Auslöschung – OT: Annihilation (2018)

Gestern war für mich der große Area-X-Tag: Nicht nur habe ich mit „Acceptance“ Jeff VanderMeers Trilogie zu Ende gelesen, ich habe am Abend auch noch Alex Garlands Verfilmung „Auslöschung“ nachgeholt. Da der Film hierzulande bisher nur bei Netflix läuft, hatte ich mir bereits im Juni 2018 die US-Blu-ray importiert. Gut ein halbes Jahr später war es endlich soweit – gerade noch knapp vor dem 14. März, an dem auch bei uns der Film offiziell auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird…

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Area X nach Schema F?

Bereits im Vorfeld der Sichtung war mir bewusst, dass Alex Garland („Ex Machina“) mit „Annihilation“ keine werksgetreue Adaption der Vorlage angestrebt hat, sondern eher eine Widerspiegelung seiner subjektiven Eindrücke, die er beim Lesen des ersten Teils der Southern-Reach-Trilogie hatte. Die wichtigsten Elemente finden sich somit auch im Film wieder: Die Frauengruppe rund um die Biologin (gespielt von Natalie Portman), das mysteriöse Gebiet Area X, die Southern-Reach-Organisation, die seltsam mutierte Natur, der Leuchtturm usw. Rein vom Setting und der Atmosphäre her hat Alex Garland die Vorlage ziemlich perfekt getroffen und es war für mich eine große Freude, zusammen mit den Wissenschaftlerinnen Area X zu erkunden.

Die wirklich abgefahrenen Elemente wiederum, welche die Vorlage so besonders machen, haben es dagegen nicht in den Film geschafft. Ich denke hier speziell an die  topographische Anomalie und den Crawler, welche für mich den Kern der Mysterien rund um Area X darstellen. Für mich fehlt hier ein Kernelement der Geschichte, selbst wenn alles andere ziemlich gut getroffen wurde. Ich musste hierbei an die Verfilmung von „Relic: Museum der Angst“ denken, bei der auch der Hauptcharakter der Vorlage aus der Adaption gestrichen wurde. Garland konzentriert sich in seiner Version komplett auf die Entstehung der Doppelgänger, was auch ein wichtiger Aspekt der Geschichte ist, aber eben nur einer unter vielen. Schade.

Down the Rabbit Hole

Ich habe im Vorfeld viel über die Kontroverse mitbekommen, die der Veröffentlichung des Films auf Netflix vorausging. Nachdem ich gestern erst „Acceptance“ fertig gelesen hatte, konnte ich den Gedanken des Studios auch nachvollziehen, dass das große Kinopublikum wohl so seine Schwierigkeiten mit dem Stoff haben würde. Nach der Sichtung des Films kann ich aber nur sagen: WTF? Von all den Andeutungen und vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten bleibt im Film nichts übrig. Es ist ziemlich eindeutig, wie sich die Handlung entwickelt und was mit den Charakteren passiert. Nichts, was genreverwandte Filme nicht schon ähnlich gemacht hätten. Wenn die scheinbare Komplexität des Stoffes tatsächlich der Grund des Studios gewesen sein sollte, den Film nicht in die Kinos zu bringen, dann gute Nacht, große Leinwand.

Fazit

Auch wenn ich es bemerkenswert finde, wie konsequent Alex Garland den Stoff heruntergebrochen und das Drehbuch auf wenige Elemente eingedampft hat, so finde ich es doch extrem schade, dass etliche Kernaspekte fehlen. Mir ist durchaus bewusst, dass eine 1:1-Adaption nicht möglich gewesen wäre, doch eine echte Trilogie, die sich auf die drei ineinander verschachtelten Haupterzählebenen der Vorlage beschränkt, das hätte ich famos gefunden. Dennoch ist die Atmosphäre von Area X perfekt getroffen und ich mag Natalie Portman in ihrer Rolle sehr. Für sich genommen ein großartiger Sci-Fi-Schocker, als Adaption nur bedingt gelungen: 8/10 Punkte.

42 Gedanken zu “Auslöschung – OT: Annihilation (2018)

  1. Das interessante daran ist, dass Garland nur das erste Buch gelesen hat und darauf sein Drehbuch aufbaut. Deswegen war ich auch erst kurz etwas enttäuscht, aber später einfach nicht mehr. Ich hab den Film jetzt schon mehrmals gesehen… er ist einfach toll.

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    • Völlig richtig. Garland hat ja schon mit „Ex Machina“ bewiesen, dass er es drauf hat und nun mit „Annihilation“ nachgelegt. Die Krönung in diesem Subgenre, wenn man so will, ist für mich nach wie vor „Arrival“.

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      • Arrival ist so ein dummer Film, primär weil er von der Allgemeinheit als „intelligentes Sci-Fi“ erachtet wird, aus Gründen, die nicht wirklich erklärt werden, wo er doch nichts mehr ist als austauschbares 0815-Blockbuster-Kino das sich aus der Klischee-Kiste bedient und in einem belanglosen Twist endet, der ähnlich wie im Shymalanschen Oeuvre inzwischen um seiner Selbst willen integriert wird, ohne dass er wirklich von Nöten wäre (oder Sinn ergibt)

        Ganz so furchtbar ist Annihilation nicht, teilt sich aber viele derselben Kritikpunkte. Ex Machina wiederum hat sein eigenes Sujet nicht vollends begriffen (oder interessiert sich schlicht nur nicht dafür), und verliert sich stattdessen in Oberflächlichkeiten.

        3 der schlimmsten Sci-Fi-Filme des 21. Jahrhunderts.

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      • Puh, da kommen wir wieder einmal überhaupt nicht zusammen und ich kann deine Punkte nicht wirklich nachvollziehen. Darf ich fragen, was für dich intelligente Sci-Fi-Filme sind? Besonders der letzten Jahre?

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      • Kurze Antwort: Gibt keine. Intelligentes Sci-Fi im Speziellen sowie intelligentes Kino im Allgemeinen wäre zu verkopft, um massenkompatibel derart zu unterhalten als dass es kommerziell rentabel wäre.

        Das hatten du und Filmschrott oben ja auch angerissen mit der These, Annihilation wäre zu schlau fürs Kino und lief deswegen auf Netflix.

        Grundsätzlich finde ich persönlich einen Film wie Terry Gilliams The Zero Theorem vom Ansatz her „intelligenter“, wenn auch wenig subtil und letztlich in seiner Umsetzung weder vollends konsequent noch gänzlich überzeugend. Ansonsten würde ich Filme wie „Another Earth“ oder „Upstream Color“ in den Raum werfen, wobei ich jetzt in beiden Filmen nicht „Intelligenz“ als Merkmal für die Filme hervor- bzw. herausgeben wollte, sie aber intelligenter finde als Arrival/Annihilation.

        Mir erweckt sich eher der Eindruck, sobald ein Film nicht alles ausbuchstabiert, sondern Interpretationsspielraum lässt, also Fragen bleiben („was bedeutet dies, was bedeutet das?“) wird das vom Publikum mit Intelligenz assoziiert, ausschließlich, weil es nicht alles verstanden hat (ich hab das nicht verstanden = es muss intelligent sein).

        Ein Sci-Fi-Film der zumindest 2/3 seiner Laufzeit (oder sagen wir: die 1. Hälfte) relativ „intelligent“ war, ist Sunshine für mich – ironischer Weise geschrieben von: Alex Garland (dessen „The Beach“ zählt, btw, zu meinem Lieblingsromanen, ich habe also nicht zwingend eine Vendetta gegen den Mann).

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      • Danke für die Erklärung! Meiner Meinung nach schließt sich intelligente Unterhaltung und ein genereller Unterhaltungswert übrigens keineswegs aus. Auch mag ich es, wenn ich Filme verstehen kann und diese nicht bewusst kompliziert erzählt werden. Bei meinen drei genannten Beispielen hatte ich keinerlei Verständnisprobleme und würde sie dennoch als intelligente Sci-Fi bezeichnen – und das weniger aufgrund der unmittelbaren Erzählebene, sondern eher aufgrund der übergreifenden Themen, welche die Filme behandeln. Der Film schafft somit drei Dinge: 1. Ich werde auf der rein narrativen Ebene unterhalten, 2. Ich kann gewisse Lücken oder Doppeldeutigkeiten interpretieren und 3. Die größeren Themen sind meist auch als Allegorie lesbar und bieten somit weiteren Deutungsspielraum.

        „Sunshine“ mochte ich übrigens auch und selbst das letzte Drittel hat mir beim zweiten Mal recht gut gefallen. Finde ich insgesamt aber auch nicht mehr oder weniger intelligent als die oben genannten Filme.

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