Rambo – OT: First Blood (1982)

Heute habe ich eine meiner größten filmischen Lücken geschlossen und endlich „Rambo“ nachgeholt. Der Film besaß bereits während meiner Grundschulzeit einen echten Kultstatus und ich weiß noch heute, dass sich ein paar Klassenkameraden im Pausenhof der zweiten(!) Klasse damals darüber ausgetauscht hatten. Für mich wäre es damals – völlig zurecht – unmöglich gewesen diesen Film zu sehen und irgendwie habe ich es auch danach nicht auf die Reihe bekommen. Heute jedoch war es soweit…

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Eine Figur, die zur Legende wurde

Denkt man heute an Rambo, dann hat man vermutlich eher Szenen aus den drei Fortsetzungen im Kopf. Ähnlich wie bei „Mad Max“, bei dem man auch eher an „The Road Warrior“ denkt, ist „First Blood“ noch ein anderer Film als die actionreicheren Nachfolger. Tatsächlich ist die Geschichte unerwartet ernsthaft und kann in erster Linie als Kritik am Vietnamkrieg bzw. der mangelhaften Eingliederung von Veteranen gesehen werden. Ich war wirklich erstaunt, wie schnell Ted Kotcheff zur Sache kommt und das anfänglich noch friedliche Setting wortwörtlich explodiert. Binnen nur weniger Minuten wird John Rambo in die Mangel genommen und man fühlt sich mit ihm überfordert und kann nicht verstehen, wie die Situation so schnell eskalieren konnte. Selten habe ich einen effizienter erzählten Prolog gesehen.

Während der ersten 70 Minuten bekommt man einen extrem spannenden Überlebenskampf zu sehen, der vor allem durch sein Setting (unwirtliche Natur) und John Rambos Einfallsreichtum überzeugt. Die Action ist hart und dreckig und man nimmt allen beteiligten Personen ab, dass sie eigentlich mit der Situation überfordert sind. In den letzten 20 Minuten kippt der Film dann leider in ein Actionspektakel, das zwar nach wie vor mitreißt, jedoch nicht mehr diese archaische Wucht besitzt, die „First Blood“ zuvor geboten hat. John Rambos Zusammenbruch in der letzten Szene war dann wieder sehr gelungen und hat das eigentliche Thema des Films noch einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.

Fazit

Mit „Rambo“ hat Sylvester Stallone neben „Rocky“ (eine weitere meiner filmischen Lücken) völlig zurecht Kinogeschichte geschrieben. Selbst nach 36 Jahren kann der Film immer noch überzeugen. Ich selbst bin nun gespannt, ob die Fortsetzungen für mich ebenfalls noch funktionieren oder nur noch Relikte des 80er-Jahre-Actionkinos sind. Dieser erste Teil der Reihe ist auch heute noch sehenswert: 8/10 Punkte.

Passengers (2016)

Zeitumstellung! Die ideale Gelegenheit also, um sich mit einem Raumschiff auf eine 120 Jahre dauernde Reise zu begeben. Somit haben wir auf der Avalon eingecheckt und uns mit „Passengers“ auf die Reise nach Homestead II begeben. Ob sich die lange Reise gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Morten Tyldums „Passengers“ hat nicht die besten Kritiken bekommen. Als Romanze im All verschrien, waren viele Sci-Fi-Fans wohl ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren folglich nicht zu groß und ich habe mir am ehesten schöne 3D-Bilder erhofft. Die bekam ich auch zu sehen, denn der Film sieht wahrlich fantastisch aus! Die Tiefe des Raums ist nahezu greifbar und Schauplätze, wie der Infinity Pool im Weltall, sorgen für so manchen Wow-Effekt. Audiovisuell ist „Passengers“ ein großes Vergnügen, doch die eigentliche Überraschung war, dass er mich auch inhaltlich zu überzeugen wusste.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit „The Dark Forest“ und seinem Nachfolger „Death’s End“ zurzeit ausführlich mit Hibernation und Langstreckenflügen unter Lichtgeschwindigkeit auseinandersetze. Die hier aufgemachte Prämisse fand ich somit sofort spannend und erzählenswert. Im Verlauf des Films kommt Drehbuchautor Jon Spaihts mit unzähligen Ideen um die Ecke, aus denen man eigene Filme hätte machen können. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb insgesamt ein wenig unrund und zusammengewürfelt. Für mich hat die Romanze nur einen kleinen Teil ausgemacht und das Drama um Jim Prestons (Chris Pratt) Entscheidung war für mich der Kern des Films. Hier hätte das Skript für mich gerne noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Jedoch fand ich die angedeuteten Konsequenzen spannend genug, um mich bei der Stange zu halten – und selbst das Ende konnte mich überzeugen, wenngleich ich Auroras bewusste Entscheidung, nicht mehr in die Hibernation zu gehen, ein wenig plakativ als Geste der Vergebung fand.

Fazit

Was hätte man alles aus der Geschichte machen können? Einen Mystery-Thriller, ein Beziehungsdrama oder einen Sci-Fi-Actionfilm. Letztendlich steckt von alldem alles ein wenig in „Passengers“ – und für mich hat dieser Mix, auch dank des famosen Zusammenspiels von Jennifer Lawrence („The Hunger Games“) und Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“), fabelhaft funktioniert. Für mich eine durchwegs positive Überraschung, die zudem tolle Bilder bietet: 8/10 Punkte.

Der Adler der neunten Legion – OT: The Eagle (2011)

Wochenende, Zeit für einen Film. Mit „Der Adler der neunten Legion“ habe ich mich für eine nur allzu bekannte Geschichte entschieden, von der ich mir dieses Mal eine gelungenere Umsetzung erwartete. Ob Kevin Macdonald das liefern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Ein Buddy-Movie im zweiten Jahrhundert

Wie bereits erwähnt, basiert „Der Adler der neunten Legion“ auf der gleichen Prämisse wie Neill Marshalls „Centurion“ aus dem Jahr 2010. Marshall hatte einen kleinen, dreckige Actionfilm aus der Geschichte gemacht, während Kevin Macdonald das historische Setting ernster nimmt und deutlich weiter ausholt. So dauert es beinahe eine Stunde, bis sich der Suchtrupp hinter den Hadrianswall (übrigens die Vorlage der Mauer aus „Game of Thrones“) begibt und das Abenteuer beginnt. Im Norden angekommen, wird eine ähnliche Verfolgungsjagd wie in „Centurion“ abgespult, nur ohne jemals deren Intensität zu erreichen. Nett, aber eben auch nicht mehr. Dabei sind die Kampfszenen ähnlich hektisch inszeniert, nur dass sie relativ blutleer bleiben. Und der teils unpassende Buddy-Movie-Aspekt (was sollte denn die letzte Szene?) hat nicht wirklich zum Positiven beigetragen.

Kevin Macdonald hat mit „Sturz ins Leere“, „Der letzte König von Schottland“ und „State of Play“ drei Filme inszeniert, die ich durchaus schätze. Selbst sein lediglich unterhaltsamer U-Boot-Thriller „Black Sea“ konnte mich überzeugen. „Der Adler der neunten Legion“ fällt für mich dagegen in jeder Hinsicht deutlich ab, da er einerseits ziemlich dröge, andererseits aber auch unnötig hektisch wirkt. Letztendlich hatte ich mit Neill Marshalls Variante der Geschichte mehr Spaß.

Fazit

Auch wenn „The Eagle“ ein paar schöne Bilder und durchaus Atmosphäre besitzt, so kommt er über einen bestenfalls durchschnittlichen Eindruck nicht hinweg. Letztendlich hat man das alles schon besser gesehen, was nicht wirklich für den Film spricht. In jeder Hinsicht mittelmäßige Unterhaltung: 5/10 Punkte.

Viel Lärm um nichts – OT: Much Ado About Nothing (2012)

Solch einen drögen Samstag hatten wir schon lange nicht mehr. Alle angeschlagen bis krank und zu nichts zu gebrauchen. Da ich heute eh nur rumgelegen bin (von ein paar Brettspielen mit den Kindern einmal abgesehen), habe ich mich noch fit genug für einen Film gefühlt und „Viel Lärm um nichts“ in Joss Whedons Inszenierung in den Player geschoben. Eine gute Wahl?

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Wenn Buffy auf Shakespeare trifft

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Ja, ich bin ein Whedon-Fanboy. Ich liebe seine Serien „Buffy the Vampire Slayer“ und „Angel“. Bis heute zählt „Firefly“ zu meinen absoluten Serien-Highlights und selbst „Dollhouse“ konnte ich einiges abgewinnen. Kein Wunder also, dass mich seine Shakespeare-Adaption, die er zusammen mit befreundeten Darstellern aus oben genannten Serien innerhalb von zwei Wochen in seinem Haus in Santa Monica abgedreht hat, ziemlich begeistert hat. Dabei ist es mir am Anfang eher schwer gefallen, mich auf den nahezu unveränderten Originaltext einzulassen, was mir allerdings auch schon bei Baz Luhrmanns „Romeo + Julia“ so ging. Nach ein paar Minuten hat es aber geklickt und ich hatte extrem viel Spaß mit dem Stoff.

Über die Qualität der Adaption kann ich nicht viel sagen, kenne ich doch weder das Stück noch Kenneth Branaghs bekannte Verfilmung aus dem Jahr 1993. Die Verlegung der Handlung in die heutige Zeit hat für mich recht gut funktioniert, doch hätte ich mir fast gewünscht, dass Whedon den Text an gewissen Stellen ebenfalls modernisiert. Das wäre natürlich ein Frevel gewesen, doch die Ansprache mit Graf usw. hat nicht wirklich gepasst. Auf der anderen Seite schafft Whedon sehr stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die er teils mit Songs unterlegt, die auf Shakespeares Texten basieren. Das fand ich wiederum ziemlich großartig. Ebenso wie die bewusst ausgespielte Comedy (u.a. durch Nathan Fillion), die schon fast an Slapstick erinnert.

Fazit

Mir hat diese moderne Inszenierung von „Viel Lärm um nichts“ sehr viel Freude bereitet. Allerdings besitze ich auch keine Kenntnis vom Original und sehe die Inszenierung bewusst durch die Fan-Brille (der Film könnte auch eine Alternative-Universe-Episode von „Angel“ sein, in der Winifred und Wesley ein Happy-End gegönnt wird). Wenn ihr Joss Whedon mögt und Shakespeare nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

La La Land (2016)

Nach einer fordernden Arbeitswoche wäre ich heute am liebsten zeitgleich mit meinen Kindern ins Bett gegangen. Aber wer braucht schon Schlaf, wenn er Kino haben kann? Also habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich „La La Land“ nachgeholt. Ein Film, der nach der Oscar-Verleihung 2017 in aller Munde war und der dennoch sehr kontrovers aufgenommen wurde: entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

La La Land (2016) | © Studiocanal

La La Land (2016) | © Studiocanal

„La La Land“ oder „Nostalgie: Der Film“

Auch wenn das Genre unter vielen Filmfreunden nicht sonderlich beliebt ist, so muss ich mich klar zu den Verfechtern des Film-Musicals zählen. Insofern war ich begeistert, dass Damien Chazelle seinen Film völlig unzweideutig mit einer bombastischen Musical-Nummer eröffnet. Herrlich! Auch im weiteren Verlauf ist „La La Land“ durchzogen von Tanzszenen und Songs, die an das klassische Hollywood-Musical erinnern, aber doch Gebrauch von moderner Inszenierung machen. Überhaupt ist der Spagat zwischen Nostalgie und Moderne der Kernpunkt des Films, sowohl formal als auch inhaltlich. Das ist nicht immer sonderlich subtil inszeniert und wird an manchen Stellen im Drehbuch sogar plakativ ausgesprochen, doch bewahrt sich der Film dadurch eine gewisse Unschuld in seiner bewusst gewählten Verspieltheit.

Die Geschichte von Mia (Emma Stone, „Crazy, Stupid, Love.“) und Sebastian (Ryan Gosling, „Blade Runner 2049“) erzählt eine oftmals kitschige und doch nicht konfliktfreie Liebe, die zuletzt nicht in einem Happy End gipfelt – zumindest nicht im klassischen, nostalgischen Sinne. Hat also die Moderne gewonnen? Das kommt wohl ganz auf die persönliche Perspektive an, denn beide Figuren leben ihren Traum. Nur eben nicht zusammen. Den Unterschied machen, wie so oft im Leben, eher die kleinen, unbewussten Entscheidungen. Somit werden wir auf einer bittersüßen Note aus dem stilisierten Los Angeles entlassen, das durch seine ikonischen Bilder noch lange in der Filmwelt nachhallen wird.

Kein klassisches Hollywood-Musical

Die meisten vehementen Kritiker beschweren sich, dass „La La Land“ nur versucht die großen Musicals der goldenen Ära Hollywoods zu kopieren, ohne dabei jedoch ihre Klasse zu erreichen. Damien Chazelles Film ist dabei aber eher Meta-Kommentar als Hommage: Egal ob ein Mobiltelefon mitten in einer Tanznummer klingelt oder die Traumfabrik in einer Traumszene als fiktive Kulisse inszeniert wird, „La La Land“ ist Ebene auf Ebene. Schicht auf Schicht. Die Nostalgie mag das Fundament sein, doch ist dieses inzwischen kaum mehr erkenntlich. Dem Film gelingt somit gleichzeitig die Dekonstruktion dieses Traums, er schafft es dabei aber auch eine der größten Liebeserklärungen an die Träumer da draußen zu sein.

Fazit

„La La Land“ ist in erster Linie ein technisch beeindruckender, audiovisueller Rausch. Schon alleine in den Bildern zeigt sich, dass der Film seinen Vorbildern huldigt, diese gleichzeitig kommentiert und teils dekonstruiert. Verpackt ist all das in wunderbare Musical-Nummern, die mitreißend gespielt und inszeniert sind. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die mich am Ende sogar eine kleine Träne verdrücken ließ. Alles in allem ein wirklich toller Film, der zum mehrfachen Schauen einlädt: 9/10 Punkte.

Lion: Der lange Weg nach Hause – OT: Lion (2016)

Der dritte Januar, der dritte Film in diesem Jahr. Wie gerne würde auch in ein paar Tagen noch sagen können: „Ich habe jeden Tag in diesem Jahr einen Film gesehen.“ Doch ich erfreue mich daran, solange es so ist. Heute schreibe ich über „Lion: Der lange Weg nach Hause“, dessen Geschichte mich sofort angesprochen hat. Ob der Film sein Versprechen einlösen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension…

Lion: Der lange Weg nach Hause (2016) | © Universum Film GmbH

Lion: Der lange Weg nach Hause (2016) | © Universum Film GmbH

Die besten Geschichten schreibt das Leben

Das denke ich mir meist nachdem ich einen biographischen Film gesehen habe. Und dass mein Leben furchtbar langweilig ist. Glücklicherweise. Die Geschichte des fünfjährigen Saroo, der in Indien von seiner Familie getrennt wird und 1.600 Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt in der Großstadt Kalkutta aufwacht, ist wahrlich herzergreifend. Gerade der erste Teil, der die Kindheit Saroos zeigt, ist mir sehr nahe gegangen. Hier hat mich der Film an Danny Boyles „Slumdog Millionaire“ erinnert, der eine ähnlich ergreifende Geschichte erzählt und in dem ebenso Dev Patel (u.a. auch aus „The Newsroom“ bekannt) die Hauptrolle spielt. Der eigentliche Star in „Lion“ ist aber Jungschauspieler Sunny Pawar, der seine Sache wirklich exzellent macht.

Im zweiten Teil von „Lion“ begleiten wir den erwachsenen Saroo, der von einem australischen Ehepaar adoptiert wurde, bei der Suche nach seiner Heimat. Hier war mir der Film teils zu sprunghaft erzählt, doch das wunderschöne Finale hat das wieder mehr als wett gemacht. So sehr musste ich schon lange bei keinem Film mehr weinen. So schön und zugleich traurig. Gerade als Vater eines fünfjährigen Jungen hat mich Saroos Geschichte extrem mitgenommen. Trotz Happy End. Alleine das Elend auf den Straßen Kalkuttas. Unfassbar.

Fazit

Ihr merkt es schon: „Lion“ hat bei mir komplett eingeschlagen. Ich hatte es ja fast schon vermutet, doch hat es der Film auf wunderbare Art und Weise bestätigt. Saroos Geschichte wird mir bestimmt noch lange nachgehen – und das ist wohl das Beste, was man über einen Film sagen kann: 9/10 Punkte.

Kennt ihr eigentlich die Vorlage von Saroo Brierley und geht diese noch tiefer ins Detail als der Film? Ich freue mich über einen Kommentar dazu! 🙂

Beautiful Girls (1996)

Der erste Weihnachtsfeiertag ist vorbei. Eigentlich hatte ich schon letzte Woche geplant, ganz furchtbar viele Filme zu schauen, doch in den Vorbereitungen ist das irgendwie untergegangen. Heute jedoch war es soweit und da es hier an Schnee mangelt, habe ich mich für „Beautiful Girls“ entschieden, in dem das verschneite Setting eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Warum ich den Film damals bei den fünf besten Schneefilmen nur vergessen habe?

Beautiful Girls (1996) | © STUDIOCANAL

Beautiful Girls (1996) | © STUDIOCANAL

Coming-of-Age: The Next Generation

Ich habe „Beautiful Girls“ in einer Phase meines Lebens entdeckt, in der ich mich selbst noch nicht gefunden hatte. Während meines Zivildienstes habe ich oft bis 22 Uhr gearbeitet und bin danach meist noch auf das eine oder andere Bier versackt. Meist war ich gegen Mitternacht zu Hause und habe mir noch einen Film angeschaut, da meine nächste Schicht oft erst um 13:30 Uhr begann. In eben dieser Zeit ist mir unter anderem Ted Demmes Film begegnet – und er hat einen Nerv getroffen. Damals war ich noch bedeutend jünger als die Protagonisten. Heute bin ich gut acht Jahre älter. Das ist ein interessanter Wechsel der Perspektive. Funktioniert der Film auch heute noch für mich?

Oh ja, „Beautiful Girls“ ist das perfekte Beispiel dafür, warum man Filme öfter schauen sollte. Gerade durch die veränderte Perspektive konnte ich heute ganz andere Dinge aus der Geschichte ziehen, die auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär wirkt. Heute weiß ich, wo ich in meinem Leben stehe – damals hatte sich die Ungewissheit der Charaktere noch eins zu eins auf mich übertragen. Gleich geblieben ist die Atmosphäre, die vom verschneiten Massachusetts ausgeht. Hier erinnert mich Ted Demmes Tragikomödie stark an „Nobody’s Fool: Auf Dauer unwiderstehlich“, der ein ganz ähnliches Setting besitzt. Auch mag ich die Musik, die Charaktere und die Schauspieler. Timothy Hutton und Natalie Portman schaffen es, zum Beispiel, eine auf den ersten Blick seltsam wirkende Beziehung (heute übrigens mehr als damals) so zu spielen, dass sie echt und nicht anzüglich wirkt. Selbst Matt Dillon und Michael Rapaport spielen ihre klischeehaften Figuren wunderbar natürlich und sympathisch. Eine wirklich runde Sache.

Fazit

Auch wenn ich es insgeheim schon wusste, so hat sich mit der heutigen Sichtung bestätigt, dass ich „Beautiful Girls“ zu meinen Lieblingsfilmen zählen kann. Dennoch hat es viele Jahre gedauert, bis ich nach Knights Ridge zurückgekehrt bin. Ihr seid noch nie dort gewesen? Dann kann ich euch nur empfehlen: Packt warme Klamotten ein und macht euch auf den Weg. Es lohnt sich! Selbst wenn es nur eine Coming-of-Age-Geschichte mit hängengebliebenen Jungs in den späten Zwanzigern ist: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

Tatsächlich… Liebe – OT: Love Actually (2003)

Nur noch eine Woche bis Weihnachten. Unglaublich. Höchste Zeit also, langsam aber sicher in Weihnachtsstimmung zu kommen. Den Baum haben wir heute schon gekauft und das Zappelinchen hatte seinen ersten Auftritt mit dem Kinderchor. Dennoch ist mein Kopf noch viel zu voll mit anderen Dingen, um im Weihnachtsmodus zu sein. Vielleicht hilft ein Film? Da „Schöne Bescherung“ fest für Ende der Woche eingeplant ist, habe ich mein Glück mit „Tatsächlich… Liebe“ versucht, den ich bisher erst einmal vor vielen, vielen Jahren gesehen hatte…

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Weihnachtskitsch der bekömmlichen Sorte

An meine letzte Sichtung konnte ich mich nicht mehr wirklich gut erinnern. Ein paar Einzelszenen waren mir noch im Kopf, doch sonderlich beeindruckt hatte mich der Film anscheinend nicht. Heute sieht das anders aus: Auch wenn Richard Curtis in „Love Actually“ sich erneut als Meister des Knöpfedrückens beweist, so bietet der Film auch extrem viel Spaß, unerwartete Szenen und Selbstbewusstsein auf der Metaebene. Besonders imposant fand ich allerdings, dass die unzähligen Handlungsstränge tatsächlich gleichwertig erzählt werden. Da bleibt nichts offen und keine Figur fällt hinten runter. Neben all den oberflächlich wirkenden Romanzen ist das eine starke Leistung. Überhaupt paart Curtis (bekannt für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Alles eine Frage der Zeit“) gekonnt wirklich übertrieben kitschige Szenen mit nachdenklich stimmenden Momenten und beinahe schon kindisch explizitem Humor. Und was soll ich sagen? Die Mischung geht auf.

Auch das Weihnachtssetting mit all den unsäglichen Popsongs fügt sich in diese große, bunte Erzählung ein, die in einem natürlich ebenso übertrieben bombastischem Finale mündet. Jedoch sind es eher die kleinen Momente, die wirklich in Erinnerung bleiben: Karens (Emma Thompson) herzergreifende Erkenntnis, dass ihr Mann (Alan Rickman) eine andere Frau beschenkt hat. Oder Marks (Andrew Lincoln, „The Walking Dead“) Liebesgeständnis an die Frau (Keira Knightley) seines besten Freundes. Auch wenn die meisten Kritiker das damals anders gesehen haben, hat sich „Tatsächlich… Liebe“ zurecht in das popkulturelle Herz der vorweihnachtlichen Kinozuschauer gespielt.

Fazit

Mir hat „Love Actually“ bei der heutigen Sichtung wirklich ausgezeichnet gefallen. Jeder einzelne Handlungsstrang hat mir auf seine Art und Weise viel Freude bereitet und ich mochte sowohl den Kitsch als auch den Humor. Nicht in jeder Geschichte gibt es ein Happy End, doch auch das ist eben tatsächlich… Liebe: 8/10 Punkte.

Crimson Peak (2015)

Halloween! Zeit für den jährlichen Horrorfilm (letztes Jahr gab es übrigens „The Visit“). Es ist ja nicht so, dass ich mich nur einmal im Jahr dem Horror-Genre zuwende, doch an diesem Termin ist die Sichtung Pflicht – und dieses Mal hatte ich euch um Hilfe bei der Entscheidung gebeten:

Wie ihr seht, ist die Wahl auf „Crimson Peak“ gefallen, auf den ich spätestens seit meiner Lektüre von „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ extrem Lust hatte. Ob er meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein zum Leben erwachter Schauerroman

Während der ersten halben Stunde war ich noch davon überzeugt, mit „Crimson Peak“ eine neue Genre-Liebe entdeckt zu haben. Ich mochte die schwülstige Inszenierung, den leisen Humor und die Charaktere allesamt sehr gerne. Einzig die ersten Geistererscheinungen konnten mich nicht sonderlich überzeugen. Doch der Rest? Wahrlich famos! Und wie bereits Hauptfigur Edith Cushing (Mia Wasikowska) zu berichten wusste: ‚Ghosts are metaphors for the past.‘ Folglich hatte ich mich schon darauf eingestellt, weniger einen Gruselfilm zu sehen, als eine schaurige Romanze mit Horror-Anleihen. Und der Weg, den Guillermo del Toro zu beschreiten schien, konnte mich wirklich überzeugen.

Auch mit dem Wechsel des Schauplatzes von Amerika in ein verlassenes Herrenhaus nach England, wusste „Crimson Peak“ audiovisuell noch einmal alle Register zu ziehen. Fast schon übertrieben schaurig präsentiert Guillermo del Toro das viktorianische Anwesen, so dass man sich jeden Frame am liebsten an die Wand hängen würde. Überstilisiert und einfach wunderbar anzusehen. Doch was ist mir der Geschichte? Hier konnte mich der Film leider nicht überzeugen. Zwar mochte ich die düstere Romanze, die den Kern bildet, doch leider ist die Handlung so simpel gestrickt und ohne Überraschungen inszeniert, dass ich irgendwann nicht mehr mit den Figuren mitfühlen konnte. Das große Slasher-Finale gegen Ende war dann zwar nett anzusehen, doch hat es nicht zum stimmungsvollen Aufbau zuvor gepasst. Wirklich schade, denn nach dem famosen Einstieg bleibt nicht viel mehr als heiße Luft.

Fazit

Leider konnte „Crimson Peak“ meine an ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Er sieht fantastisch aus und hört sich toll an, doch unter der schönen Oberfläche ist nicht wirklich viel zu holen. Er ist weder gruselig, noch konnte mich die Liebesgeschichte überzeugen. Da helfen leider auch Jessica Chastain und Tom Hiddleston nicht. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, doch so bleibt am Ende nur eine schöne Hülle. Wer nun dennoch neugierig ist, kann ruhig einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Raum – OT: Room (2015)

Bereits der vierte Tag mit einer Filmsichtung. Ich scheine meinen Herbsturlaub ja wirklich perfekt zu nutzen (heute waren wir aber tatsächlich auch unterwegs). Nach dem leichten „Mein Freund der Delfin 2“ von gestern Abend, ist heute ein Film im Player gelandet, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe: Lenny Abrahamsons Romanverfilmung „Raum“ steht schon seit geraumer Zeit im Regal, doch aufgrund der Thematik hatte ich bisher noch nicht reingeschaut. Heute war es jedoch soweit…

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Licht am Ende des Tunnels

„Raum“ war letztendlich genau das, was ich einerseits befürchtet, mir andererseits aber auch erhofft hatte: oft schwer zu ertragen, in unerwarteten Momenten leicht und hoffnungsvoll sowie emotional unfassbar mitreißend. Man kann als Elternteil einfach nicht aus seiner Haut und reflektiert die gezeigte Situation mit seinen eigenen Kindern. Das schmerzt und tut weh. Man geht dorthin, wo man nie hingehen möchte. Die größten Ängste, das Schlimmste vom Schlimmen. Durch die einzigartige Erzählperspektive erleben wir Zuschauer die grausame Situation aber durch die Augen eines Kindes. Und wie sich über den weiteren Verlauf des Films zeigen soll: Kinder sind großartig und viel härter im Nehmen, als man ihnen zugestehen möchte. An dieser Stelle muss ich auch gleich Hauptdarsteller Jacob Tremblay ein Lob aussprechen, der Jack so authentisch spielt, das ich mehrfach eine Gänsehaut hatte. Ganz groß.

Überhaupt ist die Besetzung perfekt gelungen, was ja auch durch Brie Larsons Oscar-Gewinn offiziell anerkannt wurde. Einzig William H. Macy (u.a. bekannt als Frank Gallagher aus „Shameless“) fand ich ein wenig verschenkt und seine Figur zu schwach angelegt. Doch davon abgesehen passt einfach alles. Ich habe schon lange nicht mehr so sehr mit Charakteren mitgelitten, wie mit Jack und Ma. Natürlich legt es Lenny Abrahamson auch darauf an, doch sind mir nicht nur in einer Szene Tränen über die Wangen gelaufen. Ich mochte es wirklich sehr, dass sich Emma Donoghue in ihrer Geschichte (auch das Drehbuch stammt von ihr) auf die Beziehung zwischen Jack und Ma konzentriert hat und der Thriller nur ein Nebenaspekt war. Die lebensbejahende Grundstimmung wirkt zudem nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich hoffnungsvoll.

Fazit

Auch wenn der Film gerade in seiner ersten Hälfte oft nur schwer zu ertragen war, so überwiegt auch in dieser die Hoffnung, die Ma für Jack aufbaut. Getragen wird „Raum“ komplett durch seine famosen Schauspieler und das stimmige Drehbuch. Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt werden. Dennoch muss auch ich das Gesehene nun erst einmal sacken lassen. Ein unfassbar packender Film: 9/10 Punkte.