Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

Gerade ist „Alien: Covenant“ angelaufen und ich hege die zarte Hoffnung, dass ich den Film tatsächlich noch im Kino sehen werde. Folglich war es nach fünf Jahren auch an der Zeit, meine Erinnerungen an „Prometheus: Dunkle Zeichen“ aufzufrischen. Der Vorgänger hatte mir damals exzellent gefallen. Allerdings habe ich inzwischen so viele vernichtende Worte über den Film gehört und gelesen, dass ich leichte Zweifel hatte, ob er mir auch heute noch gefallen würde, doch lest selbst…

Ein selbstbewusster Neuanfang

Das „Alien“-Franchise zeichnet sich nicht gerade durch Konsistenz aus. Ob spontane Genre-Wechsel von Horror („Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zu Action („Aliens: Die Rückkehr“) oder unzählige Male umgeschriebene Drehbücher („Alien 3“) – als Fan der Reihe hat man schon so einiges mitgemacht. Dennoch war der Ruf nach einer Fortsetzung zu „Alien: Die Wiedergeburt“ stets da. Neun Jahre später war es dann endlich soweit und im Vorfeld herrschte viel Unklarheit darüber, um was es sich bei „Prometheus“ eigentlich handeln sollte: ein Sequel oder ein Prequel? Gar ein Reboot? Oder doch etwas ganz Anderes? Letztendlich ist Ridley Scotts Sci-Fi-Epos eine Mischung aus alldem und doch etwas ganz Eigenes: eine Geschichte im „Alien“-Universum, die mit den Versatzstücken des Franchises spielt und doch viel größer ist. Und ich kann Ridley Scott nur dafür danken, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn auch bei der heutigen Sichtung hat mich sein Film wieder enorm gepackt.

Woher kommen wir eigentlich?

„Prometheus“ macht es einem als Zuschauer nicht leicht: Einerseits ist der Film ein typischer Sci-Fi-Reißer mit Monstern, klischeehaft geschriebenen Redshirts und teils sehr blutigen Szenen. Dem gegenüber steht der philosophische Unterbau, der Fragen nach Schöpfung, Glaube und einer größeren Mythologie aufmacht. Für viele Zuschauer mag das nicht zusammenpassen, doch für mich funktioniert es einfach wunderbar. Ich liebe die Space-Trucker-Atmosphäre, die Scott im ersten Drittel des Films wieder sehr gekonnt einfängt, ebenso wie horrorlastigen Actionszenen sowie die Fragen, die in der Geschichte aufgemacht werden. Im Zentrum der Handlung steht, ganz in Tradition der Reihe, abermals eine Frau, doch neben ihr rückt ein Androide in den Fokus. Auch ein solcher hatte in den ersten beiden Filmen eine tragende Rolle, hier spiegelt er zudem den Kern der Geschichte wider, was ich ganz und gar famos fand. Dies hätte leicht nach hinten losgehen können, doch Michael Fassbender spielt David so eindringlich und doch nuanciert, dass es eine wahre Freude ist.

Neben dem Inhalt ist bei Ridley Scott natürlich die Form extrem wichtig und hier überzeugt „Prometheus“ auf ganzer Linie: Ich liebe die Weyland-Yutani-Designs, die Raumschiffe und Uniformen, die technischen Spielereien und natürlich die von H. R. Giger inspirierte Welt auf LV-223. Was Monster angeht, so gibt es auch in diesem Film einiges zu sehen, wobei nichts auch nur annähernd den ikonografischen Facehuggern oder Xenomorphs das Wasser reichen kann. Am meisten beeindruckt haben mich wohl tatsächlich die humanoiden Engineers und ich bin gespannt, wie in der Fortsetzung letztendlich der Bogen zu den klassischen Aliens gespannt wird.

Fazit

Meine Sorge mich aufgrund etwaiger Beeinflussungen in Drehbuchschwächen oder   Logiklöchern zu verlieren, war völlig unbegründet. Ich habe „Prometheus“ genossen, wie damals bei der ersten Sichtung im Kino. Einzig das famose 3D habe ich tatsächlich vermisst. Wer hätte das gedacht? Auch dieses Mal werde ich wieder viel über die Geschichte nachdenken und mir eigene Erklärungen zurechtlegen. Ich mag es sehr, dass der Film nicht alles erklärt und uns Zuschauern Spielraum für Spekulationen lässt. Dabei funktioniert „Prometheus“ auch wunderbar als audiovisuell starker Sci-Fi-Trip, mit dem man einfach viel Spaß haben kann. Falls ihr die alten Filme liebt und um diesen Neuanfang bisher einen bogen gemacht habt: Lasst euch nichts erzählen und macht euch selbst ein Bild. Ein toller Film: 9/10 Punkte.

 

21 Gedanken zu “Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

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  2. Ich habe ihn kürzlich erstmals gesichtet (da er mich eigentlich nicht interessiert hatte) und wurde positiv überrascht. Ich kann Dir in allen Punkten nur zustimmen und finde es schade dass er überall derart verrissen wird, auch in meinem Freundeskreis. Die meisten nehmen wahrscheinlich die Verwandschaft zum ersten „Alien“ zu ernst, der von seiner Mentalität her sicherlich sehr anders ausgefallen ist. Ich persönlich gucke ihn fast schon eher als eigenständigen Film und nicht zwingend als Teil einer Reihe. Aber selbst eingeordnet ins Alien-Universum habe ich mit „Prometheus“ keine Probleme. Der Schluss hat mir so gut gefallen, dass ich nun erst einmal enttäuscht bin, dass die Fortsetzung von Prometheus nicht die am Ende angekündigte Geschichte erzählt. Ich hoffe Ridley Scott entschuldigt sich mit dem aktuell im Kino laufenden Alien-Film nicht für Prometheus mit einer 08/15-Fortsetzung bei einer Fan-Gemeinde, die scheinbar nicht mehr überrascht werden möchte. Mir wäre es lieber wenn er seiner Vision folgt. Aber ob die Produzenten dafür mutig genug wären? Bin mal gespannt was Du über Alien Covenant zu berichten hast. 🙂

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    • Freut mich sehr, dass dir der Film auch so gut gefallen hat. Ich kann die vielen teils vernichtenden Kritiken auch echt nicht nachvollziehen, da sie sich an Kleinigkeiten aufhängen und den Sense-of-Wonder völlig ignorieren, den der Film zweifellos zu bieten hat – zumindest wenn man offen dafür ist.

      So sehr ich die Original-„Alien“-Reihe liebe, so sehr freue ich mich, dass Scott hier einen frischen Weg gegangen ist und die Anknüpfungspunkte nur dezent gesetzt sind. Ich habe schon von einigen Leuten gehört, dass „Alien: Covenant“ wohl eher ein „Prometheus 2“ sei, als ein „Alien 5“. Das sorgt bei einer bestimmten Zuschauergruppe für große Enttäuschung, ich für meinen Teil freue mich aber und werde natürlich ausführlich berichten, sobald ich den Film gesehen habe… 🙂

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  3. Prometheus, joah, ich hatte mich ja erst vor kurzem darüber geäußert. Wobei ich eher das gegenteilige Gefühl hatte: Der Film war bei 130 Mille Budget und nem Einspielergebnis von 400 Mille ein ziemlicher Erfolg. An irgendwelche Verrisse kann ich mich da jetzt nicht erinnern.

    Ich konnte anfangs trotzdem recht wenig mit ihm anfangen. Habe den Film anfangs irgendwie überhaupt nicht verstanden, was mich etwas unbefriedigt zurückgelassen hat. Zig Durchgänge später bin ich von dem Film recht angetan und kann Alien: Covenant kaum erwarten. Nächsten Freitag isses vielleicht so weit.

    Auch auf die weiteren zwei (?) Fortsetzungen nach Alien:Covenant freue ich mich jetzt schon, auch wenn der Großteil der Fans da recht skeptisch zu sein scheint. Von mir aus soll der Ridley Scott noch zehn Fortsetzungen drehen, ich werde sie mir alle reinziehen.

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    • Ja, kommerziell war er wohl ein Erfolg, sonst hätte es nun auch keine Fortsetzung gegeben (wenn auch mit „Alien“ im Titel). Wenn man sich die Kritiken so durchliest, dann hängen sich die meisten an Logiklöchern auf und beschweren sich, dass der Film nicht alles bis ins Detail erklärt. Für mich macht das tatsächlich gerade den Reiz aus und vermutlich hättest du ihn auch nicht so oft gesehen, wenn er sofort eindeutig gewesen wäre.

      Solange Scott etwas zu erzählen hat, schaue ich mir die Filme auch an, zumal ich das Universum rund um Weyland-Yutani auch wirklich faszinierend finde. Zehn Filme bräuchte ich dann aber doch nicht mehr… 😉

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  6. Ich bin eigentlich keiner, der bei Logiklöchern im Kino rumnörgelt, die Immersion reist mich meistens mit. Aber hier verhalten sich die Leute so komisch, dass ich es auch im Kino seltsam finde. Ein Wissenschaftler wird von einer fremden Spezies gebissen und verbirgt es. Warum? Wird nicht deutlich. Zwei wollen zum Raumschiff zurück {allein das Trennen wirkte sehr gekünstelt}, verirren sich dann noch und können dann wegen eines heraufziehenden Sturms nicht zurück. Hmmmmm. Ach ja, und sind dann supernaiv im Umgang mit fremden Spezies, da hat irgendwie nix gepasst … {für mich}.

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    • Mich hat das alles tatsächlich überhaupt nicht gestört, selbst nicht nachdem ich es an anderer Stelle gelesen hatte und somit schon wusste. Welcher Wissenschaftler wurde denn gebissen? Er wurde doch von Davin über den Tropfen schwarzer Flüssigkeit infiziert und wusste demnach nichts davon, oder?

      Die zwei Wissenschaftler mit dem Wurm-Alien waren eben einfach dämlich bzw. völlig von der Situation überfordert. Das passiert. Gibt auch in dem Bereich eben Trottel, bei denen man sich fragt, wie sie zu ihrer Position kommen… 😉

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      • Die beiden Trottel wären imho verschmerzbar gewesen, aber da gab es ja noch einige weitere „Zufälle“, ohne die die Situation so nicht hätte entstehen können.

        Du hast recht, er wurde ja absichtlich infiziert – aber dass er dann nicht zum Doc des Teams geht und sagt, „Guck Dir das bitte mal an.“ – da wurde seine Motivation so gar nicht deutlich, oder?

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      • Du hast schon recht, wenn man will, kann man viel in dem Film zerlegen. Aber mir haben sich diese Fragen gar nicht gestellt bzw. ich konnte mir alles ganz gut erklären, z.B. Holloway wurde absichtlich infiziert, dabei war er total betrunken und wer hat sich mit Kater am nächsten Morgen noch nicht so gefühlt als wäre man von einem Alien besessen? 😉

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  7. Im Prinzip geb ich Dir recht, normalerweise stört mich das im Film auch selten, aber hier hat es mich warum auch immer – rausgerissen.

    Bin auf den neuen Teil gespannt und … hoffe, dass das Drei-D-Ortungssystem wieder genutzt wird.

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  8. Pingback: Alien: Covenant (2017) | moviescape.blog

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