Shape of Water: Das Flüstern des Wassers – OT: The Shape of Water (2017)

Heute haben wir uns in den Wahnsinn der Nürnberger Innenstadt während des Christkindlmarktes gestürzt, um noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Leider waren wir erfolglos, was die dafür aufgebrachte Zeit noch sinnloser erscheinen lässt. Eigentlich hätte ich heute auf der Geburtstagsfeier eines guten Kollegen sein müssen bzw. wollen, doch wäre mir das zuviel geworden. Also zu Hause „Shape of Water: Das Flüstern des Wassers“ in den Player geschoben und für zwei Stunden dem Alltag entflohen…

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Zurecht ein großer Erfolg für Guillermo del Toro

Guillermo del Toro zählt zweifellos zu meinen Lieblingsregisseuren. Auch wenn ich nicht jeden seiner Filme bedingungslos gelungen finde (z.B. „Crimson Peak“), so besitzt doch jeder einzelne seinen unverkennbaren Stil. Dieser besticht vor allem durch seine audiovisuell perfekt umgesetzte Liebe für das Außergewöhnliche, das Phantastische und das zutiefst Menschliche (wunderbar nachzulesen in diesem Buch). Als ich erstmals von „The Shape of Water“ gehört hatte, war ich natürlich äußerst gespannt darauf. Dann hat er doch tatsächlich den Oscar als Bester Film gewonnen! Sollte Guillermo del Toro etwa auf seine Tugenden verzichtet haben, nur um einen typischen Oscar-Film vorzulegen? Insofern war ich extrem gespannt, was mich erwarten sollte.

Schon die ersten Einstellungen machen klar, dass man sich in einem Film del Toros befindet: Gelb- und Grüntöne überwiegen, die Kameraeinstellungen sind extremer als gewöhnlich und das Setdesign ist so detailliert, dass der Schmutz aus den Ritzen der Fliesen mit dem Putzwasser aus dem Fernseher ins Wohnzimmer zu schwappen scheint. Die Geschichte ist märchenhaft und doch glaubwürdig. Als würde „Die fabelhafte Welt der Amélie“ auf das Monsterkino der 50er Jahre treffen. Auch setzt del Toro weiterhin auf fast schon comichaft überhöhte Charaktere und drastische Gewaltspitzen, was in der Kombination nicht sonderlich massentauglich erscheint, den Film jedoch gerade deshalb aus der Masse an Oscar-Filmen heraushebt.

Somewhere Beyond the Sea

Der namenlose Amphibienmann ist großartig gestaltet und Doug Jones, der aus „Hellboy“ und „Hellboy 2: Die Goldene Armee“ bereits Erfahrung mit Figuren dieser Art hat, haucht ihm gekonnt Leben ein. Sally Hawkins ist ein Traum und besonders habe ich mich gefreut, Richard Jenkins einmal wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Michael Shannon scheint seinen Charakter aus „Boardwalk Empire“ noch einmal aufleben zu lassen, der hier zwar überzeichnet böse wirkt, was jedoch auch gut zur teils (alb)traumhaften Atmosphäre des Films passt. Insgesamt trägt das Ensemble den Film, der durch seine famosen Schauspieler, trotz der kunstvoll gestalteten Welt, auf seltsame Weise geerdet wirkt.

Fazit

Auch wenn ich vermutet hatte, dass mir „The Shape of Water“ gut gefallen würde, so war ich doch überrascht wie viel von Guillermo del Toro tatsächlich in dem Film zu finden ist. Er ist eine Ode an die Andersartigkeit, an die Menschlichkeit und die Liebe. Einfach ein wunderschöner Film, der sowohl inhaltlich als auch auf audiovisueller Ebene voll und ganz zu überzeugen weiß: 9/10 Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Es – OT: It (2017)

Am Halloween-Abend musste natürlich ein Horror-Film in den Player wandern. Nachdem schon alle Nachbarskinder geklingelt hatten, erhofften wir uns dafür auch die nötige Ruhe. Und tatsächlich sollten wir die Neuverfilmung von „Es“ völlig ungestört und in einer für Horror perfekten Stille erleben. Ob mich der Film deshalb, wie erwartet, zu packen wusste?

Es (2017) | © Warner Home Video

Es (2017) | © Warner Home Video

Keine Angst vor diesem Clown

Eigentlich bringt „Es“ alles mit, was ich an Filmen liebe: Eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die Erinnerungen an „Standy by Me“ oder „Die Goonies“ weckt, die 1980er Jahre als atmosphärische Kulisse und gezielt eingesetzte Horrorelemente. Was soll da noch schief gehen? Zumal ich ja bereits den 1990er TV-Film immer noch sehr mag und ich daran nur die zweite Hälfte und speziell das Finale schwach finde. Hier nimmt sich Regisseur Andrés Muschietti nun 135 Minuten Zeit, um den famosen ersten Teil der Geschichte zu erzählen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich darauf gefreut habe. Und zu Beginn sah auch alles noch gut aus…

Stammleser meines Blogs wissen, dass ich ein ziemlicher Angsthase bin, wenn es um Horrorfilme geht. Ich liebe das Genre zwar, doch sitze ich bei jedem zweitklassigen Geisterfilm fast schon hinter dem Sofa. Kurz: Ich bin sehr empfänglich für Grusel, Atmosphäre und jegliche Art von unterstützender Inszenierung. Selbst den 1990er „Es“ fand ich, zumindest in der ersten Hälfte, tatsächlich ziemlich unheimlich. Bei der aktuellen Neuverfilmung jedoch habe ich davon absolut nichts gespürt. Pennywise ist ein müder Abklatsch der Tim-Curry-Version und die Schockeffekte werden viel zu plakativ eingesetzt. Selbst ich habe diese zehn Meilen gegen den Wind gerochen. Viel zu viel CGI, viel zu wenig Stimmung, Atmosphäre und kreative Einfälle. Gegruselt habe ich mich nicht. Und das mag etwas heißen.

Die 80er Jahre in (zu) perfekter Kinoversion

Viel besser als die Horrorelemente hat für mich der Coming-of-Age-Teil funktioniert: Die Kleinstadtatmosphäre wurde (fast schon zu) perfekt getroffen und ich mochte gerade die unbeschwerteren Szenen zwischen den Kids. Das hatte Gefühl und ich hätte gerne mehr Zeit mit ihnen verbracht. Doch auch hier wirkte alles fast schon schablonenhaft an den Erwartungen ausgerichtet. Alles ein wenig zu perfekt, ja zu kulissenhaft. Die Bösen sind so richtig böse, die Loser zu bewusst als Außenseiter gezeichnet, die Schauplätze (z.B. die Gruselvilla) zu plakativ inszeniert usw. Einfach drei Schippen zu viel von allem. Man merkt, dass hier ein Idealbild des 80er-Jahre-Kinos gezeichnet werden sollte. Oberflächlich ist das auch gelungen, doch zwischen den Zeilen lässt der Film eben diesen besonderen Charme vermissen.

Fazit

Auch wenn ich nun fast nur aufgezählt habe, was mich an der Verfilmung stört (es ist die Enttäuschung, die aus mir spricht), so hatte ich doch viel Spaß mit „Es“. Ich mochte die Stimmung und die Bilder des Films sehr gerne. Auch die Rollen sind toll besetzt. Man spürt die Harmonie zwischen den Charakteren. Allerdings ist „Es“ eben nicht der erwartete Coming-of-Age- und Horror-Überhit, den ich erwartet hatte. Nein, es ist nur eine mit modernen Mitteln überproduzierte Neuauflage der klassischen Geschichte. Nun bin ich tatsächlich gespannt, was Muschietti und Co. aus dem schwierigeren zweiten Kapitel machen. Hier sollte es nicht schwer sein, die 90er-Jahre-Fassung zu übertrumpfen: 7/10 Punkte.

Wind River (2017)

Nachdem ich mir heute beim Kauf von fünf großen Schränken für unseren Keller (ja, wir sind mit zwei Autos beim Möbelhaus angerückt) den Rücken ruiniert habe, wollte ich am Abend nur noch auf das Sofa. Ich wollte einen Film ohne zu viel Action und Aufregung sehen und habe deshalb zu „Wind River“ gegriffen, der Dank eines Gewinnspiels von Passion of Arts seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat…

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

„Luck don’t live out here.“

Ich habe im Vorfeld gar nicht viel über den Inhalt von „Wind River“ in Erfahrung gebracht. Einzig der Name Taylor Sheridan hat mich aufhorchen lassen, hat er doch in den ersten beiden Staffeln von „Sons of Anarchy“ eine bedeutende Rolle gespielt. Auch als Drehbuchautor war mir Sheridan ein Begriff und nun also sein (von einem kleinen Horror-Streifen einmal abgesehen) Regie-Debüt. Und ein ziemlich beeindruckendes: Der Regisseur hat sein eigenes Drehbuch, das mit spröden Dialogen angereichert ist, in eine ebensolche Landschaft versetzt. Die Inszenierung ordnet sich der der kargen, weißen Welt unter. Nur selten explodiert die Gewalt. Wenn, dann aber richtig. Am Ende bleibt nur ein unbestimmt bedrückendes Gefühl zurück. Chapeau, Herr Sheridan: Das ist verdammt viel für solch einen an sich eher simplen Kriminalfilm.

„This isn’t the land of waiting for back up. This is the land of you’re on your own.“

Die beiden Hauptdarsteller Jeremy Renner und Elizabeth Olsen haben mich beide sehr positiv überrascht. Überhaupt ist die Besetzung, bis hin zum Opfer und den Tätern, sehr gelungen. Sheridan holt auch genau das aus den Schaupielern heraus, was in den jeweiligen Szenen nötig ist. Keinen Deut mehr. Vielleicht liegt es auch an der kargen Landschaft, dass der gesamte Film sehr effizient inszeniert wirkt. Als wollte man keinerlei unnötige Energie verschwenden. Das trifft auch auf die Rückblende im letzten Drittel des Films zu, die mich getroffen hat, wie schon lange keine Szene mehr, die filmische Gewalt zeigt. Wirklich harter Tobak, den ich erst noch verdauen muss.

Fazit

„Wind River“ wird seinem guten Ruf absolut gerecht. Taylor Sheridan hat auch als Regisseur Talent bewiesen und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch kommt. Selbst wenn es sich hierbei nur um eine recht geradlinige Kriminalgeschichte handelt, so überzeigt der Film durch seine Stimmung und Atmosphäre. Er ist komplett auf das Wesentliche reduziert und das macht ihn auch so stark: 8/10 Punkte.

Die Schöne und das Biest – OT: Beauty and the Beast (2017)

In der letzten Woche habe ich schon mehr Filme gesehen, als in den zwei Monaten zuvor. Was eine Abkühlung um 15 °C doch ausmacht. Gestern stand mit der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ ein Film auf dem Programm, den wir schon lange sehen wollten. Auch weil mir das Live-Action-Remake von „The Jungle Book“ ausgezeichnet gefallen hat, war ich sehr hoffnungsvoll…

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

Die Schöne und das Biest (2017) | © Walt Disney

How Does a Moment Last Forever

Im Gegensatz zu vielen anderen Disney-Klassikern, habe ich „Die Schöne und das Biest“ in meiner Jugend nicht sonderlich häufig gesehen. Ich kann mich tatsächlich nur an eine oder zwei Sichtungen erinnern. Der Film besitzt für mich demnach keinen überaus großen Stellenwert, wenngleich ich das Zeichentrick-Musical auch sehr mag und die meisten Songs wiedererkannt habe. Im Gegensatz zu „The Jungle Book“ orientiert sich Bill Condons Version sehr nahe am Animationsfilm, weshalb er sich noch mehr als Jon Favreau die Frage gefallen lassen muss: Warum überhaupt ein Remake? (Klar, für Disney ist viel Geld im Spiel.) Wenn man sich für den Film interessiert, sollte man diese Frage jedoch zunächst hintenanstellen. Schon alleine um nicht beständig zu vergleichen. Für mich hat diese neue Version tatsächlich einen Mehrwert geschaffen und das ohne den Zeichentrickfilm abzuwerten:

Auch wenn viel CGI im Spiel ist, so liebe ich den Look des Films. Das Dorf, das düstere  Schloss und speziell seine Bewohner haben es mir wirklich angetan. Auch die Musical-Nummern funktionieren größtenteils extrem gut und die inhaltlichen Erweiterungen geben den Figuren mehr Tiefe. Andere Elemente, wie z.B. die Ausgestaltung von „Be Our Guest“, haben auf mich ein wenig befremdlich gewirkt. Hier hätte der Film für mich besser funktioniert, wenn sich die Inszenierung mehr vom Original gelöst hätte. Die neuen Songs dagegen fügen sich wunderbar in die Geschichte ein.

Beauty and the Beast

Über die Besetzung, gerade von Emma Watson, wurde viel geschimpft. Ich kann das nicht nachvollziehen. Sicher entspricht sie nicht der Belle aus dem Animationsfilm, doch begrüße ich diese Änderung. Der Film bekommt dadurch einen frischen Wind und man löst sich vom beständigen Vergleich. Auch die anderen Schauspieler füllen ihre Rollen gekonnt aus, wobei ich am meisten Zeit benötigt habe, um mich mit Dan Stevens (David, „The Guest“) anzufreunden. Das Duo Luke Evans und Josh Gad fand ich herrlich. Und die CGI-Versionen von Lumière und Cogswort, dargestellt durch Ewan McGregor und Ian McKellen, sind perfekt getroffen.

Fazit

Auch wenn man sich über den Existenzgrund des Films trefflich streiten kann, so konnte ich mich der Magie von „Die Schöne und das Biest“ auch in der Neuverfilmung nicht entziehen. Es ist nicht alles perfekt und eine freiere Interpretation wäre teils wünschenswert gewesen. Davon abgesehen konnte mich Bill Condons Film jedoch überzeugen und ich habe jede (gesungene) Minute genossen: 8/10 Punkte.

Life in Pieces – Season 3

Über das letzte halbe Jahr haben wir uns mit eher niedriger Priorität und teils sehr sporadisch „Life in Pieces – Season 3“ anschaut. Eben immer dann, wenn wir schon müde waren und gerade noch 20 Minuten Unterhaltung zum Abschalten brauchten. Hier zeigt sich, dass die Serie bei uns keinen sonderlich hohen Stellenwert einnimmt, warum sich das Einschalten dennoch lohnen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Eigentlich kann ich die Besprechung der zweiten Staffel nahezu vollständig kopieren, denn weiterhin leidet die Serie in meinen Augen am stärksten unter ihrer Aufteilung in leicht verdauliche Häppchen. Nur selten werden die einzelnen Episödchen zueinander in Bezug gesetzt und ich habe immer mehr das Gefühl, einer Sketch-Comedy, die für eine schnelle Pointe geschrieben wurde, zuzusehen. Das ist wirklich schade, denn ein paar der Charaktere haben wirklich Potenzial, werden aber häufig dem billigen Gag geopfert. Das macht teilweise durchaus Spaß, doch im Vergleich zu Comedys oder Sitcoms, die mehr Wert auf Storytelling legen, fällt „Life in Pieces“ schon extrem ab.

Fazit

Wie bereits beschrieben, funktioniert „Life in Pieces“ für mich wunderbar als kleines Häppchen vor dem zu Bett gehen. Ich würde mir jedoch wirklich wünschen, dass die Autoren mehr wert auf eine Verknüpfung der einzelnen Segmente legen. In ihrer jetzigen Form wird die Serie bei mir nie über das Prädikat ‚ganz nett‘ hinauskommen:  7/10 (6.7) Punkte.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales (2017)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ am 23. September 2022 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem wir heute das Kindergartenfest der der Nichte und der Neffen besucht hatten, auf dem eine frei interpretierte Nacherzählung von Captain Jack Sparrows Abenteuern aufgeführt wurde, stand der Film des Abends schnell fest. Das stürmische Wetter sorgte zudem dafür, dass wir uns gerne vor den Fernseher zurückzogen und „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ in den Blu-ray-Player gelegt haben…

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Back to the Roots oder Fortsetzung um jeden Preis

Die „Pirates of the Caribbean“-Reihe hat die typische Entwicklung eines größeren Franchises durchgemacht. Wurde der erste Teil noch von fast allen geliebt, entwickelte sich die Filmreihe über die Zeit immer weiter zum hassenswerten Von-der-Stange-Blockbuster. So zumindest die Meinung vieler Filmfreunde. Ob nach dem Abschluss der Trilogie überhaupt noch ein vierter Teil nötig gewesen wäre, ist auch eine legitime Frage. Mit diesem hatte man die fortführende Erzählung verlassen und sich endgültig auf die zu Beginn geliebte, und inzwischen verachtete, Figur Captain Jack Sparrow konzentriert. Für mich hat das weiterhin recht gut funktioniert, doch ich liebe ja auch den Überflop „Die Piratenbraut“ und habe somit augenscheinlich ein Faible für dieses Genre. Was hat nun also der jüngste Spross der Reihe zu bieten?

Tatsächlich haben sich die Autoren angeschickt, dieses Mal direkt an die Trilogie anzuknüpfen, die damals ja ein erstaunlich düsteres Finale hatte. Man begegnet somit etlichen bekannten Figuren und erlebt mit ihnen neue Abenteuer. Tatsächlich haben mir aber gerade die überzogenen Actionszenen mit viel Slapstick, dafür ohne tiefere Bedeutung, viel Freude bereitet (deshalb liebe ich auch den zweiten Teil der Reihe so sehr). Die Handlung selbst funktioniert als Rahmen recht gut, um die Geschichte Will Turners endlich zu Ende zu erzählen. Der neue Geisterpirat Salazar (Javier Bardem) war mir dagegen zu beliebig und die Schatzsuche zu generisch. Das hat man alles schon ein paar Mal erlebt, auch wenn so einige Schauplätze und Ideen wirklich unterhaltsam waren. Insgesamt wohl knapp über dem Niveau des Vorgängers.

Fazit

Wenn ihr schon von den letzten drei Filmen der Reihen genervt wart, müsst ihr euch auch den jüngsten Aufguss nicht ansehen. Habt ihr aber ein Faible für Piraten-Fantasy und seid Johnny Depp als Titelfigur noch nicht überdrüssig, dann macht auch dieser Besuch in der Karibik viel Freude. Selbst wenn mir der Film nicht lange im Gedächtnis bleiben wird, so wurde ich doch für 120 Minuten wunderbar unterhalten: 7/10 Punkte.

The Big Sick (2017)

Als ich dem kranken Zappelinchen heute Nachmittag „Das geheimnisvolle Kochbuch“ einschaltete, sah ich, dass „The Big Sick“ inzwischen schon auf dem Streaming-Portal von Amazon verfügbar ist. Somit habe ich zum ersten Mal seit acht Monaten (damals war es der großartige „Paterson“) einmal wieder einen Film via Stream gesehen. Technisch war das nur bedingt ein tolles Erlebnis (es gab etliche Aussetzer), doch inhaltlich konnte mich Michael Showalter Film voll und ganz überzeugen…

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

Die sympathischste RomCom aller Zeiten?

Okay, das ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Doch zumindest ist es die frischeste und sympathischste romantische Komödie, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die lose auf den auto-biografischen Erlebnissen von Kumail Nanjiani (u.a. bekannt aus der TV-Serie „Silicon Valley“) basierende Geschichte ist so erfrischend und authentisch erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Die Liebesgeschichte zwischen Kumail, der sich selbst spielt, und Emily, gespielt von der bezaubernden Zoe Kazan (u.a. bekannt aus „Ruby Sparks: Meine fabelhafte Freundin“), ist nur der Aufhänger für verschiedenste Themen. Am prominentesten wird der Konflikt zwischen Kumail und seiner pakistanischen Familie beleuchtet, die eine arrangierte Ehe für ihn vorgesehen hat. Weiterhin steht sein Karriere als Stand-Up-Comedian sowie die titelgebende Erkrankung Emilys im Zentrum der Geschichte.

All die angesprochenen Themen werden mit viel Humor und Herz verarbeitet. Die Dialoge sind authentisch und wirklich witzig geschrieben. Die Schauspieler (u.a. Holly Hunter und Ray Romano als Emilys Eltern) treffen den Ton genau und wissen Drama und Comedy perfekt zu vereinen. Der Film hätte aufgrund seiner Themenvielfalt leicht zu zerfasert, zu dramatisch oder auch zu lächerlich wirken können. Er nimmt jedoch alle Positionen ernst und erschafft dadurch ein herzliches und absolut unterhaltsames Gesamtbild. Einzig die Struktur der Geschichte orientiert sich doch recht stark an klassischen RomComs, was ich dem Film aber nur bedingt vorwerfen möchte.

Fazit

Für mich war „The Big Sick“ ein wirklich positives Erlebnis. Auch wenn es ein paar tolle Filme in dem Genre gibt, mache ich um klassische RomComs eher einen Bogen. Diese hier fällt jedoch aus dem Raster und weiß durch tolle Charaktere und viel Wortwitz zu überzeugen. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017)

Gestern Abend hat es sich spontan ergeben, dass wir einen Film zusammen geschaut haben. Und mit zusammen meine ich: Die ganze Familie hat sich vor dem Fernseher versammelt. Eine Prämiere sozusagen, denn bisher hat unser Zwergofant noch nie einen kompletten Film durchgehalten. Somit hat sich „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ unerwartet ihren Platz in der persönlichen Filmhistorie unserer Familie gesichert…

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Ein modernisierter Kinderbuchklassiker

Meine Erwartungen an den Film waren eher gering: Ein Film über Osterhasen und dann noch die modernisierte Verfilmung des angestaubten Kinderbuches? Als dann gleich zu Beginn noch eine große Mythologie rund um die Entstehung des Osterfestes samt Goldenem Ei und epischer Fehde zwischen Füchsen und Hasen aufgemacht wurde, hatte ich den Film schon fast abgeschrieben. Dann jedoch verlassen wir das klassische Setting der Häschenschule und Max betritt die Bühne. Ein moderner Hase, der in der Großstadt zu Hause ist. Ihn verschlägt es durch einen dummen Zufall in die Häschenschule und wir bekommen im Folgenden eine Culture-Clash-Komödie präsentiert, die voll und ganz auf die jüngsten Zuschauer zugeschnitten ist.

Wie schon angedeutet, hat unser Zwergofant bisher noch keinen Film durchgehalten. Obwohl er schon fünf Jahre alt ist, hat er alle bisherigen Versuche einen Film zu sehen vorzeitig abgebrochen, da er selbst in den harmlosesten Szenen Angst bekommt, sobald die Musik ein wenig zu dramatisch wird. Auch „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ stellte ihn vor so manche Herausforderung, doch er war vom restlichen Film so begeistert, dass er immer wieder hinter seinem Kissen hervorgelugt hat. Am Ende konnte er sogar über die dusseligen Füchse lachen und hätte den Film am liebsten gleich noch einmal geschaut. Speziell der coole Max hatte es ihm angetan und noch vor dem Einschlafen erzählte er ausgiebig von der Geschichte und dass er am liebsten auch ein Osterhase wäre. Heute morgen waren bei uns im Haus dann auch tatsächlich zwei Osterhasen unterwegs und haben für uns Eltern 14(!) selbstgebastelte Ostergeschenke versteckt.

Fazit

Auch wenn „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ für erwachsene Zuschauer zu naiv und klischeehaft erzählt ist und etliche unnötige Fantasy-Elemente beinhaltet, so bietet der Film für jüngere Kinder doch wunderbare Unterhaltung mit einer positiven Botschaft. Der an Cel-Shading erinnernde Look ist einfach, aber passend und trägt die Geschichte dieses deutschen Animationsfilms problemlos. Bei der folgenden Wertung dürfen rein erwachsene Zuschauer zwei Punkte abziehen, für jüngere Kinder dürft ihr jedoch noch einmal drei Punkte draufschlagen: 7/10 Punkte.

Kong: Skull Island (2017)

Was für eine Woche. Tagsüber gearbeitet, abends das kranke Kind versorgt und nachts mit vielen Unterbrechungen nur sehr wenig geschlafen. Zeit für das Wochenende, Zeit für einen Film. Die Wahl fiel auf „Kong: Skull Island“ und das war auch gut so, denn dieser Art von Film hat es vielleicht nicht so sehr geschadet, dass wir ihn mit mehreren Pausen über fast vier Stunden strecken mussten. Ob sich die Reise nach Skull Island für uns dennoch gelohnt hat?

Kong: Skull Island (2017) | © Warner Home Video

Kong: Skull Island (2017) | © Warner Home Video

Perfekt inszenierte Monster-Action

Noch bevor es nach Skull Island geht, lebt der Film seine 70er-Jahre-Ästhetik großzügig aus. Man fühlt sich in einer Art Parallelwelt, in der „Apocalypse Now“ bereits die Popkultur der Vietnamkriegs-Ära geprägt hat und die Soldaten sich dessen völlig bewusst sind. In seinem Prolog wirkt „Kong: Skull Island“ dadurch wie ein Meta-Kommentar, was ich stilistisch durchaus spannend fand. Auch auf der Insel wird diese Ästhetik beibehalten und mit bombastischer Monster-Action kombiniert. Und wenn ich schreibe bombastisch, dann meine ich das auch so. Der Film sieht unglaublich gut aus und die Balance aus gebauten Sets und CGI funktioniert tadellos. Gerade in 3D sind die oft weitläufigen Landschaftsaufnahmen ein wahrer Augenschmaus. Selbst die großen Kampfszenen sind stets übersichtlich und ohne hektische Wackelkamera inszeniert, was für Freunde von Monster-Filmen, zu denen ich mich zweifellos zähle, ein großes Vergnügen ist.

Auf der inhaltlichen Seite hat „Kong: Skull Island“ dagegen weniger zu bieten. Dennoch funktioniert die Handlung für mich tadellos als geradlinige Abenteuergeschichte. Die Charaktere sind durchaus brauchbar und ihnen wird von der hochkarätigen Besetzung, u.a. Brie Larson („Raum“) oder Tom Hiddleston („Crimson Peak“), ausreichend viel Leben eingehaucht. Im Vergleich zu Peter Jacksons „King Kong“ aus dem Jahr 2005 ist dieser neue Auftritt des gigantischen Affen inhaltlich aber eher schwach auf der Brust.

Fazit

Mir hat „Kong: Skull Island“ extrem viel Spaß gemacht, was mit Sicherheit an meinem Faible für Monsterfilme liegt. Auch wenn mich unzählige Unterbrechungen immer wieder aus dem Film gerissen haben, so ist mein Gesamteindruck doch gut genug, um gespannt zu sein, wie sich Kong mit „Godzilla“ in einem gemeinsamen Film vereinbaren lässt: 7/10 Punkte.