Alien: Die Wiedergeburt – OT: Alien: Resurrection – Special Edition (1997)

Der bislang leider letzte Teil der „Alien“-Saga ist auch der einzige, den ich im Kino gesehen habe. Jean-Pierre Jeunets „Alien: Die Wiedergeburt“ wurde bereits damals sehr kritisch aufgenommen und ich weiß noch genau, dass sich die meisten meiner Freunde einer Sichtung verweigert hatten. Der harte Kern, der den Kinobesuch wagte, war jedoch begeistert und ich erinnere mich noch an den Spaß, den ich bereits damals mit dem Film hatte.

Wenn man bedenkt, dass bereits David Finchers „Alien 3“ zu kämpfen hatte, die Gunst der Fans zu erlangen, so ist es nicht erstaunlich, dass auch Jeunets „Alien: Resurrection“ bis heute nicht so richtig akzeptiert worden ist. War der direkte Vorgänger ein düsteres und beinahe schon existenzielles Drama, so wurde mit dem vierten Teil der Reihe eine hundertprozentige Kehrtwendung vollzogen und aus dem düsteren Sci-Fi-Horror wurde eine bunte und beinahe schon comichafte Groteske.

Anfangs fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass Rilpey nun nur noch ein Klon war und man Weyland-Yutani durch eine gesichtslose Militärorganisation ersetzt hatte. Doch dieser Eindruck währte selbst bei der Erstsichtung nur einen kurzen Moment, denn bevor man sich groß Gedanken machen kann, prescht der Film mit herrlich absurden Ideen vorwärts, die mich als Zuschauer beständig zwischen Lachen und Entsetzen pendeln ließen. Heute weiß ich, wem die gelungenen Aspekte des Films zu verdanken sind und für welchen Serienmeilenstein „Alien: Resurrection“ letztendlich die Grundlage war: Man hatte Joss Whedon für das Drehbuch engagiert, der die Geschichte um eine bunt zusammengewürfelte Crew von Schmugglern herum gestaltete, die nicht nur zufällig an eine nur allzu bekannte Besatzung eines Schiffs der Firefly-Klasse erinnert.

Ich weiß nicht, wie sehr letztendlich an Whedons Drehbuch herumgedoktert wurde, doch man erkennt eindeutig seinen Stil. Besonders Ron Perlmans Johner scheint wie der verlorene Zwillingsbruder von Adam Balwins Jayne und auch die Betty könnte das Zwillingsschiff der Serenity sein. Leider lassen die Dialoge den typischen Whedon-Witz nur erahnen und auch die Handlung des Films könnte ausgewogener und stringenter sein. Jean-Pierre Jeunets visuell brachiale Inszenierung schafft es jedoch inhaltliche Schwächen geschickt zu überspielen – und Ideen hat der Film ohnehin en masse zu bieten. Ob man diese nun gelungen findet oder nicht, ist eben Geschmackssache.

Für mich ist „Alien: Resurrection“ ein absolut sehenswerter Film in einer von mir sehr geschätzten Reihe. Vermutlich gerade weil er nicht versucht die Erfolgsformel der Vorgänger zu kopieren. Neben groteskem Humor, bietet er auch einige verstörende Szenen (z.B. Klone 1-7 und insbesondere das Alien-Baby), welche durchaus Diskussionspotential bieten – und soweit ich mich entsinne auch tatsächlich geboten haben. Ein seltsamer Abschluss, den man jedoch nicht vorschnell verurteilen sollte: 8/10 Punkte.

12 Gedanken zu “Alien: Die Wiedergeburt – OT: Alien: Resurrection – Special Edition (1997)

  1. Bei mir war er etwas schlechter. Von Whedon hatte ich mal irgendwo ein Zitat gelesen, das sinngemäß meinte, dass die Produzenten sein Drehbuch total zerstört hätten. Aber für 8 von 10 hat’s hier ja trotzdem gereicht *g*

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  2. Ja, das Zitat ist mir auch bekannt. Allerdings ist sein Mitwirken mehr als deutlich, auch wenn sich dies evtl. nur in der Zusammensetzung und dem Look der Schmugglercrew äußert. Der gesamte Film wirkt auch, als hätten hier wieder viele Köche ihre Finger im Spiel gehabt. Für mich jedoch ist das fertige Gericht dennoch schmackhaft – zwar nicht sonderlich ausgefeilt und durchdacht, aber es schmeckt (um den Vergleich auf die Spitze zu treiben).

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  3. Kann ich mir nicht mehr ansehen. Das weiße Alien-Baby wird mir für immer als Sinnbild einer großartig begonnenen, aber leider immer schlechter gewordenen Filmreihe in Erinnerung bleiben. Ich zähle da noch die anschließenden Aliens vs Predator-Filme mit.

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  4. Das weiße Alien-Baby an sich fand ich eigentlich eine recht gute Idee. Auch die Umsetzung war sehr gelungen: Man hat es doch tatsächlich geschafft das Kindchenschema in dieses Monstrum zu integrieren und es in ein oder zwei Einstellungen wirklich bemitleidenswert darzustellen. Designtechnisch schon ziemlich großartig. Die Geburt allerdings und wie die ganze Sache mit der Geschichte verknüpft wurde war allerdings tatsächlich ziemlich hanebüchen.

    Den ersten „Alien vs. Predator“ fand ich zumindest noch ganz unterhaltsam. Der zweite war dann wirklich für die Tonne.

    Ich hoffe mal, dass Ridley Scott das Prequel nicht vergeigt, denn das könnte richtig gut werden. Space Jockey, klassische Aliens usw. Spitze – zumindest solange man keine zeitreisende Ripley einbaut… 😉

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  5. Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der Alien 4 gut findet 😉

    Mir hat der vierte Teil am besten gefallen, womit ich immer sehr allein da stand. Jeunet hat den Film optisch sehr schon gestaltet. Die Handlung darf dann schon einmal in den Hintergrund treten.

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  6. Ach, die Leute haben einfach keinen Geschmack… 😉

    Aber du hast Recht: Es gibt anscheinend wirklich nicht viele Leute, die Jeunets Interpretation etwas abgewinnen können. Ich mag hier auch seinen visuellen Stil und den reinen Unterhaltungswert der Handlung – und natürlich die whedonesquen Charaktere.

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