Hamilton (2020)

Corona hat uns immer noch voll im Griff. Inzwischen sind die Einschläge so nah, wie nie zuvor. Die Inzidenzwerte explodieren. Was also machen an besonderen Tagen? Natürlich könnte man theoretisch essen gehen oder ein Theater besuchen. Doch wäre das mit einem guten Gefühl verbunden? Hat für uns im Sommer schon mit Kino nicht funktioniert. Also habe ich mit den Kindern ein Restaurantbesuch samt anschließendem Besuch des Musicals „Hamilton“ inszeniert. Die Kids hatten in ihren Rollen als Bedienungen, Einlasskontrolleur*innen, Platzanweiser*innen sowie Pausenverkäufer*innen viel Spaß. Und für uns war es zwar kein wirklicher Ausgehabend, aber zumindest nahe dran. Und das Musical? Lest selbst… 🎼

Hamilton (2020) | © Walt Disney

Hamilton (2020) | © Walt Disney

Absolutes Pflichtprogramm für Musical-Fans

Für aufmerksame Leser*innen meines Blogs wird es keine Überraschung sein, dass ich Musicals sehr gerne mag und manchmal sogar liebe. Eigentlich seltsam, dass ich „Hamilton“ bisher noch nicht gesehen hatte. Lin-Manuel Miranda ist mir seit den Disney-Filmen „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ und „Encanto“ ein Begriff und spätestens mit seiner Verfilmung von „tick, tick… BOOM!“ hat er sich in mein Herz gespielt. In „Hamilton“ wird sein unfassbares Talent jedoch erst so richtig greifbar. Dabei ist es das Musical natürlich kein Film, sondern eine abgefilmte Bühnenshow, was das Erlebnis für mich jedoch noch intensiver machte. Man konnte den Theaterboden beinahe riechen und mehrfach bin ich mit dem aufgezeichneten Publikum in Applaus ausgebrochen. Nun verstehe ich auch, warum die Aufnahme ins Programm von Disney+ für den Streaming-Dienst ein Systemseller war. Auch wenn ich aktuell kein anderes Bühnen-Musical wüsste, was ich unbedingt sehen muss, so ist diese Form des Konsums, gerade in Zeiten von Corona, durchaus eine Empfehlung wert.

Inhaltlich hätte mich „Hamilton“ eigentlich nicht gereizt. Die Geschichte eines eher unbekannten Gründervaters der Vereinigten Staaten. Nicht der Stoff, der mich zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Und doch genau der Stoff, dem dies gelungen ist. Lin-Manuel Miranda inszeniert den Stoff unfassbar modern mit Hip-Hop-Beats und großartigen Wortwitz. Nahezu alle Rollen werden von PoC (People of Color) übernommen, was aufgrund des historischen Kontexts zunächst ungewöhnlich erscheinen mag, jedoch die perfekte Wahl für diese moderne Adaption ist. Das Bühnenbild ist extrem reduziert und nur ein Drehscheibe und die Lichtgestaltung sorgen dafür, dass wir uns als Zuschauer*innen zwischen Schlachtgemälden, intimen Dialogen und tödlichen Duellen bewegen. Die knapp drei Stunden sind wirklich schnell vergangen, was auch an den mitreißenden Songs liegt, von denen nahezu jeder einzelne so eingängig ist, dass er im Kopf bleibt. Wenn man nun noch die emotionale Geschichte dazu nimmt, die auch den perfekten Abschluss findet und stets Parallelen zu unserer Gegenwart aufmacht, dann ist es für mich unfassbar, dass all dies Lin-Manuel Miranda Feder entspringt. Was für eine kreative Leistung.

Fazit

Ihr lest es schon raus: Mich hat „Hamilton“ genauso begeistert, wie die meisten anderen Zuschauer*innen, die sich dem Musical zugewandt haben. Auch die formale Präsentation war für mich genau die richtige und ich bin gespannt, ob aufgrund des Erfolgs noch irgendwann eine filmischen Adaption folgen wird. Sollte Lin-Manuel Miranda involviert sein, würde ich auf jeden Fall reinschauen, denn er Mann ist einfach ein Künstler. Für Musical-Fans eine dicke Empfehlung, aber das wisst ihr ja ohnehin schon: 10/10 Punkte.

20 Gedanken zu “Hamilton (2020)

    • Bin tatsächlich sehr begeistert. Nun damit beschäftigt den historischen Kontext nachzulesen und die Songs zu hören. Schon wirklich eine Wucht. Danke auch dir für die Empfehlung. Wurde mir zwar aus verschiedenen Ecken zugetragen, doch du hast mich immer wieder hingeschubst… 🙂

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      • Hatte mir auch erst überlegt, ob ich darüber schreiben soll, weil ja kein richtiger Film und so. Aber hat dann eben doch solch einen Eindruck hinterlassen, dass ich zumindest ein paar Worte verlieren wollte. Schon alleine falls die Kids in ein paar Jahren das mal nachlesen werden… (hallo ihr zwei! 👋)

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    • Ja, das war sehr witzig. Dachte erst Frau bullion erklärt mich für verrückt, hat dann aber doch mitgespielt und für die Kids war es ein Erlebnis. Immerhin ein klein wenig Abwechslung in diesen doofen Tagen.

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  1. Yay, endlich bist du auch dem Hype verfallen! 😉 „Unfassbar“ ist für mich auch immer noch das Wort, das dieses Musical am besten beschreibt. Höre auch über ein dreiviertel Jahr nach meiner ersten Sichtung die Songs rauf und runter. Manche habe ich tatsächlich erst nach einiger Zeit so richtig lieben gelernt, was noch mal für die Qualität spricht. Es stimmt einfach von der Story über die Musik bis zur Besetzung alles. Träume insgeheim davon, das Musical irgendwann mal live zu sehen. ♥ Ich freue mich jedenfalls sehr, dass du/ihr so viel Spaß hattet und damit trotz Corona ein besonderer Abend möglich war!

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    • Ich wusste ja zumindest davor schon, dass es einen Hype gibt. Hätte aber (aufgrund der Story) nicht erwartet, dass er so komplett auf mich überspringt. Was muss das für ein Erlebnis sein, das Musical live zu sehen? Gigantisch. Werde in den nächsten Wochen bestimmt auch noch etliche Male die Songs hören und mich ein wenig einlesen. Da steckt ja wirklich unglaublich viel drin. Unfassbar einfach! 😄

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      • Ja, die Story ist an sich auch gar nicht meins. Aber gerade das macht es ja so unfassbar gut, dass man sich als unwissende und nicht us-amerikanische Person davon so mitgenommen fühlt. Ich hab tatsächlich gar nichts zum Kontext nachgelesen, aber durch das wiederholte Hören der Songs dann Verständnislücken geschlossen, die bei der ersten Sichtung vielleicht noch da waren. Hach, es ist einfach so schön, ich fangirle immer noch und immer wieder. 😀

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      • Ich war auch erstaunt. Beim ersten Song dachte ich noch, dass mich das Musical komplett abhängt, weil ja auch alles recht schnell gerappt ist usw. Doch dann war ich schon bald drin und konnte der Handlung gut folgen. Der Aufbau hat auch für Unwissende wirklich gut funktioniert. Auch wenn ich bestimmt nicht alle Details mitbekommen habe, so ist der große Handlungsrahmen jedoch perfekt rübergekommen. Einfach toll geschrieben. 🙂

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  2. Pingback: Media Monday #554 | moviescape.blog

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