Bait 3D: Haie im Supermarkt (2012)

Nach einem ungewöhnlich warmen Oktobertag, den wir komplett mit Gartenarbeit verbracht haben, war ich um 20 Uhr das einzige Familienmitglied, das noch wach war. Also habe ich mich mit „Bait 3D: Haie im Supermarkt“ für einen Film entschieden, den außer mir wohl niemand sehen wollte. Ob auch ich diese Wahl bereut habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

„Jetzt sind wir das Schnäppchen!“

So lautet der mehr oder minder originelle Spruch auf dem Blu-ray-Cover. Und ja, in genau solch eine Richtung geht der Film auch. Interessanterweise zieht er seine Prämisse recht konsequent und ohne bewusst eingesetzten Humor durch. Die Komik, die dennoch entsteht, ist eher unfreiwillig. Eine seltsame unausgegorene Mischung. Auch die Inszenierung ist zu professionell, um an „Sharknado“ und Co. zu erinnern, jedoch auch nicht gut genug, um vollends zu überzeugen. Der größte Schwachpunkt sind aber wohl die teils wirklich grottigen Schauspieler. Gerade Xavier Samuel in der Hauptrolle wirkt unfassbar laienhaft.

Was dagegen gut funktioniert, sind die unterschiedlichen Set-Pieces und Angriffsszenen, die wirklich alles aus dem Setting rausholen. Dabei ist „Bait 3D“ angenehm explizit und die Hai-Action weiß tatsächlich zu unterhalten. Selbst vom titelgebenden 3D-Effekt war ich positiv überrascht. Das war es dann aber auch schon.

Fazit

„Bait 3D: Haie im Supermarkt“ gehört zu den Filmen, die wohl niemand braucht. Zu schlecht um mit neueren Hai-Filmen à la „The Shallows“ oder „47 Meters Down“ mithalten zu können, aber zu gut, um Trash-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ich hatte meinen Spaß damit, war mir aber jederzeit bewusst, einen nicht sonderlich guten Film zu sehen. Kann man mal machen, muss man aber nicht: 4/10 Punkte.

Carriers (2009)

Freitagabend, Wochenende. Nach einer kurzen Woche, die sich dennoch wie zwei angefühlt hat. Trotz akuter Müdigkeit (und laufen war ich auch noch) habe ich den dringenden Wunsch verspürt, noch einen Film zu sehen. Auch aufgrund seiner knackigen Laufzeit von knapp über 80 Minuten, ist die Wahl auf „Carriers“ gefallen, der mich aufgrund seines Genres schon länger gereizt hat…

Carriers (2009) | © Splendid Film

Carriers (2009) | © Splendid Film

„Carriers“ ist ein Zombie-Film ohne Zombies

Ja, das beschreibt das post-apokalyptische Roadmovie von Àlex und David Pastor wohl ganz gut. Die Atmosphäre kommt Zuschauern von Zombie-Filmen oder -Serien wohl recht bekannt vor. Aufgrund des nahezu kompletten Ausbleibens von klassischen Horror-Elementen, treten die zwischenmenschlichen Konflikte hier noch stärker in den Vordergrund, als man das aus verwandten Genre-Klassikern kennt. Die Seuche bzw. der Virus ist tatsächlich nur der Aufhänger und wird, bis auf dessen Bedeutung für das Setting, kaum thematisiert.

Ich mochte den Roadmovie-Fokus sehr. Auch die Konzentration auf nur wenige Charaktere und deren Dynamik untereinander haben mir, bis auf wenige zu klischeehafte Ausnahmen, wirklich gut gefallen. Der Film wirkt schön konzentriert und kompakt. Seine wenigen Schauplätze werden zudem sehr effektiv eingesetzt. Durch etliche erzählerische Lücken, wirkt die Welt im Kopf des Zuschauers zudem größer als sie eigentlich ist. Überrascht hat mich auch das trostlose Ende, welches uns mit einem unguten Gefühl in den Abend entlässt. Auch das hatte ich so nicht erwartet.

Fazit

Auch wenn in Àlex und David Pastors „Carriers“ nur wenig passiert, so wusste mich gerade der Minimalismus in der Handlung und der Inszenierung zu überzeugen. Sicher kein großer Film, doch er konzentriert sich auf eine persönliche Geschichte, die ohne viel Action oder Effekte auskommt. Kein neuer Genre-Klassiker, aber durchaus sympathisch. Hat mich etwas an Tim Fehlbaums „Hell“ erinnert: 7/10 Punkte.

A Fat Wreck (2016)

Die Frau ist strawanzen, die Kinder sind im Bett. Hole ich die Gitarre raus und klampfe ein wenig oder schaue ich einen Film? Letztendlich habe ich mich für ein Mittelding entschieden und mir die Dokumentation „A Fat Wreck“ auf Prime Video angesehen. Ich bin neulich schon darüber gestolpert und war erstaunt, dass dies tatsächlich Thema für eine Doku sein kann. Als Jugendlicher dachte ich stets, meine drei Freunde und ich seien die einzigen, die diesen Sound mögen. Aber er ist ein Phänomen…

A Fat Wreck (2016) | © Something Kreative Studios

A Fat Wreck (2016) | © Something Kreative Studios

Der Soundtrack meiner Jugend

Was für ein Nostalgie-Flash! Ab und zu höre ich auch heute noch in die Songs meiner Jugend rein, doch so geballt NOFX, Lagwagon, No Use for a Name, Me First and the Gimme Gimmes, Propagandhi, Less Than Jake, Face to Face, Wizo usw. zu hören oder in Interviews zu sehen war einfach krass. Damals war diese Musik, zumindest in meinem Freundeskreis, komplett in der Nische und man wurde dafür immer etwas komisch angeschaut. Die meisten der Bands kannte ich auch von den Fat-Music-Compilations, weshalb mir selbst das Label Fat Wreck Chords ein Begriff war. Die Grenze zum anderen großen Punk-Rock-Label Epitaph Records war mir jedoch nie so bewusst. Nun diese Bands in größerem Zusammenhang zu sehen, und das nach all den Jahren, war eine kleine Offenbarung.

Die Doku ist dabei nicht neutral, sondern wurde eindeutig von Fans geschrieben und inszeniert. Dennoch kommen gerade im letzten Drittel auch ein paar kritische Stimmen zu Wort und für den Zuschauer ergibt sich ein ganz gutes Bild, wie die Dynamik bei Fat Wreck Chords wohl in den Goldenen Jahren war. Nach der sogenannten ersten Generation hatte ich auch kein Kontakt mehr zu dem Label und neuere Bands wie Rise Against sagen mir nichts mehr. Der Eindruck, den Fat Mike mit seinem Label in den prägenden Jahren (eben den 90ern) auf mich gemacht hat, bleibt jedoch unbestritten.

Fazit

Wenn euch Fat Wreck Chords nichts sagt, ihr mit melodischem Punk-Rock nichts anfangen könnt, dann könnt ihr euch diese Doku sparen. Solltet ihr jedoch einen ähnlichen musikalischen Hintergrund haben wie ich, dann schaut euch „A Fat Wreck“ an. Stark von Nostalgie geprägte 9/10 Punkte.

New Girl – Season 6

Kaum zu glauben, aber ich habe tatsächlich einmal wieder eine TV-Serie gesehen. Man merkt, dass der Hochsommer vorbei ist und wir die langen Abende nicht mehr nur auf der Terrasse verbringen. Schade eigentlich. Dennoch hat es auch Vorteile, zumindest ab und zu, wieder vor den Fernseher zu kommen. Um den Wiedereinstieg nicht zu hart zu gestalten, haben wir uns „New Girl – Season 6“ angesehen. Eine nur allzu bekannte Comedy-Serie, die man auch gut noch spät am Abend einschalten kann…

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Weiterentwicklung und doch mehr vom Gleichen

Wenig überraschend bietet „New Girl“ auch im sechsten Jahr nur wenig Neues. Okay, das stimmt nicht ganz, denn inhaltlich geht es für die Charaktere durchaus weiter. Nach ihrer Hochzeit ziehen Schmidt und Cece in ein Haus, Winston wird Ally heiraten und selbst Jess‘ Vater geht eine neue Beziehung ein. Für Jess und Nick dagegen bleibt alles beim Alten. Und für die anderen Figuren, wenn man ehrlich ist, eigentlich auch. Schließlich ist dieser Status quo auch die Erfolgsformel, nach der die Serie operiert. Das ist durchaus unterhaltsam, doch lockt dieses Rezept nach sechs Jahren eben niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Fazit

Wer im Vorjahr Spaß mit „New Girl“ hatte, der wird dem bunten Treiben auch im sechsten Jahr etwas abgewinnen können. Alle anderen haben eh schon längst abgeschaltet. Ich für meinen Teil freue mich durchaus, dass man der Serie mit der verkürzten achten Staffel immerhin einen runden Abschluss gönnt – und werde mir auch wieder anschauen: 7/10 (7.3) Punkte.

Castle – Season 8

Einmal mehr verlässt mich eine Serie, die mich schon länger begleitet. Seit 2009 um genau zu sein. Damals habe ich eigentlich nur aufgrund von Nathan Fillion in die Serie reingeschaut, da ich nach „Firefly“ und „Dr. Horrible’s Sing-Along Blog“ bereits große Stücke auf den sympathischen Schauspieler hielt. Mit „Castle – Season 8“ stand nun mit einiger Verspätung das Finale des Krimi-Procedurals auf dem Programm. Ob der Charme des Hauptdarstellers und seiner Kollegin auch dieses Jahr wieder ausgereicht hat, um die Serie zu tragen?

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Abschied von Castle und Beckett

Nachdem ich die siebte Staffel via Prime Video gesehen hatte, und die Verfügbarkeit mitten in der achten Staffel stoppte, war meine Motivation in diese unterhaltsame Krimi-Welt zurückzukehren doch eher gering. Typisch Streaming eben. Dennoch wollte ich die Serie nicht abschreiben und habe nur auf den richtigen Moment (sprich einen günstigen Preis für die DVD-Box) gewartet, um endgültig Abschied zu nehmen. Das Warten hat sich gelohnt, denn auch wenn „Castle“ im achten Jahr nichts mehr wirklich Neues bietet, so weiß die Chemie zwischen den Darstellern doch nach wie vor zu überzeugen und der Wortwitz, speziell von Nathan Fillions Charakter, ist ein steter Grund zur Freude. Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen, denn mehr als ein recht formelhaftes Krimi-Procedural hat auch das große Finale nicht zu bieten.

Wie bereits in den Vorjahren, haben mir speziell die Einzelepisoden viel Spaß gemacht, die sich ihre Prämisse öfter der Popkultur entleihen (z.B. ein Setting wie in „Saw“ oder die Origin-Geschichte eines Superhelden). Weniger überzeugt hat mich dagegen der große Handlungsstrang rund um LokSat, weil dieser auf mich stets sehr forciert und unnötig ernsthaft wirkte. Somit ergibt sich für die letzte Staffel folgende Eingliederung in das Gesamtbild:

  1. „Castle – Season 4“ (8.8 Punkte)
  2. „Castle – Season 3“ (8.6 Punkte)
  3. „Castle – Season 5“ (8.5 Punkte)
  4. „Castle – Season 2“ (8 Punkte)
  5. „Castle – Season 6“ (7.9 Punkte)
  6. „Castle – Season 7“ (7.8 Punkte)
  7. „Castle – Season 1“ (7 Punkte)
  8. „Castle – Season 8“ (7.4 Punkte)

Fazit

Auch wenn die finale Staffel von „Castle“ keinerlei neue Aspekte bietet, so hatte ich doch wieder enorm viel Spaß mit diesem sympathischen Ermittlungsteam. Leider merkt man an der letzten Episode deutlich, dass eigentlich eine Fortsetzung geplant war und das tatsächliche Finale nur schnell hinterher geschoben wurde. Das hätte die Serie nicht verdient gehabt. Ich werde dieses Krimi-Procedural dennoch als eines der besten seiner Art in Erinnerung behalten: 7/10 (7.4) Punkte.

Ratatouille (2007) (WS2)

Nach einem Samstag, den wir trotz des durchwachsenen Wetters größtenteils draußen verbracht haben, stand abends natürlich ein Film auf dem Programm. Speziell die Kinder haben sich darauf gefreut, denn wir haben die Abwesenheit der polternden Mama für einen Filmabend genutzt. Die Wahl des Films war gar nicht so einfach, da der Zwergofant immer recht schnell Angst hat. Daher dachte ich mit „Ratatouille“ eine gute Entscheidung getroffen zu haben, doch ob dem auch so war?

Ratatouille (2007) | © Walt Disney

Ratatouille (2007) | © Walt Disney

Man sollte „Ratatouille“ nicht hungrig sehen

Tatsächlich ist „Ratatouille“ der Pixar-Film, den ich in den letzten Jahren am häufigsten gesehen habe. Ich kann mir gar nicht erklären warum. Das heißt, inzwischen schon, denn die Geschichte rund um die Ratte Remy, die in Paris Erfüllung als Koch findet, ist einfach großartig erzählt. Trotz der für einen Animationsfilm ungewöhnlich langen Laufzeit sowie der unspektakulär klingenden Geschichte, ist „Ratatouille“ unfassbar unterhaltsam und die Bilder scheinen teils von der Leinwand bzw. dem Fernseher zu springen. Das fiktive Paris vibriert und die Gerichte aus Gusteaus Küche wirken zum Anbeißen lecker. Wo kann ich einen Tisch reservieren?

Auch wenn „Ratatouille“ eher dezent Spannung verbreitet und selbst der Antagonist nur wenig furchteinflößend ist, hat der Zwergofant den Film nur mit Unterbrechungen genießen können. Ich hoffe wirklich, dass dieses Jahr noch kein Kinobesuch in der Schule ansteht, denn das könnte wirklich schwierig werden. Das Zappelinchen war dagegen wieder einmal begeistert, doch von welchem Film ist sie das nicht?

Fazit

Auch wenn „Ratatouille“ von allen Pixar-Filmen vielleicht am gewöhnlichsten oder am wenigsten ausgefallen wirken mag, so besitzt er doch einen ganz eigenen Zauber, dem ich mich immer wieder gerne hingebe. Schon alleine für dieses Zitat liebe ich den Film:

„In many ways, the work of a critic is easy. We risk very little, yet enjoy a position over those who offer up their work and their selves to our judgment. We thrive on negative criticism, which is fun to write and to read. But the bitter truth we critics must face, is that in the grand scheme of things, the average piece of junk is probably more meaningful than our criticism designating it so. But there are times when a critic truly risks something, and that is in the discovery and defense of the new. The world is often unkind to new talent, new creations. The new needs friends.“

Anton Ego, „Ratatouille“ (2007)

Auch während dieser inzwischen schon dritten Sichtung habe ich viele neue Details entdeckt. Ich bin mir zudem sicher, dass dies nicht der letzte Besuch im Gusteau’s gewesen ist: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Meine teuflischen Nachbarn – OT: The ’Burbs (1989)

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche, habe ich mich unglaublich auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da ich in letzter Zeit recht viele Blu-rays gekauft habe, ist die Auswahl der noch ungesehenen Filme enorm – und dennoch habe ich mich mit „Meine teuflischen Nachbarn“ abermals für einen Klassiker der 80er Jahre entschieden. Da weiß man einfach, was man hat…

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Mehr als nur Sardinen und Bretzeln

Wie auch „Geschenkt ist noch zu teuer“ oder „Big“, gehört auch „Meine teuflischen Nachbarn“ zu jenen Tom-Hanks-Klassikern, die ich früher rauf und runter gesehen habe. An die gesamte Geschichte konnte ich mich zwar nicht mehr erinnern, doch so manche Details und Einstellung war mir noch bestens im Gedächtnis. Speziell die eher spannenden Szenen rund um die Familie Klopek. Obwohl Joe Dantes „The ’Burbs“ eine waschechte Horror-Komödie (mit Betonung auf Komödie) ist, habe ich den den Film damals als ziemlich gruselig wahrgenommen: das nächtliche Glühen im Keller, die Buddelei im Garten, die unheimlichen Geräusche. Brr, das alles hat mir damals einen Schauer über den Rücken gejagt. Heute dagegen ist der Grusel verschwunden, dafür sind die satirischen Elemente stärker in den Vordergrund getreten. Schließlich wohne ich inzwischen selbst in einem Neubaugebiet samt unheimlich eingeschworener Nachbarschaft, denen wir bestimmt manchmal auch wie die Klopeks vorkommen.

Es ist wirklich fantastisch wie tempo- und einfallsreich Joe Dante seinen Film inszeniert hat. Der Mann hat einfach ein Händchen für Horror-Komödien, was man ja auch an „Gremlins“ deutlich sieht. Überrascht haben mich auch die vielen bekannten Gesichter. So sind neben Tom Hanks unter anderem Carrie Fisher (Prinzessin Leia, „Star Wars“) und Corey Feldman („Die Goonies“, „Stand by Me“ oder „The Lost Boys“) zu sehen.

Fazit

„Meine teuflischen Nachbarn“ funktioniert auch heute noch famos, was an Joe Dantes völlig überzogener und doch treffsicherer Inszenierung sowie den lustvoll aufspielenden Darstellern liegt. Auch wenn sich meine Wahrnehmung des Films geändert hat, so hatte ich heute noch genauso viel Spaß damit, wie damals vor gut 25 Jahren. Herrlich: 8/10 Punkte.

Whiplash (2014)

Was für ein herrlicher Spätsommertag doch hinter uns liegt: Morgens mit einem Lauf gestartet, haben ich den restlichen Tag im Garten verbracht, Rasen gemäht und mit Nichten, Neffen und den eigenen Kids getobt. Herrlich! Am Abend war ich dann recht durch und habe Ausschau nach einem kompakten Film gehalten – da kam „Whiplash“ mit seinen 107 Minuten gerade recht…

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

„There are no two words in the English language more harmful than good job.„

Wow, was für ein intensiver Film. Ich habe schon viel über „Whiplash“ gehört und gelesen, doch mit welcher Kraft Damien Chazelle sein Debüt inszeniert, war dennoch eine Überraschung. Neben dem treibenden Tempo der Schlagzeugsoli, reißen vor allem die beiden Hauptdarsteller J.K. Simmons und Miles Teller mit, die spielen als ginge es um ihr Leben. Im Grunde wird eine recht einfache Geschichte erzählt, die man in jedes Setting hätte packen können. Solche Schüler-Lehrer-Beziehungen kennt vermutlich jeder in abgeschwächter Form, egal ob in der Schule, im Studium oder im Job mit Vorgesetzten. Das Identifikationspotenzial ist groß.

J.K. Simmons‘ Fletcher ist unfassbar in seiner Kompromisslosigkeit. Ein echter Soziopath. Und dennoch kann man Miles Tellers Andrew verstehen. Den geweckten Ehrgeiz. Das Bedürfnis nach Anerkennung. Das ist keine gesunde Beziehung, doch vermutlich ist sie genau deshalb so spannend und mitreißend. Einzig das Finale fand ich ein wenig zu wertend in seiner Aussage. Als wäre Fletchers Ansatz der richtige gewesen. Ich weiß nicht, ob ein anderer Ausstieg aus der Geschichte nicht kraftvoller gewesen wäre, so großartig das finale Schlagzeugsolo auch inszeniert ist.

Fazit

Man kann die Handschrift von Damien Chazelle eindeutig erkennen, ja selbst manche Songs erinnern an „La La Land“, selbst wenn dieser in einem ganz anderen Ton erzählt wird. Mich hat „Whiplash“ wirklich stark beeindruckt und ich kann ihn euch nur ans Herz legen, selbst wenn ihr mit Jazz nicht sonderlich viel anfangen könnt: 8/10 Punkte.

Die Taschendiebin – OT: Agassi – Extended Cut (2016)

Es hat sich recht spontan ergeben, dass beide Kinder heute außer Haus übernachten. Was also tun? Im Kino läuft zurzeit nichts Interessantes, also sind wir (wie die Rentner um 17:30 Uhr) essen gegangen und waren schon recht bald wieder zu Hause. Viel Zeit für eine passende Abendunterhaltung, weshalb wir uns für die Langfassung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ entschieden haben. Spoiler sind zu erwarten.

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Es kommt ganz auf die Perspektive an

Eigentlich weiß man über den Film bereits zu viel, wenn man die Inhaltsbeschreibung auf dem Cover liest. Die erste Wendung ereilt uns unwissende Zuschauer jedoch bereits nach ca. einer halben Stunde, weshalb das noch zu verschmerzen ist. Danach hält uns der Film mit seinen unterschiedlichen Erzählperspektiven jedoch gehörig auf Trab. Ich wurde wirklich mehrfach überrascht und bin trotz der Laufzeit von beinahe drei Stunden stets aufmerksam am Ball geblieben. Inhaltlich ist „Die Taschendiebin“ wahrlich ergiebig. Zusammen mit der eleganten bis pompösen Inszenierung ergibt sich ein faszinierendes Gesamtbild, das beständig zwischen Arthouse und Exploitation schwankt. Zumindest wenn man den Film auf seine Extreme beschränkt. Dazwischen bietet die Geschichte jedoch etliche ergiebige Details, die viel Freude bereiten.

Während der ersten halben Stunde hat sich „Die Taschendiebin“ für mich noch etwas sperrig angefühlt. Eher nach südkoreanischem Kostümdrama als einem mitreißenden Mystery-Drama. Wie bereits in „Oldboy“ begibt sich Park Chan-wook jedoch auch hier schon bald in Abgründe und bereitet seinen Figuren so manch schmerzhaften Moment. Dabei hält der Film für die beiden Hauptcharaktere ein glückliches Ende parat. Das war für mich letztendlich wohl auch die größte Überraschung an „Die Taschendiebin“.

Erotik als fester Bestandteil der Geschichte

Park Chan-wook inszenierte seinen Film ziemlich explizit, gerade was die Sexszenen angeht. Selten hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese weniger dem Voyeurismus dienen, als ein essenzieller Bestandteil der Geschichte sind. Die Männer spielen in diesem Film, auch wenn es zu Beginn anders wirken mag, eine eher untergeordnete Rolle. Und sie kommen nie zum Zug, was den sexuellen Befreiungsschlag der beiden Protagonistinnen in der Mitte des Films umso eindringlicher wirken lässt. Neben seiner erotischen Komponente, besitzt der Film auch Humor, viel Drama und lässt uns Zuschauer an mehreren Mysterien teilhaben. Eine sehr ungewöhnliche Mischung, gerade wenn man, wie ich, eher Hollywood-Kino gewöhnt ist.

Fazit

Trotz seiner Andersartigkeit, oder gerade deshalb, konnte mich „Die Taschendiebin“ in vielerlei Hinsicht überraschen. Der Genremix ist ziemlich unvergleichlich und führt nicht nur seine Charaktere auf die falschen Fährten. Umso erstaunlicher, dass sich der Film zu keiner Sekunde zäh oder langatmig anfühlt. Für mich ein wahrlich besonderes Filmerlebnis, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 Punkte.

A Quiet Place (2018)

Aktualisierung: Ich habe „A Quiet Place“ am 28. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der letzte Urlaubsabend. Das Wetter ist immer noch trüb und grau. Die besten Voraussetzungen also, um einen Film zu schauen. Nachdem es gestern mit „Die Schöne und das Biest“ eher heiter zuging, habe ich mich heute mit „A Quiet Place“ dem stillen Horror zugewandt. Ob der ziemlich gehypte Genrefilm seinem Ruf tatsächlich gerecht wird, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich habe es schon öfter erwähnt: Ich mag Filme, deren Prämisse sich in einem Satz festhalten lässt und die dennoch so faszinierend ist, dass sie eine komplette Welt eröffnet. Zu diesen Filmen gehört auch „A Quiet Place“: Eine Welt, in der es tödlich ist, Geräusche zu machen. So einfach und doch so genial. Neben seiner Prämisse, hat mich speziell John Krasinski in Personalunion (Drehbuch, Regie, Hauptdarsteller) gereizt, den ich seit seiner Rolle als Jim Halpert in der TV-Serie „The Office“ liebe. An Krasinskis Seite spielt seine Ehefrau Emily Blunt, was auch die perfekte On-Screen-Chemie erklärt. Komplettiert wird das Ensemble durch exzellente Kinderdarsteller, u.a. die gehörlose Millicent Simmonds, was den Film noch einmal sympathischer macht.

Für mich ist Ausgangssituation perfekt aufgegangen: An mögliche Logiklöcher habe ich keinen Gedanken verschwendet, so mitreißend ist die Geschichte inszeniert. Stets steht die Familie im Mittelpunkt und auf billige Schockeffekte wird nur selten zurückgegriffen. Der Film funktioniert einfach. Einzig das durchaus effektive Monsterdesign wirkt ein wenig generisch und ich hätte es noch besser gefunden, wenn man die Kreatur nicht so häufig gesehen hätte. „A Quiet Place“ macht hier schon vieles richtig, doch in so mancher Szene wirkt die Zurschaustellung der ILM-Kreation fast ein wenig selbstverliebt. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt.

Fazit

Auch wenn „A Quiet Place“ letztendlich keine komplett neue Geschichte erzählt, so spielen alle Versatzstücke doch perfekt zusammen. Hinzu kommt, dass Krasinski die Handlung in 90 Minuten unterbringt und nicht auf zweieinhalb Stunden aufbläst, wie es heute so gerne gemacht wird. Ein sympathischer Horror-Thriller, der uns öfter einmal genauer hinhören lässt: 8/10 Punkte.