The Founder (2016)

Nachdem wir heute den ganzen Tag unseren Keller gestrichen haben, waren wir am Abend ziemlich platt. Auf einen Film wollte ich dennoch nicht verzichten und somit ist kurzerhand „The Founder“ in den Player gewandert – und damit lustigerweise nach „Beetlejuice“ erneut ein Film mit Michael Keaton, nur eben 28 Jahre später, in der Hauptrolle…

The Founder (2016) | © Splendid Film

The Founder (2016) | © Splendid Film

Einen Burger, Pommes und ein Milchshake, bitte!

Wie auf dem Cover der Blu-ray zurecht steht, schreibt das Leben tatsächlich die besten Geschichten. Umso erstaunlicher, dass der Aufstieg von McDonald’s erst 2016 für das Kino adaptiert wurde. Es ist der typische Amerikanische Traum und zwar in all seinen Facetten: Glaube an harte Arbeit, Beharrlichkeit, Erfindungsreichtum und letztendlich auch Skrupellosigkeit – es ist alles dabei. Und ja, es ist wirklich eine faszinierende Geschichte, wie aus einer kleinen und doch genialen Idee, ein weltumspannendes Unternehmen entstehen konnte.

Anfangs hat sich „The Founder“ noch ein wenig wie ein Werbefilm angefühlt, doch spätestens durch Ray Krocs (toll gespielt von Michael Keaton) immer skrupellosere Vorgehensweise, trat dieses Gefühl immer mehr in den Hintergrund. Neben Keaton habe ich mich besonders gefreut, Nick Offerman (bekannt aus „Parks and Recreation“) in einer größeren Rolle zu sehen.

Fazit

Im Grunde erzählt „The Founder“ eine typische Aufstiegsgeschichte. Alles passiert ziemlich genau so, wie man es auch erwartet. Fast schon ein wenig zu glatt und perfekt. Für mich war es spannend zu sehen, wie es zum Aufstieg der Marke kam, jedoch wird der Film darüber hinaus bei mir wohl keinen großen Eindruck hinterlassen. Einfach eine sehenswerte, filmische Biographie: 7/10 Punkte.

Beetlejuice (1988)

Aktualisierung: Ich habe „Beetlejuice“ am 1. November 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Mit dem heutigen Abend starten wir in die Herbstferien. Auch im habe Urlaub, der zwar mit allerlei Arbeiten im Haus verplant ist, auf den ich mich aber dennoch sehr freue. Schon alleine deshalb, weil ich damit auch wieder mehr Zeit für Filme finde. Und der erste Film des Urlaubs war mit „Beetlejuice“ ein alter Bekannter…

Beetlejuice (1988) | © Warner Home Video

Beetlejuice (1988) | © Warner Home Video

Trügende Erinnerungen an großen Horror

Ich hatte früher einen Freund, der eine große VHS-Sammlung besessen hat. Auch „Beetlejuice“ war Teil davon. Es war einer der Filme, die immer und immer wieder im Videorekorder gelandet sind. Ich muss damals zwischen 10 und 14 Jahre alt gewesen sein, als wir die Horror-Komödie zu unserem Standardprogramm zählten. Unzählige Sichtungen folgten, die manche Szenen des Films in mein Gehirn eingebrannt haben. Allerdings blieb die Erinnerung bei diesen Szenen hängen: Der Unfall am Anfang, das Wartezimmer in der Zwischenwelt und die Auftritte von Beetlejuice. Der Film kam mir ziemlich düster vor und ich weiß noch, dass ich ihn teils wirklich gruselig fand. Zudem war Beetlejuice klar das Zentrum des Films. Oder etwas nicht?

Heute wirkt der Film ein wenig anders: ziemlich klamaukig und teils wunderbar altmodisch. Michael Keaton hat als Beetlejuice (oder Betelgeuse) nur ca. 15 Minuten Screentime, was ich niemals vermutet hätte. Die Hauptdarsteller Alec Baldwin und Geena Davis waren mir damals auch noch kein Begriff. Zudem dauert es geschlagene 45 Minuten, bis Beetlejuice überhaupt das erste Mal die Bühne betritt. Dennoch funktioniert der Film, auch aus heutiger Sicht, gerade deshalb so gut: Er baut eine schlüssige Welt auf und schmeißt uns mit den verstorbenen Hauptfiguren in eine klassische Fish-Out-of-Water-Situation. Diese ist herrlich unterhaltsam und mit vielen tollen visuellen Ideen erzählt. Man kann Tim Burtons Stil eindeutig identifizieren, ohne dass es sich, wie in vielen seiner neueren Filme, übertrieben anfühlt.

Fazit

Tim Burtons „Beetlejuice“ ist auch heute noch ein großer Spaß, der von seiner liebevollen Inszenierung und tatsächlich Michael Keatons völlig entfesseltem Auftritt als Betelgeuse lebt. Es ist mir immer wieder eine Freude, den Klassikern meiner Jugend einen Besuch abzustatten. Dieser Film hier ist keine Ausnahme: 8/10 Punkte.

Attack the Block (2011)

Nachdem ich heute dem Hungertod nur knapp entronnen war, stand natürlich ein Film auf dem Programm. Da der wirklich (un)gemütliche Teil des Oktobers noch ein wenig auf sich warten lässt, habe ich mir die besonders gruseligen Filmerlebnisse noch ein wenig aufgehoben, mich mit „Attack the Block“ aber zumindest ein wenig in Richtung #Horrorctober bewegt…

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Attack the Block (2011) | © Capelight Pictures

Old Kids on the Block vs. Alien Gorillas

Der Film ist damals alleine durch Nick Frosts (bekannt aus „Spaced“ oder „Shaun of the Dead“) Beteiligung auf meinem Radar aufgetaucht. Zu einer Sichtung konnte ich mich aber nie hinreißen lassen, da mich das restliche Setting nicht sonderlich gereizt hat. Ich befürchtete aufgesetztes Pseudo-Gangster-Gehabe von ein paar Kids und forciert wirkende Coolness. In der Zwischenzeit hatte ich aber so viel Gutes von „Attack the Block“ gehört, dass die Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden, endlich gekommen war. Und was soll ich sagen? Ich bin ziemlich begeistert.

Ja, zu Beginn ist es schon ungewohnt, sich in dieser Welt zu bewegen. Der Jugendslang ist schwer zu verstehen und doch wirkt er nicht aufgesetzt. Selten hatte ich das Gefühl, solch authentisch wirkenden Dialogen zwischen Teenagern beizuwohnen. Auch der Humor, samt popkultureller Anspielungen, wird treffsicher eingesetzt und ich hatte öfter ein Grinsen im Gesicht. Dies mag auch an den unverbrauchten Darstellern liegen. Gerade John Boyega (u.a. „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) hat hier so viel mehr zu bieten, als in seiner Rolle des Finn im letzten „Star Wars“-Streifen. Besonders clever gewählt war zudem das Monster-Design: Man sieht quasi stets nur den Umriss und das leuchtende Gebiss, was einerseits dem Budget zugute kommt, andererseits aber auch einen gewissen Interpretationsspielraum lässt. Toll!

Fazit

Auch wenn „Attack the Block“ weder eine sonderlich originelle noch überraschende Geschichte erzählt, so wirkt der inzwischen bereits sieben Jahre alte Filme unfassbar frisch und dynamisch. Regisseur Joe Cornish hat wahrlich ein Händchen für energetische Inszenierung und ich bin jetzt schon gespannt, welches Projekt er als nächstes auf die Beine stellt: 8/10 Punkte.

Bait 3D: Haie im Supermarkt (2012)

Nach einem ungewöhnlich warmen Oktobertag, den wir komplett mit Gartenarbeit verbracht haben, war ich um 20 Uhr das einzige Familienmitglied, das noch wach war. Also habe ich mich mit „Bait 3D: Haie im Supermarkt“ für einen Film entschieden, den außer mir wohl niemand sehen wollte. Ob auch ich diese Wahl bereut habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

Bait: Haie im Supermarkt (2012) | © Universum Film GmbH

„Jetzt sind wir das Schnäppchen!“

So lautet der mehr oder minder originelle Spruch auf dem Blu-ray-Cover. Und ja, in genau solch eine Richtung geht der Film auch. Interessanterweise zieht er seine Prämisse recht konsequent und ohne bewusst eingesetzten Humor durch. Die Komik, die dennoch entsteht, ist eher unfreiwillig. Eine seltsame unausgegorene Mischung. Auch die Inszenierung ist zu professionell, um an „Sharknado“ und Co. zu erinnern, jedoch auch nicht gut genug, um vollends zu überzeugen. Der größte Schwachpunkt sind aber wohl die teils wirklich grottigen Schauspieler. Gerade Xavier Samuel in der Hauptrolle wirkt unfassbar laienhaft.

Was dagegen gut funktioniert, sind die unterschiedlichen Set-Pieces und Angriffsszenen, die wirklich alles aus dem Setting rausholen. Dabei ist „Bait 3D“ angenehm explizit und die Hai-Action weiß tatsächlich zu unterhalten. Selbst vom titelgebenden 3D-Effekt war ich positiv überrascht. Das war es dann aber auch schon.

Fazit

„Bait 3D: Haie im Supermarkt“ gehört zu den Filmen, die wohl niemand braucht. Zu schlecht um mit neueren Hai-Filmen à la „The Shallows“ oder „47 Meters Down“ mithalten zu können, aber zu gut, um Trash-Fans auf seine Seite zu ziehen. Ich hatte meinen Spaß damit, war mir aber jederzeit bewusst, einen nicht sonderlich guten Film zu sehen. Kann man mal machen, muss man aber nicht: 4/10 Punkte.

Carriers (2009)

Freitagabend, Wochenende. Nach einer kurzen Woche, die sich dennoch wie zwei angefühlt hat. Trotz akuter Müdigkeit (und laufen war ich auch noch) habe ich den dringenden Wunsch verspürt, noch einen Film zu sehen. Auch aufgrund seiner knackigen Laufzeit von knapp über 80 Minuten, ist die Wahl auf „Carriers“ gefallen, der mich aufgrund seines Genres schon länger gereizt hat…

Carriers (2009) | © Splendid Film

Carriers (2009) | © Splendid Film

„Carriers“ ist ein Zombie-Film ohne Zombies

Ja, das beschreibt das post-apokalyptische Roadmovie von Àlex und David Pastor wohl ganz gut. Die Atmosphäre kommt Zuschauern von Zombie-Filmen oder -Serien wohl recht bekannt vor. Aufgrund des nahezu kompletten Ausbleibens von klassischen Horror-Elementen, treten die zwischenmenschlichen Konflikte hier noch stärker in den Vordergrund, als man das aus verwandten Genre-Klassikern kennt. Die Seuche bzw. der Virus ist tatsächlich nur der Aufhänger und wird, bis auf dessen Bedeutung für das Setting, kaum thematisiert.

Ich mochte den Roadmovie-Fokus sehr. Auch die Konzentration auf nur wenige Charaktere und deren Dynamik untereinander haben mir, bis auf wenige zu klischeehafte Ausnahmen, wirklich gut gefallen. Der Film wirkt schön konzentriert und kompakt. Seine wenigen Schauplätze werden zudem sehr effektiv eingesetzt. Durch etliche erzählerische Lücken, wirkt die Welt im Kopf des Zuschauers zudem größer als sie eigentlich ist. Überrascht hat mich auch das trostlose Ende, welches uns mit einem unguten Gefühl in den Abend entlässt. Auch das hatte ich so nicht erwartet.

Fazit

Auch wenn in Àlex und David Pastors „Carriers“ nur wenig passiert, so wusste mich gerade der Minimalismus in der Handlung und der Inszenierung zu überzeugen. Sicher kein großer Film, doch er konzentriert sich auf eine persönliche Geschichte, die ohne viel Action oder Effekte auskommt. Kein neuer Genre-Klassiker, aber durchaus sympathisch. Hat mich etwas an Tim Fehlbaums „Hell“ erinnert: 7/10 Punkte.

A Fat Wreck (2016)

Die Frau ist strawanzen, die Kinder sind im Bett. Hole ich die Gitarre raus und klampfe ein wenig oder schaue ich einen Film? Letztendlich habe ich mich für ein Mittelding entschieden und mir die Dokumentation „A Fat Wreck“ auf Prime Video angesehen. Ich bin neulich schon darüber gestolpert und war erstaunt, dass dies tatsächlich Thema für eine Doku sein kann. Als Jugendlicher dachte ich stets, meine drei Freunde und ich seien die einzigen, die diesen Sound mögen. Aber er ist ein Phänomen…

A Fat Wreck (2016) | © Something Kreative Studios

A Fat Wreck (2016) | © Something Kreative Studios

Der Soundtrack meiner Jugend

Was für ein Nostalgie-Flash! Ab und zu höre ich auch heute noch in die Songs meiner Jugend rein, doch so geballt NOFX, Lagwagon, No Use for a Name, Me First and the Gimme Gimmes, Propagandhi, Less Than Jake, Face to Face, Wizo usw. zu hören oder in Interviews zu sehen war einfach krass. Damals war diese Musik, zumindest in meinem Freundeskreis, komplett in der Nische und man wurde dafür immer etwas komisch angeschaut. Die meisten der Bands kannte ich auch von den Fat-Music-Compilations, weshalb mir selbst das Label Fat Wreck Chords ein Begriff war. Die Grenze zum anderen großen Punk-Rock-Label Epitaph Records war mir jedoch nie so bewusst. Nun diese Bands in größerem Zusammenhang zu sehen, und das nach all den Jahren, war eine kleine Offenbarung.

Die Doku ist dabei nicht neutral, sondern wurde eindeutig von Fans geschrieben und inszeniert. Dennoch kommen gerade im letzten Drittel auch ein paar kritische Stimmen zu Wort und für den Zuschauer ergibt sich ein ganz gutes Bild, wie die Dynamik bei Fat Wreck Chords wohl in den Goldenen Jahren war. Nach der sogenannten ersten Generation hatte ich auch kein Kontakt mehr zu dem Label und neuere Bands wie Rise Against sagen mir nichts mehr. Der Eindruck, den Fat Mike mit seinem Label in den prägenden Jahren (eben den 90ern) auf mich gemacht hat, bleibt jedoch unbestritten.

Fazit

Wenn euch Fat Wreck Chords nichts sagt, ihr mit melodischem Punk-Rock nichts anfangen könnt, dann könnt ihr euch diese Doku sparen. Solltet ihr jedoch einen ähnlichen musikalischen Hintergrund haben wie ich, dann schaut euch „A Fat Wreck“ an. Stark von Nostalgie geprägte 9/10 Punkte.

Meine teuflischen Nachbarn – OT: The ’Burbs (1989)

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche, habe ich mich unglaublich auf einen entspannten Filmabend gefreut. Da ich in letzter Zeit recht viele Blu-rays gekauft habe, ist die Auswahl der noch ungesehenen Filme enorm – und dennoch habe ich mich mit „Meine teuflischen Nachbarn“ abermals für einen Klassiker der 80er Jahre entschieden. Da weiß man einfach, was man hat…

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Meine teuflischen Nachbarn (1989) | © Koch Media GmbH

Mehr als nur Sardinen und Bretzeln

Wie auch „Geschenkt ist noch zu teuer“ oder „Big“, gehört auch „Meine teuflischen Nachbarn“ zu jenen Tom-Hanks-Klassikern, die ich früher rauf und runter gesehen habe. An die gesamte Geschichte konnte ich mich zwar nicht mehr erinnern, doch so manche Details und Einstellung war mir noch bestens im Gedächtnis. Speziell die eher spannenden Szenen rund um die Familie Klopek. Obwohl Joe Dantes „The ’Burbs“ eine waschechte Horror-Komödie (mit Betonung auf Komödie) ist, habe ich den den Film damals als ziemlich gruselig wahrgenommen: das nächtliche Glühen im Keller, die Buddelei im Garten, die unheimlichen Geräusche. Brr, das alles hat mir damals einen Schauer über den Rücken gejagt. Heute dagegen ist der Grusel verschwunden, dafür sind die satirischen Elemente stärker in den Vordergrund getreten. Schließlich wohne ich inzwischen selbst in einem Neubaugebiet samt unheimlich eingeschworener Nachbarschaft, denen wir bestimmt manchmal auch wie die Klopeks vorkommen.

Es ist wirklich fantastisch wie tempo- und einfallsreich Joe Dante seinen Film inszeniert hat. Der Mann hat einfach ein Händchen für Horror-Komödien, was man ja auch an „Gremlins“ deutlich sieht. Überrascht haben mich auch die vielen bekannten Gesichter. So sind neben Tom Hanks unter anderem Carrie Fisher (Prinzessin Leia, „Star Wars“) und Corey Feldman („Die Goonies“, „Stand by Me“ oder „The Lost Boys“) zu sehen.

Fazit

„Meine teuflischen Nachbarn“ funktioniert auch heute noch famos, was an Joe Dantes völlig überzogener und doch treffsicherer Inszenierung sowie den lustvoll aufspielenden Darstellern liegt. Auch wenn sich meine Wahrnehmung des Films geändert hat, so hatte ich heute noch genauso viel Spaß damit, wie damals vor gut 25 Jahren. Herrlich: 8/10 Punkte.

Whiplash (2014)

Was für ein herrlicher Spätsommertag doch hinter uns liegt: Morgens mit einem Lauf gestartet, haben ich den restlichen Tag im Garten verbracht, Rasen gemäht und mit Nichten, Neffen und den eigenen Kids getobt. Herrlich! Am Abend war ich dann recht durch und habe Ausschau nach einem kompakten Film gehalten – da kam „Whiplash“ mit seinen 107 Minuten gerade recht…

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

Whiplash (2014) | © SONY PICTURES HOME ENTERTAINMENT GmbH

„There are no two words in the English language more harmful than good job.

Wow, was für ein intensiver Film. Ich habe schon viel über „Whiplash“ gehört und gelesen, doch mit welcher Kraft Damien Chazelle sein Debüt inszeniert, war dennoch eine Überraschung. Neben dem treibenden Tempo der Schlagzeugsoli, reißen vor allem die beiden Hauptdarsteller J.K. Simmons und Miles Teller mit, die spielen als ginge es um ihr Leben. Im Grunde wird eine recht einfache Geschichte erzählt, die man in jedes Setting hätte packen können. Solche Schüler-Lehrer-Beziehungen kennt vermutlich jeder in abgeschwächter Form, egal ob in der Schule, im Studium oder im Job mit Vorgesetzten. Das Identifikationspotenzial ist groß.

J.K. Simmons‘ Fletcher ist unfassbar in seiner Kompromisslosigkeit. Ein echter Soziopath. Und dennoch kann man Miles Tellers Andrew verstehen. Den geweckten Ehrgeiz. Das Bedürfnis nach Anerkennung. Das ist keine gesunde Beziehung, doch vermutlich ist sie genau deshalb so spannend und mitreißend. Einzig das Finale fand ich ein wenig zu wertend in seiner Aussage. Als wäre Fletchers Ansatz der richtige gewesen. Ich weiß nicht, ob ein anderer Ausstieg aus der Geschichte nicht kraftvoller gewesen wäre, so großartig das finale Schlagzeugsolo auch inszeniert ist.

Fazit

Man kann die Handschrift von Damien Chazelle eindeutig erkennen, ja selbst manche Songs erinnern an „La La Land“, selbst wenn dieser in einem ganz anderen Ton erzählt wird. Mich hat „Whiplash“ wirklich stark beeindruckt und ich kann ihn euch nur ans Herz legen, selbst wenn ihr mit Jazz nicht sonderlich viel anfangen könnt: 8/10 Punkte.

Die Taschendiebin – OT: Agassi – Extended Cut (2016)

Es hat sich recht spontan ergeben, dass beide Kinder heute außer Haus übernachten. Was also tun? Im Kino läuft zurzeit nichts Interessantes, also sind wir (wie die Rentner um 17:30 Uhr) essen gegangen und waren schon recht bald wieder zu Hause. Viel Zeit für eine passende Abendunterhaltung, weshalb wir uns für die Langfassung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ entschieden haben. Spoiler sind zu erwarten.

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Die Taschendiebin (2016) | © Koch Media GmbH

Es kommt ganz auf die Perspektive an

Eigentlich weiß man über den Film bereits zu viel, wenn man die Inhaltsbeschreibung auf dem Cover liest. Die erste Wendung ereilt uns unwissende Zuschauer jedoch bereits nach ca. einer halben Stunde, weshalb das noch zu verschmerzen ist. Danach hält uns der Film mit seinen unterschiedlichen Erzählperspektiven jedoch gehörig auf Trab. Ich wurde wirklich mehrfach überrascht und bin trotz der Laufzeit von beinahe drei Stunden stets aufmerksam am Ball geblieben. Inhaltlich ist „Die Taschendiebin“ wahrlich ergiebig. Zusammen mit der eleganten bis pompösen Inszenierung ergibt sich ein faszinierendes Gesamtbild, das beständig zwischen Arthouse und Exploitation schwankt. Zumindest wenn man den Film auf seine Extreme beschränkt. Dazwischen bietet die Geschichte jedoch etliche ergiebige Details, die viel Freude bereiten.

Während der ersten halben Stunde hat sich „Die Taschendiebin“ für mich noch etwas sperrig angefühlt. Eher nach südkoreanischem Kostümdrama als einem mitreißenden Mystery-Drama. Wie bereits in „Oldboy“ begibt sich Park Chan-wook jedoch auch hier schon bald in Abgründe und bereitet seinen Figuren so manch schmerzhaften Moment. Dabei hält der Film für die beiden Hauptcharaktere ein glückliches Ende parat. Das war für mich letztendlich wohl auch die größte Überraschung an „Die Taschendiebin“.

Erotik als fester Bestandteil der Geschichte

Park Chan-wook inszenierte seinen Film ziemlich explizit, gerade was die Sexszenen angeht. Selten hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese weniger dem Voyeurismus dienen, als ein essenzieller Bestandteil der Geschichte sind. Die Männer spielen in diesem Film, auch wenn es zu Beginn anders wirken mag, eine eher untergeordnete Rolle. Und sie kommen nie zum Zug, was den sexuellen Befreiungsschlag der beiden Protagonistinnen in der Mitte des Films umso eindringlicher wirken lässt. Neben seiner erotischen Komponente, besitzt der Film auch Humor, viel Drama und lässt uns Zuschauer an mehreren Mysterien teilhaben. Eine sehr ungewöhnliche Mischung, gerade wenn man, wie ich, eher Hollywood-Kino gewöhnt ist.

Fazit

Trotz seiner Andersartigkeit, oder gerade deshalb, konnte mich „Die Taschendiebin“ in vielerlei Hinsicht überraschen. Der Genremix ist ziemlich unvergleichlich und führt nicht nur seine Charaktere auf die falschen Fährten. Umso erstaunlicher, dass sich der Film zu keiner Sekunde zäh oder langatmig anfühlt. Für mich ein wahrlich besonderes Filmerlebnis, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 Punkte.

A Quiet Place (2018)

Aktualisierung: Ich habe „A Quiet Place“ am 28. Dezember 2021 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Der letzte Urlaubsabend. Das Wetter ist immer noch trüb und grau. Die besten Voraussetzungen also, um einen Film zu schauen. Nachdem es gestern mit „Die Schöne und das Biest“ eher heiter zuging, habe ich mich heute mit „A Quiet Place“ dem stillen Horror zugewandt. Ob der ziemlich gehypte Genrefilm seinem Ruf tatsächlich gerecht wird, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich habe es schon öfter erwähnt: Ich mag Filme, deren Prämisse sich in einem Satz festhalten lässt und die dennoch so faszinierend ist, dass sie eine komplette Welt eröffnet. Zu diesen Filmen gehört auch „A Quiet Place“: Eine Welt, in der es tödlich ist, Geräusche zu machen. So einfach und doch so genial. Neben seiner Prämisse, hat mich speziell John Krasinski in Personalunion (Drehbuch, Regie, Hauptdarsteller) gereizt, den ich seit seiner Rolle als Jim Halpert in der TV-Serie „The Office“ liebe. An Krasinskis Seite spielt seine Ehefrau Emily Blunt, was auch die perfekte On-Screen-Chemie erklärt. Komplettiert wird das Ensemble durch exzellente Kinderdarsteller, u.a. die gehörlose Millicent Simmonds, was den Film noch einmal sympathischer macht.

Für mich ist Ausgangssituation perfekt aufgegangen: An mögliche Logiklöcher habe ich keinen Gedanken verschwendet, so mitreißend ist die Geschichte inszeniert. Stets steht die Familie im Mittelpunkt und auf billige Schockeffekte wird nur selten zurückgegriffen. Der Film funktioniert einfach. Einzig das durchaus effektive Monsterdesign wirkt ein wenig generisch und ich hätte es noch besser gefunden, wenn man die Kreatur nicht so häufig gesehen hätte. „A Quiet Place“ macht hier schon vieles richtig, doch in so mancher Szene wirkt die Zurschaustellung der ILM-Kreation fast ein wenig selbstverliebt. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt.

Fazit

Auch wenn „A Quiet Place“ letztendlich keine komplett neue Geschichte erzählt, so spielen alle Versatzstücke doch perfekt zusammen. Hinzu kommt, dass Krasinski die Handlung in 90 Minuten unterbringt und nicht auf zweieinhalb Stunden aufbläst, wie es heute so gerne gemacht wird. Ein sympathischer Horror-Thriller, der uns öfter einmal genauer hinhören lässt: 8/10 Punkte.