Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS8)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Eigentlich hätte ich meine diesjährige Sichtung von „Schöne Bescherung“ schon gerne frühzeitiger zelebriert, doch es kam anders als gedacht – und somit war es heute, am 23. Dezember, wieder reichlich knapp. Dennoch war es natürlich keine Option ohne die Griswolds in das Weihnachtsfest zu starten, weshalb sich heute Nachmittag die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt hat…

Schöne Bescherung (1989) | © Warner Home Video

Schöne Bescherung (1989) | © Warner Home Video

Alle Jahre wieder

Die Stammleser meines Blogs wissen, was jetzt kommt: meine inzwischen neunte Besprechung des Films auf diesem Blog. Nur 2008, 2009 und 2011 habe ich den Film während der letzten elf Jahre nicht gesehen, warum auch immer. Da inzwischen meine beiden Kinder mitschauen, habe ich wieder einmal auf die deutsche Synchronisation zurückgegriffen, die allerdings auch tadellos funktioniert. Damals war halt wirklich noch alles besser. Das Zappelinchen hat sich speziell an den unzähligen Slapstick-Szenen erfreut, dem Zwergofant waren etliche Szenen noch zu dramatisch. Bei ihm wird es noch ein paar Jahre dauern, bis er diese Tradition wirklich zu schätzen weiß.

Und ich selbst? Ja, auch ich habe wieder viel gelacht und ein paar neue Elemente entdeckt: Zum Beispiel war mir nie bewusst aufgefallen, dass Oma Francis und Oma Nora an einem Lebkuchenhaus basteln – vermutlich aber auch nur, weil wir heute selbst eines zusammengeklebt haben:

Ansonsten hat sich mir wieder einmal offenbart, warum ich den Film so liebe: Er schafft es die perfekte Gratwanderung zwischen Weihnachtskitsch und völlig überzogener Satire hinzulegen, ohne dabei seine Figuren völlig der Lächerlichkeit Preis zu geben. Speziell die Kernfamilie der Griswolds sowie die beiden Großelternpaare sind wirklich großartig in ihrem Zusammenspiel. Ein Mikrokosmos, der unzählige brillante Dialogszenen (manchmal nur Fetzen) enthält, die viel über den Weihnachtswahnsinn, sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht, aussagen.

Fazit

Nein, hier gibt es auch dieses Jahr keine Überraschung zu erwarten: Ohne die Griswolds würde mir an Weihnachten etwas fehlen – und ich arbeite gerade daran, dass meine Kinder diese Tradition fortführen. Zumindest das Zappelinchen habe ich schon auf meiner Seite. Nun kann Weihnachten kommen: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tatsächlich… Liebe – OT: Love Actually (2003)

Nur noch eine Woche bis Weihnachten. Unglaublich. Höchste Zeit also, langsam aber sicher in Weihnachtsstimmung zu kommen. Den Baum haben wir heute schon gekauft und das Zappelinchen hatte seinen ersten Auftritt mit dem Kinderchor. Dennoch ist mein Kopf noch viel zu voll mit anderen Dingen, um im Weihnachtsmodus zu sein. Vielleicht hilft ein Film? Da „Schöne Bescherung“ fest für Ende der Woche eingeplant ist, habe ich mein Glück mit „Tatsächlich… Liebe“ versucht, den ich bisher erst einmal vor vielen, vielen Jahren gesehen hatte…

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Weihnachtskitsch der bekömmlichen Sorte

An meine letzte Sichtung konnte ich mich nicht mehr wirklich gut erinnern. Ein paar Einzelszenen waren mir noch im Kopf, doch sonderlich beeindruckt hatte mich der Film anscheinend nicht. Heute sieht das anders aus: Auch wenn Richard Curtis in „Love Actually“ sich erneut als Meister des Knöpfedrückens beweist, so bietet der Film auch extrem viel Spaß, unerwartete Szenen und Selbstbewusstsein auf der Metaebene. Besonders imposant fand ich allerdings, dass die unzähligen Handlungsstränge tatsächlich gleichwertig erzählt werden. Da bleibt nichts offen und keine Figur fällt hinten runter. Neben all den oberflächlich wirkenden Romanzen ist das eine starke Leistung. Überhaupt paart Curtis (bekannt für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Alles eine Frage der Zeit“) gekonnt wirklich übertrieben kitschige Szenen mit nachdenklich stimmenden Momenten und beinahe schon kindisch explizitem Humor. Und was soll ich sagen? Die Mischung geht auf.

Auch das Weihnachtssetting mit all den unsäglichen Popsongs fügt sich in diese große, bunte Erzählung ein, die in einem natürlich ebenso übertrieben bombastischem Finale mündet. Jedoch sind es eher die kleinen Momente, die wirklich in Erinnerung bleiben: Karens (Emma Thompson) herzergreifende Erkenntnis, dass ihr Mann (Alan Rickman) eine andere Frau beschenkt hat. Oder Marks (Andrew Lincoln, „The Walking Dead“) Liebesgeständnis an die Frau (Keira Knightley) seines besten Freundes. Auch wenn die meisten Kritiker das damals anders gesehen haben, hat sich „Tatsächlich… Liebe“ zurecht in das popkulturelle Herz der vorweihnachtlichen Kinozuschauer gespielt.

Fazit

Mir hat „Love Actually“ bei der heutigen Sichtung wirklich ausgezeichnet gefallen. Jeder einzelne Handlungsstrang hat mir auf seine Art und Weise viel Freude bereitet und ich mochte sowohl den Kitsch als auch den Humor. Nicht in jeder Geschichte gibt es ein Happy End, doch auch das ist eben tatsächlich… Liebe: 8/10 Punkte.

TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles (2007)

Aktualisierung: Ich habe „TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles“ am 26. Februar 2021 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es ist Dezember, die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Das Jahr setzt zum Endspurt an, sowohl beruflich als auch privat. Aufgrund der ersten Weihnachtsfeier war ich heute Abend Strohwitwer und habe mir mit „TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles“ einen Film ausgesucht, der wohlige Erinnerungen an einfachere Zeiten ausgelöst hat. Damals vor knapp 30 Jahren…

TMNT (2007) | © Universum Film GmbH

TMNT (2007) | © Universum Film GmbH

Cowabunga! The Turtles Are Back!

Ja, da sind sie wieder: Leonardo, Rafael, Donatello und Michelangelo. Als wären sie nie weggewesen. Der 2007er Film setzt dabei an die Realverfilmungen der 90er an und beschreitet damit einen ähnliche Weg wie Bryan Singers „Superman Returns“, sprich er möchte sowohl Fortsetzung als auch Reboot sein. Für mich hat das erstaunlich gut funktioniert, das große Publikum dagegen fand der Film leider nie. Dabei atmet er so viel mehr den Geist der Turtles als die Michael-Bay-Produktion aus dem Jahr 2014. Wirklich schade. Selbst wenn der Animationsstil zu Beginn ungewohnt wirkt (gerade was die menschlichen Charaktere angeht), so ist speziell New York City wunderbar dargestellt und bildet damit den perfekten Schauplatz für die Turtles-Action.

So überzeugend die Interaktion der vier Brüder gelungen ist, so schwach gestaltet sich leider die Handlung. Anstatt gegen Shredder und Co. zu kämpfen, treten die mutierten Schildkröten gegen einen unsterblichen Krieger an, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. Leider wirkt das unglaublich generisch und lässt mich als ehemaligen Fan die bekannten Gegner vermissen. Unterhaltsam ist das alles dennoch anzuschauen.

Fazit

Wer nach all den Jahren einmal wieder Lust auf die Turtles hat, der kann sich „TMNT“ guten Gewissens anschauen. Der Film ist im Vergleich zu den neuen Realverfilmungen auf jeden Fall die bessere Wahl. Ich habe nun Lust auf die 90er-Jahre-Filme bekommen und muss mich wohl langsam einmal nach den Blu-rays umsehen. Nostalgie ist doch etwas Schönes: 7/10 Punkte.

All Is Lost (2013)

Nach einem zweiwöchigen Kraftakt in vielerlei Hinsicht, habe ich mich mit letzter Energie in den sicheren Hafen des Wochenendes gerettet. Was lag also näher, als mit „All Is Lost“ ein Survival-Drama anzuschauen? Nichts, völlig richtig. Folglich habe ich Robert Redford begleitet, wie er gegen die Naturgewalten kämpft. Ob er verloren oder gewonnen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

Der alte Mann und das Meer

Ich mag Filme, die eine aufs Nötigste reduzierte Prämisse besitzen. Auch kammerspielartige Schauplätze finde ich spannend. Oft gelingt es Filmemachern gerade aus der auferlegten Beschränkung viel herauszuholen. Ob das J. C. Chandor auch gelungen ist? In meinen Augen ja. Auch wenn der Vergleich hinken mag, so hat mich „All Is Lost“ wohl am ehesten an „Gravity“ erinnert, denn der von Robert Redford großartig gespielte namenlose Segler kommt, wie Sandra Bullocks Figur in dem Sci-Fi-Thriller, wortwörtlich oft vom Regen in die Traufe. Das mag in der hohen Schlagzahl der Katastrophen anstrengend wirken, ist jedoch unglaublich packend inszeniert. Gerade Redfords stoische Art mit den Problemen umzugehen (zumindest noch am Anfang) ist einfach großartig.

Ich mag da Meer als Schauplatz ohnehin sehr gerne und J. C. Chandor fängt es wunderbar ein: einerseits bedrohlich, andererseits auch wunderschön. Der Mensch als Spielball der Natur. Nach dem Kinostart haben Segler anscheinend viel am Realismus des Films auszusetzen gehabt. Mir als ungeübtem Zuschauer sind allerdings keine Logiklöcher aufgefallen, zumal ich es auch nur nachvollziehbar finde, dass der Segler nicht in allen Stresssituationen sofort die richtige Entscheidung trifft.

Fazit

Für mich war „All Is Lost“ eine intensive Seherfahrung, bei der ich es spannend fand, wie minimalistisch J. C. Chandor seinen Film inszeniert hat (so gibt es z.B. kein emotionales Payoff am Ende des Films) und wie sehr sich Redfords Schauspiel daran orientiert. Eine beeindruckende One-Man-Show, die jedoch nicht auf den Effekt setzt. Kann ich nur empfehlen: 8/10 Punkte.

The Big Bang Theory – Season 9

Wie jedes Jahr um diese Zeit ist „The Big Bang Theory – Season 9“ auch dieses Jahr Teil meines Serienprogramms. Inzwischen sind die Erwartungen nicht mehr sonderlich hoch und die meisten Fans der frühen Staffeln haben der Serie längst den Rücken gekehrt. Ich dagegen halte Leonard, Sheldon und Co. weiterhin die Treue, da die Serie nach wie vor als leichter Comedy-Happen perfekt in mein Programm passt…

Spagat zwischen Nerd-Humor und RomCom

Wie bereits in der achten Staffel entfernt sich die Serie immer weiter von ihren Wurzeln bzw. versucht diesen treu zu bleiben und gleichzeitig der Weiterentwicklung ihrer Figuren gerecht zu werden. Waren Leonard, Sheldon, Penny, Raj und Howard während der ersten Staffel noch die prototypischen Nerds, die sich in ihrer Welt bewegt haben, stehen nun Hochzeiten, Kinder und berufliche Weiterentwicklung auf der Agenda. Also alles, was man aus typischen RomCom-Sitcoms kennt. Somit bleibt nicht mehr viel vom Alleinstellungsmerkmal der Serie übrig. Dennoch ist es wichtig und richtig, dass sich die Charaktere weiterentwickeln, schließlich befinden sie sich nicht mehr in ihren sorglosen Zwanzigern, sondern bewegen sich zielstrebig auf die Vierzig zu. Insofern auf jeden Fall eine Herausforderung für die Autoren.

Vermutlich wäre es das Beste für die Serie, sie langsam ausschleichen zu lassen. Alle Geschichten sind bereits erzählt und neue Erzählstränge wirken nur wie aufgewärmt. Gerade die viel gescholtenen Weiterentwicklungen (Schwangerschaft usw.) sind noch die interessantesten Aspekte. Doch auch davon abgesehen mag ich die Figuren immer noch und konnte während jeder Episode auch ein paarmal lachen oder schmunzeln.

Fazit

Inzwischen völlig harmlos, aber damit immer noch um einiges gelungener als die vorherige Erfolgssitcom von Chuck Lorre, die in ihren letzten Jahren völlig den Boden unter ihren Füßen verloren hat. Als eine der letzten klassischen Sitcoms mit Laugh-Track hat „The Big Bang Theory“ weiterhin ihren Platz in meinem Programm sicher:  7/10 (7.3) Punkte.

Sing Street (2016)

Der Ostermontag war beinahe ein wenig anstrengend. Es hat den ganzen Tag geregnet, so dass Außenaktivitäten nicht drin waren. Umso tragischer, da zu den Geschenken ein Skateboard und Inline Skates gehörten. Also abends noch, für die gute Stimmung, ein Brettspiel gespielt, dann die Kinder ins Bett gebracht und mit „Sing Street“ den dritten Musikfilm von John Carney in den Blu-ray-Player geschoben. Es scheint so, als würde sich so langsam ein neuer Lieblingsregisseur bei mir herauskristallisieren…

Das Glück in der Traurigkeit

Das Setting im Irland der 1980er Jahre vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hätte auch eine ganz andere Art von Film heraufbeschwören können: ein Sozialdrama, wie von Ken Loach inszeniert, das bestenfalls bittersüße Momente beinhaltet. John Carney jedoch wählt den Weg der Hoffnung. Er lässt seine Figuren wortwörtlich das Glück in der Traurigkeit finden. Und das ist ganz und gar wundervoll. In „Sing Street“ erzählt Carney eine klassische Coming-of-Age-Geschichte samt erster Liebe, der Abkapselung vom Elternhaus, Rebellion und Selbstverwirklichung. Diese Auflistung mag sich klischeehaft lesen, doch wurden diese Aspekte selten so erfrischend ehrlich, undramatisch und mit Musik inszeniert. Es ist eine wahre Freude!

Coming-of-Age als Spiegel der eigenen Jugend

Warum liebe ich Coming-of-Age-Filme? Natürlich weil sie immer ein Spiegelbild der eigenen Jugend darstellen. Ich war nie in einer Band, habe selten rebelliert und mein Elternhaus war größtenteils intakt. In „Sing Street“ inszeniert John Carney das Idealbild einer Jugend in den 80er Jahren. Conor (großartig: Ferdia Walsh-Peelo) findet sich über die Laufzeit des Films und erlebt bis dahin etliche Phasen, die stets durch Musik ausgedrückt werden. John Carney kennt die musikalischen Trends der 80er Jahre und legt sie wie eine Schablone über Conors Leben. Wunderbar, erfrischend und einfach nur mitreißend anzusehen. Dabei spart der Film ernste Themen nicht aus und ist in den entscheidenden Momenten dennoch so unglaublich positiv und lebensbejahend, dass man dies in der oft zynischen Kinolandschaft der 2010er Jahre kaum glauben mag.

Wenn Conor und Raphina (ebenso hinreißend: Lucy Boynton) am Ende in den bildhaften Sonnenuntergang fahren, hätte das in jedem anderen Film vermutlich unglaublich kitschig gewirkt. Hier jedoch habe ich mich einfach mit den beiden gefreut. Mit dieser Szene spiegelt „Sing Street“ auch die entsprechende Szene aus Carneys „Once“ wider, in der sich die Protagonisten entscheiden eben nicht zusammen nach England zu gehen. Der Kreis schließt sich.

Fazit

Nun habe ich mit „Once“, „Can a Song Save Your Life?“ und „Sing Street“ die drei großen Musik-Filme von John Carney gesehen. Alle drei haben mich auf ihre Art und Weise berührt. Man kann definitiv einen übergreifenden Stil erkennen und ich hoffe inständig, dass Carney mit dem Thema noch nicht durch ist. Für mich eine der schönsten, hoffnungsvollsten und mitreißendsten Coming-of-Age-Geschichten, die ich jedem Freund des Genres (und der Musik!) nur empfehlen kann: 9/10 Punkte.

The Big Short (2015)

Nachdem wir heute aufgrund des famosen Wetters zum ersten Mal in diesem Jahr draußen zu Abend gegessen haben, sind wir nur widerwillig ins Haus zurückgekehrt. Sommer ist es dann eben doch noch nicht. Somit bin ich aber endlich in den Genuss von „The Big Short“ gekommen, der mir bereits häufig ans Herz gelegt wurde. Spätestens seit Wulfs Besprechung wartete Adam McKays Film nun an vorderster Position in meinem Filmregal auf seine Sichtung…

Inzwischen habe ich mit „Wall Street“ und „The Wolf of Wall Street“ bereits mehrere Filme über die gierige Finanzwelt gesehen. Dieser hier unterscheidet sich von den beiden genannten und ähnelt ihnen zugleich. Adam McKay beschreibt ziemlich genau, wie es zur Finanzkrise 2008 kommen konnte und begleitet dabei eine Gruppe von Außenseitern, die als einzige die platzende Blase vorausgesehen haben. Oder besser, die zuvor nicht davon profitiert und die Immobilienblase somit nicht leichtfertig hingenommen haben. Wie es überhaupt soweit kommen konnte, ist auch nach der Sichtung des Films nur schwer verständlich. Diese Art von ungezähmter Gier in einer Welt ohne Moral wohnt allen drei Filmen inne.

Auch die Helden dieser Geschichte profitieren vom Platzen der Blase – und doch werden sie reflektierter gezeichnet als Gordon Gekko oder Jordan Belfort: Es gibt keine Exzesse, doch das große Geld lockt auch sie. Mit Christian Bale, Steve Carell und Ryan Gosling in den Hauptrollen, ist „The Big Short“ hochkarätig besetzt und weiß seine Trümpfe auch auszuspielen. Geschickt flechtet McKay bewusst vereinfachende Erklärbär-Clips ein, die uns Zuschauer unterhaltsam komplexe Sachverhalte beschreiben. Dennoch hätte ich mir an mancher Stelle mehr Tiefe gewünscht, schienen mir die Zusammenhänge oft doch zu vereinfacht dargestellt.

Auch vor den Auswirkungen der Finanzkrise scheut der Film nicht zurück. Hier bleibt er jedoch sehr plakativ und behält seinen oft zynischen Ton bei. Teils erinnerte mich der Film hier ein wenig an „Lord of War“, auch wenn dieser ein komplett anderes, wenn auch nicht weniger verruchtes Geschäft in den Mittelpunkt stellt. Die Balance aus Unterhaltung, Erklärung und leichtem Drama hält „The Big Short“ auf jeden Fall famos.

Insgesamt bin ich wahrlich sehr angetan davon, wie spielerisch es dem Film gelingt eine komplexe Geschichte temporeich, äußerst unterhaltsam und doch packend zu erzählen. Er bietet famose Schauspieler und ein paar wirklich denkwürdige Szenen. Ob er mir darüber hinaus jedoch noch lange im Gedächtnis bleiben wird, muss sich erst noch zeigen: 8/10 Punkte.

The Summit: Gipfel des Todes (2012)

Mit dem Dokumentarfilm „The Summit: Gipfel des Todes“ geht mein Wochenende auf dem K2 (ganz bequem vom Sofa aus) zu Ende. Wie bereits Graham Bowleys Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ verarbeitet auch Nick Ryans Film die Tragödie der Saison 2008, bei der 11 Bergsteiger in nur zwei Tagen ums Leben kamen. Ob der Film neue Erkenntnisse auf die Ereignisse wirft? Ich war sehr gespannt auf die bebilderte Rückkehr zum gefährlichsten Berg des Karakorum…

Anders als der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ aus dem gleichen Jahr, verlässt sich Nick Ryan nicht nur auf dokumentarische Aufnahmen, sondern stellt Schlüsselszenen am Berg nach. In diesen Momenten erinnert „The Summit“ ein wenig an „Sturz ins Leere“, in dem ebenfalls auf nachgestellte Szenen zurückgegriffen wurde. Dies ist dem Film allerdings nicht abträglich, hatten die Bergsteiger gerade in den dramatischen Momenten einfach keine Kamera zur Hand. Dem Zuschauer helfen die Aufnahmen jedoch, Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Versionen der Geschehnisse zu visualisieren. Die endgültige Wahrheit, das wird einem schnell klar, kann auch diese jüngste Rekonstruktion der 2008er Expedition nicht belegen.

Da ich erst ein paar Stunden zuvor das Buch „Kein Weg zurück: Leben und Sterben am K2“ beendet hatte, war es für mich besonders spannend die einzelnen Personen quasi live zu erleben. Hier wird deutlich, dass Graham Bowley diese sehr gut beschrieben und die unterschiedlichen Charaktere ziemlich treffend wiedergegeben hat. Auch wenn ich den Ausgang der Geschichte bereits im Detail kannte, so haben mich die einzelnen Schicksale doch wieder gepackt. Hier ist das Medium Film doch noch einmal emotionaler als die faktenbasierte Aufbereitung des Buches.

Wie auch der Dokumentarfilm „K2: Siren of the Himalayas“ rückt Nick Ryan, parallel zu den 2008er Ereignissen, eine historische Expedition in den Fokus. Leider wirken diese Szenen sehr beliebig und der Zusammenhang erzwungen. Ich hätte hier lieber detailliertere Aufnahmen der aktuellen Expedition und weitere Gespräche mit den Überlebenden gesehen. Gerade gegen Ende werden die Ereignisse doch recht schnell abgehandelt. Wirklich schade, denn für den Zuschauer ensteht dadurch leider kein wirklicher Mehrwert.

Auch wenn „The Summit“ kein perfekter Film ist, so arbeitet er die Tragödie am K2 doch umfassend auf und lässt uns Zuschauer hautnah an den dramatischen Szenen teilhaben. Die Bergsteiger werden einem nahe gebracht und gerade in Kombination mit Graham Bowleys Buch ergibt sich daraus ein sehr rundes Bild der Katastrophe. Ich für meinen Teil nehme nun vorerst Abschied vom Karakorum, werde dieses ganz im Zeichen der Kletterei stehende Wochenende jedoch nicht allzu schnell vergessen: 8/10 Punkte.

Der Gigant aus dem All – OT: The Iron Giant (1999)

Nach einem entspannten Samstag mit viel Hausarbeit, Lesen und Spielen, hatte ich Lust auf einen Animationsfilm. Seit ein paar Monaten steht „Der Gigant aus dem All“ in meinem Regal, der mich schon seit seinem Erscheinen im Jahr 1999 interessiert. Heute war es dann endlich soweit und ich habe Brad Birds Kinodebüt den längst überfälligen Besuch abgestattet…

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Die Erwartungen waren tatsächlich ziemlich hoch, wird „The Iron Giant“ doch häufig als einer der besten Animationsfilme bezeichnet. Und tatsächlich hat er es geschafft mich bereits mit den ersten Szenen für sich einzunehmen: Spätestens wenn unser junger Held Hogarth durch ein typisches 50er Jahre Städtchen radelt und seine Mutter im Diner besucht, ist mein Herz aufgegangen: so eine wunderbare Detailverliebtheit, handgezeichnete Animationen und ein Score zum Dahinschmelzen. Audiovisuell ein Traum für jeden Trickfilmfreund.

Auch inhaltlich zieht Brad Bird (u.a. „Ratatouille“ und „Mission Impossible: Phantom Protokoll“) in seiner Adaption von Ted Hughes „Der Eisenmann“ alle Register: Das Setting mitten im Kalten Krieg ist durchsetzt von Paranoia und popkulturellen Anspielungen. Es ist wahrlich wunderbar, wie behutsam die Beziehung zwischen Hogarth und seinem eisernen Freund mit Leben befüllt wird. All dies geschieht zudem unglaublich effizient: Jede Szene ist auf den Punkt genau inszeniert und es gibt keinen unnötigen Ballast. In nur 90 Minuten kreiert Bird eine Welt, in der man sich zu Hause fühlt und die angefüllt ist mit echten Charakteren, Leben und Emotionen. Fantastisch!

Da ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, kann ich nicht sagen inwiefern die neuen Szenen der Signature Edition einen Mehrwert schaffen. Inhaltlich machen sie Sinn und ich würde sie bei einer kommenden Sichtungen der Kinofassung vermutlich vermissen. Insofern eine lohnenswerte Erweiterung.

Ich bin unglaublich froh „Der Gigant aus dem All“ endlich nachgeholt zu haben. Es ist ein wundervoller Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und ein klares Statement gegen Paranoia und Fremdenfeindlichkeit, was heute bekanntlich wichtiger denn je ist. Meine Liste der besten Zeichentrickfilme würde ab heute auf jeden Fall um einen Platz erweitert werden. Solltet ihr den Film auch noch nicht kennen, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

Schöne Bescherung – OT: Christmas Vacation (1989) (WS7)

Ich sehe „Schöne Bescherung“ jedes Jahr und bespreche den Film danach auf meinem Blog. Du möchtest die komplette Dosis Griswolds? Du findest alle Besprechungen hier!

Dieses Jahr habe ich mir mit meiner Sichtung von „Schöne Bescherung“ Zeit gelassen. Ich hatte sogar schon Sorge, dass ich überhaupt nicht mehr dazu komme. Woran das lag? Es gab eine Prämiere und ich habe erstmals meine Kinder in die wundersame Welt der Griswolds eingeführt. Und wie das in der Vorweihnachtszeit so ist, sind diese schwer beschäftigt: Weihnachtsfeiern von Kindergarten und Schule, Proben zum Krippenspiel und vieles mehr. Aber heute war es endlich soweit…

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Wie jedes Jahr überlege ich, was ich meiner inzwischen schon achten Besprechung  des Klassikers noch hinzufügen kann. Durch die äußeren Umstände ist das dieses Mal allerdings recht einfach: Meine Frau meinte irgendwann, dass es ziemlich eindeutig sei woher das Zappelinchen seinen Humor hat. Sie hat sich bei den Slapstick-Szenen ebenso weggeschmissen, wie es mir selbst nach all den Jahren noch gelingt. Wahrlich ein großer Spaß und ich bin mir sicher, mit der heutigen Sichtung die Tradition, in der Vorweihnachtszeit „Schöne Bescherung“ zu schauen, erfolgreich an die nächste Generation weitergegeben zu haben.

Der Zwergofant dagegen konnte mit dem bunten Geschehen noch nicht so viel anfangen und hat eher die Weihnachtslieder und das gezeichnete Intro genossen. Aufgrund der Kinder habe ich dieses Jahr einmal wieder die deutsche Synchronisation des Films geschaut und musste dabei feststellen, dass diese wahrlich ausgezeichnet funktioniert. Normalerweise kann ich Synchros nicht mehr schauen, doch hier hat es mich überhaupt nicht gestört. Ob das daran liegt, dass ich diese Fassung aus meiner Kindheit kenne oder ob in den 80ern noch mehr Liebe in die Synchronisation gesteckt wurde? Ich vermute es ist eine Mischung aus beiden Faktoren.

Nachdem ich nun endlich bei den Griswolds vorbeigeschaut habe, kommt auch bei mir so langsam die weihnachtliche Stimmung an. Ich bin froh, dass das Zappelinchen begeistert war und habe nun noch einen Grund mehr, mich jedes Jahr auf diese unsinnige aber doch irgendwie schöne Tradition zu freuen. Das Zappelinchen würde die folgende Wertung bestimmt unterschreiben: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm