Midnight Mass (2021) – Besprechung der Miniserie

Zwar hatte ich schon viel Gutes über die Serie gelesen, doch ohne die vehemente Empfehlung von Dome wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mir „Midnight Mass“ tatsächlich auch anzusehen. Schließlich ist es eine Geschichte von Mike Flanagan, der in den letzten Jahren mit den Gruselserien „Spuk in Hill House“ und „Spuk in Bly Manor“ große Erfolge feierte und der sich auch für die Verfilmung des „Shining“-Sequels „Doctor Sleeps Erwachen“ verantwortlich zeichnet. Ob die Serie für einen alten Angsthasen wie mich geeignet war? Spoiler sind zu erwarten. 👻

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Midnight Mass (2021) | © Netflix

Die perfekte Symbiose aus Drama und Horror

Bereits nach der ersten Episode war ich geplättet und von der dichten Atmosphäre der kleinen Insel, auf der nahezu die gesamte Serie spielt, komplett vereinnahmt. Speziell zu Beginn wusste ich noch gar nicht, in welche Richtung sich die Serie entwickeln würde. Sie schien sich in Richtung Geistergrusel zu bewegen, was in Anbetracht des Prologs auch Sinn zu machen schien. Doch schon bald stellt sich die scheinbare Geistererscheinung als reine Visualisierung der Schuld unseres Protagonisten dar. Dieser wird übrigens von Zach Gilford gespielt, den Serienfreund*innen aus „Friday Night Lights“ kennen dürften. Ihm gegenüber spielt Hamish Linklater die zweite männliche Hauptperson, den Pfarrer Paul. Auch wenn sich Linklater in den letzten Jahren immer mehr dem dramatischen Fach zugewandt hat, so muss ich bei ihm stets an seine Rolle in „The New Adventures of Old Christine“ denken. Wahnsinn, was er seitdem für eine Wandlung durchgemacht hat.

Man of Science, Man of Faith

Inhaltlich macht Mike Flanagan mit „Midgnight Mass“ viele Türen auf: Es geht um Schuld, Sühne und Vergebung. Natürlich steht auch ganz offensichtlich Religion im Zentrum der Geschichte, bis hin zu religiösem Fanatismus. Dazwischen gibt es jedoch unzählige Schichten an Interpretationsmöglichkeiten. Ich warne an dieser Stelle noch einmal vor Spoilern! So kommt unser Pfarrer überhaupt nicht auf die Idee, dass es sich bei dem Wesen, das sich ihm annimmt, um etwas anderes handeln könne, als um einen Engel Gottes. Für uns Zuschauer ist es vom ersten Moment an offensichtlich, es hier mit einem Vampir zu tun zu haben. Vampire scheinen jedoch in der Serienwelt nicht zu existieren, denn kein(e) Protagonist*in spricht je diese Vermutung aus. Im Grunde geht es aber auch nicht um das monsterhafte Wesen, sondern wie Paul und seine Apostel es und seine Wunder auslegen. Wie diese vielleicht schon immer ausgelegt wurden. Für mich wohl der spannendste Aspekt der gesamten Serie.

„Midnight Mass“ ist offensichtlich eine religionskritische Serie, wobei Mike Flanagan seinen Figuren auch nicht abspricht, einen Sinn im Glauben (egal ob Christentum oder Islam) zu finden. Er stellt sich klar gegen extremistische Tendenzen, welche in der Serie erschreckend durch die Figur von Bev Keane (beeindruckend gespielt von Samantha Sloyan) zum Ausdruck gebracht werden. Es steckt jedoch noch so viel mehr in den nur sieben Episoden dieser Serie, dass ich in den nächsten Wochen bestimmt noch viel über sie nachdenken werde. Gerade auch, weil das Finale wunderbar abgeschlossen ist und es demnach bei dieser Miniserie bleiben wird. Eine Serie wie ein gutes Buch.

Fazit

Mich hat „Midnight Mass“ extrem beeindruckt: Die ruhige, bedächtige Erzählweise, die gezielt eingesetzten Schockmomente, die famosen Schauspieler*innen und vor allem der thematische Twist auf bekannte Horrorfiguren. Einfach fantastisch. Definitiv eine der besten Serien, die ich dieses Jahr gesehen habe. Eine dicke Empfehlung, auch wenn ihr sonst keine Horrorserien (ist auch keine) schaut: 9/10 (9.3) Punkte.

26 Gedanken zu “Midnight Mass (2021) – Besprechung der Miniserie

  1. Mich hat die auch gefesselt. Hab sie gerade ebenso online gestellt 🙂
    Ist ja eigentlich auch keine wirkliche Horrorserie… würde da eher Grusel bevorzugen.
    Auf alle Fälle hat die relativ ruhige Erzählweise sehr viel dazu beigetragen, dass man immer weiter geschaut hat.
    Die ersten beiden Folgen wissen sehr zu beeindrucken.

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  2. Wo du „The New Adventures of Old Christine“ erwähnst, davon würde ich mir gerne nochmal Folgen anschauen. Weshalb bieten die traditionellen TV-Sender sowas nicht für ein paar wenige Zahlungseinheiten an? Ich hätte da noch einige, nicht so langlebige, aber spaßige Comedys, die ich mir gönnen wollen würde.

    Den guten Hamish habe ich noch als Assistent bei „The Crazy Ones“ mit Robin Williams in Erinnerung. Die Show muss ich dann ja wohl im Auge behalten, spätestens Halloween 2022 ist die fällig 😉

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    • Ja, die Serie mochte ich auch und bin auch immer auf der Suche nach Comedy-Snacks, obwohl ich gerade wieder tief in „Seinfeld“ abgetaucht bin. Da kommt einfach nix ran.

      Von „The Crazy Ones“ habe ich damals nur den Piloten gesehen. Aber nie weitergeschaut, weil die Serie dann recht schnell abgesetzt wurde. Mochte aber das Setting und die Schauspieler*innen.

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  4. Steht auch noch auf meiner Watchlist. „Hill House“ ist für mich eine der besten Horror/Grusel-Produktionen der letzten Jahre. Ich mag es einfach, wenn Horror so inszeniert wird und dabei noch psychologisch fundiert daherkommt. „Bly Manor“ konnte mich zwar nicht mehr derart fesseln, hat mich aber trotzdem beeindruckt. Flanagan macht schon einiges richtig.

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  5. Das ist ja gerade die interessante Diskussionsgrundlage. Genau wie Glaube hier nicht als Schwarzweiß-Zone sondern eine voller Grauschattierungen dargestellt wird (in der sicherlich auch viel helles ist), kann man sich ja fragen, ob in der Serienwelt das Wesen wirklich ein Vampir war oder wirklich ein Engel oder beides? Darüber habe ich in meiner Review etwas philosophiert.

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