Wall Street (1987)

Alle Welt redet über Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“, doch gab es nicht bereits zuvor einen Film, der sich mit dem Thema Börsenhandel Mitte der 80er Jahre auseinandersetzte? Der ideale Zeitpunkt sich einmal mit Oliver Stones „Wall Street“ zu beschäftigen, der bereits viel zu lange ungesehen im Regal stand.

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Wie auch Martin Scorseses Film erzählt „Wall Street“ die klassische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Individuums innerhalb eines speziellen Settings. Egal ob Gangstermilieu oder Börse – das Prinzip ist immer gleich: Eine aufstrebende, meist männliche Hauptfigur feiert nach ein paar Niederlagen endlich Erfolge, die letztendlich seinen Charakter verderben und der am Ende zu spät Reue zeigt. Dazwischen gibt es falsche Freunde, Vertrauensbrüche, Geld, Sex und Drogen. Trotz dieses nur allzu bekannten Rahmens, fand ich Oliver Stones offensichtliche Kritik am amerikanischen Kapitalismus der 80er Jahre größtenteils wirklich packend.

Aufgrund seiner klassischen Erzählstruktur wirkt der Film heute noch modern, was man von seinem Look nicht behaupten kann: 80er Jahre wohin man nur sieht. Seien es die Frisuren, die Mode oder die schuhschachtelgroßen Mobiltelefone – wer mit den filmischen 80ern nicht klar kommt, dem wird „Wall Street“ keine Freude bereiten. Für mich unterstreichen der Look und die musikalische Untermalung jedoch das Thema des Films, was ihn insgesamt zu einem exzellent funktionierendem Zeitdokument macht.

Die Schauspielleistungen sind leider durchwachsen und reichen von großartig (Michael Douglas als Gordon Gekko), über bemüht (Charlie Sheen als Bud Fox) bis hin zu nervtötend (Daryl Hannah als Darien Taylor). Schön fand ich es Martin Sheen (Jed Bartlet, „The West Wing“) in der Rolle des Vaters zu sehen, was sich aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse natürlich angeboten hat. Auch John C. McGinley in einer Nebenrolle war einmal wieder eine Freude und hat Erinnerungen an Oliver Stones „Platoon“ geweckt, in dem er bereits im Jahr zuvor mit Charlie Sheen gespielt hat.

Letztendlich wirkt „Wall Street“ heute ein wenig angestaubt und die Botschaft mag nicht gerade sehr subtil verarbeitet worden sein. Dennoch ist das Thema aktueller denn je und wird hier auf unterhaltsame Weise präsentiert. Ein starker Film der mittleren 80er Jahre, der ein paar fantastische Monolog- und Dialogszenen beinhaltet und zurecht als Klassiker gilt: 8/10 Punkte.

10 Gedanken zu “Wall Street (1987)

  1. Schön, dass du die Gelegenheit genutzt hast den Vergleich aufzumachen. Passt wirklich gut zu der Zeit und Scorseses aktuellen Beitrag. Schon sehr lange her, dass ich den Film gesehen hab, aber in meiner Erinnerung nimmt er sich dem eigentlichen Thema besser an, als dies „The Wolf of Wall Street“ tut. In dem geht es (finde ich) mehr um entgleisende Geldvernichtung und Drogenkonsum. 😉

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    • Ich habe Scorseses Film ja noch nicht gesehen, sieht für mich nach dem Trailer wie eine Börsenversion von „Casino“ aus. Wird auf jeden Fall vorgemerkt, das ich Scorseses Mafia-Geschichten sehr mag. Oliver Stones Beitrag fand ich auf jeden Fall toll – und Gordon Gekko ist schon ein starker Charakter mit noch besserem Rollennamen… 😉

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    • Ist jetzt bestimmt auch kein Film, den ich jedes Jahr ein paar Mal sehen müsste, aber doch ein wirklich interessantes Zeitgeist-Portrait mit etwas konventioneller Handlung, dafür aber starken Charakteren.

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