Lord of War (2005)

Nach einem recht entspannten Samstag, den ich größtenteils im Freibad und im Möbelhaus verbracht hatte, stand am Ende des Tages mit „Lord of War“ ein längst überfälliger Film auf dem Programm: Vor ein paar Jahren bin ich bei der Recherche für das Konzept eines Produktfilms über die fantastische Intro-Sequenz des Films gestoßen – und seitdem steht er auf meiner Liste. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Konnte Andrew Niccols Waffenhändler-Satire diese erfüllen?

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Selbst wenn euch der Film nicht interessiert, kann ich euch nur zwingend die bereits erwähnte Eröffnungssequenz ans Herz legen. Selten wurde das Thema eines Films so gekonnt auf den Punkt gebracht und überaus stilvoll inszeniert. Was danach folgt erinnert wohl am ehesten an Martin Scorseses „GoodFellas“, ohne jedoch dessen Intensität zu erreichen. Speziell in der ersten halben Stunde sprintet Niccol über Ereignisse und Begebenheiten, dass man als Zuschauer kaum am Ball bleiben kann. Dies geht meiner Meinung nach ein wenig auf die Kosten der Figuren, die zwar interessant sind, aber ein wenig blass bleiben. Ab seinem zweiten Drittel nimmt sich der Film mehr Zeit und man wird als Zuschauer unweigerlich stärker von Charakteren und Handlung vereinnahmt.

Mit Nicolas Cage und Jared Leto bietet „Lord of War“ zwei Schauspieler, die den Film mühelos tragen. Speziell Cage schaffte kurz vor seinem nur allzu gut dokumentierten Absturz mit Yuri Orlov einen Charakter darzustellen, der gleichzeitig absolut abstoßend und dennoch irgendwie faszinierend ist. Jared Letos Vitaly Orlov hätte dagegen ein wenig mehr Ausarbeitung gut getan. Auch Ethan Hawkes (erst gestern in „Predestination“ gesehen) Gegenspieler bleibt ein wenig blass, was jedoch in letzter Konsequenz auch zu dem Charakter und der Aussage, die der Film für ihn trifft, passt.

Obwohl „Lord of War“ viele satirische Elemente besitzt, wird er doch über weite Strecken wie eine klassische Gangstergeschichte samt Aufstieg und Fall erzählt. Oft hätte ich gerne eine globalere Perspektive auf den Waffenhandel gesehen, doch braucht man wohl eine Figur wie Yuri Orlov, um den Zuschauer bei der Stange zu halten, was auch zweifellos gut funktioniert. Es gibt auch Momente, da muss man schwer schlucken, ob der gezeigten Grausamkeiten bzw. des unglaublichen Geschäfts, das hier gezeigt wird. Dennoch hatte mich der thematisch ähnlich angelegte „Blood Diamond“ stärker beeindruckt und bewegt.

Insgesamt bin ich sehr froh „Lord of War“ endlich gesehen zu haben. Das erwartete Meisterwerk ist dabei leider nicht herausgekommen, zu konventionell ist die erzählte Geschichte – Eindruck hinterlässt Niccols Film dennoch und ich kann ihn interessierten Filmfreunden nur empfehlen. Und sei es nur, um Nicolas Cage in einer seiner letzten wirklich großen Rollen zu sehen: 8/10 Punkte.

30 Gedanken zu “Lord of War (2005)

  1. WHAT the fuck ist that?
    The Ukraine ..


    ©Saturn Films

    Was hat er ihm nur angetan? Sorry aber bei dieser Szene musste ich echt lachen, auch wenn ich es traurig fand, wie der arme Teufel abgestiegen war. Ich gab dem Film mehrere Chancen, beim ersten Mal fand ich ihn total öde. Das Intro ist wirklich hervorragend, ebenso wie Cage. Leto brauch ich nicht erwähnen, der ist immer episch! *fangirliiiing

    ähem .. wo war ich? Ach ja, der Film, den muss ich nochmal sehen, irgendwie ist er gut, irgendwie dümpelt er aber auch dahin, ich glaube das kommt auf meine Stimmung an 😀

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    • Hehe, ja das war eine der typischen absurd-komischen Szenen, von denen der Film durchaus einige zu bieten hatte. Leto fand ich auch toll, doch war er auch irgendwie verschenkt, da sein Charakter zu eindimensional angelegt war.

      Ansonsten wie oben schon geschrieben: Sehr guter Film, aber es reicht eben nicht ganz für die oberste Liga. Dennoch ein wichtiges Thema, das hier sehr unterhaltsam verarbeitet wurde.

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      • Oy ich hätte auch gern MEHR von ihm gesehen xD *sorry

        Auf jeden Fall! Fand das ziemlich schade, dass der einfach so degradiert worden war. Aber es tat mir auch weh, ich mochte den Vitaly wirklich sehr und Yuri hat ihn so in den Abgrund gerissen 😥 Btw .. will Jared eigentlich dem oldtime Spoiler on the Legs Sean Bean Konkurrenz machen? Der stirbt doch auch fast in jedem Film xD

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      • Das tut er in der Tat. Ich muss immer über die Filme nachdenken, in denen er NICHT gestorben war. Nicht wirklich so häufig wie Bean, aber doch recht oft. Ich habe aber auch noch nicht alle gesehen. Und ich will nichts weiter sagen, denn ich würde ungern spoilern 😀

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      • Ja, Spoiler wären hier fies. Aber ich kenne auch zumindest einen Film, in dem er gestorben ist bzw. in dem sich der gesamte Film um sein Sterben dreht und man seine unterschiedlichen Leben als große Rückblenden sieht. Ich glaube du weißt, welchen Film ich meine… 😉

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      • Oh ja! Der Film ist großartig. Beim ersten Mal dachte ich noch WHAT THE FUCK ist der öde und dann hab ich mich aber nochmal damit auseinander gesetzt und es gibt immer wieder neues zu entdecken. Es ist einfach genial gemacht .. ich muss den mal wieder ansehen. Er liegt schon die ganze Zeit hier vor meiner Nase und sagt „guck mich!“

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  2. Cage ist doch weiterhin toll? Das absolute Highlight in Bad Lieutenant (2009), noch das beste an Kick-Ass (2010), das starke Zentrum in Joe (2013) und in seinen DTV-Filmen lebt er eben seinen Hang zur Exzentrik aus und kultiviert sein ihm inzwischen eigenes, einzigartiges Spiel weiter 🙂

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    • Äh, ja genau. Sind seine neuesten Hits überhaupt DTV-Filme? Viele davon liefen doch sogar im Kino. Mag mich aber auch täuschen, da Cage in letzter Zeit ja eher durch seine Frisur und Immobiliengeschäfte aufgefallen ist… 😉

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      • Die oben erwähnten Filme liefen meines Wissens auch im Kino, andere trashigere Sachen wie Left Behind oder Trespass und Tokarev dagegen kamen direkt auf DVD/BD raus. Und die Zeiten mit Frisuren und Immobilien liegen wirklich schon einige Jahre zurück. Glaube seit Bangkok Dangerous halten sich die Frisurenwitze in Grenzen. Für mich ist Cage auf jeden Fall einer der besseren Darsteller und Leuten wie DiCaprio und Bale vorzuziehen, die in jedem Film mit denselben Gesichtsausdrücken agieren.

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      • Nach deinem ersten Kommentar dachte ich ja noch du würdest scherzen – ist aber anscheinend nichts so. Ich mag Cage ja auch und besonders in den 90ern fand ich ihn wirklich klasse. Heute aber besser als DiCaprio und Bale? Nee, da kann ich mal wieder nicht mitgehen…

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  3. Was habe ich bei dem Film mit Letos Figur mitgelitten… was allerdings mehr am Schauspiel als an der Figur selbst gelegen haben dürfte. Es war tatsächlich etwas stereotyp aufgezogen, wenigstens jedoch mit superben Schauspielern.
    „Lord of War“ ist in meinen Augen so erfrischend fesch und langweilt kaum. Kann man immer wieder schauen. Und das Intro sowieso.

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    • Ja, Letos Figur hatte es schon wirklich nicht leicht – aber das war es dann auch. Eine wirkliche Entwicklung gab es nicht und auch die Beziehung zu seinem Bruder hätte man durchaus noch vertiefen können. Naja, irgendwo müssen die Unterschiede zu „GoodFellas“ und Co. ja sein – und an diese Filme kommt „Lord of War“ trotz des spannendes Themas nicht ran, finde ich.

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      • Ich fand den damals eigentlich ziemlich tiefgreifend in der familiären Dynamik, auch wenn vieles nur angeschnitten wurde. Aber da können sich die Geister nun dran scheiden. Für mich wiederum kam der Konflikt ziemlich ausgeprägt rüber, aber ist ja auch egal. 8/10 ist ja eine sehr gute Wertung. Einzig schade, dass er dich im letzten bisschen dann doch nicht so umgehauen hat.

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      • Ich glaube einfach, dass ich schon zu viele dieser typischen Rise-and-Fall-Geschichten im Gangstermilieu gesehen habe – und da erzählt z.B. Scorsese einfach eindringlicher und ist näher an den Charakteren dran. Dennoch ist „Lord of War“ ein sehr guter Film, der eben nicht 100%-ig überzeugen konnte – aber 80% sind ja auch nicht schlecht, oder? 🙂

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