Es – OT: It (1990)

Freitagabend, Zeit für einen Film. Doch welchen nur? Da man als Filmfreund zurzeit kaum der aktuellen Adaption entfliehen kann, habe ich mich für die 1990er Verfilmung von Stephen Kings „Es“ entschieden. Die Kinder waren relativ früh im Bett, so dass wir dieses Mammutwerk getrost angehen konnten. Ursprünglich als TV-Zweiteiler ausgestrahlt, ist die heute zugängliche Fassung ein Film mit über drei Stunden Laufzeit. Ob er mich dennoch wachhalten konnte?

Es (1990)

Es (1990) | © Warner Home Video

Horror aus längst vergangenen Tagen

„Es“ war einer dieser Filme, die stets eine fast schon mythische Aura umwehte. Gespräche auf dem Schulhof, mysteriöse 18er Fassungen. Grusel, Horror, Panik. Ich kannte die Geschichte zunächst nur aus Erzählungen und als ich den Fernsehfilm vor inzwischen bestimmt 23 bis 25 Jahren zum ersten Mal sah, war ich davon wie gebannt. Und ich hatte richtig Angst. Tim Curry als Pennywise lehrte mir das Fürchten. Bereits damals mochte ich die erste Hälfte des Films lieber: diese wunderbare 1950er Jahre Atmosphäre. In diesen Szenen wirkt „Es“ wie der verschollene Bruder von „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“, mit dem King die Coming-of-Age-Erzählung perfektioniert hatte. Auch heute noch konnte ich mich daran kaum satt sehen. Gerade in Kombination mit dieser unbestimmten Horror-Atmosphäre ein echtes Erlebnis.

Der zweite Teil fällt dagegen ein wenig ab. Die erwachsenen Schauspieler sind zwar auch gut besetzt, jedoch wirkt die Geschichte hier sprunghafter und vor allem schwächer erzählt. Im Grunde lebt auch diese Zeitebene von den Erinnerungen an die 1950er Erzählung. Nostalgie in Filmform und das funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Der Showdown dagegen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wirklich schade. Da bin ich nun schon sehr gespannt, was man in der 2017er Adaption bzw. deren Fortsetzung daraus gemacht hat. Und ich möchte nun auch endlich das Buch lesen. Soviel hat diese heutige Sichtung auf jeden Fall ausgelöst.

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Fazit

Auch wenn die 1990er Verfilmung von „Es“ durchwachsen ist und man ihr den TV-Ursprung ansieht, so überwiegen für mich die positive Aspekte. Den Coming-of-Age-Teil liebe ich sehr und er transportiert das Gefühl auch in die zweite Zeitebene. Ein echtes Kind der 80er bzw. frühen 90er. Und wenn man damals damit aufgewachsen ist, dann fängt einen die dichte Atmosphäre auch heute noch ein: 8/10 Punkte.

27 Gedanken zu “Es – OT: It (1990)

  1. Schönes Review!
    Den Film hab ich Ewigkeiten nicht mehr gesehen, und ich glaube, daher kommt auch meine Abneigung ggü Clowns, aber was ich noch weiß, deckt sich ziemlich mit deiner Erfahrung. 1. Teil super, 2. Teil (vor allem das Ende) grauenhaft.
    Ich hatte auch mal das Buch angefangen, aber ich konnte nach… keine Ahnung, 60 Seiten oder so, einfach nicht mehr weiterlesen. Aber leider fand ich die Erzählweise so dermaßen langatmig, dass ich das Buch aufgegeben habe. Und ich hab sogar Hesses Steppenwolf durchgelesen. Wer das kennt, weiß warum ich es hier anbringe. Wenn sich Leute über Herr der Ringe und Tolkien beschweren, dass das erste Buch ja sooo langatmig geschrieben sei, die haben „Es“ entweder nicht gelesen, oder sind… schizophren? Ich weiß es nicht. Jedenfalls.. ich mag King. Green Mile gelesen, super. Misery, unfassbar gut geschrieben, die Kurzgeschichten größtenteils sowieso. Aber „Es“? Nope…

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    • Danke dir! 🙂

      Meine Frau hat mir vorhin erzählt, dass sie das Buch auch abgebrochen hat. Dafür habe ich heute bei Nerdtalk gehört, dass das Buch so unfassbar gut sein soll. Ach, es ist schon schwierig mit den vielen Meinungen. Sollte ich mir am Ende wohl selbst eine bilden müssen? o_O 😀

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  2. Ich fand den Film beim letzten Sehen reichlich durchschnittlich. Man merkt ihm seine Langatmigkeit an. Offen gestanden kann ich mich aus der Hälfte mit den Erwachsenen an quasi nichts mehr erinnern. Am eindrücklichsten bleiben die Grusel-Momente von Pennywise mit den Kindern (Waschbecken, Dusche) hängen, wobei für mich auch der Kinder-Part jetzt den Film nicht rettet. Insofern sind 8 von 10 Punkten da schon ordentlich Holz vor der Hütte 😀

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    • Ja, der Film ist alles andere als perfekt. Aber er hat Charme und gerade die Kinderszenen sind großartig – eben auch aufgrund der von dir erwähnten Gruselszenen. Überhaupt ist Tim Currys Pennywise nach wie vor wirklich gruselig. Einzig das Finale fällt für mich ab, die 8 Punkte hat der Film aber auf jeden Fall verdient.

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  3. Hallöchen,

    als ich damals den Film das erste Mal gesehen habe, fand ich ihn nicht wirklich gruselig, was aber vielleicht auch daran lag, dass ich davor schon den ein oder anderen neueren Horror Film gesehen hatte (beispielsweise Final Destination) Gerade die Darstellung des Monsters im zweiten Teil im Endkampf fand ich auch ziemlich lächerlich. Tim Curry als Pennywise fand ich hingegen schon sehr gruslig.

    Das Buch hingegen fand ich sehr gruslig und habe ich mittlerweile auch so im Regal stehen, dass ich den Buchrücken nicht mehr sehen kann. Da hat King einfach einen Nerv bei mir getroffen. An meine eigene Fantasie kam die Verfilmung irgendwie nicht ran. In meiner Fantasie war der Horror der Geschichte einfach viel größer.

    Viele Grüße,
    Abigail

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    • Hallo Abigail! Schön, dass du zu meinem Blog gefunden hast. Ich muss gestehen, dass ich den Film beim ersten Mal schon sehr gruselig fand. Allerdings war ich damals mit ca. 12 bis 14 Jahren auch noch überhaupt nicht erfahren, was Horrorfilme anging.

      Auf das Buch habe ich nun richtig Lust bekommen und würde es am liebsten sofort lesen. Wird mein nächstes Projekt, wenn ich mit der „The Three-Body Problem“-Trilogie durch bin.

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  4. Ich muss gestehen, dass ich nur den ersten Teil des alten TV-Films gesehen habe. Zur Hälfte. Die Besetzung konnte mich so überhaupt nicht überzeugen, abgesehen von Tim Currey hat da niemand zu den Charakteren gepasst, die King im Buch erschaffen hat. Es kommt auch zu keiner Stelle die Stimmung, die Atmosphäre des Buches auf. Nachdem mir der Film so oft empfohlen wurde, war es am Ende für mich eine handfeste Enttäuschung.

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    • Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Film für Kenner der Vorlage enttäuschend ist. Ich jedoch mochte die Atmosphäre sehr gerne und auch die Jungschauspieler des ersten Teils haben mir sehr gut gefallen. Wenn man den Film heute zum ersten Mal sieht, hat er es wohl schwer. Da wäre die Neuverfilmung für dich vermutlich die bessere Wahl.

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    • Zumindest diese Verfilmung dürftest du dir ohne Probleme anschauen können. Ich fand Pennywise zwar durchaus noch gruselig, doch richtig unheimlich ist der Film nicht mehr. Und das sage ich als weltgrößter Angsthase wenn es um Horrorfilme geht… 😉

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  6. Ja, das sehen wir mal wieder recht ähnlich. Obwohl ich ihm in Zahlen wohl zwei Zähler weniger gegeben hätte. Das Finale ist halt besonders frustrierend, weil sie diese tolle Vorstellung von Curry hatten und er dort überhaupt nicht mehr vorkommt. Das mag dem Buch entsprechen, stellt sich im Film aber als großes Problem heraus.
    Am Buch versuche ich mich auch gerade habe aber nicht das Gefühl, dass wir Freunde werden. Man merkt halt, dass King hier erfolgreich genug war, dass ihm kein Lektor mehr vorschlagen konnte irgendwas zu kürzen. Ein wenig anstrengend…

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    • Ja, das Finale ist frustrierend und Currys Präsenz fehlt schmerzlich. Allerdings mochte ich den ersten Teil so gerne, dass ich einfach nicht weniger Punkte geben könnte. Objektiv betrachtet sind 6 oder 7 Punkte aber natürlich treffender.

      Hmm, damit machst du mir das Buch nicht gerade schmackhaft. Sind ja schon seeehr viele Seiten. Aber ich habe auch George R. R. Martin gelesen. Insofern… 😉

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      • Ach, verlass Dich bei dem Buch bloß nicht auf mich! Ich habe mit Kings Türstoppern schon immer meine Probleme gehabt und mag ihn lieber in kürzerer Form. Aber da stehe ich eher alleine da, ES ist ja glaub ich immer noch sein beliebtestes Werk.

        Mir ist übrigens die Ähnlichkeit des späteren Autorencharakters in Stand By Me und ES aufgefallen. Beide haben, verglichen mit ihren Freunden, ein eher idyllisches Familienleben, das aber durch den Tod eines Bruders zerstört wird. Frage mich fast, ob King da was autobiografisches verarbeitet.

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      • Ich muss an dieser Stelle ja gestehen noch nie einen King gelesen zu haben. Bin ja auch eher für Bücher, die nicht solche Wälzer sind. Aber hier reizt mich nun eben die Geschichte und die Atmosphäre sehr. Mal sehen. Im Moment bin ich eh noch beschäftigt…

        Bei „Stand by Me“ war es aber nicht der leibliche Bruder oder doch? Zumindest im Film war es ja „nur“ ein Freund aus Kindheitstagen.

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      • In der Rahmenhandlung war es der alte Freund, ja.
        Aber in der „eigentlichen“ Handlung war der große Bruder des Hauptcharakters, der Footballspieler mit dem ihm jeder vergleicht (und er immer den Kürzeren zieht), ein paar Jahre? Monate? vor der Handlung verstorben. In Rückblenden gespielt von John Cusack.

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  7. Pingback: Media Monday #327 | moviescape.blog

  8. Was mir grade noch einfällt, wenn du wirklich noch nie einen King gelesen hast, kannst du dich ja entweder mit den Kurzgeschichten rantasten (Stand by me ist ja auch mehr oder weniger kurz, mit 200 oder 300 Seiten… Erst gelesen und schon vergessen 😉 ), oder du liest Misery. Hab ich oben ja schon erwähnt, und ich kann’s nur wiederholen. Klasse geschrieben (auch vom Präsentationsstil der Geschichte in der Geschichte her sehr schön gemacht), und es ist auch nicht sonderlich lang.

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    • Ich kenne ein paar Kurzgeschichten aus dem Buch, in dem auch “Der Rasenmähermann“ mit drin war. “Es“ reizt mich gerade aufgrund des Settings. Danke dir auf jeden Fall für die Tipps! 👍

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