The Hunt (2020)

Der heutige Tag ist wie Sand zwischen meinen Fingern zerronnen. Unfassbar. Da war der letzte Lauf des Monats noch das größte Highlight. Als es dann Zeit für den Filmabend war, hatte ich einmal wieder Lust auf etwas Härteres und habe deshalb „The Hunt“ in den Player geschoben. Im Vorfeld wusste ich nicht viel über den Film, weshalb er mich positiv zu überraschen wusste… 🐷

The Hunt (2020) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Hunt (2020) | © Universal Pictures Germany GmbH

Wendungsreich und auf seine Art unterhaltsam

„The Hunt“ macht wahrlich keine Gefangenen. Bereits im Prolog spritzt das Blut und es wird die Stimmung für die kommenden 90 Minuten gesetzt. Trotz aller Härte wahrt der Film eine ironische Distanz zur Gewalt, was ich in dieser Form zuletzt in „Scream“ so erlebt habe. Speziell das Finale hat mich in seiner Inszenierung stark an Wes Cravens Horror-Meilenstein erinnert. Auch inhaltlich besitzt „The Hunt“ mehrere Ebenen und es gibt etliche Wendungen, welche uns das bisher Erlebte reflektieren lassen. Dabei schießen sich Damon Lindelof und Nick Cuse (beide u.a. bekannt für „The Leftovers“) nicht auf eine Gruppe ein, sondern jeder bekommt sein Fett weg.

Die Mischung aus satirischen und sozialkritischen Elementen, wirklich harter Gewalt und einem unglaublichen Tempo, machen den Film unfassbar unterhaltsam. Zumindest wenn man sich darauf einlassen kann. Eine wirkliche Entdeckung ist auch Betty Gilpin, die ich zuvor noch überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Auch in „The Hunt“ muss sie sich erst ins Scheinwerferlicht kämpfen, denn alle anderen scheinbaren Hauptfiguren ergeht es wie Marion Crane und man muss sich als Zuschauer alle paar Minuten neu orientieren. Wie an vielen anderen Stellen, spielt der Film hier gekonnt mit den Erwartungen seines Publikums.

Fazit

Auch wenn „The Hunt“ vor allem dafür bekannt ist, dass er einer der ersten Filme war, die der ersten Corona-Welle zum Opfer gefallen sind, so lohnt sich eine Sichtung auch ein gutes Jahr nach dem kurzen Hype. Ob er beim zweiten Mal, wenn die Überraschungen bekannt sind, noch genauso gut funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Diese erste Sichtung war auf jeden Fall extrem unterhaltsam: 8/10 Punkte.

Jurassic World: Neue Abenteuer – OT: Jurassic World: Camp Cretaceous – Staffel 1 und 2

Nach „Gortimer Gibbon: Mein Leben in der Normal Street“ war ich auf der Suche nach einer neuen Serie, die ich zusammen mit den Kids schauen kann. Somit sollte von allen drei Seiten zumindest Interesse am Thema da sein. Ohne größere Diskussionen haben wir uns recht schnell auf „Jurassic World: Neue Abenteuer“ einigen können. Ich erwartete mir nicht viel, war aber zumindest neugierig. Was die Serie letztendlich kann, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🦕🦖

Jurassic World: Neue Abenteuer | © Netflix

Jurassic World: Neue Abenteuer | © Netflix

Ich liebe „Jurassic Park“! Für mich vielleicht der auslösende Kinomoment für meine Filmleidenschaft. Umso gespannter war ich, wie sich dieser Nachzügler zum bereits verwässerten „Jurassic World“-Franchise gestalten würde:

Staffel 1: Welcome to Jurassic World (for Kids)

Zunächst einmal habe ich ein wenig gebraucht, um mich mit dem Animationsstil anzufreunden. Oder gar nicht so sehr mit dem Stil, sondern eher damit, dass es sich um eine Animationsserie handelt. Das passt nicht so wirklich zu meiner Vorstellung des Franchise. Allerdings habe ich mir nach der ersten Episode darüber keine Gedanken mehr darüber gemacht und es hat für mich funktioniert. Inhaltlich startet die Serie recht harmlos und kindgerecht, nur um ab der vierten Episode in eine, für die Reihe typische, „Dinos brechen aus und fressen Menschen!“-Geschichte umzuschlagen. Zwar wird keine explizite Gewalt gezeigt, doch dass der Dino hinter dem Busch gerade eine zuvor eingeführte Figur (an ihrem Geburtstag!) frisst, ist klar ersichtlich. Das fand ich schon happig, zumal die Serie auch ab sechs Jahren freigegeben ist. Zudem bin ich mir auch nicht sicher, ob dieses erzwungene „Wir produzieren für alle Zielgruppen!“ für mich funktioniert. Dennoch hat uns die Serie insgesamt sehr gut unterhalten und die Faszination der Kids ist auf jeden Fall vorhanden (auch wenn sich der Zwergofant ab und zu hinter einem Kissen verstecken musste). Wir sprechen viel darüber, der Zwergofant träumt davon (keine Albträume) und auch das Zappelinchen ist begeistert und kann gar nicht erwarten, wie es denn nun weitergeht. Auch ich hatte, gerade in der zweiten Hälfte der Staffel, wirklich viel Spaß mit der Serie: 8/10 (7.5) Punkte.

Staffel 2: Der Fluchtversuch aus dem Park

Die zweite Staffel macht dort weiter, wo die erste aufhört. Inzwischen hatten sich alle Zuschauer an die härtere Gangart gewöhnt und konnten den Abenteuercharakter der Serie voll und ganz genießen. Nachdem Ben in der ersten Staffel von der restlichen Truppe getrennt wurde, sieht man ihn bis zur vierten Episode nicht mehr. Sein überraschender Auftritt am Ende der Folge ist ein famoser Cliffhanger, dem sich ein Rückblick auf seine Erlebnisse, bis zu diesem Zeitpunkt, anschließt. Solch erzählerische Kniffe kennt man sonst nur aus Serien wie „Lost“ und die Kinder waren sichtlich verwirrt, ob der springenden Handlung. Das habe ich sehr gemocht, wie überhaupt die gesamte serielle Erzählung der Serie. Gegen Ende wird die Handlung auch noch einmal richtig dramatisch und drei prominente Figuren werden von Dinos gefressen. Obwohl man auch hier nichts Explizites sieht, hat das definitiv Eindruck hinterlassen. Mit sechs Jahren wären meine Kids noch nicht soweit gewesen, das wegzustecken. Der Cliffhanger am Ende der Staffel macht Lust auf mehr und ich konnte den Kindern nur schwer vermitteln, dass wir nun erstmal mindestens ein Jahr auf die Fortsetzung warten müssen: 8/10 (7.9) Punkte

Fazit

Auch wenn ich es zu Beginn nicht für möglich gehalten hätte, so hatte ich doch viel Spaß mit „Jurassic World: Neue Abenteuer“. Noch mehr begeistert waren jedoch meine Kinder und zwar alle beide, was ich auch nicht so vermutet hätte. Insofern freuen wir uns schon jetzt auf die Rückkehr ins „Camp Cretaceous“: 8/10 (7.7) Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Breaking Surface: Tödliche Tiefe (2020)

Nach dem Filmjahr 2020 ist vor dem Filmjahr 2021. Um dieses zu starten, habe ich mir gestern „Breaking Surface: Tödliche Tiefe“ angeschaut, der noch ganz frisch in meiner Sammlung ist. Da ich bekanntermaßen auf Unterwasserfilme stehe, ist auch dieser auf meinem Radar aufgetaucht und wollte sogleich gesehen werden… 🤿

Breaking Surface (2020) | © Koch Media GmbH

Breaking Surface (2020) | © Koch Media GmbH

Tolles Setting und spannend, aber maues Drama

Wie toll sieht bitte „Breaking Surface“ aus? Die norwegische Landschaft wird großartig eingefangen. Da habe ich direkt Fernweh bekommen. Kein Wunder nach diesem Jahr. Wir werden schnell mit den Figuren vertraut gemacht, es gibt einen kurzen Flashback, der die Konstellation in der Familie klar macht und los geht es. Und zwar mit einem Tauchtrip, den zwei Schwestern, da die Mutter krank ist, alleine unternehmen. Die jüngere Schwester ist Berufstaucherin und gerade diese wird von einem herabfallenden Felsbrocken auf 33 Meter Tiefe eingeklemmt. Die ältere Schwester, eine reine Hobbytaucherin, muss nun für Hilfe sorgen. Soweit die simple, aber ungeheuer effektive Prämisse. Genau meine Art von Film, oder?

Tatsächlich mochte ich das Setting und den Spannungsaufbau sehr gerne. Was für mich dagegen überhaupt nicht funktioniert hat, ist das Drama im Hintergrund bzw. haben die teils dämlichen Entscheidungen der großen Schwester stark an meinen Nerven gezerrt. Klar ist das eine Extremsituation, doch wurde die Gefahrensituation, so zumindest mein Gefühl beim Schauen, künstlich auf die Spitze getrieben, was überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Fun fact am Rande: Der Regisseur wollte ursprünglich ein Kletterdrama inszenieren, aber hat ihm dort die tickende Bombe (also die zeitliche Komponente) gefehlt, weshalb er aus der Idee ein Tauchdrama machte.

Fazit

Trotz seiner Schwächen hatte ich viel Spaß mit „Breaking Surface“. Der Film dauert ja auch nur ca. 80 Minuten, was auch genau die richtige Laufzeit für diese Art von Film ist. Dennoch werde ich mir den Film kein zweites Mal anschauen, da die Spannung nun weg ist und der Weg zum Ziel leider nicht so gelungen gestaltet wurde, wie ich mir das erhofft hatte: 6/10 Punkte.

Onward: Keine halben Sachen (2020)

Nachdem wir gestern keinen Filmabend mit der ganzen Familie hatten, musste natürlich heute zum Ende der Herbstferien noch einer veranstaltet werden. Pixars „Onward: Keine halben Sachen“ wollten wir eigentlich im Kino sehen, doch dann kam Corona und alle Pläne dieser Art waren dahin. Nun habe ich mir jedoch endlich die 3D-Blu-ray zugelegt und wir haben das Kino einfach nach Hause geholt… 👖💎🐉⚔

Onward: Keine halben Sachen (2020) | © Walt Disney

Onward: Keine halben Sachen (2020) | © Walt Disney

Ein wundervolles Coming-of-Age-Abenteuer

Zunächst einmal ist mir aufgefallen, wie unfassbar perfekt „Onward“ technisch umgesetzt ist. Vielleicht ist mir dieser Umstand deshalb so sehr aufgefallen, weil ich in letzter Zeit mit „Shrek“ und Co. doch einige Animationsfilme gesehen habe, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben. „Onward“ sieht in vielen Szenen fotorealistisch aus, was in Kombination mit den fantastischen Elementen für ein extrem immersives Gefühl sorgt. Auch das dezent und doch äußerst effektiv eingesetzte 3D trägt zu dieser Wirkung bei. Audiovisuell ist das moderne Fantasy-Abenteuer somit eine Wucht. Doch wie sieht es inhaltlich aus?

Ach, Pixar. Du schaffst es doch immer wieder, all die richtigen Knöpfe bei mir zu drücken. Eine Coming-of-Age-Geschichte, kombiniert mit dem Tod des Vaters und nostalgisch angehauchtem Eskapismus. Was kann man daran nicht lieben? Der Kniff, nur den Unterleib des Vaters zurückzubringen ist großartig! Die zugehörige Auflösung am Ende hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Oh man, Pixar, wie machst du das nur immer wieder? Hinzu kommt die klassische Heldenreise, die hier beinahe schon als Metakommentar zu lesen ist, und dabei doch unglaublich wahrhaftig wirkt. Durch das Thema und die jugendlichen Protagonisten wirkt „Onward“ deutlich weniger kindlich als viele andere Animationsfilme und ist dennoch für Kinder bestens geeignet. Sowohl das Zappelinchen als auch der Zwergofant waren mehr als begeistert.

Fazit

Ich finde es wirklich schade, dass „Onward“ durch die Corona-Krise so hart getroffen wurde und nun sein Dasein auf Disney+ fristen muss. Freunden von haptischen Medien sei gesagt, dass die Blu-ray-Box inklusive Bonus-Disc gar wunderbar gelungen ist. In jeder Hinsicht eine dicke Empfehlung. Bei der nächsten Sichtung könnte sogar noch locker ein Punkt mehr drin sein: 9/10 Punkte.

Borat Subsequent Moviefilm (2020)

Nachdem der Rest der Familie nach unserem Halloween-Filmabend recht schnell ins Bett verschwunden ist, habe ich mir noch „Borat Subsequent Moviefilm“ angesehen. Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut, da mich der Vorgänger „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ erst letzte Woche ziemlich zu begeistern wusste und ich seitdem ein wenig den Sacha-Baron-Cohen-Kosmos auf YouTube abgetaucht bin. 🐒

Borat Subsequent Moviefilm (2020) | © Amazon Prime Video

Borat Subsequent Moviefilm (2020) | © Amazon Prime Video

Witzig, abstoßend und erstaunlich versöhnlich

Der Nachfolger des 2006er Hits ist vor ein paar Wochen ziemlich spontan auf Prime Video gelandet. Das war für mich auch der Auslöser, mich mit der Figur vertraut zu machen. Natürlich kann Borat 2020 nicht mehr so überraschen, wie dies noch 14 Jahre zuvor der Fall gewesen ist. Dies wird im Film auch thematisiert und recht schlau in die Handlung eingebunden. War Cohen 2006 noch mit dem Schauspieler Ken Davitian unterwegs, hat er dieses Mal Maria Bakalova an seiner Seite, die seine Tochter Tutar verkörpert. Sie ist dabei genauso entlarvend wie Borat selbst. Höchster Respekt an die junge Schauspielerin. Wie Cohen selbst geht sie absolut furcht- und schmerzlos vor, was den Film in großen Teilen deutlich voranbringt.

Auch wenn „Borat Subsequent Moviefilm“ vor allem aufgrund seiner Szenen mit Mike Pence und Rudy Giuliani in den Medien ist, so sind diese für mich jedoch eher dazu da, die Geschichte bzw. die Beziehung zwischen Borat und seiner Tochter voranzubringen. Die wirklich entlarvenden Konfrontationen entstehen im Dialog mit der einfachen Bevölkerung und sind auch deshalb wieder so bitter. Doch es ist die Figur von Borat und ihre Entwicklung, die im zweiten Teil fast schon als versöhnlich zu bezeichnend ist. Wenn er und Tutar am Ende gemeinsam vor der Kamera stehen, dann wird einem als Zuschauer warm ums Herz. Bei einem Film mit diesem Konzept absolut erstaunlich, was auch die große Kunst Sacha Baron Cohens ist.

Fazit

Auch wenn „Borat Subsequent Moviefilm“ nicht mehr so frisch wirkt (und auch nicht so wirken kann), wie der Vorgänger, so geht er doch wieder genau dahin, wo es schmerzt. Cohen verpackt aktuelle gesellschaftspolitische Themen so schlau und unterhaltsam, dass es einfach nur großartig ist: 8/10 Punkte.

Das Dilemma mit den sozialen Medien – OT: The Social Dilemma (2020)

Nachdem ich mich lange dagegen gesträubt hatte, habe ich seit ca. zwei Wochen auch einen Netflix-Account. In erster Linie wegen Serien (ganz konkret „Dark“), doch somit bin ich letztendlich auch in den Genuss von „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ bzw. „The Social Dilemma“ gekommen. Ob sich der Dokumentarfilm denn lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 💻📱👍

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Das Dilemma mit den sozialen Medien (2020) | © Netflix

Ein wichtiges Thema unterhaltsam aufbereitet

Rein inhaltlich muss ich gestehen, dass „The Social Dilemma“ keine neuen Informationen für mich bereit gehalten hat. Ich arbeite selbst in einem Software-Unternehmen und habe beruflich mit Social-Media-Werbung, YouTube-Algorithmen, Growth-Hacking usw. zu tun. Die Mechanismen, Chancen und Gefahren sind mir bekannt. Auch privat bewege ich mich, wie vermutlich die meisten von euch, in sozialen Netzwerken. Selbst wenn ihr nur Google oder YouTube nutzt. Der Skandal rund um Cambridge Analytica hat mir gezeigt, was die Manipulation von Nutzern in der realen Welt und abseits des Online-Marketings bewirken kann. Mit dem Schritt des Zappelinchens in die digitale Welt (wenn auch ohne Social-Media-Apps) wurde ich erneut für das Thema sensibilisiert.

Tatsächlich richtet sich die Netflix-Doku wohl am ehesten an Menschen, die eine grobe Vorstellung von den Mechanismen haben, sie aber noch nicht im Detail verstehen. Die Interviews fand ich spannend und größtenteils authentisch, die dramatisierten Spielszenen dagegen reichlich albern (Vincent Kartheiser aus „Mad Men“ spielt eine Künstliche Intelligenz in drei Ausführungen). Es ist letztendlich hochwertig produziertes Edutainment, das sich größtenteils auf die kritischen Aspekte konzentriert und diese verständlich aufbereitet. Ein wichtiges Thema, das durch die Doku hoffentlich auch ein paar Zuschauer erreicht, die sich bisher noch nicht viele Gedanken zu ihrem Nutzungsverhalten gemacht haben. Auch für mich war es erneut ein Anstoß, denn auch ich tappe immer wieder in die Falle.

Fazit

Auch wenn „The Social Dilemma“ für mich inhaltlich nichts Neues zu bieten hatte, so fand ich die Informationen doch gut aufbereitet. Die Dramatisierungen hätten sich die Macher sparen können, aber vielleicht helfen sie technisch weniger versierten Zuschauern die Zusammenhänge besser zu verstehen. Ironischerweise operiert Netflix natürlich ebenso nach dem Prinzip, ihre Nutzer möglichst lange an den Screen zu binden. Aber das wird natürlich nicht thematisiert. Dennoch lohnenswert und erhellend: 8/10 Punkte. 📴

Sløborn – Staffel 1

Nach meinem Ausflug in die Welt der Kleinkriminellen mit der Amazon-Serie „Sneaky Pete“, habe ich mich einer brandaktuellen deutschen Serie gewidmet. Der Zeitpunkt, „Sløborn – Staffel 1“ ins Programm aufzunehmen, hätte nicht besser sein können. Oder nicht schlechter. Das kommt vermutlich ganz auf die Persönlichkeit der Zuschauer an. Ob sich der Virus-Thriller denn lohnt, erfahrt ihr im Folgenden… 💉

Sløborn - Staffel 1 | © ZDF

Sløborn – Staffel 1 | © ZDF

Eine Virus-Pandemie in Serienform

Noch bevor ich wusste, worum es bei „Sløborn“ konkret geht, ist die Serie auf meinem Radar gelandet, weil Christian Alvart der kreative Kopf hinter der ZDF-Produktion ist. Erst kürzlich hat mich Alvart mit seinem Thriller „Freies Land“ beeindruckt und bereits vor ein paar Jahren ist mir sein Hollywood-Werk „Pandorum“ positiv aufgefallen. Auch „Sløborn“ trägt seine Handschrift und, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Filmemachern, steht bei ihm der Unterhaltungswert ganz oben. Mehr Popcorn als Arthouse, was ich in jeder Hinsicht positiv meine. Betrachtet man die Serie aus aktueller Perspektive, dann wirkt sie manchmal fast schon anbiedernd in ihrer Art und Weise, den Umgang der Inselbewohner mit der Bedrohung durch den Virus, zu erzählen. Eben ziemlich genau so, wie die aktuelle Lage in Zeiten von Corona bzw. COVID-19 ist, nur auf 11 gedreht. Inklusive Abstandsregeln, Masken, Querdenkern Ansteckungsketten usw. Will man das denn jetzt sehen?

Tatsächlich wurde „Sløborn“ bereits 2018 konzipiert und 2019 gedreht. Ende 2019 bis 2020 befand sich die Serie in Postproduktion und auch wenn einige Corona-Verweise darin bestimmt noch geschärft wurden, so ist es doch beängstigend, wie genau (und eben auf 11 gedreht) die Serie doch den Beginn einer Pandemie zeichnet. Der darin grassierende Taubenvirus ist natürlich viel tödlicher als Corona und der Ausbruch wird, trotz der eher gemächlichen Dramaturgie (eben slow burn), recht schnell erzählt. Viele Elemente wirken dennoch erschreckend vertraut.

Kleinstadt-Drama trifft auf Virus-Thriller

So mitreißend und plakativ auch das Thriller-Element ist, so seifenoperartig wirken teils die unterschiedlichen Erzählstränge, die das Ereignis begleiten. Egal ob es sich um den Autoren im Drogenentzug handelt, die Teenagerin, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, oder die jugendlichen Straftäter, die auf der Insel rehabilitiert werden sollen. Da wirkt schon viel konstruiert und mit der Brechstange erzählt. Aber das macht nichts, denn das habe ich mir viel lieber angesehen, als wenn es sich bei „Sløborn“ um ein todernstes Virus-Drama gehandelt hätte. Denn ja, manche Szenen sind aufgrund der Nähe zu den aktuellen Ereignissen nur schwer zu ertragen. In den letzten beiden Episoden überschlagen sich die dramatischen Geschehnisse und als Anhänger von Verschwörungstheorien könnte man hier neues Futter bekommen. Es wäre sehr spannend zu sehen, ob man die Entwicklung der Geschichte aus heutiger Perspektive genauso erzählt hätte.

Fazit

Die erste Staffel von „Sløborn“ hat mir wirklich gut gefallen. Sie bietet keinen verkopften Umgang mit einer Pandemie, sondern ziemlich reißerische und plakative Unterhaltung. Somit freue mich schon auf eine zweite Staffel. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung der realen Pandemie dürften die Autoren vor neuen Herausforderungen, aber auch neuen Chancen stehen: 8/10 (7.8) Punkte.

Underwater: Es ist erwacht (2020)

Es ist ja nicht so, als würden nicht genügend Filme bei mir im Regal stehen. Nein, da gibt es ein Streaming-Angebot und ich schlage natürlich zu. Immerhin bei einem Film, den ich mir ohnehin ansehen wollte und dessen Blu-ray bereits im Warenkorb lag. Ob „Underwater: Es ist erwacht“ tatsächlich ein Film für die Sammlung gewesen wäre? 🤿

Underwater (2020) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Underwater (2020) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Wie „Alien“ nur unter Wasser?

Das ist wohl der häufigste Vergleich, den man im Vorfeld über den Film gehört hatte. Und er ist sehr naheliegend und sinnig. Denn Regisseur William Eubank hat für „Underwater“ zweifellos Inspiration bei Ridley Scotts „Alien“ gesucht. Das fängt beim generellen Look an, geht bei nahezu identischen Kameraeinstellungen weiter und hört bei der Heldin in Unterwäsche auf. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Macht aber auch nichts, denn ich liebe sowohl das „Alien“-Franchise als auch Filme, die unter Wasser spielen. Da James Camerons „The Abyss“ immer noch nicht auf Blu-ray erschienen ist, muss dann eben ein Film wie „Underwater“ herhalten.

Für mich ging alles ein wenig schnell. Man lernt die Figuren nicht kennen und sofort bricht die Katastrophe über die Tiefbohrstation herein. Überhaupt wirkt der Film extrem gehetzt in seinem Springen von Action-Set-Piece zu Action-Set-Piece. Die Action selbst fand ich durchaus packend inszeniert, wenngleich es hier auch so wirklich gar nichts Neues zu sehen gibt. Selbst die Monster fand ich irgendwie fad. Dennoch hatte ich Spaß bei dem Treiben, weil es eben genau mein Genre ist. Ein wenig mehr Eigenständigkeit und ein richtiges World-Building hätten „Underwater“ jedoch in jeder Hinsicht gut getan.

Fazit

Nein, ein Film für die Sammlung ist „Underwater“ nicht. Dennoch hatte ich für gut 90 Minuten Spaß mit dem Film. Leider machen es seine Vorbilder in allen Belangen besser. Ich habe mich dennoch gefreut, einmal wieder in eines meiner liebsten Genres zurückzukehren: 6/10 Punkte.

Noch zwei Worte zum Streaming: Dafür ist der Film denkbar ungeeignet, denn aufgrund der immer gleichen Farbgebung kommt es durch die niedrige Datenrate konstant zu Color-Banding-Effekten. Zumindest visuell würde somit einiges für die Blu-ray sprechen.

Upload – Season 1

In den letzten Wochen habe ich einmal wieder eine aktuelle Serie geschaut. Vermutlich weil mich die Prämisse ziemlich gereizt hat – und weil die Serie ganz bequem auf Prime Video läuft. Die Rede ist von „Upload – Season 1“, welche inzwischen auch den Weg in ein paar von mir abonnierte Blogs und Podcasts gefunden hat. Was die Serie rund um den Upload in den kostenpflichtigen Social-Media-Himmel kann, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 💀⛪👨‍💻

Upload – Season 1 | © Amazon Prime Video

Upload – Season 1 | © Amazon Prime Video

Das Social Network für frisch Verstorbene

„Upload“ besitzt eine Prämisse, wie ich mir einzelne Episoden von „Black Mirror“ immer vorgestellt habe (ohne die Serie je gesehen zu haben): In der nahen Zukunft kann die Seele von Verstorbenen digitalisiert und in die Cloud geladen werden, wo sie (je nach Bankkonto) allen Luxus des digitalen Himmels erfährt. Dabei können die Verstorbenen mit ihren Hinterbliebenen kommunizieren und somit quasi weiterhin am Leben teilhaben. Aus dieser Idee hätte man alles mögliche stricken können: Ein Sci-Fi-Drama, einen High-Tech-Thriller oder eben, wie in diesem Fall, eine romantische Komödie mit satirischen Elementen. Teils erinnert die Serie ein wenig an „The Good Place“, was ich erst nach „Upload“ begonnen habe zu schauen, geht letztendlich aber doch einen ganz eigenen Weg.

Was hat für mich den Reiz von „Upload“ ausgemacht? Neben ziemlich treffenden Gags auf Kosten unseres Nutzungsverhaltens digitaler Medien, mochte ich die gesamte Zukunftsvision und die Liebesgeschichte sehr gerne. Weniger gut funktioniert haben für mich die Thriller-Elemente. Gerade das Staffelfinale war in dieser Hinsicht wirklich eine Enttäuschung. Davon abgesehen hatte ich aber stets viel Spaß in Lakeview und den darin agierenden Personen – und das sowohl on- also auch offline.

Fazit

„Upload“ ist eine wirklich erfrischende Comedy-Serie, die ihren Finger oft treffend in die Wunde legt. Dabei erzählt sie eine erfrischende Liebesgeschichte und stellt ein paar spannende Fragen. Leider gibt es auch ein paar Elemente, die nicht so wirklich funktionieren wollen. Ich freue mich dennoch auf die zweite Staffel: 8/10 (8.2) Punkte.

Bad Banks – Staffel 2

Nachdem ich letztes Jahr fast ungläubig über die gelungene ZDF/ARTE-Koproduktion „Bad Banks“ gestaunt hatte, waren meine Erwartungen für „Bad Banks – Staffel 2“ deutlich höher. Es ist schon eine großartige Zeit für Serienfreunde, wenn man selbst über die ZDF-App, wie im heißen US-Streaming-Portal, qualitativ hochwertigen Serien-Content abrufen kann. Schon alleine deshalb lohnt sich der Blick in die verruchte Finanzwelt… 🤑💰

Bad Banks – Staffel 2 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 2 | © ZDF und ARTE

Wenn Start-ups auf die Finanzwelt treffen

Nach der ersten Staffel hatte ich das Gefühl, die Serie könnte sich in eine bestimmte Richtung entwickeln. Das Trio rund um Jana Liekam war aus den Strukturen der Finanzwelt ausgebrochen und hatte einen Coup gegen das System unternommen. Ich erwartete also Anarchie und Kampf. Umso verwunderter war ich, dass der Status quo wieder hergestellt schien und das Team weiterhin im Umfeld der Deutsche Global Invest tätig war. Das fühlte sich für mich nach einem Rückschritt an, war aber vermutlich nötig, um unsere (Anti-)Helden im Start-up-Umfeld zu positionieren. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Serie auch wieder richtig Fahrt auf und es gibt Intrigen und Machtspiele wie zu besten „24“-Zeiten.

Teils kam mir die Staffel fast schon zu vollgestopft vor, was ein wenig auf Kosten der Charaktere ging. Das Tempo ist wirklich extrem hoch, was der Geschichte einen enormen Zug verleiht. Dennoch hätte ich mir teils mehr Gelassenheit gewünscht. Gerade gegen Ende der Staffel zaubern die Autoren noch so ein paar Wendungen aus dem Hut, die zwar dramatisch sind, aber doch ein wenig Glaubwürdigkeit vermissen lassen. In diesen Momenten wirkt „Bad Banks“ tatsächlich wie eine Möchtegern-Mafia-Serie im Banken-Milieu. Davon abgesehen macht auch das zweite Jahr enorm viel Spaß und die sechs Episoden sind wie im Fluge vergangen.

Fazit

Auch wenn die Qualität der ersten Staffel in meinen Augen nicht komplett gehalten werden konnte, so hat es auch die zweite Staffel von „Bad Banks“ geschafft, mich trotz der scheinbar trockenen Finanzthematik zu packen. Nun bin ich gespannt, wie lange sich das Konzept noch trägt, denn gerade am Ende scheinen viele Charaktere wieder dort angekommen zu sein, wo sie bereits in der ersten Staffel waren: 8/10 (8.3) Punkte.