als monströser Truck in Erscheinung tritt. Dieser wird stets in Untersicht gezeigt, er wirkt organisch und scheint ein eigenes Leben zu besitzen. Der Fahrer tritt nie in Erscheinung, was die absolut richtige Entscheidung war. Der Wahnsinn, der David befällt, wird ebenso greifbar gemacht und man wähnt sich in so mancher Szene fast schon in einem Hitchcock-Film. Einzig das Voice-over Davids wirkt teils ein wenig befremdlich.

Fazit

Mit seinem ersten, heute noch greifbaren Film ist Steven Spielberg sogleich ein Meilenstein gelungen, ohne den es Filme wie „Breakdown“, „Jeepers Creepers“ oder „Joyride“ nicht gegeben hätte. Die dichte Atmosphäre und die auf den Punkt inszenierte Bedrohung braucht selbst 47 Jahre nach Veröffentlichung keinen Vergleich zu anderen Genre-Klassikern zu scheuen. „Der Weiße Hai“ war vier Jahre später nur der nächste, konsequente Schritt. Immer noch großartig: 9/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 3

Gerade mal eine gute Woche ist seit meiner Besprechung der zweiten Staffel dieser Serie vergangen und schon steht der Artikel zu „Sons of Anarchy – Season 3“ an. Über die Osterfeiertage war abends ein Ausgleich zur turbulenten Eiersuche nötig, weshalb ein Rückzug nach Charming stets das perfekte Gegenprogramm war. Ob mich der MC rund um Jax, Clay, Gemma und Co. auch im dritten Jahr zu unterhalten wusste, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

SAMCRO Goes Ireland

Der Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel beeinflusst die gesamte weiter Handlung des dritten Jahres. Das fand ich durchaus beeindruckend, da man es ja häufig erlebt, dass solche Handlungselemente bereits während der ersten Episode aufgelöst werden und der Status quo somit schnell wieder hergestellt ist. „Sons of Anarchy“ geht anders damit um und steigt tief in die Historie des Motorradclubs ab. Die Verbindung zur IRA wird zum Thema der Staffel, was in einem Handlungsstrang gipfelt, in dem SAMCRO nach Belfast fliegt und sich in einer feindlichen Umgebung zwischen Verrätern, einem fremden Krieg und unerwarteten Begegnungen wiederfindet. Zunächst war ich von dieser neuen Ausrichtung nicht sonderlich angetan, speziell da die Vorbereitungen zur Reise doch eher träge und mühsam sind. Am Ende zahlt sich die Erweiterung der Welt der Sons jedoch aus und man bekommt ein noch besseres Gefühl dafür, was es für Jax und Co. bedeutet im Spannungsfeld des MC zu leben.

Auch in Charming gibt es einige Veränderungen: Wir erfahren mehr über Gemmas Hintergrund, begrüßen neue Anwärter und Mitglieder (u.a. Kenny Johnson, bekannt als Lem aus „The Shield“) und steigen tiefer in den Konflikt zwischen Mayans und SAMCRO ein. Überhaupt ist die Staffel auch abseits der Irland-Geschichte wieder vollgepackt mit Erzählsträngen. Langweilig wird es für die Charaktere und uns Zuschauer keinesfalls. Zum Durchschnaufen bleibt somit immer weniger Zeit und dennoch schaffen es die Autoren rund um Kurt Sutter, dass die Figuren noch besser ausgearbeitet und eben zu echten Charakteren werden. Auch wenn man mit ihnen nicht gerade zimperlich umspringt, doch darin liegt irgendwo ja auch der perfide Reiz der Serie. Gerade die letzte Szene ist ein weiterer Schlag in die Magengrube und setzt wunderbar den Ton für die kommenden Staffeln.

Fazit

Auch wenn ich zu Beginn der Staffel eher skeptisch war, so bin ich am Ende umso begeisterter, wie sich der Irland-Handlungsstrang entwickelt hat. Das überraschende Ende war beinahe schon übertrieben positiv für SAMCRO (wenn auch weniger für alle anderen) und löst etliche schon länger laufende Erzählstränge gekonnt auf. In der kommenden Staffel erwarte ich mir wieder verstärkt Spannungen zwischen Jax und Clay. Das dürfte extrem interessant werden – ein wenig Angst habe ich vor dieser Entwicklung allerdings auch schon: 9/10 (8.9) Punkte.

Rambo – OT: First Blood (1982)

Heute habe ich eine meiner größten filmischen Lücken geschlossen und endlich „Rambo“ nachgeholt. Der Film besaß bereits während meiner Grundschulzeit einen echten Kultstatus und ich weiß noch heute, dass sich ein paar Klassenkameraden im Pausenhof der zweiten(!) Klasse damals darüber ausgetauscht hatten. Für mich wäre es damals – völlig zurecht – unmöglich gewesen diesen Film zu sehen und irgendwie habe ich es auch danach nicht auf die Reihe bekommen. Heute jedoch war es soweit…

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Eine Figur, die zur Legende wurde

Denkt man heute an Rambo, dann hat man vermutlich eher Szenen aus den drei Fortsetzungen im Kopf. Ähnlich wie bei „Mad Max“, bei dem man auch eher an „The Road Warrior“ denkt, ist „First Blood“ noch ein anderer Film als die actionreicheren Nachfolger. Tatsächlich ist die Geschichte unerwartet ernsthaft und kann in erster Linie als Kritik am Vietnamkrieg bzw. der mangelhaften Eingliederung von Veteranen gesehen werden. Ich war wirklich erstaunt, wie schnell Ted Kotcheff zur Sache kommt und das anfänglich noch friedliche Setting wortwörtlich explodiert. Binnen nur weniger Minuten wird John Rambo in die Mangel genommen und man fühlt sich mit ihm überfordert und kann nicht verstehen, wie die Situation so schnell eskalieren konnte. Selten habe ich einen effizienter erzählten Prolog gesehen.

Während der ersten 70 Minuten bekommt man einen extrem spannenden Überlebenskampf zu sehen, der vor allem durch sein Setting (unwirtliche Natur) und John Rambos Einfallsreichtum überzeugt. Die Action ist hart und dreckig und man nimmt allen beteiligten Personen ab, dass sie eigentlich mit der Situation überfordert sind. In den letzten 20 Minuten kippt der Film dann leider in ein Actionspektakel, das zwar nach wie vor mitreißt, jedoch nicht mehr diese archaische Wucht besitzt, die „First Blood“ zuvor geboten hat. John Rambos Zusammenbruch in der letzten Szene war dann wieder sehr gelungen und hat das eigentliche Thema des Films noch einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.

Fazit

Mit „Rambo“ hat Sylvester Stallone neben „Rocky“ (eine weitere meiner filmischen Lücken) völlig zurecht Kinogeschichte geschrieben. Selbst nach 36 Jahren kann der Film immer noch überzeugen. Ich selbst bin nun gespannt, ob die Fortsetzungen für mich ebenfalls noch funktionieren oder nur noch Relikte des 80er-Jahre-Actionkinos sind. Dieser erste Teil der Reihe ist auch heute noch sehenswert: 8/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 2

War ich bei während meines ersten Besuchs in Charming noch mit genereller Orientierung und dem Kennenlernen der unterschiedlichen Fraktionen beschäftigt, fühlte ich mich in „Sons of Anarchy – Season 2“ schon komplett zu Hause in dieser Serienwelt. Vermutlich hat mich so manche Entwicklung in der Handlung auch deshalb so mitgenommen, was ja ein durchaus positives Zeichen für die Serie ist…

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Interne Machtkämpfe zerfressen SAMCRO

Die dramatischen Ereignisse am Ende der ersten Staffel beeinflussen den Verlauf des zweiten Jahres und sorgen für beständige Konflikte zwischen Jax und Clay. Hinzu kommt eine neue Bedrohung für den Motorradclub, die sich zusätzlich zum ATF in Charming niederlässt. Schon während der ersten Episode wird es sehr persönlich und unangenehm, was den weiteren Verlauf der Handlung diktiert. Die Ereignisse spitzen sich unweigerlich zu und ich war fast schon überrascht, dass die Konflikte bereits in der elften Episode „Service“ offen angesprochen und gelöst wurden. Die beiden finalen Folgen setzen dann ganz auf die wiedervereinte Kraft von SAMCRO und den Kampf an unzähligen Fronten. Natürlich geht dabei einiges schief und es kommt aufgrund von Charakterschwäche und Missverständnissen zu schmerzhaften Verlusten eigentlich unbeteiligter Personen.

Neben der beständig voranpeitschenden Handlung (es ist wirklich bemerkenswert, wie dicht die Serie erzählt ist), bleibt dennoch genügend Raum für Charakterentwicklung und stille Momente. Etliche Nebenfiguren bekommen mehr Tiefe und die Spannung zwischen Clay und Jax bildet einen wunderbaren Hintergrund, vor dem speziell Gemma zu glänzen weiß. Eine großartige Leistung von Katey Sagal, gerade wenn man ihre klischeehafte Rolle in „Eine schrecklich nette Familie“ im Hinterkopf hat. Sie ist für mich der Star dieser Staffel. Auch für sie hält das Finale aufgrund eines unglücklichen Zufalls so einige Herausforderungen bereit. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Autoren in Zukunft mit ihr und dieser Situation umgehen werden.

Fazit

Hatte mir bereits die erste Staffel sehr gut gefallen, geht „Sons of Anarchy“ im zweiten Jahr noch ein paar Schritte weiter: Die Handlung wird dramatischer und die Konflikte innerhalb von SAMCRO spitzen sich zu. Familie und Zusammenhalt bleiben auch weiterhin die bestimmenden Motive und es ist diese Mischung, welche die Serie so besonders macht. Ich blicke jetzt schon voll banger Hoffnung auf die nächsten Staffeln und bin mir sicher, dass auch sie eine emotionale Tour-de-Force für mich bereithalten werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Passengers (2016)

Zeitumstellung! Die ideale Gelegenheit also, um sich mit einem Raumschiff auf eine 120 Jahre dauernde Reise zu begeben. Somit haben wir auf der Avalon eingecheckt und uns mit „Passengers“ auf die Reise nach Homestead II begeben. Ob sich die lange Reise gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Morten Tyldums „Passengers“ hat nicht die besten Kritiken bekommen. Als Romanze im All verschrien, waren viele Sci-Fi-Fans wohl ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren folglich nicht zu groß und ich habe mir am ehesten schöne 3D-Bilder erhofft. Die bekam ich auch zu sehen, denn der Film sieht wahrlich fantastisch aus! Die Tiefe des Raums ist nahezu greifbar und Schauplätze, wie der Infinity Pool im Weltall, sorgen für so manchen Wow-Effekt. Audiovisuell ist „Passengers“ ein großes Vergnügen, doch die eigentliche Überraschung war, dass er mich auch inhaltlich zu überzeugen wusste.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit „The Dark Forest“ und seinem Nachfolger „Death’s End“ zurzeit ausführlich mit Hibernation und Langstreckenflügen unter Lichtgeschwindigkeit auseinandersetze. Die hier aufgemachte Prämisse fand ich somit sofort spannend und erzählenswert. Im Verlauf des Films kommt Drehbuchautor Jon Spaihts mit unzähligen Ideen um die Ecke, aus denen man eigene Filme hätte machen können. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb insgesamt ein wenig unrund und zusammengewürfelt. Für mich hat die Romanze nur einen kleinen Teil ausgemacht und das Drama um Jim Prestons (Chris Pratt) Entscheidung war für mich der Kern des Films. Hier hätte das Skript für mich gerne noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Jedoch fand ich die angedeuteten Konsequenzen spannend genug, um mich bei der Stange zu halten – und selbst das Ende konnte mich überzeugen, wenngleich ich Auroras bewusste Entscheidung, nicht mehr in die Hibernation zu gehen, ein wenig plakativ als Geste der Vergebung fand.

Fazit

Was hätte man alles aus der Geschichte machen können? Einen Mystery-Thriller, ein Beziehungsdrama oder einen Sci-Fi-Actionfilm. Letztendlich steckt von alldem alles ein wenig in „Passengers“ – und für mich hat dieser Mix, auch dank des famosen Zusammenspiels von Jennifer Lawrence („The Hunger Games“) und Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“), fabelhaft funktioniert. Für mich eine durchwegs positive Überraschung, die zudem tolle Bilder bietet: 8/10 Punkte.

Der Adler der neunten Legion – OT: The Eagle (2011)

Wochenende, Zeit für einen Film. Mit „Der Adler der neunten Legion“ habe ich mich für eine nur allzu bekannte Geschichte entschieden, von der ich mir dieses Mal eine gelungenere Umsetzung erwartete. Ob Kevin Macdonald das liefern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Ein Buddy-Movie im zweiten Jahrhundert

Wie bereits erwähnt, basiert „Der Adler der neunten Legion“ auf der gleichen Prämisse wie Neill Marshalls „Centurion“ aus dem Jahr 2010. Marshall hatte einen kleinen, dreckige Actionfilm aus der Geschichte gemacht, während Kevin Macdonald das historische Setting ernster nimmt und deutlich weiter ausholt. So dauert es beinahe eine Stunde, bis sich der Suchtrupp hinter den Hadrianswall (übrigens die Vorlage der Mauer aus „Game of Thrones“) begibt und das Abenteuer beginnt. Im Norden angekommen, wird eine ähnliche Verfolgungsjagd wie in „Centurion“ abgespult, nur ohne jemals deren Intensität zu erreichen. Nett, aber eben auch nicht mehr. Dabei sind die Kampfszenen ähnlich hektisch inszeniert, nur dass sie relativ blutleer bleiben. Und der teils unpassende Buddy-Movie-Aspekt (was sollte denn die letzte Szene?) hat nicht wirklich zum Positiven beigetragen.

Kevin Macdonald hat mit „Sturz ins Leere“, „Der letzte König von Schottland“ und „State of Play“ drei Filme inszeniert, die ich durchaus schätze. Selbst sein lediglich unterhaltsamer U-Boot-Thriller „Black Sea“ konnte mich überzeugen. „Der Adler der neunten Legion“ fällt für mich dagegen in jeder Hinsicht deutlich ab, da er einerseits ziemlich dröge, andererseits aber auch unnötig hektisch wirkt. Letztendlich hatte ich mit Neill Marshalls Variante der Geschichte mehr Spaß.

Fazit

Auch wenn „The Eagle“ ein paar schöne Bilder und durchaus Atmosphäre besitzt, so kommt er über einen bestenfalls durchschnittlichen Eindruck nicht hinweg. Letztendlich hat man das alles schon besser gesehen, was nicht wirklich für den Film spricht. In jeder Hinsicht mittelmäßige Unterhaltung: 5/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 1

Auch wenn einige meiner Blogger-Kolleginnen (ich schaue dich an Maren) geglaubt haben, hier nie eine Besprechung der Serie zu lesen, so habe ich inzwischen tatsächlich „Sons of Anarchy – Season 1“ gesehen. Die Serie stand schon seit mehreren Jahren in meinem Regal und ich habe nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Und dieser ist jetzt gekommen, denn die sieben Staffeln wollen nicht bis in den Sommer gezogen werden, wenn die Zeit vor dem Fernseher auf ein Minimum schrumpft. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Sons of Anarchy – Season 1 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 1 | © Twentieth Century Fox

Welcome to Charming

Wenn ich mit einer neuen Serie beginne, gerade wenn diese so umfangreich ist wie „Sons of Anarchy“, ist die Pilotfolge immer ein ganz besonderes Erlebnis. Kann ich mich mit der Welt und ihren Figuren anfreunden? Wie ist die Atmosphäre? Muss ich mich schon jetzt durch die Handlung quälen? Natürlich gibt es auch Serien, die ihre Qualitäten erst im Laufe der Zeit offenbaren, was ein gewisses Durchhaltevermögen erfordert. Wie verhält es sich nun mit „Sons of Anarchy“? Eine vorsichtige Annäherung oder Liebe auf den ersten Blick? Schmetterlinge im Bauch und Funkenflug! Tatsächlich hat mich die Pilotepisode der Serie rund um den Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original, oder SAMCRO, sofort in ihren Bann gezogen: Die Charaktere sind interessant, die Handlung spannend und die Welt besitzt enorm viel Potenzial für Konflikte. Selten habe ich mich in einer ersten Episode schon so zu Hause gefühlt, wie hier in Charming.

Ein Leben in der Grauzone

Showrunner Kurt Sutter hat als Autor und Produzent von „The Shield“ bereits einige Erfahrungen mit Charakteren sammeln können, die auf der falschen Seite des Gesetzes stehen bzw. dieses sehr frei interpretieren. Dennoch war auch diese Serie stark von Werten geprägt, die sich in einer moralischen Verantwortung für die Familie und den erweiterten Personenkreis des unmittelbaren Umfelds niederschlugen. In „Sons of Anarchy“ stehen statt korrupten Polizisten nun die Mitglieder einer Motorradgang im Zentrum der Handlung. Die Geschichten rund um Loyalität, Verrat, Familie und Gewalt ähneln sich jedoch sehr. Beide Serien teilen sich zudem einige Schauspieler (z.B. Jay Karnes) und sogar ganze Personengruppen, wie die Gang der One-Niners, die in beiden Welten eine wichtige Rolle spielt. Um es kurz zu machen: Jeder, der „The Shield“ mochte, sollte sich auch in Charming wohl fühlen.

Die Handlung dieser ersten Staffel setzt noch sehr auf die Einführung in die Welt der Motorradclubs und hält in der ersten Hälfte noch einige Episoden parat, die eine in sich abgeschlossene Handlung besitzen. Ab der Mitte der Staffel nimmt der übergreifende Erzählstrang dann deutlich an Fahrt auf und man bekommt einen Ausblick auf das, was ich mir über die nächsten Staffeln erhoffe – und auch ein wenig befürchte, denn zimperlich springen die Autoren wahrlich nicht mit ihren Charakteren um. Auch das weckt Erinnerungen an die späteren Staffeln von „The Shield“. Harter Tobak.

Fazit

Wie ihr bis hierhin vielleicht schon aus meiner Besprechung herauslesen konntet, bin ich froh endlich den Sprung nach Charming gemacht zu haben. Auch wenn diese erste Staffel noch nicht perfekt ist, so zeigt sie doch wunderbar das große Potenzial auf, das in „Sons of Anarchy“ steckt. Gerade die letzten Episoden sind unglaublich mitreißend und emotional. Wenn ich eine Staffel innerhalb von knapp zwei Wochen komplett verschlinge, dann ist das schon ein sehr gutes Zeichen. Ich freue mich jetzt schon enorm auf die Fortsetzung: 9/10 (8.5) Punkte.

Die Stunde der Patrioten – OT: Patriot Games (1992)

Heute ist die mir die Wahl des Films am Abend nicht schwergefallen, da ich bereits vergangenes Wochenende mit „Jagd auf Roter Oktober“ eine neue Reihe begonnen hatte. Folglich stand heute der Nachfolger „Die Stunde der Patrioten“ auf dem Plan – und wie sich dieser geschlagen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Die Stunde der Patrioten (1992) | © Paramount (Universal Pictures)

Die Stunde der Patrioten (1992) | © Paramount (Universal Pictures)

Jack Ryan wird zum Actionhelden

Hat Jack Ryan in „Jagd auf Roter Oktober“ (gespielt von Alec Baldwin) noch eher Worte denn Taten sprechen lassen, legt Harrison Ford als Neubesetzung sogleich Hand an und rettet die britische Königsfamilie vor einem Attentat. Damit ist der Ton der Fortsetzung auch gesetzt und wir bekommen einen viel klassischeren Thriller zu sehen, der bis zum übertriebenen Finale auch weitestgehend nach Schema F abläuft. Statt den bösen Russen steht dieses Mal eine Splittergruppe der IRA im Mittelpunkt, die jedoch nur als Aufhänger für eine nur allzu persönliche Rachegeschichte dient. Als Gegenspieler erleben wir einen jungen Sean Bean, der Harrison Fords Jack Ryan ganz schön zum Schwitzen bringt.

Ich mochte den Fokus auf Ryans Familie sowie das Gefühl der beständigen Bedrohung. In diesen eher ruhigen Szenen ist der Film auch zweifellos am gelungensten. Die Action ist dagegen oft ausufernd (speziell das übertriebene Finale) und die Dialoge zwischen diversen CIA-Agenten und Militär-Mitgliedern ein wenig ermüdend.

Fazit

Insgesamt ist auch „Die Stunde der Patrioten“ ein nach wie vor sehenswerter Thriller, dem jedoch das spezielle Setting des Vorgängers abgeht. Die Rachegeschichte ist handwerklich sauber inszeniert und es gibt genügend spannende Szenen. Alles in allem ein leichter Rückschritt, auch wenn ich dennoch Spaß mit dem Film hatte: 7/10 Punkte.

Jagd auf Roter Oktober – OT: The Hunt for Red October (1990)

Kaum zu glauben, doch unser Zwergofant ist heute tatsächlich ohne Hustenattacke eingeschlafen. Somit hätte unsere Sichtung von „Jagd auf Roter Oktober“ das perfekte Filmerlebnis sein können, wenn wir nicht selbst hundemüde gewesen wären. Die Erschöpfung der letzten Tage zollt langsam aber sicher ihren Tribut. Immerhin ich habe durchgehalten und wurde mit einem herrlich klassischen Thriller belohnt…

Jagd auf Roter Oktober (1990) | © Paramount (Universal Pictures)

Jagd auf Roter Oktober (1990) | © Paramount (Universal Pictures)

U-Boot-Action im Kalten Krieg

„Jagd auf Roter Oktober“ gehört zu den Filmen, die ich in meiner Jugend immer einmal wieder im Fernsehen gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt inzwischen jedoch bestimmt 15 Jahre zurück, weshalb ich mich weniger an die konkrete Handlung, als an die Atmosphäre und gewisse Bilder erinnern konnte. In meiner Erinnerung war der Tom-Clancy-Thriller auch unglaublich modern, was aus heutiger Sicht beinahe lächerlich erscheint, hat der Film doch bereits 28 Jahre auf dem Buckel – und das sieht man ihm, gerade in den Unterwasserszenen, doch deutlich an. Schon erstaunlich, um wie viel moderner der gerade einmal fünf Jahre später gedrehte U-Boot-Thriller „Crimson Tide“ doch aus heutiger Sicht wirkt.

Wenn man über so manch angestaubt wirkenden Effekt hinweg sieht, bekommt man einen schnörkellos inszenierten Thriller präsentiert, der immer noch wunderbar funktioniert. John McTiernan (bekannt für z.B. „Predator“) beweist ein Händchen für packende Szenen auf beschränktem Raum und die fähigen Darsteller rund um Sean Connery und einen jungen Alec Baldwin tragen ihr Übriges dazu bei, „The Hunt for Red October“ auch heute noch zu einem Erlebnis zu machen.

Fazit

Für mich reiht sich „Jagd auf Roter Oktober“ in die Thriller der 90er Jahre ein, die ich mir immer wieder ansehen kann. Er ist zugleich ein Zeitdokument, das typisch für die Zeit des auslaufenden Kalten Krieges ist. Wer auf schnelle Action, Schnittgewitter und selbstreferenziellen Humor verzichten kann, der ist auch heute noch gut mit diesem U-Boot-Thriller beraten: 8/10 Punkte.