The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Westworld – Season 1

Jetzt, da es wieder kälter wird, komme ich langsam dazu, den sich bei mir aufgestauten Backkatalog an TV-Serien abzuarbeiten. Einer der großen Serien-Hypes im Jahr 2016 war „Westworld – Season 1“ und nun bin auch ich endlich dazu gekommen, mir selbst ein Bild von der Serie zu machen. Ob die HBO-Produktion Michael Crichtons 70er-Jahre-Film „Westworld“ gerecht wird?

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Westworld – Season 1 | © Warner Home Video

Do Androids Dream of Electric Sheep?

Als nächstes großes Ding nach „Game of Thrones“ angekündigt, erweist sich „Westworld“ zunächst als deutlich sperriger als der große HBO-Hit. Die Geschichte ist komplex, die Handlungsebenen mehrschichtig und die Chronologie gebrochen. Man muss schon wirklich am Ball bleiben, um alles mitzubekommen. Zudem sollte man als Zuschauer auch ein gewisses Faible für Sci-Fi-Themen rund um künstliche Intelligenz mitbringen. Wer jedoch Michael Crichtons Original sowie die beiden Filme im „Blade Runner“-Universum mochte, der dürfte mit der Serie rund um den futuristischen Freizeitpark „Westworld“ mehr als nur glücklich werden.

Auf die Handlung mag ich im Detail gar nicht so sehr eingehen, da es ein paar Wendungen gibt, die nicht im Vorfeld verraten werden sollten. Aufmerksame Zuschauer sollten diese aber bereits im Vorfeld erahnen, so dass, zumindest bei mir, die großen Überraschungsmomente ausgeblieben sind. Vielleicht liegt darin aber auch die Stärke der Serie: Jonathan Nolan und sein Team verlassen sich eben nicht auf plumpe Twists, sondern erzählen ein komplexes Gesamtbild. Dieses ist nicht immer komplett schlüssig, erzeugt aber einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Nur selten wollen manche Erzählstränge (z.B. alles um Lee Sizemore) nicht so wirklich zünden. Gerade im Mittelteil der Staffel gibt es kleinere Schwächen, die vom starken Einstieg und Finale jedoch wieder mehr als wett gemacht werden.

Western trifft auf Science-Fiction

Die Inszenierung der Serie ist über jeden Zweifel erhaben. Landschaftsaufnahmen, die einem John-Ford-Western gut zu Gesicht stünden, wechseln sich mit High-Tech-Laboren ab. Alles wirkt extrem hochwertig produziert, was für uns Zuschauer eine reine Freude ist. Auch typisch für HBO ist der hohe Anteil an Sex und Gewalt, was jedoch nie aufgesetzt wirkt, zumal diese Elemente auch inhärenter Bestandteil der Geschichte rund um den Freizeitpark sind. Zudem fand ich besonders famos, dass die Serie sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch durchaus eine Fortsetzung des 1973er Films sein könnte.

Fazit

Nachdem ich nun das 90-minütige Finale gesehen habe, bin ich umso begeisterter von der Serie und würde am liebsten sofort weiterschauen. Zwar sind die Kritiken zur zweiten Staffel eher verhalten, doch werde ich mir definitiv selbst ein Bild davon machen. Die erste Staffel von „Westworld“ ist unbestreitbar sehr sehenswert, gerade für Sci-Fi-Fans, die mit dem 70er-Jahre-Kino aufgewachsen sind. Wie nicht anders zu erwarten, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 (9.1) Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1

Nach langer Zeit habe ich einmal wieder eine brandaktuelle Serie gesehen. Also so richtig aktuell. Wie ist das möglich? Bei Prime Video ist mit „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1“ eine Serie angelaufen, die tatsächlich mein Interesse geweckt hat. In den letzten Monaten habe ich mich mit „Jagd auf Roter Oktober“ und „Die Stunde der Patrioten“ zu den filmischen Wurzeln dieses Franchises begeben. Zudem sehe ich John Krasinski schon seit „The Office“ und aktuell auch „A Quiet Place“ sehr gerne, so dass ich gespannt war, wie er sich in solch einer actionreichen Serie schlägt…

Tom Clancy's Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

„24“ trifft auf „Homeland“ und etwas „The Office“

Der Serienhit „24“ gehörte damals, Anfang der 2000er, zu den ersten Serien, die ich leidenschaftlich verfolgt hatte. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war das Setting höchst aktuell und hat ein packendes, aber auch recht reaktionäres Bild des Kampfes gegen den Terror gezeichnet. Heute würde das Action-Drama in dieser Form nicht mehr funktionieren. Bereits 2011 hat „Homeland“ gezeigt, dass das Trauma der Ereignisse von vor 10 Jahren tiefere Wunden hinterlassen hat, und Action und Folter nicht die alleinigen erzählerischen Mittel sind. Noch einmal 7 Jahre später steht nun mit „Jack Ryan“ die nächste Serie rund um den Terror in den Startlöchern. Wie bereits erwähnt, basiert sie auf Tom Clancys Romanen, die bereits mehrfach verfilmt wurden. Nun geht es jedoch zurück zu den Anfängen des Charakters und in ein modernes Setting – und das funktioniert auf jeder Ebene famos.

Die Serie verbindet gekonnt große Spannung und harte Action mit gut geschriebenen Charakteren, denen wir uns als Zuschauer nahe fühlen können. Gerade John Krasinski, der wohl nicht die naheliegendste Besetzung ist, bringt für Jack Ryan einen riesigen Sympathiebonus. Sein Charakter zweifelt durchaus auch einmal und ist nicht immer der strahlende Held. Die selbstzerstörerische Natur der CIA-Arbeit hält sich, im Gegensatz zu Carrie Mathison aus „Homeland“, jedoch in Grenzen. Die Serie ist unterhaltsam, scheut aber auch nicht davor zurück, drastische Bilder zu zeigen oder brisante Themen (z.B. Flüchtlingskrise, Einsatz von Drohnen) anzusprechen. In manchen Szenen wurden gar Erinnerungen an „Zero Dark Thirty“ wach. Eine wirklich packende Mischung, die ich so nicht erwartet hatte.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert  von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sein würde. Mit dieser Produktion ist Amazon tatsächlich ein großer Wurf gewonnen. Extrem unterhaltsam und doch auch reflektiert und teils kritisch erzählt. Ein Terror-Thriller für das Jahr 2018. Durch den kompakten Rahmen von acht Episoden, ist das Erzähltempo extrem hoch und man könnte die Serie, wenn man denn die Zeit hat, bestimmt gut an zwei Tagen bingen, wie es die Kids heute so machen. Ein famoser Einstand von John Krasinski als Jack Ryan. Gerne mehr davon: 9/10 (8.8) Punkte.

New Girl – Season 6

Kaum zu glauben, aber ich habe tatsächlich einmal wieder eine TV-Serie gesehen. Man merkt, dass der Hochsommer vorbei ist und wir die langen Abende nicht mehr nur auf der Terrasse verbringen. Schade eigentlich. Dennoch hat es auch Vorteile, zumindest ab und zu, wieder vor den Fernseher zu kommen. Um den Wiedereinstieg nicht zu hart zu gestalten, haben wir uns „New Girl – Season 6“ angesehen. Eine nur allzu bekannte Comedy-Serie, die man auch gut noch spät am Abend einschalten kann…

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

New Girl – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Weiterentwicklung und doch mehr vom Gleichen

Wenig überraschend bietet „New Girl“ auch im sechsten Jahr nur wenig Neues. Okay, das stimmt nicht ganz, denn inhaltlich geht es für die Charaktere durchaus weiter. Nach ihrer Hochzeit ziehen Schmidt und Cece in ein Haus, Winston wird Ally heiraten und selbst Jess‘ Vater geht eine neue Beziehung ein. Für Jess und Nick dagegen bleibt alles beim Alten. Und für die anderen Figuren, wenn man ehrlich ist, eigentlich auch. Schließlich ist dieser Status quo auch die Erfolgsformel, nach der die Serie operiert. Das ist durchaus unterhaltsam, doch lockt dieses Rezept nach sechs Jahren eben niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Fazit

Wer im Vorjahr Spaß mit „New Girl“ hatte, der wird dem bunten Treiben auch im sechsten Jahr etwas abgewinnen können. Alle anderen haben eh schon längst abgeschaltet. Ich für meinen Teil freue mich durchaus, dass man der Serie mit der verkürzten achten Staffel immerhin einen runden Abschluss gönnt – und werde mir auch wieder anschauen: 7/10 (7.3) Punkte.

Castle – Season 8

Einmal mehr verlässt mich eine Serie, die mich schon länger begleitet. Seit 2009 um genau zu sein. Damals habe ich eigentlich nur aufgrund von Nathan Fillion in die Serie reingeschaut, da ich nach „Firefly“ und „Dr. Horrible’s Sing-Along Blog“ bereits große Stücke auf den sympathischen Schauspieler hielt. Mit „Castle – Season 8“ stand nun mit einiger Verspätung das Finale des Krimi-Procedurals auf dem Programm. Ob der Charme des Hauptdarstellers und seiner Kollegin auch dieses Jahr wieder ausgereicht hat, um die Serie zu tragen?

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Castle – Season 8 | © ABC Studios

Abschied von Castle und Beckett

Nachdem ich die siebte Staffel via Prime Video gesehen hatte, und die Verfügbarkeit mitten in der achten Staffel stoppte, war meine Motivation in diese unterhaltsame Krimi-Welt zurückzukehren doch eher gering. Typisch Streaming eben. Dennoch wollte ich die Serie nicht abschreiben und habe nur auf den richtigen Moment (sprich einen günstigen Preis für die DVD-Box) gewartet, um endgültig Abschied zu nehmen. Das Warten hat sich gelohnt, denn auch wenn „Castle“ im achten Jahr nichts mehr wirklich Neues bietet, so weiß die Chemie zwischen den Darstellern doch nach wie vor zu überzeugen und der Wortwitz, speziell von Nathan Fillions Charakter, ist ein steter Grund zur Freude. Dennoch sollte man sich keine Illusionen machen, denn mehr als ein recht formelhaftes Krimi-Procedural hat auch das große Finale nicht zu bieten.

Wie bereits in den Vorjahren, haben mir speziell die Einzelepisoden viel Spaß gemacht, die sich ihre Prämisse öfter der Popkultur entleihen (z.B. ein Setting wie in „Saw“ oder die Origin-Geschichte eines Superhelden). Weniger überzeugt hat mich dagegen der große Handlungsstrang rund um LokSat, weil dieser auf mich stets sehr forciert und unnötig ernsthaft wirkte. Somit ergibt sich für die letzte Staffel folgende Eingliederung in das Gesamtbild:

  1. „Castle – Season 4“ (8.8 Punkte)
  2. „Castle – Season 3“ (8.6 Punkte)
  3. „Castle – Season 5“ (8.5 Punkte)
  4. „Castle – Season 2“ (8 Punkte)
  5. „Castle – Season 6“ (7.9 Punkte)
  6. „Castle – Season 7“ (7.8 Punkte)
  7. „Castle – Season 1“ (7 Punkte)
  8. „Castle – Season 8“ (7.4 Punkte)

Fazit

Auch wenn die finale Staffel von „Castle“ keinerlei neue Aspekte bietet, so hatte ich doch wieder enorm viel Spaß mit diesem sympathischen Ermittlungsteam. Leider merkt man an der letzten Episode deutlich, dass eigentlich eine Fortsetzung geplant war und das tatsächliche Finale nur schnell hinterher geschoben wurde. Das hätte die Serie nicht verdient gehabt. Ich werde dieses Krimi-Procedural dennoch als eines der besten seiner Art in Erinnerung behalten: 7/10 (7.4) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 7

Vor gut fünf Monaten bin ich nach Charming aufgebrochen. Nun geht mein Aufenthalt in diesem, inzwischen nicht mehr ganz so idyllischen, Städtchen zu Ende. Hatte ich zu Beginn meiner Reise die einzelnen Staffeln teils innerhalb von zwei Wochen verschlungen, hat sich die Verweildauer pro Staffel gegen Ende deutlich erhöht. Für „Sons of Anarchy – Season 7“ habe ich zwei Monate benötigt, was größtenteils auch dem verlockenden Wetter zuzuschreiben ist. Die Sommermonate sind einfach keine gute Zeit für Filme und Serien. Spoiler sind zu erwarten.

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

A good father and a good outlaw can’t settle inside the same man.

Deutlich mehr, als noch in den vorangegangenen Staffeln, fällt der düsterere Ton auf. Gerade Jax‘ stetes Abgleiten in nihilistische Rachefantasien ließ mich den Rest an Grundsympathie vermissen, die dem ambivalenten Charakteren bisher innewohnte. Seit dem Finale der sechsten Staffel existiert für Gemma, und nun auch immer mehr für Jax, keine Grauzone mehr. Dies hat bei mir für eine deutlich größere Distanz gesorgt, auch wenn die Figuren schon davor alles andere als Heilige waren. Gerade die ersten zwei Drittel der Staffel sind geprägt von unreflektierten Gewaltexplosionen und lassen wenig Raum für die bisher stets eingestreuten, und für die Serie so wichtigen, zwischenmenschlichen Szenen.

Die Handlung ist immer noch sehr packend und mitreißend, jedoch war ich emotional nicht mehr so stark involviert, wie in den vorangegangenen Staffeln. In den letzten vier Episoden wird das unausweichliche Ende vorbereitet, was auch den Charakteren wieder mehr Menschlichkeit verleiht. Ab diesem Zeitpunkt hatte mich die Serie auch wieder. Bis zum Finale, das ich zumindest brauchbar fand, aber eben auch extrem vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht – nicht nur für Jax, sondern für SAMCRO insgesamt. Emotional durchaus mitreißend, inhaltlich wird dieser Schritt für die dargestellte Welt aber kaum weitreichende Auswirkungen haben. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, als einen überinszenierten Märtyrertod.

We can’t allow our hearts to be louder than our reason.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf die Struktur der Serie eingehen, welche ich durchaus bemerkenswert finde. Auch wenn es sich inhaltlich angeboten hätte, wird komplett auf Rückblenden verzichtet. Man befindet sich stets im Hier und Jetzt und ist nahe an den Figuren dran. Zusammen mit mit der realitätsnahen Inszenierung, und der Entscheidung für einen Soundtrack bzw. dem Verzicht auf einen Score, entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Man erkennt eine Handschrift, was die sieben Staffeln wie aus einem Guss wirken lässt. Das ist bestimmt bei einigen Serien so, doch bei kaum einer ist es mir so bewusst aufgefallen, wie bei „Sons of Anarchy“.

Wie bereits angedeutet, war die finale Staffel der Serie für mich die schwächste. Weit davon entfernt schlecht zu sein, doch weniger mitreißend und inhaltlich auch nicht mehr so ausgefeilt, wie ich es von den Vorjahren gewohnt war. Für mich ergibt sich somit folgendes Ranking, wobei ich die erste Staffel nachträglich definitiv höher als die sechste einordnen würde:

  1. „Sons of Anarchy – Season 5“ (9.5 Punkte)
  2. „Sons of Anarchy – Season 4“ (9.2 Punkte)
  3. „Sons of Anarchy – Season 3“ (8.9 Punkte)
  4. „Sons of Anarchy – Season 2“ (8.8 Punkte)
  5. „Sons of Anarchy – Season 6“ (8.6 Punkte)
  6. „Sons of Anarchy – Season 1“ (8.5 Punkte)
  7. „Sons of Anarchy – Season 7“ (8.1 Punkte)

Fazit

Beinahe ein halbes Jahr habe ich mit den „Sons of Anarchy“ verbracht. Eine lange Zeit und wohl einer meiner letzten großen Serien-Marathons. Schon alleine deshalb wird die Serie für mich stets in besonderer Erinnerung bleiben. Gerade die mittleren drei Staffeln boten großartige Unterhaltung. Aufgrund von leichten Schwächen gegen Ende hat es die Serie nicht komplett unter meine Lieblingsserien geschafft, doch das macht auch nichts. Insgesamt lohnt sich der Ausflug nach Charming definitiv und ich werde beim noch in diesem Jahr startenden Spin-off „Mayans MC“ auf jeden Fall auch reinschauen: 8/10 (8.1) Punkte.

Life in Pieces – Season 3

Über das letzte halbe Jahr haben wir uns mit eher niedriger Priorität und teils sehr sporadisch „Life in Pieces – Season 3“ anschaut. Eben immer dann, wenn wir schon müde waren und gerade noch 20 Minuten Unterhaltung zum Abschalten brauchten. Hier zeigt sich, dass die Serie bei uns keinen sonderlich hohen Stellenwert einnimmt, warum sich das Einschalten dennoch lohnen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Eigentlich kann ich die Besprechung der zweiten Staffel nahezu vollständig kopieren, denn weiterhin leidet die Serie in meinen Augen am stärksten unter ihrer Aufteilung in leicht verdauliche Häppchen. Nur selten werden die einzelnen Episödchen zueinander in Bezug gesetzt und ich habe immer mehr das Gefühl, einer Sketch-Comedy, die für eine schnelle Pointe geschrieben wurde, zuzusehen. Das ist wirklich schade, denn ein paar der Charaktere haben wirklich Potenzial, werden aber häufig dem billigen Gag geopfert. Das macht teilweise durchaus Spaß, doch im Vergleich zu Comedys oder Sitcoms, die mehr Wert auf Storytelling legen, fällt „Life in Pieces“ schon extrem ab.

Fazit

Wie bereits beschrieben, funktioniert „Life in Pieces“ für mich wunderbar als kleines Häppchen vor dem zu Bett gehen. Ich würde mir jedoch wirklich wünschen, dass die Autoren mehr wert auf eine Verknüpfung der einzelnen Segmente legen. In ihrer jetzigen Form wird die Serie bei mir nie über das Prädikat ‚ganz nett‘ hinauskommen:  7/10 (6.7) Punkte.

Red Oaks – Season 1 to 3

Schon vor geraumer Zeit hatten wir uns die Pilot-Episode von „Red Oaks“ angesehen. Damals konnte sie uns nicht sofort abholen, so dass die Amazon-Produktion wieder aus unserem Programm verschwunden ist. Aufgrund der mehrfachen Empfehlung durch den Sneakpod wollte ich der Serie noch einmal eine Chance geben und siehe da: Wir waren vollends begeistert. Manchmal lohnt es sich eben doch, Serien eine zweite Chance zu geben…

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Staffel 1: Willkommen in den 80ern

In der ersten Staffel lernen wir die Charaktere kennen, die uns unglaublich schnell ans Herz gewachsen sind. Auch im titelgebenden Country-Club „Red Oaks“ fühlten wir uns sofort zu Hause, was auch kein Wunder ist, steht dieser doch im Zentrum nahezu jeder Episode. Besonders großartig fand ich das authentisch wirkende 80er-Jahre-Gefühl, das durch die Serie heraufbeschworen wird. Man wähnt sich schon fast in einem modernen John-Hughes-Film, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Großartig fand ich auch die Body-Switch-Episode „Body Swap“, welche sich trotz der ungewöhnlichen Prämisse wunderbar in die Serienwelt eingliedert. Ein wahrlich großartiges Vergnügen: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 2: Eine Zeit des Umbruchs

Mit der zweiten Staffel zeigt sich recht deutlich, dass wir die eingeschlagenen Pfade verlassen. Die erste Episode spielt komplett in Paris und spiegelt die Nouvelle Vague sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch wider. Auch in den weiteren Episoden lassen wir „Red Oaks“ als zentralen Schauplatz größtenteils hinter uns und begleiten die nun etablierten Charaktere bei großen Veränderungen in ihrem Leben: sei es die Scheidung von Davids Eltern, neue Beziehungen oder berufliche Umorientierungen. Das große Thema Coming-of-Age wird auf alle Figuren ausgedehnt und jeder macht eine signifikante Entwicklung durch. Das mochte ich wirklich sehr. Dennoch fühlt sich die zweite Staffel nicht mehr ganz so frisch an, wie die erste: 8/10 (8.2) Punkte.

Staffel 3: Der Abschied von „Red Oaks“

In der dritten Staffel haben alle Charaktere noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht: David hat endlich eine Wohnung in New York City, sein Vater eine neue Beziehung, seine Mutter erlebt ihre zweite Jugend und zwischen Wheeler und Misty wird es ernst. Douglas Getty (grandios gespielt von Paul Reiser) versucht das Schicksal von „Red Oaks“ aus dem Gefängnis zu lenken – und man merkt auch als Zuschauer, dass an diesem ursprünglichen Zentrum der Handlung nur noch aus Nostalgie festgehalten wird. Gegen Ende fügen sich alle Handlungsstränge wunderbar schlüssig zusammen und jeder einzelnen Figur wird ein passendes Ende spendiert. Vielleicht ein wenig zu positiv, doch warum auch nicht? Ich mochte das sehr und hätte gerne noch mehr Zeit mit den Figuren verbracht: 9/10 (8.8) Punkte.

Fazit

Mir hat „Red Oaks“ nach dem holprigen ersten Start wirklich extrem gut gefallen. Letztendlich war die Serie genau mein Ding: Coming-of-Age, 80er, Filmbezug – eine ziemlich perfekte Mischung. Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich kann mit Überzeugung sagen, dass dies die beste Amazon-Serie ist, die ich bisher gesehen habe. Kann ich jedem wirklich nur ans Herz legen: 9/10 (8.5) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 6

Langsam aber sicher nähert sich mein Besuch in Charming seinem Ende. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zu Schauen gekommen, denn aufgrund des unrühmlich in die Annalen unserer Familiengeschichte eingegangenen Magen-Darm-Desasters hatte ich aufgrund von hämmernden Kopfschmerzen und akuter Müdigkeit abends nicht einmal die Energie für eine Episode von „Sons of Anarchy – Season 6“. Soweit ist es also schon gekommen. Inzwischen konnte ich jedoch auch noch die letzten Episoden abschließen und mich sogar zu einer Besprechung hinreißen lassen. Es geht also aufwärts…

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

This life, it ain’t romantic or free.

Auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte, so begibt sich das Autorenteam rund um Kurt Sutter noch weiter in die Dunkelheit. Sprich für die Charaktere rund um Jax Teller geht die Reise in die Finsternis weiter. Dabei fällt es – noch mehr als in der fünften Staffel – auf, dass sich die ursprünglich durchaus guten Absichten ins Gegenteil verkehren. Gerade Jax und Tara ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dieses Ziel, so zeigt sich recht bald, ist kein gemeinsames mehr, auch wenn es ursprünglich einmal so gewesen sein mag. Beide gehen über Leichen und selbst ehemalige Allianzen sind nichts mehr wert. Trotz der härteren Gangart, was die Sympathie für die Hauptfiguren angeht, schaffen es die Autoren, dass ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Mit einem schlampigeren Drehbuch hätte das leicht ins Auge gehen können.

Dennoch fand ich die Handlung in der sechsten Staffel ein wenig schwächer als die des Vorjahres. Die Geschichte hat auf mich zerfaserter gewirkt und es gab etliche Parallelhandlungen, die vom eigentlichen Kern abgelenkt bzw. zu konstruiert auf diesen eingezahlt haben. Immer noch sehr gut, doch die erzählerische Dichte des Vorjahres wird nicht mehr komplett erreicht. Dennoch gelingt es den Autoren gerade am Ende des Staffel wieder für so manchen Schockmoment zu sorgen. Zudem meine ich langsam erahnen zu können, wie die Serie eventuell ausgeht. Doch mehr dazu in der Besprechung der finalen Staffel.

And we both know it’s only going to get worse.

Nachdem man in „Sons of Anarchy“ inzwischen schon etliche Schauspieler aus „The Shield“ wieder getroffen hat, begegnen wir im sechsten Jahr CCH Pounder, deren Charakter Tyne Patterson mich tatsächlich sehr an Claudette Wyms aus der Cop-Serie erinnert hat. Überhaupt ist es erneut eine Freude, die verschiedenen Schauspieler beim Ausfüllen ihrer Rollen zu sehen. Auch wenn es für manche der letzte Auftritt sein sollte. Gerade das Finale hat mich in dieser Hinsicht mehrfach schlucken lassen. Harter Tobak – und ich kann nur erahnen, wie sich die daraus resultierenden Konsequenzen in der kommenden Staffel auflösen werden. Es bleibt spannend!

Fazit

Auch wenn ich die Serie in ihrem sechsten Jahr nicht ganz so perfekt fand, wie in den zwei Staffeln davor, so konnte mich Kurt Sutters Epos dennoch weiterhin begeistern. Man merkt auch an der Laufzeit der einzelnen Episoden (meist über eine Stunde), dass es noch viel zu erzählen gibt. Vor dem großen Abschluss graut es mir schon in vielerlei Hinsicht. Nicht nur muss ich eine lieb gewonnene Serie hinter mir lassen, ich bin auch sicher, dass es alles andere als ein Happy End geben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 5

Nachdem ich mir für die vierte Staffel ein wenig mehr Zeit gelassen hatte, habe ich „Sons of Anarchy – Season 5“ wieder im Rekordtempo verschlungen. Wozu so eine Erkältung doch gut sein kann. Am Sofa sitzen, zu müde für einen Film, doch ein Besuch in Charming ist immer drin. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Serie in ihrem fünften Jahr teils wie ein Fiebertraum anfühlt…

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Hopeless in Charming

Was für eine Tortur. Wurde schon in den vorhergehenden Staffeln nicht gerade zimperlich mit den Charakteren umgesprungen, treiben es die Autoren rund um Kurt Sutter im fünften Jahr auf die Spitze. Mit dem Machtwechsel innerhalb von SAMCRO prasselt es nun von allen Seiten auf Jax ein. Er kann größtenteils nur noch reagieren und spielt Feuerwehr. Dabei bleibt viel von ihm auf der Strecke und er handelt plötzlich so, wie man es zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Dabei ist es weniger die Macht, die ihn korrumpiert, als sein Verantwortungsgefühl und die sich überschlagenden Ereignisse. Dieses Spannungsfeld ist das zentrale Element der Staffel – und es macht sie auch so gut und mitreißend. Selbst wenn es manchmal hart war, die jüngsten Entwicklungen zu verdauen, so waren sie doch so eng mit den zentralen Figuren – und dem seit der ersten Staffel schwelenden Konflikt – verwoben, dass man als Zuschauer gar nicht umhin kommt, als emotional komplett involviert zu sein.

Die Serie wird, so zumindest mein Eindruck, brutaler und kompromissloser. Sobald ein Hoffnungsschimmer am Horizont auftaucht, wird dieser durch plötzlich einsetzende, neue Entwicklungen wieder zunichte gemacht. Und es gibt Todesfälle zu beklagen, die nicht nur die Sons ziemlich aus der Bahn werfen. Auch ein paar Neuzugänge gibt es zu vermelden: So betritt Jimmy Smits, den ich in „The West Wing“ zu schätzen gelernt habe, als neuer Spieler das Feld und Harold Perrineau, u.a. bekannt aus „Lost“, ist als großer Gegenspieler zu sehen. Den besten Auftritt hat jedoch Walton Goggins („The Shield“ und „The Hateful Eight“), bei dem man auch wirklich zweimal hinschauen muss. Herrlich!

Fazit

Auch wenn das Staffelfinale in diesem Jahr nicht mit einem großen Knall endet, so befindet sich jedoch alles in der Schwebe: Jax hat sich immer mehr in eine Richtung entwickelt, die er in den ersten Staffeln noch unbedingt vermeiden wollte. Nun ist er einmal mehr alleine verantwortlich für seine Familie und muss die richtigen Entscheidungen treffen. Das wird nicht einfach werden und ich blicke jetzt schon mit einem bangen Blick auf die verbleibenden zwei Staffeln. Ob eine weitere Steigerung drin ist? Das fünfte Jahr war für mich bisher das stärkste: 10/10 (9.5) Punkte.