Parasite – OT: Gisaengchung (2019)

Nachdem ich vergangenes Wochenende bereits den Versuch gestartet hatte, diesen Film zu sehen, war es heute endlich soweit. Zwar nur auf Blu-ray, da die UHD-Scheibe immer noch nicht will, doch wollte ich die Sichtung von „Parasite“ nicht noch länger aufschieben. Was der südkoreanische Oscar-Gewinner wirklich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐜

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Ein bitterböser Blick auf den Kapitalismus

Wie auch schon Bong Joon-hos „Snowpiercer“, oder der kürzlich gesehene „Der Schacht“, ist „Parasite“ ein Kommentar auf unsere heutige Welt. Geprägt von einem starken Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Kapitalismus als zerstörerischen Motor. Im Gegensatz zu den beiden genannten Filmen, wirkt „Parasite“ zunächst ein wenig subtiler in seiner Botschaft. Teils wirkt er wie eine tiefschwarze Komödie, doch viel zu Lachen gibt es nicht. Am ehesten hat mich Bong Joon-hos Film an Jordan Peeles famosen „Wir“ erinnert und das nicht nur aufgrund der Menschen aus dem Keller bzw. dem Untergrund. Die Atmosphäre und ja, auch der ungewöhnliche Score haben diese Assoziation bei mir geweckt. „Parasite“ bleibt jedoch realistischer in seiner Ausgestaltung, auch wenn er häufig künstlerisch überhöht wirkt.

Bong Joon-hos und Han Jin-wons Drehbuch besitzt so viele kluge Aspekte, welche die Probleme unserer Welt wunderbar auf den Punkt bringen. Alleine der Monolog des Vaters, der klar macht, dass man sich auf seiner sozialen Stufe keine Planbarkeit erlauben kann, ist unfassbar bitter. Oder der Fokus auf den Geruch bzw. Gestank von Armut, was an Abfälligkeit kaum zu überbieten ist. Der Punkt, dass sich am Ende der Nahrungskette bis auf das Blut bekriegt wird, nur um ein paar Kuchenkrümel abzubekommen. Dazu der krasse Kontrast zur Familie des Hausherren. Alleine schon die Dekadenz der Geburtstagsfeier. Starke Bilder und, auch gerade im übertragenen Sinne, ebenso starke Motive, die sich durch den kompletten Film ziehen.

Fazit

„Parasite“ ist kein angenehmer Film. Er ist unterhaltsam, aber eben nicht auf entspannte Art und Weise. Und das ist gut so. Er macht einen großen Themenkomplex auf, bietet für diesen keine Lösung, legt den Finger aber schmerzhaft in die Wunde. Und bohrt darin herum. Definitiv ein Film, über den ich noch häufiger nachdenken werde: 9/10 Punkte.

Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan (2006)

Wenn der Rest der Familie im Bett ist, versumpfe ich meist auf YouTube und hole die diversen US-Late-Night-Shows der Woche nach. Doch irgendwie ist das meist das gleiche und trägt auch nicht der Stimmung bei, so lustig die deprimierenden News auch verpackt werden. Gestern habe ich mit „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ (oder auf deutsch „Borat: Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“) jedoch noch recht spontan einen Film geschaut. Die gerade erschienene Fortsetzung ist zurzeit ja in aller Munde und ich kannte noch nicht einmal den ersten Teil. 🐔🐻

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Borat (2006) | © 20th Century Fox

Abstoßend, unkorrekt und doch unfassbar witzig

Mir war Sacha Baron Cohens Kunstfigur natürlich ein Begriff und auch die grobe Geschichte des Films war mir im Vorfeld bewusst. Eben auch dieser Mix aus teils improvisierten Spielszenen und dokumentarisch umgesetzten Begegnungen. Die Grenze verschwimmt und ist nie hundertprozentig klar. Am ehesten lässt sich „Borat“ somit als Mockumentary beschreiben und als solche funktioniert der Film tadellos. Er ist oft unfassbar geschmacklos, teils entlarvend und bei all dem doch unfassbar lustig. Ich mochte ja die kleinen Details am liebsten: Wenn Borat z.B. seinen Koffer voller Enttäuschung hinschmeißt und es dann aus dem Inneren gackert. Oder der Kopf des Bären im Kühlschrank, der nur für ein paar Sekunden im Hintergrund zu sehen ist. Da merkt man, mit wie viel Bedacht dieser so spontan wirkende Film doch inszeniert wurde.

Auch wenn „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ natürlich bewusst politisch unkorrekt ist und den Finger oft schmerzhaft in die Wunden legt, so ist die Intention Sacha Baron Cohens jedoch stets klar, nämlich seinem Gegenüber entlarvende Aussagen zu entlocken. Einzig den Umgang mit seinem kasachischen Heimatdorf sehe ich kritisch. Da diese Szenen ohnehin nicht in in Kasachstan gedreht wurden und die Leute den Medienrummel nicht einordnen konnten, hätte ich hier eine fiktive Nation mit Spielszenen als angemessener empfunden. Das trübt den Gesamteindruck etwas, doch der Hauptteils des Films, sprich Borats Trip durch die USA, ist schon großes Kino.

Fazit

Auch wenn ich late to the party bin, so macht „Borat“ auch noch 14 Jahre später enorm viel Spaß. Sacha Baron Cohen ist unfassbar in seiner Rolle. Die brandneue Fortsetzung werde ich bestimmt auch zeitnah sehen. Borat in Trumps Amerika. Wenn da nicht zusammenkommt, was zusammengehört, dann weiß ich auch nicht. Doch auch schon der erste Teil war schmerzhaft unterhaltend: 8/10 Punkte.

Die wilden Hühner und das Leben (2009)

Nach einer anstrengenden Woche mit erschreckend schnell wachsenden Corona-Zahlen, wollten wir den Kindern zum Start ins Woche wenigstens einen Filmabend gönnen. Die Wahl ist heute auf „Die wilden Hühner und das Leben“ gefallen, den letzten Teil der Kinder- bzw. Jugendbuchverfilmungen. Wie uns dieser so gefallen hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐔

Die wilden Hühner und das Leben (2009) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner und das Leben (2009) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ein sympathischer Abschluss der Filmreihe

Hat mich schon im Vorgänger „Die wilden Hühner und die Liebe“ der starke Fokus auf die jugendlichen Beziehungen ein wenig gestört, so nimmt dieser Aspekt nun endgültig überhand. Vielleicht liegt es auch an meinen Erwartungen, die ich nach dem ersten Teil „Die wilden Hühner“ an die Reihe hatte. Hier kam es mir so vor, als könne sich der Film nicht so richtig entscheiden, was er sein will. Aber vielleicht ist dieses Gefühl auch stellvertretend für den Umbruch im Leben unserer jugendlichen Heldinnen. Sie sind keine Kinder mehr und dieser Abschied ist eben nicht immer klar und eindeutig, sondern mit vielen Irrungen und Wirrungen verbunden.

Es war schön, die Figuren noch einmal alle zu sehen. Leider wurde eine Schauspieler ausgetauscht, was immer ein wenig befremdlich wirkt. Das Zappelinchen fand den Film toll, da sie bereits das Buch gelesen hat. Allerdings musste sie sich aufgrund der vielen Kussszenen auch häufig fremdschämen. Der Zwergofant war heute nicht so angetan und die eigentlich ist er auch (trotz FSK-0-Freigabe) noch zu jung für den Film und seine Themen gewesen. Von seiner Seite war weder viel Interesse noch Verständnis vorhanden. Ich selbst mochte einige Aspekte, andere wiederum fand ich zu oberflächlich abgehandelt. Dafür fand ich den symbolischen Bogen zum Anfang der Reihe am Ende des Films sympathisch.

Fazit

„Die wilden Hühner und das Leben“ ist ein netter Abschluss der Filmreihe, die sich über ihren Verlauf deutlich verändert hat. Ich fand es schade, dass es ab dem zweiten Teil fast nur noch um Beziehungen ging. Dennoch ein gut gespielter und durchaus sympathischer letzter Teil der Trilogie: 6/10 Punkte.

The Signal (2014)

Was für eine Woche. Irre. Die Infektionszahlen steigen enorm, das Winterhalbjahr scheint genau so zu werden, wie befürchtet. Was hilft? Natürlich Eskapismus in Form von Filmen und Serien. Nachdem die UHD Blu-ray von „Parasite“ nicht wollte, habe ich zu „The Signal“ gegriffen, der bereits länger ungesehen im Regal stand. 📶

The Signal (2014) | © Capelight Pictures

The Signal (2014) | © Capelight Pictures

Gekonnt inszenierte Low-Budget-Sci-Fi

Regisseur William Eubank ist mir zuletzt mit „Underwater“ aufgefallen, einem durchaus unterhaltsamen Unterwasser-Thriller. Sein Vorgängerwerk „The Signal“ hat jedoch deutlich mehr zu bieten. Der Film erinnert an andere Low-Budget-Vertreter des Genres, die ihren Regisseuren den Sprung auf die große Leinwand ermöglich haben. Speziell an Gareth Edwards „Monsters“ musste ich denken. Auch aufgrund der wunderbaren Road-Trip-Atmosphäre und den Beziehungen der Figuren zueinander. Nach der ersten halben Stunde kommt ein großer Bruch und die zweite halbe Stunde entwickelt sich zu einem Paranoia-Thriller, der wirklich unter die Haut geht. Mit den offensiv ausgespielten Sci-Fi-Elementen entwickelt sich der Film letztendlich fast schon zu einer Superheldengeschichte. Wahrlich eine interessante Mischung.

Am beeindruckendsten fand ich wohl die Inszenierung, denn „The Signal“ sieht extrem gut aus. William Eubank hat ein gutes Auge für Bilder und weiß auch Effekte sehr, nunja, effektiv einzusetzen. Inhaltlich verliert das letzte Drittel ein wenig, doch die Auflösung konnte mich dann wieder überzeugen. Selbst wenn sie nicht sonderlich überraschend oder logisch war. Sie hat aber zum restlichen Film gepasst, der seine dichte Atmosphäre bis zur letzten Einstellung durchgezogen hat.

Fazit

Wer nicht immer die ganz große Materialschlacht braucht, der bekommt mit „The Signal“ einen wunderbaren, kleinen Sci-Fi-Thriller zu sehen. Sicher nichts für die Ewigkeit, doch für gut 90 Minuten sehr unterhaltsam: 7/10 Punkte.

Der Schacht – OT: El Hoyo (2019)

Nach einem recht angespannten Samstag, der nur durch einen kurzen Lauf am Abend aufgelockert wurde, habe ich einen ebenso angespannten Film ausgesucht. Die spanische Netflix-Produktion „Der Schacht“ hat mich durch seine High-Concept-Prämisse überzeugt und ich war gespannt, was Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia aus der interessanten Idee gemacht hat. 🥓🥘🥗🥔🥞

Der Schacht (2019) | © Netflix

Der Schacht (2019) | © Netflix

Wenn „Cube“ auf „Snowpiercer“ trifft

Tatsächlich hat mich der Film über weite Strecken stark an Vincenzo Natalis „Cube“ erinnert. Der eingeschränkte Schauplatz, die immer gleichen Räume, die Bewegung der Plattform und vor allem die allesamt unausstehlichen Figuren. Inhaltlich dagegen ist „Der Schacht“ ebenso wie Bong Joon-hos „Snowpiercer“ eine Allegorie auf den Kapitalismus bzw. unsere Klassengesellschaft. Dabei geht Galder Gaztelu-Urrutia nicht sonderlich feinfühlig vor, sondern prügelt das Bild ziemlich direkt durch die Geschichte. Fressen oder gefressen werden. Die Scheiße fließt wortwörtlich von oben nach unten. „Der Schacht“ ist dreckig und abstoßend, dabei aber auch ziemlich effektiv in seiner Bildsprache.

Weniger gut hat für mich die weitere Überhöhung funktioniert. Wenn Goreng zum Messias stilisiert wird und das Kind am Ende die Rettung sein soll? Das war mir zu viel Geschwurbel. Ich habe nichts gegen offene Enden und auch „Cube“ besitzt letztendlich ein sehr vergleichbares, das aufgrund seiner Direktheit aber deutlich besser funktioniert. Hier dagegen habe ich es fast schon so empfunden, als hätten die Autoren nicht wirklich gewusst, wie sie die Geschichte zu Ende bringen sollen.

Fazit

Auch wenn „Der Schacht“ kein perfekter Film ist, so ist er doch wirklich bedrückend und besitzt eine ganz eigene Atmosphäre. Nichts für zimperliche Gemüter und sicherlich auch nicht die Laune steigernd. Für Genre-Fans auf jeden Fall eine Empfehlung, gerade wenn man auf High-Concept-Ansätze steht: 7/10 Punkte.

Shrek: Der tollkühne Held (2001) (WS1)

Nach einer anstrengenden Woche liegt nun ein forderndes Wochenende vor mir, weshalb mir der Wunsch der Kinder nach einem Filmabend ganz recht kam. Heute konnte sich Frau bullion durchsetzen und wir haben mit „Shrek: Der tollkühne Held“ einen wahren Klassiker des Animationsfilms gesehen. Meine letzte Sichtung liegt bereits 14(!) Jahre zurück und insgesamt hat der grüne Oger bereits 19 Jahre auf dem Buckel. Unfassbar. Dabei war „Shrek“ damals topmodern und der letzte Schrei…

Shrek: Der tollkühne Held (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Shrek: Der tollkühne Held (2001) | © Universal Pictures Germany GmbH

Eine herrliche Parodie auf animierte Märchenfilme

Sein Alter sieht man „Shrek“ inzwischen deutlich an. Die Texturen wirken verwaschen, die Animationen teils etwas holprig. Von den menschlichen Figuren wollen wir gar nicht erst anfangen. Selbst Fiona, die ich in der letzten Besprechung noch gelobt hatte, wirkt teils wie eine Puppe. Heute sehen in Echtzeit gerenderte Videospiele teils besser aus. Aber das macht nichts, denn schon nach ein paar Minuten hatte ich die Optik vergessen und war, bis auf einzelne Ausnahmen, wieder voll drin in dieser kunterbunten Geschichte mit ihren wunderbaren Gags und den mitreißenden Songs. Es ist schon ein Brett, was hier als Soundtrack abgefeuert wird. Diesem kann man wohl auch einen großen Teil des Erfolgs zurechnen. Gerade wenn man an die frühen 2000er Jahre zurückdenkt. Bombe!

Aus heutiger Sicht überzeugt mich tatsächlich hauptsächlich die Entwicklung der Charaktere und die schöne Botschaft des Films. Neben all den verspielten Gags und den schmissigen Songs verbirgt sich hinter „Shrek“ tatsächlich eine Geschichte über Außenseiter, Selbstliebe und Akzeptanz. Gerade in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je. Die Figuren sind extrem liebenswert und auch wenn die Welt ein wenig steril wirken mag, so ist sie doch mit zauberhaften Details durchsetzt.

Fazit

„Shrek“ ist auch nach knapp 20 Jahren immer noch ein herausragender Märchenfilm. Technisch ein wenig in die Jahre gekommen, hat er jedoch fast nichts von seinem Charme verloren. Immer noch sehr extrem sehenswert: 8/10 Punkte.

Die wilden Hühner und die Liebe (2007)

Der heutige Samstag ist wieder extrem schnell verfolgen: Morgens war ich eine Runde laufen, danach ging es bei Freunden zum Brunchen und schon war es Abend. Nachdem wir letzte Woche „Die wilden Hühner“ gesehen hatten, stand heute mit „Die wilden Hühner und die Liebe“ die Fortsetzung auf dem Programm. Wie uns die neuen Abenteuer der Hühner gefallen haben, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐔

Die wilden Hühner und die Liebe (2007) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner und die Liebe (2007) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Eine gelungene Fortsetzung mit (zu) viel Liebe?

Natürlich hätte man es bei dem Titel ahnen können. Die Liebe ist das zentrale Thema des Films. Für meinen Geschmack war das ein wenig zu viel des Guten. Aber vielleicht spricht aus mir auch nur der alte Mann, der damals in der 6. Klasse noch nichts mit Liebe oder Beziehungen am Hut hatte. Andere Themen werden, bis auf Sprottes Begegnung mit ihrem Vater, leider ziemlich in den Hintergrund gedrängt. Dabei fand ich es wunderbar, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung beleuchtet wurde, die allerdings auch das zentrale Drama des Films war. Wäre das heute, 13 Jahre später, anders und diese Beziehung ein ganz natürlicher Teil der Geschichte? Ich würde es mir wirklich wünschen.

Ich mochte erneut das Zusammenspiel der jugendlichen SchauspielerInnen sowie die unaufgeregte Inszenierung. Zwar kenne ich Cornelia Funkes Vorlage (u.a. „Tintenblut“) nicht, doch das Zappelinchen hat einige Elemente aus dem Buch wiedererkennt. Der dritte Teil der Reihe spielt noch einmal zwei Jahre später, weshalb ich mir keine Änderung der Thematik erwarte. Für mehr Jugendabenteuer müssen wir dann wohl doch wieder zu „Fünf Freunde“ greifen. Aber das ist vermutlich einfach auch eine Frage meiner Erwartungshaltung.

Fazit

Ich mochte „Die wilden Hühner und die Liebe“ sehr gerne, auch wenn er mir teils zu monothematisch war. Die Kinder waren begeistert und wir freuen uns schon auf die nächste Fortsetzung: 7/10 Punkte.

Das Geheimnis meines Erfolges – OT: The Secret of My Success (1987)

Heute war ich nach knapp einem halben Jahr für einen kompletten Tag vor Ort im Büro. Ziemlich unglaublich und auch ungewohnt. Da ich anscheinend noch nicht genug vom Büroleben hatte, fiel die Filmwahl heute Abend auf „Das Geheimnis meines Erfolges“, den ich früher recht gerne gesehen habe. Natürlich hauptsächlichen wegen Michael J. Fox (Marty McFly, „Zurück in die Zukunft“) in einer für ihn recht typischen Rolle. Wie sich der Film sonst so schlägt?

Das Geheimnis meines Erfolges (1987) | © Koch Media GmbH

Das Geheimnis meines Erfolges (1987) | © Koch Media GmbH

Kann es einen Film geben, der mehr 80er ist?

Es gibt Filme die altern gut und es gibt Filme wie „Das Geheimnis meines Erfolges“. Filme, die ein recht genaues Zeitdokument sind, aber außerhalb ihres Entstehungszeitpunktes nur bedingt funktionieren. Damit meine ich nicht einmal den Look der 80er Jahre oder den penetranten Soundtrack. Inhaltlich komplett auf den Yuppie-Zeitgeist zugeschnitten, wirken viele Szenen heute einfach nur befremdlich. Dieses fast schon zwanghafte Aufsteigen in der Konzernwelt. Überall alte, weiße Männer. Frauen sehen höchstens gut aus oder erfüllen als Sekretärin die Rolle der Helferin. Puh. Also ein voller Rohrkrepierer?

Ich mag es manchmal ganz gerne, Filme in ihrem zeithistorischen Kontext zu sehen. Filme wie „Rambo 2: Der Auftrag“ oder eben auch diese seichte Komödie. Der reine, unbedarfte Filmgenuss ist zwar nicht mehr gegeben, doch irgendwo zwischen Reflexion und Faszination entwickelt sich durchaus ein Unterhaltungsfaktor. Regisseur Herbert Ross inszeniert die Geschichte zudem flott und mit so manch pfiffiger Idee. Mit ein paar weniger ausgedehnten Videoclip-Montagen zu Synthie-Pop hätte dann auch das Tempo gepasst. Aber auch das ist eben typisch für die 80er Jahre.

Fazit

Nein, ein guter oder empfehlenswerter Film ist „Das Geheimnis meines Erfolges“ aus heutiger Sicht nicht mehr. Aber er zeigt gut, wie die 80er Jahre aus popkultureller Sicht funktioniert haben. Michael J. Fox ringt seiner eher flachen Figur durchaus Sympathie ab und alle anderen Darsteller sind ebenfalls gut aufgelegt. Ja, irgendwie mag ich den Film trotz seiner Fehler immer noch: 6/10 Punkte.

Die wilden Hühner (2006) (WS1)

Nachdem der gemeinsame Filmabend letzte Woche ausgefallen ist, haben wir uns heute wieder zusammen vor dem Fernseher versammelt. Das Zappelinchen wollte „Die wilden Hühner“ schon länger sehen und dank Netflix war das nun auch einfach möglich. Für mich war das nicht die erste Sichtung, denn bereits 2007 habe ich den Film zum ersten Mal gesehen. Vor 13 Jahren. Damals war ich noch kein Vater. Ob sich die Änderung dieses Zustands auf die Wirkung des Films niedergeschlagen hat? 🐔

Die wilden Hühner (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilden Hühner (2006) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ein rundum gelungener Kinder- und Jugendfilm

Die Adaption von Cornelia Funkes (Autorin von u.a. „Tintentod“) Jugendroman hat inzwischen auch schon 14 Jahre auf dem Buckel. Unfassbar. Glücklicherweise sieht man das dem Film nur an, wenn man auf die Mode und Technik achtet. Ansonsten wirkt „Die wilden Hühner“ immer noch sehr frisch und ja, auch erfrischend. Die jungen SchauspielerInnen der beiden Banden spielen sympathisch und natürlich. Auch die Probleme der Kinder sind wunderbar unaufgeregt und kindgerecht, wenngleich auch schwere Themen nicht ausgespart werden.

Bei meiner ersten Besprechung habe ich noch bemängelt, dass es sich bei „Die wilden Hühner“ um einen reinen Mädchenfilm handeln würde. Diese Meinung muss ich inzwischen revidieren, denn er hat dem Zwergofanten mindestens ebenso viel Spaß gemacht, wie dem Zappelinchen. Und mir auch. Überhaupt ist die Einteilung von Filmen oder Serien nach Geschlechtervorlieben nicht sinnvoll. Das habe ich über die letzten Jahre selbst an meinen Präferenzen festgestellt.

Fazit

Wir hatten mit „Die wilden Hühner“ einen wirklich gelungenen Filmabend und ich freue mich jetzt schon auf die beiden Fortsetzungen. Das Zappelinchen kennt alle Bücher und wird mich bis zur Sichtung bestimmt noch über so manchen Hintergrund aufklären können: 7/10 Punkte.

Das Dilemma mit den sozialen Medien – OT: The Social Dilemma (2020)

Nachdem ich mich lange dagegen gesträubt hatte, habe ich seit ca. zwei Wochen auch einen Netflix-Account. In erster Linie wegen Serien (ganz konkret „Dark“), doch somit bin ich letztendlich auch in den Genuss von „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ bzw. „The Social Dilemma“ gekommen. Ob sich der Dokumentarfilm denn lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 💻📱👍

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Ein wichtiges Thema unterhaltsam aufbereitet

Rein inhaltlich muss ich gestehen, dass „The Social Dilemma“ keine neuen Informationen für mich bereit gehalten hat. Ich arbeite selbst in einem Software-Unternehmen und habe beruflich mit Social-Media-Werbung, YouTube-Algorithmen, Growth-Hacking usw. zu tun. Die Mechanismen, Chancen und Gefahren sind mir bekannt. Auch privat bewege ich mich, wie vermutlich die meisten von euch, in sozialen Netzwerken. Selbst wenn ihr nur Google oder YouTube nutzt. Der Skandal rund um Cambridge Analytica hat mir gezeigt, was die Manipulation von Nutzern in der realen Welt und abseits des Online-Marketings bewirken kann. Mit dem Schritt des Zappelinchens in die digitale Welt (wenn auch ohne Social-Media-Apps) wurde ich erneut für das Thema sensibilisiert.

Tatsächlich richtet sich die Netflix-Doku wohl am ehesten an Menschen, die eine grobe Vorstellung von den Mechanismen haben, sie aber noch nicht im Detail verstehen. Die Interviews fand ich spannend und größtenteils authentisch, die dramatisierten Spielszenen dagegen reichlich albern (Vincent Kartheiser aus „Mad Men“ spielt eine Künstliche Intelligenz in drei Ausführungen). Es ist letztendlich hochwertig produziertes Edutainment, das sich größtenteils auf die kritischen Aspekte konzentriert und diese verständlich aufbereitet. Ein wichtiges Thema, das durch die Doku hoffentlich auch ein paar Zuschauer erreicht, die sich bisher noch nicht viele Gedanken zu ihrem Nutzungsverhalten gemacht haben. Auch für mich war es erneut ein Anstoß, denn auch ich tappe immer wieder in die Falle.

Fazit

Auch wenn „The Social Dilemma“ für mich inhaltlich nichts Neues zu bieten hatte, so fand ich die Informationen doch gut aufbereitet. Die Dramatisierungen hätten sich die Macher sparen können, aber vielleicht helfen sie technisch weniger versierten Zuschauern die Zusammenhänge besser zu verstehen. Ironischerweise operiert Netflix natürlich ebenso nach dem Prinzip, ihre Nutzer möglichst lange an den Screen zu binden. Aber das wird natürlich nicht thematisiert. Dennoch lohnenswert und erhellend: 8/10 Punkte. 📴