Der Pate – OT: The Godfather (1972)

Es gibt Filme, denen ein besonderer Ruf vorauseilt. Filme mit Bedeutung. Großes Kino. Klassiker. Und dann gibt Francis Ford Coppolas „Der Pate“ – wohl einer der bedeutendsten Filme seit Anbeginn des Kinos. Ein Film nach dessen Sichtung man sich unweigerlich fragt, warum man sich überhaupt noch mit durchschnittlichen Filmen aufhält. Ein Meilenstein.

Meine letzte Sichtung liegt bestimmt schon fünf Jahre zurück, dennoch konnte ich mich noch an nahezu jedes Details erinnern. Warum? Vermutlich weil ich innerhalb dieser Zeit gewisse Szenen oder Dialoge des Films auf die eine oder andere Art und Weise dennoch gesehen, gelesen oder gehört habe. „Der Pate“ hat die moderne Popkultur durchdrungen, wie kaum ein zweites Werk. Man wird sich schon anstrengen müssen, wenn man ein paar Tage Medienkonsum ohne Anspielung auf Coppolas Meisterwerk erleben möchte.

Ich könnte nun unzählige Lieblingsszenen aufzählen, doch eigentlich besteht der Film nur aus Lieblingsszenen. Am meisten beeindruckt mich jedoch immer wieder die eröffnende Hochzeitssequenz. Wie geschickt Coppola hier die Figuren einführt, bedrückende Dunkelheit mit gleißendem Licht und Lebensfreude zu verbinden weiß sowie Geschäft und Familie als Grundpfeiler der Geschichte etabliert, ist Kino in Perfektion. Ich könnte dem bunten Treiben stundenlang zusehen und doch schreitet die Geschichte unerbittlich weiter und entwickelt einen solchen Sog, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann.

Dem Film wird häufig vorgeworfen, er würde ein zu romantisches und idealisiertes Bild des organisierten Verbrechens zeichnen. Ich möchte diese Vorwürfe auch gar nicht entkräften, nur mag mich diese Tatsache auch nicht stören. Man weiß ja heute, wie Michael Corleones Geschichte weitergeht. Welch gequältes Leben er doch führt. Betrachtet man diesen ersten Teil der Mafiasaga für sich, dann mag man den Vorwurf der Romatisierung jedoch zurecht treffen. Dennoch sollte man auch nicht vergessen, dass „Der Pate“ in erster Linie eine übersteigerte Form des Kapitalismus aufzeigt und somit durchaus kritischer mit gewissen Themen umgeht, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nun möchte ich noch ein paar Worte zur aktuellsten Präsentation des Films auf Blu-ray verlieren: Grandios! Absolut grandios. Das Bild des Films hat – im Vergleich zur ersten DVD-Version – nicht nur eine komplette Überarbeitung in Bezug auf Kratzer, Bildstand usw. erfahren, sondern auch eine von Gordon Willis und Francis Ford Coppola überwachte Farbkorrektur erhalten. Anfangs mag das beinahe schon sepiafarbene Bild ungewohnt erscheinen, doch schon bald erlebt man den Film in völlig neuer Pracht. Schon alleine die Szenen auf Sizilien vermitteln einem das Gefühl, als wäre man wirklich selbt vor Ort. Ein echter Zugewinn.

Über die an Perfektion grenzende Inszenierung, den erstklassigen Schnitt, die famosen Schauspieler oder den herrlichen Score könnte ich nun noch seitenweise schreiben. Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat. Für mich hält der Film seinen Status völlig zurecht: Wohl der Filmklassiker überhaupt. Ohne ihn wäre das moderne Kino heute nicht da, wo es ist. Auch die Serienwelt würde in Ermangelung eines Tony Soprano anders aussehen. Ein Film, den man einfach gesehen haben muss: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

24 Gedanken zu “Der Pate – OT: The Godfather (1972)

  1. Oh ja! Doch leider nimmt man sich (oder zumindest ich mir) viel zu wenig Zeit für solche Filmklassiker. Sollte man tatsächlich wieder viel öfter schauen. Doch es kommen ja immer so viele noch ungesehene Filme bzw. Serien dazwischen.

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  2. Auch bei mir ist es schon eine Weile her, seit der letzten Sichtung.

    Da ich mir aber vor kurzem ebenfalls die Blu-ray Variante dieser Trilogie angeschafft habe, wird es Zeit für eine weitere Sichtung.
    Habe sowieso Lust darauf bekommen, als ich die erste Staffel der Sopranos beendet habe.

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  3. „Jedoch wird es hier wohl kaum einen Leser geben, der sich nicht schon selbst ein Bild von Coppolas Epos gemacht hat.“

    Doch den gibt es. Mich!
    Welche Fassung hast du denn, die „Coppola Restoration“? Die wurde doch neu synchronisiert oder täusche ich mich da?

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  4. @DarKesT: Hehe, ich habe durch die Sopranos auch wieder Lust auf die Ursprünge der Modernisierung des Mafiakinos bekommen. In der Doku im „Der Pate“-Bonusmaterial wird auch direkt Bezug auf „The Sopranos“ genommen. Sehr interessant!

    @Xander: Auf Blu-ray gibt es nur die Coppola Restoration. Doch auch auf DVD würde ich dir dazu raten, wenn du noch gar keine Ausgabe zu Hause stehen hast. Die alte Box war zwar nicht schlecht, aber besonders was das Bild angeht nicht nach den Wünschen des Regisseurs überarbeitet.

    Die Blu-ray enthält eine Neusynchro in DD5.1, jedoch auch die Originalsynchro in Mono. Ich denke nicht, dass dies bei der DVD groß anders sein wird, kann es aber auch nicht 100%ig bestätigen. Am besten schaut man den Film sowieso im Original.

    Falls Blu-ray eine Option ist: Gibt es zurzeit auf diversen UK-Seiten sehr günstig!

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  5. Dafür wurden bei der UK-Box die dicken Amaray-Hüllen verwendet, wodurch die Trilogie enorm viel Regalplatz beansprucht. Da wären mir die dünnen Hüllen, wie bei der deutschen Box lieber gewesen, doch bei dem Preisunterschied muss man nicht zweimal überlegen.

    Von dem Fehler hatte ich auch gelesen, doch scheinen die Boxen inzwischen fehlerfrei zu sein. Hatte meine kurz vor Weihnachten bei Amazon.co.uk bestellt.

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  6. Wusste ich gar nicht.
    Aber wenn ich mir das jetzt so überlege, sind eigentlich fast alle UK-BD’s die ich habe, dicke Amaray’s. Auch solche, wie z.B. Hangover, der ja von Warner ist. Die benutzen ja bei uns dünne Hüllen.
    Schon lustig was so alles länderspezifisch ist. 🙂

    Man wird wohl ne Neuauflage nachgeschoben haben. Schön dass man das Problem behoben hat.

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  7. @DarKesT: Ja, ist wirklich seltsam mit den länderspezifischen Eigenheiten. Ich muss ja sagen, dass ich die dünnen Hüllen bevorzuge, doch bei solchen Preisunterschieden kann man ja nur schwach werden.

    @Xander: Irgendwie in den Kommentaren sollte die Info schon zu finden sein. Man soll es seinen Lesern ja auch nicht zu einfach machen… 😉

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  8. Hab heute mal „Der Pate“ in meinen Player geschoben. Ich wusste nicht genau, was ich schauen sollte, und da ich ihn noch nie auf Englisch gesehen habe, im TV das letzte mal vor zig Jahren (und das nicht mal ganz) und hier erst darüber berichtet wurde, dachte ich mir: „Warum nicht?“
    Hab die restaurierte DVD-Fassung (beim Medi*m*rkt gabs mal alle Teile zusammen um 20€).
    Aber entweder war ich nicht in der Stimmung, den Film zu sehen (gesundheitsmäßig bin ich gerade nicht ganz auf der Höhe), oder aber die Aussicht auf 3 Stunden Mafia hat mir das ganze etwas verhagelt.. Nach 70 Minuten war für mich heute Schluss mit dem Paten.
    Keine Frage, schauspielerische Glanzleistungen wohin man schaut, aber irgendwie reizt mich das Mafia-Setting nie so richtig.
    Mal sehen, wann ich die restlichen 100 Minuten schaffe.

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  9. So ist das eben mit Filmen. Man muss in der richtigen Stimmung dafür sein. „Der Pate“ sollte man vermutlich auch eher schauen, wenn man die Ruhe dafür hat. Ist wie beim Essen, manchmal möchte man einfach kein langwieriges Gourmetmenü, sondern lieber Fastfood. Insofern kenne ich das durchaus, das ich manche Filme nach 10 Minuten wieder ausmache, weil ich eben nicht in Stimmung dafür bin.

    Wenn dich das Mafiasetting grundsätzlich nicht reizt, dann wirst du aber so oder so Probleme mit dem Film haben, auch wenn eher die Familie im Mittelpunkt steht. Besonders der zweite Teil kann dann ganz schon langatmig werden. Bin gespannt, ob du dich noch einmal zu einer Sichtung aufraffen kannst…

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  10. Naja, „Goodfellas“ oder „Casino“ fand ich echt klasse. Vielleicht gefällt mir einfach Scorseses Mafia besser als Coppolas;) Generell hab ich’s sowieso eher mit den Yakuza als der Mafia.
    Ich glaube, ich habe außer den Paten-Filmen keine Coppola-Filme (von denen ich es jetzt auf die schnelle weiß), außer Lost in Translation. Ist ja auch von (einer) Coppola 🙂

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  11. Scorseses Mafiawelten mag ich auch sehr gerne, wenngleich es wohl auch diese vermutlich nicht ohne „Der Pate“ gegeben hätte. Yakuza-Filme kenne ich dagegen bisher kaum welche.

    Von Coppola selbst kenne ich auch kaum Werke, neben „Der Pate“ wohl nur „Apocalypse Now“, „Dracula“ und „The Rainmaker“ – und natürlich ebenso „Lost in Translation“ vom Töchterchen… 😉

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  12. Ich war auch extrem angetan von den Pate Filmen. Schließlich habe ich mein Auslandssemester auf Sizilien gemacht. 😉

    Wenn Du sagst, die Technik kommt dem Flair sogar noch entgegen, dann ist das auch für mich definitiv ein Grund zum Wiedersehen. Gibt es die drei Filme schon als Paket?

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  13. Wenn man einen persönlichen Bezug zum Land hat, dann wirken die Sizilien-Szenen bestimmt noch stärker.

    Ja, die Technik unterstützt das Gesamterlebnis auf jeden Fall. Die Filme gibt es – zumindest auf Blu-ray – soweit ich weiß ausschließlich in einer Box. Da kann man getrost zuschlagen.

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