Der Pate – OT: The Godfather (1972) (WS1)

Ich gehe kaum noch ins Kino. Schon vor der Pandemie nicht und seitdem noch weniger. In den letzten zwei Jahren habe ich es auf zwei Kinobesuche gebracht, welche mehr oder weniger gelungen waren. Auch diesen Kinobesuch hatte ich bereits mehrfach ausgeschlagen, doch die Hartnäckigkeit eines gewissen Herren hat sich ausgezahlt. Also für mich, denn somit bin ich in den Genuss von „Der Pate“ bzw. „The Godfather“ in der restaurierten 4K-Version zum 50. Jahrestag gekommen, welche auf großer Leinwand noch einmal beeindruckender wirkt. 📽

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

Der Pate (1972) | © Paramount (Universal Pictures Germany GmbH)

„Der Pate“ ist nach 50 Jahren noch großes Kino

Am meisten beeindruckt hat mich tatsächlich, dass der „Der Pate“ nun schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. In meiner Wahrnehmung trifft das eher auf Filme aus den 1950ern zu. Aber ich bin eben auch keine Zwanzig mehr. Es ist unbestreitbar, dass Francis Ford Coppola mit „Der Pate“ Kinogeschichte geschrieben hat und die aktuelle Sichtung hat das für mich noch einmal verdeutlicht: Seien es Handlungsstränge, archetypische Charaktere, Manierismen der Figuren oder auch Kameraarbeit und die Inszenierung von Gewaltausbrüchen. All dies ist heute für uns selbstverständlich, weil alle Mafiageschichten, bis hin zum modernen Gangsterkino, sich aus Coppolas Baukasten bedienen. Von den unzähligen Referenzen und Parodien einmal ganz abgesehen. Das hier ist wahrlich der Film, der mehr als nur sein Genre geprägt hat.

Ein Aspekt, der mir im Kino zum ersten Mal aufgefallen ist, bezieht sich auf die Technik: Nahezu jede Einstellung wirkt so, als wäre sie mit der gleichen Brennweite gefilmt. Der gesamte Film besitzt eine leichte Tele-Optik, Weitwinkel kommt nie zum Einsatz. Eine kurze Recherche zeigt, dass Coppola bzw. sein Kameramann Gordon Willis „Der Pate“ tatsächlich so gut wie vollständig mit einer 40-mm-Linse gedreht hat. Dieser spezielle und konsequente Look hat teils etwas Dokumentarisches (z.B. auf der Hochzeitsfeier) und bringt uns sehr nahe an die Figuren heran. Davon abgesehen ist der Look der neuen Fassung deutlich neutraler in seiner Farbgestaltung als die vergangene Veröffentlichung, welche ich zuletzt vor 12 Jahren gesehen habe.

Die Handlung von „Der Pate“ zieht sich über mehrere Jahre. Coppola arbeitet jedoch nicht mit Texttafeln, welche Zeitsprünge ankündigen, sondern lässt die genaue zeitliche Verortung teils offen, teils legt er diese seinen Figuren in den Mund. Dies hat bei einer befreundeten Kollegin, die den Film zum ersten Mal gesehen hat, für Verwirrung gesorgt, was ich durchaus nachvollziehen kann. Komplett stringent erzählt Coppola die Zeitlinie nicht. Eine weitere Beobachtung: Ich vermute, dass „Der Pate“ auch heute noch deshalb so zeitlos wirkt, weil Coppola den Film, entgegen des Wunsches des Studios, nicht in den 1970ern spielen lässt, sondern die Handlung, wie auch die Vorlage, in den 1940er Jahren verortet.

Fazit

Es war tatsächlich ein Erlebnis, „Der Pate“ im Kino zu sehen. Vielleicht gar nicht so sehr die Tatsache, den Film auf der großen Leinwand gesehen zu haben, sondern die damit verbundenen Umstände, sprich sich über den Film auszutauschen und frische Perspektiven zu entdecken. Ich habe nun tatsächlich Lust bekommen, mir auch die Fortsetzungen einmal wieder anzusehen, doch werde ich damit wohl warten, bis es die neue Restauration auf den Heimkinomarkt geschafft hat. Dann ist das quasi ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann: 10/10 Punkte.

The Expanse – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 6)

In den vergangene zwei Monaten habe ich eine Serie gesehen, die schon ewig auf meiner Liste stand. Doch ich wollte warten, bis sie abgeschlossen ist. Das ist sie seit ein paar Wochen und somit habe ich endlich „The Expanse“ gesehen. Der Serie eilt der Ruf voraus, die Sci-Fi-Offenbarung der letzten Jahre zu sein. Nach der Sichtung kann ich dieser Einschätzung nur zustimmen und schon einmal vorwegnehmen, dass ich euch die Serie, selbst wenn ihr keine Hardcore-Sci-Fi-Fans seid, wirklich sehr ans Herz legen kann. 👩‍🚀🚀

The Expanse | © SyFy & Amazon Prime Video

The Expanse | © SyFy & Amazon Prime Video

Über „The Expanse“ wird auch gesagt, die Serie sei das „Game of Thrones“ im Weltraum. Ich kann dem zu einem gewissen Grad zustimmen, speziell was Politik und den Einsatz von Fantasy-Elementen angeht. „The Expanse“ ist jedoch viel optimistischer, gerade was die Entwicklung der Held*innen angeht. Doch lest selbst und begleitet mich auf auf die Reise durch unser Sonnensystem:

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A Quiet Place 2 – OT: A Quiet Place: Part II (2020)

Nachdem wir heute den zweiten Teil des Adventure-Games „Im Nebelreich“  gespielt haben, sind wir erst gegen 21:30 Uhr aufs Sofa gekommen. Eigentlich zu spät für einen Film, doch wollte ich unbedingt „A Quiet Place 2“ sehen, zumal der morgige Abend bereits verplant ist. Glücklicherweise war auch die Fortsetzung kein Film, bei dem die Müdigkeit durchschlägt. 🎙🤫

A Quiet Place 2 (2020) | © Paramount (Universal Pictures)

A Quiet Place 2 (2020) | © Paramount (Universal Pictures)

Eine gelungene und konsequente Fortsetzung

Gerade im Horrorgenre sind Fortsetzungen oft eher mit Vorsicht zu genießen. Auch der Überraschungshit „A Quiet Place“ war nie als Franchise geplant. Umso gespannter war ich, was sich John Krasinski für das Sequel hat einfallen lassen: Zunächst einmal beginnt es mit einem Rückblick zum ersten Tag des Monsterangriffs. Man begleitet erneut die Familie Abbott und lernt das Leben mit all seinen Geräuschen kennen. Diese ersten 10 Minuten wirken ein wenig unnötig, doch glücklicherweise platziert Krasinski hier bereits Elemente (Setup), welchen später in der Geschichte noch eine Bedeutung zukommt (Payoff). Dadurch wirkt auch diese Zeit nicht verschwendet und der Bruch vom lauten Alltag hin zur stillen Postapokalypse ist sehr wirkungsvoll.

War der erste Teil eher noch intimes Familiendrama, so macht „A Quiet Place 2“ seine Welt größer. Mit Cillian Murphy gesellt sich ein neuer Darsteller zum Cast, der sehr gut in diese Welt passt. Oft erleben wir drei parallele Handlungsstränge, welche stets durch eine dramaturgisch abgestimmte Parallelmontage inszeniert werden. Sehr effektvoll und mitreißend. Inhaltlich wird die Geschichte auch konsequent fortgeführt. Sie verläuft ziemlich genau so, wie man sich das nach dem ersten Teil hätte denken können. Es gibt kaum Überraschungen und auch wenn ich es schön fand, die Figuren bei ihrem weiteren Überlebenskampf zu begleiten, so habe ich mich doch gefragt, ob das denn überhaupt nötig war.

Fazit

Konnte mich „A Quiet Place“ durch seine Originalität uns sein intimes Familiendrama begeistern, so führt die Fortsetzung den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Dabei ist sie inhaltlich nicht mehr so auf den Punkt geschrieben, was jedoch der Struktur der Geschichte geschuldet ist. Vermutlich das beste Sequel, das man hätte umsetzen können, jedoch bleibt es fraglich, ob es überhaupt eines gebraucht hätte: 7/10 Punkte.

A Quiet Place (2018) (WS1)

Am Ende eines recht entspannten Tages, den wir größtenteils mit dem Adventure-Game „Im Nebelreich“ verbrachten, stand abends noch ein Film auf dem Programm. Vor der Fortsetzung, die unter dem Weihnachtsbaum lag, wollte ich noch einmal den ersten Teil von „A Quiet Place“ sehen. Gesagt, getan. 🌽🤫

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

A Quiet Place (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Familiendrama und Monsterhorror in Perfektion

Ich mochte „A Quiet Place“ bereits während meiner ersten Sichtung. Der Film bietet ein innovatives Endzeitsetting, eine starke Inszenierung, glaubwürdige Effekte und vor allem sympathische Figuren, mit denen man mitfiebern kann. Es ist wahrlich unfassbar schmerzhaft mit anzusehen, wie die Abbotts den gesamten Film über mit dem Verlust ihres bis dato jüngsten Familienmitglieds kämpfen. Jede einzelne Figur hat hier ihre Bürde zu tragen und die Emotionen schlagen voll durch. Letztendlich ist es auch das Familiendrama, was „A Quiet Place“ von anderen Genrevertretern abhebt. Hier hat John Krasinski (bekannt aus „The Office“ und „Tom Clancy’s Jack Ryan“) wahrlich ein gutes Händchen bewiesen, wie überhaupt beim gesamten Film, für den er sich als Drehbuchautor, Regisseur und männlicher Hauptdarsteller verantwortlich zeichnet.

Mit seinen knapp 90 Minuten Laufzeit ist „A Quiet Place“ unglaublich effizient erzählt. Es ist wahrlich kein Gramm Fett zu viel an dem Film. Das Pacing ist somit unglaublich gut, was aber nicht bedeutet, dass keine Zeit für ruhige Momente ist. Wenn es jedoch intensiv wird, dann gibt es keine Verschnaufpause. Ein Filmerlebnis, das mich selbst bei der Zweitsichtung auf der Sofakante sitzen ließ. Wer hier mit Logiklöchern kommt, der/dem kann ich auch nicht helfen. Ich war zu keiner Sekunde in Versuchung, über mangelnden Realismus nachzudenken, denn für mich ist die Logik des Films in sich schlüssig und konsistent. Und er ist einfach unfassbar mitreißend.

Fazit

Mir hat „A Quiet Place“ heute noch besser gefallen als bei der ersten Sichtung vor drei Jahren. Nun freue ich mich schon unglaublich auf die Fortsetzung, für die ich tatsächlich die Hoffnung habe, dass Krasinski die Geschichte der verbleibenden Familie Abbott schlüssig weitererzählt. Ein wunderbarer Film: 9/10 Punkte.

Enemy Mine: Geliebter Feind (1985)

Momentan ist eine seltsame Zeit. Gegen Ende des Jahres fühle ich mich ja meist etwas von der Rolle, doch zurzeit ist es echt schlimm. Vermutlich habe ich mich heute auch deshalb für „Enemy Mine: Geliebter Feind“ entschieden. Weil ich damit Erinnerungen verbinde, doch dazu später mehr. Zudem gibt es ein neues RedLetterMedia re:View dazu, was wohl ein Zeichen ist. Also dann, auf zu fremden Welten… 👨‍🚀👽

Enemy Mine: Geliebter Feind (1985) | © 20th Century Fox

Enemy Mine: Geliebter Feind (1985) | © 20th Century Fox

Herrlich klassisches Sci-Fi-Kino made in Germany

Ich habe „Enemy Mine: Geliebter Feind“ irgendwann als Kind bzw. junger Teenager gesehen. Aber nicht komplett. Vermutlich bis zur 45-Minuten-Marke, also bis 21 Uhr. Damals starteten Filme schließlich allesamt um 20:15 Uhr nach der Tagesschau. Somit war ich also noch so jung, dass ich früher ins Bett musste. Auch weiß ich genau, dass ich den Film auf jeden Fall noch fertigschauen wollte, da mich die Geschichte unglaublich faszinierte. Allerdings habe ich das nie. Heute jedoch war es soweit und ich wurde mit einem wunderbar klassischen Sci-Fi-Drama belohnt.

Die Prämisse von zwei Feinden, die auf einem fremden Planeten stranden und die sich dort zusammenraufen, ist so einfach wie genial. Dennis Quaid spielt einen typischen, amerikanischen Draufgänger und Louis Gossett Jr. seinen außerirdischen Gegner. Natürlich kommt es, wie es kommen musste: Die beiden freunden sich unter widrigen Bedingungen an, es kommt zu einem tragischen Todesfall und einer der beiden muss ein Versprechen einlösen. All das ist wunderbar handgemacht inszeniert und strahlt viel Charme aus. Zumindest wenn man sich nach den ersten paar Minuten an die doch nicht mehr taufrischen Effekte gewöhnt hat. Speziell die Maske der/des Drac ist jedoch nach wie vor großartig. Auch die meisten Sets können sich sehen lassen. Die Gänge der futuristischen Raumstation habe ich selbst übrigens schon, nach einem Ritt auf Fuchur, in der Bavaria-Filmstadt erkundet.

Als Kritikpunkte kann ich höchstens den teils anstrengenden Score sowie das konstruierte und teils auch gehetzt wirkende Finale nennen. Das war schon zu schön, um wahr zu sein. Andererseits hätte mich ein düsteres Ende auch nicht glücklich gemacht. So oder so bin ich froh, den Film endlich komplett gesehen zu haben.

Fazit

Nun habe ich Wolfgang Petersens „Enemy  Mine: Geliebter Feind“ nach ca. 30 Jahren endlich zu Ende geschaut. Auch wenn die Faszination der damaligen Sichtung nicht komplett eingefangen werden konnte, so ist der Film für Sci-Fi-Fans doch immer noch lohnenswert. Die Geschichte um Toleranz und Akzeptanz ist zudem wirklich schön und in unserer heutigen Zeit auch wichtiger denn je: 8/10 Punkte.

Midnight Mass (2021) – Besprechung der Miniserie

Zwar hatte ich schon viel Gutes über die Serie gelesen, doch ohne die vehemente Empfehlung von Dome wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mir „Midnight Mass“ tatsächlich auch anzusehen. Schließlich ist es eine Geschichte von Mike Flanagan, der in den letzten Jahren mit den Gruselserien „Spuk in Hill House“ und „Spuk in Bly Manor“ große Erfolge feierte und der sich auch für die Verfilmung des „Shining“-Sequels „Doctor Sleeps Erwachen“ verantwortlich zeichnet. Ob die Serie für einen alten Angsthasen wie mich geeignet war? Spoiler sind zu erwarten. 👻

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Die perfekte Symbiose aus Drama und Horror

Bereits nach der ersten Episode war ich geplättet und von der dichten Atmosphäre der kleinen Insel, auf der nahezu die gesamte Serie spielt, komplett vereinnahmt. Speziell zu Beginn wusste ich noch gar nicht, in welche Richtung sich die Serie entwickeln würde. Sie schien sich in Richtung Geistergrusel zu bewegen, was in Anbetracht des Prologs auch Sinn zu machen schien. Doch schon bald stellt sich die scheinbare Geistererscheinung als reine Visualisierung der Schuld unseres Protagonisten dar. Dieser wird übrigens von Zach Gilford gespielt, den Serienfreund*innen aus „Friday Night Lights“ kennen dürften. Ihm gegenüber spielt Hamish Linklater die zweite männliche Hauptperson, den Pfarrer Paul. Auch wenn sich Linklater in den letzten Jahren immer mehr dem dramatischen Fach zugewandt hat, so muss ich bei ihm stets an seine Rolle in „The New Adventures of Old Christine“ denken. Wahnsinn, was er seitdem für eine Wandlung durchgemacht hat.

Man of Science, Man of Faith

Inhaltlich macht Mike Flanagan mit „Midgnight Mass“ viele Türen auf: Es geht um Schuld, Sühne und Vergebung. Natürlich steht auch ganz offensichtlich Religion im Zentrum der Geschichte, bis hin zu religiösem Fanatismus. Dazwischen gibt es jedoch unzählige Schichten an Interpretationsmöglichkeiten. Ich warne an dieser Stelle noch einmal vor Spoilern! So kommt unser Pfarrer überhaupt nicht auf die Idee, dass es sich bei dem Wesen, das sich ihm annimmt, um etwas anderes handeln könne, als um einen Engel Gottes. Für uns Zuschauer ist es vom ersten Moment an offensichtlich, es hier mit einem Vampir zu tun zu haben. Vampire scheinen jedoch in der Serienwelt nicht zu existieren, denn kein(e) Protagonist*in spricht je diese Vermutung aus. Im Grunde geht es aber auch nicht um das monsterhafte Wesen, sondern wie Paul und seine Apostel es und seine Wunder auslegen. Wie diese vielleicht schon immer ausgelegt wurden. Für mich wohl der spannendste Aspekt der gesamten Serie.

„Midnight Mass“ ist offensichtlich eine religionskritische Serie, wobei Mike Flanagan seinen Figuren auch nicht abspricht, einen Sinn im Glauben (egal ob Christentum oder Islam) zu finden. Er stellt sich klar gegen extremistische Tendenzen, welche in der Serie erschreckend durch die Figur von Bev Keane (beeindruckend gespielt von Samantha Sloyan) zum Ausdruck gebracht werden. Es steckt jedoch noch so viel mehr in den nur sieben Episoden dieser Serie, dass ich in den nächsten Wochen bestimmt noch viel über sie nachdenken werde. Gerade auch, weil das Finale wunderbar abgeschlossen ist und es demnach bei dieser Miniserie bleiben wird. Eine Serie wie ein gutes Buch.

Fazit

Mich hat „Midnight Mass“ extrem beeindruckt: Die ruhige, bedächtige Erzählweise, die gezielt eingesetzten Schockmomente, die famosen Schauspieler*innen und vor allem der thematische Twist auf bekannte Horrorfiguren. Einfach fantastisch. Definitiv eine der besten Serien, die ich dieses Jahr gesehen habe. Eine dicke Empfehlung, auch wenn ihr sonst keine Horrorserien (ist auch keine) schaut: 9/10 (9.3) Punkte.

Halloween (2018)

Welchen besseren Film kann es für Halloween geben, als die 2018er Fortsetzung von John Carpenters Original, welche ebenfalls den Titel „Halloween“ trägt? Richtig, natürlich John Carpenters Original. Aber ich greife voraus. Nachdem die Kids aus der Nachbarschaft bei uns ein paar Süßigkeiten abgegriffen haben, bin ich also nach Haddonfield zurückgekehrt…  🎃🔪

Halloween (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

Halloween (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

Eine unausgegorene Rückkehr Michael Myers

Meine letzte Begegnung mit „Halloween“ liegt bereits ein paar Jahre zurück: 2012 habe ich mir das Remake von Rob Zombie zu Gemüte geführt und fand es ziemlich schrecklich. Das Original habe ich bestimmt schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr gesehen. Davor war es aber ein stets gerne gesehener Gast auf Videoabenden, gerade eben an Halloween. Ich mochte den Film schon immer, gerade weil er nicht auf Gore setzt, sondern sehr minimalistisch daherkommt und Michael Myers einfach eine ikonische Figur ist. An dieser Stelle möchte ich die zugehörige Episode aus der Netflix-Doku „The Movies That Made Us“ empfehlen. Nun also hat David Gordon Green eine weitere Fortsetzung mit neuer Zeitlinie ins Leben gerufen. Ich erinnere mich noch an „Halloween H20“, der 20 Jahre zuvor etwas Ähnliches versucht hat (und damals übrigens meine allererste DVD war). Auch in diesem Sequel kehrte Jamie Lee Curtis als Laurie Strode zurück, was ich immer recht gerne mochte. Die anderen Fortsetzungen waren für mich stets vernachlässigbar.

Doch zurück zum 2018er Film: Ich mochte den Score und den Look des Films sehr gerne. Nicht so übertrieben abgefuckt wie in Rob Zombies Version und doch schön intensiv. Hinzu kommt, dass das Ensemble zwar nicht sonderlich helle agiert, aber immerhin durchaus sympathisch ist. Zumindest größtenteils. Davon abgesehen ist das Drehbuch leider ziemlich schwach und die Figuren stolpern mehr schlecht als recht durch die dünne Geschichte. Manche Szenen haben auf mich auch unfreiwillig komisch gewirkt, was dem Spannungspotenzial wirklich geschadet hat. Eigentlich bin ich ein ziemlicher Angsthase, wenn es um Horrorfilme geht, doch hier habe ich mich weder erschreckt, an den Nägeln gekaut, noch gegruselt. Was David Gordon Green dabei geritten hat, Michael Myers zunächst ausführlich ohne Maske einzuführen, werde ich auch nie verstehen. Damit entmystifiziert er die Figur komplett und die Wirkung war für mich danach nicht mehr dieselbe.

Fazit

Ich hatte durchaus Spaß mit dem 2018er „Halloween“. Gerade die Halloween-Atmosphäre in Haddonfield hat es mir angetan. Auch Michael Myers in vollem Kostüm wiederzusehen, war mir eine schaurige Freude. Davon abgesehen bleibt leider nicht viel übrig. Insgesamt doch eine kleine Enttäuschung (auch wenn ich nicht viel erwartet hatte): 5/10 Punkte.

Squid Game – Staffel 1 (2021)

Nachdem ich mit „The Mandalorian“ eine Serie nachgeholt hatte, deren Hype momentan bereits am Abklingen ist, erwische ich „Squid Game“ noch auf dem Höhepunkt der Popularität. Wie ich den Hype einschätze und ob dieser gerechtfertigt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🦑

Squid Game | © Netflix

Squid Game | © Netflix

Der ungewöhnliche Hype um „Squid Game“

Ich wurde tatsächlich erst durch den Hype auf „Squid Game“ aufmerksam. Ein ungewöhnlicher Hype, den ich mir auch noch nicht so richtig erklären kann. Zwar gab es in den letzten Jahren durchaus ein paar südkoreanische Filmproduktionen, die auch bei uns ein größeres Publikum erreicht haben (das prominenteste Beispiel dürfte wohl „Parasite“ sein), doch ein Massenphänomen wie „Squid Game“ waren auch diese Filme nicht. Hinzu kommt, dass die Serie sozialkritisches Drama und Genrekino kombiniert und mit extremer Gewalt paart. Also auch eher Nischenthemen. Woher kommt also der Hype? Extremer Push durch den Netflix-Algorithmus? Hat die Berichterstattung den Hype befeuert oder ihn sogar entfacht? Alles daran wirkt kurios. Auch dass „Squid Game“ nun als alltagstaugliche Hype-Serie wahrgenommen wird. Dabei bietet sie neben dem Unterhaltungsaspekt auch Raum für schwere Themen und erinnert dabei deutlich mehr an „Parasite“ als an die „The Hunger Games“-Reihe, mit der die Serie auch häufiger verglichen wird. Wenn ich Artikel lese, dass die Serie nun selbst von jüngeren Schulkindern geschaut wird, dann hoffe ich, dass dies nur Teil der PR-Maschinerie von Netflix ist. Zumal einige der thematisierten Spiele ja auch bei uns bekannt sind und auch ohne Serienbezug auf dem Schulhof gespielt werden.

Lasset die Spiele beginnen!

Lässt man den Hype außen vor, dann wurde ich von der Serie bestens unterhalten. Und zwar was alle Emotionen angeht: Ich habe gelacht, mitgefühlt und gelitten. Teils konnte ich gar nicht hinschauen, so brutal sie die Tötungsszenen inszeniert. Liest man „Squid Game“ wörtlich, dann ist es eine hochspannende und perfide Serie, rund um verlorene Figuren, die um ihr Leben kämpfen. Richtig spannend wird es jedoch erst, wenn man die wenig subtile Parabel in das Seherlebnis einfließen lässt: Unsere kapitalistische Welt, in der das eine Prozent direkt und indirekt Einfluss auf die Existenz aller Untergeordneten in unserer Gesellschaft nimmt. Samt Zwischenschichten und im Keim erstickter Ausbrechversuche. Letztendlich kann ein(e) einzelne(r) Spieler*in nicht darüber entscheiden, aus dem System auszusteigen. Auch der Fakt, dass Kinderspiele im Fokus stehen, ist spannend. Nicht nur weil diese wunderbar einfach zu erklären sind, sondern auch weil Kinder diese oft ebenso verbissen spielen, als würde es um Leben oder Tod gehen.

Die Beziehungen der einzelnen Spieler*innen untereinander sind ebenfalls spannend. Da wird sich, wie in unserer Gesellschaft, aneinander abgearbeitet und das System selbst, von ein paar fruchtlosen Versuchen abgesehen, nicht weiter in Frage gestellt. Es steckt also mehr in der Serie, als man unter der Oberfläche aus grünen Jogging-Anzügen, pinken Uniformen, Blut und Gedärmen erwarten würde. Einzig der Handlungsstrang um den Polizisten fand ich ein wenig unnötig. An sich durchaus spannend und gelungen in Szene gesetzt, andererseits hätte man diesen jedoch auch komplett weglassen können. In der Parabel funktioniert er zwar als einer der wenigen Aufrechten, die das System zu bekämpfen versuchen, deren Scheitern am Ende jedoch unausweichlich ist. Zudem wird uns durch ihn ein Blick hinter die Kulissen des „Squid Game“ gewährt.

Fazit

Ich war zu Beginn der Serie wirklich skeptisch. Auch aufgrund des großen Hypes, den ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Davon abgesehen hat mich „Squid Game“ aber wirklich begeistert. Die plakative Gesellschaftskritik erinnert an „Snowpiercer“, so manche Wendungen haben mich an „Die Taschendiebin“ denken lassen. Am meisten jedoch hat mich die Serie jedoch an „Parasite“ erinnert, auch wenn das Setting in großen Teilen ein ganz anderes ist. Was auch immer der Grund für den Hype ist, ich finde diesen bemerkenswert und die Entwicklung kann, neben all den reißerischen Schlagzeilen, nur positiv für internationale Serienformate sein. Auch davon abgesehen definitiv eine Serie, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Summer of 84 (2018)

Heute stand ein Film auf dem Programm, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Die Rede ist von „Summer of 84“ des kanadischen Regie-Kollektivs RKSS. Ein Jugend-Thriller, der in den 1980er Jahren spielt und dabei weniger an die bekannten Werke der Ära erinnert, als an Neuinterpretationen à la „Stranger Things“. Schafft der Film es dennoch sich abzuheben? 🔦📭

Summer of 84 (2018) | © Pandstorm Pictures (Edel)

Summer of 84 (2018) | © Pandstorm Pictures (Edel)

Toll inszeniert, aber leider im Ton vergriffen

Während der ersten Stunde war ich tatsächlich ziemlich begeistert von „Summer of 84“. Die Kostüme, die Ausstattung, der Score: Das alles schreit wirklich nach stilisierten 1980er Jahren. Klar, die Gruppe der Freunde ist nicht so sympathisch und perfekt gecastet, wie in „Stranger Things“, doch die Geschichte ist spannend und wirkt viel geerdeter. Mich hat es auch nicht gestört, dass es keine großen Wendungen gab, sondern dass sich alles ziemlich genau so entwickelt, wie ich es erwartet hatte. Schließlich zählt „Meine teuflischen Nachbarn“ zu meinen Favoriten aus den Achtziger Jahren und die Parallelen sind unverkennbar. Ich hatte den Film schon gedanklich bei den Jugendabenteuern einsortiert, die ich immer mal wieder gerne hervorziehe. Doch dann kam das Finale…

Wie bereits gesagt: Es hat mich nicht gestört, dass der von Anfang an Verdächtigte (übrigens gespielt von Rich Sommer, bekannt als Harry Crane aus „Mad Men“) am Ende auch der Täter ist. Selbst dass es nach dem Showdown noch einen Epilog gibt, hatte ich erwartet. Aber die extrem düsteren letzten 15 Minuten hätten dann doch nicht sein müssen. Für mich hat dieses Finale nicht zum vorhergehenden Film gepasst. Die folgende Kernaussage des Films hätte man auch ohne diesen drastischen Schritt übernehmen können:

„Even serial killers live next door to somebody. Tough pill to swallow, I know, but it’s true. If I’ve learned anything, it’s that people hardly ever let you know who they really are. Just past the manicured lawns and friendly waves, inside any house, even the one next door, anything could be happening and you’d never know. And that’s the thing about this place, it all might seem normal and routine, but the truth is the suburbs are where the craziest shit happens. You never know what might be coming around the corner.“

– Davey Armstrong, „The Summer of 84“

So bleibt am Ende nur ein bedrückendes Gefühl übrig. Schade.

Fazit

Ich mochte viele Aspekte von „Summer of 84“, doch das Finale hat den Film für mich dann etwas kaputt gemacht. Ich mag düstere Enden, doch sie sollten zum Rest des Films passen. Dennoch kann ich den Film Genrefreund*innen durchaus empfehlen, auch wenn ihr keinen neuen Klassiker erwarten solltet: 6/10 Punkte.

Under the Silver Lake (2018)

Ein recht entspannter Samstag liegt hinter mir, den ich größtenteils mit einem Lauf und dem Lesen der Vorlage von „DUNE“ verbracht habe. Abends habe ich mich dann für den Film „Unter the Silver Lake“ entschieden, der bereits viel zu lange ungesehen im Regal stand. Sehr zum Leidwesen der Frau Lehrerin… 🎬

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

„Donnie Darko“ trifft auf „Mulholland Drive“

Ich wusste davor nicht viel über den Film. Nur dass er von David Robert Mitchell, dem Regisseur von „It Follows“ ist, den ich wirklich sehenswert und gruselig fand, und dass er eine mysteriöse Kriminalgeschichte in Hollywood erzählt. Auf dem Papier macht  „Under the Silver Lake“ auch genau das, doch ist hier eher der Weg das Ziel. Nur ohne Ziel. Von Anfang an hat mich die Stimmung an „Donnie Darko“ erinnert. Oder eben David Lynchs „Mulholland Drive“, welcher auch thematisch verwandt ist. Fans der beiden Filme dürfen die Besprechung schon einmal abkürzen und direkt ins Gefängnis gehen. Der Rest darf noch einmal über Los wandeln und nach einem Ausweg aud dem düsteren Hollywood suchen.

„Under the Silver Lake“ ist kein leichter Film. Ich fand die Übersexualisierung anstrengend. Auch die traumhafte Montage ist nicht immer einfach ertragbar, aber doch faszinierend. Am stärksten ist jedoch die Atmosphäre, die mich irgendwann für sich eingenommen hatte. So sehr, dass ich Andrew Garfield (u.a. bekannt als „The Amazing Spider-Man“) bereitwillig durch das popkulturelle Labyrinth gefolgt bin. Hier liegt für mich auch die Aussage des Films: Man kann alles in popkulturelle Erzeugnisse hineininterpretieren. Es steckt jedoch nichts dahinter. Oder aber: Es steckt mehr in Popkultur als man auf den ersten Blick vermuten würde. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Gerade auch, weil David Robert Mitchell sich formal sehr an den Hollywood-Klassikern Alfred Hitchcocks usw. bedient, was beim Score oder den verwendeten Motiven auffällt. Eine endgültige Interpretation habe ich noch nicht gefunden, aber ich bin fasziniert und werde bestimmt noch länger über den Film nachdenken müssen. Ob ich will oder nicht.

Fazit

Ja, das war ziemlich abgedreht. Eine böse Satire auf Hollywood? Eine Abrechnung mit dem Geschäft um die Popkultur? Oder nur ein Kifferfilm ohne Sinn und Verstand? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall faszinierendes Kino und anders als die meisten Filme. Für Freunde des abseitigen Kinos definitiv empfehlenswert: 8/10 Punkte.