Pixels (2015)

Heute haben wir zum ersten (und vermutlich auch einzigen) Mal in diesen Ferien etwas unternommen: Wir waren mit Freunden im Indoor-Spielplatz und die Kids hatten Zeit nach Lust und Laune zu toben. Am Nachmittag ging dann unser Projekt Keller weiter, was uns am Abend ganz schön platt auf das Sofa fallen ließ. Mit „Pixels“ fiel die Wahl deshalb auf einen Film, der nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit erfordern dürfte…

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Knallbuntes Popcorn-Kino in Pixelform

Ich kann mit Adam Sandler nicht sonderlich viel anfangen. Allerdings hat mich die Idee hinter „Pixels“ zu sehr gereizt, als dass ich den Film hätte ignorieren können. Leider waren die Kritiken allesamt ziemlich unterirdisch, so dass ich mich auf das Schlimmste eingestellt habe. Und was soll ich sagen? Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen. Sicher reitet der Film die Nerd-Retro-Welle ziemlich tot, doch damit ist er ja in bester Gesellschaft. Auch der Humor ist bei Weitem nicht so zotig, wie ich das von einem Adam-Sandler-Film befürchtet hätte. Vielleicht liegt das auch daran, dass mit Chris Columbus ein sehr erfahrener Regisseur im Genre der Familienfilme (z.B. „Kevin: Allein zu Haus“) am Werk war. Der Film ist immer noch sehr überzogen und der Humor flach, doch konnte ich mich durchaus an der Absurdität erfreuen.

Beim Erscheinen im Jahr 2015 war es vermutlich einfach zuviel für die Zuschauer, dass Kevin James (Doug aus „The King of Queens“) den US-Präsidenten spielt. Aus heutiger Sicht wirkt das leider schon gar nicht mehr so absurd. „Pixels“ nimmt sich hier nicht sonderlich ernst und spielt seine absurde Prämisse komplett aus. Natürlich sind es gerade die jahrelang verachteten Nerds, die am Ende den Tag retten. Und die heißen Frauen abbekommen. Klar. Endlich zahlt es sich aus, die gesamte Jugend mit Videospielen verbracht zu haben. Boom. Das alles wird aber so überzogen dargestellt (besonders herrlich ist Peter Dinklage als Fireblaster), dass man die Geschichte einfach nicht ernst nehmen kann. Aber vielleicht war dieser unstete Ton (stets schwankend zwischen Familienfilm, platter Komödie und Nerd-Fest) auch das Problem des Films.

Fazit

Auch wenn „Pixels“ bei Weitem kein großes Kino ist, so hatte ich doch viel Spaß damit. Er ist teils sehr liebevoll gemacht (z.B. das 8-Bit-Outro) und bietet rasante Action-Szenen mit netten (aber stets offensichtlichen) Referenzen. Den Hass, den man aus einigen Besprechungen herausliest, kann ich nicht nachvollziehen. Einfach eine nette Actionkomödie mit ungewöhnlichem Setting: 6/10 Punkte.

Es – OT: It (2017)

Am Halloween-Abend musste natürlich ein Horror-Film in den Player wandern. Nachdem schon alle Nachbarskinder geklingelt hatten, erhofften wir uns dafür auch die nötige Ruhe. Und tatsächlich sollten wir die Neuverfilmung von „Es“ völlig ungestört und in einer für Horror perfekten Stille erleben. Ob mich der Film deshalb, wie erwartet, zu packen wusste?

Es (2017) | © Warner Home Video

Es (2017) | © Warner Home Video

Keine Angst vor diesem Clown

Eigentlich bringt „Es“ alles mit, was ich an Filmen liebe: Eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die Erinnerungen an „Standy by Me“ oder „Die Goonies“ weckt, die 1980er Jahre als atmosphärische Kulisse und gezielt eingesetzte Horrorelemente. Was soll da noch schief gehen? Zumal ich ja bereits den 1990er TV-Film immer noch sehr mag und ich daran nur die zweite Hälfte und speziell das Finale schwach finde. Hier nimmt sich Regisseur Andrés Muschietti nun 135 Minuten Zeit, um den famosen ersten Teil der Geschichte zu erzählen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich darauf gefreut habe. Und zu Beginn sah auch alles noch gut aus…

Stammleser meines Blogs wissen, dass ich ein ziemlicher Angsthase bin, wenn es um Horrorfilme geht. Ich liebe das Genre zwar, doch sitze ich bei jedem zweitklassigen Geisterfilm fast schon hinter dem Sofa. Kurz: Ich bin sehr empfänglich für Grusel, Atmosphäre und jegliche Art von unterstützender Inszenierung. Selbst den 1990er „Es“ fand ich, zumindest in der ersten Hälfte, tatsächlich ziemlich unheimlich. Bei der aktuellen Neuverfilmung jedoch habe ich davon absolut nichts gespürt. Pennywise ist ein müder Abklatsch der Tim-Curry-Version und die Schockeffekte werden viel zu plakativ eingesetzt. Selbst ich habe diese zehn Meilen gegen den Wind gerochen. Viel zu viel CGI, viel zu wenig Stimmung, Atmosphäre und kreative Einfälle. Gegruselt habe ich mich nicht. Und das mag etwas heißen.

Die 80er Jahre in (zu) perfekter Kinoversion

Viel besser als die Horrorelemente hat für mich der Coming-of-Age-Teil funktioniert: Die Kleinstadtatmosphäre wurde (fast schon zu) perfekt getroffen und ich mochte gerade die unbeschwerteren Szenen zwischen den Kids. Das hatte Gefühl und ich hätte gerne mehr Zeit mit ihnen verbracht. Doch auch hier wirkte alles fast schon schablonenhaft an den Erwartungen ausgerichtet. Alles ein wenig zu perfekt, ja zu kulissenhaft. Die Bösen sind so richtig böse, die Loser zu bewusst als Außenseiter gezeichnet, die Schauplätze (z.B. die Gruselvilla) zu plakativ inszeniert usw. Einfach drei Schippen zu viel von allem. Man merkt, dass hier ein Idealbild des 80er-Jahre-Kinos gezeichnet werden sollte. Oberflächlich ist das auch gelungen, doch zwischen den Zeilen lässt der Film eben diesen besonderen Charme vermissen.

Fazit

Auch wenn ich nun fast nur aufgezählt habe, was mich an der Verfilmung stört (es ist die Enttäuschung, die aus mir spricht), so hatte ich doch viel Spaß mit „Es“. Ich mochte die Stimmung und die Bilder des Films sehr gerne. Auch die Rollen sind toll besetzt. Man spürt die Harmonie zwischen den Charakteren. Allerdings ist „Es“ eben nicht der erwartete Coming-of-Age- und Horror-Überhit, den ich erwartet hatte. Nein, es ist nur eine mit modernen Mitteln überproduzierte Neuauflage der klassischen Geschichte. Nun bin ich tatsächlich gespannt, was Muschietti und Co. aus dem schwierigeren zweiten Kapitel machen. Hier sollte es nicht schwer sein, die 90er-Jahre-Fassung zu übertrumpfen: 7/10 Punkte.

Asterix der Gallier – OT: Astérix le Gaulois (1967)

Was für ein Tag! Das Zappelinchen hatte heute eine kleine, ambulante OP (sie war sooo tapfer!), ich habe zehn Stunden im Keller verbracht und Möbel aufgebaut (der Zwergofant war mir dabei eine große Hilfe) und Frau bullion war abends einmal wieder strawanzen. Aufgrund der tollen Leistungen der Kinder, war ein Fernsehabend als Belohnung gesichert. Die Entscheidung ist auf „Asterix der Gallier“ gefallen, von dem ich mir einen entspannten Filmabend für alle Zuschauer erhoffte…

Asterix der Gallier (1967) | © STUDIOCANAL

Asterix der Gallier (1967) | © STUDIOCANAL

Auch nach über 50 Jahren noch unterhaltsam

Ich muss zugeben, dass es gerade der erste Asterix-Film bei mir damals eher selten in den Videorekorder geschafft hat. „Asterix erobert Rom“ war unangefochten an der Spitze, doch selbst die anderen Filme haben den ersten filmischen Auftritt des Galliers stets verdrängt. Die Geschichte ist zu gewöhnlich und der Zeichenstil nicht sonderlich ausgefeilt. Das habe ich selbst als Kind gemerkt – und dennoch habe ich ihn über die Jahre immer mal wieder gesehen. Da der Zwergofant neulich eine Asterix-CD aus der Bücherei mitbrachte, dachte ich, es sei vielleicht eine gute Idee, die Kinder an dieses europäische Kulturgut heranzuführen. Und das war es auch.

Mir waren viele Szenen noch im Kopf und manche Sätze der Neusynchro aus dem Jahr 1984 hatten sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Allerdings hatte ich auch die Befürchtung, dass „Asterix der Gallier“ für die Kinder zu angestaubt wirken könnte. Die Animationen sind nicht gut gealtert und man merkt, dass der Film bereits damals nicht alles aus dem Stoff herausgeholt hat. Aber was soll ich sagen? Es war der erste Film, bei dem der Zwergofant keine Angst hatte. Das Zappelinchen hat ein paar Mal laut gelacht. Und ich? Ich habe mich einfach an den Reaktionen der Kinder erfreut.

Fazit

Nein, „Asterix der Gallier“ ist auch aus heutiger Sicht mit dicker Nostalgie-Brille kein großer Klassiker des Animationsfilms. Es sind die ersten Gehversuche des Galliers in einem neuen Medium. Aufgrund der gelungenen Rahmenbedingungen und des stressigen Tages mit Happy End, drücke ich aber gerne zwei Augen zu und lasse die Bewertungen der Kinder mit einfließen: 7/10 Punkte. Der nächste Asterix-Abend ist schon beschlossen… 🙂

Wind River (2017)

Nachdem ich mir heute beim Kauf von fünf großen Schränken für unseren Keller (ja, wir sind mit zwei Autos beim Möbelhaus angerückt) den Rücken ruiniert habe, wollte ich am Abend nur noch auf das Sofa. Ich wollte einen Film ohne zu viel Action und Aufregung sehen und habe deshalb zu „Wind River“ gegriffen, der Dank eines Gewinnspiels von Passion of Arts seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat…

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

„Luck don’t live out here.“

Ich habe im Vorfeld gar nicht viel über den Inhalt von „Wind River“ in Erfahrung gebracht. Einzig der Name Taylor Sheridan hat mich aufhorchen lassen, hat er doch in den ersten beiden Staffeln von „Sons of Anarchy“ eine bedeutende Rolle gespielt. Auch als Drehbuchautor war mir Sheridan ein Begriff und nun also sein (von einem kleinen Horror-Streifen einmal abgesehen) Regie-Debüt. Und ein ziemlich beeindruckendes: Der Regisseur hat sein eigenes Drehbuch, das mit spröden Dialogen angereichert ist, in eine ebensolche Landschaft versetzt. Die Inszenierung ordnet sich der der kargen, weißen Welt unter. Nur selten explodiert die Gewalt. Wenn, dann aber richtig. Am Ende bleibt nur ein unbestimmt bedrückendes Gefühl zurück. Chapeau, Herr Sheridan: Das ist verdammt viel für solch einen an sich eher simplen Kriminalfilm.

„This isn’t the land of waiting for back up. This is the land of you’re on your own.“

Die beiden Hauptdarsteller Jeremy Renner und Elizabeth Olsen haben mich beide sehr positiv überrascht. Überhaupt ist die Besetzung, bis hin zum Opfer und den Tätern, sehr gelungen. Sheridan holt auch genau das aus den Schaupielern heraus, was in den jeweiligen Szenen nötig ist. Keinen Deut mehr. Vielleicht liegt es auch an der kargen Landschaft, dass der gesamte Film sehr effizient inszeniert wirkt. Als wollte man keinerlei unnötige Energie verschwenden. Das trifft auch auf die Rückblende im letzten Drittel des Films zu, die mich getroffen hat, wie schon lange keine Szene mehr, die filmische Gewalt zeigt. Wirklich harter Tobak, den ich erst noch verdauen muss.

Fazit

„Wind River“ wird seinem guten Ruf absolut gerecht. Taylor Sheridan hat auch als Regisseur Talent bewiesen und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch kommt. Selbst wenn es sich hierbei nur um eine recht geradlinige Kriminalgeschichte handelt, so überzeigt der Film durch seine Stimmung und Atmosphäre. Er ist komplett auf das Wesentliche reduziert und das macht ihn auch so stark: 8/10 Punkte.

Westworld – Season 1

Jetzt, da es wieder kälter wird, komme ich langsam dazu, den sich bei mir aufgestauten Backkatalog an TV-Serien abzuarbeiten. Einer der großen Serien-Hypes im Jahr 2016 war „Westworld – Season 1“ und nun bin auch ich endlich dazu gekommen, mir selbst ein Bild von der Serie zu machen. Ob die HBO-Produktion Michael Crichtons 70er-Jahre-Film „Westworld“ gerecht wird?

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Do Androids Dream of Electric Sheep?

Als nächstes großes Ding nach „Game of Thrones“ angekündigt, erweist sich „Westworld“ zunächst als deutlich sperriger als der große HBO-Hit. Die Geschichte ist komplex, die Handlungsebenen mehrschichtig und die Chronologie gebrochen. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Zudem sollte man als Zuschauer auch ein gewisses Faible für Sci-Fi-Themen rund um künstliche Intelligenz mitbringen. Wer jedoch Michael Crichtons Original sowie die beiden Filme im „Blade Runner“-Universum mochte, der dürfte mit der Serie rund um den futuristischen Freizeitpark „Westworld“ mehr als nur glücklich werden.

Auf die Handlung mag ich im Detail gar nicht so sehr eingehen, da es ein paar Wendungen gibt, die nicht im Vorfeld verraten werden sollten. Aufmerksame Zuschauer sollten diese aber bereits im Vorfeld erahnen, so dass, zumindest bei mir, die großen Überraschungsmomente ausgeblieben sind. Vielleicht liegt darin aber auch die Stärke der Serie: Jonathan Nolan und sein Team verlassen sich eben nicht auf plumpe Twists, sondern erzählen ein komplexes Gesamtbild. Dieses ist nicht immer komplett schlüssig, erzeugt aber einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Nur selten wollen manche Erzählstränge (z.B. alles um Lee Sizemore) nicht so wirklich zünden. Gerade im Mittelteil der Staffel gibt es kleinere Schwächen, die vom starken Einstieg und Finale jedoch wieder mehr als wett gemacht werden.

Western trifft auf Science-Fiction

Die Inszenierung der Serie ist über jeden Zweifel erhaben. Landschaftsaufnahmen, die einem John-Ford-Western gut zu Gesicht stünden, wechseln sich mit High-Tech-Laboren ab. Alles wirkt extrem hochwertig produziert, was für uns Zuschauer eine reine Freude ist. Auch typisch für HBO ist der hohe Anteil an Sex und Gewalt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt, zumal diese Elemente auch inhärenter Bestandteil der Geschichte rund um den Freizeitpark sind. Zudem fand ich besonders famos, dass die Serie sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch durchaus eine Fortsetzung des 1973er Films sein könnte.

Fazit

Nachdem ich nun das 90-minütige Finale gesehen habe, bin ich umso begeisterter von der Serie und würde am liebsten sofort weiterschauen. Zwar sind die Kritiken zur zweiten Staffel eher verhalten, doch werde ich mir definitiv selbst ein Bild davon machen. Die erste Staffel von „Westworld“ ist unbestreitbar sehr sehenswert, gerade für Sci-Fi-Fans, die mit dem 70er-Jahre-Kino aufgewachsen sind. Wie nicht anders zu erwarten, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 (9.1) Punkte.

The Founder (2016)

Nachdem wir heute den ganzen Tag unseren Keller gestrichen haben, waren wir am Abend ziemlich platt. Auf einen Film wollte ich dennoch nicht verzichten und somit ist kurzerhand „The Founder“ in den Player gewandert – und damit lustigerweise nach „Beetlejuice“ erneut ein Film mit Michael Keaton, nur eben 28 Jahre später, in der Hauptrolle…

The Founder (2016) | © Splendid Film

The Founder (2016) | © Splendid Film

Einen Burger, Pommes und ein Milchshake, bitte!

Wie auf dem Cover der Blu-ray zurecht steht, schreibt das Leben tatsächlich die besten Geschichten. Umso erstaunlicher, dass der Aufstieg von McDonald’s erst 2016 für das Kino adaptiert wurde. Es ist der typische Amerikanische Traum und zwar in all seinen Facetten: Glaube an harte Arbeit, Beharrlichkeit, Erfindungsreichtum und letztendlich auch Skrupellosigkeit – es ist alles dabei. Und ja, es ist wirklich eine faszinierende Geschichte, wie aus einer kleinen und doch genialen Idee, ein weltumspannendes Unternehmen entstehen konnte.

Anfangs hat sich „The Founder“ noch ein wenig wie ein Werbefilm angefühlt, doch spätestens durch Ray Krocs (toll gespielt von Michael Keaton) immer skrupellosere Vorgehensweise, trat dieses Gefühl immer mehr in den Hintergrund. Neben Keaton habe ich mich besonders gefreut, Nick Offerman (bekannt aus „Parks and Recreation“) in einer größeren Rolle zu sehen.

Fazit

Im Grunde erzählt „The Founder“ eine typische Aufstiegsgeschichte. Alles passiert ziemlich genau so, wie man es auch erwartet. Fast schon ein wenig zu glatt und perfekt. Für mich war es spannend zu sehen, wie es zum Aufstieg der Marke kam, jedoch wird der Film darüber hinaus bei mir wohl keinen großen Eindruck hinterlassen. Einfach eine sehenswerte, filmische Biographie: 7/10 Punkte.

Beetlejuice (1988)

Aktualisierung: Ich habe „Beetlejuice“ am 1. November 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Mit dem heutigen Abend starten wir in die Herbstferien. Auch im habe Urlaub, der zwar mit allerlei Arbeiten im Haus verplant ist, auf den ich mich aber dennoch sehr freue. Schon alleine deshalb, weil ich damit auch wieder mehr Zeit für Filme finde. Und der erste Film des Urlaubs war mit „Beetlejuice“ ein alter Bekannter…

Beetlejuice (1988) | © Warner Home Video

Beetlejuice (1988) | © Warner Home Video

Trügende Erinnerungen an großen Horror

Ich hatte früher einen Freund, der eine große VHS-Sammlung besessen hat. Auch „Beetlejuice“ war Teil davon. Es war einer der Filme, die immer und immer wieder im Videorekorder gelandet sind. Ich muss damals zwischen 10 und 14 Jahre alt gewesen sein, als wir die Horror-Komödie zu unserem Standardprogramm zählten. Unzählige Sichtungen folgten, die manche Szenen des Films in mein Gehirn eingebrannt haben. Allerdings blieb die Erinnerung bei diesen Szenen hängen: Der Unfall am Anfang, das Wartezimmer in der Zwischenwelt und die Auftritte von Beetlejuice. Der Film kam mir ziemlich düster vor und ich weiß noch, dass ich ihn teils wirklich gruselig fand. Zudem war Beetlejuice klar das Zentrum des Films. Oder etwas nicht?

Heute wirkt der Film ein wenig anders: ziemlich klamaukig und teils wunderbar altmodisch. Michael Keaton hat als Beetlejuice (oder Betelgeuse) nur ca. 15 Minuten Screentime, was ich niemals vermutet hätte. Die Hauptdarsteller Alec Baldwin und Geena Davis waren mir damals auch noch kein Begriff. Zudem dauert es geschlagene 45 Minuten, bis Beetlejuice überhaupt das erste Mal die Bühne betritt. Dennoch funktioniert der Film, auch aus heutiger Sicht, gerade deshalb so gut: Er baut eine schlüssige Welt auf und schmeißt uns mit den verstorbenen Hauptfiguren in eine klassische Fish-Out-of-Water-Situation. Diese ist herrlich unterhaltsam und mit vielen tollen visuellen Ideen erzählt. Man kann Tim Burtons Stil eindeutig identifizieren, ohne dass es sich, wie in vielen seiner neueren Filme, übertrieben anfühlt.

Fazit

Tim Burtons „Beetlejuice“ ist auch heute noch ein großer Spaß, der von seiner liebevollen Inszenierung und tatsächlich Michael Keatons völlig entfesseltem Auftritt als Betelgeuse lebt. Es ist mir immer wieder eine Freude, den Klassikern meiner Jugend einen Besuch abzustatten. Dieser Film hier ist keine Ausnahme: 8/10 Punkte.

Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 2: Authority (Jeff Vandermeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 2: Authority (Jeff Vandermeer)Während ich „Annihilation“, den ersten Teil der Southern-Reach-Trilogie, noch innerhalb eines Monats verschlungen hatte, habe ich am Nachfolger „Authority“ deutlich länger gelesen. Größtenteils liegt das wohl am famosen Sommer, denn die Zeit für entspannte Lesestunden war aufgrund der Konkurrenz durch Freibad und Co. deutlich reduziert. Doch auch inhaltlich gestaltete sich Jeff Vandermeers sperriger als gedacht, denn die Fortsetzung bewegt sich in eine Richtung, die ich zuvor so nicht erwartet hatte. Ob sich das Weiterlesen dennoch lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

„So long as you don’t tell people you don’t know something, they’ll probably think you know it.“

Alles ist anders. Wir befinden uns nicht mehr in Area X und mit Control wird uns eine komplett neue Hauptfigur vorgesetzt. Puh. Der Handlungsort ist in diesem zweiten Buch das Hauptquartier der geheimnisvollen Organisation The Southern Reach, die bei genauerer Betrachtung wie eine angestaubte Division der CIA der 70er Jahre wirkt. Überall Bürokratie und nur wenig Wissenschaft oder Horror. Zwar setzt der Autor diese Elemente immer noch zielsicher ein und kreiert teils eine Atmosphäre, die von Paranoia und Unwohlsein geprägt ist, jedoch bleibt am Ende ein recht karges und trockenes Gesamtbild übrig. Gerade im letzten Viertel nimmt die Geschichte dann ein wenig mehr Fahrt auf, was ich durchaus positiv wahrgenommen habe. Doch selbst die großen Enthüllen empfand ich nicht als sonderlich überraschend.

Ziemlich begeistert war ich wieder von Jeff Vandermeers Sprache, die – ähnlich zum Vorgänger „Annihilation“ – eine perfekte Spiegelung des Inhalts ist. Man kann sich wunderbar in Control hineinversetzen, der gegen das System und die bedrückende Umgebung des Southern-Reach-Hauptquartiers ankämpft. Dennoch hätte ich mir hier ein wenig mehr Fokus auf die eigentliche Geschichte gewünscht.

Fazit

Inzwischen habt ihr bestimmt bemerkt, dass ich von „Authority“ nicht ganz so begeistert war, wie noch von „Annihilation“. Das Buch ist gut geschrieben und ich verstehe auch, warum Vandermeer diese Richtung eingeschlagen hat. Mir ist es aber zu viel Paranoia-CIA-Thriller und zu wenig Sci-Fi-Horror. Das Finale weckt die Hoffnung, dass es in „Acceptance“ wieder in die andere Richtung geht. Oder in eine ganz andere. Ich bin auf jeden Fall gespannt: 7/10 Punkte.

Attack the Block (2011)

Nachdem ich heute dem Hungertod nur knapp entronnen war, stand natürlich ein Film auf dem Programm. Da der wirklich (un)gemütliche Teil des Oktobers noch ein wenig auf sich warten lässt, habe ich mir die besonders gruseligen Filmerlebnisse noch ein wenig aufgehoben, mich mit „Attack the Block“ aber zumindest ein wenig in Richtung #Horrorctober bewegt…

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Old Kids on the Block vs. Alien Gorillas

Der Film ist damals alleine durch Nick Frosts (bekannt aus „Spaced“ oder „Shaun of the Dead“) Beteiligung auf meinem Radar aufgetaucht. Zu einer Sichtung konnte ich mich aber nie hinreißen lassen, da mich das restliche Setting nicht sonderlich gereizt hat. Ich befürchtete aufgesetztes Pseudo-Gangster-Gehabe von ein paar Kids und forciert wirkende Coolness. In der Zwischenzeit hatte ich aber so viel Gutes von „Attack the Block“ gehört, dass die Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden, endlich gekommen war. Und was soll ich sagen? Ich bin ziemlich begeistert.

Ja, zu Beginn ist es schon ungewohnt, sich in dieser Welt zu bewegen. Der Jugendslang ist schwer zu verstehen und doch wirkt er nicht aufgesetzt. Selten hatte ich das Gefühl, solch authentisch wirkenden Dialogen zwischen Teenagern beizuwohnen. Auch der Humor, samt popkultureller Anspielungen, wird treffsicher eingesetzt und ich hatte öfter ein Grinsen im Gesicht. Dies mag auch an den unverbrauchten Darstellern liegen. Gerade John Boyega (u.a. „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) hat hier so viel mehr zu bieten, als in seiner Rolle des Finn im letzten „Star Wars“-Streifen. Besonders clever gewählt war zudem das Monster-Design: Man sieht quasi stets nur den Umriss und das leuchtende Gebiss, was einerseits dem Budget zugute kommt, andererseits aber auch einen gewissen Interpretationsspielraum lässt. Toll!

Fazit

Auch wenn „Attack the Block“ weder eine sonderlich originelle noch überraschende Geschichte erzählt, so wirkt der inzwischen bereits sieben Jahre alte Filme unfassbar frisch und dynamisch. Regisseur Joe Cornish hat wahrlich ein Händchen für energetische Inszenierung und ich bin jetzt schon gespannt, welches Projekt er als nächstes auf die Beine stellt: 8/10 Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1

Nach langer Zeit habe ich einmal wieder eine brandaktuelle Serie gesehen. Also so richtig aktuell. Wie ist das möglich? Bei Prime Video ist mit „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1“ eine Serie angelaufen, die tatsächlich mein Interesse geweckt hat. In den letzten Monaten habe ich mich mit „Jagd auf Roter Oktober“ und „Die Stunde der Patrioten“ zu den filmischen Wurzeln dieses Franchises begeben. Zudem sehe ich John Krasinski schon seit „The Office“ und aktuell auch „A Quiet Place“ sehr gerne, so dass ich gespannt war, wie er sich in solch einer actionreichen Serie schlägt…

Tom Clancy's Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

„24“ trifft auf „Homeland“ und etwas „The Office“

Der Serienhit „24“ gehörte damals, Anfang der 2000er, zu den ersten Serien, die ich leidenschaftlich verfolgt hatte. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war das Setting höchst aktuell und hat ein packendes, aber auch recht reaktionäres Bild des Kampfes gegen den Terror gezeichnet. Heute würde das Action-Drama in dieser Form nicht mehr funktionieren. Bereits 2011 hat „Homeland“ gezeigt, dass das Trauma der Ereignisse von vor 10 Jahren tiefere Wunden hinterlassen hat, und Action und Folter nicht die alleinigen erzählerischen Mittel sind. Noch einmal 7 Jahre später steht nun mit „Jack Ryan“ die nächste Serie rund um den Terror in den Startlöchern. Wie bereits erwähnt, basiert sie auf Tom Clancys Romanen, die bereits mehrfach verfilmt wurden. Nun geht es jedoch zurück zu den Anfängen des Charakters und in ein modernes Setting – und das funktioniert auf jeder Ebene famos.

Die Serie verbindet gekonnt große Spannung und harte Action mit gut geschriebenen Charakteren, denen wir uns als Zuschauer nahe fühlen können. Gerade John Krasinski, der wohl nicht die naheliegendste Besetzung ist, bringt für Jack Ryan einen riesigen Sympathiebonus. Sein Charakter zweifelt durchaus auch einmal und ist nicht immer der strahlende Held. Die selbstzerstörerische Natur der CIA-Arbeit hält sich, im Gegensatz zu Carrie Mathison aus „Homeland“, jedoch in Grenzen. Die Serie ist unterhaltsam, scheut aber auch nicht davor zurück, drastische Bilder zu zeigen oder brisante Themen (z.B. Flüchtlingskrise, Einsatz von Drohnen) anzusprechen. In manchen Szenen wurden gar Erinnerungen an „Zero Dark Thirty“ wach. Eine wirklich packende Mischung, die ich so nicht erwartet hatte.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert  von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sein würde. Mit dieser Produktion ist Amazon tatsächlich ein großer Wurf gewonnen. Extrem unterhaltsam und doch auch reflektiert und teils kritisch erzählt. Ein Terror-Thriller für das Jahr 2018. Durch den kompakten Rahmen von acht Episoden, ist das Erzähltempo extrem hoch und man könnte die Serie, wenn man denn die Zeit hat, bestimmt gut an zwei Tagen bingen, wie es die Kids heute so machen. Ein famoser Einstand von John Krasinski als Jack Ryan. Gerne mehr davon: 9/10 (8.8) Punkte.