State of Play (2009)

Was wurde dieser Film in den Himmel gelobt. Kaum ein Blogeintrag oder Filmpodcast des letztes Jahres, in dem keine Lobeshymnen auf Kevin Macdonalds „State of Play“ gesungen wurden. Umso gespannter war ich folglicherweise, was die Mischung aus Polit- und Verschwörungsthriller wirklich zu bieten hat.

Kevin Macdonalds („Der letzte König von Schottland“) Remake einer englischen Miniserie aus dem Jahr 2003 fängt stark an und weiß den Zuschauer von der ersten Minute an zu fesseln. Der Film besitzt alles, was einen guten Verschwörungsthriller ausmacht: Eine mysteriöse Mordserie, zwielichtige Politiker, militärische Großkonzerne und eine sympathische Identifikationsfigur, die den Drahtziehern der Verschwörung auf den Fersen ist. Die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend.

Leider jedoch spielt Kevin Macdonald die Klaviatur des Genres beinahe schon zu perfekt. Die Geschichte läuft ziemlich so ab, wie man sich das als geübter Kinogänger erwarten würde. Überraschungen gibt es kaum und ich hatte den Eindruck als würden gewisse Punkte (z.B. Beseitigung des Zeugen im Krankenhaus) einfach nur abgehakt werden. All dies ist allerdings wunderbar inszeniert und herrlich gespielt. Auch wenn Russell Crowe sonst nicht zu meinen Lieblingsschauspielern zählt, war ich doch mehr als begeistert von seiner Darstellung des schnoddrigen Investigativreporters Cal McAffrey.

Nachdem ich dachte, der Film hätte gar keine Überraschung mehr zu bieten, kam der große Drehbuchtwist. Wow. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Was für eine Schnappsidee. Einer der klischeehaftesten Hinweise – ‚Woher konnte sie das wissen?‘ – deckt eine der uninteressantesten Verschwörungen der Filmgeschichte auf. In meinen Augen verpufft die Wirkung des Endes völlig und lässt die vorangegangenen zwei Stunden beinahe schon überflüssig erscheinen. Da wäre wirklich mehr drin gewesen. Eine Wendung um der Wendung willen.

Für Freunde des Genres bietet „State of Play“ tatsächlich teils sehr gute Unterhaltung. Der Film ist mehr als solide inszeniert, besitzt tolle Darsteller (Russell Crowe, Jason Bateman usw.) und spielt immerhin in Washington, D.C. Das hochgelobte Drehbuch entlockte mir über weite Strecken dagegen nur ein müdes Lächeln und nach dem Finale wünschte ich mir doch zur UK-Miniserie gegriffen zu haben. Sehenswert, aber weit nicht so gut wie sein Ruf vermuten lässt: 7/10 Punkte.

10 Gedanken zu “State of Play (2009)

  1. Einer der seltenen Fälle wo ich einen Film mal sehr viel stärker einschätze als du 🙂

    Von der Mini-Serie würde ich die Finger lassen, die erzählt nämlich exakt dasselbe wie der Film (inkl. der Wendung und Elemente, die dir nur ein müdes Lächeln abringen), nur in der doppelten Laufzeit und mit dementsprechenden Längen 😉

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  2. Es geschehen noch Zeichen und Wunder… 😉

    Ich weiß nicht, ob ich die längere Laufzeit hier unbedingt als Nachteil sehen würde. Vielleicht würden mir die gestrafften Elemente dann plausibler erscheinen? Vielleicht aber auch nicht und wenn du schon den Film besser eingestuft hast, dann wird wohl auch was dran sein. Werde also erst einmal davon absehen.

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  3. Öhm, haben wir denselben Film gesehen? Ich fand den mittelmäßig und Ben Affleck hat jeden guten Eindruck verdorben.

    Aber im Gegensatz zu Flo lege ich dir die Serie unbedingt ans Herz, denn es wird NICHT dieselbe Geschichte erzählt. Es gibt andere Wendungen, eine andere Auflösung, viel mehr Details (insbesondere logische Details) und natürlich viel bessere Schauspieler. Wer einmal David Morrissey als Stephen Collins gesehen hat, möchte Ben Affleck für seine Darstellung am liebsten den Hals umdrehen.

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  4. Na, das ist ja mal schön. So viele unterschiedliche Meinungen. Wunderbar!

    Nun komme ich was die Serie angeht doch tatsächlich wieder ins Schwanken. Afflecks oberflächliches Schauspiel fand ich übrigens – wie so oft – auch nicht sonderlich überzeugend. Wenn nun tatsächlich noch eine andere Auflösung präsentiert wird, dann könnte mir die Serie sogar richtig gut gefallen, denn im Prinzip fand ich die erzählte Geschichte schon recht vielversprechend. Doch im Moment bin ich sowieso einmal wieder mit „Firefly“ beschäftigt… 😉

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  5. Dem wird wohl so sein. Wenn auch nicht in nächster Zeit, doch dank des guten Preises (danke für den Link!) werde ich über kurz oder lang tatsächlich einen Vergleich anstellen können.

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  6. Pingback: Media Monday #76 | Tonight is gonna be a large one.

    • Hehe, ja die liebe Tag-Wut. Die Serie habe ich bisher leider noch nicht gesehen, sonst hätte ich schon darüber berichtet. Steht aber noch auf meiner nie abnehmenden Liste. Irgendwann. Ganz bestimmt.

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  7. Pingback: Der Adler der neunten Legion – OT: The Eagle (2011) | moviescape.blog

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