Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

Tango & Cash (1989)

Nach einer weiteren Woche mit sehr kurzen Nächten, habe ich mit Schrecken feststellen müssen, dass ich fast nur noch ungesehene Filme jenseits der zweieinhalb Stunden Laufzeit im Regal stehen habe. Heute keine Chance. Die perfekte Gelegenheit also mit „Tango & Cash“ auf ein Werk jenseits der Jahrtausendwende zurückzugreifen, als Geschichten noch wunderbar unter 120 Minuten erzählt werden konnten…

Zurück in die 80er

Bereits vor ein paar Wochen habe ich mit „Die City-Cobra“ damit begonnen, meine unfassbar lange Liste an Stallone-Klassikern nachzuholen. Kaum zu glauben, dass zwischen den beiden Filmen nur drei Jahre liegen, wirkt „Tango & Cash“ doch bereits ungleich moderner, auch wenn der Buddy-Movie seine 80er-Jahre-Herkunft schon alleine aufgrund Harold Faltermeyers (am bekanntesten für „Beverly Hills Cop“) Synthie-Score nicht verhehlen kann. Pate stand ganz eindeutig Richard Donners unglaublich erfolgreiche Buddy-Cop-Reihe „Lethal Weapon“, die zwei Jahre zuvor den Durchbruch dieses Subgenres begründete. Ein reiner Abklatsch also?

Tatsächlich wirkt „Tango & Cash“ alles andere als originell und ist dabei auch ziemlich übertrieben. Dennoch fügt sich alles zu einem großen, schrillen und lauten Film zusammen, der einfach nur Spaß macht. Ich merke richtig, wie ich die langsam geschnittenen Action-Szenen und übertriebenen Oneliner genieße. Der Film wirkt in seiner stereotypen Darstellung aller möglichen Klischees heute unfassbar unschuldig und stellt somit einen deutlichen Gegensatz zum zynischen Action-Kino der 2010er Jahre dar. Das alles macht Andrei Kontschalowskis Film nicht wirklich gut, doch für Fans der 80er/90er zu einem ziemlich großen Spaß.

Fazit

Auch wenn das Drehbuch an vielen Ecken knarzt und man nicht einen Gedanken an Logik verschwenden sollte, so sind Sylvester Stallone und Kurt Russell ein wunderbar harmonierendes Buddy-Cop-Duo, die in abgefahrene Settings geworfen werden und gegen einen „James Bond“-artigen Bösewicht kämpfen dürfen. Das alles ist ziemlich grober Unfug, doch letztendlich herrlich unterhaltsamer Unfug: 7/10 Punkte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (David Levithan)

Schon seit mir „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ bei einer Besprechung der Ergothek aufgefallen ist, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Kurz darauf hatte es meine Frau zufällig gekauft, woraufhin es direkt auf meine Liste der fünf Bücher, die ich 2017 lesen möchte gewandert ist. Nun bin ich damit durch und lasse die Geschichte Revue passieren. Eine ungewöhnliche Geschichte, eine Geschichte mit Konzept. Doch was hat David Levithans Roman tatsächlich über seine außergewöhnliche Prämisse hinaus zu bieten?

Jeden Tag ein anderes Leben

Normalerweise spare ich mir ja die Zusammenfassung des Inhalts und beschränke mich auf den Eindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat. Hier jedoch möchte ich aber wenigstens kurz auf die Geschichte von A eingehen, der jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht und somit jeden Tag ein anderes Leben lebt. Da der Protagonist selbst Jugendlicher ist, sind auch die Personen, in die er Tag für Tag schlüpft, in diesem spannenden Lebensabschnitt verortet. Auch wenn sich die unterschiedlichen Leben in manchen Aspekten durchaus ähneln, so gibt es teils doch eklatante Unterschiede. Interessant wird die Geschichte als sich A verliebt und Rhiannon von seinem unglaublichen Leben erzählt. Der Versuch eine Beziehung aufzubauen, die länger als nur einen Tag andauert, ist der Kern des Romans. Darüber hinaus schneidet David Levithan noch viele andere Themen an, was „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu einem wirklich famosen Jugendbuch macht.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Leben driftet A einerseits ohne Anker durch die Welt, andererseits hat er auch eine wunderbar freie Perspektive auf Sexualität und Geschlechterrollen. A ist weder weiblich noch männlich und fühlt sich in beiden Geschlechtern zu Hause. Ein in dieser Hinsicht wirklich erfrischend unkomplizierter Held, gerade in einem Jugendbuch. Den unzähligen Körpern, die unsere Hauptfigur durchwandert, und von denen jeder einzelne eine ganz eigene Geschichte besitzt, steht der behutsame Aufbau der Beziehung zu Rhiannon gegenüber. Auch hier ist es sehr erfrischend wie anders und gleichzeitig doch bekannt die Liebesgeschichte wirkt. A und Rhiannon haben einerseits mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, als der Standard-Teenager, die emotionale Basis bleibt jedoch stets nachvollziehbar und kann leicht auf die eigenen Erfahrungen transferiert werden.

Fazit

Ich habe „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ wirklich sehr gerne gelesen und A unglaublich gerne bei seinen unsteten Abenteuern begleitet. Am Ende gibt es keine Erklärungen, nur einen vorsichtigen Blick auf eine mögliche größere Geschichte. A bleibt seinen (oder ihren) Prinzipien jedoch treu und handelt entgegen aller erwartbaren Klischees, was mir – trotz des scheinbar unbefriedigenden Ausgangs – ziemlich imponiert hat. Ein tolles Buch: 9/10 Punkte.

Hast du den Nachfolgeroman „Letztendlich geht es nur um dich“ gelesen? Dann freue ich mich ganz besonders über einen Kommentar samt persönlicher Einschätzung… 🙂

11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Normalerweise bevorzuge ich Serien, mit denen ich mich länger beschäftigen kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich ungern Unterbrechungen bis zur Fortführung der Geschichte habe und somit selten (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur einzelne Staffeln anschaue. Mit der Mini-Serie „11.22.63 – Der Anschlag“ liegt der Fall allerdings ein wenig anders, stand hier doch bereits schon von Anfang an fest, dass es nur diese eine Staffel geben wird. Mich hat speziell die Art der Adaption gereizt, bietet dieses Format doch weit mehr Raum für den Inhalt einer Vorlage als nur ein Film…

Vom Roman zur Serie

Ich kenne Stephen Kings Roman bisher noch nicht, hatte ihn aber im Zuge des Serien-Kaufs meiner Frau ans Herz gelegt, die sogleich das Hörbuch verschlungen hat und davon äußerst begeistert war. Dieser unterschiedliche Wissensstand war spannend und hat während der Sichtung für so manche angeregte Diskussion gesorgt, denn anscheinend weicht die Serie in einigen relevanten Details von der Vorlage ab. Dies hat dafür gesorgt, dass ich nun auch am liebsten das Buch lesen würde, schon alleine um entsprechend fundiert mitreden zu können. Doch auch die Serie an sich fühlt sich sehr wie ein Buch an und ich habe es sehr genossen, diese packende Geschichte über knapp acht Stunden erleben zu können. Ich frage mich was daraus geworden wäre, hätte man sich für einen abendfüllenden Spielfilm als Format entschieden. Vermutlich einfach ein ganz anderes Erlebnis.

Zeitreise-Drama oder Historien-Thriller?

Wenn man „11.22.63 – Der Anschlag“ in eine Genre packen sollte, dann ist das gar nicht so einfach. Von der Prämisse her gesehen, würde man wohl zuerst an Sci-Fi denken. Diese Genre-Elemente sind allerdings so gut wie überhaupt nicht vorhanden, dafür hat das historische Setting starken Einfluss auf die Geschichte. Man wähnt sich somit eher in einem Historien-Thriller mit übernatürlichen Elementen als in einem Sci-Fi-Drama. Wie man es von Stephen King erwarten würde, macht die Serie auch vor Horror-Elementen nicht halt. Diese waren mir teils zu dominant, wurden von den acht Episoden schon ganze zwei auf eher horrorlastige Subplots verwendet, von denen zumindest einer die Handlung nicht wirklich nach vorne gebracht hat. Ich hätte mir dafür tatsächlich mehr Einblick in die Ermittlungen gewünscht.

Die Serie ist sehr hochwertig produziert und nach „The Path“ nun bereits die zweite Hulu-Eigenproduktion, die es in mein Programm geschafft hat. Wie bereits „House of Cards“ setzt auch „11.22.63“ das seltene Bildformat 2,00:1 ein, was für ein kinohaftes Erlebnis sorgt. James Franco („127 Hours“) trägt die Geschichte mit jungenhaftem Charme, kann jedoch auch in dramatischen Situationen überzeugen. Auch der Support-Cast bietet mit u.a. Chris Cooper („American Beauty“) bekannte Gesichter. Formal ein wirklich äußerst gelungenes Erlebnis.

Fazit

Auch wenn die Serie nicht bis ins letzte Detail perfekt ist und teils die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, so hat sie mich über ihre acht Episoden doch wunderbar unterhalten. Wenn ich Zeit für Binge-Watching hätte, dann wäre „11.22.63“ wohl der perfekte Kandidat gewesen, um die komplette Serie an einem Wochenende durchzuschauen. Doch auch in Häppchen serviert hat mich die Geschichte für sich eingenommen und speziell die letzte Episode zu Tränen gerührt. Da greift dann auch wieder der Zeitreise-Aspekt, den ich zuvor ein wenig vermisst hatte. Auch meine Frau war trotz der Änderungen zur Vorlage sehr angetan, weshalb ich die Serie nun sowohl Kennern des Romans als auch Neulingen empfehlen kann: 9/10 (8.6) Punkte.

Mystic River (2003)

Nach einer langen Arbeitswoche wartet ein langes Wochenende auf uns. Wenn das einmal kein Deal ist. Zum Einstieg habe ich mir heute Abend „Mystic River“ angesehen, der schon viel zu lange auf meiner Liste stand. Erwartet hatte ich keinen leichten Film und auch zu sehen bekam ich keinen. Was Clint Eastwoods Drama rund um Schuld, Sühne und Rache tatsächlich kann, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Trostlos in Boston

„Mystic River“ hat mich sofort an einen anderen Film erinnert, der ein Verbrechen in Bosten in den Mittelpunkt der Handlung stellt: „Gone Baby Gone“ von Ben Affleck. Das ist auch kein Wunder, handelt es sich bei beiden Filmen doch um Adaptionen von Romanen, deren Autor Dennis Lehane eine Vorliebe für dieses Setting besitzt. Auch inhaltlich ähneln sich beide Filme und lassen uns Zuschauer in den düsteren Strudel des Mystic Rivers hinabgleiten. Der Ton des Films ist von Anfang an bewusst trostlos. Weder für die Charaktere noch uns Zuschauer gibt es einen Hoffnungsschimmer. Der Film beginnt mit Kindesmissbrauch und endet mit dem Mord an einem alten Freund. Harter Tobak, den Clint Eastwood kompromisslos inszeniert.

Ein düsteres Schauspielfest

Besonders begeistert haben mich die Schauspieler, allen voran Sean Penn, der dem Schmerz seiner Figur, speziell zu Beginn des Films, beeindruckend viel Ausdruck verleiht. Zu ihm gesellen sich Kevin Bacon, Tim Robbins und Laurence Fishburne, die allesamt eine beeindruckend dichte Leistung abliefern. Auch auf weiblicher Seite gibt es mit Laura Linney, Marcia Gay Harden und Emily Rossum (Fiona, „Shameless“) viel Qualität vor der Kamera, doch leider bleiben die Figuren ziemlich blass. Dies ist ein deutlicher Schwachpunkt des Films, denn er lässt seine Frauen links liegen, nur um sie in den falschen Momenten zu Verrätern oder Kriegstreibern zu machen.

Auch inhaltlich hat mich „Mystic River“ stets am Ball gehalten, wenngleich die Auflösung der Geschichte gegen Ende doch einfacher und plakativer ist, als ich es vermutet hätte. Vielleicht liegt darin aber auch der Reiz. In manchen Szenen ist Eastwoods Inszenierung ein wenig offensichtlich geraten und ich hätte mir teils einen subtileren Ansatz gewünscht, z.B. was Tim Robbins Charakter und seine Erklärungen angeht. Hier wurde viel gesagt, doch nur wenig gezeigt.

Fazit

Nach der grandiosen ersten Hälfte, während der ich noch mit einem neuen Highlight gerechnet hatte, fällt der zweite Teil des Films für mich ein wenig ab. Nicht dramatisch, doch es gab ein paar Entwicklungen, die an der Geschichte gekratzt haben. Insgesamt bietet „Mystic River“ ein Krimi-Drama vom Feinsten, das mit hochkarätigen Darstellern und einer packenden Geschichte aufwarten kann. Wer den Film noch nicht kennt, der sollte auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

The Big Bang Theory – Season 9

Wie jedes Jahr um diese Zeit ist „The Big Bang Theory – Season 9“ auch dieses Jahr Teil meines Serienprogramms. Inzwischen sind die Erwartungen nicht mehr sonderlich hoch und die meisten Fans der frühen Staffeln haben der Serie längst den Rücken gekehrt. Ich dagegen halte Leonard, Sheldon und Co. weiterhin die Treue, da die Serie nach wie vor als leichter Comedy-Happen perfekt in mein Programm passt…

Spagat zwischen Nerd-Humor und RomCom

Wie bereits in der achten Staffel entfernt sich die Serie immer weiter von ihren Wurzeln bzw. versucht diesen treu zu bleiben und gleichzeitig der Weiterentwicklung ihrer Figuren gerecht zu werden. Waren Leonard, Sheldon, Penny, Raj und Howard während der ersten Staffel noch die prototypischen Nerds, die sich in ihrer Welt bewegt haben, stehen nun Hochzeiten, Kinder und berufliche Weiterentwicklung auf der Agenda. Also alles, was man aus typischen RomCom-Sitcoms kennt. Somit bleibt nicht mehr viel vom Alleinstellungsmerkmal der Serie übrig. Dennoch ist es wichtig und richtig, dass sich die Charaktere weiterentwickeln, schließlich befinden sie sich nicht mehr in ihren sorglosen Zwanzigern, sondern bewegen sich zielstrebig auf die Vierzig zu. Insofern auf jeden Fall eine Herausforderung für die Autoren.

Vermutlich wäre es das Beste für die Serie, sie langsam ausschleichen zu lassen. Alle Geschichten sind bereits erzählt und neue Erzählstränge wirken nur wie aufgewärmt. Gerade die viel gescholtenen Weiterentwicklungen (Schwangerschaft usw.) sind noch die interessantesten Aspekte. Doch auch davon abgesehen mag ich die Figuren immer noch und konnte während jeder Episode auch ein paarmal lachen oder schmunzeln.

Fazit

Inzwischen völlig harmlos, aber damit immer noch um einiges gelungener als die vorherige Erfolgssitcom von Chuck Lorre, die in ihren letzten Jahren völlig den Boden unter ihren Füßen verloren hat. Als eine der letzten klassischen Sitcoms mit Laugh-Track hat „The Big Bang Theory“ weiterhin ihren Platz in meinem Programm sicher:  7/10 (7.3) Punkte.

House of Cards – Season 1

Als vermutlich einer der letzten Serien-Fans unter der Sonne, habe ich mir endlich die Netflix-Produktion „House of Cards – Season 1“ angesehen. Dabei habe ich noch nicht einmal einen Netflix-Zugang, sondern ganz klassisch die Blu-rays in den Player geschoben. Meine Hoffnungen waren sehr hoch, sprechen doch schon die beteiligten Personen für allerbeste Serien-Unterhaltung. Ist die Serie von und mit David Fincher, Kevin Spacey und Co. also wirklich bahnbrechend für die Branche?

Das erste Aushängeschild für Netflix

Ja, „House of Cards“ ist wahrlich bahnbrechend und bedeutsam. Schon alleine das Bildformat (David Fincher hat sich für das ungewöhnliche Seitenverhältnis 2,00:1 entschieden) lässt die Serie wie Kino wirken. Ein scheinbar unbedeutendes Detail, das jedoch zusammen mit Inszenierung, Schauspielern und Erzählweise eine mehr als deutliche Sprache spricht. Die erste Episode hatte mich somit voll in ihren Bann gezogen und ich kam aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Netflix hat das Serien-Game wahrlich neu definiert. Ich habe mir zudem eingebildet David Finchers unterkühlten Stil zu erkennen, den er gerade in den letzten Jahren mit Filmen wie „Gone Girl“ geprägt hat. Audiovisuell ist die Serie ein Genuss und sie hat es bestimmt mit zu verantworten, dass Netflix als Serien-Produzent ernst genommen wird.

Das Gegenteil von „The West Wing“

Bekanntermaßen liebe ich Serien, die sich mit US-Politik beschäftigen. Speziell Aaron Sorkins „The West Wing“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsserien. Darin wird die Amtszeit des sehr idealistischen Präsidenten Josiah Bartlet samt seiner Mitarbeiter gezeichnet. Ein Präsident, wie man ihn sich wünschen würde. Hier kann man noch guten Gewissens an die große Politik glauben. Eine zweite tolle Serie über US-Politik ist die HBO-Comedy „Veep“, in welcher der gesamte Polit-Zirkus durch den Kakao gezogen wird. Einfach herrlich! „House of Cards“ dagegen ist ein bitterböser Thriller, dessen schwarzer Humor so dunkel ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Teils erinnerte mich die Serie an den Film „The Ides of March“, der ein ähnlich bitteres Bild der Mächtigen zeichnet.

Serien mit Antihelden sind wahrlich nichts mehr Neues: seien es Tony Soprano, Dexter Morgan oder Walter White – all diese Charaktere machen eine Reise durch und es gibt Momente, in denen man mit ihnen fühlt bzw. fühlen soll. Frank Underwood jedoch, der von Kevin Spacey großartig gespielte Antiheld aus „House of Cards“, ist von Anfang an so verschlagen und berechnend, dass es schwer fällt eine Bindung zu ihm aufzubauen. Ihn die vierte Wand durchbrechen und direkt zu uns Zuschauern sprechen zu lassen, ist dabei ein geschickter Schachzug. Dennoch war er mir in seiner Machtversessenheit, bei der er wortwörtlich über Leichen geht, zu eindimensional dargestellt.

Fazit

Nach der ersten Staffel von „House of Cards“ bin ich nun wirklich beeindruckt ob der Qualität, die Netflix hier auf die Beine gestellt hat. Inhaltlich ist die Serie extrem mitreißend, wird jedoch den formalen Aspekten nicht ganz gerecht. Die Dramaturgie ist ein wenig holprig und ich hätte mir mehr Nähe zu den Figuren gewünscht. Ich werde nun erst einmal eine Pause einlegen, sollte ich mich aber doch noch einmal zu einem Netflix-Abo hinreißen lassen, dann werde ich in die kommenden Staffeln mit viel Freude zu den beängstigenden Underwoods zurückkehren: 8/10 (8.4) Punkte.

Sing Street (2016)

Der Ostermontag war beinahe ein wenig anstrengend. Es hat den ganzen Tag geregnet, so dass Außenaktivitäten nicht drin waren. Umso tragischer, da zu den Geschenken ein Skateboard und Inline Skates gehörten. Also abends noch, für die gute Stimmung, ein Brettspiel gespielt, dann die Kinder ins Bett gebracht und mit „Sing Street“ den dritten Musikfilm von John Carney in den Blu-ray-Player geschoben. Es scheint so, als würde sich so langsam ein neuer Lieblingsregisseur bei mir herauskristallisieren…

Das Glück in der Traurigkeit

Das Setting im Irland der 1980er Jahre vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hätte auch eine ganz andere Art von Film heraufbeschwören können: ein Sozialdrama, wie von Ken Loach inszeniert, das bestenfalls bittersüße Momente beinhaltet. John Carney jedoch wählt den Weg der Hoffnung. Er lässt seine Figuren wortwörtlich das Glück in der Traurigkeit finden. Und das ist ganz und gar wundervoll. In „Sing Street“ erzählt Carney eine klassische Coming-of-Age-Geschichte samt erster Liebe, der Abkapselung vom Elternhaus, Rebellion und Selbstverwirklichung. Diese Auflistung mag sich klischeehaft lesen, doch wurden diese Aspekte selten so erfrischend ehrlich, undramatisch und mit Musik inszeniert. Es ist eine wahre Freude!

Coming-of-Age als Spiegel der eigenen Jugend

Warum liebe ich Coming-of-Age-Filme? Natürlich weil sie immer ein Spiegelbild der eigenen Jugend darstellen. Ich war nie in einer Band, habe selten rebelliert und mein Elternhaus war größtenteils intakt. In „Sing Street“ inszeniert John Carney das Idealbild einer Jugend in den 80er Jahren. Conor (großartig: Ferdia Walsh-Peelo) findet sich über die Laufzeit des Films und erlebt bis dahin etliche Phasen, die stets durch Musik ausgedrückt werden. John Carney kennt die musikalischen Trends der 80er Jahre und legt sie wie eine Schablone über Conors Leben. Wunderbar, erfrischend und einfach nur mitreißend anzusehen. Dabei spart der Film ernste Themen nicht aus und ist in den entscheidenden Momenten dennoch so unglaublich positiv und lebensbejahend, dass man dies in der oft zynischen Kinolandschaft der 2010er Jahre kaum glauben mag.

Wenn Conor und Raphina (ebenso hinreißend: Lucy Boynton) am Ende in den bildhaften Sonnenuntergang fahren, hätte das in jedem anderen Film vermutlich unglaublich kitschig gewirkt. Hier jedoch habe ich mich einfach mit den beiden gefreut. Mit dieser Szene spiegelt „Sing Street“ auch die entsprechende Szene aus Carneys „Once“ wider, in der sich die Protagonisten entscheiden eben nicht zusammen nach England zu gehen. Der Kreis schließt sich.

Fazit

Nun habe ich mit „Once“, „Can a Song Save Your Life?“ und „Sing Street“ die drei großen Musik-Filme von John Carney gesehen. Alle drei haben mich auf ihre Art und Weise berührt. Man kann definitiv einen übergreifenden Stil erkennen und ich hoffe inständig, dass Carney mit dem Thema noch nicht durch ist. Für mich eine der schönsten, hoffnungsvollsten und mitreißendsten Coming-of-Age-Geschichten, die ich jedem Freund des Genres (und der Musik!) nur empfehlen kann: 9/10 Punkte.

Once (2006)

Schon seit über einem Jahr versuche ich diesen Film zu sehen und nun hat es endlich geklappt. Schon vor ein paar Monaten war ich aus dem Häuschen, dass es „Once“ endlich zu Amazon Prime geschafft hat, doch dann lief John Carneys Film dort nur in der synchronisierten Fassung. Wer macht denn bitte so etwas? Also war ich hoch erfreut kürzlich die Blu-ray-Box der drei bisherigen Musik-Filme des Regisseurs zu erstehen. Ob sein Debüt den hohen Erwartungen gerecht werden konnte?

„Fallen From The Sky“

Während der ersten paar Minuten hat mich die Video-Optik des Films doch ein wenig abgeschreckt. Kein Vergleich zum polierten Eindruck, den „Can a Song Save Your Life?“ hinterlassen hatte. Glücklicherweise ist dieses Gefühl schnell verflogen, unterstützt die rohe Art der Inszenierung doch tatsächlich die Geschichte. Man fühlt sich mit Glen Hansard auf den Straßen Dublins und bei mir wurden Erinnerungen an meine eigene Dublin-Reise im Jahr 2008 wach. Der Film wirkt dabei herrlich spontan und improvisiert, was wohl auch den beteiligten Personen zuzuschreiben ist, die alle einen gemeinsamen, musikalischen Hintergrund besitzen. Selbst Regisseur John Carney hat mit Hauptdarsteller Glen Hansard in seiner Band gespielt.

„When Your Mind’s Made Up“

Wie man es hätte erwarten können, spielt Musik die Hauptrolle in „Once“. Irischer Singer-Songwriter-Pop, wie er schöner nicht sein könnte. Das Wundervolle daran ist natürlich, dass die Songs eine Geschichte erzählen und somit fast schon ein Musical-Erlebnis heraufbeschwören. John Carney schwelgt dabei in langen Montagen, die in der Video-Optik ein wenig befremdlich aber vielleicht deshalb umso intensiver wirken. Man ist nahe dran an den Figuren und ich habe jeden Moment mit ihnen genossen. Die Lieder besitzen Ohrwurm-Qualitäten und sind dabei dennoch um einiges roher als ihre Pendants in John Carneys zweitem Film. Man merkt, dass die Handlung sehr nahe an der Lebensrealität der Schauspieler und des Regisseurs dran ist. Eine Qualität, die man vermutlich kaum planen kann, die den Film aber zu etwas ganz Besonderem macht.

„Once“ erzählt auch eine Liebesgeschichte. Eine herrlich unkonventionelle Liebesgeschichte. Es gibt ein Happy End – und das obwohl die beiden Protagonisten nicht zusammenfinden. Ihre Zuneigung wirkt wahrhaftig und nachvollziehbar und ich musste in so mancher Szene die eine oder andere Träne verdrücken. Daneben gibt es kein aufgesetztes Drama, nur unzählige wundervolle zwischenmenschliche Momente. Nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren, sondern auch darüber hinaus.

„Say It to Me Now“

Alle Befürchtungen, die ich noch während der ersten Einstellung hegte, sind schnell verflogen und ich habe jede der nur 86 Minuten genossen. Den Soundtrack werde ich in den kommenden Tagen wohl rauf und runter hören und John Carneys „Sing Street“ ist jetzt schon fest in meinem Programm eingeplant. Viele Filme bekommen ja das Label Feel-Good-Movie, doch dieser hier hat es wirklich verdient: 9/10 Punkte.

Ghost in the Shell (2017)

Da die Kinder noch bis morgen bei den Großeltern untergebracht sind, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und sind einmal wieder ins Kino gegangen. Leider lief nicht der Film, den wir unbedingt sehen wollten. Letztendlich fiel meine unsere Wahl auf „Ghost in the Shell“ und speziell ich war durchaus gespannt, was die Realverfilmung des Animes denn so auf dem Kasten hat: Die Trailer sahen vielversprechend aus, die Kritiken waren jedoch durchwachsen…

Einmal Matrix und zurück

Speziell Fans des Animes scheinen so ihre Probleme mit der Realverfilmung zu haben. Auch ich kenne das Original, wenngleich meine Sichtung inzwischen mindestens 15 Jahre zurückliegt. Es muss irgendwann nach „The Matrix“ gewesen sein, als man alles aufgesogen hat, was für diesen bahnbrechenden Film Pate stand. Ich erinnere mich noch, dass ich die Geschichte faszinierend aber auch verwirrend fand. Heute dagegen, ziemlich genau 18 Jahre nach dem Blockbuster der Wachowski-Geschwister, wirkt die Geschichte doch schon ziemlich vertraut. Was 1995 unglaublich originell gewirkt haben musste, ist heute nur noch die gekonnte Inszenierung einer nur allzu bekannten Routine. Das kann man dem Film nur schwerlich als Fehler anlasten, trübt dessen Wirkung leider dennoch beträchtlich.

Whitewashing oder warum Scarlett Johansson?

Am meisten war „Ghost in the Shell“ im Vorfeld des Kinostarts wohl aufgrund des Whitewashing-Vorwurfs in aller Munde. Ich kann den Punkt durchaus verstehen, doch glaube ich auch, dass man sich bei Hollywood-Produktionen nicht zu viele Illusionen machen sollte: Es geht hier einfach ums Geschäft. Wären die Rechte an ein japanisches Filmstudio gegangen, hätte es die Diskussion ziemlich sicher nicht gegeben. Sind sie aber nicht. Mit Dreamworks steht ein amerikanisches Studio hinter der Produktion und als solches werden natürlich auch amerikanische Stars platziert, um den Erfolg im westlichen Markt zu garantieren. Das mag aus künstlerischer Sicht fragwürdig sein, doch ist es keinesfalls überraschend oder skandalös. Davon einmal abgesehen fand ich Scarlett Johansson tatsächlich gut besetzt und ich habe ihr die Rolle abgenommen.

Mit Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche und Michael Pitt ist der restliche Cast durchaus international und die Schauspieler werden ihren Anime-Pendants auf jeden Fall gerecht. Auch wenn westliche Gesichter dominieren, so wirkt die Welt in „Ghost of the Shell“ dennoch wie ein Schmelztiegel und Erinnerungen an „Blade Runner“ werden wach, nur dass hier alles noch einmal bunter, lauter und leider auch sauberer wirkt. Dennoch hat mich die Gestaltung der nahen Zukunft auf jeden Fall überzeugt und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen.

Fazit

Ohne „The Matrix“ oder auch „Blade Runner“ wäre die Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ ein wirklich beeindruckendes Filmerlebnis gewesen, das bei mir noch lange nachgewirkt hätte. Mit Kenntnis der teils dem Original nacheifernden Vorbilder, lässt Rupert Sanders‘ Film jedoch Originalität vermissen. Die Actionszenen sind toll inszeniert (wenn auch ein wenig blutleer) und der Film sieht insgesamt schon ziemlich fantastisch aus. Leider jedoch wird die Handlung zu vereinfacht wiedergegeben und am Ende wirkt es, als wäre nur eine weitere Superheldin geboren worden. Trotz seiner Fehler auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.