The Box (2009)

Puh, das war wirklich knapp. Beinahe hätte ich einen gesamten Monat seit meinem letzten Film verstreichen lassen. Mit der Sichtung von „The Box“ habe ich dieses grausame Schicksal gerade noch einmal abgewendet. Nicht dass meine Leser am Ende noch auf die Idee kommen, das hier wäre überhaupt kein Filmblog mehr. Ob gerade Richard Kellys umstrittenes Werk geeignet war, um die filmische Dürreperiode zu durchbrechen, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Film als gigantische Mystery Box

Während der Sichtung von „The Box“ habe ich mir öfter gewünscht, im Vorfeld noch nicht so viel darüber gelesen zu haben. Gar nicht einmal so sehr auf den Inhalt bezogen, denn von diesem wusste ich, bis auf die Grundprämisse der titelgebenden Box, nicht wirklich viel. Allerdings habe ich stets daran denken müssen, dass der Film so unglaublich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich war also beständig auf der Hut und habe versucht Fehler zu finden. Keine gute Voraussetzung. Glücklicherweise war ich vom restlichen Tag ziemlich platt (wir haben unsere alte Wohnung renoviert), so dass ich mich nach einiger Zeit wunderbar von der Atmosphäre einlullen ließ.

J. J. Abrams hat den Begriff der Mystery Box geprägt. Seine gesamte TV-Serie „Lost“ besteht fast nur aus einer Aneinanderreihung von Mystery Boxen. Auch Richard Kelly bedient sich dieser Methode, die er bereits erfolgreich in „Donnie Darko“ anzuwenden wusste. Kelly buchstabiert seine Rätsel jedoch selten aus und überlässt viel der Atmosphäre und seiner Inszenierung. Auch „The Box“ besteht zu großen Teilen aus Mysterien, die teils offensichtlich, teils nebenläufig erzählt werden. Wie bereits in seinen vorherigen Filmen, siehe auch „Southland Tales“, gibt der Film nur sehr bedingt Antworten. Man kann sich als Zuschauer seinen Teil zusammenreimen, doch wirklich zufriedenstellend wird die Geschichte nicht aufgelöst. Am besten man lässt sich in die dichte Atmosphäre fallen, die durchaus funktioniert, wenngleich sie auch nie die traumhafte Wirkung eines „Donnie Darko“ entfaltet.

Fazit

Es mag an meiner langen Filmabstinenz liegen, doch fand ich „The Box“ wirklich ziemlich gelungen. Inhaltlich völlig überfrachtet (Richard Kelly hätte die autobiographisch geprägte Geschichte über seine Eltern lieber in einen gesonderten Film auslagern sollen), doch atmosphärisch packend. Selbst die angedeuteten Sci-Fi-Elemente fand ich gelungen, haben sie mich doch tatsächlich vage an „The Three-Body Problem“ erinnert. Wenn ihr offen für andersartige Filmerlebnisse seid, und nicht unbedingt eine stringente Narrative benötigt, dann kann „The Box“ durchaus ein interessantes Filmerlebnis sein: 7/10 Punkte.

Alien: Covenant (2017)

Gestern hat es sich ziemlich spontan ergeben, dass die Kinder bei den Großeltern übernachteten und wir somit „Alien: Covenant“ im Kino sehen konnten. Neben „Blade Runner 2049“ der Film, den ich dieses Jahr am meisten herbeigesehnt habe. Speziell aufgrund meiner kürzlichen Zweitsichtung von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ war ich extrem gespannt, wie Ridley Scott die mysteriöse Geschichte um die Ingenieure und ihre Schöpfungen fortführt. Ob sich das Warten (und dass ich mich mit fieser Erkältung ins klimatisierte Kino geschleppt habe) gelohnt hat? Spoiler sind zu erwarten.

Zwischen „Prometheus“ und „Alien“

Auf den ersten Blick hat „Alien: Covenant“ alles zu bieten, was ich mir von einer Fortsetzung erhofft hatte. Der Look erinnert so sehr an den ursprünglichen „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, dass es eine wahre Freude ist. Ridley Scott hat die filmische Brücke also nicht nur inhaltlich (z.B. Zusammensetzung der Crew), sondern auch formal geschlagen. Somit verwundert es auch nicht, dass sowohl das erste Drittel wie auch das letzte Drittel des Films beinahe schon wie ein Remake des Originals von 1979 anmuten. Ich habe es wirklich sehr genossen einmal mehr in dieses wunderbar ausgearbeitete Universum einzutauchen und bekannte Klänge zu vernehmen sowie auch Mechanismen zu erleben. Doch einen Moment, bitte. Was ist nun eigentlich aus Elisabeth Shaw, dem Androiden David und ihrer Reise zum Planeten der Ingenieure geworden? Stimmt, da gibt es ja noch den Mittelteil des Films…

Typisch „Alien“-Sequel: Alles wird auf Null gesetzt

Gerade im inhaltlich interessanten Mittelteil krankt die Geschichte leider. Ich habe mich gefühlt wie damals, als ich das erste Mal „Alien 3“ gesehen habe: Jegliche inhaltliche Entwicklung wird ignoriert und die Ausgangssituation einfach auf Null gesetzt, damit man abermals die gleiche Geschichte erzählen kann. Über die Jahre habe ich den Film dennoch lieben gelernt. Ob mir das bei „Alien: Covenant“ auch gelingen wird? Wie gern hätte ich mehr über die Abenteuer von Shaw und David auf dem Heimatplaneten der Ingenieure erfahren. Aber nein: Shaw ist tot, David entpuppt sich als wahnsinniger Androide mit Gotteskomplex, der einfach mal so alle Ingenieure auslöscht. Keine Antworten, keine weiteren Mysterien, einfach alles auf Null gesetzt.

Ich fand es zwar durchaus interessant, David – nachdem er in „Prometheus: Dunkle Zeichen“ noch eher eine ambivalente Figur war – als verrückten Wissenschaftler inszeniert zu sehen, der mit seinem Bruder Walter über Schöpfung und Götter philosophiert (wenngleich die Flötenszene auch ein wenig albern war). Letztendlich hat David durch seine Genexperimente Eier, Facehugger und Xenomorphs erschaffen. Hier hatte ich tatsächlich einen kleinen Midi-Chlorianer-Moment, der viel von der Faszination für diese Kreaturen genommen hat. Nein, mir hat diese Entwicklung wirklich nicht gefallen und ich finde es unendlich schade, dass Scott und Co. die gesamte Mythologie, die sie noch im Vorgänger mühevoll aufgebaut hatten, einfach über Bord werfen. Glücklicherweise spielt Michael Fassbender wieder unglaublich gut, so dass es trotz der enttäuschenden inhaltlichen Entwicklungen eine wahre Freude ist, seinem verrückten Androiden (und das passt inhaltlich natürlich wieder perfekt zum Franchise) zuzusehen.

Fazit

Ich hatte hohe Erwartungen an „Alien: Covenant“ und mir eine deutlichere Entwicklung in Richtung „Prometheus: Dunkle Zeichen“ gewünscht. Leider haben sich Scott und 20th Century Fox jedoch für den sichereren Weg entschieden und übereilt die Brücke zu den beliebten Originalen geschlagen. Was nun noch in den nächsten beiden Filmen gezeigt werden soll? Auch wenn die Enttäuschung auf inhaltlicher Sicht wohl überwiegt, so war ich jedoch zu jeder Sekunde gefangen von den Bildern und der Atmosphäre. Der Film atmet das „Alien“-Franchise noch viel stärker als der Vorgänger und ja, tatsächlich bin ich dem jüngsten Neuzugang in dieser Hinsicht völlig verfallen. Ein spannendes und auf jeden Fall lohnendes Kinoerlebnis, bei dem sich noch zeigen muss, ob es überdauert: 7/10 Punkte.

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

Gerade ist „Alien: Covenant“ angelaufen und ich hege die zarte Hoffnung, dass ich den Film tatsächlich noch im Kino sehen werde. Folglich war es nach fünf Jahren auch an der Zeit, meine Erinnerungen an „Prometheus: Dunkle Zeichen“ aufzufrischen. Der Vorgänger hatte mir damals exzellent gefallen. Allerdings habe ich inzwischen so viele vernichtende Worte über den Film gehört und gelesen, dass ich leichte Zweifel hatte, ob er mir auch heute noch gefallen würde, doch lest selbst…

Ein selbstbewusster Neuanfang

Das „Alien“-Franchise zeichnet sich nicht gerade durch Konsistenz aus. Ob spontane Genre-Wechsel von Horror („Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zu Action („Aliens: Die Rückkehr“) oder unzählige Male umgeschriebene Drehbücher („Alien 3“) – als Fan der Reihe hat man schon so einiges mitgemacht. Dennoch war der Ruf nach einer Fortsetzung zu „Alien: Die Wiedergeburt“ stets da. Neun Jahre später war es dann endlich soweit und im Vorfeld herrschte viel Unklarheit darüber, um was es sich bei „Prometheus“ eigentlich handeln sollte: ein Sequel oder ein Prequel? Gar ein Reboot? Oder doch etwas ganz Anderes? Letztendlich ist Ridley Scotts Sci-Fi-Epos eine Mischung aus alldem und doch etwas ganz Eigenes: eine Geschichte im „Alien“-Universum, die mit den Versatzstücken des Franchises spielt und doch viel größer ist. Und ich kann Ridley Scott nur dafür danken, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn auch bei der heutigen Sichtung hat mich sein Film wieder enorm gepackt.

Woher kommen wir eigentlich?

„Prometheus“ macht es einem als Zuschauer nicht leicht: Einerseits ist der Film ein typischer Sci-Fi-Reißer mit Monstern, klischeehaft geschriebenen Redshirts und teils sehr blutigen Szenen. Dem gegenüber steht der philosophische Unterbau, der Fragen nach Schöpfung, Glaube und einer größeren Mythologie aufmacht. Für viele Zuschauer mag das nicht zusammenpassen, doch für mich funktioniert es einfach wunderbar. Ich liebe die Space-Trucker-Atmosphäre, die Scott im ersten Drittel des Films wieder sehr gekonnt einfängt, ebenso wie horrorlastigen Actionszenen sowie die Fragen, die in der Geschichte aufgemacht werden. Im Zentrum der Handlung steht, ganz in Tradition der Reihe, abermals eine Frau, doch neben ihr rückt ein Androide in den Fokus. Auch ein solcher hatte in den ersten beiden Filmen eine tragende Rolle, hier spiegelt er zudem den Kern der Geschichte wider, was ich ganz und gar famos fand. Dies hätte leicht nach hinten losgehen können, doch Michael Fassbender spielt David so eindringlich und doch nuanciert, dass es eine wahre Freude ist.

Neben dem Inhalt ist bei Ridley Scott natürlich die Form extrem wichtig und hier überzeugt „Prometheus“ auf ganzer Linie: Ich liebe die Weyland-Yutani-Designs, die Raumschiffe und Uniformen, die technischen Spielereien und natürlich die von H. R. Giger inspirierte Welt auf LV-223. Was Monster angeht, so gibt es auch in diesem Film einiges zu sehen, wobei nichts auch nur annähernd den ikonografischen Facehuggern oder Xenomorphs das Wasser reichen kann. Am meisten beeindruckt haben mich wohl tatsächlich die humanoiden Engineers und ich bin gespannt, wie in der Fortsetzung letztendlich der Bogen zu den klassischen Aliens gespannt wird.

Fazit

Meine Sorge mich aufgrund etwaiger Beeinflussungen in Drehbuchschwächen oder   Logiklöchern zu verlieren, war völlig unbegründet. Ich habe „Prometheus“ genossen, wie damals bei der ersten Sichtung im Kino. Einzig das famose 3D habe ich tatsächlich vermisst. Wer hätte das gedacht? Auch dieses Mal werde ich wieder viel über die Geschichte nachdenken und mir eigene Erklärungen zurechtlegen. Ich mag es sehr, dass der Film nicht alles erklärt und uns Zuschauern Spielraum für Spekulationen lässt. Dabei funktioniert „Prometheus“ auch wunderbar als audiovisuell starker Sci-Fi-Trip, mit dem man einfach viel Spaß haben kann. Falls ihr die alten Filme liebt und um diesen Neuanfang bisher einen bogen gemacht habt: Lasst euch nichts erzählen und macht euch selbst ein Bild. Ein toller Film: 9/10 Punkte.

 

Ghost in the Shell (2017)

Da die Kinder noch bis morgen bei den Großeltern untergebracht sind, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und sind einmal wieder ins Kino gegangen. Leider lief nicht der Film, den wir unbedingt sehen wollten. Letztendlich fiel meine unsere Wahl auf „Ghost in the Shell“ und speziell ich war durchaus gespannt, was die Realverfilmung des Animes denn so auf dem Kasten hat: Die Trailer sahen vielversprechend aus, die Kritiken waren jedoch durchwachsen…

Einmal Matrix und zurück

Speziell Fans des Animes scheinen so ihre Probleme mit der Realverfilmung zu haben. Auch ich kenne das Original, wenngleich meine Sichtung inzwischen mindestens 15 Jahre zurückliegt. Es muss irgendwann nach „The Matrix“ gewesen sein, als man alles aufgesogen hat, was für diesen bahnbrechenden Film Pate stand. Ich erinnere mich noch, dass ich die Geschichte faszinierend aber auch verwirrend fand. Heute dagegen, ziemlich genau 18 Jahre nach dem Blockbuster der Wachowski-Geschwister, wirkt die Geschichte doch schon ziemlich vertraut. Was 1995 unglaublich originell gewirkt haben musste, ist heute nur noch die gekonnte Inszenierung einer nur allzu bekannten Routine. Das kann man dem Film nur schwerlich als Fehler anlasten, trübt dessen Wirkung leider dennoch beträchtlich.

Whitewashing oder warum Scarlett Johansson?

Am meisten war „Ghost in the Shell“ im Vorfeld des Kinostarts wohl aufgrund des Whitewashing-Vorwurfs in aller Munde. Ich kann den Punkt durchaus verstehen, doch glaube ich auch, dass man sich bei Hollywood-Produktionen nicht zu viele Illusionen machen sollte: Es geht hier einfach ums Geschäft. Wären die Rechte an ein japanisches Filmstudio gegangen, hätte es die Diskussion ziemlich sicher nicht gegeben. Sind sie aber nicht. Mit Dreamworks steht ein amerikanisches Studio hinter der Produktion und als solches werden natürlich auch amerikanische Stars platziert, um den Erfolg im westlichen Markt zu garantieren. Das mag aus künstlerischer Sicht fragwürdig sein, doch ist es keinesfalls überraschend oder skandalös. Davon einmal abgesehen fand ich Scarlett Johansson tatsächlich gut besetzt und ich habe ihr die Rolle abgenommen.

Mit Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche und Michael Pitt ist der restliche Cast durchaus international und die Schauspieler werden ihren Anime-Pendants auf jeden Fall gerecht. Auch wenn westliche Gesichter dominieren, so wirkt die Welt in „Ghost of the Shell“ dennoch wie ein Schmelztiegel und Erinnerungen an „Blade Runner“ werden wach, nur dass hier alles noch einmal bunter, lauter und leider auch sauberer wirkt. Dennoch hat mich die Gestaltung der nahen Zukunft auf jeden Fall überzeugt und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen.

Fazit

Ohne „The Matrix“ oder auch „Blade Runner“ wäre die Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ ein wirklich beeindruckendes Filmerlebnis gewesen, das bei mir noch lange nachgewirkt hätte. Mit Kenntnis der teils dem Original nacheifernden Vorbilder, lässt Rupert Sanders‘ Film jedoch Originalität vermissen. Die Actionszenen sind toll inszeniert (wenn auch ein wenig blutleer) und der Film sieht insgesamt schon ziemlich fantastisch aus. Leider jedoch wird die Handlung zu vereinfacht wiedergegeben und am Ende wirkt es, als wäre nur eine weitere Superheldin geboren worden. Trotz seiner Fehler auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Deadpool (2016)

Was für ein Tag. Was für eine Woche. Doch egal, denn nun beginnt für mich nicht nur das lange Osterwochenende, sondern auch die wohlverdiente Urlaubswoche: Die Kinder sind bei den Großeltern, meine Frau und ich waren gemütlich etwas essen und haben inoffiziell die Fastenzeit beendet – was liegt also näher, als den Abend mit einem romantischen Film ausklingen zu lassen? Somit habe ich den erst aktuell erworbenen „Deadpool“ in den Player geschoben und auf ein stimmungsvolles Filmerlebnis gehofft. Vergebens oder berechtigt? Das erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Was macht Deadpool zu Deadpool?

Um es vorwegzunehmen: Meine bessere Hälfte ist nach kurzer Zeit eingeschlafen, ich habe mir (Fastenzeit beendet, ihr habt es oben gelesen) ein Glas Rum eingeschenkt und wurde bestens unterhalten. „Deadpool“ ist genau der Film, den man nach der ziemlich famosen Marketing-Kampagne erwarten durfte: Blutig, selbstreferentiell und oft unter der Gürtellinie. Nicht der typische Marvel-Film, aber letztendlich dann doch so poliert, dass es keine großen Überraschungen gibt. Beste R-Rated-Unterhaltung für die große Leinwand. Also ein Blockbuster für Erwachsene? Eher wohl für den Teenager im Manne. Und dennoch funktioniert die Comic-Verfilmung ausgezeichnet. Sie besitzt eine gewisse Leichtigkeit, die sich nur manchmal mit den Big-Budget-Bildern beißt. Perfekt besetzt und wunderbar temporeich geschrieben: ein großer Spaß.

Wie passt Deadpool zu den X-Men?

Bereits 2009 habe ich in „X-Men Origins: Wolverine“ dem ersten Auftritt von Ryan Reynolds als Deadpool beigewohnt, allerdings ist mir dieser nicht sonderlich in Erinnerung geblieben. Ryan Reynolds („Two Guys and a Girl“) allerdings schon, hat er doch sehr für einen eigenen Film des Antihelden gekämpft. Vermutlich ist dieser Aspekt auch der interessanteste der Produktionsgeschichte, denn 20th Century Fox hat erst einmal nicht an den Erfolg eines R-Rated-Comic-Films geglaubt. Aus heutiger Sicht natürlich unvorstellbar. Seitdem hat auch „Logan“ gezeigt, dass eine etwas härtere Gangart bei den Fans durchaus gut ankommt. Die Beziehung zu den „X-Men“ ist überhaupt ein interessanter Aspekt des Films, zeichnet sich „Deadpool“ doch durch unzählige Anspielungen auf das Franchise aus, ist wunderbar meta und erlaubt seinem Charakter beständig die vierte Wand zu durchbrechen. Ein wirklich großer Spaß. Hatte ich das schon erwähnt?

Fazit

Auch wenn „Deadpool“ nicht so subversiv ist, wie er gerne dargestellt wird, ist er einfach erfrischend unterhaltsam. Es gilt ausnahmsweise einmal nicht die gesamte Welt zu retten, sondern einen persönlichen Rachefeldzug zu beenden. Die Optik ist, typisch für Marvel, sehr auf Hochglanz poliert, was auch die unzähligen Blut-Effekte nicht ändern. Durch das Spiel mit der Meta-Ebene bleibt der Film stets sympathisch und man sieht allen Beteiligten an, dass sie wirklich für die Figur brennen. Speziell Ryan Reynolds ist die perfekte Besetzung und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil: 8/10 Punkte.

X-Men: Apocalypse (2016)

Es geht wirklich Schlag auf Schlag: Nachdem ich vergangene Woche „Wolverine: Weg des Kriegers“ nachgeholt habe, stand gestern „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ auf dem Programm und heute war sogleich „X-Men: Apocalypse“ an der Reihe. Damit habe ich nun – bis auf den aktuell im Kino laufenden „Logan“ – alle Filme der Reihe gesehen und bin gespannt, wann uns der nächste Reboot ereilt… 😉

Nach der epischen Zeitreise der Vorgängers zur Bekämpfung der fiesen Sentinels, habe ich mich tatsächlich gefragt, welche Bedrohung denn unsere Helden überhaupt noch zu schockieren vermag. Tatsächlich entpuppt sich diese neue Bedrohung recht schnell als Oberbösewicht und allmächtiger Endgegner in einem. Der gute Apocalypse ist so mächtig, dass seine Darstellung häufig an der Karikatur vorbeischrammt. Speziell bei den Szenen in Ägypten musste ich an Roland Emmerichs „Stargate“ oder auch Stephen Summers „Die Mumie“-Filme denken. Dass „X-Men: Apocalypse“ dennoch funktioniert, hat der Film seiner Comic-Herkunft zu verdanken, die eben auch solche Elemente erlaubt.

Im direkten Vergleicht zu „X-Men: Days of Future Past“ fällt die Handlung leider ziemlich ab. Dennoch hat mir die 80er-Jahre-Atmosphäre viel Vergnügen bereitet und die Anspielung auf „Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ hat gezeigt, dass die Autoren durchaus Humor besitzen. Meine liebste Szene gehört abermals Quicksilver, der zu Eurythmics „Sweet Dreams“ Professor Xaviers gesamte Schule evakuieren darf. Überhaupt ist „X-Men: Apocalypse“ immer dann am stärksten, wenn unsere bekannten Mutanten ein wenig mehr Hintergrundgeschichte bekommen und ihre Fähigkeiten einsetzen dürfen. Dann macht auch dieser bisher finale Teil des „X-Men“-Universums deutlich mehr Spaß als in den großen Konflikten.

Das Finale übertrifft, was CGI-Brimborium angeht, seinen Vorgänger leider noch einmal um Längen. Zudem gibt es hier keine coolen Kampfszenen mit den Sentinels zu sehen, sondern nur umherfliegende Materie. Und noch mehr Materie. Das ermüdet schnell und erinnerte mich doch sehr an die viel zu ausführliche Materialschlacht am Ende von „Man of Steel“. Trotz dieser Kritikpunkte reiht sich „X-Men: Apocalypse“ nicht auf dem letzten Platz meiner persönlichen Gesamtrangliste ein, ist aber – wie schon „X-Men: Der letzte Widerstand“ – eindeutig der schwächste Teil seiner Trilogie:

  1. „X-Men 2“ (2003)
  2. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ – Rogue Cut (2014)
  3. „X-Men“ (2000)
  4. „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011)
  5. „Wolverine: Weg des Kriegers“ – Extended Cut (2013)
  6. „X-Men: Apocalypse“ (2016)
  7. „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006)
  8. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009)

Wie bereits nach der gestrigen Sichtung des Vorgängers, hätte ich nun gute Lust die Filmreihe von vorne zu beginnen. Realistisch gesehen werde ich aber vorerst auf die Heimkino-Veröffentlichung von „Logan“ warten und dann weitersehen. Bis dahin behalte ich die X-Men in guter Erinnerung und hoffe sehr, dass man nun aufgrund des Erfolgs nicht unzählige weitere Teile nachschiebt: 7/10 Punkte.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – OT: X-Men: Days of Future Past – Rogue Cut (2014)

Wie schnell ist bitte diese Woche vergangen? Das ist der Vorteil, wenn man viel zu tun hat. Ich hoffe das Wochenende lässt sich nun etwas mehr Zeit. Nachdem ich erst vergangenen Samstag mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ zu der Superhelden-Saga zurückgekehrt bin, stand heute endlich „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im längeren Rogue Cut auf dem Programm. Kürzlich berichtete auch Wulf über den Film und hat die Vorfreude noch einmal geschürt. Somit war ich mehr als gespannt, ob er auch bei mir entsprechend einschlagen würde…

Den Vorgänger „X-Men: Erste Entscheidung“ fand ich damals ziemlich famos und habe mich nun auf das Aufeinandertreffen mit den klassische „X-Men“ gefreut. Bryan Singer hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern wirft uns direkt in imposante und enorm aufwändige Action-Sequenzen. Ich musste mich hier erst einmal orientieren, hatte ich doch weder die einzelnen Mutanten im Kopf, noch konnte ich zuordnen, ob dies ein komplett neuer Handlungsstrang war oder er in den vorherigen Filmen bereits angerissen wurde. Man sollte sich innerhalb einer Filmreihe wahrlich nicht zu viel Zeit mit der Sichtung des nächste Teils lassen. Ein Grund, warum ich inzwischen vor dem Marvel Cinematic Universe kapituliert habe.

Sobald es in die Vergangenheit geht, macht „X-Men: Days of Future Past“ unglaublich viel Spaß. Es ist eine große Freude, die nur allzu bekannte Zeitreisethematik in einem Superhelden-Film verarbeitet zu sehen. Die Geschichte erzählt an sich nichts Neues, doch sind die Charaktere gut ausgearbeitet und gerade das Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft bringt die nötige Würze in den Film. Speziell das Finale ist sehr emotional geraten, was mir wirklich gut gefallen hat. Danach hatte ich direkt Lust mir die gesamte bisherige Reihe noch einmal anzusehen. Aber ich belasse es vorerst wohl bei der direkten Fortsetzung, denn sonst kann ich mich wieder nicht an die aktuellen Geschehnisse erinnern.

Audiovisuell ist Bryan Singers Film wirklich beeindruckend. Es passiert unglaublich viel und die Action ist gekonnt inszeniert. Teils war mir der digitale Look jedoch ein wenig zu übertrieben und insgesamt wäre mir weniger CGI-Geschwurbel in so mancher Szene lieber gewesen. Auch wenn Filme heutzutage eben so gemacht werden, ist mir die Künstlichkeit der Bilder an ein paar Stellen doch negativ aufgefallen. Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten packenden und toll aussehenden Film.

Der Rogue Cut ist, wenn man sich den Schnittbericht anschaut, vermutlich die leicht gelungenere Fassung. Ich kann das nun schwer beurteilen, mochte aber die Szenen rund um Rogue und auch die teils ein wenig härteren Kämpfe. So langsam festigt sich mein Eindruck, dass ich die „X-Men“-Reihe von allen Superhelden-Filmen am liebsten mag. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck auch durch das Finale der neuen Trilogie bestätigen lässt: 8/10 Punkte.

Wolverine: Weg des Kriegers – OT: The Wolverine – Extended Cut (2013)

Alle Welt redet von „Logan“ und auch ich bekomme nach den positiven Besprechungen Lust auf den Film. Da es mit dem Kinobesuch aber nichts werden wird, habe ich mir mit „Wolverine: Weg des Kriegers“ den direkten Vorgänger im Extended Cut angesehen. Somit bin ich nach dem famosen „Toni Erdmann“ gestern doch noch zum gewünschten Popcorn-Film an diesem Wochenende gekommen…

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In letzter Zeit habe ich so überhaupt keine Lust mehr auf Superhelden-Filme – und das obwohl noch ein paar ungesehene Werke des Marvel Cinematic Universe (MCU) bei mir im Regal stehen. Die „X-Men“-Filme mochte ich allerdings schon immer ein wenig lieber, wobei ich auch hier keinen Film seit „X-Men: Erste Entscheidung“ mehr gesehen habe. Inzwischen stehen jedoch auch die beiden Fortsetzungen im Regal, die ich vermutlich in naher Zukunft endlich einmal nachholen werde. Und was ist mit dem ersten Teil der Spin-off-Trilogie „X-Men Origins: Wolverine“? Dieser stellte für mich bisher den Tiefpunkt der Reihe dar und somit war ich nun gespannt, wie sich die offizielle Fortsetzung denn schlagen würde.

Mir hat „The Wolverine“ tatsächlich viel Spaß gemacht: Ich mochte das Setting in Tokyo und die damit einhergehenden atmosphärischen Bilder. Zudem hat es James Mangold geschafft ein paar wirklich unterhaltsame Actionsequenzen zu inszenieren, die zudem eine angenehme Härte besitzen, speziell im Extended Cut (siehe Schnittbericht). Die Geschichte ist natürlich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, doch mochte ich die erzählerische Klammer, die in Logans Vergangenheit begründet liegt, recht gerne. Im Mittelteil des Films wird natürlich ein Weg gefunden, den Charakter kurzzeitig verwundbar zu machen, was die Spannung tatsächlich steigert. Ein billiger Kniff, aber im Rahmen der ohnehin abstrusen Comic-Geschichte doch absolut passend.

Insgesamt ist „Wolverine: Weg des Kriegers“ kein herausragender Film, doch hat er mich nach den eher verhaltenen Kritiken doch positiv überrascht. Der Nachfolger soll ja noch einmal gelungener sein, weshalb ich mich jetzt schon auf einen weiteren schönen Heimkino-Abend mit Logan in ein paar Monaten freue: 7/10 Punkte.

Der Gigant aus dem All – OT: The Iron Giant (1999)

Nach einem entspannten Samstag mit viel Hausarbeit, Lesen und Spielen, hatte ich Lust auf einen Animationsfilm. Seit ein paar Monaten steht „Der Gigant aus dem All“ in meinem Regal, der mich schon seit seinem Erscheinen im Jahr 1999 interessiert. Heute war es dann endlich soweit und ich habe Brad Birds Kinodebüt den längst überfälligen Besuch abgestattet…

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Die Erwartungen waren tatsächlich ziemlich hoch, wird „The Iron Giant“ doch häufig als einer der besten Animationsfilme bezeichnet. Und tatsächlich hat er es geschafft mich bereits mit den ersten Szenen für sich einzunehmen: Spätestens wenn unser junger Held Hogarth durch ein typisches 50er Jahre Städtchen radelt und seine Mutter im Diner besucht, ist mein Herz aufgegangen: so eine wunderbare Detailverliebtheit, handgezeichnete Animationen und ein Score zum Dahinschmelzen. Audiovisuell ein Traum für jeden Trickfilmfreund.

Auch inhaltlich zieht Brad Bird (u.a. „Ratatouille“ und „Mission Impossible: Phantom Protokoll“) in seiner Adaption von Ted Hughes „Der Eisenmann“ alle Register: Das Setting mitten im Kalten Krieg ist durchsetzt von Paranoia und popkulturellen Anspielungen. Es ist wahrlich wunderbar, wie behutsam die Beziehung zwischen Hogarth und seinem eisernen Freund mit Leben befüllt wird. All dies geschieht zudem unglaublich effizient: Jede Szene ist auf den Punkt genau inszeniert und es gibt keinen unnötigen Ballast. In nur 90 Minuten kreiert Bird eine Welt, in der man sich zu Hause fühlt und die angefüllt ist mit echten Charakteren, Leben und Emotionen. Fantastisch!

Da ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, kann ich nicht sagen inwiefern die neuen Szenen der Signature Edition einen Mehrwert schaffen. Inhaltlich machen sie Sinn und ich würde sie bei einer kommenden Sichtungen der Kinofassung vermutlich vermissen. Insofern eine lohnenswerte Erweiterung.

Ich bin unglaublich froh „Der Gigant aus dem All“ endlich nachgeholt zu haben. Es ist ein wundervoller Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und ein klares Statement gegen Paranoia und Fremdenfeindlichkeit, was heute bekanntlich wichtiger denn je ist. Meine Liste der besten Zeichentrickfilme würde ab heute auf jeden Fall um einen Platz erweitert werden. Solltet ihr den Film auch noch nicht kennen, kann ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen: 9/10 Punkte.

10 Cloverfield Lane (2016)

Heute habe ich einmal wieder einen Film gesehen, der brandneu im Programm von Amazon Prime erschienen ist – und das sogar im richtigen Bildformat. Tatsächlich stand „10 Cloverfield Lane“ schon lange auf meiner Liste und es war eine gute Gelegenheit, mir selbst eine Meinung zu dem Film zu bilden, der – speziell in Hinsicht auf sein Finale – wild diskutiert wurde. Alles Weitere in der folgenden Besprechung…

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J. J. Abrams hat es einmal wieder geschafft ein großes Mysterium um einen Film zu stricken: Nachdem er mit „Cloverfield“ einen Hype um Teaser, Trailer und jede neue Information zu dem Film geschaffen hatte, bleibt bei diesem ähnlich klingenden Werk die Frage offen, ob es sich nun um ein offizielles Sequel handelt oder der Titel nur zufällig gewählt wurde. Natürlich wurde er das nicht. Dies sollte allen Zuschauern auch bewusst sein, doch der nagende Zweifel schwingt eben immer mit. Nach „Super 8“ also ein weiterer Film aus seiner Schmiede Bad Robot, der im Vorfeld bewusst ungreifbar bleibt. Bei mir hat es funktioniert und ich war sehr gespannt auf das Ergebnis.

Inzwischen ist es auch ein offenes Geheimnis, dass der Film ursprünglich auf einem Drehbuch namens „The Cellar“ beruht und erst in der Vorproduktionsphase zu „10 Cloverfield Lane“ umgeschrieben wurde. Schaut man sich den Film an, ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich und ich kann mir ziemlich gut vorstellen, an welchen Stellen Abrams und Co. geschraubt haben, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die ersten 90 Minuten sind ein ziemlich dichtes Kammerspiel, in dem Mary Elizabeth Winstead, John Goodman und John Gallagher Jr. („The Newsroom“) zu brillieren wissen. Sehr dicht inszeniert, teils unerwartet humorvoll und zugleich extrem schockierend. Danach folgt die Auflösung, die mich keinesfalls überrascht hat, doch nicht so ganz zu dem vorherigen Film passen will. Ich verstehe die Diskussion darüber, jedoch kann eigentlich niemand behaupten damit nicht gerechnet zu haben.

Ich frage mich gerade, ob mir der Film als „The Cellar“ nicht besser gefallen hätte. Vermutlich hätte er das. Dennoch funktioniert er auch als Geschichte aus dem „Cloverfield“-Universum ziemlich gut, was jedoch hauptsächlich den Mystery- und Thriller-Elementen in den ersten beiden Filmdritteln zuzuschreiben ist. Regisseur Dan Trachtenberg schafft es eine extrem dichte Atmosphäre zu kreieren und die drei Schauspieler liefern exzellente Arbeit ab. Bis ins letzte Detail perfekt ist der Film nicht, doch ließ mich schon lange kein Thriller mehr so stark mitfiebern: 8/10 Punkte.