Review: DUNE (2021)

Es ist schon lange her, seit ich mich das letzte Mal wirklich heiß auf einen Kinofilm war. Zuletzt dürfte das wohl „Star War: The Last Jedi“ gewesen sein, der mich dann doch ziemlich enttäuscht hat. Beim Nachfolger war es noch schlimmer. Die letzten wirklich gelungenen Kinoerlebnisse waren für mich „Alita: Battle Angel“ und davor „Blade Runner 2049“ von Denis Villeneuve. Da dieser mit „Arrival“ auch einen der besten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre inszenierte, war die Vorfreude auf seine Interpretation von „DUNE“ umso größer… 🏜

DUNE (2021) | © Warner Bros (Universal Pictures)

DUNE (2021) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Meine Vorgeschichte zu „DUNE“

Wenn ich an „DUNE“ denke, dann vor allem an David Lynchs Verfilmung aus dem Jahr 1984. Inzwischen weiß ich, dass diese nicht sonderlich angesehen ist. Für mich hat sie jedoch stets zu den großen Sci-Fi-Filmen gezählt. Ich mag das Produktionsdesign sehr, die Atmosphäre und die Schauspieler*innen. Allerdings habe ich den Film in den letzten 20 Jahren auch nicht mehr gesehen, weshalb mich meine Erinnerungen trügen mögen. Die TV-Miniserie ist mir dagegen als nicht sonderlich gelungen im Gedächtnis geblieben. Aber auch diese würde mich inzwischen fast einmal wieder reizen. Schon alleine für den Vergleich. Und dann natürlich habe ich angefangen, Frank Herberts Roman zu lesen. Ich bin noch ziemlich am Anfang (kurz nach dem Attentatsversuch durch den Hunter-Seeker bzw. Jäger-Sucher), doch macht mir das Lesen schon jetzt extrem viel Freude:

Für „DUNE“ lohnt sich der Kinobesuch

So sehr ich mich gefreut habe, den Film mit netten Kollegen im Kino zu sehen, so genervt war ich von dem Umstand, dass ich in der Nacht zuvor so gut wie keinen Schlaf abbekommen habe. Nach der Arbeit bin ich also schon ziemlich müde in die Stadt gefahren und hatte Sorge, dass ich auf den bequemen Sitzen des Deluxe-Kinos wegnicken würde. Diese Sorge sollte allerdings völlig unbegründet sein. Davor jedoch war ich zunächst einmal erstaunt, wie ernst das Kino inzwischen die 3G-Regel nimmt. Das war vor ein paar Wochen noch anders. Auch wenn das beim Einlass ein wenig nervig war, so hat sich dieser Kinobesuch für mich doch deutlich entspannter und sicherer angefühlt, was natürlich auch am großzügigen Platzangebot des Deluxe-Kinos liegen mag. Ohnehin eine Empfehlung dafür. Bild, Sound und Luxus sind den Aufpreis auf jeden Fall wert. Zumindest die 2-3 mal, die ich noch im Jahr ins Kino gehe. Doch nun endlich zum Film:

Zunächst einmal muss ich versuchen wiederzugeben, wie unglaublich bildgewaltig Denis Villeneuve „DUNE“ umgesetzt hat. So langsam ist seine Bildsprache auch eindeutig erkennbar: Manche Raumschiffe haben an „Arrival“ erinnert, manche Schauplätze samt Lichtinszenierung an „Blade Runner 2049“ – und doch ist „DUNE“ noch einmal etwas ganz eigenes. Gerade die Ankunft auf Arrakis wirkt unfassbar episch. Lange Kamerafahrten, sich langsam absenkende Raumschiffe und dazu der stets präsente, dröhnende Score von Hans Zimmer. Eigentlich eher ein Klangteppich, der stark an Villeneuves leider viel zu jung verstorbenen Hauskomponisten Jóhann Jóhannsson erinnert. Kein Score, den ich mir abseits des Films anhören würde, doch im Zusammenspiel mit den Bildern eine Wucht.

Inhaltlich bewegt sich Villeneuve sehr nahe an der Vorlage. Teils erweitert er diese sogar, um den Zuschauer*innen mehr Kontext zu geben, teils sind ganze Szenen 1:1 aus Frank Herberts Buch übernommen. Auch Details, die im Buch ausführlich erklärt werden, finden sich auf der Leinwand wieder, wenn auch oft nur im Hintergrund als Detail der Ausstattung. Diese sind dann meist nicht unmittelbar handlungsrelevant, verstärken aber das Worldbuilding und erfreuen Leser*innen des Romans natürlich. Für mich ein guter Weg, um eine vorlagentreue Adaption abzuliefern und dennoch im Zeitrahmen eines Kinofilms zu bleiben. Hier auch mein einziger Kritikpunkt: Am Ende hätte ich gerne noch weitergeschaut, denn wir springen mittendrin einfach aus der Geschichte raus. Dennoch ist „DUNE“ weit mehr als nur ein Prolog und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. Dann auch garantiert wieder im Kino.

Fazit

Ich hätte noch viel mehr schreiben können: Über die famose Besetzung, das Gefühl der flirrenden Hitze, das der Film verbreitet, über die wundervollen Kostüme oder das Set-Design. Aber ich mache es wie Denis Villeneuve und springe aus der Besprechung, wenn es am schönsten ist. Ich freue mich nun extrem darauf, den Roman weiterzulesen und auch die David-Lynch-Version einmal wieder zu sehen, welche in ein paar Wochen einen neuen 4K-Release erfährt. So glücklich war ich schon lange nicht mehr, im Kino gewesen zu sein: 9/10 Punkte.

32 Gedanken zu “Review: DUNE (2021)

  1. Danke für das Review, nach dem für mich klar ist, dass Villeneuve von nun an verpflichtet jetzt aber wirklich werden muss, ALLE SciFi-Klassiker, deren Fortsetzung in den letzten Jahren verhunz… äh nicht optimal weitergeführt wurden, zu übernehmen.

    Dune scheint ja gut zu laufen an den Kinokassen, von daher dürfte der nächste Teil gesichert sein. Ich selbst werde mir kommende Woche meinen Eindruck abholen, bis dahin meine Altherrenblase trainieren (2 1/2 Stunden im Kino sind bei mir auch schon eine ganze Ecke her) und mich dann nochmal melden.

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    • Da gehe ich mit. Alles was Villeneuve in den letzten Jahren angefasst hat, ist großartig geworden. Er darf sich gerne auch anderen Franchises oder ganz neuen Ideen zuwenden, doch davor möchte ich erst einmal mindestens eine „DUNE“-Fortsetzung sehen.

      Bin gespannt, wie dir der Film gefällt, doch vermute ich stark, dass wir ihn ganz ähnlich wahrnehmen. So und jetzt gehe ich mal das Buch weiterlesen… 🙂

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  2. Dune war für mich auch ein bildgewaltiges Epos im Science Fiction-Genre. Das habe ich ehrlich gesagt so nicht erwartet. Das Buch habe ich als Jugendlicher gelesen und kann mich inzwischen kaum noch daran erinnern, allerdings blieb mir die Dune-Geschichte als interessant und spannend im Kopf und gefühlt ist die Verfilmung sehr nah am Buch dran, auch wenn nur die erste Hälfte des Buches verfilmt wurde und der Film nach ca. zweieinhalb Stunden mitten in der Story aufhört. Aber bis dahin hat sich so einiges getan, hier nimmt sich der Film viel Zeit, in die zahlreichen Gruppierungen einzuführen, die miteinander oder gegeneinander agieren, ohne dabei gleich alle Geheimnisse zu verraten. Dune ist kein typischer SF-Actionfilm, sondern eher eine Mischung aus Politthriller und Coming-of-Age-Story des jungen Paul Atreides sowie die Einführung in ein fremdes Universum mit seinen eigenen Gebräuchen und Gegebenheiten. Eingebettet ist das in interessante Bilder, einen bombastischen Soundtrack und visionäre Sequenzen. Immer mal wieder hat mich das an Blade Runner 2049 erinnert, der Film ist ja vom selben Regisseur Denis Villeneuve, was ich erst hinterher in der IMDB gelesen habe. Ich fand Dune jedenfalls unheimlich interessant und bin enorm gespannt auf Teil 2. Dune wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl mein Film des Jahres werden und ich kann auch nur die dringende Empfehlung aussprechen, sich den Film auf der großen Leinwand anzuschauen.

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    • Hallo thwidra, willkommen zurück! 🙂

      Deine Einschätzung von „Dune“ kann ich nur teilen. Habe ich alles auch so wahrgenommen, wie du beschrieben hast. Mit dem Unterschied, dass ich das Buch noch nicht kenne bzw. gerade erst kennenlerne. Und das macht unfassbar viel Spaß!

      Kennst du von Villeneuve auch „Arrival“? Den kann ich dir nur ans Herz legen. Ist eine ganz tolle Sci-Fi-Geschichte. Sicher kleiner als „Dune“ oder „Blade Runner 2049“, aber mindestens ebenso imposant inszeniert und erzählt.

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  3. Langsam kommt es mir immer mehr so vor, als ist was mit mir nicht ganz in Ordnung, weil ich den Klangteppich von Hans Zimmer in dem Film nicht mag… Aber: Da ich alles andere an dem Film eigentlich großartig finde, werde ich ihn mir heute Nachmittag noch ein drittes Mal (diesmal in 3D) ansehen. 😀 Vielleicht kann ich mich irgendwann mit dem Gedröhne versöhnen…

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    • Ja, ich hatte im Kopf, dass du den Score nicht mochtest. Losgelöst von den Bildern würde ich das vermutlich sogar unterschreiben, doch in Kombination hat auch der Sound für mich wunderbar funktioniert und die Epik der Bilder auf ein neues Level gehoben.

      Ich war übrigens in einer 3D-Vorstellung und das war angenehm zu sehen, aber bestimmt kein vollkommen neues Erlebnis im Vergleich zu 2D.

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      • Vielleicht ist es auch Segen und Fluch zugleich, dass das Cinema München so eine gute Soundanlage hat… 😉 Ja, normalerweise hätte ich auch nicht zwingend das Bedürfnis nach 3D, aber hier wollte ich es mal wieder ausprobieren. Vielleicht schreibe ich dann nach der 3. Sichtung doch auch noch eine Kritik…

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      • Eine gute Soundanlage macht es hier aber auch aus. Habe den Film im großen Deluxe-Kino des Cinecitta gesehen und da haben die Stühle gewackelt bei z.B. den Landungsszenen. Deshalb auch der Klangteppich-Vergleich. Viel Musik im klassischen Sinne war das nicht, was für mich aber auch gepasst hat. Bin sehr gespannt, was du nach deiner 3. Sichtung sagst. Viel Spaß auf jeden Fall! 🙂

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  6. Was die ursprüngliche Filmversion von Lynch angeht, gehöre ich zur Abwechslung mal zu denen, die sie wirklich gut fanden, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass der Regisseur zu viel wollte. Nach der neuen Fassung freue ich mich tatsächlich auf einen zweiten Film, der auch den Rest der Story zeigt – es heißt ja, das geschähe nur, wenn der erste erfolgreich genug wird, dass sich die Finanzierung auch lohnen würde.

    Irgendwann habe ich ja mal geschrieben, dass Dune für mich das Zeug zu einem ähnlichen Klassiker hat wie „Der Herr der Ringe“ im Fantasygenre.

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    • Ich mag die Lynch-Version auch, wenngleich sie doch eher frei mit dem Material umgeht. Hat aber definitiv viel Charme. An der neuen Version liebe ich die Werktreue und hoffe inständig, dass wir einen zweiten Teil bekommen. Alles andere wäre nur traurig.

      „DUNE“ besitzt im Sci-Fi-Genre bestimmt einen ähnlichen Stellenwert, wie „Der Herr der Ringe“ für Fantasy. Da bin ich ganz bei dir.

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  7. War jetzt auch in Dune und kann nur sagen: Bombastisch und wuchtig inszeniert, tolle Bilder, absolut passende Schauspieler, keine faux pas hier wie beim Lynch-Pendant von 1984. Hier ist nichts seltsam, überdreht oder komisch. Überhaupt ist bis auf ein paar Sprüche von Momoa kein Humor drin, auch keine bunten Farben, sondern halt viel mattes Erdiges bis Sandiges. Hans Zimmer knallt einige den Saal erbeben lassende Sounds rein, putzigerweise scheint das Haus Atreides ein Faible für Dudelsäcke zu haben. Fand ich cool, hatte ich so nicht auf dem Schirm. Erwarte jetzt natürlich „To Tame A Land“ von Iron Maiden als Dudelsackcover zwingend als Abspannmusik bei der Fortsetzung…

    Auffallend nach gut 2 ½, im Nu vergangenen Stunden: Es ist ohne Frage ein Film, der etwas Großes eröffnet und mittendrin endet – er hat kein episches Finale, nichts, was einen mit einer letzten, glänzenden Vibration auf der Netzhaut aus dem Saal schickt, sondern „nur“ einen einfachen Messerkampf zwischen zwei Charakteren. Ich hätte direkt noch ein paar Stündchen dranhängen können, weil die Welt fantastisch inszeniert ist und hoffe wirklich inständig, dass Villeneuve den zweiten Teil zeitnah angehen kann. Das war in der Tat nochmal ein würdiges Kinoerlebnis.

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    • Das freut mich sehr, dass dir „DUNE“ auch so gut gefallen hat. Ja, Look und Ernsthaftigkeit der Umsetzung sind großartig und decken sich mit meinem Eindruck von der Vorlage, die ich momentan zum ersten Mal lese. Das hat Villeneuve schon gekonnt getroffen.

      Ich hätte nach dem Film (und einer kurzen Pause) auch direkt weiterschauen können. Villeneuve muss einfach einen zweiten Teil drehen. Wenn dieser genauso imposant wird, dann wird der Zweiteiler auf jeden Fall der große Sci-Fi-Klassiker unserer Generation. Freue mich schon sehr darauf!

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