Superman Returns (2006)

Superman. Der Mann aus Stahl. Als Kind fand ich Richard Donners Version grandios. Später habe ich ganz gern in die Soap-Version „Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark“ reingeschaut, um dann erst wieder durch Jerry Seinfeld auf den Helden meiner Kindheit zu treffen. Gestern habe ich nun endlich Bryan Singers „Superman Returns“ gesehen, dessen zwei „X-MEN“-Teile mir als sehr gelungene Superheldenfilme in guter Erinnerung sind.

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Die Opening-Titles erscheinen, unterlegt mit John Williams genialem Original-Score der 1978er Version. Ein audiovisueller Rausch, der den Zuschauer von Supermans zerstörter Heimatwelt Krypton direkt zur Erde befördert. Wahrlich famos! Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings noch nicht bewusst, dass ich mit diesem äußerst gelungenen Einstieg bereits den besten Teil des Films hinter mir hatte.

„Superman Returns“ setzt mit seiner Geschichte nach dem zweiten Teil aus dem Jahre 1980 an. Es liegen folglich 26 Jahre zwischen beiden Filmen und der Zuschauer wird ziemlich unvorbereitet in die Geschichte geworfen. Ich hasse es ja schon bei Serien, wenn keine Zusammenfassung der vorhergehenden Folgen vorangestellt wird – und da liegt dann meist nur eine Woche zwischen den Geschehnissen. Ich hatte folglich erst einmal mit der Orientierung zu kämpfen. Glücklicherweise bzw. leider war die Geschichte im weiteren Verlauf dann so einfach gehalten, dass man nach der anfänglichen Verwirrung der Handlung im Schlaf hätte folgen können.

Ein weiteres Problem hat Bryan Singer mit der Stimmung des Films. Einerseits hat er aus Lois Lane eine sehr moderne Frau gemacht und Superman fast schon zur tragischen Figur aufgebaut. Philosophisch angehauchte Fragestellungen à la ‚Warum benötigt die Welt Superman?‘ täuschen zudem Tiefe in der episch angelegten Geschichte vor. Auf der anderen Seite haben wir mit Lex Luthor und Co. typische Klischeebösewichte, die den 80er Jahre Filmen entsprungen scheinen. Schablonenhaft. Überzogen. Theatralisch. Genauso wie die seltsam platten Weltherrschaftspläne. Da gibt es keine Kniffe, das ist flacheste Erzählkunst – und das mag so überhaupt nicht zu den auf modern getrimmten Figuren passen.

Neben der seltsam zerfahren wirkenden Grundstimmung kann der Film auch dramaturgisch nicht überzeugen. Es gibt einige schöne Momente, doch der Spannungsaufbau mag nicht so richtig funktionieren. Letztendlich hat mich das Geschehen seltsam kalt gelassen. Es hat einfach der Charme der früheren Filme gefehlt. Ich denke eine wirkliche Modernisierung, wie sie Christopher Nolan mit „Batman Begins“ erfolgreich durchgeführt hat, wäre ein weitaus gelungenerer Ansatz gewesen.

Überzeugen kann der Film dagegen mit seiner Optik. Es sieht schon unglaublich gut aus, wenn Superman durch die Wolken bricht oder ein Flugzeug vor dem Absturz rettet. In solchen Szenen funktionert der Film auch wirklich gut. Es schimmert eine gewisse Selbstironie durch und der Score von John Williams bläst einfach alle Zweifel hinfort: Dort fliegt Superman. Doch sobald sich die Geschichte wieder auf die Dreiecksbeziehung oder Lex Luthor und seinen tollen Plan konzentriert, bricht der Film unweigerlich ein. Schade.

Bryan Singer ist ein fähiger Regisseur, der meiner Meinung nach den falschen Ansatz zur Wiederbelebung von Superman gewählt hat. Das Resultat ist nun leider sehr durchwachsen und auch der großartige audiovisuelle Eindruck kann nicht über die offensichtlichen Schwächen in Handlung und Atmosphäre hinwegtäuschen: 6/10 Punkte.

8 Gedanken zu “Superman Returns (2006)

  1. Interessiert mich auch überhaupt nicht. Schon alleine die Tatsache, dass Superman NUR aufgrund seines Umhangs/Anzugs nicht erkannt wird, ach und natürlich der Locke wegen, ist sowas von bescheuert, dass ich mich fragen muss, ob die Drehbuchautoren oder Comiczeichner, wie auch immer, entweder total auf Droge gewesen sein müssen oder einfach nur bekloppt.

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  2. @ Inishmore: Bin ja mal gespannt, wann du mir nicht zustimmst… übrigens: Du hast ja „Harry Potter“ gar nicht kommentiert! 😀

    @ Kaiser_Soze: Ja, das ist auch so eine Sache, die überhaupt nicht in die moderne Fassung passt. Die Richard Donner-Version hatte einfach diesen leicht trashigen (absolut positiv gemeint) Charme, der dieses Detail völlig geschluckt hat. In der neuen Version könnte man sich aber tatsächlich an den Kopf langen…

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  3. Ich bin nun mal ein netter Mensch. Aber mit Harry Potter kann ich nix anfangen. Zu Beginn der Hype-Phase habe ich mir den zweiten Band gekauft. 10 Seiten gelesen und dauernd hämmert mir mein Hirn ein: „Du liest ein verdammtes Kinderbuch! Für Kinder geschrieben! Den Film gucken Kinder! KINDER! HALLO?“

    Deshalb: wenn ich den neuen Potter-Film gesehen hätte, würde ich dir nicht zustimmen, dass er toll ist. Das muss für den Moment reichen…

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  4. Wie jetzt „Harry Potter“ ist ein Kinderbuch? Du kannst doch nicht so einfach meine Illusionen zerstören!

    Zumindest bin ich nun froh, um deine Nichtzustimmung zu wissen. Regeln brauchen einfach ab und an Ausnahmen…

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